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Jim Knopf

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aus www.bahn.de
« Antwort #15 am: 14:52:23 Do. 15.Mai 2003 »
In der 2. Instanz wurde das Streikverbot wieder zurückgenommen.

Die Bahn hat aber gemerkt, daß die Lokführer es ernst meinen und hat deren Forderungen erfüllt um einen Streik zu vermeiden.

Schade eigentlich...

Jim Knopf

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aus www.bahn.de
« Antwort #16 am: 10:05:31 Di. 20.Mai 2003 »
Bahn überlegt Änderung des umstrittenen Preissystems

Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bahn überlegt angeblich, ihr umstrittenes Preissystem zu ändern. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Grund seien sinkende Umsatz- und Ergebniszahlen seit Jahresbeginn. Konzernchef Hartmut Mehdorn wolle dem Aufsichtsrat heute bereits erste Änderungen vorstellen. Nach den verfehlten Zielen im Fernverkehr werden personelle Konsequenzen im Spitzenmanagement der Bahn nicht mehr ausgeschlossen. Auch Politiker der rot-grünen Koalition haben bereits Konsequenzen gefordert.

dpa/online vom 20.05.2003 09:14


Die Bahnkunden haben die Faxen dicke. Wäre schön (weil wirkungsvoller) wenn die Wut der Bahnkunden und des Personals zusammenfinden würden.

WOP (Gast)

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aus www.bahn.de
« Antwort #17 am: 15:10:02 Sa. 31.Mai 2003 »
Der Zustand der Bahn schreit wirklich danach, dass Widerstand gegen die völlige Zerschlagung der Flächenbahn geleistet und wir alle ins Auto gezwungen werden. Aber man darf halt nicht auf andere warten, sondern muss selber aktiv werden. Und es gibt schon ein paar Adressen, an die man sich wenden kann:

www.buergerbahn-statt-boersenbahn.de/
www.bahnvonunten.de/

Heizer

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aus www.bahn.de
« Antwort #18 am: 12:19:11 Fr. 13.Juni 2003 »
Bahn dementiert konkrete Stellenabbaupläne
Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn hat Berichte über einen weiteren massiven Abbau von mehr als 40 000 Stellen zurückgewiesen. "Es gibt keine konkreten Pläne für einen Stellenabbau in dieser Größenordnung", sagte ein Konzernsprecher in Berlin. Bahnchef Hartmut Mehdorn habe lediglich erklärt, er könne sich vorstellen, das Geschäft in einigen Jahren auch mit 10 bis 20 Prozent weniger Personal zu bewältigen.


Es gebe aber auch andere Möglichkeiten, Kosten zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Personalabbau sei nach wie vor kein Unternehmensziel. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf Mehdorn berichtet, dass die Zahl der 210 000 Bahn-Beschäftigten um mehr als 40 000 reduziert werden könne.

Die Bahn hatte allein in den vergangenen zehn Jahren bereits 170 000 Arbeitsplätze gestrichen. Das "Handelsblatt" zitierte Mehdorn mit den Worten: "Aber wir sind nicht am Ende und wir glauben, dass wir noch einmal 20 Prozent weniger Mitarbeiter haben können." Der Abbau werde vor allem die Verwaltung treffen, habe Mehdorn in London erklärt. Einen Zeitplan gebe es nicht.

Die Gewerkschaft Transnet befürchtet seit langem den Abbau von rund
37 000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2007. Dies hatte die Bahn stets dementiert. Bisher hatte der Staatskonzern auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Dies soll auf Grund eines Beschäftigungsbündnisses vorerst bis Ende 2004 so bleiben. Eine Verlängerung bis 2007 war zunächst nach einem Streit zwischen Konzern und Gewerkschaften über neue Tarifregeln im Regionalverkehr gescheitert. Inzwischen reden aber beide Seiten wieder miteinander. "Wir sind mit den Gewerkschaften auf gutem Weg", sagte der Sprecher.

dpa/ecoline vom 13.06.2003 09:44



Es ist schon fast langweilig immer neue Meldungen mitzukriegen wie die Bahn immer weiter heruntergewirtschaftet wird, sowohl für Personal alsauch für die Kunden. Mehdorn interessiert sich für beide nicht, nur der Börsengang der Bahn ist ihm wichtig.

