Bildung ist nachrangig

Begonnen von dagobert, 11:45:10 Mo. 11.August 2025

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dagobert

ZitatVerschiebung statt Verbesserung? Warum Bildungsministerin Prien mit ihrer Migrationsquote falsch liegt.

MERA25 lehnt die von Bildungsministerin Karin Prien vorgeschlagene Obergrenze von 30 Prozent Schüler:innen mit Migrationshintergrund pro Klasse entschieden ab. Die CDU-Politikerin hatte diese Maßnahme im Juli 2025 als Teil eines ,,Notfallplans" für sogenannte Brennpunktschulen vorgestellt.

Ihr Argument: Wenn zu viele Kinder mit nicht-deutscher Herkunft in einer Klasse sitzen, sinkt das Bildungsniveau für alle.

Anstatt gezielte Förderung zu betreiben, soll eine Verlagerung Abhilfe schaffen. Doch diese Logik ist nicht nur rassistisch, sondern lenkt auch davon ab, dass das Bildungssystem längst unterfinanziert und sozial selektiv ist.

Wir sind anderer Meinung: Eine Klasse, in der viele Kinder ihre Kulturen, Weltanschauungen und ihr Wissen mitbringen, ihre Erfahrungen als Überlebende unter repressiven und schwierigen Bedingungen teilen und von den Verlusten ihrer Familien sowie den daraus gewonnenen Erkenntnissen erzählen, leistet einen großen Beitrag zur Bildung von Kindern ohne Migrationshintergrund.

Es sind Lebensrealitäten, mit denen die deutsche Mehrheitsgesellschaft sonst kaum in direkten Kontakt kommt. Aus solchen Erfahrungen entsteht ein tiefes Verständnis für Sensibilität, Solidarität, Altruismus sowie das Teilen von Wissen und Werten. Die Auseinandersetzung mit so unterschiedlichen Lebensgeschichten fördert die persönliche Entwicklung aller Schüler:innen, besonders jener ohne Migrationserfahrung. Davon profitieren alle Kinder.

Das Bildungsministerium sollte nur ein Ziel verfolgen: den bestmöglichen Bildungsweg für alle Schüler:innen zu ermöglichen. Auch für Kinder, deren Eltern nicht in Deutschland geboren wurden. Diese Kinder haben dasselbe Recht auf eine Schule, die sie unterstützt und ihnen echte Bildungschancen bietet. Dafür sind Investitionen in gute Lehrqualität sowie in sprachliche und soziale Unterstützung durch qualifiziertes Personal notwendig.

Benötigt werden gezielte Sprachförderung, Sprach- und Kulturmittler:innen, interkulturelle Fortbildungen für Lehrkräfte, mehr pädagogisches Fachpersonal sowie außerschulische Programme. Bereits im Vorschulalter müssen inklusive Frühförderangebote verfügbar sein. Schulen müssen für migrantische Familien durchlässige, offene Räume schaffen, statt sie aus der Schulgemeinschaft auszuschließen. Bildung braucht nicht weniger Vielfalt, sondern bessere Strukturen und mehr Fördermittel.

Die Schulen in Deutschland sind bereits durchzogen von Rassismus

Der Alltag vieler Schüler:innen mit Migrationserfahrung in deutschen Schulen ist geprägt von Erfahrungen der Unsichtbarkeit, der Ausgrenzung und des Nichtverstandenwerdens. Oft fehlt es an Sensibilität für ihre Lebensrealitäten, an Empathie für ihre Gefühle und an einem Raum, in dem sie sich mit ihrer Geschichte angenommen fühlen können. Anstatt Anerkennung und Zugehörigkeit erleben sie Vorurteile, vorschnelle Urteile und die permanente Erwartung, sich anzupassen, ohne dass ihnen wirklich zugehört wird. Viele tragen emotionale Lasten, die im Schulalltag ignoriert werden. Dazu gehören: Erfahrungen von Rassismus, familiäre Herausforderungen, sprachliche Barrieren oder das Gefühl, sich doppelt beweisen zu müssen.

Das Problem besteht nicht nur darin, dass Rassismus passiert, sondern auch darin, wie damit umgegangen wird. Noch immer müssen sich Schüler:innen mit rassistischen Schullektüren und Inhalten auseinandersetzen. Lehrer:innen sind häufig nicht ausreichend sensibilisiert und sehen oft zuerst die Herkunft eines Kindes, bevor sie seine Leistung wahrnehmen. Viele Deutsche glauben sogar, dass Fleiß und Ehrgeiz mit der Herkunft zusammenhängen. Viele Mitschüler verhalten sich rassistisch, ohne dass es Konsequenzen gibt. Und selbst wenn Rassismus erkannt wird, führt das oft nicht zu mehr Gerechtigkeit, weil die bestehenden weißen Machtverhältnisse nicht konkret thematisiert oder hinterfragt werden. Rassistische Vorfälle in Schulen werden zudem selten dokumentiert oder aufgearbeitet. Betroffene Kinder werden somit mit ihrem Trauma allein gelassen. Genau das macht Rassismus systematisch: der fehlende Umgang mit dem Problem und die Tatsache, dass Machtpositionen nicht aufgegeben werden. Solange es keinen ernsthaften Willen zur Veränderung gibt, bleibt Rassismus fest verankert: In Klassenzimmern, Lehrkräftezimmer und im gesamten Schulsystem.

In die öffentliche Schule investieren

Anstatt Migration zum Problem zu erklären, muss die Bildungspolitik damit beginnen, strukturelle Ungleichheiten zu bekämpfen. Doch Deutschland gibt mit 4,6 Prozent seines BIP nur einen geringen Anteil für Bildung aus. Die UNESCO empfiehlt hingegen mindestens 6 Prozent. Gleichzeitig soll der Militärhaushalt auf 5 Prozent steigen. Dies ist keine neutrale Budgetentscheidung, sondern Ausdruck politischer Prioritäten. Anstatt in die Zukunft der Kinder zu investieren, indem man die Schulen stärkt, entscheidet man sich bewusst dafür, Kriege zu finanzieren. Wir stellen uns dagegen.

In Deutschland besuchen viele Kinder Schulen, an denen mehr als 60 Prozent der Schüler:innen einen Migrationshintergrund haben. Anstatt diese Schulen als Problemzonen zu markieren, sollten sie gezielt gestärkt werden. Gute Bildung entsteht durch Ressourcen, durch qualifizierte Teams und durch respektvolle Zusammenarbeit – nicht durch Verteilungspolitik nach Herkunft.

Außerdem besuchen 9 Prozent der Schüler:innen in Deutschland private Schulen. Diese werden mit bis zu 80 Prozent öffentlichen Geldern finanziert.

Während eine privilegierte Minderheit dort beste Bildung erhält, kämpfen öffentliche Schulen, die von über 90 % der Kinder besucht werden, mit knappen Budgets und Personalmangel.

In die öffentlichen Schulen müssen wir investieren, denn sie sind die einzigen Orte, die wirklich inklusive sein können.

Wir wollen eine Schule für alle, die qualitativ hochwertig ist, die die Bedürfnisse und Rechte jedes Kindes in den Blick nimmt und sich dafür einsetzt, ihm oder ihr eine offene, hoffnungsvolle Zukunft zu ermöglichen. Eine Schule, in der fremdenfeindliche Hürden absolut keinen Platz haben dürfen.
https://diem25.org/warum-prien-mit-ihrer-migrationsquote-falsch-liegt/
"Der beste Kaufmann ist der Krieg. Er macht aus Eisen Gold."
Friedrich von Schiller

,,Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."
Theodor W. Adorno

ManOfConstantSorrow

Krass, die nicht mehr verheimlichte Spaltung der Bildung nach klassenzugehörigkeit.

