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Öffentlicher Dienst => Schulen, Hochschulen und Berufsausbildung => Thema gestartet von: Gehtsnoch am 16:02:36 Di. 13.April 2010

Titel: Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Gehtsnoch am 16:02:36 Di. 13.April 2010
Hallo Forum,

mehrmals kam im TV die 1A Doku Traumberuf Koch. Auf Youtube ist ein Video dazu (5 Teilig). Die Doku zeigt deutlich! wie massiv Auszubildene in Deutschland ausgebeutet werden. Ganz nach dem Motto "billige Arbeitskraft, euer Lehrplan interessiert niemanden", die Doku zeigt, wie selbstverliebt und kriminell sowie skrupellos einige  Arbeitgeber in der BRD selbst vor der Kamera sich nicht scheuen ihr perverses nicht legitimes Verhalten zur Schau zu stellen.
Diese Situation betrifft nicht nur die Kochbranche sondern ALLE Branchen!!!!

Kenne das aus eigener Erfahrung (anderer Beruf).

Auch wird in dem Video deutlich, wie scheissegal es der Justiz ist, was so hier passiert...auch das kenne ich aus eigener Erfahrung.

http://www.youtube.com/watch?v=KC1KbQd_FwE



Weiter wird im Video das Top Restaurant Wartenberger Muehle gezeigt....diese Firma hat mit Hilfe eines Herrn Werner Gärtner (seines Zeichen Trainer und Couch) bei Zeit Online versucht sich rechtzufertigen...allerdings beweisst der Text wie skrupellos einige sind. Trotz einem Bussgeld von 5000,- Euro und aufdeckenden Bericht und O Ton der Betreiber, scheinen einige es nicht einzusehen, das hier massiv gegen geltenes Recht und Menschenrechte und Grundgesetz verstossen wurde...

http://community.zeit.de/user/werner-g%C3%A4rtner/beitrag/2009/07/10/wartenberger-m%C3%BChle-sensationsjournalismus-oder-%E2%80%9Ejournalistisc (http://community.zeit.de/user/werner-g%C3%A4rtner/beitrag/2009/07/10/wartenberger-m%C3%BChle-sensationsjournalismus-oder-%E2%80%9Ejournalistisc)


Hier die offizielle Website dieses Betriebes...http://www.wartenberger-muehle.de/index.php (http://www.wartenberger-muehle.de/index.php) oben recht unter "Jobs" nimmt die Dreistigkeit neue Formen an...wer obige Dokumentation aufmerksam verfolgt hat, der wird hier das kotzen bekommen...
Dort ist tatsaechlich ein Video wo einige Auszubildene tatsaechlich es wagen den jungen Carsten aus obiger Doku so zu verraten...auch frage ich mich ernsthaft, was haben diese Burschen genommen??? Hirnwaesche???
Wird in Deutschland in der Berufsschule nicht mehr Arbeitsrecht gelehrt sowie Menschenrechte und das deutsche Grundgesetz???

Hier das Video:
http://www.youtube.com/watch?v=GLa_5Nnjwqc&feature=player_embedded
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: x-ray am 17:09:14 Di. 13.April 2010
Ich kenne es aus meiner Lehrzeit (Konditor) nur zu gut. In meinem Ausbildungsbetrieb hielt es sich noch in Grenzen - wir waren nur Lehrlinge und haben wie Gesellen den Laden geschmissen. Arbeitszeiten waren aber fast immer in der Norm und Übungen "durften" während der Arbeitszeit gemacht werden.
Was man so in der Berufsschule mitbekommen hat - holla die Waldfee! Regelmässige Arbeitszeiten über zwölf Stunden, Anrücken vor oder nach der Berufsschule, regelmässige 6-Tage-Wochen, Beschimpfungen und Beleidigungen und und und.
Nach der Lehre hab ich noch kurz bei  so einem Ausbeuter gearbeitet - er fand das auch nicht schlimm, den minderjährigen Lehrling bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten zu lassen. Dann hab ich es gelassen und branchenfremd gearbeitet - für mehr Geld bei geringerer Arbeitszeit in einem ungelernten Beruf.

Die Eltern von Carsten scheinen da auch eher die Ausnahme zu sein - viele aus meiner Klasse haben sich den Spruch "Lehrjahre sind keine Herrenjahre"  und "sei froh, dass du wenigstens eine Lehrstelle hast" anhören müssen und den Chef weiter munter gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz und den Lehrplan verstossen lassen.

In einem Betrieb sind die Lehrlinge ständig durchgefallen, da sie 3 Jahre lang fast nur putzen und spülen durften - die Handwerkskammer sah da aber keinen Anlass, dagegen vorzugehen...
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Solidanosh am 18:13:34 Di. 13.April 2010
Das ist nur ein neuer Trend, seit kurzer Zeit, mein Kumpel hat bei Novotel in Berlin gelernt 1995 war das allerdings noch etwas anderes, da stand wirklcih u.a auch noch das Lernen im Vordergrund. Ich meine gut, man weiss ja dass gewisse Berufe körperlich sehr intensiv sind, aber das wird man voher schon wissen, aber dennoch sollte u.a noch die Lehre und nicht die Arbeit im Vordergrund stehen, zumindest nicht in der Anfangsphase .... oder Endphase wenn man sich auf die praktische bzw theorische Prüfung vorbereiten muss.

