Autor Thema: Unruhige Krankenhäuser?  (Gelesen 292223 mal)

Kuddel

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Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #210 am: 20:49:07 Do. 07.August 2008 »

Kuddel

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Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #211 am: 20:33:13 So. 24.August 2008 »
15.08.08 - Am Dienstag traten die Ärzte und das Krankenhauspersonal der 77 staatlichen Krankenhäuser in der argentinischen Provinz Buenos Aires in einen 48-stündigen Streik. Sie verlangen eine Erhöhung der Gesundheitsausgaben, höhere Gehälter und eine Verbesserung der angespannten Personalsituation. Nach Angaben von Alejandra Garcia, Mitglied der Krankenhausgewerkschaft, arbeiteten in ihrem Krankenhaus vor zehn Jahren noch 460 Kräfte. Heute sind es nur noch 260.

ManOfConstantSorrow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #212 am: 18:28:23 Sa. 22.November 2008 »
Zitat
Kritische Nachbetrachtung zur Großdemonstration in Berlin am 25. 9. 08

Laut Pressenangaben protestierten dort 130.000 Klinikbeschäsftigte aus dem gesamten Bundesgebiet. Aufgerufen hatte dazu ein „Aktionsbündnis Rettung der Krankenhäuser“. Dieses setzte sich aus dem üblichen gewerkschaftlichen Klimbim, ver.di / dbb Tarifunion, der Arbeiterwohlfahrt, dem Deutschen Pflegerat und der Gegenseite, den Arbeit“gebern“, zusammen (Deutsche Krankenhausgesellschaft, Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Verband der Krankenhausdirektoren).
Ziel des ganzen war vom Staat eine bessere finanzielle Situation für die Kliniken zu fordern. Es sollte Schluss gemacht werden mit der Deckelung des Krankenhaus Budgets.

Die ver.di verbucht die Aktion sicherlich als Erfolg, da mehr als doppelt so viele TeilnehmerInnen anreisten, als erwartet. Sie stellte massenhaft Busse zur Verfügung. Und auch die Klinikbetreiber ließen sich nicht lumpen. Mancherorts wurde den MitarbeiterInnen sogar ein freier Tag in Aussicht gestellt, sollten sie an der Demonstration teilnehmen. Das spricht schon Bände.
(...)
Diese Masse der KollegInnen wurde hauptsächlich von den Gewerkschaften agitiert und auch optisch von dieser ausgestattet. Viele waren auch zum ersten Mal auf einer Demonstration. Es gab selbst gemalte Schilder und Transparente, die sich aber inhaltlich nur mit dem Motto konform stellten. Insgesamt verhielt sich die Masse komplett passiv.
(...)
Dennoch hat sich für uns gezeigt, dass viele nach alternativen Ansätzen zur klassischen Gewerkschaftsarbeit bzw. „-politik“ suchen oder heimlich damit liebäugeln. Mit diesem Bündnis haben sich die Gewerkschaften keinen Gefallen getan. In Berlin hat sich nur die Kluft zwischen den Bossen & Gewerkschaftsführern auf der einen und den Beschäftigten auf der anderen Seite verdeutlicht. Es ist durchaus ein Erlebnis mit 130.000 KollegInnen gemeinsam zusammen zu stehen. Wenn allerdings die Inhalte nur um des Bündnis Willen derart zurecht gedreht werden, verzerrt das noch mehr als die Realität. Montgomery vom Marburger Bund meinte in der abschließenden Rede, dass wir uns alle bald wieder sehen werden. Wer´s glaubt? Eine Kollegin aus den Amper Kliniken sagte auf der Rückfahrt, dass auf die Aktion eigentlich jetzt ein Streik folgen müsste. Damit hat sie vollkommen recht! Aber den Staat trifft ein Ausstand eher nicht. Es trifft immer den Arbeit“geber“. Und die haben ja mit uns gemeinsam, geistig nicht körperlich, mit demonstriert. Schon verrückt.......

Deshalb:

Wir erkennen weder Sozialpartnerschaft noch Friedenspflicht an

Das Einzige, dass wir anerkennen sind die Bedürfnisse unserer KollegInnen

Für uns wird Gesundheit nie zur Ware

Ob in öffentlichen oder privatisierten Einrichtungen, der Gegner steht fest

KEIN BURGFRIEDEN MIT DEM KAPITAL

Die Befreiung der ArbeiterInnen kann nur das Werk der ArbeiterInnen selbst sein


Unabhängige Betriebsgruppe AmperKliniken

http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Betriebsgruppe_AmperKliniken#Kritische_Nachbetrachtung_zur_Gro.C3.9Fdemonstration_in_Berlin_am_25._9._08


Zitat
Uni-Klinika Gießen und Marburg (Rhön): Hohe Investitionen, hohe Gewinne, hohe Leistungsverdichtung, Lohnsenkungen
http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Uni-Klinika_Gie%C3%9Fen_und_Marburg#Hohe_Investitionen.2C_hohe_Gewinne.2C_hohe_Leistungsverdichtung.2C_Lohnsenkungen

Zitat
Das Klinikum Wahrendorff GmbH ist östlich der Landeshauptstadt Hannover gelegen, und ist eine private Psychiatrie-Einrichtung...Ende 2005 stand der neu gewählte Betriebsrat, viele Mitglieder davon aus der ver.di-Wahlliste „Courage“. Von Beginn sei der neugewählte Betriebsrat mit Gerichtverfahren überschüttet worden. Unter den Gerichtsverfahren war auch der Angriff gegen Neuwahlen des Betriebsrates. Verantwortlich für das Überziehen mit Gerichtsverfahren sei im Laufe der Zeit auch der geschäftleitungsnahe Betriebsrat "Dialog/Zukunft" gewesen. Mit dabei gewesen sei die Orts-Bürgermeisterin von Ilten, Gisela Neuse (SPD)...
http://forum.mobbing-gegner.de/viewtopic.php?p=2413.html

