Autor Thema: Biographie Stalins  (Gelesen 3560 mal)

Hartzhetzer

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Biographie Stalins
« am: 22:40:27 Fr. 23.März 2007 »
Anhand dieses Themas wird es besonders anschaulich wie es möglich ist, das eine erst gut gemeinte Revolution in die Diktator eines Tyrannen umschlägt.

Zitat
Josef Stalin
Josef Stalin Russisch für Der Stählerne
1879: geboren
1953: verstorben

1879: Geburt/Kindheit/Jugendzeit/Eltern

Am 21. Dezember 1879 wird Stalin als Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili in Gori (Georgien) geboren. Seine Mutter Ekaterine Geladse war Ossetin (iranischsprachige Volksgruppe im Kaukasus) und Tochter eines Leibeigenen. Somit war Stalin einer der wenigen Parteiführer der später entstandenen KPdSU mit einfacher Herkunft. Die Geschwister Stalins starben jung, so dass er als Einzelkind aufwuchs. Sein Vater eröffnete nach seiner Befreiung ein Schuhgeschäft, das aber rasch bankrott ging. Danach war er gezwungen, in einer Schuhfabrik in Tiflis zu arbeiten.
Stalins Vater kümmerte sich kaum um seine Familie, war trunksüchtig und schlug Frau und Kinder. Einer der Freunde aus Stalins Jugendzeit schrieb später: „Diese unverdienten und schrecklichen Prügel machten den Jungen genauso hart und gefühllos wie seinen Vater.“ Derselbe Freund schrieb auch, dass er Stalin niemals hatte weinen sehen. Ein anderer Jugendfreund Stalins, Iosseb Iremaschwili, schrieb, dass diese Prügel auch einen Hass auf Autoritäten in Stalin hervorriefen, da jeder Mensch, der mehr Macht als er selbst hatte, ihn an seinen Vater erinnerte. 1888 ging Stalins Vater nach Tiflis und ließ seine Familie zurück.
Einer der Kunden seiner Mutter, der jüdische Kaufmann David Papismedow, gab dem jungen Stalin, der damals den Spitznamen „Soso“ hatte und seiner Mutter beim Wäschewaschen und bei der Arbeit als Putzfrau half, Geld und Bücher und munterte ihn auf. Jahrzehnte später kam der alte Papismedow in den Kreml, um zu erfahren, was aus dem kleinen Soso geworden war. Stalin überraschte seine Genossen dadurch, dass er den älteren jüdischen Mann nicht nur empfing, sondern auch in aller Öffentlichkeit mit ihm plauderte.
Ab 1887 ging Iosseb Dschughaschwili in Gori zur Schule. Stalins Klasse war eine sehr gemischte Gruppe von Schülern, die viele verschiedene Sprachen sprachen. In der Schule war jedoch Russisch als Sprache vorgeschrieben. Seine Mitschüler waren meist sozial bessergestellt als er selbst und machten sich anfangs über seine abgetragene Schuluniform und sein pockennarbiges Gesicht lustig. Iosseb Dschughaschwili konnte jedoch bald auf Grund seiner Beobachtungsgabe die Führungsrolle in seiner Klasse übernehmen. Obwohl Stalin später seine georgische Herkunft sehr in den Hintergrund stellte, mochte er in seiner Jugend die georgischen Heimaterzählungen sehr. Eine dieser Erzählungen handelte von dem Bergwanderer Koba, der für die Unabhängigkeit Georgiens gekämpft hatte. Stalin bewunderte ihn sehr und ließ sich von nun an in der Klasse 'Koba' nennen. Um seine niedere Herkunft zu verbergen, versuchte Stalin der Beste zu sein in allem, was er tat. Deshalb fiel er durch seine Intelligenz auf, wodurch er die Schule 1894 als bester Schüler verließ.