Aber heute wird dank dem Lehrstellenmangel so eine Propaganda der Bildung betrieben, dass Flausen in den Kopf gesetzt werden, Mach ne Lehre das ist besser als gar nix, und so quälen sich Leute in einem Beruf der Ihnen nicht zugeneigt ist....

Freies Wirtschaftshandel habe ich sowieso kritisiert, normalerweise sollten alle Betriebe wieder Verstaatlicht werden und das PrivatEigentum eingeschränkt werden, damit wie damals in der DDR nicht wieder solche kapitalistischen Auswüxe wie heute realisiert werden. Das Lernen im Beruf als Lehrling sollte im Vordergrund stehen und nicht der ganze andere Mist.

Ich meine selbst Personen die bei der Polizei lernen, gehen auf die Polizeischule und nicht gleich in  FestnahmeEinsätze...die Chefs heute übertreiben dass ganze natürlich auch, was natürlich nicht heisst sich auf die Faule haut zu legen.

Ich hatte mit meiner Lehre Glück da war das PC Studium und das Lernen noch sehr im Vordergrund vor der eigentlichen beruflichen Tätigkeit, erst im zweiten Lehrjahr stand dann mehr das selbsttändige praktische Arbeiten im Vordergrund und später wurde dann intensiv auf Prüfungsvorbereitung gelegt.

Aber das Ausbeutungs und ProbeArbeiten Konzept kotzt mich nach wie vor an.....

Naja, ich glaube bald Krach das Wirtschaftssystem so dermaßen zusammen, dass wir garantiert gute Chancen auf einen neuen Sozialismus mit neuer Währungsreform haben........
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: x-ray am 18:54:55 Di. 13.April 2010
Das ist nur ein neuer Trend, seit kurzer Zeit,

Ich habe 1997 ausgelernt und jetzt haben wir 2010, das war damals und noch früher so und auch in Zukunft werden etliche "Ausbilder" ihre eigenen Gesetze anwenden. In der Gastronomie ist es so und wird wahrscheinlich auch noch länger so bleiben. Und das kannst du nicht so einfach auf andere Bereiche übertragen, diese Branche ist ein Fall für sich.
Was denkst du denn, wie oft ich mir anhören musste, dass der Chef selber als Lehrling noch Ohrfeigen bekommen und es ihm nicht geschadet hat  :rolleyes: ? Wie lange er für 50 Pfennig monatlich jeden Tag über 12 Stunden gearbeitet hat?
Ausserdem ist es etwas anderes, wenn die Arbeit nur körperlich anstrengend ist oder ständig Arbeits- und Jugendschutzgesetze gebrochen werden. Dass ich nicht den ganzen Tag irgendwo rumsitze und nen gemütlichen mache, war mir auch klar, also bitte! Hältst du jetzt die jungen Leute für blöd, oder was?

Vielleicht würde ich es auch nicht ganz glauben, wenn ich es nicht persönlich gesehen hätte - ich habe es aber gesehen, genauso wie die Untätigkeit der eigentlich Verantwortlichen!
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Gehtsnoch am 21:27:46 Di. 13.April 2010
Zitat
Freies Wirtschaftshandel habe ich sowieso kritisiert, normalerweise sollten alle Betriebe wieder Verstaatlicht werden und das PrivatEigentum eingeschränkt werden, damit wie damals in der DDR nicht wieder solche kapitalistischen Auswüxe wie heute realisiert werden.

Aehh??? Wo lebst du??? Diktatur???


BTT:

Ich habe 1 Jahr in einem angesehenden Autohaus gelernt...tja, top Noten hatte ich...aber lernen in der Werkstatt...nichts. Nur putzen und mobbing. Auch die Berichtshefte wurden nicht bearbeitet.
Hatte dann Glueck meine Ausbildung wo anders fortzufuehren!
Erst versuchte ich Hilfe bei den ueblichen Stellen zu erhalten (Meine damalige Frau hatte daselbe Problem)...nichts. Damals wurden mir die Augen geoeffnet.

Lehrlingswart, Handwerkskammer, Gewerkschaft, Arbeitsamt...nichts....alle waren angeblich nicht zustaendig!!!
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Sir Vival am 12:48:21 Mi. 14.April 2010
hatte ich doch auch.
1985 angefangen mit einer Lehre zum Werkzeugmacher.
 Werkzeugmaschinenbedienung ja, aber das waren noch Dinger mit dem Reichsadler drauf.
Nix CNC, wie alle anderen MitLehrlinge aus anderen GROSSEN Betrieben das gelernt haben.
Was komisch ist: Ein Betrieb darf doch nur ausbilden, wenn er den Lehrstoff in der Praxis auch vermitteln kann, oder?
Also bei mir war es so, daß ich ohne große Worte ausgenutzt wurde. Total!
Als Arbeitssklave wurde ich eingesetzt zu Arbeiten, die ein Hilfsarbeiter macht (normalerweise). Diese haben die aber eingespart.