Zitat
"Hannover/Ilten, den 3.10.08. In das durch die Gewerkschaft Gesundheitsberufe Hannover (GGB) angestrebte Strafverfahren wegen des Verdachts der Behinderung und versuchten Behinderung der Betriebsratsarbeit gegen die Geschäftsführer der Wahrendorffschen Privatpsychiatrie Dr. Matthias Wilkening, Alfred Jeske sowie gegen die das Klinikum vertretende Anwältin Elisabeth Mysegades kommt nun Bewegung.(...)Die Polizei ermittelt nun also im Klinikum Wahrendorff..."
http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/gs/privatisierung/art_081010-224940
Zitat
Frankreichs Notärzte warnen vor Todesfällen bei geplantem Streik
Donnerstag, 20. November 2008

Paris –  Frankreichs Notärzte haben vor Todesfällen bei ihrem geplanten Streik im Dezember gewarnt. Jahrelang habe das Personal in den Notaufnahmen es hingenommen, trotz Arbeitsniederlegungen zum Dienst eingeteilt und verpflichtet zu werden, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Notärzteverbandes AMUF, Régis Garrigue, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Paris.

“Wir sind nicht mehr glaubwürdig, diesmal weigern wir uns.“ Wenn die Notärzte zu Monatsbeginn in den Ausstand träten, werde es Tote geben, warnte der Arzt. Der Verband protestiert gegen schlechte Arbeitsbedingungen und die geplante Schließung von Notaufnahmen und Bereitschaftsstellen.

Während es immer weniger Mittel gebe, müssten die Mediziner immer mehr Patienten versorgen, sagte der AMUF-Vorsitzende Patrick Pelloux. „Drei Viertel der Notärzte sind 'ausgebrannt', es reicht.“ © afp/aerzteblatt.de
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=34464


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Wilddieb Stuelpner

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #213 am: 19:56:14 Sa. 22.November 2008 »
Ursachen, warum die Kosten im Gesundheitswesen ausufern:
  • Mittlerweile erhalten AG das 4. Steuer- und Beitragsgeschenk von der Großen Koalition im Rahmen der Steuer- und Gesundheitsreform. Wenn jetzt die Kosten im Gesundheitswesen und der Krankenversicherung weiter steigen, dann auch deswegen, weil AG sich völlig aus der Finanzierung der medizinischen Betreuung ausklinken und die Finanzierung nur noch auf den Buckel der AN und Bürger abladen, sich selbst aber seitwärts in die Büsche schlagen und das um so schneller, je mehr sie in den Betrieben die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima verschlechtern, den Arbeits-, Gesundheits- und Brandschutz verschlampen, das Arbeitstempo erhöhen, für psychischen Stress und Mobbing sorgen.
  • Es gibt unsinnige Beitragsbemessungsgrenzen, die nur dem einen Zweck dienen, daß Beschäftigte der oberen Einkommensgruppen von einer gerechten Beitragsbeteiligung verschont werden, obwohl sie viel leistungsfähiger sind, finanzielle Lasten zu tragen.
  • Ganze Berufsgruppen schrauben sich ihre Versicherungs- und Beitragsrisiken herunter, weil sie in unsolidarischen, egoistischen Privatversicherungen und eigenen Versorgungswerken Mitglied sind oder sich wie Politiker, Abgeordnete, Beamte, Freiberufler und Selbstständige durch den Steuerzahler beitragsfrei aushalten lassen. Deshalb ist es längst an der Zeit für eine Bürgerversicherung nach Schweizer Vorbild.
  • Privatisierung der medizinischen Einrichtungen und  Krankenversicherung läuft auf Personalreduzierung und Lohndrückerei hinaus bei gleichzeitiger Zunahme der Arbeiten auf das verbliebene Restpersonal.
  • Sofern Tarifsysteme in der Arbeitsvergütung existierten, so werden Sie durch Wegekeln von ver.di und Einschleusen von Ablegern christlicher Gewerkschaften in Medizineinrichtungen und von Rettungsdiensten gefördert. Berühmtberüchtigt ist der DHV.
  • Die Ärzte machen mit ihren Lobbygruppen wie dem Marburger Bund ihre eingene Standes- und Lohnpolitik auf Kosten anderer medizinischer Berufsgruppen und auf Kosten der Versicherten und Patienten. Ärzte lassen sich staatlich ausbilden und suchen sich nach Erlangen ihres Berufstitels die Rosinen in der Karriereentwicklung raus. Sie müssen keine gesellschaftlich notwendigen Einsatzverpflichtungen eingehen, erstmal dort für zwei bis fünf Jahre dort tätig zu werden, wo sie dringend gebraucht werden. Sie können gleich dorthin verduften, wo der Zaster ordentlich klingelt und wenn es die Auslandsflucht ist. Man sollte dann von diesen Herrschaften eine Rückzahlungspflicht für die Ausbildungskosten verlangen, wenn sie sich ins Ausland absetzen. Das ist nur recht und billig.
  • Wenn es Ärzten nicht passt, sich an die Spielregeln kassenärztlicher Versorgung zu halten, dann erpressen Sie Patienten nur unter den Bedingungen einer kostenträchtigen Privatbehandlung medizinisch zu versorgen. Das sie dabei ihre eigene medizinische Ethik verletzen, ist ihnen egal. Der Eid des Hippokrates ist nur hinterlich dabei. Ich beschreibe das jetzt mal umgekehrt genauso absolutistisch überzogen wie es die Medien mit der Sozialschmarotzerei von Arbeitslosen macht.
  • Die Kalkulationsysteme zur Preisbildung medizinischer Behandlungsmaßnahmen sind verschleiert, intransparent. Die Pharmaindustrie, die Ärzteschaft, die Apothekerverbände, die Kassenärtliche Bundesvereinigung haben an der Offenlegung der Preiskalkulationen den Krankenkassen und den Versicherten gegenüber kein Interesse. 
  • Wir haben eine unsinne Anzahl von Krankenversicherungen mit unterschiedlicher technischer Ausstattung und unterschiedlichen Organisationssystemen. Zusammenschlüssen der Kranken- und Pflegeversicherungen werden nötig und die Standardisierung der technischen Ausrüstungen und Vereinheitlichung der Organisationsstrukturen.
  • Private Kranken- und Rentenversicherungen sind abzuschaffen, da sie den Egoismus fördern und sich nur die Rosinen unter der Klientel raussuchen.
  • Wir haben zu viele niedergelassene Privatärzte statt Polikliniken und Praxisgemeinschaften. Jeder einzelne niedergelassene Arzt staffiert sich technisch unsinnig aus, wobei der Auslastungsgrad duieser Technik bescheiden aussieht. In Polikliniken, und Praxisgemeinschaften nutzt man die Medizin- und Labortechnik effektiver. Das gleiche trifft für Krankenhäuser zu. Wir brauchen neben der allgemeinmedizinischen Behandkungsbereichen in Krankenhäusern durch Errichtung von Krankenhausverbundsystemen die medizinische Spezialisierung.
  • Es gibt weder eine Positiv- noch Negativliste von zugelassenen Medikamenten und pharmazeutischen Produkten, sondern das unsinnige Wirkstoffprinzip mit den erheblich negativen Nebenwirkungen von behandelnden Patienten. Auch die Aufrechterhaltung und Tricksereien der Pharmaindustrie von Patent- und Lizenzrechten wird nicht angegangen.
  • Die Pharmaindustrie schmiert die Ärzteschaft mit Fortbildungsmaßnahmen und Urlaubsreisen, wobei die sich dann verpflichtet fühlen, exklusive Lieferverträge mit Pharmaprodukten einzugehen. Die Pharmaindustrie liefert gleichzeitig manipulierte Bestellsoftware an die Ärzte. Es gibt keine neutrale Stelle, die für die Ärztefortbildung und Praxisausstattung zuständig ist.
  • Wird die Medizintechnik defekt, so werden nicht die defekten Teile der Medizintechnik repariert, sondern gleich ganze Baugruppen komplett ausgewechselt oder das komplette Gerät ausgetauscht, wo ein großer Teil davon völlig intakt ist.
Das nur Mal eine aus dem Stehgreif ausgesuchte Liste, die zeigt, wieviel Luft zum richtigen Sparen im Gesundheitswesen und den Krankenversicherungen noch drin steckt. Keiner der Entscheidungsträger ist aber willens Standpunkt zu beziehen und sinnvolle Einsparungen zum Nutzen der Steuer- und Beitragszahler durchzusetzen. Es gibt zuviel Lobbygruppen und Wirtschaftsunternehmen im Pharma- und Medizinbereich, die ihre Macht sich nicht streitig machen lassen.