Die Kunden laufen der Bahn in scharen davon, sie haben auch kein anderes Druckmittel (die schriftlichen Beschwerden haben sich mehr als verdoppelt). Und das Bahnpersonal starrt wie ein hypnotisiertes Kaninchen auf die Schlange. Das Bahnpersonal hat die Möglichkeit und die Druckmittel die Skandalöse Bahnpolitik zu Fall zu bringen. Die Sympathie der Bahnkunden hätten sie in jedem Fall auf ihrer Seite. Doch solange sie auf den ersten Schritt der zahnlosen Gewerkschaften warten wird nie etwas geschehen!

Mr.K.

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aus www.bahn.de
« Antwort #19 am: 17:38:12 Sa. 14.Juni 2003 »
Bei den streikenden Eisenbahnern
Normalerweise stellt bei größeren sozialen Konflikten in Frankreich die Arbeitsniederlegung im Transportsektor eine Art von Initialzündung dar, da sie alle gesellschaftlichen Sektoren trifft und den wirtschaftlichen Alltagstrott unterbricht. Zwar begann am 2. Juni der Ausstand in den Transportbetrieben: bei der Bahngesellschaft SNCF sowie den örtlichen Verkehrsbetrieben in 50 französischen Städten. Doch er bleibt bisher selbst von starken Ungleichheiten in der Mobilisierung geprägt.

Am Dienstag morgen um halb neun, im Bahndepot Ourcq am nordöstlichen Stadtrand von Paris ist die Stimmung noch gut. In der Weichensteller-Station sind sämtliche 30 Beschäftigten im Ausstand, die meisten sind auch zur Vollversammlung erschienen. Bei deren Eröffnung wird festgestellt, dass insgesamt 40 Prozent der über 300 Mitarbeiter des Eisenbahnerdepots die Arbeit nicht aufgenommen hatten. "Aber einige gewerkschaftliche Vertrauensmänner sind bei der Arbeit, auch solche von der CGT", kritisiert Sébastien von der linken Basisgewerkschaft SUD Eisenbahn (SUD Rail).

Aber zwei Stunden später am Pariser Ostbahnhof sehen die Dinge anders aus. 34 Beschäftigte sind zur Vollversammlung in der Gare de l¹Est ­ in einer Pakethalle gegenüber vom Abfahrtgleis Nummer 20 ­ erschienen. 800 könnten theoretisch an ihr teilnehmen. Hier sind nur die Weichensteller und die SchalterbeamtInnen zusammengekommen, denn die Lokomotivführer sowie die Fahrkartenkontrolleure haben ihre eigenen Versammlungen. "Die Gewerkschaftsapparate wollen nicht, dass gemischte Versammlungen abgehalten werden, da sie kleinere und getrennte Versammlungen leichter kontrollieren können", meint der Versammlungsredner Basile, der selbst Weichensteller ist. "Letzte Woche (beim Streiktag am 3. Juni) konnte ich eine gemischte Vollversammlung in der Gare de l`Est mit 150 Teilnehmern durchsetzen", aber inzwischen sei die Dynamik weg und die Luft eher draußen.

"Zwei Dinge", analysiert Basile (Mitglied bei SUD Rail) im Anschluss, "sind gleichermaßen verantwortlich für die wahrscheinliche Niederlage dieser Mobilisierung".

Zum Einen sei, und darin stimmen alle anderen Anwesenden mit ihm überein, "Mitte Mai die wesentliche Chance verschenkt worden". Damals, im Anschluss an den ­ in dem Ausmaß unerwarteten ­ Erfolg der Demonstrationen vom 13. Mai, traten Bahn-, Bus- und Métro-Beschäftigte in den spontanen Ausstand. Doch sie waren durch die Gewerkschaften zurückgepfiffen worden, vor allem durch die CGT, die bis in die Neunziger Jahre als KP-nahe galt, aber heute vor allem als vernünftigte Verhandlungspartnerin ernst genommen werden will. Die CGT half den Ausstand abzuwürgen, und predigte stattdessen eine "kontrollierte Eskalation" mit einem Aktionskalender von gestaffelten Aktions- und Streiktagen: am 25. Mai, am 3. Juni, am 10. Juni - "Die Beschäftigten verstehen nichts mehr in der Abfolge der auseinander gerissenen Aktionstage, sie fühlen sich manipuliert und ziehen sich zurück", meint Basile.