1894: Eintritt in das orthodoxe Priesterseminar von Tiflis

Das orthodoxe Tifliser Priesterseminar, war damals eine der bedeutendsten höheren Bildungsanstalten Georgiens und ein Zentrum der Opposition gegen den Zarismus.
Als Stalin im Alter von 15 Jahren das zweite Studienjahr des Seminars absolvierte, bekam er Kontakt mit den geheimen marxistischen Zirkeln. Er besuchte die Buchhandlung eines gewissen Schelidse, wo die jungen Radikalen Zugang zu linken Werken hatten. 1897 schrieb der stellvertretende Aufseher eine Bemerkung das er Dschughaschwili beim Lesen von insgesamt dreizehn verbotenen Büchern ertappt habe.
1897 wurde Dschughaschwili, er war 18 Jahre alt, in die erste sozialistische Organisation Georgiens aufgenommen, die Messame-Dassi-Gruppe (dt. Die dritte Gruppe), geführt von Noe Schordania, Nikolos Tschcheidse und G. Zereteli, die später Menschewiki wurden. Im folgenden Jahr leitete Stalin einen Studienzirkel für Arbeiter. Zu dieser Zeit las er schon Werke von Plechanow und die ersten Schriften Lenins.

1898: Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (SDAPR)

1898 trat Stalin offiziell in die SDAPR ein und wurde  1899 aus dem Priesterseminar ausgeschlossen, weil er auf Grund seiner politischen Tätigkeiten bei mehreren wichtigen Prüfungen gefehlt hatte. Statt Priester wurde Stalin Berufsrevolutionär.
Daraufhin arbeitete Stalin als Propagandist der SDAPR und organisierte unter dem Decknamen „Koba“ unter anderem Streiks und Demonstrationen unter den Eisenbahnarbeitern. 1902 wurde er erstmals festgenommen, weil er eine Arbeiterdemonstration in der georgischen Stadt Batumi verursacht hatte und anschließend nach Sibirien verbannt.

1903: Nach der Spaltung der SDAPR in Menschewiki und Bolschewiki

Stalin schließt sich den Bolschewiken unter Wladimir I. Lenin an, der die Meinung vertrat, dass der politische Umsturz in Russland nur durch eine von „professionellen“ Revolutionären zentral geführte Partei zustandekommen würde. Kurz darauf erfolgt eine erneute Verbannung nach Sibiren. Hier heiratet er seine erste Frau Jekaterina Swanidse, die im Jahre 1907 an Typhus starb. Aus dieser Ehe stammt sein erster Sohn Jakub (genannt Jascha), der 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. Stalin war nicht bereit ihn auszutauschen, da das sowjetische Soldatengesetz besagte, dass der sowjetische Soldat sich nicht ergeben dürfe. Jascha Stalin kam 1943 bei einem Fluchtversuch zu Tode. Auch so kümmerte sich Stalin nicht um seinen Sohn Jakub, denn obwohl der Junge kein russisch sprach weigerte sich sein Vater georgisch mit ihm zu sprechen.

1904 bis 1912

Nach seiner erneuten Flucht aus Sibirien beginnt Stalin, Raubüberfälle für die Revolutionäre zu organisieren. Stalin wurde insgesamt achtmal verhaftet und in die Verbannung geschickt, konnte aber jedesmal wieder fliehen. Ein möglicher Grund wird zum Beispiel in der schlechten Organisation der zaristischen Polizei gesehen. Der zaristische Polizeiapparat verfolgte die Revolutionäre nur sehr halbherzig. Die aus der Verbannung „fliehenden“ Bolschewiki konnten zum Beispiel ohne Probleme alle zur Verfügung stehenden Transportmittel nutzen. Außerdem bekamen sie von der Bevölkerung Unterstützung in Form von Nahrungsmitteln und sonstigen Zuwendungen. Wurden die Revolutionäre verhaftet, ließen sie sich einfach ohne weiteren Widerstand in die Verbannung schicken, um am Tag nach ihrer Ankunft sofort die Heimreise anzutreten. Wenn es längere Aufenthalte gab, hatte das die Ursache, dass den Verbannten eine kostenlose Wohnung und ein nicht geringes Kostgeld zur Verfügung stand, die beide dazu geeignet waren, temporäre finanzielle Engpässe der Revolutionäre zu überbrücken. Als eine weitere Erklärung für sein schnelles Freikommen werden ihm Kontakte zur zaristischen Geheimpolizei nachgesagt.

