Autor Thema: Siemens weltweit  (Gelesen 26688 mal)

meet_twice

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Siemens weltweit
« am: 12:15:55 Fr. 07.Mai 2004 »
Wer sich mal über diese Organisation detailierter informieren will, sollte unter dieser Adresse http://www.nci.migm.de nachsehen.

Meine persönliche Erfahrung mit Siemens ist folgende:

"Wer mit Siemens einen Vertrag schließt, zum Beispiel einen Arbeitsvertrag, wird bildhaft gesprochen mit einer bösartigen und schleichend verlaufenden Krankheit infiziert. Beginnend mit dem Anfang steht das Ende bereits fest. Dazwischen mag es heiter oder regnerisch sein. Das Ende heißt immer Hagel und Blitz.

Vergleichbar der Anlagenbuchhaltung in der Finanzbuchhaltung und abschreibbaren wirtschaftsgütern wird das Ende der Nutzungsdauer festgeschrieben. Es gibt kein Entrinnen. Das Programm läuft unbeirrbar. Wie im normalen Leben kann man das "Ende" hinauszögern. Das Ende aber kommt sicher und zielstrebig. Und es betrifft auch den engsten Familienkreis.

Siemens kann kein Interesse daran haben, dass Mitarbeiter die mit den schrecklichsten Methoden zur Kündigung gebracht wurden, ihre traumatischen Erlebnisse der breiten Bevölkerung, den Konsumenten, zugänglich machen. Noch dazu in einer Zeit, wo Siemens in seiner Geschäftsstrategie fast ausschließlich auf das Markenimage, auf die Verpackung, auf die Ausstrahlung seiner Marke und den damit verbundenen Gefühlen als Kaufanreiz setzt, für seine Produkte.

Folgerichtig ist es naheliegend, dass diejenigen, die so grausam aus der Firma gekündigt wurden, auch schnellstens aus ihrem gesellschaftlichem Umfeld, aus der Gesellschaft der Konsumenten verschwinden müssen.

In totalitären Systemen geschieht dies am einfachsten durch spezialisierte Organisationen gegen Entgeld. In sogenannten Demokratien geschieht dies durch den Einsatz wirtschaftlicher Zwangsmittel.

Wer sich als Gekündigter in einer besonderen Datenbank der Arbeitgeber wiederfindet, von der Systematik vergleichbar einem Antikorruptionsregister, bekommt nirgendwo mehr bezahlte Arbeit. Zugleich werden seine "Alltagsfeinde und Widersacher" auf jede nur erdenkliche Art sozusagen aufgebaut. Sinnvollerweise übernehmen Mitarbeiter der Personalabteilung, die nur diese eine Aufgabe haben, vergleichbar einem Zielfahnder beim Bundeskriminalamt, die Koordination aller Aktivitäten. Zusätzlich ist die Herabwürdigung durch das Streuen von Gerüchten jeder Art im gesamten persönlichem Umfeld bekannt von stalinistischen Repressionsmethoden.

Es ist grundsätzlich nur eine Frage der Zeit, bis man ohne Einkommen und umgeben von Leuten, die alles versuchgen um einem das Letzte zu nehmen, in der Sozialhilfe landet oder sich vorher aus dem Leben verabschiedet.

So sieht das aus.

Die wenigsten schaffen es in dieser Situation gegen Siemens oder besser gegen die Person, die einen Namen hat und der man sein "Ende" zu verdanken hat, aussichtslose und belächelte rechtliche Maßnahmen mit der Leidenschaft des unfreiwilligen Märtyrers einzusetzen. Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter haben ihre Funktion als Beistand in dieser schwierigen Situation weitgehend bei Arbeitnehmern verloren. Zu oft ist bekannt geworden, dass sie die Firma gegen einzelne Betroffene unterstützt haben und offiziell das Gegenteil verkündet haben.

Wer wie Siemens durch den Schulterschluss mit den mächtigsten und ältesten Finanzorganisationen dieser Welt über unbegrenzte und rückzahlbare finanzielle Möglichkeiten verfügt, hat - zur Zeit - in Deutschland unbegrenzte totalitäre Macht. Deutsche Bürger haben Billionen von Euro als sparguthaben zum verlieren.  Siemens will das Geld auch haben. Die Politiker gebärden sich als willfähriger Vollstrecker und handeln folgerichtig mittlerweile im vorauseilendem Gehorsam. Der Deutsche Bundeskanzler verbindet sein Schicksal mit Siemens Interessen. Hunderte von Milliarden Euro wurden Kleinanlegern an den Börsen in 2 Jahren - ohne jede Strafe - abgenommen.
Wer wie Siemens einer 4-köpfigen Familie zuerst den Ernährer wegnimmt und der verbliebenen "Ernährerin" auch noch kündigt, ihr auch noch als "Heilsbringer" eine sogenannte Beschäftigungsgesellschaft anbietet, von der jeder weiß, vor allem die fachkundigen Richter am Arbeitsgericht, dass sie nur als rechtliche Krücke dient, um eine rechtlich auf tönernen Füssen stehende Kündigung begründbarer aussprechen zu können, wer dies alles ohne Gewissensbisse und voller Elan tut, der dokumentiert zweierlei:

Erstens:
Es geht bei den Kündigungen nicht nur um wirtschaftliche Notwendigkeiten sondern um die öffentliche Exekution eines Schauspiels, mit dem Ziel die eigene Macht möglichst schmerzvoll und grenzenlos gegen das Volk als Warnung für Alle zur Schau zu stellen.

Zweitens:
Man hat von staatlichen Organen, Gesetzen und Volksvertretern nichts aber auch gar nichts zu befürchten. Im Gegenteil und  - besonders zynisch - die Richter am Arbeitsgericht gehen auf Siemens ein.

So stehen die Dinge und angesprochen ist jeder, der Siemens nicht im vorauseilenden Gehorsam beim Kampf jeder gegen jeden und somit im Ergebnis gegen sich selbst, mit gewissenlosestem Einsatz unterstützt. Die mögliche persönliche Konsequenz bleibt überschaubar. Nicht in Bezug auf das Ergebnis, einzig auf dem Weg dorthin.

