Autor Thema: Gewerkschaften  (Gelesen 155830 mal)

Möwe

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Gewerkschaften
« Antwort #15 am: 01:10:21 Do. 08.Juni 2006 »
Der DGB und seine Untergewerkschaften sind doch mit seiner Hierachischen Ordnung, der Bürokratie und des ganzes Vorsitzendengeplänken völlig nutzlos.
Sie vertreten einen doch nur in Rechtsangelegenheiten und organisieren öfter mal ne Demo. Die kämpferischen Reden der Vorsitzenden verhallen schnell.
Naja, kenne da noch die FAU, ne schwestergewerkschaft der Berühmten C.N.T. die kennt wohl der eine oder andere.

hotte

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Gewerkschaften
« Antwort #16 am: 01:30:28 Do. 08.Juni 2006 »
Ein wenig habe ich damit ein Problem. Ich meine folgendes: viele der hier geschriebenen Beträge stimmen wohl, daß Problem oder der Status Quo ist also erkannt. Jeder weiß hier etwas von den Problemen zu berichten, die uns bedrücken. Und ich sage ausdrücklich das es so ist, ich sehe das ja auch so.

Aber da ist doch irgendwie die Frage nach einer LÖSUNG des Problems.

Wie könnte die denn jetzt wohl aussehen?

Abschaffung aller Gewerkschaften?
Aufteilung der privaten Vermögen?
Staatliche Kontrolle der privaten Unternehmen?
Beschlagnahme von Sparguthaben?
Mindestlohn von 15,-€ ?
Abschaffung des Marburger Bund?
Abschaffung der vielen gesetzlichen Kassen und Ersatz mit EINER EINZIGEN Kasse?
Stornierung des Auftrages über 180 EUROFIGHTER?
Abschaffung des Beamtentums?
Abschaffung des Pensionsrechts?
Abschaffung der Abgeordnetenimmunität?
Abschaffung der EU und Wiedereinführung der DM?
Abschaffung der EU und Wiedereinführung der OST-MARK?
Bau einer Mauer um uns herum?

Also, liebe Schreiber hier, wie wollt ihr es schaffen, AUCH NUR EINEN EINZIGEN DER OBIGEN PUNKTE ZU VERÄNDERN??

Das wirkliche Problem ist doch: wir schaffen es nicht einmal uns bei der ARGE durchzusetzen und unser Recht zu bekommen...

faulpelz

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Gewerkschaften
« Antwort #17 am: 17:43:51 Do. 08.Juni 2006 »
@Möwe: Die FAU kenne ich auch, inhaltlich mögen die mir sicherlich auch näher stehen als jede Einzelgewerkschaft des DGB, aber wenn ich ein Problem am Arbeitsplatz habe, dann bin ich froh unter dem Dachverband des DGB zu sein und nicht bei der FAU.
Wie können die mir denn helfen? Die können vielleicht etwas Ärger machen, aber ist mir dann damit geholfen!? Was glaubst du wieviel Eindruck das bei meinem Chef machen wird wenn ich dem sage: Hey, ich bin in der FAU, verarsch mich lieber nicht!
Richtig... gar keinen.

Ehrlich gesagt wäre es mir lieber wenn die Genossen die bei der FAU sind sich auch im DGB engagieren würden, den Laden von innen aufzumischen halte ich perspektivisch für sinnvoller als zu sektieren.

@hotte: Du hast Recht, man braucht Angebote wie etwas besser zu machen ist.  

Ein Mindestlohn von 10 - 15 Euro wären für den Anfang nicht schlecht. Genau wie eine bedingungslose Sozialhilfe auf hohem finanziellen Niveau.

Zu finanzieren wäre das über eine massive Erhöhung der Erbschaftssteuer. Es sind nämlich vor Allem die Erbschaften über die sich die ungleiche Verteilung der Produktionmittel immer stärker reproduziert. Abgesehen natürlich vom alltäglichen kapitalistischen Wettbewerb.

Wenn das immer noch nicht ausreicht muss darauf gedrängt werden wichtige Wirtschaftszweige zu vergemeinschaften, bzw. zu verstaatlichen. Dann wäre garantiert genug Schotter am Start um Schulden zu bezahlen, Sozialhilfe auf allerhöchstem Niveau zu realisieren und Renten auszuzahlen. Von der kostenlosen medizinischen Versorgung für Alle ganz zu schweigen.