Leute, das war schon damals so und wird sich nie ändern. Da können die "dafür verantwortlichen" Oberwichser nichts ändern, da werden sie auch nix ändern.
Du mußt einfach Glück haben und in eine Firma mit Lehrwerkstatt kommen (oder eben eine Lehrlingsabteilung).
Ich bin eigentlich ein GUTER Werkzeugmacher. Ich verstehe was von der Materie und habe in meinem 2 Lehrjahr Werkzeuge gebaut, da wußten meine Mitlehrlinge noch nichtmal, wie ein Werkzeug aufgebaut ist.
Das ist aber auch alles. An die Zukunft wurde da gar nicht gedacht!
CNC, Pneumatik, Hydraulik. Das alles war im Lehrplan, aber NICHTS davon in der Praxis gelernt, da nicht vorhanden. Super.

Die Schule war von einem Riesenkonzern gesponsort, der Druckmaschinen herstellt. Im Firmennamen kommt noch der Name einer schönen Stadt am Neckar vor :-))
Die Lehrlinge dieser Frima wussten bis zum Abschluss nicht, wie ein Werkzeug funktioniert, da bei denen auf was ganz anderes aufgebaut wurde. Nämlich Spezialisierung auf einzelne Zerspanungstechniken. BlaBlaBla.......will nicht langweilen, aber ich wußte damals schon, daß da was schief lief.
Als ich mal einen Lehrer angesprochen hatte, der mir ein 6 gab für eine Arbeit, die auf Lehrmaterial aufgebaut war, welches ich in der Praxis gar nicht kannte, hiess es nur: "Pech, das müssen Sie sich so aneignen."
Da wurde gar nicht gefragt, ob man das im Betrieb mit dem Meister nicht geübt hatte. Eiskalt!

Dementsprechend war auch meine Abschlußprüfung:
Theorie 2
Praxis eine knappe AUSREICHEND. Aber nur auf Gnade!
Und dann wurde ich auch noch blöd angeschaut von meinem Chef damals. hohoho!

Daß ich da keine Lust mehr auf diesen Scheißberuf hatte, is ja klar, oder?
Schon damals wurde einem alles verpfuscht!

Und was hat sich bis heute geändert?
NIX! IS NUR NOCH SCHLIMMER GEWORDEN!

Wenn man bei der Ausbildung an Qualität spart, zahlt man das später mit nichtskönnenden Technokraten in der Industrie, die das andere Leute machen lassen. Die Segel aus der Hand geben, nennt man das.
Man wird schon in der Lehrzeit auf´s "Ausgebeutetwerden" eingetrimmt.
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Rudolf Rocker am 18:10:41 Mi. 14.April 2010
Ich habe 1995 mal eine Lehre als Tischler angefangen! Ich durfte die Halle fegen, Wochenlang schleifen, und bei Montage und Messebau als Handlanger mitfahren!mal
Arbeitszeiten von 14 -16 Stunden pro Tag während der Messe- Saison waren auch keine Seltenheit. Einmal mussten wir sogar 24 Stunden arbeiten! Auch Samstags und Sonntags ohne Freizeitausgleich!!

Als ich einmal Samstags nicht konnte sprach ich meinen Chef an, ob ich frei haben könnte. Der  meinte aber nur: "Arbeit geht vor Privatleben!"
Bin dann am Samstag nicht hin und musste mir am Montag einen Anschiss abholen!!
Mein Berufschullehrer meinte, ich soll mir das nicht bieten lassen!
Nach einem Jahr habe ich dann Hingeschmissen weil ich eh nichts gelernt habe!
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: x-ray am 19:06:00 Mi. 14.April 2010
Gerade das Handwerk bietet jede Menge Spielraum für Ausbeutung. Da gibt es die eine Seite, in der eine Horde Lehrlinge genau dieselbe Arbeitsleistung wie die Gesellen bringen müssen, aber mit einem mickrigen Azubigehalt abgespeist werden. Dümmster Kommentar meines Meisters dazu "ich muss euch schliesslich auch einen Tag pro Woche für die Berufsschule bezahlen" Da verlangt der von seinen Lehrlingen gutes Kopfrechnen und kommt nicht drauf, dass wir nachvollziehen könnten, dass diese Rechnung trotzdem lächerlich ist  :P und man für Übungen oft auf den Feierabend verwiesen wird.
Auch wenn`s nicht schön war - man hat wenigstens etwas für seine Prüfung gelernt. Denn da gibt es noch die anderen, die sich einfach denken, dass ein Lehrling immer noch billiger ist als ein Hilfsarbeiter oder eine Putzfrau ,und der dann seine Lehrzeit lang putzt, Äpfel schält, Zwetschgen entsteint, den Gesellen ihren Dreck wegräumt und hinterherspült und sich sein Wissen und seine Übung gefälligst in der Berufsschule anzueignen hat. Sagt man was, wird man von den Gesellen noch frech angerotzt, das sie zu "teuer" für diese Arbeiten wären und dass das gefälligst der Lehrling zu machen hat. Nur leider gibt es bei der Gesellenprüfung keine Arbeitsproben im Spülen, Putzen, Bleche schrubben, Regale putzen,Äpfelschälen etc.