ManOfConstantSorrow

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Krankenhauspersonal streikt bei Besuch von Sarkozy
« Antwort #214 am: 10:03:34 Fr. 09.Januar 2009 »
Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy wird bei seinem morgigen Besuch zur Einweihung des neuen Straßburger Krankenhauses von streikenden Angestellten empfangen. Ein Teil der 2700 Mitarbeiter in der Klinik habe bereits mit dem Protest gegen Personalabbau, Überlastung und reduzierte Mittel begonnen, sagte heute ein Gewerkschaftssprecher. Die öffentlichen Krankenhäuser Straßburgs seien zur Rentabilität verpflichtet, hätten jedoch ein Defizit von 30 Millionen Euro angesammelt.

http://www.tv-suedbaden.de/default.aspx?ID=2973&showNews=330795http://www.tv-suedbaden.de/default.aspx?ID=2973&showNews=330795
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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #215 am: 20:14:59 Sa. 17.Januar 2009 »

Freitag, 16. Januar 2009 08:46
Streik an der Uni-Klinik

An der Ulmer Uniklinik streiken heute die Azubis und Praktikanten. Hintergrund für den ganztägigen Warnstreik sind die Tarifverhandlungen für die vier baden-württembergischen Unikliniken, die heute in Freiburg beginnen.

Dorthin fahren die Streikenden auch per Bus. Die Gewerkschaft ver.di fordert für die Azubis, Praktikanten und Schüler 160 Euro mehr im Monat, die festangestellten Arbeitnehmer sollen 350 Euro mehr bekommen. Angesichts der hohen Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln sei die Forderung durchaus berechtigt, so Gewerkschaftssekretärin Ilka Ulrich. Zuletzt hatte es im letzten Jahr 2,9 Prozent mehr gegeben.

http://www.kanal8.de/default.aspx?ID=3982&showNews=334435
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Warnstreik an der Uniklinik in Freiburg
« Antwort #216 am: 19:09:44 Mo. 19.Januar 2009 »


Freiburg, 19.01.09: Am 16. Januar begannen die Tarifverhandlungen zwischen den vier baden-württembergischen Unikliniken und der Gewerkschaft Verdi. 150 Azubis aus Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm beteiligten sich am Warnstreik. Vor dem Verhandlungsort, der Uniklinik-Kantine in Freiburg, gab es eine Kundgebung mit ca. 250 Beschäftigten.

Die Klinik-Vorstände machten kein Angebot und meinten zur Forderung der Klinik-Beschäftigten, diese seinen "überzogen". Dafür wurde der Uniklinik-Vorstand kräftig ausgepfiffen. Verdi fordert eine Lohnerhöhung um monatlich 350 Euro unter anderem für Krankenschwestern, Pfleger und Medizintechniker. Auszubildende sollen 160 Euro mehr bekommen.

Die Stimmung unter den Kundgebungsteilnehmern war gut, kämpferische Reden gab es von den Jugend- und Auszubildendenvertretungen, Teilnehmern der Tarifkommission und dem Personalratsvorsitzenden der Uniklinik Freiburg. Der nächste Warnstreik wird voraussichtlich am Donnerstag, 22. Januar, stattfinden.
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Wilddieb Stuelpner

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Re: Warnstreik an der Uniklinik in Freiburg
« Antwort #217 am: 11:24:54 Di. 20.Januar 2009 »
Freiburg, 19.01.09: Am 16. Januar begannen die Tarifverhandlungen zwischen den vier baden-württembergischen Unikliniken und der Gewerkschaft Verdi. 150 Azubis aus Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm beteiligten sich am Warnstreik. Vor dem Verhandlungsort, der Uniklinik-Kantine in Freiburg, gab es eine Kundgebung mit ca. 250 Beschäftigten.

