Autor Thema: Pharmahure ist ein lukratives Geschäft !!  (Gelesen 2176 mal)

scalpell

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Pharmahure ist ein lukratives Geschäft !!
« am: 19:47:04 Mi. 04.April 2007 »
Heute zufällig entdeckt:


Ein sehr interessanter Artikel zum Thema Pharmakonzerne

Leitlinien und Medizin-Industrie Checklisten-Medizin – was immer man von ihr hält – braucht Leitlinien. Leitlinien, nach denen sich die Mediziner in ihrer Behandlung richten können. Sie geben einen «Behandlungskorridor» vor, in dem der Behandler sich nach Möglichkeit bewegen soll, ohne die für die Therapie des individuellen Patienten nötige Handlungsfreiheit zu verlieren. Das leuchtet ein. Die Frage ist nur: Wer erstellt auf welchemHintergrund und mit welchen Motiven zu welchem Zweck solche Leitlinien? Leitlinien sollen sich am aktuellen Stand der Wissenschaft orientieren und diesen zu den Ärzten transportieren. Indem die Ärzte durch ständig aktualisierte Leitlinien auf dem neuesten Stand der Wissenschaft gehalten werden, soll die Behandlung optimiert werden.

Dieses Ansinnen ist sinnvoll und lobenswert, kommt doch der Medizinstudent während seines Studiums nur wenig mit Diagnostik und Therapie der großen Volkskrankheiten in Berührung, obwohl diese mehr als 80% des gesamten Behandlungsspektrums in der Hausarztpraxis ausmachen. Das Multiple-Choice-Verfahren hat diese Situation in den letzten Jahrzehnten weiter verschärft: Abfragbares Wissen richtet sich eher auf eindeutig zu beschreibende seltene Krankheiten; praktische Erfahrung mit dem individuellen Patienten, soweit diese überhaupt vermittelt wird, ist mit diesem System nur schwer zu prüfen. Die niedergelassenen Ärzte erwerben sich dieses Wissen zum einen durch learning by doing, zum anderen aus dem ihnen von einer rührigen Pharma-Industrie vermittelten «Wissen» über einschlägige Medikamente.

EBM-versorgten Hausärzten, die oft um des eigenen Überlebens willen eine Medizin machen müssen, die für den Patienten kaum Zeit lässt, fehlt erst recht die Zeit für die nötige Fortbildung. So wird der von der Pharma-Industrie nahegelegte Griff zum Rezeptblock zum viel begangenen (Aus-)Weg. Soweit es eine Pharmaunabhängige Fortbildung überhaupt noch gibt, kostet sie (wie ansonsten nur bei den Psychotherapeuten!) meist Geld, das der Allgemeinmediziner nicht übrig hat. Aus all dem resultiert ein zumindest sehr unterschiedlicher Wissenstand der Ärzte, was sinnvolle oder gar optimale Therapie chronisch Kranker angeht.

Leitlinien sollen hier Abhilfe schaffen. Die Idee ist gut. Doch wer soll nun festlegen, was der aktuelle «gesicherte Wissensstand» ist? Unabhängige Experten, so heißt es. Und genau da beginnen die Probleme: Wie sieht ein solcher unabhängiger Experte aus und wo findet man ihn, so es ihn wirklich gibt? Was bedeutet es für die einschlägige Medizin-Industrie – das ist nicht nur die Pharma-Industrie, sondern auch die Großgeräte-Hersteller und alle möglichen anderen medizinischen «Dienstleister» –, wenn Behandlungsstandards für ein paar Millionen Patienten festzulegen sind? Das sind Entscheidungen über Milliardengewinne, die Begehrlichkeiten wecken und jeden finanziellen Aufwand rechtfertigen.

Das galt natürlich bereits in der Vor-DMP-Ära, und vielleicht ging die Idee zu den DMP aus solchen Gründen auch bei uns – wie in den USA – von der Pharmaindustrie aus. Die Pharma-Industrie ist seit Jahren der profitträchtigste Industriezweig der Welt. Sogar in der im Jahr 2000 einsetzenden Flaute hat sie weiter satte zweistellige Gewinne eingefahren. Der Weg dazu führte über ein immer aggressiveres Marketing: Nach Schätzung des amerikanischen Verbraucherschutzvereins investiert die Branche etwa 30 % ihres Umsatzes in Marketing und Vertrieb, das wäre doppelt soviel wie für Forschung und Entwicklung neuer Medikamente.

