Autor Thema: KiK - Millionen für Pooth - Ausbeutung bei den Beschäftigten  (Gelesen 61910 mal)

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12295
  • Fischkopp
Re:KiK - Millionen für Pooth - Ausbeutung bei den Beschäftigten
« Antwort #120 am: 14:25:00 Fr. 08.Juli 2016 »
Gnadenlose Ausbeutung zahlt sich aus:

Zitat
KIK wächst weiter

Der Textildiscounter KIK aus Bönen wächst weiter. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um acht Prozent. Das gab KIK am Donnerstag bekannt.


Skandale wie der Fabrikbrand in Pakistan mit 250 Toten halten die Menschen offenbar nicht davon ab, bei KIK einzukaufen. KIK hatte in der Fabrik ja Kleidung produziert. Das Unternehmen führt die guten Geschäfte auch auf das neue Design der Läden zurück. Ganz in Silbergrau. Dadurch wirkten die Läden heller und freundlicher. Und das hat offenbar völlig neue Kundengruppen zu Kik gelockt. Und es gibt noch einen zweiten Erfolgsfaktor: Die Läden im Ausland. Im vergangenen Jahr ist die Bönener Kette besonders stark in Polen und in den Niederlande gewachsen.
http://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/kik-bilanz-2015-100.html

admin

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2454
Re:KiK - Millionen für Pooth - Ausbeutung bei den Beschäftigten
« Antwort #121 am: 11:01:39 So. 13.November 2016 »
Zitat
Mit Recht gegen das System

Justiz 2012 brannte in Pakistan eine Fabrik. Darum droht dem Textildiscounter Kik ein Prozess in Dortmund




Nach dem Brand in Karachi könnte sich das ändern. Denn Kik war fast der einzige Abnehmer von Ali-Enterprises. Und darum saß Saage-Maaß im Januar 2013 in Pakistan mit Gewerkschaftern und von dem Brand Betroffenen zusammen. Es ist eine von bis heute sechs Reisen nach Karachi, an deren Ende ein gemeinsames Ziel steht: Kik in Deutschland vor Gericht zu bringen.

Fast vier Jahre später, im September 2016, sitzt Saage-Maaß in ihrem Berliner Büro und sagt: „Ich glaube: Recht kann helfen, Systemunrecht aufzuhalten. Es geht nicht nur darum, Recht anzuwenden, man muss das Politische dahinter sehen.“ Das ECCHR ist ein David im Vergleich zum Goliath Kik: 20 Mitarbeiter gegenüber 20.000, ein Etat von 2,3 Millionen aus Spenden und Fördergeldern gegenüber einem Nettoumsatz von 1,82 Milliarden Euro. Aushängeschild der Nichtregierungsorganisation ist der Anwalt Wolfgang Kaleck, der Edward Snowden vertritt und schon Mercedes und Donald Rumsfeld verklagt hat.

Es geht dem ECCHR darum, öffentliche Aufmerksamkeit für die Menschenrechtsverletzungen von Konzernen herzustellen und sie dafür zugleich rechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Letzteres kann frustrierend sein. Denn obwohl die Menschenrechte weltweit anerkannt sind, gibt es wenig rechtliche Möglichkeiten, sie durchzusetzen. Nur wenn Nationalstaaten sie in ihre Gesetze übernehmen, werden sie bindend. UN-Erklärungen wie die „Leitprinzipien für Unternehmen und Menschenrechte“, 2011 verabschiedet, sind nicht mehr als eine Empfehlung, der von der Bundesregierung aufgesetzte „Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ kaum mehr als eine Absichtserklärung. „Wir brauchen keine neuen Rechte, die Menschenrechtserklärung der UNO ist komplett“, sagt Saage-Maaß. „Was wir brauchen, ist eine bessere Durchsetzung.“ Das Problem: Deutsches Recht schützt eben nur Menschen in Deutschland. Was aber, wenn Firmen für Vergehen im Ausland verantwortlich sind?

In Karachi gründeten Überlebende und Angehörige von Opfern 2014 eine eigene Organisation, die Baldia Factory Fire Affectees Association, und geben als Ziel aus: „Wir wollen Gerechtigkeit, wir wollen, dass sich langfristig etwas ändert und wir wollen, dass man uns zuhört.“ Es gelte, die Rechte der Betroffenen in Pakistan selbst zu vertreten – und in Deutschland: Mit dem ECCHR klagen sie auf Schmerzensgeld. Da Kik seinen Sitz im Ruhrgebiet hat, landet der Fall in Dortmund.

Weil im deutschen Zivilrecht nur Einzelpersonen klagen dürfen, wählt die Baldia Factory Fire Affectees Association vier Vertreter aus, jeder soll 30.000 Euro Schmerzensgeld erhalten. Muhammad Hanif, der junge Mann mit der Rauchvergiftung, ist einer von ihnen. Zwar hat Kik Betroffenen inzwischen finanzielle Unterstützung in Höhe von 6,15 Millionen US-Dollar zugesagt. Doch dank der Klage geraten der Fall und die grundsätzliche Frage nach der Verantwortung nicht in Vergessenheit. Hanif und die anderen können ihre Geschichte wieder und wieder erzählen. Saage-Maaß glaubt, schon das ändere etwas vor Ort.