Meine Persönliche Beurteilung - und ich habe es mir nicht leicht gemacht  - ist folgende:
Siemens ist nicht böse, Siemens ist das Böse. Und Böse ist, wie in einer anderen Dimension und außerhalb hiesiger Naturgesetze, in diesem Fall ein absoluter Begriff.

ManOfConstantSorrow

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Siemens weltweit
« Antwort #1 am: 15:09:34 So. 16.Mai 2004 »
Wow!
Harter Tobak!
Vielleicht ist es sinnvoller sich mit der Politik des Siemens Konzerns auseinanderzusetzen als mit der der Bundesregierung!

Ersteinmal Hut ab! Die oben angebene Webadresse ist wirklich ergiebig an Informationen und ernstzunehmen in ihrer Zielsetzung! Egal wie sozialpartnerschaftlich die Gewerkschaftsführungen sein mögen, es gibt wirklich gute Leute, die in den Gewerkschaften aktiv sind und die man auf jeden Fall unterstützen sollte!!!

Hier sei jetzt auf den den nationalen Aktionstag gegen die Politik des Siemens-Konzerns hingewiesen:



Zitat
Original von rf-news 15.5.04

Am 18. Juni: bundesweiter Aktionstag der Siemens-Kollegen

Am 14.5. fand in Nürnberg eine Konferenz der IG Metall für Siemens-Betriebsräte und Vertrauensleute statt. Siemens will Tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland vernichten - der Gesamtbetriebsrat spricht von bis zu 74.000. Gleichzeitig hat die Unternehmensleitung damit gegenüber den Arbeitern und Angestellten ein Erpressungsmanöver eingeleitet. Vor allem will Siemens-Chef von Pierer (CSU) die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich einführen. Nach Angaben der IG Metall würde das bei Siemens 20.000 Arbeitsplätze gefährden.

In den letzten Wochen gab es gegen diesen Kurs in verschiedenen Werken Protestaktionen. So blockierten am 10. Mai 350 Kolleginnen und Kollegen der Siemens-Niederlassung in Hannover im Anschluss an eine außerordentliche Betriebsversammlung die Hauptverkehrsader Hildesheimer Straße. In Hannover sollen nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden bis zu 160 der 1.600 Stellen vernichtet werden.

Auseinandersetzung um die Richtung

Bei der gestrigen Konferenz gab es eine engagierte Auseinandersetzung um die Richtung, die eingeschlagen werden soll. Berthold Huber, zweiter IG Metall-Vorsitzender, kündigte Verhandlungsbereitschaft mit der Konzernleitung an. Denn die Unternehmer erzeugten "eine Stimmung von Angst und Druck", es gehe darum, "den Fortbestand unserer Gesellschaft nicht zu gefährden".
Tatsächlich stellt aber eine wachsende Zahl von Arbeitern und Angestellten mehr und mehr ein gesellschaftliches System in Frage, das allein den Profit- und Machtinteressen der internationalen Konzerne untergeordnet ist. Viele suchen nach neuen gesellschaftlichen Perspektiven.
In verschiedenen Redebeiträgen kam eine ausgesprochen kämpferische Tendenz zum Ausdruck. So ein Siemens-Kollege aus Nürnberg unter großem Applaus: "Hier geht es um reine Profitgier. Wir müssen um jeden Arbeitsplatz kämpfen! Nachgeben ist keine Lösung. Vereinbart keinen Lohnverzicht - umsonst arbeiten können wir überall. Wir brauchen die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!"

Beschlossen wurde auf der Konferenz ein bundesweiter Aktionstag gegen die Jobvernichtung am 18. Juni. Warnstreiks, Demonstrationen und Aktionen vor den Toren sind dafür im Gespräch.

Hier bei Chefduzen.de taucht der Name Siemens in unterschiedlichten Threads auf. Zur Vereinfachung hab ich hier mal versucht alles zusammenzutragen:
http://www.chefduzen.de/viewtopic.php?t=705
http://www.chefduzen.de/viewtopic.php?t=59
http://www.chefduzen.de/viewtopic.php?t=382
http://www.chefduzen.de/viewtopic.php?t=499
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ManOfConstantSorrow

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Siemens weltweit
« Antwort #2 am: 18:13:13 Fr. 21.Mai 2004 »
21.05.04 - Siemens plant "feindlichen Einstieg" bei Alstom
Die EU-Kommission soll eine Subvention von 3,2 bis 4,7 Mrd. Euro für Alstom durch die französische Regierung nur genehmigen, wenn der angeschlagene Konzern einen "Industriepartner akzeptiert". Das fordert Siemens, um in den Bereich Verkehrstechnik und Gasturbinen bei Alstom einzusteigen. Bundeskanzler Schröder will am 1. Juni entsprechende Gespräche mit der französischen Regierung führen.
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ManOfConstantSorrow

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Siemens weltweit
« Antwort #3 am: 11:52:24 Do. 17.Juni 2004 »
Hier findet man einen interessanten Artikel, der sich mit der Rolle von SIEMENS bei Überwachung und Krieg beschäftigt:

http://www.labournet.de/branchen/medien-it/siemens/isaristanbul.html
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ManOfConstantSorrow

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Siemens weltweit
« Antwort #4 am: 10:28:31 Mo. 21.Juni 2004 »
Der Siemens Aktionstag hat stattgefunden:

Zitat
Original von rf-news 18.06.04



Siemens-Belegschaften bundesweit auf der Straße - Manager-Magazin spricht von "Chaostag"

Mehrere 1000 Beschäftigte bei Siemens legten heute am 18. Juni die Arbeit nieder. Alleine in Bayern beteiligten sich über 10.000 Kolleginnen und Kollegen. Aufgerufen zum bundesweiten Aktionstag hatte die IG Metall und verschiedene Kollegeninitiativen.

