Autor Thema: Lechts oder rinks?  (Gelesen 11582 mal)

cosa

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Lechts oder rinks?
« am: 15:59:18 Di. 20.März 2007 »
angeregt durch den unten zitierten beitrag von "abgehängtesPrekariat" würde ich gern wissen, ob man mal darüber sprechen sollte was "links" und "rechts" bedeutet(e) und wie sinnvoll/notwendig solche einteilungen heute sind.

Zitat
@Stumme Ursel

Ja, da kann ich Dir nur zustimmen!

Hier findet sich die Antwort, weshalb es unmöglich ist eine breite Solidarität und den Linken zu erreichen.

Anscheinend ist es unter den "Linken" üblich geworden, sich den Anspruch links anzuheften aber in Wirklichkeit genauso billig wie alle anderen Gruppierungen zu agieren.

Das Level, auch hier im Forum unterscheidet sich durch nichts mehr von der Bildzeitung.

Eine andere fachliche Meinung, die nicht in das Bild der Linken "Wir gegen alle" passt, wird hier mit Mechanismen bekämpft, die sich durch nichts von denen der Wirtschaft und den Politikern unterscheidet.

Ein Christian Klar würde über solche "ungebildeten Möchtegern-Linken" nur den Kopf schütteln.

Ich für meinen Fall kann Chefduzen nicht mehr als empfehlenswerte politische Plattform einstufen.

besorgter bürger

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« Antwort #1 am: 16:56:34 Di. 20.März 2007 »
Zitat
was "links" und "rechts" bedeutet(e) und wie sinnvoll/notwendig solche einteilungen heute sind.

diese einteilungen sind äußerst nützlich um den jeweiligen politischen gegner zu diffamieren und totschlagargumente zu produzieren.

links --> kommunismus-->stalin-->gulag-->millionen tote

rechts-->faschismus-->hitler-->kz-->millionen tote

außerdem brauchen viele menschen ein einfaches weltbild um sich irgendwo dazugehörig zu fühlen.
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

cosa

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« Antwort #2 am: 17:29:57 Di. 20.März 2007 »
dieses vorgehen finde ich mehr als fraglich. du nimmst bsp. die du auf grund der labels, die ihnen von vielen menschen gegeben wurden, zuordnest und unterscheidest, um letztlich ihre parallelität zu verdeutlichen. diese rangehensweise führt soweit, dass sich selbst an universitäten z.t. die ansicht verbreitet und hält, dass das links-rechts-spektrum eher wie ein kreis gesehen werden sollte, bei dem die äußeren punkte, die es bei der visualisierung als halbkreis oder strecke gibt, sich treffen und so auch die millionen toten und die diktaturen unter hitler und stalin mit ihren labels rechts und links in die theorie passen. anstatt dass gefragt wird, ob dieser "kommunismus" stalins "links" war oder nicht.

mir scheint der gedanke interessant, dass für die qualität der gesellschaftlichen realität bei rechten theorien das ziel der gesamtgruppe und dessen verwirklichung entscheidend ist. wobei sich die einzelnen individuen unter dieses gesamtinteresse unterordnen, das sie auch nicht direkt im detail durch meinungsäußerung festlegen, sondern das durch eine übergeordnete institution interpretiert wird, wie es etwa bei rousseau's "allgemeinem willen" ist.
im gegensatz dazu würden linke theorien für die qualitätsbestimmung die bedürfnisse jedes einzelnen heranziehen und sie versuchen zu ermöglichen so lange sie nicht die anderer einschränken, was bedeutet dass es keine großen sozialen und keine rechtlichen unterschiede, demokratische verfahren mit einem hohen maß an autonomie gibt.

besorgter bürger

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« Antwort #3 am: 11:52:58 Mi. 21.März 2007 »
Zitat
bei rechten theorien das ziel der gesamtgruppe
---
linke theorien für die qualitätsbestimmung die bedürfnisse jedes einzelnen

soweit die links-rechts theorie.