Zum anderen habe aber auch die Regierung seitdem Zeit gefunden, auf die Krise zu reagieren. In den Tagen vor dem 2. Juni habe sie den Transportbeschäftigten schriftlich garantiert, dass ihre Renten nicht von der aktuellen "Reform" betroffen seien ­ denn sie verfügen über eigene Rentenkassen, die vom aktuellen Gesetzentwurf ausgeklammert bleiben.

Das bleibe nicht von langer Wirkung, befürchtet René, ein alter Eisenbahner: "In den Bestimmungen zu den Sonder-Rentenkassen gibt es einen Passus, wonach ein öffentlicher Dienst sein spezifisches Rentenregime verliert, wenn er weniger als 150.000 Beschäfigte hat. Die Eisenbahner sind heute 170.000. Es genügt, dass die Regierung morgen einigen älteren Beschäftigten eine attraktive Vorruhestandsregelung vorschlägt ­ und die Garantie von heute löst sich in Schall und Rauch auf!"  Er hält es für wahrscheinlich, dass im Jahr 2004 oder 2005 auf solche Weise eine größere Zahl von älteren Mitarbeitern ­ unter durchaus attraktiven Bedingungen ­ verabschiedet wird, und dass jüngere Beschäftigte mit privatrechtlichem Vertrag eingestellt würden. Ähnlich wie bei der Post, wo fast nur die längerjährigen Beschäftigten noch das Statut als öffentlich Bedienstete haben, während die Jüngeren einen (unbefristeten, aber privatrechtlichen) Vertrag nach dem Beschäftigungmodell "Sesam" haben. Wenn aufgrund dieser Vertragskonstruktion eine gewisse Anzahl von Jüngeren in Lohn und Brot gebracht werden kann, dann wird sich das in der Öffentlichkeit legitimieren lassen. Zugleich wird dadurch, so René, in einigen Jahren die Anzahl der öffentlich Bediensteten bei der Bahn definitiv unter die 150.000-Schwelle gedrückt werden. Mit dem besonderen Rentenstatut (das es den meisten Eisenbahnern erlaubt, mit 55 Jahren zu gehen, den Lokomitivführern aus historischen Gründen gar mit 50) wäre es dann definitiv vorbei.

Deswegen widersetzt sich ein harter Kern auch bei den Eisenbahnern heute der Renten"reform". Aber das Problem ist da: Der Transportstreik hat nur halbe Wirkung ­ er trifft vor allem die Lohnabhängigen, die eben länger für den Weg zur Arbeit benötigen, aber kaum die dominierenden ökonomischen Interessen. Denn der wirtschaftliche Alltagsbetrieb läuft weiter, mit etwas reduziertem Bus- und Zugverkehr. Auf mittlere Frist hin droht er damit aber die umgekehrte als die beabsichtigte Wirkung hervorzurufen: Viele Nutzer der Transportmittel, die oft selbst unter prekären Bedingungen arbeiten, proklamieren schon heute ihr "Ras le bol" (Schnauze voll). Wie die Demonstranten. Nur richtet es sich in ihrem Fall, mit zunehmender Tendenz, gegen die "lästigen Streiks". Bisher erklären in Umfragen 63 bis 65 Prozent ihre "Solidarität" oder "Unterstützung" für die soziale Bewegung gegen die Rentenreform. Zugleich meinen einer jüngsten Umfrage der Agentur Publicis für die Regierung (freilich dürfte der Auftraggeber eine gewisse Rolle bei der Orientierung des Gesamtergebnisses gespielt haben) zufolge, angeblich 45 Prozent, dass die aktiv Protestierenden "übertreiben". Das Umkippen eines Teils der öffentlichen Meinung ist daher zumindest gut möglich.

