Autor Thema: "Freie" Journalisten  (Gelesen 38156 mal)

Kuddel

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"Freie" Journalisten
« am: 14:00:09 Mi. 28.Februar 2007 »
Outsorcing gibt es überall in der Wirtschaft. Atomisierung der Belegschaften. Härtestes Lohndumping.

Die Printmedien sind ein gutes Beispiel. Es gibt kaum noch festangestellte Journalisten. "Freie" tun es billiger.

Die Kieler Nachrichten zahlen einem festen Fotografen 50 EUR pro Foto. Einem "Freien" 25 EUR. Bei der schreibenden Zunft sieht es noch schlimmer aus: Honorar für den Festen beträgt ein Euro pro Zeile, für den Freien nicht einmal die Hälfte: 40 Cent.

euerHofnarr

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"Freie" Journalisten
« Antwort #1 am: 14:38:02 Mi. 28.Februar 2007 »
und wie so oft wird das früher oder später Auswirkung auf die QUALITÄT haben.  Meiner Meinung nach die logische Konsequenz.

Irgendwann sind Flugblätter aus "Underground"-pressen DIE Niveau-Literatur ! (vielleicht habe ich auch nur zu viele Endzeit-Filme gesehen).

gha

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"Freie" Journalisten
« Antwort #2 am: 00:42:12 Di. 03.Juli 2007 »
Zitat
Original von euerHofnarr
und wie so oft wird das früher oder später Auswirkung auf die QUALITÄT haben.
Ist das nicht schon lange so? Eine Meldung im Netz wird hier und dorthin kopiert mitsamt Rechtschreib- und Inhaltsfehlern.

Dennoch gibt es ja nun Journalisten, die auch gut arbeiten - wie schaffen die das?

ManOfConstantSorrow

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"Freie" Journalisten
« Antwort #3 am: 13:40:28 Mo. 10.Dezember 2007 »
Zitat
Martin Dieckmann, medienpolitischer Referent von ver.di, analysiert in seinem Beitrag die aktuellen Veränderungen des Jounalismus. Sein Befund: Nie war – angesichts der Potenziale wie der Gefährdungen von Qualitätspublizistik – die publizistische Mitbestimmung so wichtig wie heute. Morgen wird sie noch wichtiger sein denn je.
http://www.qualitaet-und-vielfalt-sichern.de/debatte/martin_dieckmann_journalismus_in_der_content-industrie
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

dagmar

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"Freie" Journalisten
« Antwort #4 am: 19:53:15 Mo. 10.Dezember 2007 »
hat meome ein Portal gegründet - sie nannten sich Expertenportal - (darin hatte auch ich eine Rubrik) es wurden 100 Teuros für den Monat bezahlt, dafür war pro Woche ein Bericht erforderlich, Forenbeiträge ect.

Das sich das nicht gerechnet hat und wohl auch der Eintritt bei Freenet der noch übrigen Portale, meines und andere wurden geschlossen oder zusammengelegt, ist ein paar Stiefel.

Das aber der Grundgedanke auch der ist sich billige Schreiber anzulachen ist ein anderer. Genau da geht es ans Eingemachte.

Die Journalisten die gut sind, die haben einfach das "Feeling" denke ich, egal ob frei oder angestellt - und - sie sitzen beim richtigen Organ. Was hilft der Megaschreiber für Politik, der in einer unpassenden Redaktion bzw. einem unpassenden Medium sitzt. Eigentlich komisch, wenn man sich überlegt (da denke ich jetzt an meome) dass jeder seine Meinung als Experte publizieren kann, was auch noch hochgeputzt wird, obwohl es nur Lischen Maier aus der Gartengasse ist.... So viel zum Thema Qualität - und Informationsqualität...

