Autor Thema: Karstadt  (Gelesen 19461 mal)

ManOfConstantSorrow

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Karstadt
« am: 20:48:26 Mi. 02.Juni 2004 »
In einem anderen Thread wurde dieses Thema begonnen.

http://www.chefduzen.de/thread.php?threadid=1366&sid=

Es ist einiges in Bewegung:



02.06.04 - Karstadt blieb bundesweit geschlossen
Teilweise bis über die Mittagsstunden blieben heute fast alle 180 Karstadt-Warenhäuser geschlossen. Auf Betriebsversammlungen wurden die rund 40.000 Beschäftigten vom Betriebsrat über die Arbeitsplatzvernichtungspläne informiert. Bis zu 10.000 Vollzeitarbeitsplätze sollen wegfallen. Im Juli sollen die Verhandlungen mit dem Konzern fortgesetzt werden.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

regenwurm

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Karstadt
« Antwort #1 am: 04:13:22 Do. 08.September 2005 »
Firmenportrait: KarstadtQuelle AG
Die KarstadtQuelle AG ist nach eigenen Angaben Europas größter kombinierter Warenhaus- und Versandhandelskonzern. 46,2% des Umsatzes machen Sie im Einzelhandel, mit

220 Warenhäusern (u.a. Karstadt, KarstadtSport, KaDeWe, Wertheim), die in Deutschland einen Marktanteil von 50% haben.
294 Fachgeschäften (u.a. SinnLefers, Runnerspoint, WOM)
In Deutschland ist KarstadtQuelle Marktführer im Versandhandel mit 30% Marktanteil (Quelle, Neckermann). Die europaweite Katalogauflage beträgt 618 Millionen Exemplare. Daneben gibt es im Konzern noch verschiedenen Spezialversand (Hess Natur, Baby Walz u.a.), insgesamt hat der Versandhandel einen Anteil von 52% am Gesamtumsatz des Konzerns. Kleinere Bereiche sind Dienstleistungen und Immobilien.

Der Gesamtumsatz betrug 2002 15,8 Mrd. Euro. KarstadtQuelle beschäftigt europaweit über 100.000 MitarbeiterInnen.

quelle konsumnet

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BGS

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Karstadt
« Antwort #2 am: 22:32:34 Do. 08.September 2005 »
Warum sollte man bei Karstadt & Konsorten einkaufen als Ausgebeuteter?

Habe ich nicht vor und die wollen sicher keine Arbeitslosen in ihren Läden, ist nur was für "brave Bürger"! :D
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http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
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regenwurm

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Karstadt
« Antwort #3 am: 08:13:14 Fr. 09.September 2005 »
..die machen bei uns erst um zehn auf..
ich mußte mir mal da ein Modem Kabel holen..
was natürlich falsch gepolt war..
dann half life kaufen wollen- da war die cd schon rausgeklaut
 ach zum photo - bausünde der 70'er
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Eivisskat

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Karstadt reduziert Sortiment – 2012 wird hartes Jahr
« Antwort #4 am: 16:42:57 Mi. 29.Februar 2012 »
Zitat
Der Karstadtkonzern wird seine Angebotspalette ausdünnen. „Wir hatten zu lange ein viel zu breites Sortiment“, sagte Firmenchef Andrew Jennings der „Financial Times Deutschland“ (FTD).

 Innerhalb von 18 Monaten sollen die Abteilungen für Unterhaltungselektronik aufgelöst werden. Außerdem will Karstadt das Modesortiment um ein Fünftel verkleinern und die Zahl der Lieferanten soll entsprechend sinken. Die Buchabteilungen in den Karstadt-Häusern kämen auf den Prüfstand, sagte Jennings.

Die für das Warenhausgeschäft wichtige Wintersaison sei wegen des insgesamt warmen Wetters „extrem schwierig“ verlaufen, sagte Jennings. „Dieses Jahr wird ein hartes Jahr, keine Frage“, sagte er. Die Neuausrichtung des 2010 aus der Insolvenz geretteten Unternehmens werde vier bis fünf Jahre, wenn nicht länger dauern, hatte Jennings schon früher angekündigt. „Selbst wenn wir Rückenwind hätten, würden wir unsere Ziele nicht über Nacht erreichen. Wir haben aber keinen Rückenwind. Wir haben Gegenwind“, sagte er in dem FTD-Interview. Das wirtschaftliche Umfeld sei schwierig.

