Autor Thema: "Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...  (Gelesen 4485 mal)

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« am: 02:03:11 So. 25.April 2004 »
Das Wort "Globalisierung" ist in aller Munde. Das Kapital bewegt sich weltweit, Produktionsstätten werden "ausgelagert", einfach dichtgemacht und woanders auf dem Globus wieder errichtet. Arbeiter versuchen sich auch weltweit zu bewegen, doch für sie gibt es Grenzen, Illegalität und Abschiebungen.

Wir stehen dieser Entwicklung noch relativ hilflos gegenüber. Dabei ist dieses Forum voll mit Beispielen, die zeigen, daß es uns alle zunehmend direkt betrifft. Auslagerungen von Heidelberger, Panasonic und Motorola gehörten hier zu den vielgelesenen Themen. Und unter den Überschriften Schwarzarbeit und Sexarbeit gibt´s auch Berichte über Polizei-(und Zoll-)Aktionen und Abschiebungen.

Dieses Unterforum "Globalisierung" wurde nicht allein deshalb eingerichtet, um nationalistischen Sprüchen und nationalistischer Politik etwas entgegenzusetzen, es gibt auch keine Lösung der Problematik innerhalb irgendwelcher Nationalgrenzen. Wir müssen lernen über diese Grenzen hinaus zu denken und zu handeln!

Kuddel

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #1 am: 01:01:06 Di. 27.April 2004 »
Naja, vieles erscheint einfach so weit weg. Wenn man dann plötzlich selber "dran" ist kuckt man doof aus der Wäsche und versteht nicht was "die da oben" wieder gemacht haben, bzw. man fühlt sich völlig hiflos.

Immerhin gab´s hier bei Chefduzen.de schon ein paar vorsichtige Versuche diese Situation zu diskutieren, oder ein paar Beispiele grenzüberschtreitender Solidarität aufzuführen....

Z.B beim Thread Vossloh http://www.chefduzen.de/viewtopic.php?t=320

oder

Siemens http://www.chefduzen.de/viewtopic.php?t=59

patrick

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #2 am: 02:43:54 Di. 22.Februar 2005 »
hmm
sie sind 24 jahre haben den meister oder besser noch sind studiert? sie haben berufserfahrun von min.5 jahren? dann sind sie bei uns richtig....!!! wir bieten ihnen 6 euro brutto....deutschlandweit

echt tolles deutschland...!!!!!

DianaMi5

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #3 am: 23:40:08 Fr. 25.März 2005 »
Zitat
Original von patrick
sie sind 24 jahre haben den meister oder besser noch sind studiert? sie haben berufserfahrun von min.5 jahren? dann sind sie bei uns richtig....!!! wir bieten ihnen 8 euro brutto....

Am Besten 20 Jahre jung, mit 20 Jahren Berufserfahrung, studiert sollte man auch sein, Meisterbrief versteht sich von selbst.........
öhmmmmmmmm 8 Euro Brutto    ?( ?( ?(   Doch so viel  ;)   Ich fass es nicht

Wilddieb Stuelpner

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #4 am: 02:07:13 Sa. 26.März 2005 »
Zitat
Original von DianaMi5
Zitat
Original von patrick
sie sind 24 jahre haben den meister oder besser noch sind studiert? sie haben berufserfahrun von min.5 jahren? dann sind sie bei uns richtig....!!! wir bieten ihnen 8 euro brutto....

Am Besten 20 Jahre jung, mit 20 Jahren Berufserfahrung, studiert sollte man auch sein, Meisterbrief versteht sich von selbst.........
öhmmmmmmmm 8 Euro Brutto ?(?(?(Doch so viel ;)Ich fass es nicht

und wirst wegen Überqualifizierung, was logischerweise eigentlich entsprechend leistungsgerechte Bezahlung verlangt, nicht genommen.

