Autor Thema: Arbeitsverhältnisse nicht mehr zu ertragen!  (Gelesen 3745 mal)

Midnight

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Arbeitsverhältnisse nicht mehr zu ertragen!
« am: 14:21:11 Fr. 04.Mai 2007 »
Hallo,
ich bin neu hier und hoffe, dass mir jemand bei meinem Problem helfen kann.

Seit meiner Friseur-Ausbildung arbeite ich nun seit über 8Monaten weiterhin in der selben Firma und der selben Filliale.
In Sachen Mobbing ging es eigentlich schon seit der Ausbildung los, ich wurde ständig für Sachen verantwortlich gemacht die ich nicht verschuldet hatte, hatte keinen Meister der mich durch die Lehre hindurch begleitet hat und hab es trotzdem letztes Jahr geschafft mich durch die Gesellenprüfung zu boxen. So weit so gut!
Nach der bestandenen Prüfung ging es aber erst richtig los, meine noch lückenhaften Kenntnisse wurden von den Kollegen auf die Probe gestellt, ich wurde mit Absicht auf Kunden losgelassen die, wie sie selbst auch wußten "noch nicht meine Kragenweite" waren. Ich war blutiger Anfänger und hab mir dass was ich konnte selbst beibringen müssen. Meine Fehler und eventuelle Reklamationen wurden so sehr ausgeschmückt dass daraus eine Riesensache wurde, spöttische Sprüche, nicht ernstgemeinte sondern eher erniedrigende Belehrungen anstatt Hilfestellung.
Die zweite Sache waren die Kündigungsdrohungen bei Krankheiten, weils nur ein befristeter Arbeitsvertrag war/ist. Für eine anstehende OP musste ich 2Tage Urlaub beantragen weil diese auf Vertragsende fiel, damit ich nicht vor die Tür gesetzt wurde. Zum 01.03 wurde ich dann auf Grund guten Durchhaltens in Sachen Krankheit für ein weiteres halbes Jahr übernommen. Desweiteren wurde ich mehrfach Bestohlen, es wird sich oft ins Privatleben eingemischt und die Arbeitszeiten werden unfair aufgeteilt. AG fordert stets den Grund der Erkrankung und hält diese schriftlich in der Akte fest.
Leider wurde dass Mobbing der Mitarbeiter, vorallem das der Leitung unerträglich, war man wirklich einmal krank so wie ich zZ mit einer Seitenstrangangina plus Erkältung bekommt man das auch von Seiten der Mitarbeiter und AG zu spüren.
Mich plagen seit jeher Schlafstörungen, chronische Gastritis und Nervenzusammenbrüche die durch die mir immer mehr erschwerten Arbeitsverhältnisse.

Mittlerweile bin ich nun an dem Punkt angekommen an dem es für mich in dieser Firma kein Weiterkommen gibt. Ich kann es nicht ertragen mich und meine Familie weiter mit meinen Nervenzusammenbrüchen und depressiven Verhalten runterzuziehen.
Seit Mitte dieser Woche bin ich nun noch bis zum Ende der Woche krankgeschrieben, der Zeitvertrag läuft noch bis Ende August, aber ich will unter keinen Umständen mehr zurück in die Firma. Was soll ich tun?

Danke im Vorraus und entschuldigt den Roman!
LG

Anjouli

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Arbeitsverhältnisse nicht mehr zu ertragen!
« Antwort #1 am: 16:44:01 Fr. 04.Mai 2007 »
Also so wie sich das anhört, kriegst du von ganz alleine die Kündigung, wenn du noch ein bis zwei Krankschreibungen nachlegst.

Eins ist schonmal sicher: Kein Arbeitsplatz der Welt ist es wert, daß man sich Körper und Geist ruiniert!

Wenn deine Entscheidung für dich klar ist, dann zieh´das Ding durch und gut is´.

Irgendwie geht´s immer weiter im Leben. Vielleicht nicht immer so wie geplant, aber manchmal eröffnen einem spontane Richtungswechsel ungeahnte Ausblicke  ;).