Um das zu erreichen würde ich sagen ist die Auflösung der Gewerkschaften keine gute Idee, schon eher eine Radikalisierung derselben und eine Umstrukturierung des Aufbaus hin zu einer Basisorganisation, die trotzdem handlungsfähig und gut organisiert ist. Zudem wäre das Erkämpfen des politischen Streikrechts angebracht.

So, das wäre zumindest mal ein guter Anfang. Reicht das erstmal an Vorschlägen?

ManOfConstantSorrow

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Gewerkschaften
« Antwort #18 am: 21:30:27 Mo. 12.Juni 2006 »
„Der DGB Bezirk Berlin-Brandenburg möchte seine Kulturarbeit und die hauptamtliche Betreuung seiner Antirassismus-Website einstellen. Die Schriftstellerin und Gewerkschaftssekretärin Esther Dischereit soll Ende Juni 2006 arbeitslos werden. Mit ihrer Entlassung will der DGB Bezirk Berlin-Brandenburg seine Kulturarbeit und die hauptamtliche Betreuung seines Antirassismus Angebots im Internet (http://www.respekt.dgb.de) aufgeben. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht verlief am 22. Mai 2006 ergebnislos. Die Kündigung unterschrieb der DGB-Bundesvorsitzende Michael Sommer selbst, heißt es im DGB Haus in Berlin…“ Artikel von Martin Jander erschienen im Informationsdienst gegen Rechtsextremismus  (idgr.de):

http://www.idgr.de/news/2006/n060606.php

And dieser Stelle sei daran erinnert, daß im vergangenen Jahr eine Studie belegte, daß etwa jedes 3. Gewerkschaftsmitglied eine rassistische Gesinnung hat.
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Mimir

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Gewerkschaften
« Antwort #19 am: 21:40:34 Mo. 12.Juni 2006 »
Das ist der normale Durchschnitt
verborgen unter einer dünnen Schicht Aufgeklärtheit und Liberalismus lauert der meiner Ansicht  bei mehr als der Hälfte.
Wenn die unten weggehen, fallen die oben tief.

ManOfConstantSorrow

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Gewerkschaften
« Antwort #20 am: 15:10:18 Do. 15.Juni 2006 »
Stuttgart. Am 13.06.06 fand der nunmehr siebte Arbeitsgerichtsprozess von Ulrich Schirmer gegen Porsche statt. Nach seinem Sieg beim Bundesarbeitsgericht versucht der Porsche-Vorstand jetzt, unter Mißachtung dieses Urteils, die Zermürbungstaktik gegen die kämpferischen Kollegen fortzusetzen. Dabei wird von Porsche nicht einmal versucht, neue Gründe beizubringen. Außer einem: Der Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück habe jetzt auch schriftlich gegenüber der Geschäftsleitung festgestellt, dass Ulrich Schirmer - bzw. der Solidaritätskreis - den 'Betriebsfrieden störe'. Damit ist die Kumpanei von Hück und Porschechef Wiedeking nun auch noch aktenkundig geworden. Die neue Kündigung sollte auch damit begründet werden, dass nicht zu erwarten sei, dass Ulrich Schirmer sich aus dem 'Dunstkreis' des Solidaritätskomitees lösen würde. Seine aktive Mitarbeit im Solidaritätskreis soll Grund genug sein, die Kündigungen aufrechtzuerhalten bzw. einfach neue nachzuschieben.

Das Gericht konnte der Begründung nicht folgen, wonach Ulrich Schirmer für alle Veröffentlichungen - von wem auch immer - über den Fall zuzurechnen seien. Auch hatte das Gericht in den Flugblättern nichts gefunden, was inhaltlich eine Kündigung rechtfertigen würde. - So machte der Richter klar, dass die Porsche-Kündigung keine Aussicht auf Erfolg hat und schlug den Porsche-Justitiaren vor, die Kündigung doch zurückzuziehen. Die lehnten jedoch ab.
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ManOfConstantSorrow

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Gewerkschaften
« Antwort #21 am: 14:00:15 Mo. 28.August 2006 »
Ich werde hier nicht müde zu wiederholen, daß es absolut wichtig ist Strukturen neben den Gewerkschaften aufzubauen, die unabhängig diskutieren und agieren können. In vielen anderen Ländern gibt es bereits Basisgruppen in denen sich Leute, die nicht in Gewerkschaften sind, mit frustrierten Gewerkschaftsmitgliedern zusammenkommen und auch verschiedendste politische Strömungen treffen dort aufeinander.