Lieben Gruß von Dagmar

ManOfConstantSorrow

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Re: \
« Antwort #5 am: 11:41:41 Sa. 18.Juli 2009 »
Zitat
Rahmenvertrag: Freelens klagte vor Landgericht Hamburg
Einstweilige Verfügung gegen Bauer-Verlag

Die Gewerkschaften nehmen den Hamburger Bauer-Verlag in die Zange. Während Ver.di und DJV gegen die neuen Rahmenverträge für freie Journalisten via Web-Protest wettern, erwirkte die Fotografen-Vereinigung Freelens am heutigen Freitag vor dem Hamburger Landgericht eine Einstweilige Verfügung. Das Gericht erklärte, dass die vom Bauer herausgegebenen Verträge für Fotografen, unzulässige Buy-out Klauseln enthalten. Der Verlag bestätigte gegenüber MEEDIA lediglich, dass man die Einstweilige Verfügung prüfe.


"Der Heinrich Bauer-Verlag hat versucht, sich mit einer einmaligen Honorarzahlung die umfassenden Nutzungsrechte an den Fotos für alle seine Zeitschriften und für Dritte zu sichern", schreibt Freelens-Geschäftsführer Lutz Fischmann. "Ein solcher Buy-out Vertrag verstößt gegen geltendes Recht."

Freelens argumentiert, dass der Gesetzgeber ausdrücklich das Prinzip einer angemessenen Vergütung der Urheber in das Urheberrechtsgesetz aufgenommen habe. "Gegen dieses Leitbild hat der Heinrich  Bauer Verlag verstoßen."

Besonders umstritten ist offenbar ein Passus, in dem Bauer versucht haben soll, eine "immaterielle Vergütung“ einzuführen. In dem Vertrag heißt es: „Zwischen den Vertragsparteien besteht Einvernehmen, dass bei der Abgeltung der Rechte durch das Honorar auch berücksichtigt wurde, dass das Renommee des Objektes bzw. die Marke / der Titel des Objektes als zentraler Wertbildungsfaktor für die Vermarktbarkeit der Werke bedeutsam ist. Das Renommee kommt dabei auch dem Urheber zugute...“

Auch Ver.di und der DJV kämpfen gegen die neue Vertragsbedingungen für freie Journalisten. Um den Widerstand zu koordinieren, hat der DJV bereits eine Protest-Site gestartet.

Der DJV ist der Meinung, dass mit den neuen Bedingungen freie Autoren und Fotografen gezwungen werden würden, die Rechte an ihren Beiträgen und Fotos für umfangreiche Nutzungen des Bauer-Verlags und Dritte freizugeben. "Für Mehrfachnutzungen sollen sie keinerlei gesonderte, angemessene Vergütung erhalten. Darüber hinaus wird das Recht auf Namensnennung verwässert", heißt es in der auf der neuen Protest-Seite bauerprotest.djv-online.de.



„Der Verlag will sich durch die Klauseln zu einer Nachrichtenagentur mausern, die die Beiträge weltweit nutzt und weiter vermarktet“, sagt  DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.

Der Protesttext gipfelt in der Forderung: "DJV und ver.di fordern den Bauer-Verlag auf, die Geschäftsbedingungen sofort zurückzuziehen und sich an den Verhandlungstisch zu setzen."

Bereits am gestrigen Donnerstag hatte der Konzernbetriebsrat von Bauer erklärte die Proteste zu unterstützen. Die Betriebsratsvorsitzende Kersten Artus schrieb an die "lieben Kollegen und Kolleginnen vom DJV": "Ich danke euch für die Initative! Ich hoffe, sie wird viele ermuntern, sich gegen diese Bedingungen zu wehren. Auch bei uns bei Bauer sollte es heißen: Gute Arbeit gibt es nur für gutes Geld."
http://meedia.de/details/article/einstweilige-verfgung-gegen-bauer-verlag_100021895.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re:\
« Antwort #6 am: 12:44:36 Do. 14.Januar 2010 »
Zitat
Stellungnahme von Freischreiber e.V. zu den gemeinsamen Vergütungsregeln für Tageszeitungen