Im Jahr 1905 begegnete er auf der allrussischen Konferenz der Bolschewiki in Tampere zum ersten Mal Lenin persönlich. In dieser vorrevolutionären Zeit, in der Stalin schon viele Streiks organisiert hatte, zeigte er sich nicht als großer Theoretiker, sondern vertrat einen pragmatischen Politikstil. So beteiligte er sich in den folgenden Jahren an der Organisation verschiedener Banküberfälle, um die Parteikasse aufzufüllen. Der bekannteste Überfall ereignete sich 1907 an der Reichsbankfiliale in Tiflis, es wurden 250.000 Rubel erbeutet.

1912 bis 1917

1912 gehörte er dann nach dem Willen Lenins, der ihn als glänzenden Organisator schätzt zu dem Zentralkomitee der Bolschewiki und nahm den Namen Stalin (der Stählerne) als Pseudonym an. Die Jahre von 1913 bis 1917 verbrachte er in der Verbannung bei Turukhansk. Während seines letzten Verbannungsaufenthaltes lernte er Lew Kamenew kennen und freundete sich mit ihm an. Im Falle von Stalins letztem Verbannungsaufenthalt war auch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine Ursache für sein Verbleiben. Er fürchtete, nach seiner nächsten Verhaftung in die Russische Armee eingezogen zu werden. Um die Jahreswende von 1916/1917 verließ er gemeinsam mit Kamenew seinen Verbannungsort. Er wurde von einer Einberufungskommission als wehrdienstuntauglich freigestellt.

1917 bis 1922

Heirat mit Nadeschda Allilujewa, der menschliche Kontakt zwischen Stalin und ihr zerfiel Anfang der 1930er Jahre, möglicherweise aufgrund der tatsächlichen Zustände in der Sowjetunion. Nadeschda Allilujewa beging vermutlich 1932 Selbstmord, indem sie sich erschoss. Aus der Ehe geht die Tochter Swetlana Iossifowna Stalina hervor, die 1960 in die USA auswandert, wobei sie ihre Kinder in der Sowjetunion zurücklässt.

Nach der Februarrevolution 1917 ging Stalin nach Sankt Petersburg (seit 1914: Petrograd). Er gehörte nun zur Redaktion der Zeitung Prawda. In Sankt Petersburg stieß Grigori Jewsejewitsch Sinowjew zu Stalin und Kamenew. Diese später als „Triumvirat“ bezeichnete Gruppe sollte in der Folgezeit eine bedeutende Rolle in der sowjetischen Politik spielen. Stalin war mit Kamenew zusammen in der Verbannung, Sinowjew stand diesen beiden in vielen Auffassungen nahe und war mit ihnen befreundet. Kurz nach der Oktoberrevolution hatte Lenin gegen Sinowjew und Kamenew ein Parteiausschlussverfahren angestrengt, weil sie den geheimen Plan der Bolschewiki zum gewaltsamen Umsturz an die provisorische bürgerliche Regierung verraten hatten. Stalin hatte dafür gesorgt, dass der Parteiausschluss nicht in die Tat umgesetzt wurde. Außerdem verband alle drei eine gemeinsame Abneigung gegen Leo Trotzki, Stalins härtesten Widersacher um die Machtübernahme nach Lenins Tod.

Im Juni 1917 wurde Stalin auf dem ersten Allrussischen Sowjetkongress zum Mitglied des Zentralexekutivkomitees (ZEK) gewählt. Er verfolgte neben anderen Bolschewiki zunächst eine Politik der Zusammenarbeit mit der provisorischen Regierung unter Kerenski. Als Lenin aus dem Exil zurückkehrte und die Unterstützung Kerenskis als Verrat an den Bolschewiki brandmarkte, änderte Stalin seinen Kurs und unterstützte Lenin. Er verteidigte Lenins Ideen auf den großen Debatten der Bolschewiki im September und Oktober. Er hatte jedoch sehr wenig mit der Vorbereitung und Durchführung der Oktoberrevolution zu tun. Die zentrale Rolle bei dem Umsturz kam Leo Trotzki als Chef des Militärischen Komitees des Petrograder Sowjets zu.

