Autor Thema: Massaker in Chiapas: 11 Tote in Montes Azules  (Gelesen 2076 mal)

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Massaker in Chiapas: 11 Tote in Montes Azules
« am: 16:39:54 Di. 14.November 2006 »
Heute, am Montag den 13. November, verübten vermutliche Paramilitärs ein Massaker in der Montes Azules Urwaldregion von Chiapas, und ermordeten neun indigene Frauen und Männer und zwei Kinder.
Massaker in Chiapas: Sechs Frauen, Drei Männer, Zwei Kinder ermordet in Montes Azules

Staats- und Bundesregierung durch Indigene Gemeinden und Menschenrechtsorganisationen über Drohungen gewarnt, doch Behörden unternahmen nichts

Von Al Giordano
Der Andere Journalismus mit der Anderen Kampagne in Chiapas
13. November 2006
 http://www.narconews.com/Issue43/articulo2339.html

Heute, am Montag den 13. November, verübten vermutliche Paramilitärs ein Massaker in der Montes Azules Urwaldregion von Chiapas, und ermordeten neun indigene Frauen und Männer und zwei Kinder.

Wie einem handschriftlichen Dokument zu entnehmen, das NarcoNews von den zapatistischen zivilen Gemeinden in der Region erhalten hat, lauten die Namen der Ermordeten:

Marta Pérez Pérez
María Pérez Hernández
María Nuñez González
Petrona Nuñez González
Pedro Nuñez Pérez
Eliver Benítez Pérez
Antonio Pérez López
Dominga Pérez López
Felicitas Pérez Parcero
Noilé Benítez (8 años)
Ein noch nicht getauftes Neugeborenes

Die Details des Massakers, in einer sehr isolierten Gegend, fernab von urbanen und Medienzentren, sind noch immer unklar, doch die Warnsignale der sich anbahnenden Gewalt dieser Größenordnung in dieser Region, sind den Staats- und Bundesbeamten die ganze Zeit bekannt gewesen. Insbesondere in Juli und August 2006 sind durch Menschenrechtsorganisationen Warnungen eingegangen, doch statt Schutzmaßnahmen zu ergreifen, haben die Polizei und andere Behörden seitdem die Probleme nur noch mehr verschärft.

Die Opfer lebten und arbeiteten im Ejdo Dr. Manuel Velasco Suarez II, auch bekannt als Viejo Velasco Suárez, eine Campesino Gemeinde, die 1984 durch ein Abkommen mit der mexikanischen Regierung gegründet worden ist. Sie und die ihnen vorangehenden Generationen hatten davor in anderen Teilen des Lakandonischen Urwalds gelebt, das in 1972 zum "Naturschutzgebiet" ernannt wurde. Damals wie heute hatte die offizielle Zulassung weniger mit dem Schutz von Mutter Natur zu tun, als mit ihrer Ausbeutung: die Einrichtung der Montes Azules Biosphäre diente dazu, der mexikanischen Regierung das Kontrollmonopol über die Abholzung der Edelholze und anderer natürlichen Ressourcen zu sichern. Im Rahmen des Spektakels und der Simulation angeblichen Umweltschutzes, wurden 66 Familien der indigenen Lacandon Gruppe – eine Bevölkerung, die heute nur einige hundert Mitglieder zählt, Abkömmlinge der Maya Völker der Yucatan Halbinsel, die vor Jahrhunderten nach Chiapas ausgewandert waren – zu den alleinigen Verwaltern von mehr als 600.000 Hektar Regenwald erklärt, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie die wirtschaftlichen Rechte über das Land an die Regierung abtraten.

