Scheinwelten in den Medien und in den Köpfen

Begonnen von Kuddel, 12:12:06 So. 21.Juni 2026

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Kuddel

Am Montagvormittag läuft im DLF die Sendung Kontrovers. Eine Anrufsendung zu einem Thema.
Normalerweise sitzt im Studio eine neoliberale Arschlochrunde, in der es maximal eine kritische Stimme gibt. Die Anrufer sind oftmals eine wahre Freude und geben der Studiorunde kräftig Kontra. Deshalb höre ich die Sendung relativ gern.

Am letzten Montag war es anders. Es ging um Das neue Europäische Asylsystem: Angemessen oder unmenschlich?
Es war schlimm. Ich wunderte mich fast, daß keiner der Anrufer seine Bemerkungen mit "Sieg Heil" beendet hat.

Es war aber nicht der latente oder offene Rassismus das einzige Problem. Das ganze wurde in ein gesellschaftliches Umfeld gestellt, mit den Problemen "Deutschlands", den leeren Kassen, den "Reformen" beim Sozialstaat, Gesundheitswesen, Renten, etc..

Diesen Bogen darf man gerne schlagen.

Doch was mich fertig machte, war die Tatsache, daß sich niemand mit den realen Verhältnissen auseinander gesetzt hat, sondern mit einer Scheinwelt. Die auf allen Kanälen uns um die Ohren gehauenen Propagandabilder sind die neue Wirklichkeit.

Es fängt damit an, daß dieses ominöse "Deutschland" wie ein Mensch gesehen wird, dem es gut oder schlecht geht.

Egal wieviel rumgeheult wird von "Deutschland schafft sich ab" oder "Deutschland wird abgehängt" bis "Deutschland stürzt ab", geht es den Oberschichten verdammt gut und ihr Reichtum mehrt sich ständig. Aber die Menschen sollen sich mit "Deutschland" identifizieren, was viele auch tun.

Wenn einen die Wirklichkeit interessieren würde, müßte man fragen, wie es den Lohnabhängigen geht, wie den Erwerbslosen, den Bauern, Kindern, den Rentnern usw..

Dann gibt es das "die Kassen sind leer" Argument. Es wäre die logische Schlußfolgerung zu fragen, wie man die Kassen wieder füllt. Aber durch die non-stop Berieselung sehen die Menschen mehrheitlich nur noch die Frage, wie man bei den Ausgaben "spart", was nichts anderes bedeutet, als den Armen und Ärmsten noch mehr zu nehmen, die Gesundheitsversorgung und Bildung zu verschlechtern und die Renten zu kürzen.

All das wird als unumgänglich beschrieben und diese Alternativlosigkeit hat sich inzwischen in den Köpfen der Menschen festgesetzt. Darauf basiert der Rassismus. Wenn schon so wenig da ist, sollen die Ausländer nichts davon abbekommen, damit noch etwas für "uns" übrigbleibt.

Daß der gesellschaftliche Reichtum enorm ist und er nur noch bei einer kleinen Clique hängen bleibt (und permanent zunimmt), ist ebensowenig ein Thema, wie die ungehinderten Geldflüsse in Rüstung und Krieg.

Doch mich machen auch die sogenannten "vernünftigen" Stimmen fertig, die sich für humanistisch, kritisch oder gar links halten. Sie kritisieren die "Ausländer raus!" Parolen, weil die Migranten sich doch so gut in unsere Gesellschaft und den Arbeitsmarkt integrieren lassen. Die Remgration, Deportation von Migranten würde unserer Wirtschaft schaden. Ich will von niemandem, auch nicht von irgendwelchen Linken, eine Argumentation hören, bei denen Menschen nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit beurteilt werden.

Die KZ Vernichtungsmaschinerie der Nazis begann mit der Ermordung von Behinderten.

Es ist schon der Hammer, daß nicht nur irgendwelche verzweifelten sozial Abgehängten den Überblick verlieren und die Ursachen für ihr Elend nicht erkennen, auch unter den besser Gebildeten, den Jornalisten und Politikern, die sich für linksliberal halten, bleibt es bei der Alternativlosigkeit von "sparen" und "kürzen".

Wow. Man sieht die Wirklichkeit nicht mehr. Es ist doch offensichtlich, daß der soziale Abstieg damit zusammenhängt, daß Vermieter rund 50% des Einkommens einfach einkassieren.

Das Gesundheitssystem wird zugrundegerichtet durch die Profitgier der Pharmaindustrie und der Krankenhauskonzerne.