Ein paar Sachen muss man als Lehrling sicher schlucken, aber oft kann man es wirklich nur Ausbeutung nennen.
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Gehtsnoch am 09:47:08 Do. 15.April 2010
Bei der letzten Werkstatt wo ich war, wurde der Azubi auch massiv ausgebeutet. Er ist nicht der hellste...aber was will man erwarten, wenn man dem Jungen nichts beibringt ausser putzen (KFZ)???

Der Chef hat hinterruecks auch immer behauptet wie dumm der Junge ist und das lernen nichts bringt.

Tja...mich hat es einen feuchten interessiert und ich habe versucht den Burschen was beizubringen. Die Arbeit hat sich dadurch rausgezoegert ...doch der Junge war auf einmal (oh wunder ::)) voller Begeisterung. Leider hat der Chef ihn immer wieder abgezogen fuer niedrige Arbeiten.

Achja....war einer der Kuendigungsgruende vom Arbeitgeber aus, das ich mich um ihn gekuemmert hab...(neben der Weigerung ein Neuwagen zu kaufen)....
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Sir Vival am 10:29:53 Do. 15.April 2010
Und offiziell kommen die immer damit durch!
Denkt da mal jemand drüber nach?
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: nND am 11:35:59 Do. 15.April 2010
Hallo
zu dem ganzen muss ich doch auch mal was schreiben.

Ich habe letztes Jahr meine zweite Ausbildung auch als Konditor hinter mich gebracht. Vieles was hier geschrieben wurde war bei mir nicht anders.
Anfangs wurde mir immer erzählt das ich in dem Betrieb ja alle Möglichkeiten habe die es gibt.... Tja die Möglichkeiten sahen so als das während meiner Arbeitszeit die normalen Anfallenden Tätigkeiten gemacht werden mussten + Putzarbeiten. In meiner Freizeit konnte dann meine Ausbildung stattfinden...
Oder ich hätte die Zeit raus arbeiten müssen damit ich am Ende Zeit zum üben habe. Ich meine mal länger dableiben hätte ich ja gar nicht mal so schlimm gefunden. Mein Meister musste ja auch zu sehen dass er den Betrieb am Laufen hält. Nur da hätte er sich ja auch gleich einen Gesellen einstellen können. Am liebsten wäre es ihm gewesen wenn ich ständig 3-5 Stunden länger geblieben wäre. War bei ihm früher ja nicht anders. Nur so wäre für ihn ein wirkliches Interesse an dem Beruf erkennbar gewesen.  
Nur leider nützt es mir auch nicht unbedingt sehr viel wenn ich mich jeden Tag alleine hinstellen soll und irgendwelchen Mist zusammen pfusche. Mach halt irgendwas habe ich dann oft genug gesagt bekommen. Hab mich zur Genüge gefragt was das mit Ausbildung zu tun hat wenn ich nichts gezeigt bekomme sondern mich nur alleine hinstellen darf. In meinem Berichtsheft war der Lehrplan ja enthalten. Die Sachen die einen Beigebracht wurden mussten dann unterschrieben werden. Ich hatte sehr viele leere Seiten und interessiert hat es zur Abschlussprüfung auch niemanden.
Tja und dann steht man natürlich da hat die meisten Sachen vielleicht nur einmal in der Schule gemacht und muss damit irgendwie zurechtkommen.
Durchfallquote war 2008 bei 35% und letztes Jahr lag sie bei 30%. Darunter aber so wie ich genügend die es gerade so geschafft haben durch die Praktische Prüfung zu kommen.

Dann steht man nach der Ausbildung da und fragt sich was nun. Man fühlt sich dann selber auch unsicher weiter in dem Beruf zu arbeiten. Oder hat wieder Angst in so einem Betrieb zu landen.  
Die Handwerksbetriebe machen sich doch nur selber alles kaputt und wundern sich warum sie von der Industrie dann verschluckt werden. Langsam macht es auch keinen Unterschied mehr wo man seine Lebensmittel kauft. Denn viele Backwaren kommen sowieso nur noch aus dem Sack. Mittlerweile gibt es ja für alles Fertigmischungen. Manchmal ist das schon recht widerlich wenn man sich die Zutatenliste anschaut.
Tja und bei der Prüfung steht man dann wieder da und soll alles nach der herkömmlichen Methode anwenden können.
Die Schulen wissen auch genau was in vielen Betrieben so abläuft. Aber Unterstützung kann man dort auch nicht unbedingt erwarten. Schlecht durchdachte Lehrpläne und Chaos was zum größten Teil dabei raus gekommen ist.