Diesen Basisgruppen gelingt es manchmal erheblichen Einfluß auf Kämpfe zu nehmen, in einigen Fällen nehmen sie sogar den nicht kampfbereiten Gewerkschaften die Führung aus den Hand:

Zitat
Iberia-Beschäftigte besetzen Flugbahn in Barcelona: "Wir haben die Kontrolle verloren"

Zunächst war es wie so oft: Im Konkurrenzkampf hatte die Unternehmensleitung von Iberia einen jener besonders einfallsreichen Sparpläne entwickelt, der die Denkgrenze kapitalistischer Manager bestimmen muss - Kürzungen, outsourcing und Entlassungen querbeet. Dann war es weiterhin wie so oft: Die Gewerkschaften (in diesem Falle die beiden grossen Verbände CCOO und UGT) machten sich überflüssig, indem sie im Prinzip zustimmten, sozial abgefedert natürlich. Dann aber war es ganz anders: etwa 1.000 der 2.500 Beschäftigten des Bodenpersonals der Iberia im Flughafen El Prat (Barcelona) besetzten am 28. Juli die Start- und Landebahnen. Und während die Meinungsmaschinen des Bürgertums aufjaulten und Debatten um eine Einschränkung des Streikrechts lostreten wollen, während Verbraucherverbände Klagen gegen Unternehmen und Beschäftigte einreichen, gesteht ein düpierter Gewerkschaftsbürokrat ein, die "Kontrolle" verloren zu haben. Sein Problem, meinen BasisaktivistInnen und Gewerkschaftsoppositionelle.
http://www.labournet.de/internationales/es/elprat.html
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Lichtkämpfer

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Gewerkschaften
« Antwort #22 am: 09:43:32 Mi. 30.August 2006 »
Ich selbst bin Gewerkschaftsmitglied und meine daß unsere Gewerkschaften den Blick für ihre eigentliche Aufgabe verloren haben. Das drückt sich unterschiedlich aus. Am schlimmsten ist die IG BCE da wir 1:1 SPD komforme Politik umgesetzt, da sehe ich überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen AG und Gewerkschaft. Einige an der Basis wozu ich mich auch zähle, sind darum bemüht eine Rückbesinnung auf die Wurzeln zu diskutieren. Das Problem ist die meisten Delegierten auf Gewerkschaftstagen wissen noch nicht mal wozu sie gewählt sind. Die applaudieren bei allem. Das macht die Sache schwer. Bezeichnend ist daß im Tarifkonflikt der Bahn Schröder als Schlichter der AN Seite ernannt wurde, da macht man den Bock zum Gärtner.
Ich persönlich habe nichts dagegen wenn sich Strukturen ausserhalb der Gewerkschaften bilden. Doch auch wir erwerbslose sollten innerhalb der Gewerkschaften Dampf machen. Auch wenn es total schwer ist.
Letzlich werden wir nur dann in unseren Bemühungen Erfolg haben, wenn wir unseren Kontakt zu den noch Arbeitenden vertiefen und da habe ich den Eindruck daß das nicht alle Gewerkschaften möchten.
Als Erwerbsloser kannst du in diesem Staat nur ein Dissident sein.

Wilddieb Stuelpner

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Gewerkschaften
« Antwort #23 am: 11:48:56 Mi. 30.August 2006 »
Das ist doch wirklich nichts Neues.

Gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie und der Treuhandanstald hat die Salzgitter AG die ostdeutsche Kaliindustrie zerschlagen. Man wollte die westdeutschen Kaliarbeitsplätze den ostdeutschen gegenüber hochleben lassen. Das ist Sieger- und Besatzerverhalten auf seitens der westdeutschen Berufskollegen und Gewerkschaften. Die Hungerstreiks der Kumpel von Bischofferode dürften so Manchem in Erinnerung sein.

Bischofferode im Eichsfeld - 31. Dezember 1993 Schließung des Kaliwerkes „Thomas Müntzer“

Zwischen 1990 und 1993 wurden unter der Regie der Treuhandanstalt über 1.000 Arbeitsplätze abgebaut. Für 700 verbliebene Kumpel erfolgte die Stilllegung nach großen Protesten im Zuge der Übernahme durch einen westdeutschen Investoren. Heute sind noch rund 100 Beschäftigte auf dem Bergwerk tätig um es zu sichern und für die endgültige Aufgabe vorzubereiten.

