Autor Thema: Gewerkschaften  (Gelesen 155855 mal)

GotthilfFischer

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Gewerkschaften
« am: 18:50:13 Mi. 12.Februar 2003 »
Ich schlage eine Extra-Rubrik über Gewerkschaften und deren Politik vor.

Hier ein paar offizielle Zahlen:
1991 hatten die DGB Gewerkschaften knapp 12Millionen Mitglieder, ein Jahrzehnt später waren es unter 8 Millionen.

Interessant ist, daß Kampfkraft und gewerkschaftliche Organisiertheit nicht identisch sind.

In Deutschland sind etwa 27% der Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert.
In Frankreich, wo zahlreiche, schlagkräftige und erfolgreiche Arbeitskämpfe stattfinden sind nur 9% organisiert, noch weniger als in den USA (13,5%).

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Gewerkschaften
« Antwort #1 am: 13:16:23 Di. 27.Mai 2003 »
vielleicht geht´s in frankreich radikaler ab, weil da die gewerschaften nicht im weg stehen :lol:  :wink:  :D

Andy1000

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Gewerkschaften
« Antwort #2 am: 20:23:48 Mo. 30.Januar 2006 »
Gewerkschaften sind wichtig.
Ohne hätten wir wohl zustände wie in China.
Das sollten wir nie vergessen.
Was mir bei den Gewerkschaften so Stinkt, ist dass dies sich um die Interesse Ihrer Mitglieder erst an (spätestens) zweiter Stelle kümmern. Ich erinnere an die vielen Skandale der letzten Jahre. Auch hätte ich gegen ALG2 mehr Gegenwehr erwartet, nachdem hier die SPD uns alle verraten und verkauft hat.

Mimir

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Gewerkschaften
« Antwort #3 am: 20:52:13 Mo. 30.Januar 2006 »
Wo sind denn die meisten Gewerkschafter politisch beheimatet?
Doch wohl in der SPD.
Wenn die unten weggehen, fallen die oben tief.

LinksDenker

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Gewerkschaften
« Antwort #4 am: 22:17:45 Mo. 30.Januar 2006 »
KwTm

Kettensägenmassaker

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Gewerkschaften
« Antwort #5 am: 01:04:44 Di. 31.Januar 2006 »
Werft nicht gleich die Flinte ins Korn, die organisierte Arbeiterklasse verdient und verträgt Kritik:

"Deutschland war das klassische Land des (...) Organisationsdünkels. Um Organisation willen hatte man (...) die Aktionsfähigkeit der Bewegung preisgegeben. (...) Die Organisation der revolutionären Aktionen muß und kann eben nur in der Revolution selbst gelernt werden, wie das Schwimmen nur im Wasser gelernt wird. Dazu ist die geschichtliche Erfahrung da! Aber man soll eben aus der Erfahrung auch lernen."

Rosa Luxemburg (8.1.1919)
"Das soziale Kettensägenmassaker ist Grausamkeit pur,
es nützt noch nicht einmal dem Kapital."(Jürgen Elsässer 11.11.05)

Abstrampler

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Gewerkschaften
« Antwort #6 am: 01:23:47 Di. 31.Januar 2006 »
Auch wenn es nicht ganz zum Thema passt, wollte ich dennoch etwas anmerken.

Klar finde ich ne Gewerkschaft wichtig, sie halfen mit unser Land zu einem Hochlohnland ( auch für Hilfsarbeiter ) zu machen.
Je höher die Löhne stiegen, umso höher stiegen aber auch die Mieten, kommunale Gebühren/Steuern( Abwasser, Müll, Kfz-Steuer etc), Gas, Strom, und was auch immer.

Alle haben sie von den hohen Löhnen profitiert, darum frage ich mich nun folgendes:

Haben diese mit den Gewerkschaften erkämpften Lohnerhöhungen wirklich den Arbeitern genutzt, wenn doch dadurch die Mieten stiegen und Abgabe stiegen?

Warum habe ich das Gefühl, das in Zeiten in welcher die Löhne eher fallen als steigen, das ganze nicht umgekehrt funktioniert?

