Autor Thema: Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr  (Gelesen 63177 mal)

Kater

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7112
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« am: 17:17:50 Mi. 13.Dezember 2006 »
Zitat
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
Montag 11. Dezember 2006, 12:17 Uhr
 
Wiesbaden (ddp). Die Zahl der Häftlinge in Deutschland hat den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, verbüßten Ende März dieses Jahres 64 512 Personen eine Haftstrafe oder befanden sich in Sicherungsverwahrung. Umgerechnet auf 100 000 strafmündige Bürger ab 14 Jahren saßen damit 90 Personen in den Anstalten ein. Ein Jahr zuvor waren es 89 Personen, 1995 nur 67 Männer und Frauen.

Auf längere Sicht gibt es nach Angaben der Statistiker ein Auf und Ab der Gefangenenzahlen. Im früheren Bundesgebiet waren die Zahlen bis Ende der 60er Jahre und Mitte der 80er Jahre besonders hoch. Im internationalen Vergleich waren und sind die Gefangenenraten in Deutschland laut Statistikamt unterdurchschnittlich.

Der Männeranteil an den Gefangenen betrug Ende März 95 Prozent. 78 Prozent der Einsitzenden waren Deutsche, 22 Prozent Ausländer. Rund 40 Prozent der Gefängnisinsassen waren jünger als 30 Jahre, 11 Prozent waren älter als 50 Jahre. 42 Prozent verbüßten eine Haftstrafe von weniger als einem Jahr, 3 Prozent sitzen lebenslänglich ein. Außerdem befanden sich Ende März 375 Personen in der Sicherungsverwahrung, die bei gefährlichen Wiederholungstätern nach einer Gefängnisstrafe verhängt werden kann.

http://de.news.yahoo.com/11122006/336/gefaengnisse-voll-seit-1990.html

regenwurm

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 3536
  • Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #1 am: 17:39:33 Mi. 13.Dezember 2006 »
Wenn der Knast so voll ist hat das seine Ursache.

Entlasst doch mal ein paar Leute, zum Bespiel die mit zu viel Hasch abgegriffen worden.

Oder die auf der Demo sich gegen die Staatsgewalt gewehrt haben.

Freiheit für alle politischen Gefangenen.

Wenn Du dreimal Schwarzfährst und das nicht bezahlst, geh'ste im Bau.

Raubkopierer gehen in den Bau.

Abschiebeknäste, wer braucht denn das !

Ich würd mir mal Gedanken machen über die Leute da drinnen machen.
Auch das Knastsystem würd ich kritisch in Frage stellen.

Die Vergessenen, du bist da drinnen, wir brauchen dich hier draußen.
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.

Challiska

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 59
  • Frau mit immer einem Lächeln und einem Spruch auf den Lippen
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #2 am: 20:25:26 Fr. 15.Dezember 2006 »
Also, ich schließe mich Regenwurm an.
Das einzige, was ich noch zu sagen hätte, wäre, dass deutscher Knast ziemlich angenehm ist. Nur in Holland haben sie es besser. Da kriegen sie alle vier Wochen eine Dame aus dem horizontalen Gewerbe in den Knast. Nicht zu vergessen die Schwimmbäder etc. Allerdings wird man dort auch nicht so einfach eingesperrt wie hier.
Wir sollten uns freuen, dass wir nicht im Bau sind und unsere Freiheit einigermaßen genießen können.
Ein Reiskorn kann die ganze Waage zum Kippen bringen - doch so sehr der Sturm auch toben mag,
einen Berg zwingt er niemals in die Knie!

Pinnswin

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 4126
  • Einsam ist es hier, und traurig. S.Lukianenkow
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #3 am: 21:23:33 So. 17.Dezember 2006 »
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

Paul Brömmel

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 1350
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #4 am: 16:36:52 Do. 21.Dezember 2006 »
Ich habs schon immer gewußt.Die ganzen "Investoren",die 1990 den Osten überschwemmt haben,sahen alle aus,wie grade aus dem Knast entlassen...
Damals gab es bestimmt eine großzügige Amnestie,um genügend "Aufbauhelfer" und "Investoren" für den Osten zu finden...
lLeider haben viel zu wenige davon den Weg zurück in den Knast gefunden...