 Im vergangenen Sommer hatte Jennings angekündigt, die Warenhäuser modernisieren zu wollen, ihr Profil zu schärfen und das Geschäftsmodell zu vereinfachen. Was dies genau bedeuten soll, war bislang aber unklar. In gut 20 Karstadt-Filialen wurden die Verkaufsräume renoviert. Konkrete Veränderungen waren ansonsten kaum erkennbar.

 Jennings will nun voll in die Optimierung des Sortiments einsteigen: Künftig werde jedes Jahr das gesamte Sortiment bis auf die Ebene der einzelnen Marke auf Rentabilität überprüft. Sortimentsbereiche oder Marken, die beim Kunden nicht ankommen, sollen so schneller als bisher ausgelistet werden. „Das wurde bei Karstadt bisher nicht gemacht“, sagte der Manager. Für die Lieferanten seien die Zahlungsziele um 30 Tage verlängert worden. Damit würden sie europäischen Standards angepasst.

 Ein großer Kostenblock kommt auf Karstadt im Herbst zu, wenn der Sanierungstarifvertrag ausläuft und rund 50 Millionen Euro mehr Löhne und Gehälter gezahlt werden müssen. Dies sei in den Budgetplanungen berücksichtigt, hatte Jennings Anfang Februar der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt, auch ansonsten sei das Unternehmen auf positivem Kurs und habe den vollen Rückhalt des Eigentümers Nicolas Berggruen.

 Ziel des Umbauprozesses sei eine Fokussierung, sagte Jennings der FTD: „Wir werden nicht mehr Unmengen, sondern die richtigen Produkte anbieten.“ Schon in diesem Herbst und erst recht im Frühjahr 2013 werde bei Karstadt ein „dramatischer Wandel“ erkennbar sein.

 Karstadt betreibt aktuell 86 Waren- und 26 Sporthäuser und das Internetportal Karstadt.de. Das Unternehmen beschäftigt rund 25.000 Mitarbeiter. Etwa 1,5 Millionen Menschen besuchen nach Firmenangaben täglich die Filialen des Konzerns. (dpa/abendblatt.de)


http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article2201427/Karstadt-reduziert-Sortiment-2012-wird-hartes-Jahr.html

Tiefrot

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Re:Karstadt reduziert Sortiment – 2012 wird hartes Jahr
« Antwort #5 am: 19:16:50 Mi. 29.Februar 2012 »
Da zeigt sich grade bei Knarrstadt, daß die Kundschaft kein Geld mehr hat.
Darauf läuft es am Ende nämlich hinaus.  ;D
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Rudolf Rocker

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Re:Karstadt reduziert Sortiment – 2012 wird hartes Jahr
« Antwort #6 am: 20:21:44 Mi. 29.Februar 2012 »
Ich denke mal es liegt wohl eher daran das die Kundschaft lieber bequem im Internet bestellt, als auf altmodische Art und Weise in einen Laden zu latschen! ;D
Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!

BGS

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Re:Karstadt reduziert Sortiment – 2012 wird hartes Jahr
« Antwort #7 am: 21:22:42 Mi. 29.Februar 2012 »
Ich glaube, dass nur noch gutsituierte Omas zu K, gehen werden. Sortiment hin oder her. Wieso gibts diese Geschäfte eigentlich noch`im Zeitalter des Interneteinkaufens?

MfG

BGS
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Tiefrot

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Re:Karstadt reduziert Sortiment – 2012 wird hartes Jahr
« Antwort #8 am: 22:48:02 Mi. 29.Februar 2012 »
In Spandau City ist noch eins. Und das ist recht gut besucht, bin heute daran vorbeigelaufen.  ;D
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Kuddel

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Re:Karstadt
« Antwort #9 am: 10:32:00 Di. 15.Juli 2014 »

Zitat
Karstadt - ein Sündenfall der Politik


Gemeinsam stark: Die damalige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Nicolas Bergguen auf der Pressekonferenz am 3. September 2010, auf der sie die angebliche Rettung Karstadt bekannt gaben.