Zum Ende hin habe ich sein Spielchen aber nicht mehr mitspielen wollen. Ich war auch nervlich einfach so am Ende. Jeder hat dann sein Zeug gemacht ohne das wir viel geredet haben miteinander. Von Beleidigungen konnte ich auch ein Lied singen. Das Beste war wo ich längere Zeit Krank war. Bin trotzdem auf Arbeit gegangen und hab gemacht was ich konnte. Nur eine Woche Auszeit musste ich mir dann doch mal nehmen weil es nicht besser wurde. Natürlich bekam ich dann gleich vorgeworfen dass ich nur simulieren würde. Aber der beste Satz war "Wenn du ständig was hast, warum bringst du dich dann nicht einfach um!". Da war es bei mir dann aus. Ich hab mir dann mit Absicht keine Mühe mehr gegeben und wenn ich was versaut habe und er sich aufgeregt hat. Hab ich innerlich nur noch gelacht.  :evil:
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: x-ray am 12:17:47 Do. 15.April 2010
Und offiziell kommen die immer damit durch!
Denkt da mal jemand drüber nach?

Weil es das offiziell nicht gibt. Hat man am Ende des Beitrags gesehen, dass der Arbeitsrichter es für eine Ausnahme hielt. Lächerlich!

Bei uns hat sich der Chef nach der Frühstückspause in die Koje verzogen, nachdem er seine Anweisungen hinterlassen hat. Also alles, was noch raus muss und für den nächsten Tag vorbereitet werden musste, haben wir Lehrlinge allein geschmissen. Sogar Bestellungen aufgegeben, wenn z.B. die Milchwerke angerufen haben, der Chef aber schon gepennt hat. Und das sogar schon im 1.Lehrjahr für damals 500 DM im Monat.
Verantwortlich war da kein Geselle in der Zeit (gabs nicht), sondern das zweite bzw. dritte Lehrjahr. Und auch nur bei ein paar Mark Ausbildungsvergütung mehr. Und Samstag bekam man grundsätzlich nie frei, da alle Azubis für das Laufen des Betriebs gebraucht wurden.
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Sir Vival am 13:23:50 Do. 15.April 2010
Da hätte ich aber gleich mal das 5-fache bestellt oder was ganz falsches.

Da merkt man, daß in unserem Land in JEDEM Bereich sehr viel schief geht, wenn nicht alles!
Passiert was schlimmeres oder fliegt was auf, dann heisst es, es wusste niemand bescheid darüber.
Zeigt man etwas/jemanden an, interessiert es niemanden oder es wird als Ausnahme "gerichtert".

Da steckt System dahinter. Das ist volle Absicht!

Man soll von klein auf schon den Duckmäuser machen. Wer sich wehrt und durchkommt, hat´s geschafft. Wer unten bleibt, dient ein Leben lang und noch schlimmer. Er wird ausgebeutet bis zur Rente, wenn er es bis dahin überhaupt schafft und sich nicht umbringt, krank wird oder einen umsägt und in Staatsurlaub geht.

Ich glaube so langsam, daß DAS u.a. auch Themen sind, die in solchen Bilderberg-Konspirationen diskutiert werden: "Wie und mit welchen Mitteln können wir die Menschheit am ehrlichsten bescheissen?"

Da gibt´s ein Album von der Band Vio-Lence: oppressing the masses
Wir brauchen den Reboot!

Das Schlimmste für die ist: Bildung von unten. Wenn der Pöbel weiss, was vorgeht.
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: x-ray am 18:18:08 Do. 15.April 2010

Passiert was schlimmeres oder fliegt was auf, dann heisst es, es wusste niemand bescheid darüber.
Zeigt man etwas/jemanden an, interessiert es niemanden oder es wird als Ausnahme "gerichtert".

Bei wem möchtest du es denn gerne anzeigen? Beim Obermotz der Innung? Der fährt den gleichen Scheiss und pisst sich bestimmt nicht selbst ans Bein. Das Arschamt freut sich, weil die sooo viele Lehrstellen zur Verfügung stellen, eine Ausbildung ist doch so wichtig. Auch wenn es nachher kaum Stellen für Gesellen gibt, weil die "Wohltäter" lieber Azubis ausbeuten.

Schau dir doch das Arschloch namens Scharff an. Er hätte daraus gelernt und stellt jetzt keine Azubis mehr unter 18 ein. Was aber nur heisst, dass ihm die Eltern nicht mehr auf den Deckel steigen können, da es dann nur noch an den Azubis liegt, ob dagegen vorgegangen wird oder nicht. Er verstösst damit immer noch gegen das normale Arbeitsschutzrecht. Und die meisten gehen nicht dagegen vor, die tun alles für das Zeugnis von so einem Nobelfresstempel.
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Rudolf Rocker am 18:41:00 Do. 15.April 2010
Jupp, da liegt der Hase im Pfeffer!
Die meisten Azubis kennen doch ihre Rechte gar nicht. Wenn doch, trauen sie sich nicht diese auch durchzusetzen.