in der praxis muss auch eine linke gruppe, egal ob wohngemeinschaft oder staat, übergeordnete regeln aufstellen um den eigenen zerfall zu verhindern. je stärker der druck von außen oder je ambitionierter das ziel gesellschaftlicher veränderung um so mehr regeln müssen das recht des einzelnen einschränken.
zwangsläufig bildet sich dann eine gruppe von gegnern dieser regeln die irgendwann, natürlich nur im namen der guten und gerechten sache, mit manipulation und drohung zu ihrem eigenem glück gezwungen oder mit überwachung und einschüchterung ruhig gestellt werden müssen.

fazit: ist eigentlich egal ob links, rechts oder sekte. bei extremisten läuft diese gruppendynamik immer gleich ab.
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Kuddel

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« Antwort #4 am: 12:26:31 Mi. 21.März 2007 »
besorgter bürger,
auch wenn ich Deine Argumente zu weiten Teilen nicht widerlegen kann und will, Du begibst Dich auf gefährliches Terrain.
links = rechts ist in etwa das was die Mainstreammedien sagen. Und damit treffen sich alle in der Mitte, bei der schweigenden Mehrheit.

Alles Extremistische ist böse?

Extreme Verhältnisse erfordern extreme Antworten.

besorgter bürger

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« Antwort #5 am: 13:14:59 Mi. 21.März 2007 »
radikale(!) linke und rechte meine ich. und auch nicht ihre ziele sondern die methoden mit denen sie diese ziele durchsetzen wollen.

die ausgangsfrage war doch wie sinnvoll/notwendig die rechts-links einteilung ist. ihmo sollte man sich von diesem zweidimensionalen bild verabschieden.

so macht das eher sinn:

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Kater

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« Antwort #6 am: 13:37:51 Mi. 21.März 2007 »
Ernst Jandl - lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

cosa

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« Antwort #7 am: 16:26:29 Mi. 21.März 2007 »
besorgter, nicht nur, dass du da politische spektren und den aufbau einer gesellschaft in verschiedene schichten etc. (wo du dann auch noch eine für europa veraltete grafik heranziehst) durcheinander haust, du konstruierst dir auch vollkommen beliebig irgendwelche abläufe zusammen -->

Zitat
je stärker der druck von außen oder je ambitionierter das ziel gesellschaftlicher veränderung um so mehr regeln müssen das recht des einzelnen einschränken.
zwangsläufig bildet sich dann eine gruppe von gegnern dieser regeln die irgendwann, natürlich nur im namen der guten und gerechten sache, mit manipulation und drohung zu ihrem eigenem glück gezwungen oder mit überwachung und einschüchterung ruhig gestellt werden müssen.

ich weiß nicht mal wo ich da anfangen soll nachzufragen, wie du jeden schritt in dieser kette, die du da konstruiert hast, beweisen willst. das ist eben keine beweisführung. du kannst nicht einfach ein beispiel wie russland nehmen und anhand dieses ablaufes verallgemeinern (für die linke - die rechte klammere ich an dieser stelle erstmal aus). den ablauf in russland zu erkennen ist eine sache, dann aber zu fragen weshalb es so und so kam, zu schauen, ob andere theorien oder historischen praktiken antworten auf die "fehler" fanden oder die fehler dort gar nicht vorkamen, ist der punkt, an dem eine analyse beginnt, die erst aussagekräftige ergebnisse bringen kann.

cosa

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« Antwort #8 am: 18:04:56 Mi. 21.März 2007 »
vor nicht langer zeit las ich eine diskussion zum gleichen thema und eine meinung war, dass es egal wäre, welches label eine idee hat, es ginge einzig darum die idee zu prüfen. das ist selbstverständlich grundsätzlich richtig. dennoch schließt das nicht aus, dass man sie irgendwo einordnen könnte, wenn man dafür allgemeine kriterien findet. die genannte meinung entstand dadurch, dass einige "links" als besser ansehen (mag es sein, weil jugendidole als links bezeichnen oder weil damit antifaschismus, antirassismus etc. verbunden wird), sich deswegen als links sehen und verschiedene linke ideen ohne prüfung übernehmen, sie nicht durchdenken und immer diese schwammigen ideen behalten.
ich denke, dass man diese links-mitte-rechts-einteilung auch aus anderen pragmatischen gründen ablehnen kann. zum einen fällt es der "mitte" sehr einfach alles radikale und extreme einfach aufgrund ihrer bezeichnungen als radikal und extrem mit ihren gesellschaftlichen konnotationen als falsch, unvernünftig und letztlich auch gewalttätig zu brandmarken und sich selbst als ausgewogenes, vernünftiges wahres sehen zu lassen (und schließlich wissen wir alle, dass "die wahrheit meist irgendwo in der mitte liegt"). da spielt es dann auch keine rolle mehr, ob denn die mitte nicht gewalttätig, unvernünftig etc. ist.
zum anderen glaube ich auch kaum, dass man "die menschen" von der im großen und ganzen gesellschaftlich anerkannten und immer wieder vom einzelnen übernommenen meinung wegbewegen kann, dass bestimmte theorien und historische praktiken (bspw. marxismus-leninismus und der ostblock) links sind/waren und somit landen josef stalin,  anton pannekoek, oskar lafontaine, rudolf rocker, karl marx und che guevara immer im gleichen topf.