Informationen liegen vor über Aktionen an den Siemens-Standorten München, Nürnberg (mindestens 600 Beteiligte), Dortmund (mindestens 150), Kamp-Lintfort (1200), Bocholt, Bielefeld, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Krefeld (250), Mülheim, Regensburg (Autokorso mit 150 Autos), Cham, Amberg, Augsburg, Rosenheim, Bremen, Schweinfurt, Würzburg, Münster, Paderborn, Köln (200), Karlsruhe (1000), Bruchsal (1000), Kirchheim/Teck (700), Freiburg, Gaggenau, Mannheim, Stuttgart, Esslingen, Böblingen, Göppingen, Singen, Ulm, Rostock, Villingen-Schwenningen, Erlangen (mindestens 900), Berlin (2500) und Hamburg (200). Auch Kollegen anderer Betriebe unterstützen die Siemensianer mit Delegationen, z.B. in Dortmund von HSP, Vogt Witten und Hoesch-Westfalenhütte.

Die Kolleginnen und Kollegen wehren sich gegen Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich, gegen die drohende Vernichtung Zehntausender der 170.000 Arbeitsplätze bei Siemens in Deutschland und gegen die Erpressung der Belegschaften mit der Drohung nach Verlagerung. "Wir verzichten auf keinen Cent - wir arbeiten keine Minute länger für die Profitsteigerung von Siemens!", konnte man auf dem Transparent der Kollegen von Siemens VDO in Dortmund lesen.

Reichlich Kritik ernete die IGM-Spitze in München von ihrer eigenen Basis, weil sie kurzfristig die geplante Großkundgebung abgesagt hat und lieber dezentrale kleinere Aktionen durchführte. Auch in anderen Städten ging von der Gewerkschaftsspitze zum Teil Desorganisation aus, so dass größere Kundgebungen und Demonstrationen vermieden wurden. Auch in Badem-Württemberg wurden nur die unmittelbar betroffenen Werke zu öffentlichen Kundgebungen aufgerufen, während die anderen "nur" Aktionen im Betrieb durchführen sollten.

In Kamp-Lintfort und Bocholt (beide NRW) sind die Werke unmittelbar von Verlagerung bedroht. Unmittelbar vor dem Siemens-Aktionstag war das Konzept des dortigen Betriebsrat, durch freiwilligen Verzicht die Verlagerung zu verhindern, gescheitert. Die Stimmung auf der Kundgebung mit ca. 1200 Beteiligten in Kamp-Lintfort war aufgewühlt und kämpferisch. Eine Delegation von 120 Bergleuten mit Azubis überbrachte die Solidaritätswünsche, ebenso von TKS. Auch von Siemens TS Krefeld und von Siemens Essen sind 70 Kollegen mit dem Bus nach der dortigen Aktion nach Kamp-Lintfort gekommen.

Das Unternehmerblatt "Managermagazin" sprach im Zusammenhang mit dem Aktionstag vom "bundesweiten Chaostag". Was sie als Chaos fürchten, ist der standortübergreifende Kampf der Siemens-Belegschaften. Dieser Weg hat Zukunft. "Wir müssen im ganzen Siemens-Konzern gemeinsam kämpfen, nicht nur in Deutschland - weltweit", so fasste ein Kollege seine Schlussfolgerungen zusammen.
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ManOfConstantSorrow

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Siemens weltweit
« Antwort #5 am: 02:35:30 Sa. 21.August 2004 »
Siemens hat enorme Macht und spielt eine wirtschaftliche Vorreiterrolle.

Es lohnt sich deren Politik näher zu betrachten, die "andere Seite" (=Mangermagazin) tut es jedenfalls mehr als ausführlich:


Zitat
Original von managermagazin 16.8.04

SIEMENS
"Das Wir-Gefühl weicht der Realität"

Von Simon Hage
Wer ist der Nächste? Kündigungen, Sparmaßnahmen und Engagements in Osteuropa verunsichern die Siemens-Mitarbeiter. Wen der Konzern nicht mehr brauche, so berichten Betroffene, der bekomme dies auch deutlich zu spüren.

München - Am Aschermittwoch kam der Schock für Amelie Meier (Name geändert). "Keine guten Nachrichten", hieß es damals in einer Abteilungsbesprechung: Jobs würden nach Tschechien verlagert. Das Angebot ihres Arbeitgebers Siemens , künftig für rund ein Drittel des bisherigen Gehalts in Prag zu arbeiten, lehnte sie ab.

Anfang Mai tauchten dann am Münchener Unternehmensstandort St.-Martin-Straße junge tschechische Arbeitskräfte auf. Rund zwei Monate lang musste Meier ihre eigene Nachfolgerin einweisen, bevor sie selbst in eine andere Abteilung versetzt wurde. Mehreren Kollegen erging es nicht besser. "Das kam für viele wie der Blitz aus heiterem Himmel", sagt Meier, "mit so einer Situation hätte niemand gerechnet".

Siemens-Sprecher Peter Gottal kann die Aufregung über die Einarbeitung der osteuropäischen Beschäftigten nicht verstehen: "Dass die hier Know-how erfahren haben, ist ja klar", so Gottal, "das ist bei uns gang und gäbe." Hintergrund der Maßnahme ist ein Pilotprojekt: Buchhaltungstätigkeiten für verschiedene Siemens-Sparten werden zentral von Prag aus geregelt - zunächst von 40 Mitarbeitern. Sollte die Testphase aus Sicht des Elektronikkonzerns jedoch erfolgreich verlaufen, so befürchtet IG-Metall-Vertreter Michael Leppek, könnte Siemens weitere Bereiche in die tschechische Hauptstadt verlagern: "Platz ist da noch für wesentlich mehr Mitarbeiter."

Der Krisenplan des Weltkonzerns

Aktionen wie die Einarbeitung von Billiglohnkräften sorgen dafür, dass einige Siemens-Mitarbeiter in ständiger Angst um ihren Arbeitsplatz leben. Zum einen will der Konzern, wie Vorstandschef Heinrich von Pierer gerne betont, vor allem dort wachsen, wo auch das Geschäft wächst: in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen Asiens und Osteuropas.
   
