Autor Thema: Unruhige Krankenhäuser?  (Gelesen 281629 mal)

Fritz Linow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #495 am: 20:06:19 Do. 16.September 2021 »
So ein Versprechen für einen Fahrplan zurück in den TVöD gibt es in Kiel auch schon länger. Tatsächlich ist bisher nichts geschehen. Halt klassisches Aussitzen und Vertrösten. Außerdem scheint der Fachbereich von verdi nicht so plietsch zu sein.

Kuddel

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #496 am: 10:59:50 Fr. 17.September 2021 »


Krankenhausstreik Berlin

"Du gehst nach Hause, du heulst. Weil du nicht mehr kannst."

Tolle Interviews in den 15 min Video:
https://de.labournet.tv/krankenhausstreik-berlin





ManOfConstantSorrow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #497 am: 14:19:46 Fr. 17.September 2021 »
Solidarity from UK:

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #498 am: 18:37:43 Fr. 17.September 2021 »
Hamburg: „Von der Elbe bis zur Spree, TVöD!!!“ Heute haben sich vor der Uniklinik Beschäftigte und Unterstützerinnen versammelt. Grüße gehen raus an die Streikenden in Berlin!



Das hat wirklich was von einer echten Arbeiter:innenbewegung und unterscheidet sich von den DGB Ritualen.

Kuddel

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #499 am: 18:40:44 Fr. 17.September 2021 »
Zitat
Kiel: Rat diskutiert Schicksal der Servicekräfte am Städtischen Krankenhaus

Draußen Demo, drinnen Debatte: Das Schicksal der 200 Beschäftigten bei der ausgelagerten Service GmbH am Städtischen Krankenhaus Kiel hat am Donnerstag einmal mehr die Kieler Ratsversammlung beschäftigt. Die Stadtverwaltung und die Krankenhausleitung gerieten unter Druck.
https://www.kn-online.de/Kiel/Kiel-Rat-diskutiert-Loehne-der-Servicekraefte-am-Staedtischen-Krankenhaus

Und wie ist das ausgegangen?

Fritz Linow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #500 am: 19:06:48 Fr. 17.September 2021 »
Zitat
Und wie ist das ausgegangen?

Mitte Mai 2020 gab es einen Beschluss, dass die Stadt einen Stufenplan zur Eingliederung in den TVöD erarbeiten soll. Das hat sie einfach nicht gemacht. Nun wurde gesagt, dass dieser Plan nächsten Monat vorgelegt werden soll, vielleicht aber auch später. Kann man glauben oder aber auch sein lassen. Für verdi wäre ein Erfolg nicht unwichtig, da sie beim Servicebereich des UKSH nichts zu melden haben. Bessere Arbeitsbedingungen werden aber nicht in Ratsversammlungen erkämpft.

Kuddel

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #501 am: 10:56:33 Mo. 20.September 2021 »
Zitat
Streik bei Vivantes-Töchtern wird wieder aufgenommen

Gespräche unterbrochen: Keine Annäherung im Tarifstreit zwischen den Tochtergesellschaften des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes und der Gewerkschaft Verdi.
https://www.berliner-zeitung.de/news/berlin-verdi-streik-bei-vivantes-toechtern-wird-wieder-aufgenommen-li.183749

Kuddel

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #502 am: 16:15:10 Mo. 20.September 2021 »
Wichtig!

Zitat
Nach Streikverbot durch die Regierung nun wilde Streiks der Pflegekräfte in Dänemark
 
Die Streiks der Krankenpfleger in Dänemark dauern nun über 10 Wochen. Während der Sommerferien waren die Streiks in den Medien im Land fast unbemerkt. Das hat sich mit dem Gesetzeseingrif der sozialdemokratischen Staatsministerin Mette Frederiksen rasant geändert. Die Regierung will den Streikenden die Bedingungen aufzwingen, die diese zweimal bei Urabstimmung abgewiesen haben. Jetzt kommt es in den Städten Herlev, Aalborg, Aarhus, Kopenhagen zu wilden Streiks in den Krankenhäusern. Jeden Morgen legen die Krankenschwestern ihre Arbeit für eine Stunde nieder, um sich außerhalb deren Arbeitsplätze zu treffen und zu demonstrieren. Immer mehr Sympathisanten anderer Berufsgruppen besuchen die Protestkundgebungen.
https://www.labournet.de/?p=193513

Uuups, danke für den Hinweis, Dagobert. Link korrigiert.

dagobert

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #503 am: 16:25:03 Mo. 20.September 2021 »
Der Text hinter dem Link ist nicht uninteressant, passt aber nicht zum Zitat.

Nikita

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #504 am: 16:45:00 Fr. 08.Oktober 2021 »
"Hier noch einer zur Pflege-Apokalypse: Bei der Uniklinik in Marburg haben die nicht gestreikt sondern gekündigt.
Die Uniklinik in Marburg wird derzeit von einer Kündigungswelle eingeholt. Auf einer Station warfen 15 von 16 Pflegekräften auf einmal hin - wegen schlechter Arbeitsbedingungen. Die Klinikleitung beschwichtigt.
15 von 16! Holla!
Fast die ganze Station wechselt geschlossen an das Evangelische Krankenhaus in Gießen.
Überlegt euch mal, was das über das Evangelische Krankenhaus in Gießen sagt, wenn die mal eben 15 Pflegekräfte einstellen können, weil sie so viele unbesetzte Plätze haben.
Ach wisst ihr was, das muss man sich gar nicht vorstellen:

Wie hart umkämpft der Markt inzwischen ist, zeigt auch, dass das EV seit 2018 eine Einstellungsprämie von 1.000 Euro zahlt. Dietrich betont aber: Es habe keine gezielte Abwerbeaktion stattgefunden.
SO KRASS ist die Lage, dass die Einstellungsprämie zahlen. Wie beim Stromanbieterwechsel!
Die Pflegerin bemerkt in letzter Zeit vermehrt, dass Patientinnen und Patienten nicht mehr klingeln, um dem offensichtlich gestressten Personal nicht zur Last zu fallen. Die Folge: Notfälle würden zu spät bemerkt oder Menschen hätten zu lange Schmerzen.
Ach du Kacke!
Man vergleiche mal den Aufwand, den der Staat für "Geldwäschebekämpfung" auf sich nimmt, und vergleiche das mit den Zuständen, die sie in Krankenhäusern durchgehen lassen. (Danke, Ulrich)"

https://blog.fefe.de/?ts=9f9eedcb

Nikita

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #505 am: 16:48:17 Fr. 08.Oktober 2021 »
"Noch ein Leserbrief zum Pflegenotstand:
vielleicht um den Ernst der Lage sich mal vor Augen zu führen: Die sind nicht nur seit 4 Wochen am Streiken, Vivantis will die am langen Arm verhungern lassen. Die Streikkasse ist gut gefüllt aber Gewerkschaften zahlen nur einen Teil des Lohns als Streikgeld aus (bei Verdi sind es 80%). Jeder kann sich jetzt mal die letzte Lohnzahlung nehmen und 20% davon abziehen. Und sich dann überlegen was es bedeutet =https://www.betterplace.me/solidaritaet-mit-den-streiks-im-krankenhauswenn die Streikenden zu Spenden aufrufen.
Faktisch ist es noch schlimmer, die Gehälter sind niedrig, werden aber durch Schichtzulagen erhöht. Jedenfalls für die, die Nacht-/Wochenendschichten machen können, auch eine Ungerechtigkeit aber anderes Thema. Verdi zahlt natürlich nur 80% vom Basisgehalt ohne Zulagen. In dem Zusammenhang darf man es bewerten, dass sie bei der Charite "nur" mit mehr Neueinstellungen zufrieden waren.

Vivantes hat übrigens alles versucht um den Streik zu verhindern. Nein, nicht durch Vorlage eines vernünftigen Angebots sondern indem sie der Notdienstvereinbarung nicht zustimmten und einen Besetzungsschlüssel forderten der dem normalen Dienstplan entspricht. Damit konnten sie noch eine einstweilige Verfügung erwirken, sind dann aber vor Gericht gescheitert. Danach drohten sie den Pflegenden die sich am Streik beteiligen mit Kündigung.

Demnächst gesellen sich drei Kliniken von Asklepios in Brandenburg zu den Bestreikten, da hat Verdi über 90% bei der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik abgeholt.

Für die Notfälle in Berlin bedeutet das: Nach Brandenburg rausfahren is dann nicht mehr. Ich seh da ein großes Pulverfass was demnächst hochgehen wird, wenn wir als Öffentlichkeit weiter wegschauen und die Politik den Markt regeln lässt. Und die Lunte brennt...

Haha und wir haben uns über das verkackte System der Amis lustig gemacht!"

https://blog.fefe.de/?ts=9f9edead

Kuddel

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #506 am: 11:35:13 Sa. 09.Oktober 2021 »
Ich war gerade in Berlin. Ein Gewerkschaftslinker, mit dem ich quatschte, kam aus dem Schwärmen nicht mehr raus über die aktuelle Krankenhausbewegung. Er sieht da eine hochpolitische Bewegung, die nicht nur die Verbesserung der Arbeitsbedingungen fordert, sondern sich gegen die Privatisierung von Krankenhäusern und gegen die Fallpauschalen/Ökonomisierung des Gesundheitwesens wendet. Er beschrieb sie als Initiative von unten, alles, was da passiert, kommt von den Beschäftigten selbst, auch wenn zwischendurch Funktionäre dort redeten. Eine betriebliche Bewegung mit einer solchen Dynamik hätte er seit Jahrzehnten nicht erlebt.

Ich bin gespannt wie es weitergeht.
Ob man diese Bewegung ins Leere laufen lassen, abspeisen oder abwürgen kann...

ManOfConstantSorrow

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #507 am: 14:19:17 So. 10.Oktober 2021 »
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

dagobert

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #508 am: 17:25:58 So. 10.Oktober 2021 »
Er sieht da eine hochpolitische Bewegung, die nicht nur die Verbesserung der Arbeitsbedingungen fordert, sondern sich gegen die Privatisierung von Krankenhäusern und gegen die Fallpauschalen/Ökonomisierung des Gesundheitwesens wendet.
So optimistisch bin ich da nicht.
Es könnte zwar sein, dass sich da noch was draus entwickelt, aber bis jetzt geht es nach meiner Einschätzung in erster Linie um die Arbeitsbedingungen. Der "Rest" ist nur Beiwerk.

Kuddel

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Re: Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #509 am: 17:53:01 So. 10.Oktober 2021 »
Der Druck geht in eine gute Richtung.


Ich sehe es auch so, daß diese Auseinandersetzung die Fallpauschalen noch nicht zu Fall bringt.
Und doch ist es ein Kampf, der weitgehender und politischer ist, als die üblichen ritualisierten gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen.

Der Druck von der Basis und die Solidarität von außen (also von potentiellen Patienten) ist für Deutschland ungewöhnlich.