Vielleicht hat jemand den Film "Verkauftes Land" gesehen. Da wird das mehr als deutlich.

ARD/NDR, Verkauftes Land, Fernsehfilm 2003

Musik: Hans P. Ströer
Kamera: Johannes Anders
Buch: Claudius Crönert
Regie: Horst Königstein

"KLAUS SCHUCHT tritt 1991 mit über 60 Jahren seinen Dienst als Vorstandsmitglied der Treuhandanstalt an. Der junge FRANK PAULY wird sein Assistent und Referent. Schnell zeichnen sich unterschiedliche Motivationen ab: Schucht, der Patriot, der Preuße, wendet all seine Kraft für das Gelingen der Wiedervereinigung auf. Pauly sieht den Job bei der Treuhand als Sprungbrett für seine noch recht junge Karriere.

Schucht Auftrag ist klar: die Privatisierung der ostdeutschen Betriebe im Bereich Bergbau, Energie und Chemie. Daß die westdeutsche Wirtschaft, aus der er stammt, - von der er eine Reihe der führenden Vertreter kennt, mitzieht, steht für ihn außer Frage. Was für ein Irrtum.

Die westdeutschen Managern sehen in den Neuen Ländern allein einen großen Markt. Am Entstehen einer konkurrierenden Produktion haben sie keinerlei Interesse. Investitionen, Arbeitsplätze, Verantwortung? Fehlanzeige. "Der Patriotismus meiner Aktionäre hört an ihrem Geldbeutel auf," sagt einer von ihnen kühl.

Schucht erweist sich als gewiefter Verhandlungspartner. Nur hat die andere Seite allzu oft das bessere Blatt. Vor allem ist sie bereit, es bis zum letzten auszureizen. Gewaltiger politischer Druck gehört schon bald genauso zu Schuchts Erfahrungen wie die schiere Erpreßung, deren Opfer er wird.

Natürlich: die Erfolge sind da, die Leuna-Werke werden privatisiert, der Kalibergbau gesamtdeutsch vereint, und die Stromversorgung wird auf eine solide Basis gestellt.. Doch Schucht muß erkennen, wie hoch der Preis ist. Hunderttausende von Arbeitsplätzen gehen verloren, ganze Regionen veröden.

„VERKAUFTES LAND“ erzählt eine deutsche Geschichte. Der Film zeigt den Ausverkauf der früheren DDR aus der Sicht eines Mannes, der bitter erkennen muß, daß sich seine Ideale überlebt haben. Klaus Schucht fühlte sich dem Gemeinwohl verpflichtet. Heute klingt diese Begriff wie ein Relikt, - wie die fremde Vokabel einer alten, verlorengegangenen Sprache.

Über die Person Schuchts hinaus unternimmt der Film den Versuch, Macht und Grenzen der nach wie vor umstrittenen Treuhandanstalt aufzuzeigen. Dabei werden die Zeitläufte Anfang der 90er Jahre in den Neuen Ländern wieder lebendig."

Die Welt: Auf der Suche nach den Helden der Einheit - Verkauftes Land

"... Da es aber ganz ohne Helden - so sind die Menschen nun mal - nicht geht, hat der Norddeutsche Rundfunk sich einen gebacken. Er heißt Klaus Schucht und war von 1991 bis 1995 Treuhandvorstand für Energie, Chemie und Bergbau. Als solcher überführte er unter anderem die ostdeutsche Stromindustrie, den Chemiekomplex Leuna und die Kali-Kombinate in die Marktwirtschaft. Bischofferode, Hungerstreik - wir erinnern uns.

"Verkauftes Land - Dokudrama über die Zeit der Treuhand" heißt die Produktion (Erstausstrahlung im NDR-Fernsehen am 6.12., 21.45 Uhr) - womit der grundlegende Antagonismus der Geschichte, wie die Autoren Claudius Körber und Michael Esser sie sehen, auch schon umrissen ist. Da sind die einen, die Herren des West-Geldes, die am liebsten die ganze Zone dichtmachen würden und ihre Verkaufstheken lediglich nach Osten verlängern wollen. Und da ist der andere, Klaus Schucht, der Held, der eine Produktionswelt im Osten erhalten beziehungsweise neu erstehen lassen will. Eine Welt, und da ist der Film sehr anschaulich gedreht, die schon auseinander fällt, wenn jemand zu laut hustet.