Die Klinik-Vorstände machten kein Angebot und meinten zur Forderung der Klinik-Beschäftigten, diese seinen "überzogen". Dafür wurde der Uniklinik-Vorstand kräftig ausgepfiffen. Verdi fordert eine Lohnerhöhung um monatlich 350 Euro unter anderem für Krankenschwestern, Pfleger und Medizintechniker. Auszubildende sollen 160 Euro mehr bekommen.

Die Stimmung unter den Kundgebungsteilnehmern war gut, kämpferische Reden gab es von den Jugend- und Auszubildendenvertretungen, Teilnehmern der Tarifkommission und dem Personalratsvorsitzenden der Uniklinik Freiburg. Der nächste Warnstreik wird voraussichtlich am Donnerstag, 22. Januar, stattfinden.

Die Kehrseite der Medaille:

Sind solche Agenturmeldungen Langzeitarbeitslosen von Vorteil? Sollen die Hurra brüllen, daß es diesen Menschen, die noch in Lohn und Brot stehen, besser gehen wird, derweil man selbst Monat um Monat als Nicht-lLeistungsberechtigter angesehen wird, aber immer dafür zu sorgen hat, daß die Kontendeckung auf dem eigenen Girokonto ausreicht, wenn die Krankenversicherung Monat um Monat die KV- und PV-Beiträge abbucht?

Und wehe, zum Abbuchungstag ist das Konto nicht gedeckt, dann erhält man von seiner KV sofort die Kündigung. Woher man die Finanzen hernimmt, ist sowohl den AG, den Arbeitsagenturen, der Krankenversicherung, anderen Abkassierern und diesen Streikenden scheißegal. Die Streiks bedeuten für uns Arbeitslosen baldige Beitragserhöhungen, denn die AG haben ihre Beitragslasten vom Gesetzgeber einfrieren lassen und weitere Steigerungen auf die AN abgewälzt. Und da KV und PV angeblich eine Solidargemeinschaft darstellen, holen sich die Krankenkassen die durch Lohn- und Gehaltserrhöhung bedingten Beitragslasten von ihrer "Solidargemeinschaft" wieder, sie reichen diese Kosten nur durch.

Und dann muß man noch zwischen AN, Arbeitslosen im Leistungsbezug und Arbeitslosen ohne Leistungsbezug eine klare soziale Trennungs- und Belastungslinie ziehen. AN und in Leistungsbezug stehende Arbeitslose bezahlen ihren AN-Beitragsanteile zur KV und PV. Ihr Regelsatz wird dabei nicht zusätzlich angetastet. Von einem Gleichgewicht an sozialer Belastung zwischen AG und AN bzw. Arbeitslosen im oder ohne Leistungsbezug kann man seit Jahrzehnten schon lange nicht mehr reden, betrachtet man sich die Liste der nicht mehr von Krankenkassen im Leistungskatalog anerkannten Medikamente, Behandlungsmaßnahmen, betrachtet man sich die Vielzahl der Zuzahlungen, der Praxisgebühr und der Nötigung durch behandelten Ärzten von krankenkassenfinanzierten Leistungen abzusehen und mit Privatrechnungen gleich die Patienten/Versicherten zu erpressen.

Nach § 240 SGB V wird einem Arbeitslosen, der nicht im Leistungsbezug steht, vom Gesetzgeber - also den Arschlochabgeordneten im Bundestag ein fiktives Bruttomonatseinkommen vorgerechnet, um die KV- und PV-Beiträge ermitteln und in Rechnung stellen zu können. Das fiktive Bruttomonatseinkommen erhält der Arbeitslose ohne Leistungsbezug aber von Niemandem. Ist ein von den Arschlochbundestagsabgeordneten ausgesonnes Hirngespinst, um sich das Recht herauszunehmen, diese Personengruppe gleich heftig abzuzocken mit der Langzeitwirkung, sie schnellstmöglich arm zu machen und zu verelenden. Im Gegenzug gibt es keinerlei bessere amtliche und aktive Arbeitsvermittlung, um schnell wieder aus dem finanziellem Dilemma herauszukommen. Man ist nunmal lt. Eingruppierung durch McKinsley und Roland Berger den Betreuungskunden gleichgestellt. Jahrelanges Ausnehmen wie die Weihnachtsgänse, in den Selbstmord jagen und als menschlicher Sondermüll mit dem großspurigen Menschenwürde-Artikel des GG entsorgen.

Und nun aufgemerkt: Einem Arbeitslosen außerhalb des Leistungsbezugs werden gleich die AN- und AG-Beitragsanteile zur KV und PV abgezogen. Dazu kommen eben die Zuzahlungen, Praxisgebühren und die ärztliche Nötigung, erforderliche Behandlungsmaßnahmen statt krankenversichert besser privat zu bezahlen.

Da dürfte es für Jeden nachvollziehbar werden, daß man sich über solche Streikmeldungen nicht vor lauter Freude auf die Schenkel haut. Wenn von den Gebeutelten eine Personengruppe etwas mehr an Lohn und Sozialleistungen zugestanden wird, dann zahlen daß gewiß nicht die Schönen, Reichen, Promis oder Unternehmer, sondern die Masse Derjenigen, die unterhalb den in Lohn und Brot stehenden AN sich befinden. So geht's nunmal zu in einer Ausbeuter- und Unterdrückungsgesellschaft.

Und genau diese Zustände haben auch die bekloppten DDR-Wähler zu verantworten, die ihr Kreuz bei dem CDU-Scheißhaufen auf den Wahlscheinen setzten. Das sollten sich diese Leute mal vor Augen halten und die Verantwortung für ihr damaliges Fehlverhalten übernehmen. Die CDU-Wähler im Westen sind dabei keinen Deut besser. Auch sie sind verantwortlich für den sozialen Niedergang bei ihren Mitmenschen.

Von wegen die Starken tragen mehr an sozialen Lasten ?????