In der am 7. November installierten provisorischen ersten Sowjetregierung erhielt er zum Dank für seine Loyalität den Posten des Kommissars für Nationalitätenfragen. Stalin wollte in dieser Position eine freiwillige und ehrenvolle Allianz zwischen Russland und allen Minderheiten des Landes schaffen. Diese Allianz war jedoch dahingehend eingeschränkt, dass ihre Mitglieder sozialistisch zu sein hatten.

Doch es kam anders. Zunächst waren die sowjetische Zentralregierung und die neu geschaffene Rote Armee sehr schwach. Sie kontrollierten im Sommer 1918 ein Gebiet, das die Größe des alten russischen Großfürstentums hatte. Viele der Nationalitäten im zaristischen Russland sahen nun die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen und erklärten ihre Unabhängigkeit, ohne die Sowjetregierung zu konsultieren. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Ukraine, die in Kiew mit der Rada ihr eigenes Parlament schuf und sich unabhängig erklärte. Die einzigen Minderheitengebiete, die sich der sowjetischen Allianz anschlossen, waren Tatarstan und Baschkortostan. Die tatsächliche Aufgabe Stalins bestand in den nächsten Jahren darin, die verlorengegangenen Gebiete wieder in die Sowjetunion einzugliedern. Nachdem sich diese Situation abgezeichnet hatte, änderte er seine Haltung gegenüber den Minderheiten und beschloss jedes Mittel einzusetzen, um die Unabhängigkeit dieser Staaten rückgängig zu machen.

Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Juni 1918 wurde Stalin Befehlshaber in der von Trotzki neu geschaffenen Roten Armee. Er wurde im Juli als Kommandeur der Südfront nach Zarizyn geschickt, um dort das einzige bedeutende Getreideanbaugebiet, das in den Händen der Sowjetregierung lag, zu sichern. Er verließ sich dabei auf die Hilfe des ehemaligen zaristischen Generals Sytin, der von Trotzki zum Kommandant der Südfront berufen worden war. Mit Sytin geriet er jedoch bald in eine Auseinandersetzung, da er Offiziere der Roten Armee erschießen ließ, die bereits vorher in der Armee des Zaren Offiziere gewesen waren. Es gelang aber dennoch, die Stadt gegen die Truppen des Generals Krasnow zu verteidigen. Zarizyn wurde 1925 deshalb in Stalingrad (‚Stalinstadt‘, das heutige Wolgograd) umbenannt.

Im März 1919 wurde Stalin ein Mitglied des neuen Inneren Direktoriums der Sowjetregierung. Hier hatte er den ersten heftigen Zusammenstoß mit seinem Hauptrivalen Trotzki. Trotzki gliederte ehemalige Offiziere des zaristischen Heeres wieder in die von ihm geschaffene Rote Armee ein, um die Organisation dieser Truppe zu straffen und sie somit kampfkräftig werden zu lassen. Stalin wehrte sich strikt gegen dieses Vorgehen (insbesondere wegen General Sytin), war aber angesichts der militärischen Erfolge Trotzkis zum Schweigen verurteilt.

Als Kommandeur der Südfront konzentrierte Stalin nach der erfolgreichen Verteidigung von Zarizyn sein Bemühen auf die Eingliederung der kaukasischen Völker in die Sowjetunion. Im Februar 1920 wurden die nordkaukasischen Völker wieder an die Sowjetunion angegliedert. Dieses geschah zunächst auf freiwilliger Basis, da die Nordkaukasier zunächst gegen den konterrevolutionären weißen General Denikin revoltiert hatten. Die Tschetschenen erhoben sich aber im August des Jahres wieder gegen die Sowjetmacht und Stalin war bestrebt, die Stabilität der Sowjetherrschaft wieder herzustellen.
Gegen Ende des Jahres 1920 befand sich der gesamte Kaukasus mit Ausnahme von Georgien im Territorium der Sowjetunion. Mit Hilfe von Sergo Ordschonikidse, einem Parteifreund aus seiner frühen Parteikarriere, organisierte Stalin die Rückeroberung Georgiens, die im Februar 1921 abgeschlossen war.