Für den Prozess hat das ECCHR den Anwalt Remo Klinger engagiert, einen in Menschenrechtsfragen erfahrenen Juristen. Er sagt: „Würden wir auf der Basis deutschen Rechts prozessieren, wären die Chancen gering.“ Deshalb beruft sich Klinger in Dortmund auf pakistanisches Recht, das dem britischen Common Law folgt und auf Präzedenzfällen basiert. Diese Form der Klage ist politisches Neuland, ob das Landgericht der Argumentation folgt, ist offen. Es ist noch nicht einmal sicher, ob es den Fall überhaupt behandeln wird. Doch im August bekamen die Opfer immerhin Prozesskostenhilfe bewilligt. Ein gutes Zeichen, glaubt Saage-Maaß, denn diese Hilfe erhält eigentlich nur, wer mit einer Klage „hinreichende Aussicht auf Erfolg“ hat. Allerdings kann sie auch ohne Einschätzung der Aussichten gewährt werden, wenn eine sehr schwierige Rechtssituation vorliegt, worauf sich das Gericht in Dortmund berufen hat.

Unglaubliche Naivität

Den Discounter Kik haben die Aktivisten aus Pakistan und Deutschland jedenfalls schon ordentlich zum Rotieren gebracht. Erklärte das Unternehmen noch 2012, trotz seiner Zahlung einer ersten Soforthilfe von einer Million Dollar trage es selbst keine Verantwortung für den Brand, engagierte es 2015 eine PR-Agentur, deren Vorstandschef Michael Inacker schon für Daimler, Wirtschaftswoche, Metro und Handelsblatt gearbeitet hat. War Kik gegenüber Medien bis dato als wenig auskunfts-, dafür umso mehr klagefreudig bekannt, startet es nun eine PR-Offensive, beantwortet Anfragen und initiiert Image-Kampagnen.

Die vor dem Landgericht Dortmund erhobenen Ansprüche auf Schmerzensgeld aber weist Kik zurück. Auf Freitag-Anfrage schreibt das Unternehmen: „Die Verpflichtung zum Schutz von Menschenrechten bleibt Aufgabe der Staaten.“

Für die Juristen vom ECCHR ist das ein Feigenblatt. „Es herrscht eine unglaubliche Naivität bei Juristen und Politikern über den Einfluss von Unternehmen“, sagt etwa Miram Saage-Maaß. „Kik ist nicht nur ein Abnehmer, Kik ist der Boss.“ Ihr zufolge fehlt der politische Wille, wirklich etwas zu verändern. „Das ist die schmutzige Seite der Globalisierung“, sagt sie, die Konzerne wüssten sehr genau, was an Standorten im globalen Süden passiert.

Das Landgericht Dortmund hat nun erst einmal beschlossen, bei einem Sachverständigen ein Gutachten zum pakistanischen Recht einzuholen. Es soll vor allem klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Haftung der Beklagten gegenüber den Klägern gegeben sein könnte.

Das ECCHR arbeitet zeitgleich schon am nächsten Fall: Die Organisation will klären, ob Heckler & Koch mit mutmaßlich illegalen Waffenlieferungen nach Mexiko Mitverantwortung für das Massaker an Studenten im Bundesstaat Guerrero 2014 trägt, mit sechs Toten und 43 Verschleppten.
https://www.freitag.de/autoren/paul-hildebrandt/mit-recht-gegen-das-system-1

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12295
  • Fischkopp
Re:KiK - Millionen für Pooth - Ausbeutung bei den Beschäftigten
« Antwort #122 am: 06:57:16 Do. 29.November 2018 »
Zitat
Klage gegen KIK
Der Preis der Billigkleidung

Die Kleidung von KIK ist spottbillig. Die Produktion wird immer wieder von verheerenden Unfällen und Bränden begleitet.
http://www.fr.de/politik/klage-gegen-kik-der-preis-der-billigkleidung-a-1629302,0#artpager-1629302-1

Ich möchte hier nicht über das altbekannte Thema der fiesen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie reden.
Diese Überschrift ist in meinen Augen ein Beispiel für den Zeitgeist.
Man kennt nicht mehr Klassenkampf, man redet bestenfalls von Boykott und der Macht der Konsumenten.
Es ist Schwachsinn darauf herumzureiten, daß es sich um "Billigklamotten" handelt.
Auch teure Markenklamotten werden unter Sklavenbedingungen hergestellt.

Das Problem ist NICHT der Konsument mit seiner "Geiz-ist-geil-Mentalität" (ein Argument, das ich hasse!), sondern die Profitgier des Unternehmers.
Dieses Geiz-ist-geil-Argument macht den Armen in Deutschland zum Schuldigen an den Arbeitsbedingungen in Bangladesch, während die Mittelschicht sich unter bestimmten Labeln ein gutes Gewissen kauft, was die Arbeitsbedingungen in Südostasien jedoch nicht verbessert.

Kämpfen können die Textilarbeiterinnen in Asien und die KiK Beschäftigten hier. Deren Kämpfe kann man mit Öffentlichkeitsarbeit und Boykottaktionen unterstützen. Diese Aktionen können die notwendigen Kämpfe nicht ersetzen.