ManOfConstantSorrow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #218 am: 17:57:52 Di. 20.Januar 2009 »


Tübingen (Korrespondenz), 20.01.09: Das ist einer der Sprüche, die gegen die "Finanzkrise auf unserem Konto" in der Tarifrunde bei den Unikliniken Baden-Württembergs die Runde machen. Über die Festgeldforderung sind die Arbeitgeber hell entsetzt: das könne niemand zahlen, könne nicht "refinanziert" werden, würde weitere Stellen kosten und überhaupt - in der Krise so hohe Forderungen, das geht ja gar nicht.

Wer hat uns je "refinanziert"? Seit Jahren hängen die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen hinter der allgemeinen Lohnentwicklung zurück, 50.000 Pflegestellen wurden trotzdem vernichtet und inzwischen sind Pflegekräfte oft schon Mangelware.

Die verbliebenen schuften sich kaputt und wollen jetzt mal was tun gegen ihre chronische private Finanzkrise. Die Antwort der Arbeitgeber war "kein" Angebot. Also ist am Donnerstag der erste Warnstreik. Dazu muss noch kräftig mobilisiert werden, denn der Druck ist riesig, allerdings auch der Unmut. Packen wir´s an!

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ManOfConstantSorrow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #219 am: 15:54:24 Fr. 23.Januar 2009 »
Streik bei Uni-Kliniken: 350 Euro für alle
Tübingen

400 Warnstreiker/innen am Tübinger Uni-Klinikum wollen Konjunkturspritze auf der Gehaltsabrechnung sehen.




Am Warnstreik der vier Uni-Klinika in Baden-Württemberg am Donnerstag beteiligten sich auch rund 400 Mitarbeiter/innen der Tübinger Uni-Kliniken. Sie forderten einen monatlichen Aufschlag von 350 Euro für alle.

Für Auszubildende sollen es 160 Euro sowie eine tarifliche Qualitätsvereinbarung für die Ausbildung sein. Ihre Forderungen skandierten sie am Donnerstagmorgen bei einer Demonstration von der Frauenklinik zum Schnarrenberg-Klinikum und vor dem dortigen Casino. „Wir werden solange auf die Straße gehen, bis wir ein Ergebnis haben, mit dem wir zufrieden sind“, rief Angela Hauser, die Personalratsvorsitzende des Klinikums, unter Beifall.

„Wir haben schwierige Zeiten auch deshalb, weil die Beschäftigten nicht genug Geld in der Tasche haben“, sagte Hannelore Herrmann, Tarifsekretärin im Verdi-Landesbezirk Baden-Württemberg. „Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung muss von der Lohnseite her gestützt werden – sonst verpufft es.“

Auch Martin Gross, Geschäftsführer der Verdi-Bezirksverwaltung Neckar-Alb, der SPD-Bundestagskandidat Martin Rosemann, der Linken-Europa-Abgeordnete Tobias Pflüger und seine Berliner Bundestagskollegin Heike Hänsel unterstützen die Forderungen der Klinikums-Mitarbeiter. „Das Uni-Klinikum hat 24 Millionen Euro Rücklage. Man könnte sagen, das ist euch entzogen worden“, rief der Reutlinger Verdi-Sekretär Klaus Biener.

Baumaßnahmen solle die Landesregierung finanzieren und nicht aus dem Lohntopf der Beschäftigten abzweigen, forderte der Gewerkschafter. „Gute Arbeit braucht guten Lohn“, sagte Martin Rosemann. Am heutigen Freitag soll ein erstes Angebot der Länder-Arbeitgeber an die Tarifkommission gehen. Am 30. Januar sind Tarifverhandlungen in Stuttgart angesetzt.

http://tagblatt.de/2865978
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Wilddieb Stuelpner

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #220 am: 20:02:02 Fr. 23.Januar 2009 »
Wohin führt die Klientelpolitik der CDU/CSU/FDP/SPD im Gesundheits- und Sozialversicherungsbereich?

Statt dass die Beitragsbelastung gesenkt wird, die Kostentreiber kalt gestellt und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, ist der Gesundheitsfonds von den Regierungsparteien so gestaltet worden, das er für diese Regierungsklientel zum Selbstbedienungsladen verkommt. Ihnen ist es scheißegal, daß sie als Kostentreiber die SV-Beiträge auch in Zukunft in die Höhe jagen.

Zu diesen Kostentreibern zählen die Pharmaindustrie, die Ärzteverbände, die Apothekerverbände, die Hersteller von Medizintechnik, die Krankenhäuser, die Rettungs- und Krankentransportdienste, die Krankenkassen selber, um nur einige davon zu nennen.

Aktuell gehen Vertreter von Krankenversicherungen bei Ärzteverbänden und niedergelassenen Ärzten hausieren, um dort mit unseriösen Schmiergeldangeboten die Behandlungseinstufung, die Diagnosecodierung ihrer Patienten Richtung chronischer Erkrankungen zu manipulieren. Je schwerwiegender und langanhaltender die Behandlung, desto mehr Zuwendungen erhalten die am Gesundheitsfonds begünstigenden Seiten. Und da zählt momentan nur das Prinzip: Wer zuerst kommt mahlt zuerst und kann das Meiste abstauben. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, der hat das Nachsehen und geht Pleite. Das ist eben der soziale und finanzielle Schaden am gesundheitlichem Versorgungssystem, wenn man auf konkurrierde Privatwirtschaft statt Bürgerversicherung setzt und die Gesundheit zur Handelsware macht. Konkurrenzkampf hat in bestimmten Volkswirtschaftsbereichen nichts zu suchen und dazu zählt eben das Gesundheitswesen, die Kranken-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherung.

So mißbraucht man auch das Hausarztmodell, von dem auf einmal die Gesundheits-Trulla nichts mehr wissen will. So schafft man Monopolstrukturen wie in der Energieversorgung von Merkels Gnaden.



ARD/SWR, Sendung "Report Mainz" vom 19.01.2009: Verhökerte Patienten - Fragwürdige Deals zwischen Ärzten und Krankenhäusern

Wie das geht, dass eine Hand die andere wäscht, das zeigen wir Ihnen jetzt. In unserem Fall funktioniert es so: Ein Krankenhaus sagt zu einem Arzt, wenn Du künftig Deine Patienten alle zu mir schickst, dann soll das Dein Schaden nicht sein.