Klaus Schucht muss ein leiser gewesen sein, und so spielt ihn Rudolf Kowalski auch. Den wenigen Text mit knappsten Gesten begleitend, lässt Kowalski das Bild eines Mannes entstehen, der den Lebenskampf vor allem als Schlacht gegen sich selbst gelernt hat. Pflichtbewusstsein, preußische Disziplin, unermüdlicher Arbeitseinsatz, Verzicht. Nicht standesgemäß in der S-Klasse, sondern in der Mittelklasse fährt der erfahrene Ruhrkohle-Manager auf die Betriebshöfe, die oft kurz darauf menschenleer und geschlossen wurden. "Ich kenne die Zahlen noch nicht", ist einer der wenigen Sätze des NDR-Schucht, an die man sich nach Betrachten des Films erinnert.

Und da ist der Gesichtseindruck einer stillen Verzweiflung, die nie zum Ausbruch kommt, wenn der Treuhand-Vorstand Schucht wieder einmal am Telefon erfährt, auf welche Art und Weise er die Vertreter von West-Investoren zu bedienen hat, die sich in seinem Dienstzimmer wie spanische Konquistadoren vor der Indio-Hütte aufbauen.

Dass dieser Mann ein Geheimnis hat, ist von der ersten Minute seines Auftritts an klar - und man erfährt sogar, welches es ist. Schucht war Napola-Schüler, wurde also in einem Nazi-Elite-Institut als Kind gedrillt, nahm noch als Jugendlicher am Endkampf um Berlin teil, durfte danach lange nicht erkennen lassen, aus welcher Welt er kam, und hat das nie wirklich überwunden. Auch als Treuhand-Vorstand darf er nicht zeigen, wer er eigentlich ist oder, besser gesagt, was für ein Retter er eigentlich sein will. Denn von ihm wird strikte Pflichterfüllung erwartet. Und das heißt: den westdeutschen Stromerzeugern nicht dabei in die Quere zu kommen, wie sie ihr Versorgungsmonopol beschützt vor ausländischer Investorenkonkurrenz auf den Osten ausdehnen. Die westdeutsche Chemieindustrie nicht dabei zu stören, den Ost-Kali-Bergbau zu schließen, damit im Westen keine Arbeitsplätze verloren gehen. Den Chemiekomplex Leuna-Bitterfeld mit Milliardengeschenken an die französische Staatswirtschaft zu verschenken, damit von einst 40 000 Beschäftigten ganze 900 ihren Arbeitsplatz behalten. Selten hat jemand so eindrücklich lautlos mit den Zähnen geknirscht, wie Kowalski seinen Schucht das tun lässt - ein Miles Davis des Fernsehspiels: Ganz groß im Weglassen von Tönen dieser Rudolf Kowalski.

Dem Helden Schucht ergeht es, wie es Helden ergeht, die sich an die Vorschriften halten: Er wird noch zu Lebzeiten - Schucht starb 2001 mit 70 Jahren - hoch dekoriert. Für die Leuna-Privatisierung bekam er den Pour le Mérite, was ihn nach Aussagen seiner Frau tatsächlich beeindruckt haben soll, trotz des jämmerlichen Staatsschauspiels, das mit der Leuna-Konversion offenbar einherging. Auch wenn der Film nicht näher auf die nie bewiesenen Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit Leuna eingeht, es wird zumindest erwähnt, dass 90 Millionen Mark an Bestechungsgeldern geflossen sein sollen. Wer bestochen wurde? Niemand weiß es, vielleicht noch nicht einmal der wirkliche Schucht, der seine Hinterlassenschaft auf Jahrzehnte versiegelte, indem er seine persönlichen Aufzeichnungen und Handakten dem Bundesarchiv vermachte und auf diese Weise seine Wahrheit der unmittelbaren Nachwelt vorenthielt.

Dass der Film-Schucht genommen hat, erscheint ausgeschlossen. Der hat nur gegeben - seine Kraft, seine Erfahrung, ja auch seine Liebe zum Vaterland, das ihn mit der so schweren Bürde einer zerstörten Jugend ins Leben entließ. Ein gebrochener Held steht am Ende jenes doch bemerkenswerten Fernsehspiels.