Kopf hoch, Augen zu und durch!
Wenn Freiheit wirklich etwas bedeutet, dann vor allen Dingen das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen. (George Orwell)

Anjouli

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Arbeitsverhältnisse nicht mehr zu ertragen!
« Antwort #2 am: 16:48:54 Fr. 04.Mai 2007 »
Ach ja und noch was:

Bei Depressionen ist es am wichtigsten, daß du irgendetwas TUST! Ob das richtig oder falsch ist, spielt zunächst keine Rolle. Solange du in deiner Situation ausharrst, aber nichts an deiner Lage änderst, wird es nur immer schlimmer werden. Erst wenn du AKTIV etwas unternimmst - IRGENDWAS! - kommt dein Geist wieder in Bewegung und du hast die Chance wieder klar im Kopf (und damit gesund) zu werden.
Wenn Freiheit wirklich etwas bedeutet, dann vor allen Dingen das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen. (George Orwell)

Wilddieb Stuelpner

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Arbeitsverhältnisse nicht mehr zu ertragen!
« Antwort #3 am: 18:00:17 Fr. 04.Mai 2007 »
Wenn man als AN von Mitarbeitern schikaniert wird, dann nennt man es Mobbing, geht es von Vorgesetzten aus, heißt es Bossing.

Ich sage es immer wieder:

Zu Einstellungsbeginn und zu jeder Änderung der Arbeitsaufgabe soll man von seinen Vorgesetzten eine Kopie von einer verbindlichen Stellenbeschreibung verlangen, damit die wesentlichen Arbeitsgänge dort beschrieben und die Verantwortungsbereiche zu anderen Arbeitsaufgaben abgegrenzt werden.

Sonst macht man den Dreckbuddel für alle anderen. Hat man die Stellenbeschreibung, kennt man den Arbeitsumfang und -bereich für den man selbst grade stehen muß. Dann kann man für Fehler aus Arbeits- und Verantwortungsbereichern der Kollegen nicht verantwortlich gemacht werden.

Lege Dir ein Heft (Mobbing-Tagebuch) an, wo Du die Mobbingvorkommnisse mit Datum, Uhrzeit und Anlaß, deine Reaktion und die Reaktionen der Mobber detaillert dokumentierst und so vor Gericht der längere Entwicklungsverlauf des Mobbing nachweisbar wird, wenn es später zum Rechtsstreit kommt.

Im Krankheitsfall erhält der AG nach Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (landläufig Krankenschein genannt) vom behandelnden Arzt ausgestellt diesen binnen 3 Tage ab Erkrankung von Dir oder einer Person Deines Vertrauens oder per Post ohne Angabe von Krankheitsdiagnosen und Behandlungstherapien. Die Diagnose und Therapie fällt unter das Arztgeheimnis, unter die Persönlichkeitsrechte und gehen dem AG einen großen Scheißdreck an. Zieht sich die Krankheit länger hin, dann folgt der Verlängerungsschein und bei Genesung der Schein der Gesundschreibung.

Ein OP-Termin hat wieder eine Krankschreibung zur Folge. Bei einem stationären oder ambulanten Aufenthalt bei einem dritten behandelnden Facharzt muß der AG wegen akuter Erkrankung den AN von der Arbeit freistellen. In der Regel stellt der behandelnde Hausärzt einen Überweisungs- und Transportschein aus. Für die Zeit erhält der AN Krankengeld. Dafür den Erholungfsurlaub zu mißbrauchen, ist Humbug und eine Unverschämtheit des AG. Den frechen AG sollte man mal windelweich schlagen, damit er AN-Rechte wieder achtet. Der führt sich wie ein Gutsherr auf, der seine Mägde und Knechte auf dem Rittergut schindet.

In einigen Arbeits- und Tarifverträgen ist die Bekanntgabe der Erkrankung auch schon ab 1. Krankheitstag gefordert.

Eine personenbedingte Kündigung wegen der Erkrankung ist für den AG kein berechtigter Anlaß für eine Kündigung, höchstens, wenn es sich um eine lang andauernde Erkrankung mit schlechter Gesundheitsprognose handelt, die evtl. die Invalidität und/oder Erwerbsminderung zur Folge hat.

Gegen so eine erpresserische Kündigungsdrohung bei jeder Erkrankung sollte man sich mit arbeitsrechtlichen Mitteln wehren.