In Deutschland betrug nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller im Jahr 2000 der Umsatz der Pharma-Industrie 41,3 Milliarden DM (Herstellerabgabepreis!). Davon gab man allein für Pharma-Referenten 2,7 Milliarden DM aus! Die Gesellschaft für Pharma-Information in Nürnberg analysierte die Vertreterbesuche bei 100.000 Ärzten: Etwa 15.500 Pharmareferenten hatten 20 Millionen Arztkontakte, das sind etwa 200 Kontakte pro Arzt (SZ 15.3.2002). «Return of invest» heißt dabei das Gebot, d. h. was man reinsteckt, muss auch wieder rauskommen. — Ein ehemaliger Mitarbeiter eines nicht genannten Konzerns berichtet darüber in der Abendzeitung (13.4.2002): «Der Regionalleiter eines Konzerns erarbeitet mit den ‹Verkäufern› einen ‹Deal- Katalog› mit verlockenden Angeboten – und diese unterbreiten wir unseren Kunden, den Ärzten. Geboten werden u. a. ‹Drei Tage Ski-Spaß in St. Moritz›. Die Gaudi kostet circa 2000 Euro, der Arzt zahlt einen Eigenanteil von 50 Euro ...

Wo es auch hingeht, immer nennt sich das Ganze ‹Wissenschaftlicher Kongress›; danach heißt es dann ‹Jetzt bitte machen wir ein Committment›, d. h. es gibt eine klare Absprache mit dem Arzt, eine bestimmte Zahl von Patienten auf ein bestimmtes Medikament als Dauermedikation einzustellen.»Mit sogenannten «Anwendungsbeobachtungen» versucht man, das Verschreibungsverhalten der Ärzte zu manipulieren: Dazu berichtet der Inspektor des niederländischen Gesundheitsamts in der Süddeutschen Zeitung (15.3.2002), dass Firmen für diese «Studien» bis zu einem Fünftel ihres Budgets ausgeben.

Anwendungsbeobachtungen sollen offiziell nach der Marktzulassung eines Medikaments wissenschaftliche Fragen klären, sie dienten jedoch größtenteils als reines Verkaufsinstrument. Die teilnehmenden Ärzte erhielten pro Patient eine Aufwandsentschädigung und müssten dafür lediglich einen Fragebogen ausfüllen. Man erreiche damit, dass sich die Ärzte an die neuen Medikamente gewöhnen und die Präparate auch weiterhin verschreiben. Für die Ergebnisse der «Studien» interessiere man sich bei den Firmen nicht. —

Das Hauptproblem – so Prof. Dr. Peter Schönhöfer bei der Tagung «Transparenz und Verantwortung» von Transparency International im September 2001 – seien die sogenannten «Meinungsbildner». Dabei handelt es sich in der Regel um prominente Universitätsprofessoren, die gegen Honorare Vorträge hielten, die mit den Pharmafirmen abgesprochen oder gar von diesen erstellt seien. Besonders in «Risikofragen» gebe es eklatante Möglichkeiten zu verdienen. Wenn nämlich ein potentiell gefährliches Produkt einen hohen Marktwert habe, werde viel Geld geboten, wenn man diese Gefahr verschweige. Da springe schon mal ein Haus in Nizza raus.

Die Offenlegung der Verbindungen dieser «Medizinexperten» zur Industrie müsse das Hauptziel sein, wolle man die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern. Wenn eine Therapieempfehlung, die die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen und Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) veröffentliche, direkt von den Vertretern der Pharmaindustrie geschrieben und dann irgendein Name darunter gesetzt werde, dann sei das ein korrupter Prozess. Es gäbe aber 700 solcher Leitlinien, die im Internet abrufbar seien. Gibt es Anzeichen für interessenbezogene Aktivitäten der Industrie im Umfeld der gerade entstehenden DMP? Die Gewichtung der Aktivitäten der Pharma-Industrie verschiebt sich seit Jahren zunehmend in Richtung auf sogenannte «Blockbuster», die man in der «Pipeline» hat. «Blockbuster» sind Medikamente, die Umsätze von mehr als einer Milliarde Euro erbringen.

An solchen heißen Dingern bastelt man herum, schützt sie durch Patentierung all over the world und hält damit die Preise für 20 Jahre hoch. Sie sind für die Menschen in den reichen Ländern bestimmt, die sie auch bezahlen können, die andern gehen leer aus (siehe der Kampf um die Aids-Medikamente in Afrika, aber auch Tbc-, Malaria-Mittel usw., ja selbst banale Medikamente wie Diclo u. ä.). Solche Blockbuster spielen natürlich auch bei den DMP eine Rolle, bei den bereits kreierten und bei noch zu kreierenden. Folgende Vermutungen liegen nahe: — Bei den bereits feststehenden DMP geht es für die Pharma- und sonstige Medizinindustrie darum, sich innerhalb des DMP- Rahmens zu positionieren, nach Möglichkeit mit Blockbustern.