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6460
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #5 am: 22:16:36 Sa. 23.Dezember 2006 »
Nach dem drastischen Anstieg der Toten in Haft, sollen mit dieser Informationspolitik die misserablen Verhältnisse in den Haftanstalten verschleiert werden. Anfang Dezember wurde bereits angemerkt, dass die JVA-Moabit die Häftlinge z.T. verfassungswidrig unterbringt.

http://de.indymedia.org/2006/12/164736.shtml
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kater

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7112
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #6 am: 21:07:13 Fr. 29.Dezember 2006 »
Zitat
Feuer im Keller der Justiz
Polizei vermutet politisches Motiv für Brandstiftung
29.12.2006

Im Haus der Justizverwaltung in der Salzburger Straße in Schöneberg ist gestern ein Brand ausgebrochen. In dem Gebäude befinden sich die Büros von Senatorin Gisela von der Aue (SPD). Verletzt wurde niemand. Es entstand Sachschaden. Weil die Polizei einen politischen Hintergrund nicht ausschließt und eine vorsätzliche Brandstiftung für wahrscheinlich hält, hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Wie in all solchen Fällen hielt sich die Behörde mit Informationen zurück.

Fest steht, dass ein Wachmann gegen 3.30 Uhr den Brand bemerkte und die Feuerwehr rief. Dem Wächter war bei seinem Rundgang Rauch aufgefallen, der aus dem Kellergang quoll. Später stellte sich heraus, dass Reinigungsmittel und Müll Feuer gefangen hatten. Die Feuerwehr benötigte 15 Minuten, um die Flammen im Untergeschoss des Nordsternhauses zu löschen. Später bemerkten Polizisten, dass eine Fensterscheibe zum Keller eingeschlagen worden war. Kriminaltechniker entdeckten Zigarettenkippen in der Nähe des Fensters. Sie könnten ein Indiz für Brandstiftung sein. Unklar ist, ob im Gebäude Reste von brennbaren Flüssigkeiten nachgewiesen werden konnten. Inzwischen ging bei der Polizei ein Schreiben ein, in dem sich Unbekannte zur Brandstiftung bekannten. Die Ermittler nehmen das anonyme Schreiben ernst.

Nach dem Bekennerschreiben steht der Anschlag im Zusammenhang mit einer Anweisung Gisela von der Aues, nach der die Öffentlichkeit bei unauffälligen Selbsttötungen oder Todesfällen in Haftanstalten nicht mehr darüber informiert werden darf. Aue hatte das mit der Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Gefangenen begründet.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/1229/lokales/0121/index.html

Kater

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7112
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #7 am: 00:18:06 Sa. 30.Dezember 2006 »
Zitat
Tod hinter Gittern
Die Berliner Justizbehörde will Suizide in der Haft nicht mehr melden, wohl auch, weil die Selbstmorde in diesem Jahr einen neuen Rekordstand erreicht haben. Was ist los in Berlins Knästen?

Von Jörn Hasselmann

Die Berliner Justizverwaltung bleibt dabei, sie will die Öffentlichkeit künftig nicht mehr über Selbstmorde in Gefängnissen informieren. Diese Regelung, die die „Persönlichkeitsrechte“ des Gefangenen und seiner Angehörigen schützen solle, gelte im Übrigen auch für sonstige Todesfälle, teilte die Sprecherin der Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) mit. Berlin schließe sich damit einer bundesweit einheitlichen Linie an, hieß es.