Als AN braucht man zwingend eine arbeits- und sozialrechtliche Rechtsschutzversicherung, die für Gewerkschaftsmitglieder mit Entrichtung des monatlichen Mitgliedsbeitrags automatisch wirkt und neu entstandene, aber keine laufenden Streitfälle ab 3. Monat der Mitgliedschaft vom DGB Rechtsschutz betreut werden oder man schließt bei einer Versicherung eine Berufsrechtsversicherung mit der gleichen Wirkung des Arbeits- und Sozialrechtsschutz ab.

Bei der 3. Alternative wendet man sich an Fachanwälte für Arbeitsrecht. Ein bundesweites Adreßverzeichnis bietet die Arbeitsloseninitiative Tacheles e.V. Wuppertal im Internet an --> http://www.tacheles-sozialhilfe.de/adressen/default.aspx .

Auf dieser Internetseite http://www.soliserv.de/mobbing_1.htm#Adressen wird ein Adressverzeichnis aufgeführt, wo man professionelle Hilfe vor Ort erhalten kann und hier http://www.soliserv.de/bv-mobbing.htm hat man Musterentwürfe von betrieblichen Mobbingvereinbarungen.

Auf dieser Ratgeberseite des MDR http://www.mdr.de/ratgeber/job_karriere/177929-hintergrund-177818.html gibt es weitere, detaillierte Ausführungen zum Problem Mobbing und Bossing.

So können Sie sich wehren

Bleiben Sie aktiv!

Das schlimmste Gefühl der Mobbing-Opfer ist das der Ohnmacht. Das Wichtigste für Betroffene ist es allerdings, aktiv zu bleiben, so ein Tipp der Gemeinnützigen Sozialberatung "Antimobbing" in Dresden.

Zum Aktivbleiben gehören Gespräche mit Freunden und Verwandten. Fordern Sie Aussprachen mit dem Vorgesetzten, dem Betriebs- bzw. Personalrat und den Mobbern. Wichtig: Nehmen Sie dabei immer eine Person des Vertrauens als Augen– und Ohrenzeugen mit! Bei einem Rechtsstreit ist eine lückenlose Dokumentation der Vorfälle, ein Mobbing-Tagebuch, wichtig. Wie es geführt werden sollte, erfahren Sie auf den Internet-Seiten der "Mobbing-Zentrale" (siehe Hintergrund "Adressen und Links für Mobbing-Opfer";).

Schalten Sie das Arbeitsamt ein!

Günstig ist es, das Arbeitsamt frühzeitig zu informieren. Das ist vor allem für Alleinerziehende sehr wichtig. Denn: Wenn man selbst kündigt, gibt es eine bis zu dreimonatige Sperrfrist, ehe das erste Arbeitslosengeld gezahlt wird. Im Zusammenhang mit Mobbing kann diese Sperrfrist aufgehoben werden.

Nehmen Sie Beratung und Hilfe an!

Fachleute empfehlen zudem, die vielfältigen Beratungsangebote anzunehmen. Auch in den neuen Ländern wird dieses Netz immer enger. "Wer sich nicht wehrt, wird mit dem lähmenden Gefühl der Ohnmacht weiter leben müssen", sagt Margit Ricarda Rolf, die Chefin der "Mobbing-Zentrale" Hamburg.

Adressen und Links für Mobbing-Opfer

Rechtsanwälte

Bei Bedarf kann eine Liste von Anwälten angefordert werden bei:

Landesbildungswerk der Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) Berlin und Brandenburg e.V.
(jetzt zugehörig zu ver.di)
Abt. No-Mobbing, Blissestr. 2, 10713 Berlin
Tel. 030/8296221/203

Innerhalb von Chefduzen zum Thema Mobbing diese Linkssammlung

Die Mobbing-Zentrale ist, wie der Name es schon sagt, der zentrale Anlaufpunkt für Mobbing-Opfer, um Unterstützung und Hilfe zu erhalten.

Mobbing-Zentrale Hamburg e. V.
Sibeliusstraße 4,
22761 Hamburg
Tel. (040) 219 83 289
Internet: Hamburger Mobbingzentrale