ZitatWer aus einem Elternhaus mit höherem Einkommen und höherem Bildungsniveau kommt, erreicht in Deutschland mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit ein ähnliches oder höheres Bildungslevel – anders als Kinder aus armen Familien. Das Problem ist nicht neu, sondern seit Jahrzehnten durch wissenschaftliche Studien belegt.
https://www.deutschlandfunk.de/bildungsgerechtigkeit-soziales-armut-bildung-100.html

Dieses Zitat ist etwas älter, doch noch gültig:
ZitatOhrfeige für das deutsche Bildungssystem
In einer Studie bewertet die OECD die Chancengleichheit im deutschen Bildungssektor sehr kritisch.

Deutschland hat sich bei der beruflichen Bildung im internationalen Vergleich eine Sonderrolle erarbeitet, und zwar eine ziemlich unschöne. Denn zusammen mit Tschechien ist die Bundesrepublik das einzige Land in der OECD, in dem in den vergangenen Jahren der Anteil der jungen Menschen gestiegen ist, die weder einen Berufsabschluss noch die Hochschulreife haben. 16 Prozent derjenigen zwischen 25 und 34 Jahren sind damit nach ihrer Bildungskarriere für den Arbeitsmarkt im Grunde kaum noch vermittelbar – ein dramatischer Wert.
https://www.deutschlandfunk.de/oecd-bildungsbericht-schulabschluss-bildungsgerechtigkeit-100.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

dagobert

ZitatBundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) will jungen Zugewanderten, Geflüchteten und Spätaussiedler*innen den Weg an die Uni massiv erschweren.

Die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule (GF-H) soll Ende 2026 eingestellt werden – und damit ein deutschlandweit einzigartiges Beratungs- und Förderangebot für zugewanderte Studieninteressierte.

Seit 1972 unterstützt das Programm geflüchtete und zugewanderte Menschen auf ihrem Weg ins Studium. Es ist die einzige kostenfreie, unabhängige und fachübergreifende Studienberatung mit bundesweiter Reichweite. Mit 21 festen und über 130 mobilen Standorten begleiten die Bildungsberater*innen Ratsuchende in ganz Deutschland.

Es existiert deutschlandweit kein vergleichbares Angebot. Dennoch plant Bundesbildungsministerin Prien genau dieses Bildungsprogramm ersatzlos abzuschaffen. Das schafft eine gravierende strukturelle Lücke im Bildungssystem. Jungen Talenten wird damit ein zentraler Zugang zu akademischer Bildung und Qualifizierung versperrt.

Wir fordern: Die Bildungsberatung GF-H muss erhalten bleiben und langfristig finanziell abgesichert werden!


,,Das kostenfreie Programm bietet unter anderem:

- Beratung bei Studienwahl, Studienfachentscheidung und Studienfinanzierung
- Sprachkurse, die Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums sind

Ziel ist es, individuelle Bildungswege gemeinsam mit den Ratsuchenden zu planen und ihnen eine erfolgreiche Studienaufnahme sowie einen Hochschulabschluss zu ermöglichen.

Die Bildungsberatung GF-H stärkt seit über 50 Jahren:

- gesellschaftliche Teilhabe junger zugewanderter Menschen, unabhängig von sozialer Herkunft und kulturellem Hintergrund,
- Chancengerechtigkeit und Abbau von Benachteiligungen,
- klare Zukunftsperspektiven im akademischen Bereich,
- Förderung sozialer Kompetenzen und Entwicklung der Persönlichkeit,
- echte Integration sowie
- Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die geplante Einstellung des GF-H-Programms steht im Widerspruch zum bestehenden Fachkräftemangel, insbesondere im MINT- und Gesundheitsbereich, zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz sowie zu den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag.
Quelle: campact-Newsletter
"Der beste Kaufmann ist der Krieg. Er macht aus Eisen Gold."
Friedrich von Schiller

,,Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."
Theodor W. Adorno

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