Autor Thema: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...  (Gelesen 3711 mal)

TagX

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1021
es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.
-- Karl Marx, "Thesen über Feuerbach" --


Internet Archive für sozialistische Literatur:

http://www.mlwerke.de/index.shtml
http://www.marxists.org/deutsch/index.htm
Grüße


Sozialismus!

Spartacus

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 54
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #1 am: 16:07:28 So. 29.April 2007 »
Die 'Interpretation' bzw der Denkvorgang ist auch eine Tätigkeit, also eine Veränderung einer Wirklichkeit. Denken und Sein darf man keineswegs gegenüberstellen.

TagX

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1021
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #2 am: 17:20:47 So. 29.April 2007 »
Zitat
...
Man muß "die Philosophie beiseite liegenlassen" (Wig[and,] p. 187, vgl. Heß, "Die letzten Philosophen", p. 8 ), man muß aus ihr herausspringen und sich als ein gewöhnlicher Mensch an das Studium der Wirklichkeit geben, wozu auch literarisch ein ungeheures, den Philosophen natürlich unbekanntes Material vorliegt; und wenn man dann einmal wieder Leute wie Krummacher oder "Stirner" vor sich bekommt, so findet man, daß man sie längst "hinter" und unter sich hat. Philosophie und Studium der wirklichen Welt verhalten sich zueinander wie Onanie und Geschlechtsliebe.
...
[Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie]

Quelle: http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_168.htm

LG
Grüße


Sozialismus!

Spartacus

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 54
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #3 am: 17:24:13 So. 29.April 2007 »
Was ist die wirkliche Welt?

TagX

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1021
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #4 am: 17:43:02 So. 29.April 2007 »
Tatsachen.

LG
Grüße


Sozialismus!

Spartacus

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 54
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #5 am: 17:47:09 So. 29.April 2007 »
Tatsachen oder Tatsachenaussagen?

euerHofnarr

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 150
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #6 am: 20:43:47 So. 29.April 2007 »
Sind Tatsachen so unverwüstlich wie "objektive Realitäten" ?

Spartacus

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 54
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #7 am: 21:49:01 So. 29.April 2007 »
Also, um die Welt/Wirklichkeit zu verändern bedarf es erst einer Philosophie die die Welt richtig interpretiert. Da man nur Aussagen über die Welt miteinander vergleichen kann, und nicht mit der Welt/Wirklichkeit selbst macht das Marxens These eigentlich unfundiert

TagX

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1021
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #8 am: 22:33:48 So. 29.April 2007 »
Warum willst du denn wieder von irgendwelchen Ideen ausgehend die Welt "richtig" interpretieren? Nutze doch besser die Erkenntnisse aus der Wirklichkeit für praktische Veränderung.
Grüße


Sozialismus!

suboptional

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 101
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #9 am: 13:11:44 Di. 01.Mai 2007 »
Hi Kollegen,

um die Weltrealität verändern zu können muss man erst mal die Misstände erkennen, dazu glaube ich kann die Philosophie einen Beitrag leisten. Nur eine absulute Realität wird es nicht geben solange es Menschen gibt, da die Definition immer eine Standpunktsfrage ist. Die Beurteilung von Realitäten erfolgt unter anderem durch Wahrnehmung und Abgleich mit bereits erlebten Situationen, und individuellem Charakter. Ist klar das es eigentlich so viele unterschieliche Realitäten wie Menschen gibt, wobei sich mache aufgrund der oben genannten Voraussetzungen gleichen. Soll heissen: Wenn ein Hundt (Arbeitgeberpräsi) arbeits und mittellos wäre, würde sich seine Optik im Bezug auf die Sicht der Dinge sowie seine subjektive Realität verändern, und vielleicht wäre er hier im Board ein bliebter Poster und Mitstreiter.

Was unserer Gesellschaft fehlt ist denke ich die Fähigkeit auch den Blickwinkel eines anderen zu erfassen, und damit seine Realität zu erkennen.