Nicolas Berggruen wirtschaftet Karstadt gen Abgrund. Das war absehbar. Trotzdem verhalf ihm die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zum Einstieg.

Mit Karstadt als großem Warenhaus-Konzern geht es zu Ende. Es war Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die im Jahr 2010 nicht widerstehen konnte. Für Karstadt, Teil der Insolvenzmasse Arcandors, gab es reichlich Interessenten: Den Dax-Konzern Metro, der den Karstadt-Konkurrenten Kaufhof betreibt, den Finanzinvestoren Triton oder auch den italienischen Warenhauskönig Maurizio Borletti (La Rinascente, Printemps). Sie hatten entweder fachliche oder finanzielle Expertise zu bieten. Natürlich hätten sie einen großen Teil der damals 25 000 Arbeitsplätze bei Karstadt abgebaut.

Die Bundesregierung in Person von Ursula von der Leyen legte sich stattdessen für Nicolas Berggruen ins Zeug. Ein Mann mit feinen Manieren und anständigem Familienstammbuch zwar, aber eben auch einer, der sein Vermögen vor allem durch den Kauf von Firmenschnäppchen und deren raschen Weiterverkauf ohne große unternehmerische Weiterentwicklung gemacht hatte. Das alles blendete von der Leyen, angetrieben durch die damalige Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raabe und unterstützt von dem konfliktscheuen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, vehement aus. Stattdessen: Öffentliche Werbung für Berggruen, am Ende sogar ein gemeinsamer Auftritt von der Leyens mit Berggruen vor TV-Kameras. Berggruen schaffte das mit einem beschämend simplen Trick: Er versprach Mönig-Raabe und von der Leyen einfach, Karstadt zu sanieren, ohne den Arbeitnehmern wehzutun. Er gab den Märchenonkel und von der Leyen sah die Chance, als Wohlfühltante Sympathien einzusammeln.

Nun entwickelt sich die Sache genauso, wie bereits 2010 von wachen Geistern prophezeit (von denen es recht viele gab, unter anderem auch das manager magazin). Berggruen investiert nicht das Geld, dass es für eine Schubumkehr bräuchte. Karstadt schreibt Verluste. Das Unternehmen verliert täglich an Wert und an Solidität als Arbeitgeber. Das Risiko einer radikalen Zerschlagung steigt von Tag zu Tag.
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/karstadt-ein-suendenfall-der-republik-a-980619.html


Zitat
Karstadt
Die Wut auf Berggruen wächst


Der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Konzerns, Arno Peukes, erhob schwere Vorwürfe gegen Investor Nicolas Berggruen. "Es ist eine Riesen-Sauerei, dass Berggruen jedes Jahr Millionen steuerfrei auf die Seite schafft, während die Mitarbeiter um ihre Jobs zittern müssen", sagte Peukes der Zeitung.

Laut dem Bericht fließen Millionenzahlungen, die Berggruen für die Namensrechte von Karstadt erhält, an eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik, die als Steueroase bekannt sind. Der Vorwurf war schon vor einem Jahr erhoben worden. Berggruen wollte sich den Angaben zufolge nicht dazu äußern.

In einzelnen Berichten hieß es, Berggruen verhandle bereits über einen Verkauf an die österreichische Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko verhandeln. Benko könnte für einen Euro gut 70 Prozent an Karstadt übernehmen. Bisher besitzt Benko bereits die Mehrheit an Karstadt-Sport und mehrere Top-Filialen. Benko besitzt zudem zahlreiche Karstadt-Immobilien. Berggruen hat nunmehr nur noch die Mehrheit am traditionellen Warenhausgeschäft, und das braucht spätestens für den Weihnachtseinkauf im Herbst Geld.
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/karstadt-mitarbeiter-fuerchten-nach-sjoestedts-abgang-um-ihre-jobs-a-980790.html

Zitat
Berggruen presst das Letzte aus Karstadt raus

Als Nicolas Berggruen kam, um Karstadt zu helfen, wurde er wie ein Erlöser gefeiert. Doch der Traum vom guten Investor ist geplatzt. Berggruen kassiert – während seine Manager die Firma filetieren.