ManOfConstantSorrow

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Lechts oder rinks?
« Antwort #9 am: 13:34:42 Sa. 17.Dezember 2011 »
Es ist schon irre: Die größten Feinde der Demokratie blasen zum Kampf gegen Links.
DEMOKRATIE STÄRKEN – LINKSEXTREMISMUS VERHINDERN


Die Wirtschaft kommt bei Wirtschaftskrisen, die die Fundamente des Kapitalismus erschüttern, eigentlich immer mit den gleichen Lösungsrezepten:
- Abschaffung bürgerlicher Freiheiten und der Demokratie
- Hetze gegen "innere und äußere Feinde"
- Anzetteln von Kriegen

Einige Wirtschaftsleute haben sich wieder zusammengetan:

Bernd M. Michael, Präsident des Deutschen Marketing-Verbandes
Hanns-Eberhard Schleyer, Ehem. Generalsekretär Zentralverband des Deutschen Handwerks
Harald Weber, Geschäftsführer WHP Steuerberatungsgesellschaft mbH
Nikolas Woischnik, Internet-Unternehmer

Die haben den Schulterschluß gesucht mit Prof. Dr. Dieter Stolte, dem ehem. Herausgeber "Die Welt", dem Flaggschiff des Springer Verlags. http://www.zeitbild-stiftung.de/
Sie sehen den Feind links.

Und dieser Dreck wird nicht aus den Kassen der Wirtschaft finanziert, sondern durch die Bundesregierung,

unter Kristina Schröder... mit Steuergeldern.  
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Nick N.

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Re:Lechts oder rinks?
« Antwort #10 am: 14:03:43 Sa. 17.Dezember 2011 »
"Viele Lehrkräfte stellen sich die Frage, ob ihre Schülerinnen und Schüler für extremistische Gedanken anfällig sind.
...
Linksextreme Positionen wurden in diesem Zusammenhang bislang zu wenig beachtet"


Brrrrr. 
Satyagraha

Ratrace

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Re:Lechts oder rinks?
« Antwort #11 am: 16:26:31 Sa. 17.Dezember 2011 »
Zitat
Hanns-Eberhard Schleyer
Ist, nebenbei gesagt, sicherlich auch äußerst praktisch, wenn man sich mit der Entführung des Vaters zweckdienlich und ohne notwendige Erwähnung umgeben und noch als warnender Zeigefinder und vor allem OPFER der "bösen Linken" die Kameras mit sich vollmachen kann. Vielleicht erhofft man sich ja so eine Verstärkung der Kampagne durch die Heraufbeschwörung alter Feindbilder. So kann man darauf vertrauen, daß sich niemand trauen wird - zumindest in den Mainstreammedien - den Kampagneros ans Bein zu pissen, denn das wäre ja "pietätlos", wenn unmittelbar vor einem das natürlich völlig zufällig herausgegriffene, lebende "Mahnmal und Symbol" für die "Niedertracht der Linken" steht. Da hat Doppelrippdeutschland reflexhaft gleich wieder alte Feindbilder parat. Denn der Deutsche, das wissen wir mittlerweile, denkt gerne an alte Zeiten zurück.