Ein klarer Verstoß gegen die ärztliche Berufsordnung. Denn da heißt es: Ärztinnen und Ärzten ist es nicht gestattet, für die Zuweisung von Patientinnen und Patienten ein Entgelt oder andere Vorteile sich versprechen oder gewähren zu lassen.

Monika Anthes zeigt, wie diese klare Regelung unterlaufen wird. Zum Schaden von uns allen.

Bericht:

Alltag in Arztpraxen. Die Patientin muss operiert werden. Der Arzt empfiehlt ein bestimmtes Krankenhaus. Sie vertraut seinem Rat.

Doch was, wenn hinter dem Rat finanzielle Interessen stecken? Wenn eine Klinik dem Arzt Geld für die Überweisung bezahlt? Das ist verboten und dennoch versuchen Ärzte und Krankenhäuser immer wieder dieses Verbot zu umgehen.

REPORT MAINZ wurde eine Rahmenvereinbarung zwischen einem Ärztenetz und zwei Krankenhäusern zugespielt. Durch eine „enge qualitative Verzahnung“ solle eine „wirtschaftliche Versorgung der Patienten erreicht“ werden.

Was steckt dahinter? Wir fahren nach Rimbach im Odenwald, hier ist die Praxis von Dr. Martin Pielsticker. Er hat den Vertrag ausgehandelt. Für alle Ärzte, die mitmachen gilt: Wenn sie einen Patienten zur Operation in eines der Kooperationskrankenhäuser schicken, beauftragt das Krankenhaus den Hausarzt im Gegenzug bestimmte Untersuchungen vor und nach der OP durchzuführen.
Das sei für alle Beteiligten nur von Vorteil:

O-Ton, Dr. Martin Pielsticker, Hausarzt:

»Wir haben theoretisch den Vorteil der Verdienstmöglichkeit, der Extraverdienstmöglichkeit. Das Krankenhaus hat den Vorteil, dass die Patienten kürzer liegen können, und der Patienten hat den Vorteil das er nicht für jegliche Nachbehandlung oder Voruntersuchung ins Krankenhaus muss, sondern die heimatnah bei seinem Hausarzt machen kann.«

Kürzere Liegezeiten und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und Hausarzt. Klingt gut. Doch eines macht uns skeptisch: Finanziell profitieren vor allem Hausärzte wie Dr. Pielsticker von dem Deal. Der Vertrag mit den Krankenhäusern ermöglicht ihm zusätzliche Einnahmen.

Krankenhäuser und Ärzte bekommen normalerweise ihr Geld für die Behandlung von Kassenpatienten ausschließlich von den Krankenkassen.

Durch den Vertrag wird festgelegt, dass das Krankenhaus den Arzt direkt für Untersuchungen bezahlt und zwar nach dem attraktiven Tarif für Privatpatienten.

Schickt der Arzt seine Patienten in ein Krankenhaus, mit dem er keinen Vertrag hat, dann bekommt er nichts extra bezahlt. Es lohnt sich also die Patienten in das Kooperationskrankenhaus zu schicken.

Wir bitten den renommierten Medizinrechtler Rudolf Ratzel den Vertrag für uns zu prüfen. Seit Jahren beschäftigt sich der Fachanwalt mit versteckten Zuweisungsprämien. Sein Urteil:

O-Ton, Rudolf Ratzel, Fachanwalt für Medizinrecht:

»Meiner Auffassung nach handelt es sich um ein reines Zuweisermodell, eine Fangprämie, eine Kopfprämie, die nach meiner Meinung sowohl gegen die Berufsordnung verstößt, als auch wettbewerbsrechtlich mehr als bedenklich ist.«

Frage: Und von Bestechung oder Zuweisungsprämie wollen Sie nichts hören?

O-Ton, Dr. Martin Pielsticker, Hausarzt:

»Überhaupt nicht. Ich würde nie einen Patienten zuweisen und dafür Geld annehmen, hat auch nichts damit zu tun. Sondern wir verdienen unser Geld lediglich mit den Leistungen, die wir erbringen.«

Doch auch die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs sieht die Verträge kritisch:

O-Ton, Christiane Köber, Wettbewerbszentrale:

»Die Regelung zur Gebührenordnung stellen eine verschleierte Zuweiserpauschale dar. Damit sollen Patientenströme in die Krankenhäuser gelenkt werden mit unfairen Wettbewerbsmethoden. Die Wettbewerbszentrale hat das abgemahnt, da die von uns geforderte Unterlassungserklärung aber nicht abgegeben wurde, werden wir jetzt Klage erheben.«

In der Region tobt ein harter Wettbewerb. Für viele Kliniken geht es ums Überleben. Die Krankenhäuser sind auf die Überweisungen der Hausärzte angewiesen. Und die würden ihre Position teilweise schamlos ausnutzen. Wer nicht mitmachen wolle, dem werde gedroht, das berichtet uns der Geschäftsführer des Heilig-Geist-Krankenhauses in Bensheim.

O-Ton, Bernhard Franzreb, Geschäftsführer Kath. Klinikverbund Südhessen:

»Uns ist ein entsprechender Vertrag angeboten worden und wir haben ganz deutlich gesagt bekommen, dass wenn wir an einer solchen Vereinbarung nicht teilnehmen, dass man unter Umständen auch die Patienten nicht zu uns schicken wird.«

Versteckte Zuweisungsprämien unter dem Deckmäntelchen einer besseren Versorgung? Was wissen die Patienten davon? Nachfrage beim Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim:

Frage: Haben Sie die Patienten hier oder die Öffentlichkeit informiert über diese Verträge?

O-Ton, Stephan Allmann, Geschäftsführer Kreiskrankenhaus Bergstraße:

»Nein.«

Frage: Das heißt, das sind Verträge, die zwischen Ihnen und den Ärzten liefen, von denen die Patienten auch nichts wissen?

O-Ton, Stephan Allmann, Geschäftsführer Kreiskrankenhaus Bergstraße:

»Ja, Patienten wissen das nicht, aber die Patienten werden über ihren niedergelassenen Arzt natürlich informiert, dass Voruntersuchungen durchgeführt werden.«

Frage: Wissen die Patienten, dass sie bei den Krankenhäusern, mit denen Sie kooperieren, mehr Geld verdienen, als bei den anderen?

