Autor Thema: Das Pharmakartell und seine Machenschaften  (Gelesen 2015 mal)

scalpell

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 236
  • ERRARE HUMANUM EST Irren ist menschlich
Das Pharmakartell und seine Machenschaften
« am: 01:09:14 Di. 13.Februar 2007 »
Hallo zusammen,

Zu was die Leute fähig sind habe ich ja schon gewusst aber ich glaube dieser Bericht von Dr. Plichta http://www.tierversuchsgegner.org/Contergan/prozessbetrug.html verdeutlicht wie Pharma, Justiz und Politik Hand in Hand arbeiten. Darum hat man gegen diese Ärzteschicht sehr geringe Chancen wenn man sie vor Gericht zerrt, da die Pharmamacht denen den Rücken stärkt warum sie ihren Einfluss den Ärzten zukommen lassen liegt doch auf der Hand. Ohne Arzt der dieses Spiel mitspielt kein Umsatz.

Da ist diese Aussage von Dr. Flenker in Panorama http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2006/t_cid-2828248_.html ja direkt schon eine kleine Revolution. Mich können inzwischen auch solche Berichte nicht mehr einschüchtern aber dieser Contergan Bericht lässt erahnen warum ein geschädigter Patient kaum zum Zuge kommt.

Contergan wird heute wiederverkauft an Drittländer gegen Lepra und auch in Brasilien wurden schon wieder Missbildungen von Säuglingen beobachtet die dieses Medikament verabreicht bekamen. Man hat ja gar keinen Einblick was hier alles für Schweinereien ausgehäkt und auch durchgezogen werden

Da bleibt uns nur noch unser Pessimismus denn das Verhalten der meisten Medikamentenabhängigen trägt auch nicht gerade dazu bei Aufklärung zu betreiben. Da die Menge stumm ist. Darum heißt es ja auch leise Sucht. Man will nicht auffallen muss aber irgendwie funktionieren und frisst dann notgedrungen alles was einem der Schamane auf den Rezeptblock schmiert.

Wenn du diesen Link gelesen hast wird dir auch klar warum sich die Politiker, die Medien so verhalten. Die Pharma macht viel Werbung im TV und in der Presse dies sind für die Betreiber riesige Umsätze und aus diesem Grunde werden sie auch keinen negativen Bericht schreiben was Pharma und Ärzte usw. angeht. Solche Sachen kommen meist auf öffentlich rechtlichen Sendern wenn überhaupt. Anscheinend ist das Thema nicht spektakulär genug. Man müsste mal einen Patienten im Zustand eines Delirium Tremens filmen und das ausstrahlen da würden die Leute vor den Flimmerkisten aus dem Sessel fliegen. Leider ist so was nicht machbar. Das Wort Medikamentenabhängig hört sich so harmlos an weil sich niemand darunter etwas konkretes vorstellen kann.
Gruss
Scalpell 8)
Die Plutokraten haben das Ruder in die Hand genommen
Die "Politiker" sind ihre Stimme

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 16078
  • Fischkopp
Re:Das Pharmakartell und seine Machenschaften
« Antwort #1 am: 17:41:02 Fr. 22.Juni 2012 »
Zitat
BGH-Urteil zu Bestechung
Ärzte dürfen Geldgeschenke von Pharmafirmen annehmen

Die Richter sprechen von "korruptivem Verhalten", strafbar seien selbst hohe Provisionen von Pharmafirmen an Ärzte aber nicht. Damit bleibt ein gewaltiger Graubereich unverfolgt.

http://www.stern.de/panorama/bgh-urteil-zu-bestechung-aerzte-duerfen-geldgeschenke-von-pharmafirmen-annehmen-1844700.html

Alle Bereiche des Lebens werden kaptalisiert.
Das Leben ist wertlos, wenn nicht noch irgendein Profit herausgeschlagen werden kann...

Das Gesundheitswesen ist das Paradebeispiel für die Verkommeheit dieses Wirtschaftssystems.

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 16078
  • Fischkopp
Re: Das Pharmakartell und seine Machenschaften
« Antwort #2 am: 20:36:20 Sa. 02.November 2019 »
Zitat
Frei von Moral und Menschlichkeit: Wie der Finanzmarkt an tödlichen Seuchen verdient

von Bernd Hontschik


Niemand weit und breit setzt der zynischen Kreativität des Finanzmarkts Grenzen.