Seitdem lebten die Angehörige anderer indigenen Maya-Völker – in erster Linie Tzeltal und Chol –in einem Belagerungszustand durch die Regierung, deren Polizeibehörden, dem Militär, den Lacandonas und anderen Tzeltal (aus dem Dorf Nueva Palestina) und Chol (aus Frontera Corrazal) Gemeinden, die sich dem Geschäft angeschlossen, und davon profitieret haben. Die verbleibenden indigenen Gemeinden in der Region, sind seitdem ständigen Angriffen ausgesetzt gewesen. Konflikte in der Zone führten zu dem Abkommen von 1984, unter dessen Auflagen Viejo Velasco Suarez und andere gemeinschaftliche Campesino-Gemeinden gegründet wurden, die angeblich gesetzlich geschützt sein sollten: Flor de Cacao, Nuevo Tila, Ojo de Agua und San Jacinto Lacanja. Sie alle befinden sich in der gleichen Region wie die weltberühmten Maya-Tempeln und Ruinen von Yaxchilán, nahe des gigantischen Rio Usamacinta, das die mexikanische Grenze zu Guatemala bildet.

Die elf Morde des heutigen Massakers ereignen sich – wie es bei Massaker oft der Fall ist – zu einer Zeit, da die mexikanische Bundesregierung zu den schlechten alten Tagen der groß angelegten Repression zurückgekehrt ist (wie Atenco in Mai 2006, und gegenwärtig in Oaxaca). In Zeiten wie diesen, fühlen sich Paramilitärs und Polizeibehörden durch die Signale von oben ermutigt, und verschärfen ihre historischen Aggressionen gegen – besonders indigene – Gemeinden, die als hinderlich für wirtschaftliche Interessen angesehen werden.

Die Bundesregierung von Vicente Fox und seines Innenministers Carlos Abascal (“der Schlächter von Oaxaca”) sind über die Zeitbombe der Gewalt, die Viejo Velasco Suarez und andere Gemeinden in der Montes Azules Region bedrohten, bereits dieses Jahr gewarnt worden.


Frühe Warnungen

Am 19. Juli 2006, veröffentlichte das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas eine Warnung mit dem Titel “Drohungen der Vertreibung und Zusetzungen gegen die Indigenen Völker des Lakandonischen Urwalds.” Auch bekannt as das “Frayba Zentrum,” ist diese ursprünglich von den katholischen Bischof Samuel Ruíz gegründete Organisation weltweit für ihre gründliche und aufrichtige Arbeit angesehen.

Die Menschenrechtsorganisation warnte Berichte erhalten zu haben, denen zufolge:

"... Am Samstag, den 14. Juli, nahm die Öffentliche Sicherheitspolizei (des Staates von Chiapas) nahe der Gemeinde von Ojo de Agua in El Progreso Stellung auf, und drohte die Familien dieser Gemeinde gewaltsam zu räumen, Familien, die ihr Recht auf Land als indigene Völker verteidigen... Wir Einwohner von San Jacinto Lacanja, Flor de Cacao und Viejo Velasco werden ebenfalls mit der Räumung bedroht."

Das Frayba Zentrum erklärte in seiner Warnung vom 19. Juli:

"Nach Einschätzung von Frayba handelt es sich hierbei um ein historisches Problem, mit einer Reihe von Irregularitäten und Fehlschritte der Behörden und Staatsbeamten, die vorherige Abkommen ignorieren, betroffene Konfliktsparteien manipulieren und dadurch Probleme verschärfen, mit gewaltsamen Räumungen drohen um die Gemeinden und Organisationen zu zwingen "sich hinzusetzen und zu verhandeln", oder die Verpflichtungen nicht verstehen, die im Rahmen der Verhandlungen mit den zerstrittenen Gemeinden eingegangen worden sind."

Das Frayba Zentrum forderte die Regierungsbehörden auf, Maßnahmen zu ergreifen um "die persönliche Sicherheit und Integrität der Familien" der vier bedrohten indigenen Gemeinden zu garantieren, das Abkommen von 1984 und andere dieser Art zu respektieren, das ihnen ihr Land zusicherte, und die internationalen Abkommen zu achten, die derartige Protektionen für indigene Völker garantieren.

Einige Wochen später begaben sich Vertreter dieser Organisation, gemeinsam mit einer Delegation des nordamerikanischen Global Exchange, sowie des NGO Maderas del Pueblo und Xi’ Nich auf einer Untersuchungsmission zu den betroffenen Gemeinden. Global Exchange veröffentlichte einen detaillierten sieben Seiten langen Bericht, der die Hintergründe des Konflikts ausführlich erklärte, und interessanterweise, die Schwierigkeiten und Hindernisse darstellte, die ihren Versuchen die Gemeinden zu besuchen in den Weg gestellt worden sind.