Den jungen Typen mit guter Qualifizierung und Berufserfahrung eines gestandenen AN wollen Unternehmer schon haben, aber am liebsten unanständig und nicht leistungsgerecht bezahlen. Nur, wer die Betriebsabläufe und die Ausbeutungsmechanismen durchschaut, seine Arbeitsrechte und -pflichten kennt, wird versuchen die Belegschaft zu organisieren und ihrer Kampfkraft bewußt zu machen, sofern sie gegen den Unternehmer zusammenstehen.

Und das ist der eigentliche Kasus knaktus und nicht die vorgeschobene Überqualifizierung, die Kinder, das Alter oder eine Behinderung.

Kann das sein?

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #5 am: 14:52:36 Sa. 26.März 2005 »
8,00 € die Stunde? Grenzt ja schon fast an Überbezahlung für Höchstqualifizierte. Denke, mancheinem werden für qualifizierte Arbeiten eher maximal um die 5-6 Euro gezahlt.

Schaut mal z. B. dieses Angebot aus meinestadt.de

Einkäufer/-in Dresden, Vollzeithref="http://berufenet.arbeitsamt.de/bnet2/F/kurz_B6813102.html">Job-Info[/url] von BERUFEnet Stellenprofil:  MA-Einkauf im Innendienst, telefonischer und persönlicher Kontakt mit Geschäftsführer und Geschäftsinhaber, allgemeine PC-Kenntnisse, sicheres Auftreten *schriftl. Bewerbung an BTL Geschäftsstelle in 01067 Dresden, Schäferstr. 61 - nur Bewerber aus DD u. Umgebg. Branche: Logistik Arbeitsort: Dresden Arbeitszeit: Vollzeit Verdienst: ca.1000,- Beginn: sofort Befristet: nein Führerschein: B Qualifikation: Fachkräfte mit Berufserfahrung Alter: egal Arbeitgeber: BTL Barter Trade Logistik GmbH
Herr Mink
Dresdner Str. 113
09131 Chemnitz
nur schriftliche Bewerbung
Kontaktaufnahme: nur schriftliche Bewerbungen z.Hd. des Ansprechpartners Datum der letzten Aktualisierung: 22.03.05
ID/Chiffre 07301 250105 7069

Und so geht das ohne Ende.

---
Zumindest optisch attraktiv dagegen, was z. B. auf Grund Stellenangeboten in amerikanischen Jobbörsen wie

http://careerbuilder.com/

gezahlt wird. Einfach mal US-gebräuchliche Positionen oder Tätigkeiten reinschreiben. Oft betragen die vertraglich zugesicherten Gehaltszahlungen ab 40.000/50.000 bis 110.000/130.000 US-$. Mir ist schon klar: Finanzamt schlägt auch in den USA gewaltig zu, immense Gesundheitsversicherungskosten usw. - aber ich werde hier mal regelmäßig schauen, ob US-Firmen nicht auch deutsche Mitarbeiter in Deutschland suchen. So 80.000 oder 100.000 - das wäre hier schon mal eine auskömmliche Rechengröße

---
Frohe Ostern.

patrick

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #6 am: 16:10:35 Sa. 26.März 2005 »
lol...  naja es ist hald so...

ich kennen genug leute die studiert sind und die arbeit der facharbeiter machen weil sie so nix fiinden...

folge ist das die facharbeiter als hilfsarbeiter bezahlt werden...

so ist das in D.... die politik und die wirtschaft sagt D. braucht mehr hochqualifizierte leute und die realität sagt wir zahlen nur facharbeiterlohn für ing. oder meister...  in Ostdeutschland zumindest


keine ahnung wo das noch enden soll....


mfg
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Kann das sein?