Von 2013 bis 2016 hat Ebola in den westafrikanischen Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea, also in drei der ärmsten Länder der Welt, über elftausend Todesopfer gefordert. Die sogenannte Weltgemeinschaft hat der Katastrophe lange nur zugeschaut und dann viel zu spät mit Hilfsprogrammen und massiven Einsätzen vor Ort eingegriffen. Der Weltbankpräsident Jim Yong Kim sprach von „kollektivem Versagen“. Nach Schätzungen der Weltbank entstehen durch solche Pandemien jedes Jahr wirtschaftliche Schäden von mehr als 500 Milliarden Dollar.

Damit sich solche Katastrophen nicht in einem derart gewaltigen und unkontrollierbaren Ausmaß wiederholen können, haben sich die Anführer*innen der sieben größten Industrienationen im Jahr 2015 bei ihrem Gipfeltreffen auf Schloss Elmau etwas Feines ausgedacht. Sie gründeten einen Fonds, genannt Pandemic Emergency Financing Facility, kurz PEF. Dieser finanziert sich durch die Ausgabe von Anleihen, auf die sich Pensionskassen, Stiftungen und sonstige Vermögensverwalter sofort stürzten. Die Anleihen waren angesichts der weltweiten Niedrigzinsen rasch überzeichnet, denn die Weltbank versprach eine Rendite von bis zu 13 Prozent.

Ein einfacher Ebola-Ausbruch führt noch nicht zu einer Auszahlung der PEF-Gelder


Der PEF verfügt über ein Volumen von 500 Millionen Dollar, um betroffenen Ländern sofort helfen zu können. Aufgabe des Fonds ist es nach Auskunft der Bundesregierung, „die kritische Finanzierungslücke zwischen dem Beginn einer Gesundheitskrise und dem erfolgreichen Einwerben von Mitteln“ bei Geber-Konferenzen zu überbrücken, ein „innovatives Finanzierungsmodell unter Einbeziehung der Privatwirtschaft“. Aber eine derart exorbitant hohe Rendite gibt es natürlich auch beim PEF nicht ohne Risiko. Denn die ganze Konstruktion funktioniert wie eine Wette. Entweder kommt es nicht zu einer Epidemie, dann erhalten die Investoren nach einer bestimmten Zeit ihr Geld zurück und haben außerdem jedes Jahr dreizehn Prozent Rendite eingestrichen. Oder es kommt zu einem erneuten Krankheitsausbruch, dann wird der PEF an die betroffenen Länder ausgezahlt und das Geld ist für die Investoren weg, nur die Rendite ist ihnen geblieben. Ein einfacher Ebola-Ausbruch führt aber noch lange nicht zu einer Auszahlung der PEF-Gelder. Das ist streng geregelt. Der PEF kommt nämlich nur dann zur Auszahlung, wenn es vor Ort mindestens 250 Tote gegeben hat, und wenn mindestens zwei weitere angrenzende Länder davon betroffen sind, in denen es in einem vorgegebenen Zeitraum zu mindestens zwanzig Todesopfern gekommen sein muss.

Ebola ist erneut ausgebrochen


Die tödliche Infektionskrankheit Ebola ist nun vor wenigen Monaten erneut ausgebrochen, diesmal im Kongo. Der jetzige Ausbruch ist der zweitgrößte seit der Entdeckung des Ebola-Virus und hat dort bisher etwas mehr als 2000 Menschen das Leben gekostet. Jetzt müssen die Finanzinvestoren zittern. Aber noch sind sie hoffnungsvoll. Der PEF musste bislang keinen einzigen Cent seiner 500 Millionen auszahlen. Ebola darf weiter wüten. Denn bis heute hat die Seuche lediglich auf Uganda übergegriffen und dort erst zu einigen wenigen Todesfällen geführt.

Dass unser nationales Gesundheitswesen Schritt für Schritt zu einer marktgesteuerten Gesundheitswirtschaft mutiert wird, ist an sich schon zutiefst beunruhigend. Dass aber nun auch die internationale Finanzierung der Weltgesundheit von finanzmarktgesteuerten Wettbüros abhängt, die frei von jeder Moral und Menschlichkeit Tote und Länder zählen, ist nicht zu fassen. Während die Ärmsten der Armen sterben, werden die Reichsten der Reichen dadurch reicher. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis nicht nur die Bekämpfung, sondern schon der Ausbruch von Seuchen zum Gegenstand von Wetten und hohen Renditen werden wird. Niemand weit und breit setzt der zynischen Kreativität des Finanzmarkts Grenzen.

Dr. med. Bernd Hontschik ist Chirurg und Publizist. www.medizinHuman.de
https://www.fr.de/panorama/gesundheit-frei-moral-menschlichkeit-finanzmarkt-toedlichen-seuchen-verdient-13186302.html