Jim Knopf

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« Antwort #20 am: 00:33:02 Mo. 23.Juni 2003 »
Bahn spart bei Wartung der Hochgeschwindigkeitszüge

München (dpa) - Die Deutsche Bahn AG will mit einem neuen Wartungsmodell "Projekt Express" angeblich Millionen einsparen. Wie der "Focus" berichtet, sollen ab 1. September alle Reparaturen und Wartungen an den ICE-Zügen nachts und am Wochenende stattfinden. Zudem wolle die Bahn die Inspektionsintervalle verlängern: Statt bisher 60 000 sollen die Hochgeschwindigkeitszüge künftig erst nach 80 000 Kilometern gewartet werden. Der Fahrverband "Pro Bahn" kritisierte das Vorhaben als viel zu riskant.

dpa/online vom 22.06.2003


Als wären ähnliche Strategien in Groß Britannien nicht mit genug Blut bezahlt worden. Menschenleben zählen aber nur wenig, wenn es um so wichtige Dinge, wie Profit geht....

Jim Knopf

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aus www.bahn.de
« Antwort #21 am: 19:54:10 Fr. 18.Juli 2003 »
Vor etwa 2 Wochen standen in Belgien alle Züge still.
Etwa zur gleichen Zeit wurde ein zweiwöchiger Hungerstreik gegen die Schließung eines deutschen Bahnbetriebs abgebrochen. Die Probleme sind Europaweit ähnlich. Und überall wehrt man sich. Es schreit förmlich nach grenzüberschreitender Solidarität und Europaweiten Aktionen. Die Deutschen Bahngewerkschaften stellen sich da bisher quer. BAHNVONUNTEN hat inzwischen einen internationalen Aufruf (aus Madrid) zu gemeinsamen Widerstand mitunterzeichnet. Es scheint nötig das ausserhalb der wenig tauglichen gewerkschaftlichen Kanäle weiterzuverbreiten.

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aus www.bahn.de
« Antwort #22 am: 12:57:00 Di. 19.August 2003 »
Wenn Bus und Bahn kostenlos wären, bliebe das Auto stehenHamburg (dpa) - Wenn Busse und U-Bahnen kostenlos wären, würden nach einer Umfrage die meisten Deutschen ihr Auto oft stehen lassen. In der repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Wissensmagazins "P.M." sagten 80 Prozent der Frauen und 72 Prozent der Männer, sie würden dann in der Stadt "wann immer es möglich ist" auf ihr Auto verzichten.

dpa/serviceline vom 18.08.2003

Jim Knopf

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aus www.bahn.de
« Antwort #23 am: 13:07:29 Mo. 22.September 2003 »
Bei der Bahn gibt es gewaltige Veränderungen, die fast so folgenreich ist, wie die Zerschlagung des Gesundheitssystems.

Nach den massiven Protesten und dem Fortlaufen der Bahnkunden wurde die Bahncard 50% wieder eingeführt (erheblich teuer!), obwohl dieses von Mehdorn zuvor ausgeschlossen wurde.

Zuunrecht ist bei den Bahnkunden relative Ruhe eingekehrt. Jetzt gilt es für das Bahnpersonal ihren gewerkschaftlichen Vertretern auf die Füße zu treten. Diese drohen umzufallen und den geplanten Börsengang der Bahn widerstandslos hinzunehmen:

Die Beschlußlage der Gewerkschaft ist allerdings eine andere. Der Transnet-Gewerkschaftstag im November 2000 in Magdeburg hat in einer einstimmig beschlossenen Resolution eine Zerschlagung des Bahnkonzerns abgelehnt und sich für die Erhaltung einer "einheitlichen, flächendeckenden und bundeseigenen Bahn im Interesse der Beschäftigten, der Umwelt und der Kunden" ausgesprochen.  "Kein Ausverkauf - weder an ausländische noch an inländische Kapitalgruppen!"

Hier gilt es die Diskussion - auch die aussergewerkschaftliche - anzukurbeln. Die Folgen eines Börsenganges werden weitreichend sein, für das Personal genauso wie für die Bahnkunden!

