Hirnwäsche, Propaganda & Zensur - Das Abrutschen des jounalistischen Mainstreams

Begonnen von Kuddel, 13:31:07 Mi. 22.Dezember 2010

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Onkel Tom

Zitat von: Kuddel am 14:01:36 Di. 22.Juli 2025Die Aktion vom Zentrum für Politische Schönheit zum TV Interview von Alice Weidel dürfte jeder mitbekommen haben.
Ja, das war doch ein Genuss. Deren Lautsprecher-Bus ist ja cool  :)

Zu den Reaktionen der Medien frage ich mich, ob da der Virus "Göbbelschnauzenverhalten" ausgebrochen ist ?
"Herr Jornalist ! Ihr Auftrag ist, jeglichen Protest zum Ereignis in ihren Zeilen zu diffamieren!"

Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

Entpolitisierung und Vereinzelung passieren nicht einfach so, sondern sind ein politisches Programm.

Margret Thatcher hat es klar formuliert:
"So etwas wie die Gesellschaft gibt es nicht. Es gibt nur einzelne Männer und Frauen und es gibt Familen."

Es werden Klassenverhältnisse verschwiegen. Es wird nur noch der Einzelne gesehen und das Oben und Unten ignoriert. Es wird nicht nur ignoriert, sondern es werden alle kollektiven Strukturen, die der sozialen Notwehr oder einem Kampf dienen können, zerschlagen.

Die heutigen Medien, egal zu welchem Medienhaus/Medienmogul sie gehören mögen, haben ihre Beiträge auf eine totale Individualistische Sichtweise gepolt. Man horcht in sich hinein, sieht noch bestenfalls familiäre und partnerschaftliche Strukturen, es geht um individuelles Glück und um Seelenpein, Ernährung, Krankheit, Freizeitbeschäftigung. Karriere und Ängste. Was bleibt, sind die Verlorenheit des Einzelnen und die Angst in der Welt, in der Gesellschaft. Da werden Therapeuten nur wenig ausrichten können.

Daß wirklich alle großen Medien so stark auf die Individualisierung geschwenkt haben, ist überdeutlich und meiner Meinung nach zu wenig diskutiert.

Nur mal kurz und zufällig zusammengestellt:

Kontaktabbruch zu den Eltern: Was Sie jetzt tun können - Stern
,,Mentale Gesundheit entscheidet sich im Kindes- und Jugendalter" - Süddeutsche
"Wir haben kaum Einfluss darauf, wie viele Kalorien wir verbrennen" - Zeit
»Klettern ist wie Yoga am Berg« - Stern
7 magische Dinge, die mit uns passieren, wenn wir uns öffnen - Brigitte
Sauer auf die Kollegen? Gut so! - Manager Magazin
Wie man einen Ort zu seinem Zuhause macht - Süddeutsche
Sind Mütter mit Jungen nachsichtiger? - Süddeutsche
Warum wir so gerne lästern – und es uns sogar guttut - Brigitte
Erholungsurlaub: Na, erholt? - Zeit
Belastende Gefühle zulassen: Alles fühlen, was da ist - Psycholgie Heute
Zwischen Daten und Bauchgefühl: Wie Führungskräfte ihre Intuition stärken - Manager Magazin
4 Fragen, die bei einer Sinnkrise helfen können - Brigitte
Mama, bin ich ein Klotz an deinem Bein? - Zeit

Und so weiter.

Komme mir vor wie bei Dr.Sommer von der Bravo.

Ich halte das eben nicht nur für Füllstoff schlechtgemachter Medienprodukte, sondern man begleitet gesellschaftliche Trends und treibt sie bewußt voran.

Kuddel

Der Sport der Rechten ist ja, die politischen Grenzen zu verschieben und die politische Orientierung auf den Kopf zu stellen.

Rechte bis rechtsradikale Medien nennen sie "konservativ" und den politisch verblödeten bis nach rechts tendierenden Mainstreammedien attestieren sie eine "linke" bis "linksradikale" Haltung.

Eine andere Einordnung:

https://x.com/NurderK/status/1980938156271939631

Nikita

Es ist einfach die Medienlandschaft insgesamt zu verteufeln. Sie hat auch gute Redaktionen, die reflektiert sind und sich fortlaufend Gedanken darüber machen, wie sie berichten. Diese redaktionen haben Unterstützung verdient.
Ein Beispiel sei hier gezeigt. Ich würde es nicht als Interview des Jahres bezeichen. Aber es ist ein gutes Interview.

https://www.ardmediathek.de/tv-programm/69021e204be0aa071380586b

Wolfram Weimer bei ttt
Das Interview des Jahres 2025

In der ersten Sendung des neuen ARD-Formats ,,ttt-talk" stellte die Moderatorin Siham El-Maimouni dem Medienminister Weimer Fragen. Und zwar die richtigen!