Zum anderen zwingt die wachsende Konkurrenz Siemens dazu, die Kosten zu drücken: Der Elektro- und Anlagenbauer mit weltweit 417.000 Mitarbeitern kann es sich nach eigenen Angaben nicht mehr leisten, defizitäre Unternehmensteile auf Dauer durchzuschleppen. Um bedrohte Standorte in Deutschland zu retten, müsse man dort "für das gleiche Geld mehr arbeiten", hatte von Pierer betont und sich damit den Titel "Arbeitszeit-Rambo" eingehandelt.

Erst die Kündigung, dann die Urkunde

Kritikern empfahl von Pierer, sich in ungarischen oder chinesischen Fabriken umzuschauen, wo "viel härter" gearbeitet werde. Nur durch weltweite Wettbewerbsfähigkeit könnten Arbeitsplätze in Deutschland verteidigt werden.

Zahlreiche Dax-Konzerne folgen dem Weckruf von Pierers und haben auf dieser Basis neue Arbeitsverträge ausgehandelt. Lob bekommt von Pierer auch von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Die hohen Arbeitskosten seien ein klarer Wettbewerbsnachteil, den Deutschland auf Dauer nicht durchstehen könne.

Durch verlängerte Arbeitszeit bei gleichem Lohn - wie sie zum Beispiel für die Siemens-Handy-Werke in Kamp-Lintfort und Bocholt vereinbart wurde - könnten Arbeitsplätze in Deutschland gerettet werden.

"In dankbarer Anerkennung"

Die Krise am Telekommunikationsmarkt lieferte Siemens einen weiteren Grund, Stellen abzubauen. Anfang Oktober steht der Zusammenschluss der beiden Konzernsparten Netzwerke (ICN) und Mobilfunk (ICM) an - dadurch könnten weitere Stellen eingespart werden, befürchtet Gewerkschafter Leppek. Die Mitarbeiter der Netzwerksparte in der Münchener Hofmannstraße traf es bereits in den vergangenen Jahren empfindlich. Manch alt gedienter Siemensianer blieb auf der Strecke.
   
Darunter auch Kabelnetz-Experte Günter Schulz. Im vergangenen Sommer bekam er Post von seinem Arbeitgeber: "In dankbarer Anerkennung", stand in kunstvollen Lettern auf einer Urkunde, "für 25 Jahre treuer Mitarbeit in unserem Hause". Unterzeichnet von Karl-Hermann Baumann, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats.

Worte, die auf Schulz wie Hohn wirkten. Dank? Anerkennung? Wenige Tage zuvor hatte er schon einmal einen Brief von Siemens empfangen. Inhalt: die betriebsbedingte Kündigung.

"Wenn du aufmuckst, dann fliegst du"

Schulz wirkt gelassen, spricht in gedämpfter Lautstärke. Doch der Inhalt seiner Worte vermittelt tiefen Frust: "Der Mitarbeiter bei Siemens ist ein Kostenfaktor und sonst nichts." Der Mittfünfziger spricht gar vom "offenen Krieg gegen die Belegschaft".

So wie Inken Wanzek, Software-Entwicklerin. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Kollegen legt sie keinen Wert darauf, anonym zu bleiben: "Mir wurde schon fristlos gekündigt, ich habe nichts mehr zu verlieren." Als Vertrauensperson von Betriebsrat und Gewerkschaft machte sie sich für die Belange ihrer Kollegen stark - lautstarker Protest war der bescheiden auftretenden Frau hingegen stets fremd.

Leiser Widerstand gegen die Oberhäupter

Eine E-Mail, die vom Selbstmord einer entlassenen Kollegin berichtete, wurde Wanzek zum Verhängnis. Nach einer verhaltensbedingten Kündigung blieb der 47-Jährigen nicht einmal mehr genügend Zeit, um sich von ihren Kollegen zu verabschieden: Sie wurde direkt zum Schreibtisch begleitet, wo sie eilig ihre Sachen zusammenpackte, anschließend zum Ausgang. Dort nahm man ihr den Werksausweis ab.

Auch Wanzek äußert sich nüchtern über das derzeitige Betriebsklima: "Das Wir-Gefühl weicht der Realität". Die Idee der solidarischen Siemensianer-Familie, so glaubt sie, "war schon immer eine Illusion". Trotz Angst vor Entlassung: Der leise Widerstand gegen die "Familien-Oberhäupter" lässt nicht nach, gerade in der Hofmannstraße.

Werner Stein (Name geändert), seit mehr als 20 Jahren in der Netzwerksparte tätig, wurde Anfang 2003 vor die Wahl gestellt: Er sollte eine Abfindung nehmen und gehen, oder in die "betriebsorganisatorisch eigenständige Einheit" (beE) wechseln. Dabei handelt es sich um eine Art internes Arbeitsamt. Doch Stein, ehemalige Führungskraft, wollte seinen bisherigen Job nicht aufgeben. Er kassierte daraufhin, wie insgesamt 177 ICN-Mitarbeiter, eine Kündigung. Die meisten, darunter auch Stein, zogen vor das Arbeitsgericht.

Vor Gericht steht es 156 : 0 für die Entlassenen


Die Meinungen über das beE-Modell sind geteilt. Nachdem es ins Leben gerufen wurde, schimpften Belegschaftsaktionäre, die Siemens AG habe sich damit aus ihrer Verantwortung für langjährige Mitarbeiter "freigekauft". Konzernsprecher Gottal sieht das anders: "Das ist keine Abschiebestation, dagegen sprechen eindeutig die Zahlen." Von 518 Mitarbeitern, die sich für einen Wechsel in die Beschäftigungsgesellschaft entschieden hätten, seien inzwischen mehr als 70 Prozent weitervermittelt worden.