O-Ton, Dr. Martin Pielsticker, Hausarzt:

»Die Patienten wissen vermutlich nicht. Wie soll ich das sagen. Also die Patienten werden über die Vergütung im einzelnen nicht informiert.«

Die Patienten ahnen demnach also nichts von dem Abkommen. Wir zeigen unsere Recherchen dem Präsidenten der bundesweit tätigen Patientenschutzorganisation DGVP.

O-Ton, Wolfram-Armin Candidus, Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten:

»Das ist Bestechung und auch Korruption, aber, besser gesagt, es ist eine Provision, die der Arzt erhält von der Klinik, damit die Klinik eine bessere Belegungsrate bringt. Und diese Provision bezahlt der Bürger aus den Beiträgen, die er der Krankenkasse gibt, und weiß nichts davon, dass sein Geld in dieser Form missbraucht wird. Und letztendlich leidet die Qualität der Versorgung darunter, weil nicht nach den Kriterien der besten Versorgung entschieden wird, sondern nach den Kriterien, wo läuft das Geld am besten.«

O-Ton, Stephan Allmann, Geschäftsführer Kreiskrankenhaus Bergstraße:

»Es ist ja nicht so das nur unser Krankenhaus diese Kooperationsform gewählt hat, sondern das ist ja bundesweit und auch landesweit, auch überregional hier eine gängige Kooperationsform.«

O-Ton, Rudolf Ratzel, Fachanwalt für Medizinrecht:

»Es ist leider kein Einzelfall, sondern seit ungefähr zwei bis drei Jahren ein zunehmendes Phänomen, das man durchaus auch als Seuche bezeichnen könnte.«

Bundesweit werden also solche Verträge geschlossen, hinter dem Rücken der Patienten und auf ihre Kosten.

Alle Sendetermine:
19.01.2009, 21.45 Uhr, REPORT MAINZ, Das Erste

Wilddieb Stuelpner

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #221 am: 20:32:03 Fr. 23.Januar 2009 »
Das kommt für den beitragzahlenden Bürger und Patienten raus, wenn die Horden des Marburger Bundes unter Montgomerys Herrschaft gestreikt hatten - es entwickelt sich eine gierige Ärztelobby, die von CDU/CSU/FDP/SPD bedient wird. Kein Wunder Polit- und Wirtschaftsfilz der Leistungsmafiaelite blüht und gedeiht. Gebt diesen Ärzte den kleinen Finger, dann reißen Sie Dir den ganzen Arm raus:

ARD/NDR, Sendung "Panorama" vom 22. Januar 2009: Gesundheitsfonds - wie Ärzte und Kassen nach der Reform abkassieren

Die bayerischen Hausärzte haben es zuerst erkannt: Die Gesundheitsreform hat sie mächtiger gemacht. Seit dem 1. Januar sind die Krankenkassen auf ihre Kooperation angewiesen. Denn nur wenn die Ärzte ihren Patienten möglichst viele chronische Erkrankungen attestieren, erhalten die Kassen hohe Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds.

Einige Ärzte nutzen diese Abhängigkeit nun für ihre Honorarverhandlungen mit den Kassen aus. Interne Schreiben des bayerischen Hausärzteverbandes legen nahe: Die Ärzte setzen die Krankenkassen unter Druck. Wer von den Medizinern lukrative Diagnosen will, muss entsprechende Honorare zahlen. Der Patient wird zum Spielball – mit unangenehmen Nebenwirkungen.

Siehe auch: Experte: Bayerische Hausärzte bereichern sich durch Gesundheitsfonds,

Durch die neuen Regelungen im Gesundheitssystem hat der Bayerische Hausärzteverband bei der AOK eine massive Honorarerhöhung durchsetzen können. Als "Gegenleistung" für die Honorarerhöhung hat der Ärzteverband der Krankenkasse offenbar eine "entsprechende Codierung" versprochen. Dies belegt ein dem ARD-Magazin Panorama vorliegendes internes Schreiben des Verbandes vom 17. Dezember 2008.

"Codierung" als "Gegenleistung" impliziert im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform, dass die Hausärzte die Diagnose möglichst vieler chronisch Kranker in Aussicht stellen. Auf diese Codierungen sind die Krankenkassen seit Einführung der Gesundheitsreform dringend angewiesen, da von ihnen die Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds abhängen. Diese Abhängigkeit der Kassen von den Diagnosen der Ärzte hat der Bayerische Hausärzteverband bei der Aushandlung des Vertrages nach dem so genannten "Hausarztmodell" nun offenbar ausgenutzt. "Insofern bereichern sich die Hausärzte an der Gesundheitsreform", so der renommierte Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske zu Panorama. Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, Wolfgang Hoppenthaller, betont, die Ärzte seines Verbandes würden ausschließlich korrekt codieren.

Abschreckende Wirkung von Sanktionen?
Während der Verhandlungen hatte der Verband deutlich mit einem Diagnoseboykott gedroht, sollte sich die AOK Bayern nicht auf die Forderungen der Hausärzte einlassen: "Wir werden die AOK erst dann unterstützen, wenn ein Hausarztvertrag (...) neu mit uns unterzeichnet ist." Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske hält dies für "Erpressung".

Das Bundesgesundheitsministerium hält solche Absprachen nur für eine Drohung, setzt darauf, dass die Ärzte sie nicht wahr machen, und verlässt sich auf die abschreckende Wirkung von Sanktionen. Sonst, so Staatsminister Klaus Theo Schröder in Panorama, "könnten Ärzte am Ende gar ihre Kassenzulassung und damit ihre Existenz verlieren".

Wolfgang Hoppenthaller bestätigt, dass sein Verband beim Codieren denjenigen Vertragspartner bevorzugt behandele, "der mir auch einen Vertrag gibt und mein existenzielles Überleben sichert". Die AOK Bayern wollte sich in Panorama nicht zu den Verhandlungen äußern und erklärt ansonsten, Falschcodierungen abzulehnen.