Der Bericht zog den Schluss:

"Während die genauen Gründe für den Ausschluss dieser vier Gemeinden aus dem Landlegalisierungsprozess unklar sind, liefern geografische und politische Faktoren einen wichtigen Anhaltspunkt. Drei der Gemeinden - Flor de Cacao, San Jacinto Lacanja, Ojo de Agua el Progreso – befinden sich nach Angaben von Miguel Angel Garcias von Maderas del Puebla, auf ein Gebiet mit Edelholzbestand, das die Lacandon Gemeinde ausbeuten möchte. Sie liegen ebenfalls am Ufer des Rio Usumacinta, eine der bedeutendsten Trinkwasserquellen der Region. Der "Plan Puebla Panama", das Regierungsvorhaben für die wirtschaftliche "Modernisierung“ des Landes, erwägt ebenfalls die Errichtung von Wasserkraftstaudämme auf dem Rio Usumacinta. Zusätzlich dazu glauben viele Personen, die ausgesagt haben, dass die Lacandon Gemeinde und Comuneros das Land für sich selbst wollen, um sie für den Fremdenverkehr auszubauen, da die archäologische Anlage von Yaxchilan sich in der Nähe befindet, und die Lacandon Gemeinde sich sehr intensiv am Tourismusgeschäft beteiligt. Die vierte Gemeinde, Viejo Velasco, wird von der mexikanischen Regierung auch aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur EZLN, als Hindernis für die Maximierung der Profite angesehen. Tatsächlich wurde kurz nach unser Besuch in El Desempeño, die Gemeinde Chol de Tumbala, gewaltsam von Regierungsbeamten geräumt, eine Gemeinde zapatistischer Unterstützungsbasen, die sich ebenfalls im Prozess der Legalisierung ihrer Landansprüche befand. Staatsbeamte der Bundes- Staats- und Lokalregierungen sollten sofortige Schritte einleiten, um die Integrität und Sicherheit von Ojo de Agua El Progreso, Flor de Cacao, San Jacinto Lacanja, und Viejo Velasco zu garantieren. Diese Gemeinden haben sowohl unter den Auflagen des Abkommens von 1984, als auch durch die Abkommen, die bei den Verhandlungsrunden von Limonar erzielt worden sind, Anspruch auf Landschutz. Die Lokal-, Staats- und Bundesregierungen sollen sofortige Maßnahmen ergreifen, um die angedrohten illegalen Räumungen aufzuhalten, und die Familien, die von ihrem Land vertrieben wurden, zurückzuführen, falls sie es wünschen sollten. Dies ist das Mindeste, das Anstand und Gerechtigkeit fordern."

Die internationale Menschenrechtsorganisation sendete ihr Bericht an den mexikanischen Präsidenten Vicente Fox, seinen Innenminister Carlos Abascal, den Gouverneuren von Chiapas, Pablo Salazar Mendiguchia, und an verschiedene Bürokraten unter ihnen.

Anstatt Maßnahmen zu ergreifen um das Unrecht zu berichtigen, setzten die Staats- und Bundesregierungen die Ereignisse in Gang – und gaben Signale, die von den Gegnern dieser Gemeinde, die sie mit Gewalt bedroht hatten, als Zusicherung der Straflosigkeit aufgefasst wurden – die zum heutigen Massaker an 11 indigene Zivilisten geführt haben.


Eskalierende Aggressionen

Einer handschriftlichen Chronologie der bisherigen Ereignisse zufolge, die Narco News heute erhalten hat, und von Angehörigen der betroffenen Gemeinden verfasst worden ist, haben sich nach der Informierung der Fox und Salazar Regierungen, die Aggressionen gegen sie noch verschärft:

19. September: "Gegen 16:30 Uhr erschienen Comuneros aus Nueva Palestina, bewaffnet mit Macheten, Gewehre, Schaufeln, Pickeln und Steinen". Sie zerstörten das Haus einer Familie. Gegen 20:00 Uhr feuerten sie Kugeln auf ein Gebäude, in dem Frauen und Kinder schliefen.