Doch ganz so einheitlich wie die Justizverwaltung es darstellt ist diese Linie nicht. „Wir melden jeden Suizid, und wir werden auch in Zukunft jeden Suizid melden“, sagte der Sprecher der Hamburger Justizverwaltung, Carsten Grote. In Thüringen wird die Öffentlichkeit ebenfalls über Selbstmorde in Gefängnissen informiert. Hessen teilte zuletzt am 12. Dezember dieses Jahres die Zahl der Suizide in seinen Haftanstalten mit: In diesem Jahr nahmen sich dort drei Menschen das Leben, im vergangenen Jahr waren es sieben. In Niedersachsen wird derzeit darüber diskutiert, wieso in der JVA Uelzen der Selbstmord eines als suizidgefährdet eingestuften Häftlings elf Stunden nicht bemerkt wurde.

Die Anweisung der Berliner Justizverwaltung nannten die Landes-Grünen „skandalös“, die CDU bezeichnete sie als „abenteuerlich“. „Suizide sind ein Indikator dafür, wo in Gefängnissen etwas falsch läuft“, sagte CDU-Rechtsexperte Sven Rissmann. In Berlins Haftanstalten brachten sich in diesem Jahr neun Männer und eine Frau um. So viele Suizide hat es seit der Wende nicht mehr gegeben – und dieser traurige Rekord ist aus Sicht vieler Experten ein Grund für die plötzlich verordnete Schweigsamkeit. Die ersten neun Selbstmorde hatte die Justizverwaltung jeweils in wenigen Zeilen gemeldet, den von Saim B., der sich am 15. Dezember mit seinem Bettzeug am Fenstergitter erhängte, jedoch nicht mehr.

Alle neun Männer nahmen sich in der U-Haft in Moabit das Leben. Experten nennen das den „Haftschock“. Hinzu kommt, dass die Zustände in Moabit miserabel seien, wie Häftlinge klagen. Nach offiziellen Angaben war die JVA Moabit in dieser Woche zu 110 Prozent belegt. Das bedeutet, dass 1200 Gefangene dort eingesperrt sind, wo rechnerisch nur Platz für 1089 ist. Im Frühjahr saßen in Moabit sogar 1250 Häftlinge. Wie die Justiz im November mitteilte, sind in Berlin derzeit 166 Häftlinge verfassungswidrig untergebracht – weil kein Platz ist.

Doch die Gefangenen klagen nicht nur über Schimmel in den Duschen, schlechtes Essen und Überfüllung. Der Tenor der vielen Briefe und Anrufe, die den Tagesspiegel erreichten, ist vor allem die fehlende Resozialisierungsvorbereitung und mangelnde Arbeitsgelegenheiten im Gefängnis. Zudem liegt Berlin bei der vorzeitigen Entlassung nach zwei Drittel der Haftdauer bundesweit auf dem letzten Platz, weil das Personal zur Betreuung fehlt. „Wir werden hier nur verwahrt“, sagt ein Mann, der in Tegel wegen Bankraubs einsitzt. „Hier sind viele so verzweifelt, dass der Freitod leichter ist, als die Haft zu ertragen.“ Die meisten müssten ihre Strafe zudem bis zum letzten Tag absitzen, kämen dann ohne jede Vorbereitung frei – und scheiterten schnell.

Ein Beispiel: Als Mike John Mc C. am 27. November nach sechs Jahren in Tegel wieder frei kam, prophezeiten Mitgefangene: „Den sehen wir bald wieder.“ In der Tat sitzt Mc C. seit einigen Tagen in Moabit – wieder wegen einer Gewalttat.