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aus www.bahn.de
« Antwort #24 am: 19:04:13 Di. 30.September 2003 »
Auftragsverluste
Bahn baut in Neumünster Stellen ab

Die Deutsche Bahn will in ihrem Instandhaltungswerk Neumünster im kommenden Jahr 185 Arbeitsplätze streichen, berichtet NDR 1 Welle Nord. Die betroffenen Beschäftigten sollen gleichwertige Tätigkeiten im Konzern erhalten - das kann theoretisch in ganz Deutschland sein. Zurzeit sind in Neumünster 640 Mitarbeiter beschäftigt.

Bahn verlor Kunden Flex

Zu den Gründen für den Personalabbau gehöre, dass die schleswig-holsteinische Landesregierung mehrere Strecken der Bahn an Konkurrenten vergeben habe, sagte der Sprecher der Deutschen Bahn AG für Schleswig-Holstein und Hamburg, Egbert Meyer-Lovis. Auch ende das Modernisierungsprogramm für 1.200 Intercity-Wagen. Hinzu komme die Insolvenz von Bahn-Konkurrent Flex: Dessen Wagen hatte das Instandhaltungswerk bisher umgebaut.

"Personalabbau ist notwendig"

Guntram Nehls, Werksleiter in Neumünster, bezeichnete die Entscheidung der Deutschen Bahn als notwendig und richtig. Nur so könne der Betrieb im Wettbewerb bestehen.

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aus www.bahn.de
« Antwort #25 am: 15:05:36 Di. 07.Oktober 2003 »
hans-Gerd Öfinger
 
Die Schrumpfbahn kommt
 
Mehdorn erwartet grünes Licht für Börsengang. Finanzministerium drückt aufs Tempo
 
Die Entscheidung über den Börsengang der Deutschen Bahn AG könnte schon in den nächsten Monaten fallen. Laut Presseberichten hat Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) für Oktober die Vorlage eines entsprechenden Konzepts angekündigt. Danach soll sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu Details der Privatisierung äußern. Bereits im November könnte das Bundeskabinett dann grünes Licht geben.

Vorsorglich sucht das Bundesfinanzministerium in einer öffentlichen Ausschreibung Berater für den geplanten Bahn-Verkauf. Dabei gehe es um Privatisierungsberatung »bezüglich konkreter methodischer und finanztechnischer Strategien zur Begleitung der Deutschen Bahn AG auf dem Weg zu der Kapitalmarktfähigkeit«, heißt es in einem Arbeitspapier. Dabei sollten die Bewerber Kenntnisse über den deutschen Bahnsektor und das Eisenbahnrecht mitbringen. Für Bahn-Chef Mehdorn soll die Vollendung der Bahn-Privatisierung die »Krönung« seines Lebenswerks werden. Seinen Äußerungen zufolge sollen die ersten 15 bis 20 Prozent der Aktien bereits ab 2005, spätestens 2006 veräußert werden. Er gehe »fest davon aus, daß die Politik die Bahn freigeben wird«, sagte Mehdorn laut einem Bericht der Berliner Zeitung vom 22. August. Sein Kalkül: Durch die Schaffung vollendeter Tatsachen soll das Thema aus dem Bundestagswahlkampf 2006 herausgehalten werden. Ein Börsengang der Deutschen Bahn AG wäre mit den gigantischen Privatisierungsprojekten bei Lufthansa, Telekom und Post vergleichbar. Im Jahr 2000 hatte der Verkauf von Telekom-Aktien dem Finanzministerium 13,3 Milliarden Euro beschert. Ob allerdings Bahn-Aktien angesichts des Betriebsverlustes im Fernverkehr von 316 Millionen Euro im 1. Halbjahr 2003 der große Renner wären, muß bezweifelt werden. Fest steht dagegen: Das Bemühen des Bahn-Managements, die »Börsenfähigkeit« herzustellen, wird weiterhin auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.