Warum der Film dem Publikum des Ersten Fernsehprogramms erst in einem Jahr gezeigt werden soll, wissen nur die Programmgötter der ARD - oder die Rechtsabteilung. Jedenfalls empfiehlt es sich, nicht auf den zweiten Ausstrahlungstermin des koproduzierenden Westdeutschen Rundfunks (WDR III, 8.12., 23.15 Uhr) zu vertrauen. Wegen der Rechtsabteilung von BASF, RWE, Thyssen und anderen. Die könnten auf die Idee kommen, die massiven Anwürfe gegen westdeutsche Firmen im Film als Tatsachenbehauptungen misszuverstehen und zu beklagen. Auch so kann man Helden machen - aus Filmemachern, in diesem Fall dann verhinderte Helden."

Jetzt baut man Kali unterirdisch vom Westen kommend auf ostdeutscher Seite ab.

handkey

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Gewerkschaften
« Antwort #24 am: 12:14:02 Mi. 30.August 2006 »
@lichtkämpfer:
Kling für mich voll nach dem richtigen Ansatz.

Dabei isses mir wenig wichtig, wie sich diese Basisgruppen nennen, solange sie sich miteinander vernetzen und eben föderale mandatierte Strukturen entwickeln, die nicht schon wieder irgendein Macht auf irgendwelche Zentralaffen konzentriert

@faulpelz:
Vielleicht geht es darum, zu begreifen, daß dieser Kampf direkt vor ort von Kollegen und solidarischen Kollegen anderer Sparten geführt werden muss, den Vorwurf des Sektierens stellen eher diejenigen, welche die Abwiegelungsmechanik der offiziellen Gewerkschaften, die dem Betriebsfrieden des BetrVerfG das Wort reden.

Selber in solch einer Lokalföderation, bin ich der Ansicht, daß es nicht die Namen und Symbole sind, die uns befreien, sondern die Menschen und ihre Taten.

Also spricht nix dagegen, wenn Du deine kämpferischen KollegINNen vor Ort anhältst, sich SELBST zu organisieren, und sich meinetwegen "Supermarktarbeiter Dortmunds" zu nennen, ohne daß man gleich wieder irgend jemand "beitritt"- vernetzen kann mensch sich dann mit den Gruppen, die sonst noch kämpfen, selbstmurmelnd auch mit FAUistas, Libertären oder wasde sonst so an korrekten Kollegen kennst.
Gruß, Handkey
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warum sollten ausgerechnet Volks- oder Arbeitervertreter
aus der Art schlagen?

Ragnarök

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Gewerkschaften
« Antwort #25 am: 12:39:39 Mi. 30.August 2006 »
Zitat
Original von Lichtkämpfer
Ich selbst bin Gewerkschaftsmitglied und meine daß unsere Gewerkschaften den Blick für ihre eigentliche Aufgabe verloren haben. Das drückt sich unterschiedlich aus. Am schlimmsten ist die IG BCE da wir 1:1 SPD komforme Politik umgesetzt, da sehe ich überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen AG und Gewerkschaft. Einige an der Basis wozu ich mich auch zähle, sind darum bemüht eine Rückbesinnung auf die Wurzeln zu diskutieren. Das Problem ist die meisten Delegierten auf Gewerkschaftstagen wissen noch nicht mal wozu sie gewählt sind. Die applaudieren bei allem. Das macht die Sache schwer. Bezeichnend ist daß im Tarifkonflikt der Bahn Schröder als Schlichter der AN Seite ernannt wurde, da macht man den Bock zum Gärtner.
Ich persönlich habe nichts dagegen wenn sich Strukturen ausserhalb der Gewerkschaften bilden. Doch auch wir erwerbslose sollten innerhalb der Gewerkschaften Dampf machen. Auch wenn es total schwer ist.
Letzlich werden wir nur dann in unseren Bemühungen Erfolg haben, wenn wir unseren Kontakt zu den noch Arbeitenden vertiefen und da habe ich den Eindruck daß das nicht alle Gewerkschaften möchten.

Da würde ich noch weiter gehen, Hoch die (Gewerkschafts-) Bonzen, an jeden Baum einen!  :D

Gewerkschaften sind trotzdem wichtig benötigen aber personelle und strukturelle Reformen.