Bei mir war es doch auch so, das von allen Seiten diese dummen Sprüche kamen: "Nun stell dich mal nicht so an. Lehrjahre sind keine Herrenjahre!" und so ein Zeugs.
Wenn man in einem Betrieb mit mehreren Azubis ist (die sich einig sind) und auch noch einen Betriebrat hat, geht das noch!

Aber solange es noch genug Windbeutel gibt die bereit sind sich ausbeuten zu lassen wird sich da auch nicht ändern! Warum auch? Der Chef kann ja aus einem fast unerschöpflichen Pool von Sklaven schöpfen.


Und das mit dem rauhen Umgangston!
Hat mal ein Chef bei mir versucht!
 Hab dann mit dem Helm nach ihm geworfen und knapp verfehlt!
 Einen Monat später bin ich zum Vorarbeiter befördert worden! ;D


Nur gut, dass ich nie eine Ausbildung zum Koch angefangen habe!
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Sir Vival am 14:25:43 Fr. 16.April 2010
Arbeitsschutzrecht = Arbeitsschutzgesetz!
Arbeitszeitgesetz
Arbeitnehmerschutzgesetz
Arbeitnehmerrecht
usw.
usw.

Das alles sind geschriebene Gesetze, Geschichten aus der Welt der Märchen, wie es eigentlich ablaufen sollte und die nur eins sollen:
Darstellen, daß bei uns in D alles geregelt und OK ist!
Nichts anderes!

Ich habe jedenfalls diese Erfahrung gemacht. Mein Ex-Chef hat gegen jedes einzelne der o.g. Gesetze verstoßen (und gegen mehr: Betrug usw.), ich habe es alles angezeigt, ich hatte ALLE Stundenbücher seit März 2006 dabei und alleine im Betrieb wäre es bei einer Überprüfung SOFORT zur Schliessung gekommen (Arbeitsschutzgesetz).

Und was war das Ende der Gschicht?

GAR NIX IST PASSIERT!
Absagen über Absagen.
Staatsanwaltschaft, Bundes-/Landesarbeitsgericht, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit, Bundesministerium für Arbeit und Assoziales, usw. usw.
Ich weiss schon gar nicht mehr, wem ich NICHT geschrieben habe.
Das sind allesamt asoziale Arschlöcher,.....sorry, ich meinte, es sind asoziale Individuen, denen das Wohl des Volkes sowas von am Arsch vorbeigeht, daß man einen Film drehen könnte.
Das ist ein System, das auch so laufen soll. Da gibt es ein Drehbuch!
Wo wären wir denn, wenn es wirklich ALLEN gut ginge?
Dann ginge es einigen da oben auch gut, aber nicht so gut wie jetzt!

Bin zwar kein Lehrling mehr, aber es ist im Endeffekt das gleiche.
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: x-ray am 18:23:17 Fr. 16.April 2010
Als Azubi bleibt oft dann nur noch die Möglichkeit, den Ausbildungsbetrieb zu wechseln. Es passiert nix, wenn man anzeigt und meist steht man dann alleine, weil der Rest lieber Scheisse frisst.
Ich habe auch den Lehrbetrieb gewechselt, weil der dort angestellte Meister ein Choleriker und überzeugter Nazi war. Den polnischen Gesellen hat er als Kanaken tituliert, die zwei vietnamesischen Bäckergehilfen kamen auch nicht besser weg und "wären unterm H...sowieso vergast worden". Beschimpfungen wie "blöde Sau" oder "du bist doch viel zu blöd dazu" waren für ihn normal. Und "unterm Herrn H...würde das sowieso alles noch ganz anders laufen.." Ich habe es bei der Handwerkskammer, beim Arbeitsamt und bei der Innung angezeigt - passiert ist nix, obwohl der wohl mehr als offensichtlich ungeeignet war, um Jugendliche auszubilden. Vielleicht waren ja die durchschnittlich guten Noten unter dem Nazispruch- und Beleidigungsdrill aussagekräftiger.
Die Kollegin, die mit mir angefangen hat, ist dort geblieben. Hat von ihren Eltern zu hören bekommen - na was wohl? Lehrjahre sind keine Herrenjahre  :tongue:
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Sir Vival am 18:32:17 Fr. 16.April 2010
Da kann man nur noch froh sein, wenn sowas nicht abfärbt auf das spätere soziale Verhalten der Lehrlinge.

Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: x-ray am 18:52:13 Fr. 16.April 2010
Das traurige ist aber, dass es sehr oft abfärbt...nämlich wenn der Lehrling zum Gesellen aufgestiegen ist und selber welche unter sich hat. Nach dem Motto: Warum soll`s dem besser gehen als mir damals? Ich habe die Erfahrung machen dürfen, dass es eher ungern gesehen wird, wenn man sich dem Lehrling gegenüber zu sozial verhält.
Hat der andere Fuzzi doch eindeutig zum Besten gegeben..."da müssen wir alle durch, ich hab auch Scheisse gefressen" . Das ist genauso so zum Kotzen wie Sprüche prügelnder Eltern, dass "ihnen eine harte Hand auch nicht geschadet habe" . Anscheinend aber schon, wenn man dieser Ansicht ist.
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: vampyrella am 23:40:56 Di. 20.April 2010
Schade, das man als Azubi immer nur der Arsch ist.
Moralische Unterstützung durch die Eltern hat fast keiner, die bereits genannten Sprüche kommen bei jedem. Und wenn dir was nicht passt kannste ja gehen. Toll. Sieht gut aus im Lebenslauf wenn man eine Lehre abgebrochen hat :(
Ich denke unter diesem Aspekt ziehen viele das auch nur durch. Und machen dann was ganz anderes.
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: Sir Vival am 10:22:11 Mi. 21.April 2010
.....so wie ich...... 8)
Titel: Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16:09:09 Do. 24.August 2017
Zitat
Ausbildung mangelhaft