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #7 am: 16:33:32 So. 27.März 2005 »
Hier ist das in der Tat so. Jede Menge qualifizierte und motivierte Arbeitslose mit viel oder wenig Berufs- bzw. Praxiserfahrung.
Und arbeitgeberseitig??? Als Vollzeitangebot 1000 - 1600 Euro brutto (800 habe ich auch schon gesehen, für einen Bürokaufmann, 1600 sind schon die Ausnahme), eigener PKW-Einsatz für Firmenbelange erforderlich + 20 - 40 unbezahlte Mehrarbeitsstunden im Monat.
Etliche Firmen hier in der PLZ 01 suchen ja über Zeitungsannoncen, Internetannoncen, die BA, meinestadt und anderen Jobbörsen (wenn ich schon die Silbe "Job..." höre wird mir speiübel) laufend bzw. regelmäßig alle 3, 6, 12 Monate immer wieder Mitarbeiter für die gleichen Tätigkeiten.
Hauptsache, sie sind "billig" und womöglich noch staatlich gefördert oder bezuschusst. Oder, noch besser Praktikanten - praktisch ganz umsonst. Zu 80% immer wieder die gleichen Unternehmen.
Manch ein Geschäftsführer ist wahrscheinlich einen Großteil seiner Arbeitszeit nur dafür da Bewerbungen zu filtern, Bewerbungen durch den Aktenshredder zu jagen, Vorstellungsgespräche zu führen, Mitarbeiter zu bespitzeln, Kündigungen zu veranlassen und beim Arbeitsgericht zu stehen.
So, und wenn man dann hier den Werdegang etlicher Firmen verfolgt - ahnungslos, erfolglos und perspektivlos - das kommt eben daher, wenn die Geschäftsleitung auf "Billigpersonal" zurückgreift, die Mitarbeiter nicht fördert, bzw. keine Verantwortung an qualifizierte Mitarbeiter überträgt und diese auch entsprechend bezahlt. Faire Möglichkeiten und Modelle gibt´s ja zur Genüge.
Und auf Grund dieser Geschäftspolitik verläuft es wirtschaftlich hier in der PLZ01 schon seit 1993/94 immer schlechter - nämlich genau so schlecht wie die Bezahlung und die Geschäftsführer bzw. Firmeninhaber sind.
So wird das hier nie was. Millionen, seid verbrannt.

patrick

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #8 am: 00:32:57 Mo. 25.April 2005 »
tja...  

die wende war doch ein gefundenes fressen für unternehmen die die konkurenz entsorgen wollten... ganze firmen für 1mark gekauft und fördermittel eingesteckt und dann gesagt ... tut uns leid... keine aufträge...

pleite und schon is die konkurenz weg... und die einstigen firmenerrungenschaften der geschlossenen firma auch.. und jetzt is nix da.

kaum industrie...ausser infineon und amd die die millionen in den arsch bekommen und auch nur zeitarbeiter einstellen... sowas is peinlich und macht nicht grad ein gutes bild.... wenn es die millionen nicht gäbe wären die in ungarn oder sonst wo und würden dort weiter melken... naja

man kann das sehen wie man will...

ich habe mir einst vorgenommen nicht mehr über sowas nachzudenken ... damit ich mich nicht selbst kaput mache und stresse...

aber ich kanns ned lassen.

mfg
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ManOfConstantSorrow

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #9 am: 19:16:49 Do. 28.April 2005 »
28.04.05 - Belgien: Streik gegen Verlagerung
Die 83 Beschäftigten des Fleischkonzerns Cargill Integra Belgium in Genk sind gestern in einen unbefristeten selbständigen Streik getreten. Der Konzern hat die Verlagerung der Produktion nach "außerhalb der EU-Grenzen" wegen zu hoher Kosten angekündigt. Weltweit beschäftigt der Konzern 105.000 Arbeiter und Angestellte.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #10 am: 14:34:26 Do. 22.Dezember 2005 »
Arbeitsmärkte ohne Fristen für Osteuropäer geöffnet / Starke Gewerkschaften verhindern Billigkonkurrenz