https://taz.de/Wolfram-Weimer-bei-ttt/!6134500/


Kuddel

Ich denke, wir sind uns da einig.
Ich schätze guten Journalismus, doch ich finde ihn kaum.
Hin und wieder findet man ihn auch bei den Öffentlich Rechtlichen.
Daß Wolfram Weimer bei ttt war so ein Fall. Das war solider Journalismus. Siham El-Maimouni hat völlig entspannt die richtigen Fragen gestellt und ließ sich nicht aufs Glatteis führen. Da nützte es nichts, daß der Bundeskulturminister ein Medienprofi und gut vorbereitet war. Er wollte sich einfach damit herausreden, er könne ja gar nicht rechts sein, da er von der AfD angefeindet wurde. Sie legte nach und sprach ihn darauf an, daß er mit den klassich anti-woken Ressentiments an die Öffentlichkeit gegangen ist. Sie hat auch nachgehakt, bei seinem Geschäftsmodell, mit Ludwig-Erhard-Gipfel gegen Geld Kontakte mit hochrangigen Politikern zu vermitteln ein fragwürdiges Geschäftsmodell zu betreiben. Er sah das Problem damit erledigt, das Unternehmen abgegeben zu haben, er habe da jetzt keinerlei Einfluß mehr drauf. Die Moderatorin wies darauf hin, daß es jetzt von seiner Frau geleitet werde. Seine Antwort, "Wollen sie ihr jetzt ein Berufsverbot erteilen?" ließ ihn nicht gut dastehen. Es hat Spaß gemacht, einer gut vorbereiteten Journalistin bei der Arbeit zuzusehen.

So sollte Fernsehen immer sein. Da sagtest selbst, du würdest es nicht als Interview des Jahres bezeichen, aber es war schon eine Ausnahme.

Ich halte es für problematisch, daß viele Sendungen einfach so lieblos und schlecht vorbereitet produziert werden und in den Zeiten des politischen Rechtsrucks halte ich den rechtsoffenen Journalismus, der nicht selten anzutreffen ist, für eine absolute Katastrophe.

https://bsky.app/profile/ardenthistorian.bsky.social/post/3ma3zldfz5k2e

Kuddel

Eine Anmerkung zum Posting der Journalistin Annika Brockschmidt.

Nicht jedem wird der Name Constantin Schreiber ein Begriff sein. Er ist ein weiteres Beispiel dafür, nach welchen politischen Kriterien Moderatorenposten beim Öffentlich Rechtlichen Fernsehen besetzt werden. Paßt zu folgenden Neueinstellungen:

Titel Tesen Temperamente ttt war mal ein halbwegs vernünftiges Kulturmagazin. Man wollte es mit einem neuen Moderatorer verjüngen mit einem optisch irgendwie hippen Social Media Typen, Thilo Mischke, da sind die weniger glanzvollen Stufen auf seiner Karriereleiter mit Bild am Sonntag, Stern und Focus auch egal. Sein Markenzeichen ist eher seine knackige zeitgeistige Männlichkeit, die ihm bereits Jobs bei GQ, Playboy, NEON, Penthouse einbrachte und eine monatliche Sexkolumne für den Deutschlandteil des Magazins Prinz. Ein besonderer Knaller: sein Buch In 80 Frauen um die Welt – nachdem er angeblich mit Freunden eine Wette abgeschlossen hatte, auf einer Weltreise mit 80 Frauen zu schlafen. 2012 wurde auf ProSieben die Dokumentation Unter fremden Decken – Auf der Suche nach dem besten Sex der Welt mit ihm ausgestrahlt. Im November 2013 folgte die Fortsetzung Unter fremden Decken 2 – Auf der Suche nach dem besten Sex der Welt.
Es kommt noch schlimmer: Er behauptete, der Urmensch sei ausgestorben, weil er ,,zu zärtlich" zu Frauen gewesen sei, und der heutige Homo sapiens habe im Gegensatz zum Urmenschen überlebt, weil er Frauen vergewaltigt habe.

Es folgte ein derartiger Sturm der Entrüstung, daß der Sender sich gezwungen sah, diese Besetzung rückgängig zu machen. Man blieb ansonsten auf Kurs, auf Rechtskurs.

Mit Julia Ruhs "Klar" hat man es gleich mit einem komplett rechten Format versucht und hat es da auch übertrieben. Die Sendung "Migration: Was falsch läuft" war Klartext, die Panoramajournalistin erklärte, die Sendung Klar sei ,,ein bisschen rechtsextrem", die NGO Neue deutsche Medienmacher*innen erhob den Vorwurf, dass Klar keine faktenbasierte, differenzierte und lösungsorientierte Berichterstattung biete und Böhmermann nannte es schlicht "rechtspopulistischen Quatsch".
Etwa 250 NDR-Mitarbeiter distanzierten sich in einem internen Brief vom Inhalt der Sendung, die ,,zu einem Generalverdacht gegenüber migrantisch gelesenen Menschen beitrage". Weiter hieß es: ,,[ I]n unseren Augen [verletzte die Sendung] eine Reihe von Grundsätzen unserer journalistischen Arbeit und kommt unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag gemäß NDR-Staatsvertrag nicht nach."

NDR verzichtet künftig auf Julia Ruhs als Moderatorin von "Klar", doch beim BR kann sie weitermachen wie bisher. Dieser kleine Sieg kann nicht wirklich genossen werden, denn der NDR nominierte Ex-"Bild"-Chefin Tanit Koch als Nachfolgerin.

Und dann noch dieser Constantin Schreiber, der aussieht wie aus einem Castingkatalog von Fox-News. Sowas soll er wohl auch darstellen, Moderator, äh, Anchorman der großen, seriösen Nachrichten. Er war überall dabei, die Tagesschau, Tagesthemen, Zapp, er mimt auch den Kenner der Arabischen Welt und war Medienberater zum Thema Naher Osten im Auswärtigen Amt.