Zahnarzthelferinnen putzen Fenster, Kaufleute bauen Messestände auf: In der Ausbildung von Fachkräften läuft vieles schief. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

von Morten Freidel

Jugendliche in Deutschland werden vielerorts mangelhaft und unter unwürdigen Bedingungen ausgebildet. Nach Recherchen dieser Zeitung müssen sie vor allem in Kleinbetrieben regelmäßig Überstunden machen, die ihnen weder auf den Urlaub angerechnet noch bezahlt werden. Viele verrichten Arbeiten, die nichts mit dem Inhalt ihrer Ausbildung zu tun haben. Zahnarzthelferinnen putzen jahrelang die Fenster und wischen den Boden, angehende Kaufleute bauen Messestände auf. So lernen sie nur einen Bruchteil dessen, was ihren Beruf eigentlich ausmacht. Stehen die Abschlussprüfungen in der Berufsschule an, fallen sie durch – sofern sie überhaupt dort erscheinen. Denn manche Betriebe wollen vermeiden, dass die Jugendlichen auch nur einen Tag fehlen, und setzen sie so unter Druck, dass ihre Lehrer sie kaum zu Gesicht bekommen.

Besonders schlimm ist die Lage nach Auskunft von Berufsschullehrern und Auszubildenden bei Friseuren, in Zahnarztpraxen, Reisebüros, in der Gastronomie sowie der Hotel- und Reinigungsbranche. In einigen Wäschereien werden Auszubildende etwa systematisch gezwungen, Überstunden zu leisten. Steht ein Feiertag an, sollen sie schon im Vorfeld die Stunden ausgleichen, die sie später fehlen werden. Also arbeiten sie in den Wochen vor dem Feiertag jeden Tag eine Stunde länger, manchmal auch den ganzen Samstag. Bezahlt wird die Arbeit häufig nicht, denn die Vorgesetzten halten die Überstunden selten offiziell fest. Auch bei manchen Discountern haben Überstunden System. Dort werden die Azubis angehalten, zwei Stunden vor der eigentlichen Schicht zu erscheinen. Weil aber in den Dienstplänen nichts davon steht, haben Beschwerden gegen diese Praxis fast nie Aussicht auf Erfolg.

Mit den Überstunden häufen sich in der Berufsschule die Fehltage. Normalerweise dürfen die Jugendlichen dort pro Jahr höchstens fünf Tage fehlen, wenn zusätzliche Arbeit im Betrieb ansteht. Die Unternehmen müssen das beantragen, tun es aber oft nicht. Stattdessen fordern sie die Jugendlichen auf, den Unterricht zu schwänzen, und schüren ihre Angst, nach der Ausbildung keine Festanstellung zu bekommen. So verantworten die Azubis ihre Fehltage am Ende selbst.

Auszubildende ersetzen häufig Praktikanten

Solche Missstände treten nicht nur in den genannten Branchen auf, sondern teilweise auch in Ausbildungsberufen, die unter Jugendlichen besonders begehrt sind, zum Beispiel bei Regieassistenten. Und das, obwohl in Deutschland Fachkräftemangel herrscht. Seit acht Jahren gibt es jedes Jahr mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Man sollte also meinen, dass die Unternehmen sich Mühe geben, damit sie überhaupt Auszubildende bekommen. Viele tun das auch. Trotzdem bleibt eine Gruppe von Schulabgängern, die niemand haben will. Wenn Firmenchefs solche Leute ausbilden, dann oft nur aus einem Grund: Bei ihnen ersetzen die Auszubildenden die Praktikanten.

Früher war es an diesen, lästige Arbeiten zu übernehmen. Doch seit zwei Jahren müssen Unternehmen Praktikanten den Mindestlohn zahlen, da kommen schnell 1500 Euro im Monat zusammen. Auszubildende sind billiger, in manchen Branchen kriegen sie gerade mal 500 Euro im Monat. Und man kann sie nach drei Jahren auf die Straße setzen. Das spricht sich zwar herum, trotzdem finden die Betriebe immer wieder neue Azubis – jene, die froh sind, dass sie überhaupt einen Ausbildungsplatz bekommen. Zum Beispiel Hauptschüler mit besonders schlechten Noten. Dabei profitieren die Unternehmen davon, dass Auszubildende nur selten die Stelle wechseln. Manche haben Angst davor, andere können oder wollen ihren Heimatort nicht verlassen.