1922 bis 1927

Im Jahr 1922 war Stalin durch Wahlen zum Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK) der KPdSU aufgestiegen. Lenin war mit Stalin in späteren Jahren oft nicht einer Meinung, insbesondere fand er ihn zu grob für die Position eines Generalsekretärs. Im Jahr 1922, schon sehr schwer krank, schrieb er:
„Genosse Stalin hat, nachdem er Generalsekretär geworden ist, eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin nicht überzeugt, dass er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig Gebrauch zu machen.“
Am 16. Dezember 1922 verließ Lenin die Politik wegen einer schweren Krankheit. Kurze Zeit später war Lenin zu jeglicher Arbeit bis an sein Lebensende unfähig. Die Ärzte verboten ihm jede Art der Anstrengung, denn dies hätte seinen Tod nur beschleunigt. Das Triumvirat setzte sich an die Spitze der Macht innerhalb des Zentralkomitees und hielt gleichzeitig dessen andere Mitglieder wie die Trotzkisten von der Macht fern. Dabei produzierte sich Sinowjew vor allem als Redner, Kamenew führte den Vorsitz der Sitzungen und Stalin konzentrierte sich auf die Arbeit mit dem Apparat. Damit lag die Auswahl von Funktionären für die zentralen und lokalen Posten in seinen Händen. Bereits zu Lebzeiten wurde Kritik am Triumvirat laut. Lenin schrieb in zwei Briefen an den Parteitag, dass sich die Genossen über eine Ablöse Stalins Gedanken machen und nach einem Nachfolger suchen sollten, der toleranter, loyaler und höflicher sei. Aus den gleichen Briefen geht jedoch auch hervor, dass er im damaligen Politbüro keinen anderen geeigneten Kandidaten sah. An Stalins politischer Bilanz setzt Lenin jedoch nichts aus.

Auch andere Versuche, zum Beispiel geheime Unterredungen von anderen ZK-Mitgliedern in Kislowodsk, die zum Ziel hatten, Stalins Macht einzuschränken, scheiterten. Begründet lag dies teils an Meinungsverschiedenheiten der Akteure, teils an politischen Spielen Stalins und der Haltung der Parteimitglieder.

Nach dem Tod Lenins wurden diese Briefe vor den Delegierten des XIII. Parteitagses verlesen, allerdings wurde dies von Sinowjew erledigt, während Kamenew die Interpretation vornahm.

Sein Rivale Trotzki richtete ebenso Schreiben an das Zentralkomitee, indem er dem Triumvirat vorwarf, ein Regime zu sein, das weiter von der Arbeiterdemokratie entfernt war als das Regime des Kriegskommunismus während des Bürgerkrieges. Er forderte die alte Garde auf, der noch unerfahrenen jüngeren Generation Platz zu machen und sah das Triumvirat kurz vor der "Entartung". Nach innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten dauerte es mehrere Jahre, bis Trotzki Ende 1927 aus der Partei ausgeschlossen wurde. Trotzki wurde erst nach Kasachstan verbannt und dann aus der Sowjetunion ausgewiesen.

Zur gleichen Zeit zerfiel jedoch auch das Triumvirat, Kamenew und Sinowjew wurden zu innerparteilichen Gegnern Stalins, welcher wiederum Unterstützung bei Nikolai Bucharin, Jan Rudsutak, Michail Wassiljewitsch Frunse und Felix Dzierzynski fand. Kamenew und Sinowjew wurden 1926 aus der Macht gedrängt und etwa zehn Jahre später nach öffentlichen Schauprozessen hingerichtet.