Schreiben des bayerischen Hausärzteverbands als PDF-Dokument

Schreiben von Wolfgang Hoppenthaller als PDF-Dokument


ManOfConstantSorrow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #222 am: 16:07:53 Di. 27.Januar 2009 »
Herr Kühnel!
Allgemeine Kritik am Gesundheitswesen gehört nicht in den Thread für Arbeitskämpfe im Krankenhaus!!!

Zitat
Warnstreik an der Uniklinik Köln

Streik an der Uniklinik Köln - am Mittwoch, 28. Januar, läuft von 5 Uhr morgens bis 22 Uhr abends in dem Krankenhaus ein Warnstreik, teilten die aufrufenden Gewerkschaften mit. Patienten müssten mit längeren Wartezeiten rechnen.


Zu dem Streik an der Uniklinik Köln rufen der gewerkschaftliche Dachverband von Gewerkschaften des öffentlichen Diensts und des privaten Dienstleistungssektors DBB-Tarifunion zusammen mit dem Verband der Landes-Beamten, -Angestellten und -Arbeiter Nordrhein-Westfalen (VDLA) auf. Für Patienten könne der Warnstreik zu längeren Wartezeiten führen. Obwohl die medizinische Grundversorgung durch Notdienstvereinbarungen gesichert sei, werde empfohlen, möglichst auf andere Krankenhäuser im Stadtgebiet auszuweichen.

Der Warnstreik richtet sich laut Presseinformation gegen die Verweigerungspolitik der Arbeitgeber während der aktuellen Tarifrunde für den öffentlichen Dienst. Die Kölner Aktion sei Teil einer landesweiten Arbeitskampfmaßnahme an den Unikliniken in NRW. Insgesamt gehe es darum, die Einkommensschere zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft sowie Bund und Kommunen auf der einen und den Ländern auf der anderen Seite zu schließen.

"Die Arbeitgeber sind am Zug. Wir haben keine Zeit für Taktik und Rituale", sagt DBB-Vorsitzender Frank Stöhr. "Wie wollen die Arbeitgeber einer Krankenschwester im Uniklinikum erklären, dass sie gegenüber der Kollegin im städtischen Krankenhaus – bei gleicher Arbeit – inzwischen einen Einkommensrückstand von über 130 Euro hat?" Es gelte, diesen Rückstand aufzuholen – acht Prozent mehr Einkommen seien auch angesichts der Wirtschaftskrise zu rechtfertigen.

"Beamte und Tarifbeschäftigte in den Ländern haben drei Nullrunden hinter sich. Drei Jahre lang wurden die Gehälter nicht linear erhöht", sagt DBB-Bundesvorsitzender Peter Heesen. "Gerade in Krisenzeiten aber ist der Staat auf gute und leistungsbereite Mitarbeiter angewiesen. Daher ist unsere Forderung auch in Krisenzeiten angemessen."

"Angesichts der Milliardengeschenke der Finanzminister an die Banken ist der Unmut der Beschäftigten groß, wenn der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring bereits im Vorfeld die Lohnforderung als unangemessen zurückweist und zwei Verhandlungsrunden lang an dieser ,Strategie' festhält, sagt Martina Kanis, zuständige Koordinatorin der örtlichen Streikleitung an der Uniklinik Köln: "Die Beschäftigten sind auf einen Arbeitskampf vorbereitet." Sollten sich die Arbeitgeber weiterhin einem Tarifkompromiss verweigern, werde die Streikaktion in Köln fortgesetzt.
http://www.koeln.de/koeln/warnstreik_an_der_uniklinik_koeln_122908.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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Umfrage: 80 % der Pflegekräfte unzufrieden
« Antwort #223 am: 10:56:40 Mi. 04.Februar 2009 »
Nach einer Umfrage des Deutschen Berufsverbands für Pflegekräfte halten 80 Prozent der Pfleger die Personalausstattung in ihrem Arbeitsbereich für nicht ausreichend. Jede dritte Krankenschwester denkt fast täglich daran, ihren Beruf aufzugeben. Zwei Drittel sind der Meinung, dass sich die Qualität der Pflege im vergangenen Jahr verschlechtert hat.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #224 am: 12:39:14 Mo. 09.Februar 2009 »
Donnerstag von 5 bis 22 Uhr

Erneuter Warnstreik an der Uniklinik

Erneuter Streik an der Uniklinik Köln - am Donnerstag, 12. Februar, läuft von 5 Uhr morgens bis 22 Uhr abends in dem Krankenhaus ein Warnstreik, teilten die aufrufenden Gewerkschaften mit. Patienten müssten mit längeren Wartezeiten rechnen.

Zu dem Streik an der Uniklinik Köln rufen der gewerkschaftliche Dachverband von Gewerkschaften des öffentlichen Diensts und des privaten Dienstleistungssektors DBB-Tarifunion zusammen mit dem Verband der Landes-Beamten, -Angestellten und -Arbeiter Nordrhein-Westfalen (VDLA) auf. Für Patienten könne der Warnstreik zu längeren Wartezeiten führen. Obwohl die medizinische Grundversorgung durch Notdienstvereinbarungen gesichert sei, werde empfohlen, möglichst auf andere Krankenhäuser im Stadtgebiet auszuweichen.

Gemeinsam mit Kollegen aus anderen Unikliniken in NRW wollen die Beschäftigten ab 8:30 Uhr in einem Demonstrationszug zu einer Abschlusskundgebung am Heumarkt gelangen. Bereits am 28. Januar hatte ein ganztägiger Arbeitskampf stattgefunden.

Der Warnstreik richtet sich laut Presseinformation gegen die Verweigerungspolitik der Arbeitgeber während der aktuellen Tarifrunde für den öffentlichen Dienst. Die Kölner Aktion sei Teil einer landesweiten Arbeitskampfmaßnahme an den Unikliniken in NRW. Insgesamt gehe es darum, die Einkommensschere zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft sowie Bund und Kommunen auf der einen und den Ländern auf der anderen Seite zu schließen.

http://www.koeln.de/koeln/erneuter_warnstreik_an_der_uniklinik_128447.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!