Autor Thema: Wann ist der Arzt ein Arzt?  (Gelesen 3412 mal)

Carsten König

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Wann ist der Arzt ein Arzt?
« am: 13:30:25 Di. 26.September 2006 »
Zitat
Das abschreckende Szenario sieht so aus: Ein Patient leidet an Schlafstörungen. Am Empfang des Ärztehauses fragt ihn jemand nach seinen Beschwerden, von dort werden die Patienten gleich zum richtigen Arzt geschickt. Schlafstörungen erscheinen dem Mitarbeiter am Empfang nicht relevant genug für eine ärztliche Behandlung, so rät er dem Patienten, es einmal mit Baldriantabletten zu probieren, und schickt ihn wieder nach Hause. Tatsächlich hat der Patient eine schwere Depression, aber der Angestellte aus dem Ärztehaus hat die Krankheit nicht erkannt. Denn er ist kein Arzt, sondern hat einen Bachelor in Humanmedizin gemacht.

Mit Bildern wie diesem warnen viele Ärzte davor, das Medizinstudium auf die Abschlüsse Bachelor und Master umzustellen. "Das Beispiel ist nicht aus der Luft gegriffen", sagt der Anästhesist Klaus Peter vom Klinikum Großhadern in München. "Wenn Schmalspur-Mediziner auf die Menschen losgelassen werden, bedeutet das eine Gefahr für die Patienten."

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,jkm3/jobkarriere/berufstudium/artikel/935/86849/

Gute Frage!

Klassenkampf

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Wann ist der Arzt ein Arzt?
« Antwort #1 am: 13:47:40 Di. 26.September 2006 »
Zitat
Wann ist der Arzt ein Arzt?

Weitere Fragen in diese Richtung ergeben sich. Ist ein approbierter Arzt überhaupt Arzt, wenn er unter den Zwängen einer sich zu Tode sparenden Gesellschaft praktiziert? Anders: Ist der Arzt ein Arzt, wenn er nur nach den Limitierungen der Krankenkasse handeln kann und notwendige und eventuell hilfreiche Therapieverfahren verweigern muß, weil es der Gesetzgeber - in corpore Krankenkasse - verweigert?

Und so stellt sich die Frage, ob der Kapitalismus in Entfesselung überhaupt noch Ärzte Arzt sein, Krankenpfleger Krankenpfleger sein oder Kindergärtnerinnen Kindergärtnerinnen sein läßt. Alles wird dem Nötigsten zugeschnitten, alles wird mit Papierkram beladen, alles wird finanziell beschnitten. Das Handwerk, der Beruf wird degradiert, zum Erfüllungsgehilfen dessen erniedrigt, was nötig ist, um einen menschlichen Organismus möglichst rentabel zu belassen.

Was ist aus der guten alten Bettruhe geworden? - Heute werden Tabletten verschrieben, ein Tag Krankschreibung. Aber dann muß es reichen, genug des Krankseins: Auf an den Arbeitsplatz, Bettruhe ist etwas für Schwache. Billig, schnell und effektiv! - Ist da der Arzt noch ein Arzt? Will er Heilung um jeden Preis?
„Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... Streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben.“
--- Karl Marx, "Das Elend der Philosophie" ---

Dr. Abusus

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Wann ist der Arzt ein Arzt?
« Antwort #2 am: 06:21:06 Mi. 27.September 2006 »
Ärzte sind heute lediglich noch Systemmarionetten!

Wer hofft einen Arzt zu finden der sich wirklich für die persönliche Gesundheit interessiert und engagiert , der muss lange suchen oder einfach Glück haben.

Aufgrund des bürokratischen Aufwands werden sinnvolle Anwendungen einfach verweigert, der ganze Praxisablauf ist lediglich zeitgesteuert.

In Krankenhäusern findet man dann zwar noch engagiertere Ärzte, aber die sind meist hoffnungslos übermüdet nach ihren Powerschichten und bald auch frustriert.

Aber bald kommt die neue Gesundheitsreform und alles wird besser! :D
"Dirk Hertfelder aka Freedirk" Infos auf http://www.dirk-hertfelder.de

Big Will

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Wann ist der Arzt ein Arzt?
« Antwort #3 am: 11:48:17 Mi. 27.September 2006 »
Hallo, allerseits,

ich muß schon mal meinen Ärzten (Krankenhaus-, Haus-) wirklich
Lob aussprechen, denn sie bemühen sich alle sehr aufopfernd
um jeden einzelnen Patienten (natürlich auch um mich!!).

Mein Hausarzt weiß natürlich, wie es arbeitsmäßig um mich steht
(Hartz IV) und fragt mich jedesmal, was es denn Neues gebe?

Natürlich gebe ich ihm dann auch wahrheitsgemäß Antwort,
ich denke mal, er denkt sich dann seinen Teil; denn: Gedanken
sind frei!!