Doch auch die Kläger, die dieses Modell ablehnten, haben Erfolg - vor dem Arbeitsgericht. Der aktuelle Zwischenstand bei den Prozessen wird auf der Webseite des Mitarbeiternetzwerks NCI verkündet: 156 : 0 in erster Instanz. In zweiter Instanz haben die Gekündigten den Angaben zufolge bislang elf Prozesse gewonnen, einen verloren und zwei Vergleiche ausgehandelt. Die vielen Urteile gegen Siemens, so formuliert Firmensprecher Gottal trocken, seien "ein Indiz dafür, dass das Gericht der Argumentation des Unternehmens nicht gefolgt ist."

Unter den Prozessgewinnern: Günter Schulz, Inken Wanzek und Werner Stein. Doch ihre früheren Arbeitsplätze haben sie noch nicht wieder bezogen. Stein wurde in ein mehrstöckiges Bürogebäude in der Münchener Zielstattstraße verlegt, Schulz landete in der Ruppert-Mayer-Straße. Hinter vorgehaltener Hand werden solche Standorte von betroffenen Siemensianern makaber als "Lepra-Station" bezeichnet - viele fühlen sich in ähnlicher Weise isoliert wie Schwerstkranke.

"Zu alt, zu unflexibel, zu teuer"

Die extern "kasernierten" Mitarbeiter, wie Stein sich ausdrückt, müssten "Alibi-Jobs" verrichten, die "in Wirklichkeit niemanden interessieren", beispielsweise Konkurrenzvergleiche auf der Basis von Internetrecherchen. Die Benutzung von Telefon oder E-Mail sei jedoch nicht erwünscht. "Da ist ein richtiger Lagerkoller entstanden", beschreibt er die Stimmung unter den Betroffenen, "ein Psychologe hätte da seine helle Freude".
   
Neben Klägern wurden vor allem Mitarbeiter an solche Standorte verlegt, die "besonderen Kündigungsschutz genießen", wie Siemens-Sprecher Gottal sich ausdrückt: langjährige Betriebszugehörige und Schwerbehinderte. Der Arbeitsplatz einiger solcher Mitarbeiter, so Gottal, sei "schlicht entfallen". Anders die Beurteilung des IG-Metall-Vertreters Leppek: "Man wird abgestempelt: zu alt, zu unflexibel, zu teuer".

Schadet Siemens sich selbst?

Wegen dieser Personalpolitik musste sich Konzernchef von Pierer kritische Bemerkungen gefallen lassen: Betroffene fragten Ende 2003 in einem offenen Brief, ob "Arbeitsentzug oder die gezielte Zuteilung unterqualifizierter Jobs als Zermürbungstaktik" dienten - um die Mitarbeiter "so lange psychisch unter Druck zu setzen, bis sie das Unternehmen endlich freiwillig verlassen".

Gewerkschafter Leppek zeigt sich allerdings zuversichtlich, dass zumindest die ausgliederten Jubilare und Behinderten Chancen auf eine sinnvolle Beschäftigung bekämen. Eine interne Zeitarbeitsvermittlung soll die Betroffenen in Projekten innerhalb des Konzerns einsetzen. In einer Betriebsvereinbarung verpflichtete sich Siemens im Februar zudem darauf, besondere Kündigungsschutzfälle künftig zu berücksichtigen. Leppek: "Dem Tiger sind die Zähne gezogen worden."

Doch andere betrachten das Siemens-Engagement skeptisch. "Wenn man die Mitarbeiter wirklich wieder integrieren wollte, könnte man das auch direkt machen", kritisiert etwa Inken Wanzek. Der Anreiz zur dauerhaften Anstellung sinke - schließlich sei das Zeitarbeitsmodell für Siemens wesentlich kostengünstiger.

1500 offene Stellen

Was den Geschassten zudem sauer aufstößt: In Deutschland hat Siemens derzeit nach eigenen Angaben rund 1500 offene Stellen - trotz Sparzwang und Wirtschaftsflaute. Da fragt sich mancher Siemensianer, wieso gleichzeitig hunderte von Mitarbeitern in Außenbüros auf Arbeit warten müssen. Es sei eben schwierig, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, erklärt Siemens-Sprecher Gottal.
    
Der gefeuerte Kabelnetzexperte Günter Schulz ist sich sicher, dass Siemens sich mit seiner Personalpolitik ins eigene Fleisch schneidet. Wenn sich die Wirtschaftslage eines Tages wieder erhole, so Schulz, "werden mehr Leute gehen, als es Siemens lieb ist". Denn die Zeit, in denen der Elektronikkonzern als krisenfester Arbeitgeber galt, sei vorbei: "Das Argument des sicheren Arbeitsplatzes", so Schulz, "ist tot."




Zitat
Original von managermagazin 19.8.04

BESTECHUNG
Schwarze Kassen bei Siemens

Ex-Manager von Siemens haben die Existenz geheimer Konzern-Konten während ihrer aktiven Zeit zugegeben. Dies erklärte die Staatsanwaltschaft Frankfurt laut einem Medienbericht. Aus den millionenschweren Töpfen soll verdeckt Überzeugungsgeld an italienische Topmanager geflossen sein.


München - Bei den Ermittlungen gegen frühere Siemens-Manager wegen des Verdachts der Bestechung haben einige der Beschuldigten nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" die Existenz von so genannten schwarzen Kassen für solche Zwecke bestätigt.

Die Zeitung berichtete am Donnerstag unter Berufung auf die Frankfurter Staatsanwaltschaft vorab, die Beschuldigten hätten eingeräumt, dass Zahlungen über Konten einer für Siemens eingerichteten Gesellschaft in Liechtenstein nach Italien transferiert worden seien. "Beschuldigte haben in Vernehmungen bestätigt, dass es bei Siemens schwarze Kassen für so genannte nützliche Aufwendungen gegeben hat", sagte die Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft, Hildegard Becker-Toussaint, der Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigte ursprünglich drei Ex-Manager, zwischen 1999 und 2002 mindestens sechs Millionen Euro Bestechungsgelder im Zusammenhang mit Auftragsvergaben an damalige Manager des italienischen Stromkonzerns Enel bezahlt zu haben.