Ich bin vor Jahren ausgetreten beim DGB und der DGB Rechtsschutz GmbH.
„Wer den Mindestlohn für die Zeitarbeit ablehnt, will nicht Arbeit sondern Armut vermehren."

http://www.geldcrash.de/

http://www.attac.de/  8)

fbk

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Gewerkschaften
« Antwort #26 am: 17:22:50 Mi. 30.August 2006 »
Die Basisgruppen sind in den ersten Ansätzen bereits vorhanden, ob sie nun „gemeinsam leben – anders arbeiten“ oder „anders leben – gemeinsam arbeiten“ oder wie auch immer heißen. Der Bedarf ist da, die Anfänge sind da. Selbst die Gruppen der Montagsdemonstranten können als solche Ansätze mit einbezogen werden. Alle die, die diese verruchte Gesellschaft zum Teufel jagen wollen, gehören zum Netzwerk. Nur eines dürfen sie nicht: Spalten. Und da gibt es nun wieder jede Menge Erfahrungen. Kompetenzen- und Machtgerangel sind ebenso hinderlich wie Einigkeit verhindernd. In allen stürmischen und gesellschaftsverändernden Zeiten waren sie es, die wirkliche Verbesserungen ausschlossen.

Die vorhandenen Gewerkschaften könnten genutzt werden, wenn sie sich von ihren opportunistischen Führungskräften lösten. Wahrscheinlich ist es günstiger doch neue syndikalistische Strukturen zu schaffen, einfach weil die herkömmlichen unbeweglich und korrumpiert sind. In neuen Strukturen wären die wichtigen lokalen Verbindungen zwischen Arbeitern in Unternehmungen und denen, die erwerbslos sind gleich von Anbeginn an zu schaffen. Eine Organisationseinheit unabhängig von WASG,PDS, SPD, BBW, XXY...sollte sich konstituieren. Und als gutes Beispiel vorangehen: Alles, fast alles wird ehrenamtlich gemacht.

Hallo ragnarök, warum willst Du immer Menschen an die Bäume hängen? Möchtest Du von anderen so behandelt werden? Diejenigen, welche ehrlich etwas Besseres anstreben, können nur der Auffassung sein, dass ein Leben etwas Heiliges ist.
Wenn Leute mit Deiner Auffassung sich durchsetzen, dann wird sich die Geschichte zum x. Male wiederholen. Und altes Unrecht mit neuem Unrecht „vergolten“. Etwas Besseres ist das jedoch niemals.
fbk
wenn es eine  Zukunft gibt, dann  ist sie liebevoll und machtlos, also weiblich www.sie-wollte-die-ddr-retten.de

ManOfConstantSorrow

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Gewerkschaften
« Antwort #27 am: 12:32:47 Mo. 27.November 2006 »
La Poste (Frankreich): CNT verboten!

Nach nun 20 Jahren ihrer Existenz, ist die Föderation der CNT PTT (Gewerkschaft der Post-ArbeiterInnen) jetzt bei "La Poste" verboten. Dies ist die Konsequenz einer Vereinbarung zwischen dem Management und den Bossen von "La Poste" und den Gewerkschaften, die repräsentativ genannt werden, aber nichtsdestoweniger eine Minderheit darstellen - CFDT, FO, CFTC, UNSA und CGT.

Die Ironie dabei ist, dass diese Vereinbarung mit den Worten unterschrieben wurde "den sozialen Dialog zu vereinfachen und zu entwickeln" (durch die Knebelung jeden Protestes?!). Danach zögerte "La Poste" nicht einen Pariser Genossen mit 15 Tagen unbezahltem "Urlaub" zu bestrafen, weil er CNT-Flugblätter an seinem Arbeitsplatz verteilte. Andere ArbeiterInnen wurden bedroht.

Der CNT nach, ist dies Klassenkampf, der den Syndikalisums attackiert, einen Syndikalismus, der sich der Restrukturierung und Privatisierung widersetzt. Kein Zweifel, dass dies nur ein Schritt hin zur völligen Zensur allen Protests in allen Sektoren der Gesellschaft ist. Bald werden andere Öffentlichen Dienste attackiert werden, vom privaten Sektor ganz zu schweigen! Nur Mainstream-Gewerkschaften sollen überleben, die sich diesen Angriffen auf die ArbeiterInnen nicht widersetzen.

http://www.chefduzen.at/viewtopic.php?t=245&sid=
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Kater

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Gewerkschaften
« Antwort #28 am: 23:08:43 Do. 21.Dezember 2006 »
IW und die Mitgliederzahl in den Gewerkschaften

Zitat
Nur noch jeder fünfte Arbeitnehmer in Gewerkschaft
Mittwoch 20. Dezember 2006, 12:55 Uhr

Köln (dpa) - Nur noch jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland ist nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Mitglied einer Gewerkschaft. In Westdeutschland seien zuletzt (2004) noch 21 Prozent der Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert gewesen, in Ostdeutschland 18 Prozent.