Ich denke, man kann ihn anhand seiner Bücher ,,Inside Islam", ,,Moscheereport",,,Kinder des Koran" und ,,Die Kandidatin" guten Gewissens als islamhassenden, rechten Hetzer bezeichnen. Hier noch ein paar kurze Infos zu besagten Schriften: ,,Inside Islam": Der Journalist Daniel wirft Bax Schreiber vor, sich seinem Gegenstand wie ein ,,Ethnologe aus der Kolonialzeit [zu nähern], der einem vermeintlich wilden und gefährlichen Indianerstamm nachspürt", und nannte seine Beschreibung der Moscheen und des Islam ,,exotisierend". Schreiber zeige zudem fehlende Sorgfalt und Sachkenntnis. Ein früherer Mitarbeiter des Hamburger Verfassungsschutzes kritisierte öffentlich, dass in Inside Islam die Gefahr übertrieben werde, die von Moscheen ausginge. "Moscheereport": Johanna Pink, Professorin an der Universität Freiburg, kritisiert in einem Brief an die zuständigen Chefredakteure die Sendung Moscheereport. Diese sei verzerrend, einseitig, fehlerhaft und enthalte Übersetzungsfehler. "Kinder des Islam": Das Online-Nachrichtenmagazin dis:orient  warf dem Autor unter anderem methodische Schwächen bei der Auswahl und Übersetzung der Schulbücher, unzutreffende Verallgemeinerungen der unterschiedlichen muslimischen Gesellschaften in den Herkunftsländern und in Europa sowie Argumentationshilfe für rechtsextreme Diskurse vor. "Die Kandidatin": Stefan Weidner, Übersetzer und Islamwissenschaftler, ist der Meinung, der Roman Die Kandidatin könne nur als ein ,,reaktionäres Manifest" verstanden werden. ,,[H]inter der Fiktion verbirgt sich wenig mehr als ein rechtspopulistisches Pamphlet mit altbekannten Feindbildern: dem Islam und den Muslimen, den ,Linken' sowie allen, die mit ethnischer, religiöser oder sexueller Vielfalt kein Problem haben und diese verteidigen möchten."

Dieser Typ hat mit seiner rechtsradikalen Haltung Karriere gemacht und hat damit seinen Job beim öffentlich rechtlichen Fernsehen bekommen. Er ist nicht wegen eines öffentlichen Proteststurms gefeuert worden, sondern er wurde vom Springer Konzern abgeworben. Da verdient er jetzt noch besser.

dagobert

ZitatDer Deutsche Presserat hat die Springer-Zeitung DIE WELT für ihre Berichterstattung über Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gerügt. Damit reagierte er auf eine Beschwerde von uns. Da es ständig Angriffe auf zivilgesellschaftliche Organisationen gibt, ist das ein wichtiges politisches Signal.
weiterlesen:
https://www.lobbycontrol.de/aus-der-lobbywelt/presserat-ruege-irrefuehrende-berichterstattung-der-welt-ueber-ngos-123791/

siehe auch:
https://www.presserat.de/presse-nachrichten-details/mehrere-ruegen-fuer-nahost-berichterstattung.html
Der beste Kaufmann ist der Krieg. Er macht aus Eisen Gold.
Friedrich von Schiller

Kuddel

Jetzt mal ehrlich, die Rügen durch den Presserat sind doch komplett für'n Arsch. Sie bewirken nichts. Sie erzeugen null wirkungsvollen Druck.

Für schwere Verstöße gegen den vom Presserat festgelegten ,,Pressekodex" sollte es schmerzhafte Sanktionen, wie saftige Geldstrafen, geben.

Wenn es dreimal ernste Brüche des Kodexes, bzw. journalistischer Standards, gibt, muß der Laden dichtgemacht werden.

Der Springerkonzern sammelt die Rügen wie Trophäen und macht weiter wie gehabt.

Kuddel

Ich möchte Medien nicht pauschal bashen.

Es gibt immernoch gute Journalisten und hier und da die Möglichkeit, guten Journalismus zu verlöffentlichen.

Insgesamt muß aber alles schneller und billiger produziert werden. Beiträge sollen auch nicht mehr so ausführlich sein, Fastfoodjournalismus ist angesagt.

Es gibt aber auch einen Haufen Journalismus, der ist nicht auf einem Zeit- und Preisdruck heraus schlecht geworden, sondern absichtlich. Dieser Journalismus erfüllt eine Aufgabe. Ich meine nicht die dauerbösartigen Medien wie BILD, NIUS oder WELT, ich meine Medien, die noch einen guten Ruf genießen wie die Tagesschau oder die Süddeutsche.

Wenn es um den Ukrainekrieg oder den Israel-Palästinakonflikt geht, dann ist Schluß mit der Seriosität. Es ist wichtig, das zu wissen.