Entsprechend regt sich Unmut bei den Bahngewerkschaften ob des angeschlagenen Tempos der Privatisierung. Für den Vorsitzenden der größten Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, ist es »unvorstellbar, bereits in diesem Jahr einen konkreten Fahrplan für einen Börsengang festzulegen«. Auch der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, hält einen für 2005 angestrebten Börsengang für völlig utopisch, »solange es der Bahn nicht gelingt, mehr Personen und Güter auf der Schiene zu transportieren und die Unternehmensbilanz nachhaltig zu verbessern«. Schell hatte sich noch Anfang der 90er Jahre als wortgewaltiger Privatisierungsgegner profiliert, dann aber im Sommer 1994 als nachgerückter CDU-Bundestagsabgeordneter in namentlicher Abstimmung der Privatisierung der Deutschen Bundespost zugestimmt.

Das durch Bahnprivatisierungen angerichtete Desaster läßt sich nicht nur in Großbritannien studieren. Hier mußte nach einer Serie spektakulärer Unglücke die heruntergekommene Schieneninfrastruktur wieder in die öffentliche Hand überführt werden, weil die privaten Betreiber in Erwartung kurzfristiger Profite sicherheitsrelevante Investitionen vernachlässigt hatten. Auch am anderen Ende der Welt, in Neuseeland, wurde die Bahn durch Privatisierung seit 1993 fast zugrundegerichtet. Nach Informationen der Verkehrsgewerkschaft RMTU ist nach der Privatisierung das Schienennetz derart heruntergekommen, daß es zu permanenten Betriebsstörungen kommt, Nebenstrecken stillgelegt werden, der Anteil des Schienenverkehrs zurückgeht und die Aktienkurse ins Bodenlose fallen. Übrig geblieben sei eine klägliche Schrumpfbahn mit wenigen Strecken. Inzwischen steht die privatisierte Bahngesellschaft Tranz Rail vor der Pleite.

Auch hierzulande ist in Norddeutschland eine regionale Privatbahn ins Trudeln geraten. Die FLEX AG, die nach der Aufgabe der Interregio-Verbindung durch die DB AG mit großem Mediengetöse zum 15. Dezember 2002 den Personenverkehr auf der Strecke Hamburg–Flensburg– Padborg (Dänemark) übernommen hatte, stellte Mitte August beim Amtsgericht Flensburg einen Insolvenzantrag und begründete dies laut Regionalpresse mit einer »ungeklärten Erlössituation«. Noch vor Jahresfrist hatte das Land Schleswig-Holstein die Vergabe der Strecke an die FLEX AG damit zu rechtfertigen versucht, daß diese um rund 1,5 Millionen Euro billiger sei als die Deutsche Bahn. Offensichtlich haben sich die Manager der FLEX AG verkalkuliert, weil ein längerfristiger und gut funktionierender Schienenbetrieb weit mehr erfordert als die Anschaffung von Loks und Waggons sowie das Anheuern von bereits ausgebildeten Eisenbahnern.

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aus www.bahn.de
« Antwort #26 am: 20:51:02 So. 19.Oktober 2003 »
Zeitung: Bahn will im Fernverkehr fast 3000 Stellen abbauenBerlin (dpa) - Die Deutsche Bahn (DB) will nach einem Zeitungsbericht in den kommenden Jahren im Fernverkehr fast 3000 Stellen abbauen. Die stärksten Einschnitte solle es bei den Zugbegleitern und im Vertrieb - also beispielsweise in den Reisecentern - geben, berichtet der "Tagesspiegel am Sonntag". Das Blatt stützt sich dabei auf interne Unterlagen des bundeseigenen Verkehrskonzerns. Derzeit hat die Fernverkehrstochter DB Reise & Touristik AG rund 21 700 Beschäftigte.


Die Bahn lehnte einen Kommentar zu den Zahlen ab. "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu internen Papieren", sagte Fernverkehrs- Sprecher Gunnar Meyer der dpa. Bekannt sei aber, dass der Konzern mit Blick auf die geplante Kapitalmarktfähigkeit im Jahr 2005 Kosten sparen wolle. "Wir reden nie über Stellen, sondern immer über Kosten." Derzeit gilt bei der Bahn ein Beschäftigungspakt, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Nach "Tagesspiegel"-Informationen sollen die meisten der nahezu 3000 Arbeitsplätze bis Ende 2005 wegfallen. Abgeschlossen sein solle der Stellenabbau erst 2008. Im Vertrieb wolle die Bahn vor allem sparen, indem Kunden verstärkt Automaten oder das Internet für den Fahrkartenkauf nutzen. Derzeit liegt der Anteil bei etwa 15 Prozent der insgesamt verkauften Tickets.