Freischreiber e.V., der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, lehnt die „Gemeinsamen Vergütungsregeln“ ab, welche die Journalistengewerkschaften und der Verlegerverband für freie Tageszeitungsjournalisten ausgehandelt haben. Nach sechs Jahren Verhandlung haben sich DJV und dju mit dem BDZV auf Honorarreglungen verständigt. Am 5. Januar 2010 wurde das Ergebnis veröffentlicht – stimmen die Gremien der Verbände zu, treten die Regelungen ab dem 1. Februar in Kraft. Freischreiber e.V. hält die Vereinbarungen jedoch für unzureichend. „Es wäre für freie Journalisten fatal, solche Vergütungsregeln zu akzeptieren“, so Lars Reppesgaard, Vorstandsmitglied von Freischreiber. „Die nun ausgehandelten Vereinbarungen stellen keine angemessene Vergütung dar.“ Denn die vereinbarten Regelungen zementieren Bedingungen, unter denen professioneller, unabhängiger, sauber recherchierter Journalismus durch freie Journalisten nicht möglich ist...
http://www.freischreiber.de/home/stellungnahme-von-freischreiber-ev-zu-den-gemeinsamen-verg%C3%BCtungsregeln-f%C3%BCr-tageszeitungen


Zitat
Der Freischreiber-Tarifservice
Wie viele Zeilen müsste ich schreiben, um das Gehalt meines Putzmanns auf dem Konto zu haben? Und wie viele Artikel ergeben ein Arzt-Gehalt? Die Antworten gibt jetzt der kleine Freischreiber-Tarifrechner auf einen Blick. Sie können ihn mit Hilfe einer Schere ganz einfach selbst basteln und werden von seinem Nutzen sofort überzeugt sein! Freischreiber reagiert mit dem Werkzeug auf Veränderungen ab 1. Februar 2010...
http://www.freischreiber.de/home/der-freischreiber-tarifservice

Moviemaker

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Re:\
« Antwort #7 am: 10:49:28 Do. 08.April 2010 »
Ich denke auch, dass Texte, die in der Undergroundszene entstehen meist die besten sind.
Denn es ist doch so. Festangestellte Journalisten haben Druck und müssen viel abliefern.
Private Schreiberlinge können sich meistens mehr Zeit nehmen und sind freier.
Die Zeit, sich Gedanken zu machen, macht den Unterschied!
Nicht die Ausbildung, die man hat.
Das ganze Denken macht mich alt.

Kuddel

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»Die fieseste Redaktion bekommt den Hölle-Preis«
« Antwort #8 am: 17:36:28 Do. 15.September 2011 »
Freie Journalisten starten eine Kampagne, um Arbeitsbedingungen und Bezahlung zu verbessern. Ein Gespräch mit Silke Burmester, freischaffende Journalistin und aktiv bei den Freischreibern, einem Berufsverband für freie Journalisten mit aktuell rund 400 Mitgliedern.

http://www.jungewelt.de/2011/09-15/025.php

http://www.freischreiber.de/

Judy

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Re:\
« Antwort #9 am: 17:46:25 Do. 15.September 2011 »
https://www.textbroker.de/
Das solltet ihr euch mal reintun, die Billigschleuder für Texte und der wohl größte Ausbeuter der freien Autoren. Aber Hauptsache man kann im Bekanntenkreis rumerzählen, man ist Autor. Hab mich da mal angemeldet und Kritiken gelesen, es kommt so in etwa auf ein Euro pro Stunde raus, oft noch weit darunter, was man dort verdient.  Sowas gehört definitiv verboten, das macht vielen Journalisten den Lebensunterhalt kaputt. Viele konnten sich irgendwie ins Billigausland retten hatten irgendein hübsches Häuschen fast für lau sagen wir mal in Portugal oder wo immer Lebenshaltungskosten niedring sind und haben halt übers Internet gearbeitet. Aber bei 1 Euro Stundenlohn und noch niedriger...
http://www.ciao.de/textbroker_de__Test_3115397
Wieso der im Bericht nicht darauf kommt, dass das Jobvernichtung für Journalisten ist, weiß ich auch nicht.

Kuddel

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Re:\
« Antwort #10 am: 12:24:13 Mo. 10.März 2014 »
Zitat
»Sie sind in der Regel Einzelkämpfer«

Freie Journalisten verdienen durchschnittlich 11000 Euro im Jahr. Und haben keine Rücklagen, um einen Rechtsstreit durchzustehen.
http://www.jungewelt.de/2014/01-30/007.php

Das wären ca. 900€ im Durchschnitt. Es sind also nicht wenige, die vielleicht 500 oder 600 Tacken im Monat "verdienen".  8o

Dearhunter

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Re:\
« Antwort #11 am: 22:05:07 Mo. 10.März 2014 »
Der Schluss ist falsch. Der Titel auch.