4. Oktober: Comuneros aus Nueva Palestina griffen zwei Campesinos auf ihren Bohnenfeldern mit Gewehren an, und vernichteten die Ernte.

8. Oktober: Mitglieder der regierungsfreundlichen Nueva Palestina Gemeinde trafen sich und fassten den Beschluss die Einwohner von Viejo Velasco Suarez anzugreifen.

9. Oktober: Der Angriff wurde ausgeführt, und das Haus einer Familie abgerissen; am gleichen Nachmittag verschleppten sie einen Angehörigen der Gemeinde, der in der Auseinandersetzung "ernsthaft verletzt" wurde.

In einem weiteren handschriftlichen Dokument an Narco News, das auf Samstag, den 11. November datiert wurde, erklären Gemeindemitglieder, dass die Comuneros von Nueva Palestina ihre Wasserversorgung abgedreht hatten, was die Gemeinde von Viejo Velasco Suarez zwang das Wasser wieder anzudrehen, und 11 Comuneros auszuweisen, die in ihre Gemeinde eingefallen waren. Das Dokument enthielt die Namen und Unterschriften der 11 vertriebenen Männer.

Es heißt weiter:

“Wir ersuchen die Einwohner von Nueva Palestina und die Staats- und Bundesregierungen, dieses Abkommen zu respektieren und die Gewalt von beiden Seiten in unsere Gemeinde einzustellen. Wir machen die Regierung für alle weiteren Vorfälle verantwortlich...“

"Am Mittwoch, den 1. November 2006, begannen die Einwohner von Nueva Palestina die Wasserleitung bis heute, Samstag, den 11. November dieses Jahres, abzustellen. Aufgrund dessen ergreift die ansässige Gruppe dieser Gemeinde folgende Maßnahme ... wir trennen uns vollständig von den Gruppen aus Nueva Palestina, und wollen nicht, dass sie uns in der Gemeinde von Viejo Velasco weiterhin belästigen. Jeder von ihnen unterzeichnet sein Einverständnis wegzugehen und nicht wiederzukehren, um keine weiteren Probleme mit den ansässigen Einwohnern zu verursachen.“

Einer Email zufolge, die wir gerade von den Familien den Toten erhalten haben:

"Die Angreifer waren Anwohner der Gemeinde von Nueva Palestina, und wie im Fall der traurigen Ereignisse des Acteal Massakers (vom 22. Dezember 1997, ebenfalls in Chiapas), bestätigen die Familien der Opfer, dass sie nun von mehreren Straßensperren der Polizei umgeben sind.“

Einem Kommunique zufolge, das heute Nacht von Maderas del Pueblo veröffentlicht wurde, kamen die Angreifer aus Nueva Palestina, und erschienen im Morgengrauen: "vier Subcomuneros der Angreifergruppe, die schwer bewaffnet in die Gemeinde kamen, mit der Absicht die dort ansässigen Familien gewaltsam zu vertreiben."

Heute, zwei Tage später, sind sechs Frauen, drei Männer und zwei Kinder dieser betroffenen Gemeinde tot. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind verschiedene Menschenrechtsorganisationen und die Junta der Guten Regierung der zivilen Unterstützungsbasen der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) in Roberto Barrios, sowie Mitarbeiter des Anderen Journalismus mit der Anderen Kampagne dabei, die Details eines weiteren angekündigten Massakers zu untersuchen.