Der Journalist Fabian Goldmann hat sich mit der Berichterstattung zum Nahostkonflikt beschäftigt:
ZitatWie in kaum einem anderen Land haben Medien in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 die tödliche Realität in der Region verharmlost, gerechtfertigt oder gleich ganz verschwiegen. Welche Methoden Tagesschau, BILD, Spiegel, taz und Co. dabei angewandt haben und wie aus gut ausgebildeten Journalisten Propagandisten eines Genozids werden konnten, zeigt diese Untersuchung. Anhand eigens erhobener Daten und sorgsamer Recherchen liefert das Buch die Anatomie eines Systemversagens irgendwo zwischen Stereotypen, Selbstzensur und Staatsräson.

Als Journalist hat Fabian Goldmann aus dem und über den Nahen Osten berichtet, als Islamwissenschaftler die Wirkung orientalistischer und rassistischer Weltbilder untersucht und als Medienkritiker stereotype und diskriminierende Berichterstattung offengelegt. Mit diesem Buch bringt er all das zusammen.
https://manifest-buecher.de/produkt/staatsraesonfunk/

https://x.com/goldi/status/2021661326163227093?s=20

Kuddel

Manchmal habe ich das Gefühl, man hält meine Medienkritik für überzogen.
Ich bin aber überzeugt davon, daß die allgemeine politische Verwirrung und der Rechtsruck in einem direkten Zusammenhang mit dem Zustand der Medien stehen.

Ich freue mich, wenn meine Sichtweise Bestätigung findet.

Zitatappell2026.
Appell für einen demokratischen und humanistischen Diskurs in den Medien

Mit Unverständnis haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Redaktion der Talkshow ,,Caren Miosga" ihre aktuelle Ausgabe in der vergangenen Woche unter dem Titel ,,Ist Trump ein Vorbild für Deutschland, Herr Chrupalla?" ankündigte.

Die Fragestellung und die Wahl des Gesprächspartners sind Ausdruck einer weiteren Normalisierung extrem rechter, autoritärer, demokratie- und menschenfeindlicher Positionen, die derzeit nicht nur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk stattfindet.

(...)
Bedrohung der Pressefreiheit

Caren Miosga nutzt mit der Fragestellung und der Wahl ihres Gastes eine von Rundfunkbeiträgen finanzierte Plattform, um Akteuren und Ideologien eine Bühne zu bieten, die im Falle eines Wahlsieges nicht zögern dürften, die Pressefreiheit erheblich einzuschränken oder abzuschaffen. Die AfD Sachsen-Anhalt fordert in ihrem Entwurf für ein Regierungsprogramm zur Landtagswahl in diesem Jahr unter anderem die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge und das Ende der Förderung des Freien Radiosenders Corax , letzteres wegen der angeblichen "perversen [...] Regenbogenideologie" in deren Programm. Entsprechende Angriffe sind in den USA bereits zu beobachten. Die Trump-Regierung diffamiert Journalist*Innen, verweigert unliebsamen Medien die Akkreditierung, ersetzt diese durch der MAGA-Bewegung nahe stehende rechte Propagandakanäle und streicht NPR und PBS staatliche Gelder, wodurch wichtige Lokalprogramme in ihrer Existenz bedroht werden.

Einschüchterung und Angriffe auf Journalist*Innen

Donald Trump ist ein verurteilter Sexualstraftäter, gegen den es eine Reihe weiterer Vorwürfe gibt und der immer wieder insbesondere durch herabwürdigende und entmenschlichende sexistische Angriffe auf Politiker*Innen und Journalist*Innen auffällt. Beispielsweise bezeichnete Trump die Bloomberg-Journalistin Catherine Lucey als "Piggy" sowie die CNN-Journalistin Kaitlan Collins als "stupid and nasty" – gezielte Einschüchterungsversuche, um insbesondere kritische Frauen verstummen zu lassen. Donald Trump bezeichnet kritische Medien als "Feinde des Volkes".

Fehlendes Problembewusstsein

Die Reaktion der "Caren Miosga"-Redaktion auf kritische Mails verdeutlicht noch einmal das fehlende Problembewusstsein. In Antwortmails an das Publikum heißt es, bei der AfD handele es sich um eine "Partei mit umstrittenen Positionen", es gehöre jedoch zum Programmauftrag, alle Positionen einem breiten Publikum zugänglich zu machen . Die Umschreibung "umstrittene Positionen" verharmlost jedoch den völkisch-autoritären und damit grundgesetzwidrigen Charakter der AfD.
(...)

Medien benötigen klare, verbindliche Leitlinien für den Umgang mit der extremen Rechten. Es braucht klare Kodizes zum Schutz demokratischer Grundwerte. Diese müssen deutlich machen, wo die Grenze der Toleranz gegenüber Intoleranz verläuft - und diese Grenze konsequent verteidigen, bevor sie überschritten wird.
https://appell2026.de/

Die Liste der Unterzeichner ist beeindruckend.


Kuddel

ZitatJavier Bardem, Tilda Swinton und Adam McKay sind unter 81 Unterzeichnern eines offenen Briefes, in dem die Berlinale für ihr ,,Schweigen" zu Gaza kritisiert wird: ,,Wir sind bestürzt"

Wir schreiben als Filmschaffende, die alle bereits an der Berlinale teilgenommen haben oder derzeit daran teilnehmen, und erwarten von den Institutionen unserer Branche, dass sie sich weigern, sich an der schrecklichen Gewalt zu beteiligen, die weiterhin gegen die Palästinenser ausgeübt wird. Wir sind bestürzt über die Beteiligung der Berlinale an der Zensur von Künstlern, die sich gegen den anhaltenden Völkermord Israels an den Palästinensern in Gaza und die Schlüsselrolle des deutschen Staates bei dessen Ermöglichen aussprechen. Wie das Palestine Film Institute festgestellt hat, hat das Festival ,,Filmemacher überwacht und sich gleichzeitig weiterhin zur Zusammenarbeit mit der Bundespolizei bei deren Ermittlungen verpflichtet".