Das Rentensystem könnte auch zugunsten der Rentner reformiert werden. In Österreich, das eine wirtschaftlich ähnlche Grundlage wie Deutschland hat, sind die Renten im Durchschnitt 800€ höher. Das ist also machbar und finanzierbar, wenn man ein Interesse daran hätte.

Und daß sich niemand traut die Ausgaben für Militär und Krieg in Frage zu stellen, ist einfach nur erbärmlich.

Wir müssen aufhören, uns um einen immer kleiner werdenden Topf zu streiten, statt uns um die gesamtgesellschaftliche Umverteilung zu kümmern.

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Tiefrot

ZitatWir müssen aufhören, uns um einen immer kleiner werdenden Topf zu streiten, statt uns um die gesamtgesellschaftliche Umverteilung zu kümmern.
Richtig. Nur bei einem so neoliberal deformierten Publikum
wirst du auf taube Ohren stoßen. Oder noch schlimmer, dir wird
vorgeworfen werden, du willst dem Kapitalismus schaden. Siehe Karikatur.

Eine dritte Möglichkeit, keiner versteht, wovon du redest.
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet die asozialen Medien ab !

dagobert

Die dritte Möglichkeit halte ich für die wahrscheinlichste.
"Der beste Kaufmann ist der Krieg. Er macht aus Eisen Gold."
Friedrich von Schiller

,,Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."
Theodor W. Adorno

Wanderratte

Ich finde es schon sehr krass, daß überhaupt noch jemand den "Mut" hat, frech zu behaupten, die Kassen seien leer. Wenn man das Offensichtliche einfach ignoriert. Nämlich, daß andererseits immer noch mehr als genug Geld für Rüstung und Krieg ohne Probleme vorhanden ist. Ich meine, das ist doch kein Geheimnis.

Hier stimmt was definitiv nicht. Man muß die Propaganda in der "Politik" und in den Massenmedien einfach mal in Frage stellen. Was jedoch leider viel zu selten geschieht.

Zitat von: Kuddel am 12:12:06 So. 21.Juni 2026Doch mich machen auch die sogenannten "vernünftigen" Stimmen fertig, die sich für humanistisch, kritisch oder gar links halten. Sie kritisieren die "Ausländer raus!" Parolen, weil die Migranten sich doch so gut in unsere Gesellschaft und den Arbeitsmarkt integrieren lassen. Die Remgration, Deportation von Migranten würde unserer Wirtschaft schaden. Ich will von niemandem, auch nicht von irgendwelchen Linken, eine Argumentation hören, bei denen Menschen nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit beurteilt werden.
Und hier könnte möglicherweise sogar die größte Gefahr liegen, da nicht immer für jeden sofort ersichtlich. Mich macht das alles auch fertig.

Man muß sich also unabdingbar an diese Gesellschaft anpassen, Leistungsbereitschaft zeigen und unbedingt einer Erwerbstätigkeit nachgehen, um überhaupt noch Respekt und Wohlwollen zu erhalten. Sowie als Mensch anerkannt zu werden.

Und sowas nennt sich dann mitunter noch politisch links!?! :o Sorry, aber mit so einem "Deutschland" identifiziere ich mich überhaupt nicht.

Kuddel

Mir fällt auf, daß es Gemeingut in den Medien war, die Unterschichten für zu dumm für Politik zu halten und allein die Mittelschicht da aktiv sein kann, um die politische Zukunft zu bestimmen.

Plötzlich ist alles anders. Die CDU ist bei den Wahlen in einem Bundesland nicht nur einstellig geworden, sie hat nicht einmal die 5% Hürde genommen. Jetzt spricht man von einer "Erosion der Mitte", sogar vom ihrem "Zerfall" oder "Verschwinden".

Die Antwort der Medien ist, links und rechts gleichzusetzen. Es ist sogar noch schlimmer, der Aufstieg der AfD ist in ihrer Berichterstattung nur noch eine Randnotiz, während man eine Bedrohung der Gesellschaft von links herbeischreibt. Dazu ist jedes Mittel recht, man scheißt auf eine journalistische Grundregeln und journalistischen Ethos, man arbeitet mit Unwahrheiten und Unterstellungen und Elif Eralp wird Nähe zu Salafismus, Clan-Kriminalität, Linksradikalität und Antisemitismus zugeschrieben. Große Medien arbeiten heute mit Methoden, die mal als Alleinstellungsmerkmal der BILD galten.

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