Autor Thema: Neues Unterforum Mobbing  (Gelesen 25404 mal)

Rudolf Rocker

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13420
  • Waldkauz (8>
Re:Neues Unterforum Mobbing
« Antwort #15 am: 10:30:58 Mo. 15.Mai 2017 »
Jaaa, sieben Jahre sind ´ne lange Zeit! ;D

BGS

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3321
  • Polarlicht
Re:Neues Unterforum Mobbing
« Antwort #16 am: 11:52:59 Mo. 15.Mai 2017 »
Olanda hat's geschafft: Entweder ist sie nun in Rente - oder bereits im Himmel.


Oder im Ausland ;D

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

tleary

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 736
  • Yellow Submarine
Re:Neues Unterforum Mobbing
« Antwort #17 am: 15:00:07 Mo. 22.Mai 2017 »
Oder im Ausland ;D
Der Himmel kann nur im Ausland sein!
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12670
  • Fischkopp
Re: Neues Unterforum Mobbing
« Antwort #18 am: 12:19:15 Mi. 17.April 2019 »
Zitat
Sozialpsychologie
Alle gegen einen

Der Kapitalismus fördert Konkurrenzdenken und Abgrenzung. Wer nicht funktioniert, wird ausgegrenzt – Fragmente einer Sozialpsychologie des »Mobbings«


Götz Eisenberg

Seit dem Tod eines elfjährigen Mädchens in Berlin-Reinickendorf Ende Januar 2019 wird wieder einmal breit über das Thema »Mobbing« diskutiert. Der selbsternannte Anti-Mobbing-Coach und Darsteller in einer Dokusoap von RTL 2 Carsten Stahl erklärte das Mädchen flugs zum Mobbingopfer und erhob schwere Vorwürfe gegen die Schule, die sie besucht hatte. Er rief zu einer Mahnwache auf, an der circa 150 Menschen teilnahmen. Man warf der Schulleitung und dem Kollegium vor, die seit Jahren bestehende Problematik nicht ernst genug zu nehmen und nichts dagegen zu tun. Die Eltern baten indes darum, den Tod ihrer Tochter nicht zu instrumentalisieren und ihnen mehr Zeit zur Klärung einzuräumen. Leute wie Stahl machen aus Fällen wie diesem ein Geschäftsmodell. Vor allem neigen sie zu Vereinfachungen. Todesfälle wie der des elfjährigen Mädchens werden immer etwas Rätselhaftes behalten, das sich unseren Deutungsversuchen entzieht. Monokausale Erklärungen genügen hier nicht.

Ich hege ein gewisses Misstrauen gegenüber Begriffen, die aus der Ethnologie in die Sozialwissenschaften und die Psychologie eingewandert sind. Sie dienen häufig dazu, ein historisch und gesellschaftlich spezifisches Verhalten zu einer biologischen oder zumindest anthropologischen Konstante zu verdinglichen und damit aus dem Bereich dessen zu verbannen, der veränderbar ist.
(...)
 »Der Kapitalismus«, hat der österreichische Sozialist Günther Nenning einmal gesagt, »ist nur nett, wenn er muss, und gegenwärtig muss er nicht.« Zu Zeiten des Kalten Krieges war der Kapitalismus weniger reich als jetzt, und dennoch finanzierte er, wenn auch nie begeistert, den vollen Sozialstaat, der die schlimmsten Auswirkungen des Kapitalprinzips abfedern sollte. Mangels kommunistischer oder auch nur sozialdemokratischer Herausforderungen sieht er sich jetzt zu solchen Nettigkeiten nicht mehr genötigt und legt seine Beißhemmungen ab.

Neoliberales Treibhaus

Eine vom Markt und seinen Gesetzen vollkommen beherrschte Gesellschaft zwingt die Menschen zu einem Leben im Zustand permanenter Verteidigung und Aggression. Wer vorwärts kommen und nicht irgendwann zu den Herausgefallenen und Überflüssigen gehören will, muss sozialdarwinistische Haltungen wie Skrupellosigkeit und Härte an den Tag legen. Der Neoliberalismus hat solche Haltungen vermasst. Es herrscht ein Klima, in dem Praktiken des Mobbings wie in einem Treibhaus gedeihen.
(...)
So ist es kein Wunder, dass Mobbing zu einer Seuche des neoliberalen Zeitalters geworden ist. Gerade höre ich im Radio die Meldung, dass sich die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt hat, von rund 48 Millionen im Jahr 2007 auf 107 Millionen im Jahr 2017. Die Fehltage sind ein ziemlich genauer Indikator für den Druck, der auf all denen lastet, die noch einen Job haben. Praktiken, die man als Mobbing einstuft, werden an dieser Entwicklung ihren Anteil haben.
(...)
Der Sündenbockmechanismus

Von dem Sozialpsychologen Peter Brückner habe ich gelernt zu fragen: »Welche menschlichen Haltungen gedeihen eigentlich in einem gegebenen sozialen Klima, welche verdorren?« Die Antwort: Ellenbogeneinsatz, Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Leiden und Skrupellosigkeit gedeihen im sozialdarwinistischen Klima; Mitgefühl, Solidarität und Empathie drohen zu verdorren. In dem Maße, wie die Menschen von der Kita bis zum Seniorenheim gehetzt und vor allem aufeinandergehetzt werden, der Konkurrenz- und Leistungsdruck zunimmt, ohne dass sich ihnen eine Möglichkeit der Gegenwehr bietet, wächst das Bedürfnis nach einem Sündenbock, auf den die Malaise verschoben werden kann. Er ist das beste Objekt für die Projektion aller möglichen Bedrohtheits- und Unsicherheitsgefühle. Mobbing ist eine Spielart des Sündenbockmechanismus, auf den alle klassengespaltenen Herrschaftskulturen zwecks systemkonformer Entschärfung von Konflikten angewiesen sind.
https://www.jungewelt.de/artikel/352971.sozialpsychologie-alle-gegen-einen.html

Zitat
Götz Eisenberg ist Sozialwissenschaftler und Publizist. Er ist Mitinitiator des Gießener Georg-Büchner-Clubs und arbeitet an einer »Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus«, deren dritter Band unter dem Titel »Zwischen Anarchismus und Populismus« 2018 im Gießener Verlag Wolfgang Polkowski erschienen ist. (...)

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4096
  • Sapere aude!
Re: Neues Unterforum Mobbing
« Antwort #19 am: 16:35:52 Mi. 17.April 2019 »
Sehr guter Text! Danke fürs Einstellen!
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!