Die Zeitung berichtete weiter, die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen mittlerweile ausgeweitet, zu den nun vier Beschuldigten zähle auch ein früherer Bereichsvorstand der Siemens-Sparte Power Generation in Erlangen. Die Staatsanwaltschaft habe erklärt, es seien drei Haftbefehle erlassen worden, die aber gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden seien.

Siemens: Wir kooperieren mit den Ermittlungsbehörden

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft war am Abend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ein Siemens-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. "Wir betonen, dass wir mit den Ermittlungsbehörden kooperieren", sagte er lediglich.
    
Ziel der Bestechung soll nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft die bevorzugte Vergabe von Aufträgen für die Lieferung von Gasturbinen im Volumen von etwa 336 Millionen Euro sowie von lukrativen Wartungsverträgen gewesen sein. Bei den ursprünglich drei Verdächtigen handelt es sich nach den Angaben um ehemalige Beschäftigte des Bereichs Power Generation von Siemens in Offenbach.

Die Ermittlungen in Deutschland waren durch Geständnisse von früheren Enel-Managern bei entsprechenden Ermittlungen der italienischen Behörden angestoßen worden. Im April hatte ein Mailänder Gericht den Siemens-Konzern im Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen für ein Jahr von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen. Der Ausschluss wurde später auf Geschäfte mit Gasturbinen beschränkt.


Puh, das war ja doch recht lang!

Aber auf jeden Fall interessanter und politisch bedeutender als irgendeine öde Bundestagsdebatte.
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Kuddel

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Siemens weltweit
« Antwort #6 am: 22:08:31 Mo. 06.Dezember 2004 »
Hier sind ja auch einige Postings verschwunden.
Unter Anderen die Meldung, daß der Profit bei SIEMENS im letzten Jahr um 39% gestiegen ist.

Dazu paßt ja ganz gut folgende Meldung aus den Kieler Nachrichten:

Zitat
IG Metall: Siemens will Lohnverzicht in deutschen Niederlassungen

Im Gegenzug biete Siemens bei den Verhandlungen über ein neues Tarifsystem keinerlei Beschäftigungssicherung, kritisierte die IG Metall. An einem Aktionstag will die Gewerkschaft am 16. Dezember bundesweit gegen die Konzernpläne protestieren. Siemens wollte sich nicht näher zu den Plänen äußern.


Siemens hat im Sommer sein Deutschland-Geschäft neu aufgestellt und eine einheitliche Regionalorganisation für alle Geschäftsbereiche gegründet. Bei den Verhandlungen über das neue Tarifsystem in den 35 lokalen Niederlassungen will Siemens nun laut IG Metall unter anderem 12 000 Beschäftigten Weihnachts- und Urlaubsgeld streichen. Den 11 000 Mitarbeitern in den Siemens-Service-Gesellschaften wolle der Konzern Fixbeträge streichen und variable Vergütungen als Ersatz anbieten.

IG-Metall-Vize Berthold Huber kritisierte: "Die Vorstellungen von Siemens werden von der IG Metall nicht akzeptiert. Verschlechterte Tarifbedingungen beim Marktführer Siemens haben Auswirkungen auf die gesamte Branche."

Ein Siemens-Sprecher sagte, der Konzern kommentiere laufende Verhandlungen grundsätzlich nicht. "Es ist aber sicherlich nicht zielführend, wenn öffentlich einzelne Zwischenergebnisse dokumentiert werden." Laut Gewerkschaft werden die Verhandlungen am 16. und 17 Dezember in Frankfurt fortgesetzt.


dpa/ecoline vom 06.12.2004

ManOfConstantSorrow

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Siemens weltweit
« Antwort #7 am: 20:06:46 So. 12.Dezember 2004 »
Siemens-Aktionstag am 16. Dezember geht alle Belegschaften an

Für den 16. Dezember ruft die IG Metall die Beschäftigten aller Siemens-Niederlassungen zu einem Aktionstag auf. An 36 Standorten sind lokale Aktionen geplant ("rote fahne news" berichtete bereits am 9.12.04). Die von der Konzernleitung geforderte Arbeitszeitverlängerung soll die Siemens-"Lohnkosten" nochmals um 2,3 bzw. 5 Prozent senken. Bertolt Huber vom IG-Metall-Vorstand kritisierte die Pläne von Siemens: "Die Vorstellungen von Siemens werden von der IG Metall nicht akzeptiert. Verschlechterte Tarifbedingungen beim Marktführer Siemens haben Auswirkungen auf die gesamte Branche."  Bei den Verhandlungen am 16. und 17. Dezember in Frankfurt wolle man daher als "Gegenleistung Garantien für die Beschäftigung" erreichen.

Immer wieder haben die Arbeiter und Angestellten in den letzten Monaten jedoch erfahren, was von solchen "Beschäftigungsgarantien" zu halten ist. Das jüngste Beispiel: Die öffentlichen Überlegungen von Siemens-Finanzvorstand Neubürger über die Zukunft der Handy-Sparte, die er so auf den Punkt bringt: "Sanieren, verkaufen, schließen oder kooperieren". Das ist nackte Erpressung. "Was sind also die Ergänzungstarifverträge vom Sommer für Kamp-Lintfort und Bocholt wert, die lautstark als Sicherung der Arbeitsplätze verkauft wurden?" fragt "ElektroPower" vom 11.12., die neue Extra-Ausgabe der Zeitung von Kolleginnen und Kollegen im Siemens-Konzern und Siemensnahen Betrieben. Weiter heißt es dort: "War das alles nur ein großer Bluff, um uns zum Stillhalten zu bewegen?"

"ElektroPower" wird bundesweit vor den Siemens- und Siemensnahen Betrieben verteilt, um den Aufruf zum Aktionstag breit publik zu machen: "Damit die Kraft unserer Organisation richtig zum Tragen kommt, gehören alle Siemens-Belegschaften aufgerufen und informiert. Oder soll eine mangelnde Mobilisierung und Kurzfristigkeit nachher die Rechtfertigung für Verzichts-Vereinbarungen sein?"