STOCKHOLM. Schweden, Grossbritannien und Irland haben ihre Arbeitsmärkte im Mai 2004 ohne Übergangsfristen für Osteuropäer geöffnet. Was in Deutschland ein fast unlösbares Problem ist, haben die Schweden durch starke Gewerkschaften in den Griff bekommen. Im Königreich sind die befürchteten Massenzuströme osteuropäischer Arbeitskräfte ausgeblieben."Ich habe nichts gegen Kollegen aus dem Osten, solange wir mit denen zu gleichen Löhnen konkurrieren", sagt Christer Högfeldt. Seit 25 Jahren baut er als Vorarbeiter mit an Straßen für das große schwedische Bauunternehmen NCC. Als Schweden seinen Arbeitsmarkt zur EU-Osterweiterung im Mai 2004 ohne Übergangsregeln öffnete, haben Högfeldt und seine Kollegen über die Konkurrenz aus Osteuropa gesprochen. (...)
Ein wichtiges Instrument der schwedischen Arbeitnehmerschaft ist das Solidaritätsstreikrecht. Es erlaubt den Streik schwedischer Arbeitnehmer, wenn bei einem im Land tätigen ausländischen Unternehmen die Arbeitskräfte unter dem Branchendurchschnitt bezahlt werden. "Davor haben die hiesigen Arbeitgeber Angst. Lohndumping gibt es kaum", sagt Petersson. Im Städtchen Vaxholm renovierte eine lettische Baufirma eine Schule zu Dumpinglöhnen, die weit unter den schwedischen Mindesttarifen liegen, aber dem lettischen Standard entsprachen. Die schwedische Gewerkschaft wehrte sich mit Erfolg. Sie blockierte den Bauplatz, so dass die Arbeiten nicht ausgeführt werden konnten, eine Maßnahme, die nach nationalem Solidaritätsstreikrecht legal ist. Das hatte die Pleite der lettischen Firma zur Folge.

Vollständiger Artikel im Weser Kurier

In Deutschland sind Solidaritätsstreiks verboten und die Gewerkschaften sind nicht willens das zu tun, was die Situation verlangt. Statt die Position der rechtlosen Arbeiter zu stärken, fordert und unterstützt die Deutsche Baugewerkschaft Polizei-und Zollrazzien auf Baustellen, was die sofortige Ausweisung "Illegaler" zur Folge hat.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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"Billiglohnländer", Auslagerung, Lohndumping...
« Antwort #11 am: 11:59:57 Do. 29.Dezember 2005 »
Zitat

Harte Bandagen in Lodz
 
Angriffe auf Manager einer italienisch geführten Haushaltsgerätefabrik. Medien vermuten Vergeltung für Ausbeutung, Schikanen und tödliche Unfälle im Werk


Das Management der Fabrik fährt nur noch unter dem Geleitschutz einer privaten Sicherheitsfirma zur Arbeit. Die martialische, schwarz gekleidete Leibgarde wurde notwendig, nachdem zwei Manager von Unbekannten zusammengeschlagen worden waren. Die Auseinandersetzungen eskalierten weiter und erreichten ihren vorläufigen Höhepunkt, als eine Führungskraft am Samstag von maskierten Männern überfallen und mit einem Rasiermesser schwer im Gesicht verletzt wurde. Dieser Angriff ereignete sich einen Tag vor der Beerdigung eines 20jährigen Arbeiters, der Anfang September bei einem Unfall im Indesit-Werk zu Tode kam.

Einer legalen Möglichkeit zur Interessensvertretung beraubt, scheinen die Arbeiter sich der in Polen noch immer präsenten Tradition der Konspiration zu erinnern. Diese wird nun offenbar mit den erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten des Internets fortgeführt. Er habe schreckliche Angst um sein Wohlergehnen, teilte ein namentlich nicht genannter Manager der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza mit. Er stehe »ganz oben« auf einer »Abschußliste«, die von Arbeitern des Werks erstellt worden sei und nun im Internet kursiere.
               
gekürzt aus Junge Welt

Tja, die Globalisierung mit Auslagerungen in Niedriglohnländer verläuft nicht so erfolgreich, wie Unternehmer hoffen und die gekauften Journalisten uns so gerne erzählen...
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!