Ich meine, warum fallen nicht die Mietpreise Kfz-Steuern, Abwassergebühren, Schorsteinfeger-Zwangsabgaben .....

Wer kämpft denn dafür, daß diese Belastungen Stück für Stück wieder abgebaut werden?
Wäre das nicht auch eine Aufgabe einer Gewerkschaften, oder soll das der paritätische Wohlfahrtsverband alleine machen?

Ich denke die Gewerkschaft sollte sich in Zeiten, in welchen es nur noch sehr schwer ist Löhne zu halten oder Lohnerhöhungen durchzusetzen, sich darauf besinnen an den Abbau der Belastungen mitzuwirken, denn so hat am Ende auch der Arbeiter/Arbeitslose/Rentner/bzw. Familien mehr Geld in der Tasche.

MfG

ManOfConstantSorrow

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Gewerkschaften
« Antwort #7 am: 01:36:07 Di. 31.Januar 2006 »
Zitat
Andy1000 schreibt
Gewerkschaften sind wichtig.
Ohne hätten wir wohl zustände wie in China.
Das sollten wir nie vergessen.

Ich muß hier Andi 1000 rechtgeben.

Natürlich wurden die Gewerkschaften nach dem Krieg von den Allierten eingesetzt um für soziale Kontrolle und Ruhe im Land zu sorgen.
Sie waren und sind stets bemüht um "Sozialpartnerschaft", wo doch Partnerschaft mit den Ausbeutern das Letzte ist, was wir brauchen.

Aber die Gewerkschaften trugen auch die großen Streikwellen der 70er und 80er Jahre mit, weil hier ein Bewußstein und Kampfeswillen herrschte, daß man auch notfalls ohne Gewerkschaften gekämpft hätte. (In den 50er Jahren z.B. gab es einen wilden Streik bei HDW-Kiel. Die Gewerkschaften hängten sich nachträglich ran, erklärten es für ihre Sache und setzten dann bundesweit die sofortige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch.)

Die Gewerkschaften sind nicht gewillt zu kämpfen.
Es wäre aber dumm und falsch sie für den Feind zu halten.

Im Moment gibt die IGM bei dem AEG-Streik nicht das schlechteste Bild ab. Das liegt daran, daß auch außergewerkschaftlich diskutiert und organisiert wird und die Arbeiter einfach stocksauer sind und nichts zu verlieren haben. Da ist es dann das schlaueste sich mit dem Kampfgeist der Arbeiter zu schmücken, den man nichteinmal selbst organisiert hat.

Nach langer, langer Zeit könnte es nun mal wieder zu einem größeren Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst kommen. Hier scheint sich VERDI auch zu bemühen um den Massenaustritten von Gewerkschaftsmitgliedern Einhalt zu gebieten. Sonst droht der ganze Laden zu implodieren und auch die schönen Pöstchen der Gewerkschaftsfunktionäre wären futsch.

Die Gewerkschaften haben trotz allem eine große Autorität be der Bevölkerung (auch wenn die Medien das Gegenteil behaupten) und können sehr viele mobilisieren (wenn sie nur wollen). Es gibt massenhaft Leute in der Gewerkschaft, die hassen die Politik der Gewerkschaftsführung. Sie sind trotzdem Mitglied, weil es keine Alternative gibt. So sind viele Vertrauensleute in wilden Streiks aktiv und kämpfen gegen den Willen ihrer Gewerkschaft. Keinen Kontakt zu solchen Leuten zu haben und auf den Schutz, den eine solche Organisation auch bietet zu verzichten wäre fatal.
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« Antwort #8 am: 02:05:24 Di. 31.Januar 2006 »
KwTm

jensen

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Gewerkschaften
« Antwort #9 am: 02:57:03 Di. 31.Januar 2006 »
(.)
.