Dies soll natürlich nach außen nicht offensichtlich werden. Man könnte sich also vorstellen, dass Mitarbeiter an der Front angehalten werden, auf allen Ebenen und mit allen Mitteln aktiv zu werden, bei Niedergelassenen wie in stationären Einrichtungen, vor allem  aber bei Meinungsbildnern (sog. Pharma-Huren),  bei Fachgesellschaften, aber auch bei Gesundheitspolitikern aller Parteien und bei den Medien. — Der zweite Schwerpunkt richtet sich darauf, gewinnträchtige Krankheitsbilder als neue DMP zu etablieren. In der medizinischen Presse kann man seit einiger Zeit zwischen den Zeilen lesen, wohin die Reise geht: In Frage kommen alle Krankheitsbilder, bei denen aufgrund der Zahl der betroffenen Patienten ein Blockbuster etabliert werden könnte:

Das demnächst umzusetzende KHK-Programm ist in dieser Hinsicht durchaus ausbaufähig: Man propagiert in der Medizinpresse derzeit alles, was dem KHK-Patienten helfen kann. Ganz vorne im Rennen liegen die Cholesterinsenker, trotz der Lipobay- Toten.  Ins Visier genommen hat man auch die Osteoporose: Auch da gibt es mittlerweile einschlägige Medikamente, viel Hightech- Diagnostik und Millionen in Frage kommender Patienten; auch die Männer bleiben seit neuestem nicht mehr außen vor. Man wartet mit wahren Horrorzahlen an eingebrochenen Wirbeln u. ä. auf und möchte dem bei Menschen ab 40 vorbeugen, Prävention ist angesagt: Dass Prävention eigentlich hieße: Mehr Bewegung und eine vernünftige Ernährung von Jugend an, wird allenfalls am Rande erwähnt! Zielführend ist eher eine «Disease-awareness- Kampagne». Derzeit tourt ein Osteoporose-Mobil durch Deutschland, das Daten für einen «Hoch-Risiko-Score» ermitteln soll und künftig jeder Frau ab 40 die Gefahren der Osteoporose und natürlich die medikamentösen Möglichkeiten, diese zu vermeiden, deutlich machen soll.

Die Forderungen nach einem DMP Osteoporose folgen dem Mobil auf dem Fuß. Risikofaktoren werden so zu behandlungsbedürftigen Krankheiten umgedeutet, Gesunde zu potentiell Kranken erklärt und diese dann einer medikamentösen Behandlung mit all ihren Risiken ausgesetzt. Unter dem Etikett  «Prävention» werden finanzielle Ressourcen von Kranken zu Gesunden umverteilt, die Pharma-Industrie macht bei angeblich 5–7 Millionen Osteoporose-«Kranken» allein in Deutschland einen satten Gewinn.

Es stellt sich die Frage: Wie können eindeutig interessengeleitete Einwirkungsmöglichkeiten auf die DMP-Leitlinien eliminiert oder wenigstens minimiert werden, damit die DMP tatsächlich zu einer Verbesserung der Versorgung chronisch kranker Patienten führen können? Hier lässt mich meine professionelle Fähigkeit zur Hypothesen- Bildung weitgehend im Stich. Mehr desselben bringt nach Watzlawick nichts. Es braucht wohl eine Lösung zweiter Ordnung. Wem fällt dazu etwas ein? Wir Psychos könnten ja, wenn man uns schon aufgrund der übergeordneten Interessenlage bei der Erstellung und Umsetzung der Programme nicht haben will, auf einer anderen übergeordneten Ebene das einbringen, was wir in unserer Pipeline haben. Was meinen Sie dazu? Dr. med. Ursula Stahlbusch
Quelle: http://www.cosis.net/bvvp/2002_03_04.pdf
HTML Version Seite 18-20
http://66.102.9.104/search?q=cache:bHQ4kfysJWEJ:www.cosis.net/bvvp/2002_03_04.pdf+http://www.cosis.net/bvvp/2002_03_04.pdf&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de&lr=lang_de

Scalpell 8o
ICH BIN PLATT
Die Plutokraten haben das Ruder in die Hand genommen
Die "Politiker" sind ihre Stimme

Eivisskat

  • Gast
Pharmahure ist ein lukratives Geschäft !!
« Antwort #1 am: 19:05:23 Fr. 06.April 2007 »
Vielen Dank @Skalpell für Deine wichtige Recherche, es ist wirklich unglaublich!!!

Und richtig pervers und menschenverachtend finde ich auch diese neue Masche der Gen-Forschung:

Junge, gesunde Frauen werden untersucht und bei ihnen wird ein "genetischer Defekt" festgestellt, der eine mögliche spätere Brustkrebserkankung in sich trägt.

Diese jungen Frauen werden von den Raubtier-Medizinern/perversen Pfarmaforschern überredet, sich präventiv die gesunden Brüste amputieren zu lassen, um einer eventuelle spätere Krebserkrankung zu vermeiden.

Es gibt mehrere Fälle, bei denen Frauen sich überreden ließen und jetzt ohne Brüste leben, aber mit Nebenwirkungen und Spätfolgen und selbstverständlich trotzdem mit dem Schreckgespenst einer zukünftigen Krebserkrankung an einer anderen Stelle.

Man fragt sich, was das für Frauen sind, die sich zu so etwas überreden lassen...

Aber die Hauptfrage ist natürlich: Wer sind diese Perversen, die diese widerlichen Experimente inzenieren?

LG von
Kat