1927 bis 1961

Ab 1927 war Stalin somit uneingeschränkter Alleinherrscher in der Sowjetunion. Er war das Haupt der kommunistischen Partei. Im staatlichen Bereich beschränkte er sich lange Zeit auf das Amt eines stellvertretenden Ministerpräsidenten der UdSSR.

1929 Unter der Maxime des "Sozialismus in einem Land" benutzt Stalin seine uneingeschränkte Machtfülle zur Durchsetzung der Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft und einer rigorosen Industrialisierung mit Hilfe von Fünfjahrplänen.

Im Jahre 1932/33 wurde von Stalin die Kollektivierung der Landwirtschaft vorangetrieben. Dies trug insbesondere in der Ukraine und an der Wolga zu Hungersnöten mit etwa zehn Millionen Opfern bei, dem Holodomor.
Dieser wird teilweise auch „Hungerholocaust“ genannt und ist der Name einer großen, absichtlich herbeigeführten, nach anderen Meinungen durch schlechte Ernten und administrative Unfähigkeit ausgelösten Hungersnot  in der Ukraine. Als ihre Hauptursache gilt die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft unter Stalin. Über die Opferzahlen des Holodomor gibt es unterschiedliche Schätzungen. In der Regel wird von etwa fünf bis sieben Millionen Toten allein in der Ukraine ausgegangen, davon drei Millionen Kinder. Der Holodomor wird von mindestens 26 Ländern, darunter der Ukraine, als Genozid bezeichnet.

1934-1939 Mit der "Großen Säuberung" vernichtet Stalin alle potentiellen und vermeintlichen Gegner seiner Herrschaft. In Schauprozessen wird auch die alte Bolschewikenführung aus der Zeit Lenins verurteilt und hingerichtet.

1939 Als Ergebnis einer um Sicherheit bemühten Außenpolitik schließt die UdSSR den Nichtangriffspakt mit dem Deutschen Reich.

Seit 1941 Vorsitzender des Rates der Volkskommissare

1941 bis 1945 ist Stalin Oberster Befehlshaber der Roten Armee

Seit 1946 Ministerrat

1945-1953 Mit seiner unangefochtenen Machtstellung setzt er die rigorose Innenpolitik fort und plant weitere Säuberungen.  

1948 Mit der Blockade West-Berlins versucht Stalin, die Kontrolle über die gesamte Stadt zu erlangen.

1950-1953 Im Koreakrieg zeigt sich der Gegensatz der beiden Weltmächte UdSSR und USA sowie der Wille Stalins zur Ausweitung seines Einflußbereiches.

Am 10. März 1952, während der Verhandlungen über den Deutschland- und den EVG-Vertrag, bietet Stalin in einer Note an die Westmächte Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands, den Abschluß eines Friedensvertrages und die Aufstellung nationaler Streitkräfte an. Im Gegenzug fordert er den Abzug aller Besatzungstruppen aus Deutschland innerhalb eines Jahres und die Neutralität des vereinten Deutschlands. Die Westmächte halten die Vorschläge der UdSSR vor allem für ein taktisches Manöver, um die Westintegration der Bundesrepublik zu verhindern, und setzen die Vertragsverhandlungen mit der Bundesrepublik fort.

Am 5. März 1953 stirbt Stalin in seiner Datscha bei Moskau.

1956 Mit der beginnenden " Entstalinisierung" wird das Prinzip der Alleinherrschaft zugunsten einer Kollektivführung der Partei eingeschränkt. Außerdem werden Verbrechen aus der Stalin-Zeit veröffentlicht und verurteilt.