Nicolas Berggruen wagt eine Prognose. "Karstadt wird jetzt ein sehr aufregendes Leben haben", kündigt der smarte Milliardär direkt nach der Übernahme im Blitzlichtgewitter an. Neben ihm steht Ursula von der Leyen (CDU). Die damalige Arbeitsministerin genießt den Triumph sichtlich, an der Rettung eines so populären Unternehmens beteiligt zu sein.

Karstadt werde weiter existieren – ohne einen Arbeitsplatz zu streichen, ohne eine Filiale zu schließen. So verspricht es Berggruen. "Heute ist ein Tag der Freude für die Mitarbeiter", sagt von der Leyen.

Damit freilich hatte von der Leyen unrecht, und das aufregende Leben hatten sich die Karstadt-Beschäftigten auch anders vorgestellt.

Von dem amerikanischen Milliardär ohne festen Wohnsitz, der nur in Hotels lebt und im Privatjet die Welt durcheilt, ging damals eine seltsame Faszination aus. Mit seiner Denkfabrik Berggruen Institute wollte er die ganz großen Probleme der Menschheit ausloten.

In einem Buch befasste er sich mit dem weiten Thema "Klug Regieren im 21. Jahrhundert". Die deutschen Wurzeln als Sohn des Kunstsammlers, Mäzens und Berliner Ehrenbürgers Heinz Berggruen taten ein Übriges, um ihm Sympathie zu sichern.

Investoren, die mit ihm zu tun hatten, sehen das nüchterner. "Berggruen ist jemand, der mit wenig eigenem Kapitaleinsatz versucht, eine hohe Rendite zu erzielen", sagt einer von ihnen. Am Engagement für erneuerbare Energien beispielsweise lockten ihn vor allem die Subventionen, die es dafür gebe. Auch der Verlauf bei Karstadt spricht für eiskaltes Kalkül.

Berggrün, der den Geschäftsbetrieb von Karstadt für einen Euro erhielt, investierte danach kein nennenswertes eigenes Geld mehr. Statt zu investieren, fließt Geld aus dem Unternehmen ab – in Berggruens Richtung.

Jährlich erhält er eine Vergütung von neun bis zwölf Millionen Euro für die Nutzung der Karstadt-Markenrechte, die er für ganze fünf Millionen Euro erworben hatte. Für ihn hatte sich die Investition damit nach knapp einem halben Jahr gelohnt.

Auch danach läuft alles wie aus dem Heuschrecken-Lehrbuch. Kapitel eins: Operative Kosten senken. Bei Karstadt wird gespart – bis heute. Die Mitarbeiter verzichten nicht nur auf Hunderte Millionen Euro Lohn und Gehalt, vielmehr werden auch massiv Arbeitsplätze abgebaut.

Als Berggruen übernimmt, stehen rund 25.000 Namen auf den Lohnlisten. Heute spricht der Betriebsrat von 17.000 – gestrichene Jobs durch Aufhebungsverträge, Nicht-Besetzung frei werdender Stellen, Pensionierung. Einer von drei Arbeitsplätzen ist verschwunden – welch ein Widerspruch zu den Ankündigungen.

Filetierung und Teilverkauf. Zunächst werden die Tochter Karstadt-Sport und drei Premiumhäuser, das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und Oberpollinger in München, als separate Firmen organisiert, dann folgt – entgegen anderslautender Dementis – die Trennung.
http://www.welt.de/wirtschaft/article130102395/Berggruen-presst-das-Letzte-aus-Karstadt-raus.html

Zitat
Die Bankrotterklärung des Nicolas Berggruen

Und es gibt Menschen, die investieren keinen Pfennig. Zum Beispiel für den Erwerb des einst größten Warenhauskonzerns Europas, und sie werden trotzdem, hartnäckig und ganz selbstverständlich, selbst von ihren Kritikern und Feinden "Investor" genannt.