Genau vor einem Jahr hatten in Tegel 29 Gefangene gegen die Bedingungen im Knast protestiert. Sie weigerten sich nach dem Hofgang, in ihre Zellen zurückzukehren. Personalrat und Beamtenbund hatten damals Personalabbau und Überbelegung als Ursache für die versuchte Meuterei genannt. Auch der Anstaltsleiter hatte „erheblichen Personalabbau“ eingeräumt. Einer der damals Beteiligten sagte gestern, daran habe sich bis heute nichts geändert. „Die neue Justizsenatorin sollte sich das hier mal ansehen.“

http://www.tagesspiegel.de/fragen-des-tages/archiv/23.12.2006/2982533.asp

Kater

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7112
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #8 am: 00:27:59 Sa. 30.Dezember 2006 »
Leserbrief im Tagesspitzel:

Zitat
Warnungen wurden nicht gehört
Über die Zustände in der JVA Moabit haben wir anläßlich von Prozessen und von Todesfällen immer wieder berichtet. Presse und Öffentlichkeit haben jedoch lange Zeit die Ausbrüche von Gefangenen für schlimmer empfunden als deren Tod. Ein Staat der nicht für das Leben seiner Gefangenen garantieren kann ist kein "Rechtsstaat". Die neue Senatorin muss Zurücktreten wenn sie etwas zu verheimlichen hat.
Mariken Kohlhaas, Soligruppe Berlin

http://freechristian.gulli.to

regenwurm

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 3536
  • Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #9 am: 19:35:42 Sa. 30.Dezember 2006 »
"stillschweigen und zuschauen" ist eigentlich beihilfe zum mord

oder seh das verkehrt ?


Immer wieder, wir haben davon nix gewußt !!!

Ob CIA Flüge von der BRD aus oder sonstwas !
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6460
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #10 am: 18:18:11 So. 31.Dezember 2006 »
Zahlreiche Verletzte bei Revolte in kalifornischem Gefängnis
Mehr als 800 Häftlinge beteiligt


Chino/USA - Bei einer Häftlingsrevolte in einem kalifornischen Gefängnis sind mindestens zwei Dutzend Insassen zum Teil schwer verletzt worden. An dem Aufstand am Samstag in der Männer-Strafanstalt in Chino waren mehr als 800 Häftlinge beteiligt, wie ein Gefängnissprecher mitteilte.

Auslöser sei ein Kampf zwischen zwei Gefangenen gewesen, der sich rasch ausgeweitet habe. Aufseher hätten die Lage mit Hilfe der Polizei innerhalb von zwei Stunden wieder unter Kontrolle gebracht. Chino liegt 65 Kilometer östlich von Los Angeles. (APA/AP)

31. Dezember 2006
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6460
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #11 am: 14:25:49 Do. 11.Januar 2007 »
Der Sprecher des Rechtsausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag, Frank Sichau, kritisierte nach einem Besuch in der Justizvollzugsanstalt Attendorn die Unterbringung der Häftlinge in der Außenstelle Siegen. Dass Haftzellen anstelle von Fenstern Glasbausteine hätten, sei seiner Ansicht nach illegal. Darüber werde er sich bei der Justizministerin beschweren, ebenso wie über die dauernde Unterbringung von vier und sechs Häftlingen in einer Zelle, sagte Sichau gestern Abend in Attendorn.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kater

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7112
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #12 am: 17:43:06 Mo. 12.Februar 2007 »
Zitat
Tegel - BRIEFE AUS DEM GEFÄNGNIS

Lärm, Enge, Personalmangel
Jede Woche gehen in der Redaktion Briefe von Strafgefangenen ein, in vielen werden angebliche Missstände geschildert. Stellungnahmen dazu lehnt die Justizverwaltung meist ab, „da es zu Einzelfällen keine Auskunft gibt“. Zudem liegen dem Tagesspiegel die „Anhörungsniederschriften“ der an der Meuterei im Dezember 2005 in der JVA Tegel beteiligten Gefangenen vor. Wir dokumentieren typische Klagen aus Briefen und internen Protokollen.