1961 Die Leiche Stalins wird aus dem Mausoleum am Roten Platz entfernt und an der Kremlmauer beigesetzt.

Während seiner Regierungszeit wurden vermeintliche und tatsächliche politische Gegner sowie Millionen von Sowjetbürgern und ganze Volksgruppen besetzter Gebiete in Gulag-Strafarbeitslager deportiert und zu großen Teilen ermordet. http://lexikon.freenet.de/Gulag

Er gilt weiterhin als treibende Kraft hinter der sowjetischen Industrialisierung. Als wichtiger Partner zuerst des nationalsozialistischen Deutschlands und später der Alliierten hatte er einen entscheidenden Einfluss auf Beginn und Verlauf des Zweiten Weltkrieges sowie auf die Nachkriegsgestalltung Europas.

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
- Albert Einstein -

Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.

cosa

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Biographie Stalins
« Antwort #1 am: 08:51:15 Mo. 26.März 2007 »
ich verstehe nicht ganz, ob du da bewusst ironie mit reinbringst. falls ja, das wäre vielleicht bei offtopic gut aufgehoben  ;)

"der stählerne" - der name hat seine persönlichkeit geprägt oder was meinst du mit der markierung? scheint ironisch gemeint zu sein.

"iranischsprachige Volksgruppe im Kaukasus" - was sagt das aus?

„Diese unverdienten und schrecklichen Prügel machten den Jungen genauso hart und gefühllos wie seinen Vater.“ - darüber wie ihn das geprägt hat, kann nur spekuliert werden. welche erlebnisse da alle mit reinspielten und ihn formten weiß wahrscheinlich niemand und wahrscheinlich auch er selbst nicht.

„Genosse Stalin hat, nachdem er Generalsekretär geworden ist, eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin nicht überzeugt, dass er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig Gebrauch zu machen.“ - er hatte sehr viel macht, nun ja, das ist nicht unbedingt etwas neues.

Hartzhetzer

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« Antwort #2 am: 13:14:56 So. 01.April 2007 »
@cosa

Zitat
"der stählerne" - der name hat seine persönlichkeit geprägt oder was meinst du mit der markierung? scheint ironisch gemeint zu sein.
Die farblichen Makierungen habe ich nur wegen der Lesbarkeit gemacht, da sonst die Kursiven Textstellen (die Nebeninfos darstellen) schlecht zu erkennen sind.

Nun zum der stählerne:
Es ist schlicht die Deutsche Übersetzung für das Wort Stalin. Den Namen hat er sich selbst gegeben, was ja einiges über seine Persönlichkeit aussagt.

Zitat
"iranischsprachige Volksgruppe im Kaukasus" - was sagt das aus?
Dies ist die Erklärung für das Wort Ossetin, ich ging davon aus, das mit dem Wort als solches die wenigsten etwas anfangen können.

Zitat
„Diese unverdienten und schrecklichen Prügel machten den Jungen genauso hart und gefühllos wie seinen Vater.“ - darüber wie ihn das geprägt hat, kann nur spekuliert werden. welche erlebnisse da alle mit reinspielten und ihn formten weiß wahrscheinlich niemand und wahrscheinlich auch er selbst nicht.
Da gebe ich dir Recht, jedoch, ist das nun einmal passiert und muss daher in der Biographie erwähnt werden. Klar werden da noch andere Faktoren mit hineingespielt haben, aber ich gehe davon aus, das ein Menschlicher Charakter hauptsächlich in der Kindheit geprägt wird/ der Grundstein für diesen gelegt wird.

Zitat
„Genosse Stalin hat, nachdem er Generalsekretär geworden ist, eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin nicht überzeugt, dass er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig Gebrauch zu machen.“ - er hatte sehr viel macht, nun ja, das ist nicht unbedingt etwas neues.
Das ist die Aussage die Lenin über Stalin getroffen hat. Das soll bedeuten, dass es Lenin nicht recht war, dass Stalin so mächtig geworden ist. Er Stalins Charakter kannte und daher lieber einen anderen z.B.: Trotzki an Stalins Stelle in der gleichen Position gesehen hätte.
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« Antwort #3 am: 21:09:12 Di. 03.April 2007 »
Zitat
Gen. Stalin hat, nachdem er Generalsekretär geworden ist, eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin nicht überzeugt, dass er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig genug Gebrauch zu machen. Anderseits zeichnet sich Gen. Trotzki, wie schon sein Kampf gegen das ZK in der Frage des Volkskommissariats für Verkehrswesen bewiesen hat, nicht nur durch hervorragende Fähigkeiten aus. Persönlich ist er wohl der fähigste Mann im gegenwärtigen ZK, aber auch ein Mensch, der ein Übermaß von Selbstbewusstsein und eine übermäßige Vorliebe für rein administrative Maßnahmen hat.