Wir widersprechen entschieden der Aussage des Jurypräsidenten der Berlinale 2026, Wim Wenders, dass Filmemachen ,,das Gegenteil von Politik" sei. Man kann das eine nicht vom anderen trennen. Wir sind zutiefst besorgt darüber, dass die vom deutschen Staat finanzierte Berlinale dazu beiträgt, das umzusetzen, was Irene Khan, die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung, kürzlich als Missbrauch drakonischer Gesetze durch Deutschland verurteilt hat, ,,um das Eintreten für palästinensische Rechte einzuschränken, die Beteiligung der Öffentlichkeit zu unterbinden und den Diskurs in Wissenschaft und Kunst einzuschränken".
https://variety.com/2026/film/global/javier-bardem-tilda-swinton-letter-berlinale-gaza-silence-1236665382/


Kuddel

Es wird gern argumentiert, man solle den Faschos von der AfD ruhig eine mediale Plattform geben, man könne sie dort ja journalistisch "entzaubern", argumentatitiv auseinandernehmen.

Wenn man dieses Argument ernst nimmt, bräuchte man jedoch Journalisten, die ihr Handwerk verstehen und informiert sind. Doch solche Journalisten sind immer schwerer zu finden, egal ob bei den Öffentlich-Rechtlichen oder den großen Medienhäusern.

Egal ob die Atomkraft Propagandisten von der AfD oder von der CDU (von der Leyen) oder CSU (Söder) kommen, sie können unwidersprochen ihre Lügen in die Mikrophone blöken, die Atomenergie sei die billigste Energie und ihre Abschaffung hätte allein ideologische Gründe. Die Journalisten haben keinen blassen Schimmer und könnten es so einfach als Unwahrheit entlarven, wenn sie sich nur ein wenig vorbereitet und informiert hätten.

Es war auch vor kurzem ein israelischer Propagandist im DLF Studio. Er konnte die ganze Zeit dreist behaupten, der Angriff auf den Iran sei ein Akt israelischer Selbstverteidigung, da der Iran den israelischen Staat vernichten wolle. Es ist genauso die Unwahrheit, wie seinerzeit die Massenvernichtungswaffen des Iraks. Auch hier wäre es leicht gewesen, diese Propagandalüge (das Video ist 17 Jahre alt) zu widerlegen, wenn man sich nur die Mühe gemacht hätte, sich vorher zu informieren.

Journalisten haben eigentlich die Aufgabe, die Menschen zu informieren und sollten dabei eine kritische Distanz zu Staat und Wirtschaft haben.

Davon kann in diesen Zeiten nur träumen. Insbesondere in Kriegszeiten wird jeglicher journalistischer Ethos über Bord geworfen. Wes' Brot ich eß', des Lied ich sing.

Tiefrot

ZitatEs wird gern argumentiert, man solle den Faschos von der AfD ruhig eine mediale Plattform geben, man könne sie dort ja journalistisch "entzaubern", argumentatitiv auseinandernehmen.
Völligen Blödsinn argumentativ zerlegen? Das hat bisher keiner gebacken gekriegt.
Mit Dumm gegen Dümmer wird das auch nix.

ZitatWenn man dieses Argument ernst nimmt, bräuchte man jedoch Journalisten, die ihr Handwerk verstehen und informiert sind. Doch solche Journalisten sind immer schwerer zu finden, egal ob bei den Öffentlich-Rechtlichen oder den großen Medienhäusern.
Du sagst es. Außerdem wirst du eine sinnvolle Diskussion (so die mit diesen AfD Birnen
überhaupt möglich ist) keinem hirnfrittierten TokTok-Publikum anbieten können.
Erstens, weil länger als 15 Sekunden und weils eine gewisse Bildung voraussetzt.

ZitatDie Journalisten haben keinen blassen Schimmer und könnten es so einfach als Unwahrheit entlarven, wenn sie sich nur ein wenig vorbereitet und informiert hätten.
Lässt sich wohl kaum bewerkstelligen, wenn alles schnell schnell, billig billig sein muß.

ZitatJournalisten haben eigentlich die Aufgabe, die Menschen zu informieren und sollten dabei eine kritische Distanz zu Staat und Wirtschaft haben.
Eigentlich. Ja. Journalisten haben in der Realität aber Profit einzutragen,
Spekulanten zu füttern und Propaganda zu verbreiten. Mehr nicht.  :Q
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet die asozialen Medien ab !