Nicolas Berggruen hat vor vier Jahren Karstadt für lau an sich gebracht, wie auch immer es ihm gelungen ist. Er hat den Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und die Gewerkschaftsbosse und die herbei geeilte Politik, vertreten durch Superministerin Ursula von der Leyen (damals Arbeits-und Sozialministerin), und auch alle sonst Beteiligten und eben auch die Arbeitnehmer von Karstadt derart geblendet, dass sich ausnahmslos alle dem Glauben hingegeben haben, dass der Retter des abgewirtschafteten Kaufhauskonzerns gerade vor ihnen vom Himmel gefallen sei. Der angeblich so selbstlose Berggruen, der Milliardär und Kunstsammlersohn, der Selfmademan-Erbe, philosophierende Think Tanker, der gute Kapitalist und Hollywoodfeten-Veranstalter begann allerdings mit der Zerschlagung von Karstadt, die er aus der Sicht seiner Verhandlungs-und Vertragspartner gerade ausgeschlossen hatte - genau in der Sekunde, als er Karstadt übernahm.

Zuerst hat Berggruen Karstadt den Kopf abgeschlagen. Der Konkursverwalter, von der Leyen und die Gewerkschaften waren zufrieden. Berggruen übernahm nämlich als erstes die vom Karstadtkonzern abgetrennten Namensrechte und sicherte sich damit die Firma Karstadt für lächerliche 5 Millionen Euro, wie es hieß. Dies war die erste Zerlegung des Arcandor-Restkonzerns, die Berggruen ungeniert in aller Öffentlichkeit vornahm.

Für Berggruen war der Kauf des Namens Karstadt eine sensationelle Entscheidung. Er kassiert, seitdem er Karstadt für nichts übernommen hat, jährlich millionenschwere Lizenzgebühren dafür, dass er Karstadt den Namen Karstadt großzügig auf Zeit überlässt.

Es heißt, der Herr Investor wäre milliardenschwer. Und in der Tat, bei Karstadt geht es um ein Unternehmen, dessen Jahresumsätze (noch) im Milliardenbereich rangieren.

2010, beim Abschluss des Big Deals mit dem Konkursverwalter, der weitreichende Gläubigerverzichte beinhaltete sowie Lohnverzicht der Mitarbeiter und viele Wohltaten mehr, traten tatsächlich statt Berggruen persönlich viele Anwälte und viele eigens gegründete Firmen auf, deren Kapitalverhältnisse sich nicht nachvollziehbar recherchieren lassen. Berggruen war nicht selber der "Investor". Diese Rolle übernahmen Firmenkonglomerate, deren wirtschaftliche Solidität im Dunklen liegt und deren eigene Zahlungsunfähigkeit im Fall aller Fälle auch Niemanden groß jucken würde.

Liquiditätslöcher werden durch Lohnverzichte gestopft. Die wahren Scharlatane waren allerdings diejenigen, die dem Wunderheiler Berggruen den Konzern Karstadt zu Füßen legten.

Geschickt eingefädelt

Eine feine Sache: Jemand sagt, ich bin Milliardär, ich bin Investor, ich bin selbstlos und ich verstehe etwas von Wirtschaft, von Geld und von Firmensanierung. Und die aus der langjährigen Karstadtkrise kaum schlauer gewordenen Verantwortlichen, die das Sagen über den Karstadtkonzern hatten, sagen umgekehrt zu diesem: Wir schenken dir, Investor, das Unternehmen für einen Euro und zu Traumtänzerbedingungen: Du musst selber kein Risiko eingehen, du musst nicht investieren, wenn du nicht willst, du kannst also gar keine Verluste machen, aber umgekehrt wenn - gegebenenfalls wider Erwarten - eines Tages doch Gewinne entstehen, dann sind diese Gewinne deine Gewinne, lieber Herr bescheidener Milliardär.

2010, als Berggruen übernahm, finanzierten die Mitarbeiter über einen Lohnverzicht von insgesamt 150 Millionen Euro die nicht stattfindenden Sanierungsmaßnahmen Berggruens und gewiss waren auch andere Gläubiger wie der Fiskus zu einer wohlwollenden Behandlung von Berggruens Karstadt bereit. Lieferanten taten ihr Möglichstes und sogar die Vermieter der von Thomas Middelhoff widersinniger Weise verkauften Karstadt-Immobilien waren großzügig.