Das teilte das arbeitgebernahe IW unter Berufung auf die alle zwei Jahre erstellte Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) mit, für die 3000 Bürger befragt worden waren.

1980 sei noch ein Drittel der westdeutschen abhängig Beschäftigten Gewerkschaftsmitglied gewesen.

Die Legitimation der Gewerkschaften als Sprachrohr der Belegschaften stehe damit «auf immer wackligeren Füßen», meinte das Institut.

Unter den Berufseinsteigern bis 30 Jahre sank der Organisationsgrad in Westdeutschland seit Anfang der 80er Jahre um elf Prozentpunkte auf durchschnittlich 15 Prozent in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts (2000-2004). Gewerkschaftmüde sind laut IW auch die Beschäftigten der Generation 50 plus, von denen noch 23,4 einer Gewerkschaft angehörten. Hingegen sei in der Gruppe der 41- bis 50-Jährigen nur ein leichter Rückgang auf rund 30 Prozent zu verzeichnen.

Besonders deutlich war das Abwandern bei den männlichen Vollzeitbeschäftigten in den alten Ländern - ihr Organisationsgrad sank der Umfrage zufolge von 39 auf 26 Prozent. Bei den Angestellten seien mit 15 Prozent besonders wenig, bei den Beamten mit 40 Prozent besonders viele Menschen im Besitz eines Gewerkschaftsausweises.

Von Ende 1995 bis Ende 2005 hat sich den IW-Angaben zufolge die Zahl der DGB-Gewerkschaftsmitglieder von 9,4 auf 6,8 Millionen Menschen verringert. Dabei kehrten der IG Metall, ver.di oder der IG Bergbau, Chemie, Energie gerade diejenigen den Rücken, die die Gewerkschaften vertreten, also die Arbeitnehmer. Das komme aber in den Spitzen der Gewerkschaften kaum zur Sprache. In der Zählung des Brutto-Organisationsgrads berücksichtigen die Gewerkschaften auch Mitglieder wie Studenten, Rentner und Arbeitslose und kämen damit zu höheren Ergebnissen als die ALLBUS-Umfrage, hieß es beim IW.

http://de.news.yahoo.com/20122006/3/jeder-fuenfte-arbeitnehmer-gewerkschaft.html

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Gewerkschaften
« Antwort #29 am: 02:55:19 So. 14.Januar 2007 »
Zitat
Original von faulpelz
(...) Wie können die mir denn helfen? Die können vielleicht etwas Ärger machen, aber ist mir dann damit geholfen!? Was glaubst du wieviel Eindruck das bei meinem Chef machen wird wenn ich dem sage: Hey, ich bin in der FAU, verarsch mich lieber nicht!
Richtig... gar keinen

Keine Ahnung, in was für einem Schuppen du knechten musst. Als jemand der sowohl bei der FAU (weil da mein Herz schlägt) als auch bei ver.di (Rechtsschutzversicherung mit fünf Buchstaben und einem Punkt) Mitglied ist, sehe ich das differenzierter. Ich habe mehrmals erlebt, dass Bosse vor der Drohung mit Öffentlichkeit, Pickets und Anschwärzen bei den Kunden ganz schnell in die Knie gegangen sind. Du kannst dir sicherlich vorstellen, dass die nicht von ver.di kam. Wenn du konkret Ärger hast, bekommst du von einer DGB-Gewerkschaft bestenfalls einen Anwalt und bist ansonsten alleine mit deinem Problem. Von der FAU bekommst du (erstmal) keinen Anwalt, dafür aber konkrete Solidarität und die Bereitschaft der anderen, deinem Chef auf die Pelle zu rücken. Dafür wird aber auch von dir selbst erwartet, dass du dabei bist, wenn eine deiner Genossinnen Stress mit ihrem Ausbeuter hat. So läuft das im  Anarchosyndikat.