Zitat
Und dieser Dreck wird nicht aus den Kassen der Wirtschaft finanziert, sondern durch die Bundesregierung
Schmickler hat schon ganz recht: Der Staat wird nun mit aller der Lächerlichkeit anheim fallender Verve versuchen, die Nazimorde aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu bekommen, was am besten mit der Betonung der "Gefahr von links" geht. Schließlich könnten ernsthafte Ermittlungen in der rechten Szene, um die man all die Jahre trefflich herumgekommen ist, unangenehme Beweise für die tiefe Verstrickung des Verfassungsschutzes und anderer Behörden in die braune Scheiße ergeben. Und das ginge ja wirklich nicht. Da drückt man, ganz Herrenmensch, lieber mal bei ein paar "Dönermorden" die Schweineäuglein zu. Der Staatsraison wegen.

Und nebenbei: Danke, Springer-Verlag. Die Rechte könnte ohne Dich nicht leben.

Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.

Eivisskat

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Re:Lechts oder rinks?
« Antwort #12 am: 17:52:08 Sa. 17.Dezember 2011 »
Das Aller-gruseligste ist für mich dabei immer diese Reflexhaftigkeit in diesem Land, mit der schon wieder ALLES was nur ganz leicht "links" klingt, verächtlich abgetan wird, bzw. auf Durchzug gestellt wird, während eindeutig faschistische Denkweisen & Handlungen als normal & geläufig bewertet wird und Niemand sich dran stößt.

Siehe diese dumme Gans (viel zu freundliche Bewertung...) Illner neulich erst in ihrer unsäglichen Show, als sie die scheussliche & tödliche Folterung Gaddafis als akzeptabel hinstellte und das öffentlich vor dem ganzen Land.

Kann mich nicht erinnern, irgendwo eine Gegendarstellung oder gar Entschuldigung gelesen zu haben...und diese Aussage macht sie auch Dank unser aller Gelder, genauso wie die andere dumme Gans vom Familienministerium, s.o.

 >:(

admin

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Re:Lechts oder rinks?
« Antwort #13 am: 18:41:33 Sa. 17.Dezember 2011 »
Die TAZ berichtete letztes Jahr:

Zitat
Kristina Schröder will offenbar bei den Programmen gegen Rechtsextremismus Mittel kürzen – und zwar über eine Zusammenlegung aller Töpfe gegen Extremismus.
(...)
Im Haushaltsplan 2010 wurden bereits erstmals 2 Millionen Euro für Projekte gegen Linksextremismus und Islamismus eingeplant.
(...)
nach taz-Informationen, sollen 5 Millionen in Programme gegen Linksextremismus fließen.
http://taz.de/!53923/


Zitat
Bernd M. Michael, Präsident des Deutschen Marketing-Verbandes
Hanns-Eberhard Schleyer, Ehem. Generalsekretär Zentralverband des Deutschen Handwerks
Harald Weber, Geschäftsführer WHP Steuerberatungsgesellschaft mbH
Nikolas Woischnik, Internet-Unternehmer
Liest sich ja, wie das Who-is-Who der Korruption. Da weiß man, wo die Fördergelder abbleiben...

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Re:Lechts oder rinks?
« Antwort #14 am: 20:27:31 Sa. 17.Dezember 2011 »
Siehe diese dumme Gans (viel zu freundliche Bewertung...) Illner neulich erst in ihrer unsäglichen Show, als sie die scheussliche & tödliche Folterung Gaddafis als akzeptabel hinstellte und das öffentlich vor dem ganzen Land.

Kann mich nicht erinnern, irgendwo eine Gegendarstellung oder gar Entschuldigung gelesen zu haben...und diese Aussage macht sie auch Dank unser aller Gelder, genauso wie die andere dumme Gans vom Familienministerium, s.o.

 >:(

Ja, wirklich die blöde Maybrett, was die in fast jeder Sendung raushaut, unglaublich doof. Und dabei dieses bescheuerte Grinsen.
Wieso sagt ihr keiner, sie solle es mit dem politischen Talk sein lassen.
Selbst für die Sportschau war sie zu dämlich.
Die möchte ich noch nicht einmal in der Sesamstraße sehen.
Aber war es wirklich die Illner? Ich hatte die Info, Maischberger hätte sowas gesagt.

Zur Akzeptanz der Folterung von Gaddafi:
(Sie wird das wohl nicht gesehen haben.)
Die folgenden Videos zeigen noch längst nicht alle schlimmen Details seiner Lynchbehandlung.