Das Zitat, soweit es richtig ist, vollständig.
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« Antwort #4 am: 23:09:29 Fr. 06.April 2007 »
Hier ein Ausschnitt aus einem Interview der Tageszeitung "junge Welt" mit Walter Ruge. Der Themenbereich umfasst Faschismus und die Deutschen, Stalin und historischen Materialismus sowie den Berliner Gedenkstein "Den Opfern des Stalinismus". Zur Person von Walter Ruge nachstehende Angaben.

Zitat
Walter Ruge (geb. 1915) lebt in Potsdam. Er war Werkzeugmacher, Röntgeningenieur, Arzthelfer und DEFA-Mitarbeiter. 1933 Exil in der Sowjet union, 1941 Verurteilung zu zehn Jahren Lagerhaft, 1954 rehabilitiert, 1958 Ausreise in die DDR
Quelle

Zitat
(...)
Derzeit ist bei einigen dort offenbar bereits derjenige Stalinist, der die klassisch sozialdemokratische Forderung erhebt, die Schlüsselindustrien zu verstaatlichen.

Ich habe gute Gründe, diesen Begriff abzulehnen. Er paßt auch nicht zu diesem Respekt vor den Andersdenkenden, den die Linkspartei.PDS programmatisch vertritt. Wenn ich mit ihm Leute aus der Partei vergraulen will, dann ist das nur eine Fortsetzung der Einstufung von Menschewisten, Trotzkisten, Titoisten und jetzt eben Stalinisten, Neostalinisten, Poststalinisten. Faktisch wird die Politik der Nichttoleranz gegenüber einem Andersdenken forciert. Erinnern Sie sich an den Protest von drei PDS-Abgeordneten im Bundestag gegen den Bush-Besuch 2002. Da hat sich Roland Claus bei Bush entschuldigt. Ist das der Umgang mit Andersdenkenden? Wo ist der Respekt vor Fidel Castro als einem Andersdenkenden, wenn PDS-Europaabgeordnete für diese Kuba-kritische Resolution stimmen? Das ist Heuchelei.
Es gibt noch einen anderen Aspekt. Karl der Große hat mit Blut und Schwert sein Frankenreich vergrößert, und sein Glanzstück war die Christianisierung der Sachsen. Wer nicht den neuen Glauben annahm, wurde einen Kopf kürzer gemacht. Das war der Christianisierung sehr förderlich, aber es wäre völlig unfair, das Wesen des Christentums an Hand Karls des Großen zu erläutern oder an Hand der Kreuzzüge, der Inquisition oder des Dreißigjährigen Krieges.
Die moderne kommunistische Geschichte beginnt mit François Noël Babeuf, der 1797 hingerichtet wurde, also vor über 200 Jahren. Heute werden 25 Jahre aus dieser Geschichte herausgesucht, und es wird behauptet: Das ist Kommunismus. Durch endlose Wiederholung dieser These hat man das auch in den Köpfen durchgesetzt. Wenn Sie heute jemanden auf der Straße fragen, was Kommunismus ist, antwortet der: Gulag, Mauer, Terror etc. Daß die PDS das mitmacht, ist lächerlich. Den Kommunismus mit dieser Periode, die Stalinismus genannt wird, zu erklären, ist geradezu verbrecherisch. Denn wenn der Stalinismus eine Entartung des Kommunismus oder Sozialismus war, dann ist die Frage, wie der nicht entartete Sozialismus aussieht. Diese Frage wollen die Herrschenden gar nicht erst nicht aufkommen lassen.
(...)
Quelle
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