‘ ‘ ‘

(übs. Von Dana)
http://www.narconews.com/Issue43/articulo2339.html
:rolleyes: :baby: :evil: :D :O ?( 8) ;( 8o :] :( =) X( :) :P ;)

ManOfConstantSorrow

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Re:Massaker in Chiapas: 11 Tote in Montes Azules
« Antwort #1 am: 20:05:22 Do. 29.Mai 2014 »
Abschied von Subcomandante Marcos in Mexiko
Sprecher der EZLN-Guerilla in Mexiko zieht sich zurück. Abschiedsbrief verweist auf Marcos als Kunstfigur. Subcomandante Galeano ersetzt Position




La Realidad, Mexiko. In Mexiko hat der Rebellenführer Subcomandante Marcos im Rahmen einer politischen Veranstaltung seinen Rückzug bekannt gegeben. Der bekannteste Vertreter der Zapatistischen Armee zur Nationalen Befreiung (EZLN) nutzte für diese Ankündigung eine Gedenkfeier für den ermordeten Basisaktivisten José Luis Solís López alias "Galeano". An der Veranstaltung nahmen mehr als 2.500 Basisaktivisten der zapatistischen Bewegung sowie zahlreiche Medienvertreter teil. Vor den Gästen verlas der stets maskiert auftretende Guerillero einen fünfteiligen Abschiedsbrief, in dem er bekannt gab, dass es "Marcos" ab sofort nicht mehr geben wird. "Es war eine kollektive Entscheidung", sagte er. Marcos sei nie eine reale Person gewesen, sondern vielmehr eine Kunstfigur, hinter der sich mehrere Personen verborgen hätten.

Marcos war unmittelbar nach dem Aufstand der EZLN 1994 international bekannt geworden. Die wahre Identität des Rebellenführers konnte nie geklärt werden. Mutmaßungen des mexikanischen Geheimdienstes, nach denen sich ein Philosoph und Maoist von der Universität UNAM hinter der Maske verbirgt, konnten nie bestätigt werden.

Die Rebellion der EZLN fand Anfang 1994 in dem südmexikanischen Bundesstaat Chiapas statt, einer der ärmsten Regionen Mexikos. In seiner Nachricht führte Marcos aus, dass die Zapatisten 1994 etwas gegen diese prekäre Situation hatten unternehmen müssen. "Wir standen nicht vor dem Dilemma zwischen Handeln oder Kämpfen, sondern vor der Wahl zwischen Leben und Tod", erinnerte Marcos.

Kritiker hätten damals prognostiziert, "dass wir keine Guerilleros und keine Soldaten ausbilden und dass wir unsere veraltete Militärausrüstung nicht ersetzen", sagte Marcos. Man habe sich jedoch dafür entschieden, in die soziale Infrastruktur zu investieren, statt in militärische Ausrüstung.

Als Grund für seinen Rückzug nannte der Guerilla-Kommandant die interne Entwicklung der EZLN und das Aufkommen einer neuen Generation von Zapatisten: "Die Kinder von gestern kämpfen heute und leiten den Widerstand. Heute hat die EZLN eine rein indigene Führung." Diese Struktur sei für manche Politiker, Politologen und Kritiker der EZLN offenbar schwer zu verstehen, fügte er an.

Das Unverständnis in Bezug auf die EZLN hänge auch mit dem medialen Umgang zusammen, so Marcos in seiner Erklärung. Als die Guerilla-Organisation am ersten Januar 1994 an die Öffentlich trat richteten die Medien ihre Aufmerksamkeit sofort auf den einzigen Mestizen: Subkommandant Marcos. Sie bezeichneten ihn umgehend als Sprecher und Führer der bewaffneten Gruppe. In den folgenden Jahren habe man sich auf dieses Spiel der Medien eingelassen. "Marcos hatte mal blaue Augen, mal waren sie grün, braun, hellbraun oder schwarz – je nachdem, wer das Interview durchführte und das Foto machte." Dies habe zugleich die Ignoranz und Arroganz der kommerziellen Medien und der Politiker belegt, welche die Indigenen nie als Hauptakteure der Bewegung akzeptiert hätten. "Sie haben den Kampf der Zapatisten nicht verstanden", so Marcos. Die Figur des stets vermummten Subcomandante sei dafür geschaffen worden, die mediale Aufmerksamkeit auf die Bewegung zu lenken. Nach 20 Jahren sei die Figur nun nicht mehr nötig. "Denn nun hat eine neue Phase des zapatistischen Kampfes begonnen".