BGS

"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

counselor

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

ZitatDie Lügengeschichte hinter dem dreisten "Bürgergeldinfluencer"
Yannis B. (26) aus Hannover inxzeniert sich auf Tiktok als fröhlicher Sozialschmarotzer. Mehrere Medien berichteten über ihn, zuletzt besuchte ihn Paul Ronzheimer für eine Sat.1-Doku. Doch dann kam heraus: B. hat nie Bürgergeld empfangen.
https://www.kn-online.de/panorama/vorbild-arno-duebel-der-abstruse-fall-des-yannis-b-warum-erfand-der-falsche-arbeitslose-eine-UPS3I6L24FGZJF52PEZCOMSLT4.html

Die BILD berichtete folgendes:
ZitatAuf TikTok protzt er damit, Deutschlands ,,Arbeitsloser des Jahres" zu sein. Seine Videos haben bis zu 400.000 Abrufe. Auf ARD und ZDF erzählte Yannis B. bereits 2025, wie er auf Staatskosten vom Bürgergeld lebt – und vor kurzem auch in der Sat.1-Reportage ,,Ronzheimer – Wie geht's, Deutschland?". Jetzt sind Sat.1 und die verantwortliche Produktionsfirma i&u mit einem Statement an die Öffentlichkeit gegangen, dem zufolge Yannis B. die Unwahrheit gesagt habe. Gemeinsam prüfe man rechtliche Schritte.
https://www.bild.de/politik/er-sagte-die-unwahrheit-bei-ard-zdf-und-sat-1-sender-prueft-rechtliche-schritte-gegen-yannis-b-69a97cabcd44b1ca5e1b94f2

Nicht nur der Dreckssender Sat 1 hat diese Lügen verbreitet, sondern auch ARD und ZDF. Und man überlegt sich rechtliche Schritte einzuleiten? Gegen sich selbst?? Diese Qualitätsmedien halten nicht einmal die simpelsten journalistischen Standards ein. Wenn jemand Lügen erzählt veröffentlicht man sie ungeprüft, so lange sie das beinhalten, was man hören will.

Man sollte ihnen die Sendelizenzen entziehen!

BGS

Es scheint ein grosses Interesse daran zu bestehen die ganzen Ausgebeuteten pausenlos zu verwirren, irgendwie beschäftigt zu halten und zu noch weiter entzweien. Mit allen Mitteln.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Kuddel

Jeden morgen, bei meiner ersten Tasse Kaffee, besuche ich eine Reihe Mainstreammedien, um mitzubekommen, was in der Welt los ist. Dazu gehören Spiegel, Süddeutsche, Handelsblatt und Zeit.

Ich erwarte ja nicht, daß sie außerordentlich investigativ oder gar systemkritisch sind. Ich möchte nur über wichtige Entwicklungen informiert sein. Doch diese Medien werden immer trashiger und ekliger.

Sie folgen ständig bekloppteren Trends, selbst die Überschriften werden immer döfer. Clickbaitscheiß. Am Ende einer Artikeleinleitung steht sowas wie "Kann das funktionieren?", "Was dehinter steckt." oder "Das hat einen Grund.". Auch beliebt, der überflüssige Einsatz der Worte "wirklich" und "richtig". "Was kostet eine Hochzeit wirklich?", "Was bei einer Panikattacke wirklich hilft." oder "Was richtig gut schmeckt."

Mir geht auch die Bebilderung auf den Sack. Jede Menge "Symbolbilder", also Bilder, die nicht zum Text gehören. Die anderen Fotos sind meist nicht journalistisch, sie transportieren Inhalte mit Mitteln der künstlerischen- oder der Werbefotografie.

Artikel und Themen sind auf Spektakel, Trends und Persönlichkeitsbezug getrimmt. Bei Politikern geht es nicht um politische Ausrichtung und Inhalte, es geht um Durchsetzungsfähigkeit, Auftritte und Lifestyle und man menschelt, wenn man über Depressionen spricht.

Und wenn es um Putin oder Israel geht, gibt es keinen Journalismus mehr, da geht es um gut und böse und man darf nicht zweifeln, sondern hat sich zu entscheiden.

Früher hat man gesagt, die Menschen im Ostblock hätten gelernt, ihre unfreien Medien kritisch und zwischen den Zeilen zu lesen. Das müssen wir wohl auch lernen. Falls es zwischen den Zeilen noch etwas zu finden gibt.

Kuddel

Ich bleibe bei der Vorstellung, daß die Medien die Aufgabe haben, uns zu informieren über soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen, damit wir uns ein Bild von der Welt machen können.

Es ist wohl nur meine private Erwartung oder Hoffnung.

Von Medien wird diese Verpflichtung zur Information nirgendwo eingefordert. Sie werden nicht daraufhin untersucht, und es wird nicht geahndet, wenn sie sich nicht an das Informations- und Bildungsgebot halten.

Dieses ganze Geschwätz über die Demokratie, die in Gefahr ist, ist doch eine Farce, so lange die Menschen nicht über eine gewisse Grundbildung verfügen und nicht mit brauchbaren Informationen über die Welt versorgt werden.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen in Richtung Rechtspopulismus stehen in einem direkten Zusammenhang zu dem Zustand der Bildung und der Medien.

Zitat von: counselor am 13:16:42 So. 19.April 2026Was erwartest Du von den bürgerlichen Medien? Die sind in der Hand des Klassenfeindes und sollen Zustimmung zur Politik der Herrschenden erzeugen.

Ich mag es nicht einfach hinnehmen, daß die Herrschenden machen was sie wollen. Auch wenn ich kein Fan dieser bürgerlichen Demokratie bin, hoffe ich noch auf Reste einer Rechtsstaatlichkeit.