Alles nur Einzelfälle? Tobias Wunsch, bei der IG Metall für Ausbildung zuständig, sagt: nein. „Als Unternehmer kann ich das System entweder nutzen, um jemanden sehr gut, auch technisch, auszubilden. Oder ich kann es nutzen, um jemanden günstig drei Jahre lang zu beschäftigen. Und natürlich sind das nicht alles nur Einzelfälle oder schwarze Schafe.“ Nach einer Statistik des Deutschen Gewerkschaftsbunds sind Jugendliche seit Jahren unzufrieden mit der Ausbildung in Branchen wie der Gastronomie oder dem Hotelgewerbe.

Bei wem liegt die Verantwortung für die Misere?


Für diese Probleme ist die Politik mitverantwortlich. Im Jahr 2003 senkte die rot-grüne Bundesregierung die Hürden für Unternehmen, Jugendliche auszubilden. Damals gab es fünf Millionen Arbeitslose im Land, viele Schulabgänger hatten große Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Deshalb entschied die Regierung, dass Ausbilder keinen Lehrgang mehr machen mussten, um jemanden auszubilden. Ein Formular reichte.
(http://media0.faz.net/ppmedia/aktuell/politik/inland/1533198369/1.5118554/width610x580/eine-der-schwierigen-branchen.jpg)
Eine der schwierigen Branchen: Berufsschullehrer und Auszubildende berichten, dass in der Gastronomie Überstunden üblich sind – häufig zulasten des Berufsschulunterrichts.


Zwar wurde diese Regelung 2009 wieder abgeschafft. Doch Ausbilder, denen es in jenen Jahren gestattet wurde, ohne entsprechenden Nachweis auszubilden, dürfen das weiterhin. Darunter leidet die Qualität der Ausbildung. So erzählen Berufsschullehrer, dass sie Ausbilder nicht erreichen konnten – weil es sie nämlich nicht gab. Die Unternehmenschefs hatten Ausbilder benannt, die nur auf dem Papier existierten. Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung kommt außerdem zu dem Schluss, dass Azubis in solchen Betrieben viel häufiger durch die Abschlussprüfungen fallen als andere.

Obwohl all das schon lange bekannt ist, tut kaum jemand etwas dagegen. Eigentlich müssten die Handwerkskammern und die Industrie- und Handelskammern über die Qualität der Ausbildung wachen. Nur sie können Betrieben die Ausbildungserlaubnis entziehen. Das geschieht aber so gut wie nie. Die Handwerkskammer in Frankfurt hat in 25 Jahren nur einmal einer Firma die Ausbildungserlaubnis entzogen. Und in der örtlichen Industrie- und Handelskammer ist kein Fall aus den letzten zehn Jahren bekannt.

Warum greifen die Kammern nicht durch? Anne-Kathrin Reich, Schulleiterin der Modeschule in Frankfurt, sagt, die Kammern würden vor allem die Interessen der Unternehmen vertreten. Die müssten immerhin Geld bezahlen, um Mitglied der Kammern zu sein. „Man pinkelt sich doch nicht gegenseitig ans Bein.“ Tobias Wunsch von der IG Metall bestätigt das: „Die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern könnten durchgreifen, tun es aber nicht. Weil sie immer wieder die Interessen der Wirtschaft vertreten, nicht die der Jugendlichen.“ Hinzu kommt: Die Kammern verlangen von den Azubis, ihnen handfeste Beweise für das Fehlverhalten ihres Betriebs zu liefern, bevor sie tätig werden. Doch die Jugendlichen schrecken vor einem solchen Schritt oft zurück.

Die Parteien tun wenig, um die Ausbildung zu verbessern

Dabei wäre es für die Kammern ein Leichtes, die Betriebe selbst zu überprüfen. In jedem Bezirk des Landes beschäftigen sie einen Ausbildungsberater, der für mehrere Branchen und Betriebe zuständig ist. Dieser Mitarbeiter darf jederzeit unangekündigt Unternehmen besuchen und sich ein Bild über die Zustände am Ort machen. Doch auch das passiert so gut wie gar nicht, wie es etwa aus der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt heißt. Man wolle mit den Unternehmen zusammenarbeiten statt gegen sie.

Auch die Parteien tun wenig, um die Ausbildung zu verbessern. Im Programm der Union für die kommende Bundestagswahl steht nur, das Überangebot an Ausbildungsplätzen in Deutschland zeige, dass es dem Land gutgehe. Die FDP will sich zwar für eine „Aufwertung und Ausweitung“ der dualen Ausbildung einsetzen. Damit meint sie allerdings nur: mehr digitalen Unterricht. Die Grünen fordern wie die SPD einen Mindestlohn für Auszubildende. Doch obwohl die Sozialdemokraten seit 2013 im Bund mitregieren, haben sie kaum etwas unternommen, um die Ausbildungsqualität zu verbessern. Vielleicht liegt es daran: Die meisten Azubis dürfen noch nicht wählen.
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