Gruß

Big Will

Rentenkaefer

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Wann ist der Arzt ein Arzt?
« Antwort #4 am: 22:57:30 Sa. 25.November 2006 »
Auch ich möchte mal eine Lanze für einige Ärzte brechen.

In den vergangen Jahren habe ich einige kennen lernen "dürfen":

niedergelassene Ärzte
Ärzte regionalen Kliniken
Ärzte in Unikliniken
Rehaklinik usw usw.

Mein Facharzt begleitet mich nun seit über 6 Jahren, hat alles auf diesem Weg an Kliniken, Behördenstress etc. miterlebt und auch heute nimmt er sich immer Zeit, fragt nach und nimmt sich die Zeit, die er sich nehmen kann.

Ebenso mein Hausarzt - absolut kompetent, denkt mit und macht von sich aus Therapievorschläge.
Dank ihm kann ich nun seit 2 Monaten eine spezielle Gymnastik bei einer Physiotherapeutin machen, die meine Motorik stärken soll.
Ich selbst wußte gar nichts von dieser speziellen Art der Krankengymnastik.Er kam von sich aus auf mich zu damit und verordnet sogar immer gleich 10x Anwendung.

Ärzte in Kliniken behandeln oftmals mehr als eine NUMMER / Fall. Dort ist man nicht Frau oder Herr, sondern DER BLINDDARM, oder  DER BRUCH oder so  ;)

Schrecklich fand ich den stationären Aufenthalt in einer Uniklinik, ständig wechselnde Docs, keine Bezugsperson.

Alles schnell schnell.
Da sticht man auch mal mit der Nadel etwas neben die Vene und die ganze Infusionssuppe lief mir unter die Haut und bildete ein Hühnerei, anstatt in die Vene oder man legte mir aus Versehen die Corstisonspritze der Nachbarin auf meinen Nachtschrank, die mir ein Arzt fast auch noch gegeben hätte und erst im letzten Augeblick den falschen Namen darauf entdeckte.

Wie gesagt: alles halt immer schnell schnell und wieder weg.


Super war hingegen mal ein ambulanter Termin in einer Uniklinik in Bayern - trotz STREIK - der ARzt nahm sich extrem viel Zeit, die Tests dort waren mehr als gründlich. ich fühlte mich ernst genommen, konnte nicht klagen.

also ich denke es hängt schon viel an der Budgettierung und den Reformen, aber nicht alles !!
Etwas MEnschlichkeit kann ein Arzt sich immer bewahren - meine MEinung is.

Rentenkäfer
Ich warte immer noch auf den Tag, an dem Merkel die Perücke abnimmt und Hape Kerkeling steht da. (unbekannter Autor) [/COLOR]

Pinnswin

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Re:Wann ist der Arzt ein Arzt?
« Antwort #5 am: 22:33:15 Fr. 27.August 2010 »
Hausärztestreik: Praxen bleiben zu, die Patienten zu Hause..
http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/hausaerztestreik-praxen-bleiben-patienten-hause-894314.html

Zitat
... „Normalerweise ist richtig viel los“, sagt Spiegl, der als Delegierter des Bayerischen Hausärzteverbandes für den Landkreis zuständig ist. Doch nur wenige Patienten benötigen die Notfallsprechstunde zwischen 9 und 11 Uhr. Denn ansonsten bleibt die Praxis geschlossen, alle Termine wurden im Vorfeld abgesagt. Mit dieser Aktion beteiligt sich Spiegls Team wie viele Ärzte im Landkreis an einer bayernweiten Protestaktion gegen Reformpläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Dieser will Sondervergütungen für Hausärzte kürzen (wir berichteten)

Der überaus ruhige Vormittag bestätigt Spiegl in seinem Engagement gegen die Reform und für das hausarztzentrierte Modell. Denn: Nicht Notfälle und kurzfristige Probleme wie Infekte machen das Gros der Behandlungen aus, sondern chronische Erkrankungen älterer Menschen. Vor allem sie brauchten den persönlichen Kontakt zum Hausarzt, bei dem alles zusammenläuft: „Wir wissen genau Bescheid und können die Fachärzte optimal informieren. Nur so ist der Patient gut versorgt.“
Eine 71-Jährige befindet den Ärztestreik für gut, sogar „dringend nötig“: „Irgendetwas müssen die Ärzte ja tun.“ Man habe den Hut vor deren Einsatz zu ziehen. Dieser gehe weit über die medizinische Versorgung hinaus. Die Murnauerin hält jede Kürzung für „unverantwortlich“.

Spiegl prophezeit ein schleichendes Praxissterben auf der einen und die Entstehung großer Versorgungszentren auf der anderen Seite, sollte sich Rösler durchsetzen. In Zentren seien nur jüngere Patienten gut versorgt. „Auch ich will mit 80 Jahren einen Arzt, den ich kenne, der mich kennt und dem ich vertraue.“
...

Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski