Meinungsfreiheit und Ausgewogenheit

Begonnen von Kuddel, 12:34:42 Di. 06.Januar 2026

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Kuddel

Es geht um den politischen Debattenraum. In den Medien, aber auch bei Veranstaltungen und Aktionen.

Die Rechten testen aus. Sie sind flexibel.
Die Linke ist dogmatisch, unbeweglich und hinkt hinterher.

Eine Haltung gegen Zensur mag zwar sympathisch sein, doch es macht wenig Sinn, die Behauptung einer Minderwertigkeit von Menschen aus Asien und Afrika oder die Holocaustleugnung einfach hinzunehmen.

Kuddel

Die Journalistin ‪Annika Brockschmidt schreib bei bluesky

ZitatDer Reflex in einigen deutschen Medien, automatisch in faktenfreien ,,Both sidesism" zu verfallen, wenn es um staatlich sanktionierten Terror und Mord geht - egal ob beim Thema Venezuela, ICE oder Grönland - ist eine Bankrotterklärung an Journalismus.

Genau das meine ich. Wenn eine Sache klipp und klar falsch ist, ist es absurd mit einer Pro-und Kontra Ausgewogenheit zu reagieren.

Kuddel

Ich weiß nicht, wieso man es plötzlich für notwendig hält zu einem Bericht einen weiteren mit entgegengesetzter Ausrichtung veröffentlichen zu müssen.

Das hat nichts mit einem kritischen Umgang mit Themen, noch mit gutem Journalismus zu tun.

Ein Medienwissenschaftler meinte letzt in einem Interview, es sei völlig ok, wenn man nach einem Interview mit einer Abtreibungsbefürworterin anschließend jemanden zu Wort kommen läßt, der Abtreibungskritisch ist.

Nein, das ist nicht ok!

Wenn jemand einen antifaschistischen Beitrag veröffentlicht, muß man danach keine rechtsradikale Position bringen.

Auf einen Bericht über die Ursachen des Klimawandels muß man nicht mit einem "Klimaskeptiker" kontern.

Wie konnte sich sowas durchsetzen? Diese Pseudoausgewogenheit killt guten Journalismus und ist ein Türöffner für rechte Medien und rechte Ideologie.


Kuddel

Die Miosga meets Chrupalla Show

Die ARD Redaktion antwortete einem Leserbriefschreiber

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Die Normalisierung ist so weit fortgeschritten, daß Rechtsextremismus im ÖRR als "umstritten" bezeichnet wird und nicht als etwas, was wir entschieden ablehnen und bekämpfen müssen.

Es gibt so viele Dinge, die man ablehnen muß, wenn man nicht in einer Horrorwelt (also noch schlimmer als diese hier...) landen möchte.

Man darf nicht jedem Dreck eine Bühne geben, man sollte Menschenverachtung nicht als kontrovers oder zu komplex verharmlosen, es gibt keine Rechtfertigung Sozialdarwinismus und die Entmenschlichung des Zusammenlebens als Meinungsvielfalt zu bewerten.

Plötzlich sollen wir Argumente der Kapitalisten und Faschisten "aushalten", obwohl diesen Worten Taten folgen.

Es gibt so vieles, was bereits in Worten der Horror ist und es zur Umsetzung nicht kommen darf.

Das Abstreiten von Klimawandel oder der Gefahr von Seuchen, den Wunsch, Frauen nur den Platz an Heim und Herd zu lassen, völkische und rassistische Ideologie und vieles anderes sind völlig inakzeptabel und keine umstrittenen Meinungen.

counselor

Wir sollten gegen die Normalisierung einer menschenverachtenden Partei wie der AfD Widerstand leisten.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Es ist krass, wie weit die Normalisierung rechtsradikaler Positionen vorangeschritten ist.

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Apollo News
ist übelster rechtsradikaler Dreck. Für die ZEIT möglicherweise einfach "dezidiert nicht links".

Weitere Bezeichnungen für rechtsextreme Propaganda in den Mainstreammedien: "umstritten", "provokant" oder "konservativ".

 

Kuddel

Erstaunliche neue Tendenzen.

Eine junge Deutschlandfunk-Journalistin interviewte eine evangelische Pastorin, die Beratungen zu Kriegsdienstverweigerung gibt. Sie fragte, ob nicht die Evangelische Kirche und ganz speziell die Beratungsabteilung nicht eh politisch gegen die Regierungspolitik und womöglich links ist.

Im Übrigen trafen die Vermutungen noch nicht einmal zu, die Pastorin erklärte, sie verstehe die seelische Not eines Verweigerers, würde aber auch die Notwendigkeit der militärische Verteidigung unseres Landes verstehen.

Und dann noch der Fall Wolfram Weimer, der Buchläden mit Hilfe des Verfassungsschutzes von einer Preisvereihung ausschloß. Auch da kam eine DLF Journalistin auf die Idee zu fragen, ob der in der Jury sitzenden Wagenbach- und Aufbau Verlag nicht linke Verlage seien.

Was geht in den Köpfen solcher Journalist:innen vor?

Nicht nur, daß diese Vermutungen nicht zutreffen, sondern auch: Was soll das!?!

Wenn jemand als "links" gilt, ist er oder sie suspekt? Oder das gesamte Projekt, in dem ein linker Mensch mitarbeitet ist insgesamt nicht mehr seriös und fragwürdig? Oder was!?!?

Der vorauseilende Gehorsam, die Paranoia und das Denunziantentum sind wieder auf dem Vormarsch. McCarthy läßt grüßen.

Kuddel

In der Argumentation der Rechten gibt es immer wieder Trends. Die werden irgendwann von anderen abgelöst.

Zur Zeit sind es 2 Dinge. Erst einmal "Demokratie". Die Rechten interessieren sich nicht wirklich für Demokratie. Aber wenn in der Öffentlichen Debatte alle die größten Verteidiger der Demokratie sein wollen, schlagen sie mit dem gleichen Argument zurück. Sie sagen, jeder, der die AfD verbieten will oder sie zumindest mundtot machen will, ist gegen eine Demokratie.

Aber das 2. Argument, eine "Ausgewogenheit" sei notwendig, geht mir am meisten auf den Sack! Wer ist auf die Idee gekommen und warum argumentiert niemand dagegen?

Wenn ein antifaschistischer Betrag in den Medien war, braucht es nun auch einen faschistischen Beitrag!?! Wenn es einen wissenschaftlichen Beitrag gab, muß der nächste antiwissenschaflich sein und z.B den Klimawandel leugnen?

Das breitet sich wohl aus. Ich habe gehört, ein Lehrer habe einem Schüler auf Nachfrage geantwortet, daß er nicht die AfD wählt und auch warum. Daraufhin hat er vom Schulamt eine Abmahnung gekriegt.

Dieses Klima breitet sich aus und Redaktionen passen sich an.

Kuddel

Ich bin öfter da, wo rechter Kram gequatscht wird. Ich will wissen, wie sie ticken. Ich will wissen, wie ihre Argumentation funktioniert. Es haut nicht hin, sich über sie lustig zu machen, ihre Argumente seien einfach nur doof. Die Rechten sind weiter auf dem Vormarsch, egal wie "doof" ihre Argumente sein mögen.

Ich will nochmal auf obiges Posting zurückommen.

Sie wollen die Macht und haben mit Demokratie nichts am Hut. Sie benutzen aber das Argument "Demokratie", um Angriffe von links, von Unpolitischen, die keine Nazis wollen und von der Antifa abzuwehren. Damit haben sie uns auf einem Terrain, auf dem wir uns abstrampeln, ohne uns mit ihren Zielen auseinanderzusetzen und ohne die Faschos zurückzudrängen.

Eine faschistische Herrschaft bedeutet eine konkrete Bedrohung für uns. Wir verlieren mit ihr Freiheiten, Rechte und Möglichkeiten, uns zu wehren. Frauenrechte, die Rechte von Minderheiten und vielen anderen stehen auf dem Spiel. Rassismus wäre Teil ihrer Politik. Es wären nicht nur Freiheiten und Rechte bedroht, sondern auch ökonomische- und Lebensgrundlagen. Wenn Soziale Rechte, Arbeiterrechte, Möglichkeiten des Kampfes im Betrieb und auf der Straße abgebaut sind, folgt der Angriff auf Löhne, Renten und Sozialleistungen.

Auch wenn die AfD den Kriegskurs der Bundesregierung in Bezug auf den Ukrainekrieg nicht mitträgt, ist sie keineswegs gegen Aufrüstung und die weitere Militarisierung der Gesellschaft. Ihre Gegnerschaft zu Umweltschutz und Umweltschützern wird für die Umwelt und für uns schwerwiegende Folgen haben.

Von all dem, was eigentlich diskutiert werden müßte, wurden wir mit dem Demokratieargument weggeleitet.

Ich werde selten verstanden, wenn ich sage, daß ich weder die Brandmauer, noch diese bürgerliche Demokratie verteidige. (Wenn jemand meine Haltung erklärt haben möchte, kann ich es gern an anderer Stelle tun. Ich möchte diesen Strang nicht zerfleddern.)

Ich Kämpfe für das Leben, gegen Umweltzerstörung und Krieg. Ich will nicht nur Lebensgrundlagen erhalten, ich will ein besseres Leben für alle, also mit allem was dazugehört, soziale Absicherung, medizinische Versorgung, Wohnen, Bildung und Kultur. Das könnte problemlos anders organisiert und besser werden, als das, was wir heute haben.

Ich bin nicht bereit, nur weil es die AfD gibt, die Schritte in einen Autoritären Staat, in eine rassistische und sozialdarwinistische Politik mitzutragen, nun aber von der CDU oder der SPD kommen. Eine Politik des Kleineren Übels ist immernoch ein Übel!

Soweit erstmal zu dem "Demokratie"-Argument.

Das mit dem Argument der "Ausgewogenheit" ist die Hölle und ich habe das Gefühl, ich habe noch nicht richtig erkärt, warum ich es so empfinde.

Wie gesagt, ich halte Journalismus für extrem wichtig und ich schätze guten Journalismus (der kein llinker Journalismus sein muß). Journalismus sollte den Menschen helfen, die Welt besser zu verstehen, in dem man sich in Ihr besser orientieren kann.

Es gibt im Grunde allgemeingültige Standards für guten Journalismus die überall anwendbar sind. Man stellt dann fest, wie unterschiedlich schlecht diese Standards in verschieden Ländern eingehalten werden. Deutschland gibt da auch kein gutes Bild ab. An erster Stelle steht die Wahrheit, die Richtigkeit der Informationen, die man verbreitet. Meinung und Kommentar sollten aus solche gekennzeichnet sein. Es sollten Einmischungen in die Inhalte weder vom Staat, der Wirtschaft oder Geheimdiensten stattfinden. So in etwa, würd ich sagen.

Ganz grob haben die Leute es verstanden. Man kann wohl an einen x-beliebigigen Kiosk dieser Republik gehen und "einmal das Lügenblatt" verlangen, man wird ohne weitere Nachfragen die BILD gereicht bekommen.

Das mit der politischen Ausrichtung hat natürlich eine Bedeutung, spielt in der öffentlichen Debatte eine eher untergeordnete Rolle.

Jetzt kommt dieses Argument massiv von rechts. Ersteinmal setzen sie die politische Einordnung neu. Für sie sind Frankfurter Rundschau, Deutschlandfunk oder Süddeutsche links, die taz linksradikal. Die WELT hält man für ein normales Medium. Diese hardcore Hetzmedien wie Nius, Tichys Einblick oder Die Achse des Guten gehören inzwischen zu dieser Normalität.

Es gibt dann noch einen riesigen Bereich sogenannter "Alternativmedien", das sind oftmals schnell zusammengekloppte youtube-Videos, inhaltlich schlimmer Scheiß voller Behauptungen und Unwahrheiten. Das wird massenhaft weiterverlinkt und die Lügen, die die von anderen Veröffentlichungen wieder aufgengriffen und wiederholt werden, werden dadurch zur Wahrheit.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Grundlage zur Beurteilung von Wert von Medien und Meldungen war mal der Wahrheitsgehalt ist plötzlich nicht mehr relevant.

Den Rechten sind nicht nur die überregionalen Printmedien zu links, sie halten auch den ÖRR für links unterwandert. Was relevant ist, ist nun die sogenannte "Ausgewogenheit". Da in ihren Augen sowieso alles irgendwie links ist, ist es die Forderung, nach mehr Präsenz rechter Quellen und rechter Medien. Das ist recht plump. Entsetzlich ist jedoch, wenn nun normale Medien, wie der NDR, sich in die Ecke gedrängt fühlen, sich rechtfertigen und meinen nun zu allem rechte Gegenpositionen senden zu müssen.

Es war also die rechte Kampagne erfolgreich. 

Kuddel

Nochmal zusammengefaßt:

Es gibt heutzutage diesen merkwürdigen Glauben, jegliche Medieninhalte müßten "ausgewogen" sein. Darunter versteht man, wenn eine Meldung oder Sendung als "links" gelabelt wurde, ist das Medium verpflichtet, einen rechten Beitrag zu senden oder abzudrucken.

Dieser Quatsch wurde scheinbar auf breiter Front geschluckt. Man kommt nicht auf die Idee klarzustellen, daß Medien der Wahrheit und der Aufklärung verpflichtet sein sollten, um den Menschen das Handwerkszeug in die Hand zu geben, sich in dieser Welt zu orientieren.

Wenn man auf breiter Front rechte Weltbilder in den Medien zur ausgewogenen Normalität werden läßt, sollte man sich nicht wundern, wenn sich das auch in den Köpfen festsetzt.

Was ich auch erstaunlich finde: Seriösität von Medien wurde mal daran festgemacht, ob die Recherchen und Berichte belegbar und wahr sind. Wenn Falschmeldungen und Lügen wiederholt auftauchten, war ein Medium unten durch und galt auch bei ungebildeten Menschen als unseriös.

Das interessiert heutzutage keine Sau. Es geht nur noch darum, ob etwas "links" oder "rechts" ist, der Wahrheitsgehalt tut nicht zur Sache.

Den Medienkonsum macht man nur noch daran fest, wo man sich am wohlsten fühlt. Wenn man sich irgendwie konservativ oder patriotisch (so bezeichnen sich heute Rechtsradikale) fühlt, dann interessiert man sich nicht mehr für Argumente, die von "linken" Medien kommen (in ihren Augen gehören DLF, Süddeutsche und eigentlich der gesamte ÖRR dazu), man versucht sie nicht einmal zu widerlegen. Man nimmt stattdessen die Medien ihres Spektrums als kritisch und als Widergabe der Wirklichkeit wahr, egal wieviel Lügen und Fake News sie verbreiten.

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