Wer einen großen Konzern geschenkt bekommt und von allen Seiten, selbst von den sozial schwächsten kleinsten Mitarbeitern, vier Jahre lang tagein tagaus "subventioniert" wird, wie Berggruen es jetzt wurde und gar keinen Erfolg, sondern einen einzigen gigantischen Misserfolg vorzuweisen hat, ist fürwahr auf seinem Spezialgebiet ein großer Versager.

Darüber hinaus gilt: Der Berggruen-Deal, so wie er 2010 zustande kam, wäre mit höchster Wahrscheinlichkeit ohne den Einsatz Ursula von der Leyens nicht zustande gekommen. Wenn sich in Großpleiten die Großpolitik einschaltet, gelten von dieser Einschaltung an für alle Beteiligten neue besondere "Gesetze". Und das wusste von der Leyen auch. Berggruen war nicht der einzige Interessent, der sich an Karstadt versuchen wollte und auch die anderen Retter werden knallharte Bedingungen für ihre Übernahme formuliert haben.

Aber der Deal mit den leicht zwielichtig wirkenden Berggruenfirmen, von denen offenbar weder von der Leyen noch der Konkursverwalter noch die Gewerkschafter genau wussten, war ein Geschäft, das mit solider nachhaltiger Politik oder solidem nachhaltigem Handwerk womöglich wenig zu tun hatte.

Und wo stehen die Superminister Sigmar Gabriel (Wirtschaft) und Andrea Nahles ( Arbeit, Soziales) jetzt? Ziehen sie schon die Spendierhosen an? Oder wollen sie sich raushalten? Oder sind sie schon im Familienurlaub und lassen die Chose laufen?

Eins steht unumrückbar fest. Berggruen oder diejenigen, die ihm leichtgläubig, um nicht leichtfertig zu sagen, auf den Leim gingen, haben der Entscheidung Karstadt einzustellen, enormen Vorschub geleistet.
http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/bettina-roehl-direkt-der-sterbende-handelsriese-karstadt/10200034.html

Zitat
Mit einer Finanzspritze durch den Eigner Nicolas Berggruen brauchen die Mitarbeiter des angeschlagenen Warenhausunternehmens Karstadt nicht zu rechnen. Sie müssen sich vielmehr auf eine harte Sanierung und die Schließung von möglicherweise mehr als 20 Filialen einstellen.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/aufsichtsratsvorsitzender-fanderl-mehr-als-20-karstadt-haeuser-von-schliessung-bedroht-13045578.html

Troll

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Re:Karstadt
« Antwort #10 am: 13:02:59 Di. 15.Juli 2014 »
Das ist also so ein großartiger Investor, einer von denen die so gerne von der Politik mit allerlei steuerlichen Vergünstigungen angelockt werden.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Kuddel

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Re:Karstadt
« Antwort #11 am: 20:53:27 Mo. 18.August 2014 »
Zitat
René Benko
Ein vorbestrafter Aufsteiger will Karstadt retten

Der Tiroler Investor René Benko hat es vom Schulabbrecher zum schwerreichen Mann gebracht. Zu seinen Freunden und Geschäftspartnern zählen Tina Turner und Roland Berger. Was will er nun mit Karstadt?


Nun also Benko, René, der sagenhafte Selfmade-Millionär oder -Milliardär aus Tirol. Kann er Karstadt retten? Will er es? Jedenfalls wird er die Karstadt-Immobilien retten wollen, denn das ist sein Kerngeschäft. Und dafür braucht er, zumindest auf Sicht, Leben und Handel in den 83 Warenhäusern. Das kann mit Karstadt sein, wenn es denn wieder auf die Beine kommt, oder einem anderen Mieter. Fest steht: Von dem 37-jährigen Investor aus Österreich hängt jetzt Wohl und Wehe Dutzender deutscher Innenstädte ab.

Benko hat sein Geld – viel Geld – mit Immobilien gemacht, seit er mit 17 das Wirtschaftsgymnasium abgebrochen hat. Die Basis seines auf 850 Millionen Euro taxierten Vermögens legte der Sprössling eines Kommunalbeamten und einer Kindergärtnerin mit unternehmerischer Verve: Gegen die Zusicherung, Aufzüge in Wiener Mietskasernen einzubauen, übernahm er vernachlässigte Dachgeschosse billig, baute sie aus und verkaufte sie teuer weiter – jetzt waren sie ja per Aufzug zu erreichen.