Schließlich verlas Marcos eine lange Liste von Verschwundenen, Ermordeten und politischen Gefangenen, um am Ende das Verschwinden der Figur des Subcomandante Marcos zu verkünden. Sie würde durch den neuen Subcomandante Insurgente Galeano ersetzt. "Damit Galeano weiter lebt, ist es nötig, dass Marcos stirbt. Damit schlagen wird dem Tod ein Schnippchen, denn er wird nur einen Namen mitnehmen".

http://amerika21.de/2014/05/101800/abschied-subcomandante-marcos
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Rudolf Rocker

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Re:Massaker in Chiapas: 11 Tote in Montes Azules
« Antwort #2 am: 21:10:44 Do. 19.Juni 2014 »
Zitat
Solidarität mit den Zapatistas! Bericht der Versammlung im Gedenken an den ermordeten Companero Galeano im Caracol „La Realidad“ und der letzten Worte des Subcomandante Marcos.


Am Freitag den 23. Mai machten sich aus verschiedenen Städten Mexikos Solidaritäts-Karawanen sowie Mitglieder der Basis der EZLN aus den vier weiteren Caracols auf den Weg zum Caracol I „La Realidad- der Mutter der Caracols“, um den Compañeras und Compañeros dort ihre Trauer und Wut über den Mord an José Luis Solís López entgegenzubringen.

Zitat
Am 2. Mai wurde die Gemeinde des zapatistischen Verwaltungszentrums „La Realidad“ von der paramilitärischen Gruppe CIOA-C angegriffen – der erste Angriff auf ein Caracol seit deren Gründung im Jahre 2005. Die Anhänger_innen der Gruppe zerstörten die autonome Schule, das zapatistische Krankenhaus sowie die autonom verwaltete Kooperative der Gemeinde. Mit Macheten, Stöcken und Schusswaffen bewaffnet, versuchten sie das eingegrenzte Verwaltungszentrum, welches den zentralen Sitz der autonomen Regierungsstrukturen der EZLN der Zone „La Selva“ darstellt, anzugreifen. Bei dem Versuch, in das Caracol einzudringen, wurden ca. 15 Compas teilweise schwer verletzt. Jósé Luis Solís López, genannt „Galeano“, wurde bei dem Angriff von den Paramilitärs ermordet. Als autonomer Lehrer der Zone und Kandidat für die nächste Wahl des „Rates der guten Regierung“, hat er wichtige Funktionen in der autonomen Verwaltungsstruktur der EZLN innegehabt. Der Angriff verdeutlicht wieder einmal, dass die Repressionen und Angriffe gegen die zapatistische Bewegung anhalten. Der Waffenstillstand zwischen Regierung und EZLN ist einseitig, wie schon so oft bewiesen. Seit dem Aufstand der Zapatistas 1994 und dem Beginn der autonomen Verwaltung der 5 Gebiete in Chiapas, hat der Staat immer wieder zapatistische Gemeinden angegriffen und versucht, die Bewegung zu schwächen und zu unterwandern. Einer der wohl grausamsten Angriffe auf zapatistische Gemeinden ist das Massaker in Acteal 1997, bei welchem 45 Personen aus dem Hinterhalt von Paramilitärs ermordet wurden. Doch auch vor und nach diesem Angriff wurden immer wieder Mitglieder und autonome Gemeinden der EZLN Opfer dieser Aggressionen.

http://de.indymedia.org/node/654




ManOfConstantSorrow

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Re: Massaker in Chiapas: 11 Tote in Montes Azules
« Antwort #3 am: 16:07:38 Fr. 08.Januar 2021 »
Zitat
EZLN besucht Deutschland
Solidarische Gruppen bereiten Zapatist*innen-Rundreise vor




Die Zapatistische Befreiungsarmee (EZLN) will dieses Jahr - 500 Jahre nach der Kolonialisierung Mexikos - eine Delegation zu einer Weltreise entsenden. Die über 100 Milizionär*innen und Aktivist*innen sollen dabei nach bisherigen Plänen über den Sommer durch Europa ziehen.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1146624.ezln-besucht-deutschland.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!