ManOfConstantSorrow

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« Antwort #10 am: 13:08:20 Sa. 04.Februar 2006 »
Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut des DGB (WSI) hat für das Jahr 2005 eine Steigerung der Tarifeinkommen im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 1,6% berechnet. Die effektiven Bruttoeinkommen stiegen aber lediglich um 0,5%. Die Ursache ist, dass die Tariflohnerhöhungen in vielen Betrieben überhaupt nicht ankommen, weil sich immer weniger Unternehmen an die Tarifverträge halten ober diese unter Ausnutzung von Öffnungsklauseln in den Tarifverträgen sogar noch unterbieten. Die Folge ist ein starker Rückgang der Realeinkommen durch gestiegene Abgaben und die Inflation.
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ManOfConstantSorrow

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Gewerkschaften
« Antwort #11 am: 12:39:20 Di. 16.Mai 2006 »
Dringender Protestaufruf: Funktionsverbote für Vertrauensleute und Betriebsräte der Stuttgarter „Alternative“
IGM behindert Mandatsträger bei DaimlerChrysler in Ausübung demokratischer Rechte


Special „Demokratie live - »alternative« werden ausgeschlossen“

Mit einem „Notruf“ haben sich die „alternativen“ an die gewerkschaftliche Öffentlichkeit gewandt und diese Ausschlusspolitik kritisiert:

Zitat
Wir bitten um Proteste an die IGM-Ortsverwaltungen, den Betriebsratsvorsitzenden in Untertürkheim und den Vorstand der IG Metall:

IGM Esslingen, z.H. Sieghard Bender und Mitglieder des Ortsvorstands: Fax: (0711) 93 18 05-34, mail: esslingen@igmetall.de

IGM Stuttgart, z.H. Hans Baur und Mitglieder des Ortsvorstands: Fax: (0711) 162 78 49, mail: stuttgart@igmetall.de

Helmut Lense, BR-Vorsitzender Untertürkheim: Fax (0711) 175 33 20

IGM-Vorstand, z.H. Jürgen Peters, Berthold Huber: Fax: (069) 6693-2843
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ManOfConstantSorrow

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Gewerkschaften
« Antwort #12 am: 12:45:48 Mi. 07.Juni 2006 »
„Viele Jahre nach dem Mauerfall, eitern immer noch die Trümmer in den Köpfen vom DGB Vorstand und entwickeln sich zu Narben, welche gegenüber den Beschäftigten im Osten - als tiefe Schluchten einer Stigmatisierung vorgeführt werden. Untermalt wird der Erfolg: "Damit haben wir für Tarif- und Sozialstandards in der Branche eine untere Haltelinie eingezogen", durch den DGB-Verhandlungsführer Reinhard Dombre. Er zog damit nicht nur die untere Haltelinie, sondern offerierte auch die Stellung vom DGB zu den ostdeutschen Arbeitnehmern und förderte die Spaltung zwischen Ost und West…“ Kommentar im Sozialticker vom 1.6.06  

http://www.sozialticker.com/dgb-foerdert-lohndumping-im-osten.html
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faulpelz

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Gewerkschaften
« Antwort #13 am: 23:25:12 Mi. 07.Juni 2006 »
...in Deutschland sind sie leider total lahm. Das liegt meiner Meinung nach an den verkrusteten Strukturen, an der Geschichte der (Nicht-)Arbeitskämpfe seit 1933 und an ihren Mitgliedern, die natürlich auch zum kämpfen bereit sein müssen.

Trotzdem haben wir Flächentarifverträge, Kündigunsschutz und eine Streikkasse. Da können sich kämpferische(re) Gewerkschaften beispielsweise in Südeuropa mal eine Scheibe abschneiden.

Meine These ist jedoch eine pessimistische. Trotz relativ breiter Organisierung der Arbeiterklasse werden die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen durch das Kapital erst einmal nicht abgewehrt werden können. Mit oder ohne Gewerkschaften. Nach dem Faschismus und jahrzehntelangem Klassenkompromiss wissen die Arbeiter nicht mehr wie man angemessen streikt. Zudem verhindert eine in diesem Land weit verbreitete Autoritätshörigkeit schon die kleinsten widerständigen Aktionen.

faulpelz

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Gewerkschaften
« Antwort #14 am: 23:28:09 Mi. 07.Juni 2006 »
Die kämpferischen Traditionen in der Autoindustrie und einige in Kleinstfabriken hin und wieder auch wild aufflammenden Kämpfe sind natürlich immer wieder aufmunternde Ausnahmen, aber eben leider nur Ausnahmen.