Tarifverträge Leiharbeit 2022/23

Begonnen von karl., 08:29:36 Mi. 04.Mai 2022

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ManOfConstantSorrow

Zitat von: karl. am 13:31:49 Di. 24.Januar 2023Aber für alle folgenden Lohngruppen E5 bis E9 hat sich der Lohngruppenschlüssel verschlechtert (sprich es wurde eine Lohnsenkung vereinbart).

Das sollte maximal publiziert werden!
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

piet

Moin zusammen. Nach langer Zeit der Abwesenheit wollte ich mich mal wieder zu Wort melden.
Heute erreichte mich eine interessante Rundmail der IG Metall, die offensichtlich an die Abonnenten des Newsletters von "Gute Arbeit für Alle" ging.
Gute Arbeit für Alle

Darin wird selbstredend der Tarifabschluss 2022/23 gefei..., äh, erklärt.

Aber es wird auch darauf hingewiesen, das es noch eine sog. Erklärungsfrist bis zum 22.02.2023 gibt. Das heißt: Endgültig eingetütet wird dieser Tarifabschluss erst dann!

Unter der Zwischenüberschrift "Jetzt Diskussion über Tarifergebnis" ist folgendes zu lesen:
"Jetzt wird das Verhandlungsergebnis mit den Mitgliedern und in der zuständigen Tarifkommission der IG Metall diskutiert."

Mit den Mitgliedern steht da! Also mit den Mitgliedern der IG Metall.
Was der DGB, ver.di und andere Einzelgewerkschaften mit dem Tarifabschluss so veranstalten wollen, das  entzieht sich meiner Kenntnis.

Aber alle Mitglieder der IG Metall, die hier mitlesen, sollten sich aufgerufen fühlen, ihre Meinung und Verbesserungsvorschäge an folgende Mailadresse zu senden: leiharbeit@igmetall.de

Vielleicht geht ja noch was!
Leben einzeln und frei
wie ein Baum und dabei
brüderlich wie ein Wald,
diese Sehnsucht ist alt.

Yaşamak bir ağaç gibi
tek ve hür ve bir orman gibi
kardeşçesine,
bu hasret bizim.

Nâzım Hikmet

Kuddel

Aus dem Labournet:

ZitatLeiharbeit unterstützt meiner Ansicht nach eine Mehrklassengesellschaft in den Unternehmen! Sie spaltet Belegschaften! Sie macht Menschen zu Waren!
Leiharbeit, auch ,,faire Leiharbeit", führt meiner Ansicht nach zum Gegenteil von Solidarität, weil so manche Betriebsräte und Belegschaften großer Betriebe doch gern einen Puffer von weniger Gleichen im Unternehmen akzeptieren.
Das ist meine Erfahrung und dies wird durch diesen Tarifabschluss erneut bekräftigt. Dem sollte unsere Gewerkschaft entgegentreten!
https://www.labournet.de/?p=201788

Tja, "sollte". Die fehlende innergewerkschaftliche Demokratie ist ein zentrales Problem. Es betrifft nicht nur die Leiharbeit, sondern die gesamte gewerkschaftliche Arbeit.

Die Leiharbeit ist aber ein Beispiel, das so offensichtlich, wie krass ist.
Da wird etwas von der Gewerkschaft nicht etwa zu wenig diskutiert oder schlecht kommuniziert. Es wird knallhart über den Kopf der Mitglieder hinweg entschieden und die Entscheidung ist nicht im Sinne der Beschäftigten.

bernie von zoom

karl, dein Beitrag vom 24.1. 13:31
mit dem von dir geforderten Schlüssel geht die Schere zwischen zwischen den unteren und oberen Lohngruppen immer weiter auf. Tolle Gewerkschaft.
Nach dem EuGH Urteil vom 15.12. darf von EP nur abgewichen werden wenn es einen Ausgleich gibt. Das muss noch vor das BAG. Es zu verschweigen ist im Interesse der Leihgauner. Noch tollere Gewerkschaft.

karl.

@ bernie
Zitatkarl, dein Beitrag vom 24.1. 13:31
mit dem von dir geforderten Schlüssel geht die Schere zwischen zwischen den unteren und oberen Lohngruppen immer weiter auf
Hallo bernie wenn ich dich richtig verstehe findest du die Absenkung des Schlüssels für die E5-E9 richtig weil damit die Schere zwischen unten und oben verringert wird.

Das teile ich nicht. Die Schere für die E1, E2a und E2b wurde veringert indem es der DGB-TG gelungen ist den alten Schlüssel für die 3 unteren Lohngruppen zu verbessern.

Siehe hier:

Schlüssel alt                          Schlüssel neu

E 1        77,27  %                              84,80  %

E 2a       82,39  %                              86,68  %

E 2b       86,65  %                              88,88  %

Mit der jetzigen Absenkung der oberen E5 - E 9 wurde die Schere  zwar weiter abgesenkt aber zu Gunsten der Leihunternehmen. Kein Leiharbeiter in den unteren Gruppen kann sich davon etwas kaufen.

Die billiger gemachten E5 bis E9 werden jetzt für die Stammarbeiter billigere Konkurrenten.
Wir wollen doch "Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit" und keine Umverteilung innerhalb der Leiharbeiter.


Kuddel

In Frankreich gibt es für Leiharbeiter nicht nur Equal Pay, sondern sie kriegen mehr als die Stammbeschäftigten. Die flexibel einsetzbaren Leiharbeiter sind immernoch wichtig und auch lukrativ für die Wirtschaft.

Inzwischen gibt es in Frankreich mehr Leiharbeiter als in Deutschland.

piet

Moin Kuddel. Du schreibst in deinem Beitrag vom 26.01. was von "fehlender innergewerkschaftlicher Demokratie". Dem kann ich so nicht zustimmen.
Das Hauptproblem ist meiner Ansicht nach das fehlende Bewusstsein, über das, was eine Gewerkschaft sein sollte. Eben keine Versicherung, sondern eine Organisation, die sich "Spielregeln" gegeben hat. Und jetzt kommt das einzelne Gewerkschaftsmitglied ins Spiel.
Diese "Spielregeln" sind nicht eben einfach. Aber wenn du wirklich etwas willst und genügend Kraft, Ausdauer und Mitstreitende hast, kannst du innerhalb einer (DGB-)Gewerkschaft einiges reissen. Es dauert aber - und das ist das nächste Problem.
Beschlüsse finden auf Gewerkschaftstagen statt. Dazu muss man (fristgerecht!) Anträge stellen. Diese Anträge sollten inhaltlich fundiert sein. Man muss sich innergewerkschaftlich einmischen und MitstreiterInnen für neue Überlegungen haben. Alleine läuft gar nix!
Ein Aufwand, der schwer an Kraft und Ausdauer geht.
Aber nur so lässt sich die Politik der (DGB-)Gewerkschaften ändern. Und solange es keine ernstzunehmende Alternative zu ihnen gibt, bleibe ich selbstreden Mitglied. Auch wenn ich immer wieder in die Tischkante beissen muss.
Leben einzeln und frei
wie ein Baum und dabei
brüderlich wie ein Wald,
diese Sehnsucht ist alt.

Yaşamak bir ağaç gibi
tek ve hür ve bir orman gibi
kardeşçesine,
bu hasret bizim.

Nâzım Hikmet

Onkel Tom

Moin piet.

Wie das momentan bei der IGM-HH funzt, kann ich jetzt nicht mitreden, hatte im letzten
Jahrzehnt die Erfahrung gesammelt, das die IGM mehr hinter den Leiharbeiter_innen steht,
wie es bei verdi der Fall ist.

Wir kennen uns noch aus der Zeit, wo eine Frau Namens Alice und ich ein Zusammentreffen
ca.2007 organisierten, zwecks Brückenschlag zwischen Erwerbslosen und Leiharbeiter zu
wuppen, was in die Hose ging.

Anbei (Elos und Erwerbslose) in Hamburg sehe ich das so, das verdi erst Elos komplett
aufgegeben haben (2009), gar eigener Kreativitäten behindert hat.
Bei den Leiharbeitern nimmt es auch ab. Der DGB hüllt sich dazu in Schweigen..

Von daher neige ich eher dazu was außergewerkschaftlich ins Rollen zu bringen statt mit
der Gewerkschaft ab zu quasseln, was geht und was nicht ginge. Stichwort: FA Neupac..

Dort hat die Belegschaft gemacht, die Gewerksaft stand erst nicht dahinter und wie der
Streik bei Neupac größeres Interesse aus der Öffentlichkeit bekam, war die Gewerkschaft
plötzlich wieder da, um das Erfolgszepter der Belegschaft zu grabschen.
Den Kampf selbst haben Belegschaft (Innenkonzept) und unabhänige wie Elos etc.(Außenkonzept)
a la Streikbruch-Sabotage gestaltet. Im Einzelhandels-Streik gab es ähnliche Gemeinsamkeiten
zwischen Belegschaft und Außenstehende wie Erwerbslose (2008)

Die Option "Erst selber wuppen und wenn es außergewerkschaftlich fruchtet erst dann die
Gewerkschaft mit ins Boot holen aber nicht nach ihren Spielregeln sondern den Spielregeln
der Belegschaft" halte ich für besser und zielführender Gewerkschaftsbosse an die Wurzeln
der Gewerkschaft zu erinnern.

Das Däubler-Projekt ist ein schwieriger Weg gewesen und ich glaube mit Gewerkschaft hätte
es noch schwerer werden können, zumal man bedenke, das Gewerkschaft bisher durch
Tarifverhandlungen immer wieder hat die Leiharbeitsbosse profitabel durch flutschen lassen.

Die "Spielregeln" der Gewerkschaft waren bislang zu IGZ etc. zu "kuschelig" und da liegt
das Problem und ich bin ja mal gespannt, was nun zu dem "Ausgleich", der durch das EuGH
beschlossen wurde, heraus kommt.
Lass Dich nicht verhartzen !

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