ESSEN

N.H.: „Das Essen wird schlechter, die Brotration wird weniger.“ A.S.: „Die Beamten können sich in der Küche jederzeit bedienen, wir kriegen nicht mal Nachschlag.“ M.Z.: „Zu kalt.“

MEDIZINISCHE VERSORGUNG

N.H.: „…man wird selbst bei Schmerzen durch Bedienstete nicht ernst genommen. Ich saß mehrere Tage mit Schmerzen auf meinem Haftraum und konnte nichts dagegen machen. Mir wurden letztlich nur Tabletten gegeben.“ H.M.: „Seit 2005 bemühe ich mich um eine Behandlung meines Kiefers. Die Verantwortlichen nehmen in Kauf, dass ich unter starken Beschwerden und Schmerzen leide. Als einzige Behandlung wurde mir angeboten, alle Zähne zu entfernen.“

DROGEN

M.V.: „Menschen mit Drogenproblematik wie ich haben es sehr schwer, unterstützt zu werden.“ I.W.: „Hier gibt es alle Drogen, aber keine Hilfe.“

BAULÄRM

R.S.: „Durch die infernalische Lärmbelästigung (durch Sanierung der Altbauten, die Red.), der wir 8 bis 10 Stunden lang täglich seit Monaten schutzlos ausgeliefert sind, breiten sich Kopfschmerzen und Stress aus. Der Feinstaub setzt sich in den Zellen, auf dem Essen und in unseren Lungen ab.“

BAUMÄNGEL

R.K.: „Wenn zwei Herdplatten defekt sind, können 30 Inhaftierte nur auf zwei Platten kochen, was kaum möglich ist. Auf die Reparatur wartet man mehrere Wochen.“

ARBEIT

R.S.: „Es gibt zu wenig Arbeitsplätze hier. Ich konnte in sieben Jahren nur einen Monat arbeiten. Ohne Arbeit sitzt man nur rum. Bei uns in Haus 3 (dort sitzen Langstrafer ein, die Red.) sind 40 Prozent ohne Arbeit, zum Teil jahrelang.“

KLEINE ZELLEN

D.K.: „Es ist ein Skandal, dass seit Jahren Gefangene menschenrechtswidrig untergebracht sind.“ (Nach offiziellen Angaben der Justiz sind derzeit 166 Gefangene verfassungswidrig untergebracht, die Red.)

TELEFONE

T.W.: „Vor Weihnachten gab es zu wenig Telefonkarten, weil es nur ein bestimmtes Kontingent gibt. Gerade zu den Feiertagen will man telefonieren.“

BETREUUNG

M.C.: „Ein angekündigtes Anti-Gewalttraining fand nie statt. Es wurden Zusagen gemacht, die nie eingehalten wurden.“ M.V.: „Ich kann mich fast nie mit Alltagsproblemen an einen Bediensteten wenden, da entweder keiner da ist oder niemand Bescheid weiß.“ Ha
http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/11.02.2007/3076018.asp

Kater

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7112
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #13 am: 01:22:32 Do. 15.Februar 2007 »
Zitat
"Unverantwortlich von der Politik“
Anstaltsleiter Klaus Lange-Lehngut über die Situation in der Haftanstalt Tegel

Vier Wochen vor Ihrer Pensionierung macht Tegel wieder Schlagzeilen. Was ist dran an den Beschwerden?

Als Inhaftierter würde ich mich auch beschweren. Die sagen sich: „Ich bin ja nicht freiwillig hier, ich bin vom Gericht verurteilt worden. Schuld ist die Justiz, die mich verurteilt hat. Deshalb bin ich unzufrieden und habe Frust.“

Und dann beschwert man sich?

Ja. Und es ist gut so, dass die Gefangenen die Möglichkeit haben, sich zu beschweren. Pro Jahr strengen die Gefangenen 700 Klagen gegen uns an. Aber wir verlieren davon nur fünf Prozent.

Worüber klagen die Inhaftierten?

Die meisten Beschwerden betreffen die Vollzugsplanung und die Gewährung von Ausgängen. Dabei müssen wir aber vorsichtig sein und sehr gründlich prüfen, weil wir die Öffentlichkeit vor neuen Straftaten schützen müssen.