Verurteile niemanden, dessen Sandalen Du nicht ein paar Tage getragen hast ! ( Ist aus der Biebel, genauere Angaben kann ich nicht machen)
Grüße Suboptional

Grundgesetz § 1: Die Würde des Menschen ist vom Einkommen abhängig !!!

Klassenkampf

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 623
  • "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will." --- Albert Schweitzer, "Kultur und Ethik" ---
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #10 am: 11:04:35 Mi. 02.Mai 2007 »
Zitat
Original von TagX
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.
-- Karl Marx, "Thesen über Feuerbach" --

Wohl eine der bekanntesten Aussagen Marxens, gleichfalls wurde wohl keine Aussage von ihm derart mit Spitzfindigkeit behandelt. Dieses Zitat ist im Rahmen des historischen Kontext zu bewerten...

Im damaligen Europa, mit bürokratisch-preußischer Genauigkeit vorallem im Deutschland des Biedermeier, war die freie Meinungsäußerung nicht willkommen. In jeder Zeitungsredaktion, die nur den Hauch eines Zweifels am Ist-Zustand des Staates anklingen ließ, saß ein Zensor... zensiert wurde, was in den Augen des Zensoren - also rein subjektiv - Erregung erzeugen könnte. In der "Rheinschen Zeitung", soll der Zensor sogar einmal eine Theaterkritik einer Aufführung von Dantes "Divina Comedia" verboten haben, da man über Göttliches ja nicht spotten könne und dürfe...

Gott und König waren Maßstab, daran durfte nicht gerüttelt werden. Presse- und Meinungsfreiheit waren also beschränkt. Gleichfalls fanden sich junge Philosophen, die glaubten, man müsse diesen Mißstand rigoros ansprechen; sich in den Elfenbeinturm zurückzuziehen, um dort Theoretika auszuarbeiten, dürfe in solchen Zeiten nicht alternativ sein. Der Philosoph habe durch sein engagiertes Anklagen Veränderungen herbeizuführen.

Feuerbach, den Marx bewunderte, war aber der Ansicht, daß zunächst die Theorie zu stehen habe, quasi unumstößlich, dann könne man den Weg des Pragmatismus einschlagen und tatsächlich Veränderungen erzwingen. Die Feder solle dann zum Schwert werden. Marx wendete sich in dieser Frage von Feuerbach ab und setze seine "Thesen über Feuerbach" auf, die mit dem oben erwähnten Zitat enden.

Wenn man so will, ist das Zitat eine Aussage aus einer Polemik heraus, so wie der junge Marx nicht wenig polemisch tätig war. Darin also mit allerlei Sprachtüftelei die tiefe Wahrheit des Marxismus zu suchen, grenzt an philosophischen Wahnsinn.

Dennoch bleibt Ungereimtheit zurück, denn Weltveränderung, wie sie Marx ja fordert, basiert immer auf Interpretation... die Interpretation kann alleine erfolgen, doch die Weltveränderung ist der Schritt vorwärts, denn Weltveränderung ohne Interpretation ist nicht möglich. Veränderung und Interpretation sind also nicht zwei nebeneinander verlaufende Gleise, sondern das Eine und Notwendige...

Link: Martin Heidegger zu Marx' Aussage
„Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... Streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben.“
--- Karl Marx, "Das Elend der Philosophie" ---

Spartacus

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 54
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #11 am: 13:13:19 Do. 03.Mai 2007 »
Die Interpretation ist schon ein handeln, und damit eine Weltveränderung.

TagX

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1021
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert...
« Antwort #12 am: 22:39:33 So. 06.Mai 2007 »
Zitat
Original von Klassenkampf
Veränderung und Interpretation

Hallo @Klassenkampf,

sagen wir es doch so:
Eine Theorie an sich, bewirkt keinerlei praktische Veränderung. Handeln die Menschen aber, wird verändert. Und darauf kommt es an.
Grüße


Sozialismus!