Zitat"Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet." (Grundgesetz)

Damit das Recht in Anspruch genommen werden kann, und ein umfassender Zugang zu Information und Bildung möglich wird, sind neben den Bildungseinrichtungen auch die Medien gefordert. Der zwischen den Bundesländern geschlossene Rundfunkstaatsvertrag (RStV) formuliert für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ARD-Sender, ZDF) daher u. a. einen Informations- und Bildungsauftrag (Grundversorgungsauftrag):

Vorschriften für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. [...] Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen.
Fernsehgeschichte D

Den einfachen Leuten wird mit den Bezahlschranken der Zugang zu den Mainstreammedien (die ich nicht toll finde) verwehrt, sie werden zunehmend mit KI-Dreck zugemüllt.

Wenn der Mehrheit der Menschen derart in den Kopf geschissen wird, sollten wir uns nicht wundern, wenn sie sich verhalten, wie sie sich verhalten. Ich will das nicht einfach achselzuckend hinnehmen.

Ich habe keinen Plan, aber der Zustand der Medien ist ebensowenig hinnehmbar wie der der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse.

Nikita

Ich finde es nicht schwer sich gut und kostenfrei in der Medienwelt zu informieren. Der Wille und die Aufklärung, also Bildung dazu muss schon vorhanden sein.
Ich sehe die Medienwelt insgesamt auch nicht rechts-unterwandert oder orientiert.
Wenn ich Springermedien konsumiere, höre ich eben nur, was Friede Springers Deutschlandplan nützt und keine Nachrichten. Das sind keine Medien, sondern Ansammlungen von Propagandanutten. Mietmäuler, die schreiben, was ihrem Portemonnaie und Karrierechancen hilft. Erkenntnisse werde ich dort nicht finden.

counselor

Naja, ich schaue mir ganz gerne Dokumentationen z.B. von ARTE an. Diese zeigen schon, wie es in der Gesellschaft zugeht. Aber sie kratzen nur an der Oberfläche und bleiben bei der Beschreibung der Phänomene stehen. Die systemischen Ursachen der gezeigten Probleme werden nicht thematisiert.

Ansonsten mag ich mehr Medien wie rf-news und wsws bzw. linke Content-Creatoren, weil diese politische Haltung zeigen und mir keine Objektivität vorgaukeln, die es so nicht gibt.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Nikita

Reporter ohne Grenzen sieht die Pressefreiheit in der Welt als praktisch nicht mehr existent. Deutschland rutscht weiter ab.
"Nur noch einer von 100 Menschen weltweit kann sich durch eine vielfältige, gesunde Medienlandschaft informieren. Auch wenn wir den Niedergang der Pressefreiheit seit einem Vierteljahrhundert dokumentieren, bleibt dieser Befund dramatisch«, sagt RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. Dass Deutschland erneut Plätze verliere, sei auch Ausdruck eines aufgeheizten Klimas, so Mihr weiter. Gerade bei der Berichterstattung über rechtsextreme Milieus oder den Krieg in Gaza berichteten viele Journalisten von starkem Druck, hitzigen Debatten und einer Sorge, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden."

https://www.spiegel.de/politik/pressefreiheit-weltweit-reporter-ohne-grenzen-melden-verschlechterung-2026-a-2d98f13c-ff73-465c-9e25-c10d884b34e3?sara_ref=re-so-app-sh

Kuddel

ZitatDer Staat – insbesondere der Sozialstaat – wurde zu fett: Bald droht die Staatsquote bei 50 Prozent zu landen, ein Wert, den Helmut Kohl einmal als Beginn des Sozialismus definiert hat.
FAZ am Sonntag via DLF https://www.deutschlandfunk.de/die-presseschau-1806.html

Ja, dieser überbordende Sozialstaat kommt mir auch langsam sozialistisch vor.

Kuddel

Ich habe ein großes Interesse an den Medien, ihrer Wirkung und Macht, so lange ich politisch denken kann, spätestens seit ich in den 70er Jahren an einer Schülerzeitung mitarbeitete.

Ich bin auch ein großer Fan des Schriftstellers B. Traven, der unter dem Pseudonym Ret Marut in der Münchner Räterepublik aktiv war. Er hat einige sehr böse, aber zutreffende Dinge über die Presse gesagt. Er arbeite auch kurz als Zensor in der Räterepublik. Bevor ich abschweife (über B. Traven und seine Aktivitäten gab es viel Spannendes zu erzählen), möchte ich mich nun den heutigen Medien widmen.

Ich beschreibe es mal aus der Sicht eines west-sozialisierten Jugendlichen. In den 70er Jahren waren die Medien von den 3 Fernsehprogrammen bis zu den Lokalzeitungen reaktionär, spießig, stumpf und öde. Es gab ein paar winzige Fenster, insbesondere im 3. Fernsehprogramm und ein paar Jugendsendungen im Radio, die lebendig und kritisch waren. Es wurden Monty Pythons und Sesame Street im englischen Original gesendet, es gab den sozial und ökologisch engagierten Horst Stern und es gab Loriot.