Das steht nur, dass die Journalisten, die bei der Künstlersozialkasse versichert sind, etwa 11 000 im Jahr haben.

Da dürften aber nur sehr wenige sein, also nur die, die sich als Künstler sehen. Die anderen - geschätzt der größte Teil - ist eben woanders versichert.

Das sagt als NICHTS darüber aus, wieviel freie Journalisten verdienen, sondern nur, was die wenigen verdienen, die DA versichert sind.


DH

Kuddel

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Re:\
« Antwort #12 am: 23:12:42 Mo. 10.März 2014 »
Sitzt dir ein Furz quer oder warum läßt du hier das Forenarschloch raushängen?
Erst jemanden, der 500€ von Oma nicht gleich dem Arschamt schenkt, mit Ulli Hoeneß gleichzusetzen und jetzt einfach dummbräsig behaupten, Freie Journalisten würden nicht prekär bezahlt... Geh doch lieber in ein FDP Forum, du Laberhannes. :evil:

Jeder, der kann, versucht in die Künstlersozialkasse zu kommen, weil sie viel günstiger ist, als jede andere Kasse. Kameraleute haben Probleme in die KÜSO zu kommen, denn sie gelten als Medienhandwerker, die nur Befehle ausführen. Jornalisten kommen quasi automatisch in die KÜSO, denn das gilt als kreativer Beruf, auch wenn man nur über Feuerwehrfeste und die Eröffnung von Baumärkten schreibt.

schwarzrot

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Re:\
« Antwort #13 am: 23:20:45 Mo. 10.März 2014 »
Ja, war Kuddel schneller.  ;)
Der Schluss ist falsch. Der Titel auch.

Das steht nur, dass die Journalisten, die bei der Künstlersozialkasse versichert sind, etwa 11 000 im Jahr haben.

Da dürften aber nur sehr wenige sein, also nur die, die sich als Künstler sehen. Die anderen - geschätzt der größte Teil - ist eben woanders versichert.
Du kannst davon ausgehen, dass der überwiegende teil der freiberuflichen journalisten in der künstlersozialkasse sind.
Das hat nicht mit 'künstler' sein wollen zu tun, sondern damit, dass du als 'wortkreativer' nur schwer eine günstigere krankenkasse finden wirst (die KSK bezahlt für dich die AG hälfte!).
D.h. du kannst davon ausgehen, dass journalistische freiberufler, vor allem mit geringem einkommen in überwiegendem fall einen antrag zur KSK stellen.
Leider nimmt die KSK nicht jeden (man muss nachweisen, dass man davon leben kann, das kein hobby ist).
Zitat
Das sagt als NICHTS darüber aus, wieviel freie Journalisten verdienen, sondern nur, was die wenigen verdienen, die DA versichert sind.

Kenne im meinem umfeld zudem 'freie' journalisten: 1000 eus pro monat hinzubekommen, ist für die mehrheit gar nicht so einfach, daher kommt mir die schlagzeile gar nicht so falsch vor.
Du darfst 'freie' nicht mit festangestellten 'redakteuren' vergleichen, letztere haben mehr als 1000 und sind auch nicht in der KSK (da festbeschäftigt).
Kennst du denn leute in diesem bereich, oder was macht dich so sicher?
"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

Wieder aktuell: Bertolt Brecht

Dearhunter

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Re:\
« Antwort #14 am: 03:01:52 Di. 11.März 2014 »
Ich kenne wirklich keine, das ist wahr, ich kenne nur ein paar festangestelle Lokalredakteure.

Aber selbst wenn man welche kennt, sind das nicht alle. Dazu muss ich mir ganz sicher noch klare Zahlen zusammensuchen, die du auch nicht bringst.

Wo finde ich detailierte Statistiken zu den Künstlerkassen?


DH