Derweil hat die Bahn nach Informationen des "Spiegels" im Nahverkehr einen Rückschlag erlitten. Das Bundeskartellamt habe den geplanten Einstieg bei den hannoverschen Verkehrsbetrieben Üstra so gut wie gestoppt, meldete das Nachrichtenmagazin. Als Begründung nenne die Aufsichtsbehörde in einer "vorläufigen Einschätzung" vom 14. Oktober, dass der Zusammenschluss "eine spürbare Beschränkung des Wettbewerbs" bewirken würde. Dazu erklärte ein Konzernsprecher, es gebe noch keinen endgültigen Bescheid.

Mit dem Üstra-Geschäft will die DB zusätzlich zu ihrem S-Bahn- und Regionalbahnverkehr ins Bus- und Stadtbahnnetz von Niedersachsen einsteigen. Das Gemeinschaftsunternehmen Üstra Intalliance AG, an dem sich neben der Stadt Hannover und der Bahn auch die Nord/LB zu 20 Prozent beteiligen will, soll auch in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Bremen aktiv werden.

Die Pro-Bahn-Vereinigung "Allianz Pro Schiene" warnte unterdessen, dass bei Umsetzung der Subventionsabbaupläne der Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) bundesweit jeder sechste Zug im Nahverkehr gestrichen werden müsse. Davon wären täglich mehr als 650 000 Fahrgäste betroffen. Von den bis 2006 angestrebten Kürzungen in Höhe von 15,8 Milliarden Euro sollten 3,8 Milliarden zu Lasten der Schiene gehen. "Das ist kein Rasenmäher, sondern ein einseitiger Kahlschlag", so die Allianz.


dpa/ecoline vom 18.10.2003

Jim Knopf

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aus www.bahn.de
« Antwort #27 am: 17:21:40 Di. 04.November 2003 »
In Österreich standen für 24 Std die Bahnen still. Die Bevölkerung nahm´s gelassen, z.T. blieb man einfach der Arbeit fern. Die Bahngewerkschaft sprach von einem Erfolg und kündigte weitere Streiks an.

Wann wird hier endlich die Friedhofsruhe gebrochen?

P.S. Auch in Griechenland wurde für einen Tag gleich der gesamte öffentliche Dienst bestreikt, Flug- und Bahnverkehr waren weitgehend lahmgelegt...

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« Antwort #28 am: 11:16:58 Do. 06.November 2003 »

ManOfConstantSorrow

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aus www.bahn.de
« Antwort #29 am: 20:27:13 Fr. 14.November 2003 »
Man darf vom Arbeitsamt einen Job nichtmehr ablehnen, weil er weiter weg ist. Sonst gibt´s Sperre. Als Leiharbeiter oder sonstiger Lohnsklave muß man jetzt der Maloche hinterherreisen. Und der mickrige Lohn ist auch gleich wieder futsch, die Pendlerpauschale (für den Autofahrer) wird gestrichen und jetzt wird auch dem Bahnfahrer in die Tasche gegriffen:
Zitat
Bahnfahren wird für Pendler teurer
Berlin (dpa) - Das Bahnfahren wird im nächsten Monat für Millionen Pendler teurer. Das Bundesverkehrsministerium erteilte der Deutschen Bahn die Erlaubnis, die Preise im Nahverkehr um durchschnittlich 4,1 Prozent zu erhöhen. Damit setzte sich das Ministerium über die Einwände von mehreren Bundesländern hinweg. Die neuen Tarife sollen mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember in Kraft treten. Im Nahverkehr sind mit der Bahn Tag für Tag rund 4,2 Millionen Menschen unterwegs.

dpa/ecoline vom 14.11.2003

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!