Das Geschäft sei "wie Spitzensport", beschrieb Benko seinen Ansatz einmal: "Es ist nicht nur Talent, sondern auch die Konsequenz, hart zu arbeiten, nicht aufzugeben, den Weg nicht zu verlassen und mehr zu bewegen und zu leisten, als es andere tun wollen."

Kapital kommt aus Geschäften mit Tankstellen und Schiffen

Zum Durchbruch aber war mehr nötig: persönliche Beziehungen zu Geldgebern. Sie bilden das wichtigste Kapital in Benkos inzwischen ausgedehntem Netzwerk, das er über die Signa Holding steuert. Das Spezial-Talent zieht sich wie ein Faden durch Benkos Biografie.


Foto: dpa Investor Rene Benko und seine Frau Nathalie

Den Anfang machte der Tankstellen-Erbe Karl Kovaric, dem das geschäftliche Geschick des kleinen Bauunternehmers mit den Dachgeschossen auffiel. 2001 steckte er 26 Millionen Euro in gemeinsame Immobiliengeschäfte. Bedeutendster Partner Benkos wurde später der griechische Großreeder George Economou, dem bis heute knapp die Hälfte der Anteile an der Dachgesellschaft Signa Holding gehört, jenem Investment-Vehikel, zu dem nun auch Karstadt gehört.

Skeptiker verweisen auf die mangelnde Transparenz von Benkos Firmenreich. Zwar rühmt sich die Firma zahlreicher Vorzeige-Immobilien "in den besten Innenstadtlagen Europas". Die Nike-Zentrale in Frankfurt und das Kaufhaus Sevens in Düsseldorf gehören dazu, barocke und moderne Prachtstücke in der Wiener Innenstadt, Objekte in Bozen, Innsbruck, Prag und andernorts. Den Gesamtwert beziffert Signa auf mehr als sechs Milliarden Euro.

Wie stabil ist die Holding?

Wie es mit der finanziellen Stabilität des Gebildes aussieht, wissen jedoch nur die Insider. Als Benko vor Jahren seinen Plan ventilierte, Karstadt und Kaufhof zu einer "Deutschen Warenhaus AG" zu verschmelzen, scheiterte das Vorhaben "an der wackeligen Finanzierung", wie einer berichtet, der damals nah an den Verhandlungen dran war.

Falls die Prominenz der Geschäftspartner aber ein Gradmesser für die Solidität von Benkos Geschäften ist, muss sie gut sein. Der österreichische Immobilien-Kaiser konnte etwa Hans-Peter Haselsteiner überzeugen, Großaktionär des Baukonzerns Strabag. Haselsteiner ist als Anteilseigner beim Benko-Ableger Signa Prime Selection eingestiegen.

Tierfutter-Tycoon Torsten Toeller ("Fressnapf") zählt ebenso zu Benkos Geschäftsfreunden wie Wendelin Wiedeking, einst Porsche-Chef, und Berater-Legende Roland Berger. Im Beirat der Firma sitzt der frühere österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.

Tina Turner gehört zu seinen Freunden

Wo Benko auftaucht, da ist Glanz und Glitter nicht weit. Zum Freundeskreis zählt Pop-Ikone Tina Turner. An der mutmaßlich feinsten Alpenadresse, im österreichischen Oberlech am Arlberg, hat er für 38 Millionen Euro das "Chalet N" bauen lassen. Man kann es mieten, für 270.000 Euro - pro Woche. Dass es dafür exklusiven Luxus inklusive 3800 Quadratmetern Wohnfläche, dunkle Holzvertäfelung und Fahrerservice gibt, versteht sich.

Benannt hat Benko, Vater von drei Kindern, das Chalet nach seiner Frau Natalie. Ansonsten hält der elegante und wandlungsfähige Unternehmer sich mit Informationen über sein Privatleben sehr zurück. Als man ihm nachsagte, er habe eine Vorliebe für Ferrari, ließ er dementieren: längst verkauft.

