Autor Thema: 13.) Narbenschmerzen  (Gelesen 17638 mal)

Dr.Mabuse

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13.) Narbenschmerzen
« am: 23:05:59 Sa. 08.Februar 2003 »
Narbenschmerzen
(Mit Unterabteilungen)
 
a) Verwachsungen im Bauch
 
Wie lange?
Man kann sich über ein bis zwei Jahre immer wieder ein bis zwei Wochen krankschreiben lassen.
 
Wer wird krank?
Alle Leute, die irgendeine Bauchoperation, auch Blinddarmoperation gehabt haben. Sie sollte möglichst noch nicht so lange zurückliegen.
 
Beschwerden
Bei allen Bauchoperationen bilden sich während der Abheilung irgendwo im Bauch viele oder wenige, dicke oder dünne Verwachsungen = Gewebssträngenarben. Viele Leute merken davon nichts, das kann aber auch anders sein: wenn die Gewebsstränge zwischen zwei Darmstücken verlaufen, ist die Beweglichkeit des Darms dort eingeschränkt und die Passage der Nahrung oder des Stuhls kann fast immer oder manchmal oder gar nicht gestört sein. ( In ganz ernsten Fällen tritt sogar eine Darmlähmung auf, was dann meistens lebensgefährlich ist und oft wieder operiert werden muß.) Diese Gewebstränge bilden sich einige Wochen und Tage nach der Operation, die Beschwerden können schon bald anfangen oder auch erst einige Wochen später, manchmal auch erst nach Monaten. Diese Passagestörung kann fast ständig oder zeitweise führen zu: schmerzhaften Blähungen, Verstopfung, aber auch Durchfall, und zu ziehenden Schmerzen in immer derselben Gegend des Bauches. Das muß nicht unbedingt in der Nähe der Hautnarbe sein.
 
Untersuchungen
Bauch abtasten und abhören. Wenn ihr vorher zwei bis drei Gläser Wasser trinkt, ist im Darm viel Bewegung zu hören, das wird den Arzt freuen, denn es spricht für eure Beschwerden. Bei der Röntgenuntersuchung des Bauches sieht man manchmal viel Luft im Darm, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. (Achtet auf die Bleiabdeckung der Geschlechtsteile beim Röntgen.) Der nächste Schritt ist dann meist die Magen - Darm - Passage (MDP) oder der Colon - Kontrast - Einlauf (KE). Dabei muß man Röntgen - Kontrastmittel entweder schlucken oder man kriegt es als Einlauf. Die Passage wird über ein bis zwei Stunden mit mehreren Röntgenbildern verfolgt. Das ist etwas anstrengend und mit etwas Strahlenbelastung verbunden, man sollte versuchen diese Untersuchung hinauszuschieben. Eine Darmspiegelung sollt ihr wegen Aufwand unbedingt vermeiden. Blut- und Stuhluntersuchungen haben kein bemerkenswertes Ergebnis.
 
Behandlung
Diät, Bäder, Bewegung, Wärme sind nette Tips oder Verschreibungen. Alle Tabletten sollte man wegschmeißen und der Vorschlag der Nachoperation sollte nicht ernsthaft diskutiert werden. Sie ist überflüssig, gefährlich und bringt neue Verwachsungen.
 
b) Überschießende Narbenbildung
 
Wie lange?
Krankschreibung mit Unterbrechungen oder in einem Stück bis zu mehreren Monaten.
 
Wer wird krank?
Leute, die etwas größere Narben in und auf der Haut haben, die sie in der letzten Zeit nach Unfällen, Verletzungen, Operationen oder Verbrennungen bekommen haben.
 
Beschwerden
Manchmal, nicht immer, findet ein überdurchschnittliches Wachstum des Narbengewebes statt, so das die Narbe wulstförmig über die übrige Hautoberfläche erhaben ist. Manchmal, nicht immer, ist die Stelle auch gerötet oder sonst andersfarbig. Es kann zu sehr starken juckenden oder brennenden Schmerzempfindungen kommen. Oft bilden sich solche überschüssigen Gewebe nach Monaten oder Jahren wieder zurück oder die Beschwerden hören sowieso von alleine auf.
 
Untersuchung
Frage nach Dauerschmerz oder nur manchmal, z.B. bei Temperaturveränderungen, Berührung, nachts, Wetterwechsel oder so. Sonst kann man mit keiner Untersuchung nachweisen, ob die Narbe schmerzt oder nicht.
 
Behandlung
Salben muß man nicht benutzen, empfohlene Bäder je nach Laune , ebenso andere Tricks, die der Arzt schon mal gehört hat. Spritzen, egal wohin, sollte man heftig ablehnen. Mindestens ebenso strikt abzulehnen sind ausschneiden der Narbe oder Röntgenbestrahlung (neue Narben). Die sog. Kurzwellenserie ist nicht schlimm.
 
c) Für wenige besonders Geschädigte:
Amputations- oder Phantomschmerz
 
Wie lange?
Kurz nach der Amputation Wochen, lange Zeit nach der Amputation immer mal wieder eine Woche.
 
Wer wird krank?
Amputation, auch "nur2 von Zehen- oder Fingergliedern, Ohrläppchen o.ä.
 
Beschwerden
Manhat das ungeheure Gefühl, daß in dem Amputierten Teil (also dem, was fehlt!) ein heftiger, andauernder Schmerz, Juckreiz oder Brennen ist. Zusätzlich bzw. gleichzeitig kann es eine entsprechende Mißempfindung auch in der Amputationsnarbe selbst geben. Der Phantomscherz läßt sich nicht erklären. Der Schmerz kann schon kurz nach der Amputation beginnen oder erst nach Monaten das erste Mal auftreten.
 
Untersuchung
Gibt es keine besonderen. Nachweisen läßt sich der Phantomschmerz auch nicht. Man kann, meist erfolglos, in dem noch vorhandenen Glied nach einem Knochensplitter suchen (röntgen). Blutuntersuchungen nützen nichts, bringen nichts und schaden nichts.
 
Behandlung
Falls zugleich eine Entzündung des Stumpfes besteht, sind Salben akzeptabel. Wegen der Schmerzen werden meist sehr starke Schmerzmittel gegeben, die eine Abhängigkeit auslösen können, wenn sie oft oder gar regelmäßig genommen werden. Wenn ihr also eigentlich, genau betrachtet, gar keine richtigen Schmerzen habt, vor allem keinen Phantomschmerz, so laßt besser die Finger davon. Spritzen, auch Schmerzspritzen, solltet ihr nicht zulassen.