Im Gespräch mit "rote fahne news" am 11.12. sagte ein Vertrauensmann von FSC (Fujitsu Siemens Computers) in München: "Wir begrüßen den Aufruf der IG Metall zum Aktionstag. Über den Umweg, dass Regelungen für einzelne Bereiche oder Sparten vereinbart werden, will der Siemens-Konzern die Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzungen durchsetzen, die von Pierer bisher nicht durchgebracht hat. Das heißt, dass sich Siemens die Zersplitterung und Aufteilung in viele einzelne Bereiche zunutze macht. Wir dagegen dürfen uns nicht zersplittern lassen. Umso weniger verstehen wir, dass die IG Metall derart halbherzig zum Aktionstag aufruft. Der Aktionstag gehört konzernweit durchgeführt, bei uns wissen die Kollegen bisher noch gar nicht richtig davon. Wir Vertrauensleute der vier Siemensbetriebe in Neuperlach beraten am Dienstag, was wir zum Aktionstag beitragen."
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ManOfConstantSorrow

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Siemens weltweit
« Antwort #8 am: 01:17:43 Do. 27.Januar 2005 »
Es ist ein wenig langweilig mit cut&paste einfach Presseartikel ins Forum zu kopieren und ich denke manchmal, das interessiert eh keine Sau...

Trotzdem ist es eine Tatsache, daß das, was bei Siemens passiert weitaus bedeutender für uns (ja, auch die , die nicht bei Siemens arbeiten und selbst diejenigen, die nicht arbeiten) sein kann, als das was im Reichstag passiert. Von daher lohnt es sich beide Kotzkrämpe auslösenden Berichte mal zu lesen:

Zitat
stern-Artikel aus Heft 30/2004

Siemens-Chef für Ausdehnung von Arbeitszeit

Siemens-Chef von Pierer im stern: "Wir müssen noch an viele Tabus radikal ran"


Hamburg - Um den Standort Deutschland zu sichern, plädiert Siemens-Chef Heinrich von Pierer für eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeit. "Fast auf der ganzen Welt wird länger gearbeitet als bei uns. Bei uns wird also Zeit und Wissen vergeudet", sagte von Pierer im ersten Interview nach der Ankündigung seines Rücktritts dem Hamburger Magazin stern. "Stürzt denn die Welt ein", fragt der Siemens-Chef, "wenn einige Menschen - und viele tun es eh doch längst! - bei uns wieder 40 Stunden arbeiten müssen?"

Seinen Kritikern empfahl von Pierer, sich in ungarischen oder chinesischen Fabriken umzuschauen. "Wahrscheinlich läuft es euch dann auch so kalt über den Rücken wie mir", so von Pierer im stern. "Die arbeiten dort fanatisch, viel härter und zäher als wir hier. Die wollen nach oben kommen." Dagegen helfe kein Resignieren: "Wir brauchen sozusagen im geistigen Überbau einen Bewusstseinswandel. Eine neue Kultur des Optimismus muss her. Innovation statt Resignation!", forderte von Pierer. Er wolle die soziale Marktwirtschaft. Soziale Verantwortung heiße aber nicht, dass man alles lassen könne, wie es ist.

"Wir müssen noch an viele Tabus radikal ran", sagte von Pierer dem stern. Als Beispiel nannte er den Flächentarifvertrag, der individueller, pragmatischer und von Betrieb zu Betrieb genutzt werden müsse. "Mal kann das heißen, 40 Stunden zu arbeiten, mal sind 30 Stunden optimal oder auch mal mehr als 40 Stunden", so der Siemens-Chef.

Für die Reaktion der Arbeitnehmer, die gegen Eingriffe protestierten, äußerte von Pierer Verständnis. Es sei normal, dass Leute sich wehrten, wenn es schmerzliche Eingriffe gäbe. Doch auch wenn er "schwierige Einzelfälle" sehe und "lieber weniger Menschen wehtun" würde, so müsse es ihm doch um das Ganze gehen. "Und da gibt es ein Gesetz: Wir müssen auf dem Markt wettbewerbsfähig bleiben - weltweit." Nur so könnten Arbeitsplätze verteidigt werden. Die Kunden würden ein Siemens-Handy nicht bloß deswegen kaufen, weil es in Deutschland produziert worden sei. "Der Kunde kauft, was preiswert ist. Der Kunde ist im Allgemeinen kein Patriot", sagte von Pierer im stern-Interview.

Den Generationswechsel an der Siemens-Spitze bezeichnete von Pierer als "gut vorbereitet". In einem halben Jahr, wenn er 64 werde, sei er im richtigen Alter, um aufzuhören. Klaus Kleinfeld, sein Nachfolger, werde dort weitermachen, wo er aufhöre - "mit den gleichen Wertvorstellungen, ähnlichen Strategien". Über seine Amtszeit meinte von Pierer: "Vielleicht bin ich derjenige, der mitgeholfen hat, dass dieses Land wieder zu sich findet, sich nicht mehr geißelt, nicht mehr in Pessimismus versinkt und durch Selbstzweifel sich lähmt sondern sich auf die Zukunft freut. So wie ich."

Zitat
stern.de


Tarifeinigung

Standortgarantie gegen höhere Arbeitszeit

Der Siemens-Konzern hat längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn für 8000 Beschäftigte in seinen deutschen Niederlassungen durchgesetzt. Im Gegenzug würden die Arbeitsplätze bis 2009 gesichert.


Siemens und die IG Metall haben für alle 20.000 Beschäftigten der deutschen Vertriebs-Niederlassungen die 37-Stunden-Woche und die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld vereinbart. Dafür garantiert der Konzern den Erhalt aller 35 Standorte bis zum Jahr 2009 und zahlt den Mitarbeitern künftig eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung, wie Siemens am Dienstag mitteilte. Der Ergänzungstarifvertrag soll am 1. April in Kraft treten und bis 30. September 2009 gelten.