Vielleicht fürchtet der Aufsteiger, sein Image als seriöser Geschäftsmann könnte unter Symbolen der Leichtlebigkeit leiden. Der Schaden hat ihn diese Woche dennoch erreicht, aus einer anderen Richtung. In zweiter Instanz bestätigte der Oberste Gerichtshof in Wien einen Schuldspruch "wegen verbotener Intervention" – in Deutschland würde man "Korruption" sagen.

Benko ist jetzt vorbestraft

Die Vorinstanz hatte den Geschäftsmann zu einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten verurteilt. Jetzt gilt er als vorbestraft. Benko hat dem Urteil zufolge versucht, ein Steuerverfahren in Italien zu manipulieren. Ivo Sanader, damals Regierungschef in Kroatien, sollte seine Kontakte zu Silvio Berlusconi spielen lassen und 150.000 Euro kassieren. Benko hat die Vorwürfe stets bestritten.

Karstadt dürfte nun zu seinem bisher größten Deal werden. Es gibt Vorbilder für die Art, wie der Investor mit großen Problemhäusern in schwierigen Innenstädten umgeht. Als Gesellenstück gilt das Kaufhaus Tyrol in seiner Heimtstadt Innsbruck.

Benko machte aus dem siechen Standort ein Einkaufszentrum mit mehr als 50 Mietern, von Deichmann bis WMF. "Wir verzeichnen eine Besucherfrequenz monatlich, die die Einwohnerzahl von Tirol übersteigt", sagte ein Beteiligter aus Benkos Führungsmannschaft stolz. "Wir schaffen Magnete, die die Innenstädte wieder zum Leben bringen." Das Projekt Karstadt aber, gibt er zu, sei eine gewaltige Herausforderung.
http://www.welt.de/wirtschaft/article131316357/Ein-vorbestrafter-Aufsteiger-will-Karstadt-retten.html

Troll

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Re:Karstadt
« Antwort #12 am: 10:38:01 Di. 19.August 2014 »
Schön, die Leistungsträger geben sich bei der Karstadt-Rettung die Klinke in die Hand, wer will nochmal wer hat noch nicht, und so wechseln Millionen Euro vom zu rettenden mal wieder die Seite zum Rettungsengel, der Erfolg der Rettungen lässt sich leider nur auf dem Konto des Retters/Investors erkennen, so lange bis nichts mehr da ist was gerettet werden könnte.
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Auferstanden

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Re:Karstadt
« Antwort #13 am: 13:45:32 Di. 19.August 2014 »
... das was bei Karstadt aktuell passiert, erinnert irgendwie an das große Kaufhaussterbern von einst, aber vertane Chancen
eines ständig sich veränderten Marktes, oder fehlende Investitionsbereitschaft spielen in einer Casino-Ökonomie
nicht wirklich eine Rolle. Lächerlich, hier von Investoren zu sprechen...

Troll

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Re:Karstadt
« Antwort #14 am: 11:59:29 Fr. 22.August 2014 »
Zitat
Karstadt: Heuschrecke oder Sanierer?

Nach der Übernahme von Karstadt durch den österreichischen Immobilieninvestor René Benko fürchten die verbliebenen 17.000 Mitarbeiter des angeschlagenen Traditionsunternehmens um ihre Zukunft. Die Konzernführung kündigte einen Sanierungsplan an, der „keine Tabus“ kenne. Der neue Investor Benko, der bereits über 20 Karstadt-Warenhäuser besitzt, soll vor allem an der Vermarktung der Immobilien interessiert sein. Verlustreichen Karstadt-Häusern droht die Schließung und attraktive Standorte sollen zu Shopping-Centern umgewandelt werden. Das letzte Kapitel der Kaufhaus-Story?

Quelle: WDR-Monitor

http://ondemand-ww.wdr.de/medstdp/fsk0/50/504003/504003_5259080.mp4

Die Betriebsräte "hoffen", klar, mit Berggruen hat man ja so viele gute Erfahrungen sammeln können, da kann es jetzt nur noch besser werden. Sind das eigentlich lernresistente Vollidioten?
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