Einerseits sind Sie überbelegt, anderseits gibt es Klagen über Personalmangel?

Wir sind derzeit bei einer Belegung von 113 Prozent. Wir hatten vor ein paar Jahren bei wesentlich geringerer Belegung über 1000 Beamte. Jetzt sind es nur noch 835. Und heute haben wir 1743 Gefangene. Das sind 170 zu viel, doppelt so viele leiden deshalb unter der Zweierbelegung der Zellen. Aber wir können den Laden hier ja nicht dicht machen und sagen, ‚wir nehmen keinen mehr auf'. Deshalb begrüße ich den Gefängnis-Neubau im brandenburgischen Großbeeren.

Sie ärgert der Personalabbau?

Ja. Das sind die Sparmaßnahmen, die seit Jahren auf uns niederprasseln. Das ist unverantwortlich von der Politik. Wir machen hier schließlich wie die Polizei Verbrechensbekämpfung. Und zwar letztendlich zum Schutz der Allgemeinheit. Wir müssen mit den Gefangenen sprechen. Je weniger wir wegen des Personalmangels mit ihnen sprechen, desto weniger Einfluss haben wir auf ihre Entwicklung und damit erhöht sich das Risiko, dass sie nach der Entlassung erneut Straftaten begehen. Um diese schwierige Aufgabe bewältigen zu können, brauchen wir mehr Personal.

Der Personalrat klagt, dass die Gefangenen aggressiver geworden sind. Droht eine neue Meuterei?

In der Tat ist durch die Überbelegung und die gemeinschaftliche Unterbringung das Aggressionspotenzial gestiegen. Auch wenn es bisher dank der einfühlsamen Aufmerksamkeit aller Bediensteten zu keiner realen Meuterei gekommen ist, rückt der Zeitpunkt möglicher erheblicher Gefährdung von Sicherheit und Ordnung der Anstalt immer näher.

Wie reagieren Sie auf Klagen von Gefangenen wie in der Gefangenenzeitung „Lichtblick“?

Nicht jede Meldung im Lichtblick wird überprüft, manches aber schon. Im Laufe der Jahre entwickelt man ein Gespür dafür, wo es sich aufdrängt, nachzufassen. Dies wird getan, auch wenn längst nicht alle Klagen berechtigt sind.

Und was ist mit dem Vorwurf von Herrn Reichert, den er im „Lichtblick“ vor seinem Tod beschrieben hat? Dass er Medikamente mit lange abgelaufenem Haltbarkeitsdatum bekommen hat?

Zu diesem Einzelfall kann ich nichts sagen, die Untersuchung ist abzuwarten.

Kriegen alle die benötigten Medikamente?

Ja.

Der Anwalt von Eberhard Reichert kritisierte, dass auch Schwerkranke so lange in Haft sitzen müssen, bis sie sterben. Die Grünen berichteten davon, dass bei Ihnen ein Rollstuhlfahrer hinter Gittern sitzt.

Auch ein Rollstuhl schützt vor Freiheitsstrafe nicht. Im Übrigen entscheiden Fachärzte und die Staatsanwaltschaft über die Haftfähigkeit.

Klaus Lange-Lehngut

ist seit 25 Jahren Chef des größten deutschen Gefängnisses, der JVA Tegel. In 40 Tagen wird er pensioniert. Jörn Hasselmann fragte ihn nach den Haftbedingungen.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/14.02.2007/3080587.asp

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6460
Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr
« Antwort #14 am: 14:17:06 Fr. 16.Februar 2007 »
Der Justizskandal in Berlin nimmt immer grössere Ausmaße an. Von einer Sitzung des Rechtsausschuß heute wird Aufklärung erwartet. Die Todesserie in den Haftanstalten unter dem Regime von Gisela von der Aue geht weiter.

http://de.indymedia.org/2007/02/168436.shtml
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!