IG Metall: Nicht ideal, aber annehmbar

Die IG Metall wertete vor allem die Standortsicherung als Erfolg. "Der Siemens-Konzern wird keine Niederlassungen schließen und keine betriebsbedingten Kündidungen aussprechen. Das ist ein wichtiges Signal", sagte IG-Metall-Vize Berthold Huber in Frankfurt. Die Arbeitszeitverlängerung sei nicht ideal, aber annehmbar.

Die Einigung wurde in einem Spitzengespräch mit Vorstandschef Heinrich von Pierer und dem stellvertretenden IG-Metall-Chef Berthold Huber erreicht. Pierer sprach anschließend von einem "wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unserer inländischen Arbeitsplätze und Standorte". Eine ähnliche Vereinbarung war im vergangenen Jahr bereits zur Rettung der Handy-Werke Bocholt und Kamp-Lintfort getroffen worden.

Wiedereingliederung in die Siemens AG

Bisher galt für 8.000 Mitarbeiter der Siemens-Niederlassungen der Flächentarifvertrag der Metallindustrie mit fixem Urlaubs- und Weihnachtsgeld und einer wöchentlichen Arbeitszeit von 35 Stunden. Die anderen 12.000 Mitarbeiter arbeiteten in ausgegliederten Servicegesellschaften, erhielten statt Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereits eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung und hatten eine Jahresarbeitszeit von 1.575 Stunden sowie 50 Stunden für Qualifizierungsmaßnahmen.

Jetzt kehren die 12.000 Mitarbeiter der Servicegesellschaften unter das Dach der Siemens AG zurück. Ihre Jahresarbeitszeit von 1.575 Stunden plus 50 Stunden für Qualifizierungsmaßnahmen gilt künftig für sämtliche 20.000 Mitarbeiter der Niederlassungen. Statt Urlaubs- und Weihnachtsgeld gibt es leistungs- und ergebnisbezogene Bonuszahlungen.

Für die Dauer des Tarifvertrages wurde eine Standortsicherung für die 35 Vertriebs- und Service-Niederlassungen in Deutschland vereinbart. Bis 2009 sollen "die Beschäftigtenzahlen nicht in wesentlichem Umfang reduziert, keine Niederlassungen geschlossen oder verlagert werden", teilte Siemens mit.

Siemens: Schlagkraft stärken

Mit der Einigung will Siemens die Schlagkraft seiner deutschen Niederlassungen stärken. "Wir erwarten, dass ein solches Tarifmodell einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung leistet und damit auch zur Sicherung der Arbeits- und vor allem der Ausbildungsplätze beiträgt", sagte Siemens-Personalvorstand Jürgen Radomski. Siemens hatte im vergangenen Jahr bereits in zwei Telefonwerken in Nordrhein-Westfalen längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn durchgesetzt. Die IG Metall befürchtet seither einen Dammbruch.

Ähnliche Sparmaßnahmen waren zuvor bereits beim Autobauer Daimler-Chrysler und beim angeschlagenen Handelskonzern Karstadt-Quelle durchgesetzt worden.
 

Artikel vom 25. Januar 2005
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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Siemens weltweit
« Antwort #9 am: 19:46:05 Mo. 19.September 2005 »
Siemens will über 10.000 Stellen streichen
Siemens will in der Kommunikationssparte Com nach einem Bericht des "Manager Magazin" weltweit 4.224 Stellen streichen, davon 2.860 in Deutschland. Die Rede ist unter anderem von Verlagerungen nach Indien. Im Bereich Logistik und Produktionsautomatisierung sollen durch eine Umorganisation 5.000 von 10.000 Stellen wegfallen. Siemens Business Services (SBS) will 2.400 Arbeitsplätze vernichten. Die Ankündigung massiver Stellenstreichungen ließ die Siemens-Aktien heute ansteigen, während der DAX nach der Bundestagswahl 1,25 Prozent verlor.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

regenwurm

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Siemens weltweit
« Antwort #10 am: 02:10:24 Di. 20.September 2005 »
Pro oder contra Wirtschaftsstandort - entscheiden Sie selbst!

Hier wird eine ständig aktualisierte Liste von Unternehmen stehen, die - leider - von sich reden machen, die Texte dazu können Sie selbst lesen und interpretieren.
Sie sind der Meinung, dass diese Unternehmen von Ihnen links liegen gelassen werden?

Demnächst stimmen wir hier ab...

Internetseite:
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ManOfConstantSorrow

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Re: Siemens weltweit
« Antwort #11 am: 12:21:42 Fr. 26.Juni 2009 »
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re:Siemens weltweit
« Antwort #12 am: 16:52:29 Mi. 30.März 2011 »
Zitat
Siemens-Chef Löscher peilt 100 Mrd. Euro Umsatz an

Der Konzern setzt sich ehrgeizige Ziele. Mit einem Großumbau will Peter Löscher den Umsatz kräftig ankurbeln. Experten rechnen auch mit großen Zukäufen.
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:konzernumbau-siemens-chef-loescher-peilt-100-mrd-euro-umsatz-an/60032756.html

counselor

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Re:Siemens weltweit
« Antwort #13 am: 16:17:19 Di. 21.August 2012 »
21.08.12 - Siemens prüft Abbau weiterer 10.000 Stellen

Laut einem Bericht der "Börsen-Zeitung" prüft Siemens die Vernichtung von weiteren über 10.000 Arbeitsplätzen. Festlegungen soll es voraussichtlich erst im Zeitraum von Oktober bis November geben.

Quelle: RF News
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Re:Siemens weltweit
« Antwort #14 am: 21:45:47 Sa. 01.September 2012 »
01.09.12 - USA: Siemens will Gewerkschaft verhindern

In Maryland, USA, hat Siemens einen der teuersten Anti-Gewerkschafts-Berater angeheuert; die Beschäftigten sind Einschüchterungen, Überwachung, Drohungen bis hin zur Kündigung und zum Verbot, über die Gewerkschaft überhaupt zu sprechen, ausgesetzt ...

Quelle: RF News
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