Ansonsten gab es zahllose "Alternativmedien", die zunehmend auf grauem Recyclingpapier erschienen. Sie schufen eine "Gegenöffentlichkeit" zu den weitgehend gleichgeschalteten Medien. Das reichte von Schülerzeitungen, über Stadt- und Stadtteilzeitungen, Szeneblätter und Umwelt- und Bürgerinitiativzeitungen. An ihnen arbeitete man unbezahlt, sie machten keine Profite und sie waren wichtig, jedenfalls regional. Sie waren machmal auch langweilig, meist aber innovativ im Umgang mit Bildern, Layout und Sprache.

Heute gelten rechte Medien mit jeder Menge Fakemeldungen als "Alternativmedien". Wann ist diese Kaperung des Begriffs passiert? Hat das niemand bemerkt?

Die 70er Jahre mögen zwar ein wenig interessanter Musik und etwas beknackter Mode (Schlaghosen, Hemden mit großem Kragen) hervorgebracht haben, aber die Zeit war für junge Leute, die nicht auf Familie und Eigenheim aus waren, der Horror. Die Biederkeit und die Langeweile der Erwachsenenwelt waren Resultate ihrer Prägung aus NS-Zeiten, worüber sie nicht reden wollten. Aus diesem Grau-in-Grau und der allgegenwärtigen Spießigkeit boten Jungendsubkulturen und eine Alternativkultur einen Ausweg, zumindest einen Freiraum, der half, psychisch nicht vor die Hunde zu gehen.

Um den reaktionären Mainstreammedien bundesweit etwas entgegenzusetzen, wurde 1978 die taz gegründet. Parallel erschien "Die Neue", eine linke Tageszeitung mit gewerkschaftlicher, betrieblicher Ausrichtung. Meine Vorstellung einer anderen Gesellschaft und einer anderen Welt lag nicht darin, daß es mir reichte, eine ökonomische Absicherung zu haben und Forderungen, wie "Vollbeschäftigung", waren für mich der totale Horror. Ich wollte nicht mein ganzez Leben von Arbeit bestimmt sehen, um erst aus der Mühle rauszukommen, wenn man alt und kaputt ist. "Die Neue" war mir zu kleinkarriert. Die Frauenseite wurde von einem Mann geleitet. "Die Neue" hat sich über die Spontis der taz lustig gemacht, doch sie verschwand nach wenigen Jahren von der Bildfläche.

Die taz suchte nicht nur nach neuen Wegen für Themen und Inhalte, sondern auch in der Form. Man wollte den knarzenden und rechthaberischen Ton des Wochenschausprechers überwinden, man war spielerisch, kreativ und witzig. Für mich taten sich da neue Welten auf. Ich war begeistert und in meiner Jugendlichkeit auch zu unkritisch. Einiges war bescheuert, zu bekifft und einfach aus den Bauch heraus geschrieben, ohne politisch Ahnung zu haben.

Heute leben wir in einer anderen Welt und in einer anderen Medienwelt.

Als jemand, dem Sub- und Gegenkultur half mit dem Leben klarzukommen, setzt mir das Verschwinden der Gegenkultur zu. Alles wurde ins System integriert. Selbst revolutionäre Töne sind heute Teil des Systems und der Popkultur.

Auch die Medien haben sich revolutioniert, sie sind nicht wiederzuerkennen.

All das, was die taz erfunden und ermöglicht hat, findet man nun in den Mainstreammedien querbeet. Wortspiele und witzige Überschriften, subversive und künstlerische Fotos, Beschäftigung mit Randbereichen der Musikkultur, all das findet man in den bürgerlichen Blättern und bisweilen auch im Fernsehen.

Erwähnenswert finde ich die Zeitung "Demokratischer Widerstand". Herausgegeben von zwei Typen, die aus der linken bis linksradikalen Künstlerszene stammen und in einem radikalen Kursechsel sich nun zu rechten Propagandisten gemausert haben. Rechte Mobilisierung in Zeiten von Corona, sie sorgen für das wichtigste Medium der Querdenkerbewegung. Wenn man sich "Demkratischer Widerstand" ansieht, wähnt man sich an einer 70er Jahre Ausgabe der taz in Layout, Überschriften und Bildern. Organisierung von unten gegen die da oben. Links blinken und rechts abbiegen.

Es gibt heute im Fernsehen hervorragende Dokus, insbesondere bei Arte, aber gelegentlich auch bei ARD und ZDF. Einige der Dokus wären vor ein paar Jahrzehnten nicht denkbar gewesen. Auch linke Filmemacher hätten sie nicht hinbekommen, weil es an den notwendigen Resourcen gefehlt hätte. Ich möchte auch @counselor widersprechen. Es gibt vereinzelt auch Dokus, die nicht davor zurückschrecken, die Ursachen des ökologischen oder sozialen Elends zu benennen: den Kapitalismus.

Zitat von: Nikita am 17:13:49 Mi. 29.April 2026Ich finde es nicht schwer sich gut und kostenfrei in der Medienwelt zu informieren. Der Wille und die Aufklärung, also Bildung dazu muss schon vorhanden sein.
Ich sehe die Medienwelt insgesamt auch nicht rechts-unterwandert oder orientiert.

Ich sehe es komplett anders. Auch in Rußland ist es möglich, sich zu informieren jenseits der staatlichen Propaganda. Man braucht dazu nur ein paar technische Kenntnisse wie die VPN Nutzung und den Willen, etwas zu erfahren, was man nicht im medialen Maistream findet. Das ist aber nur eine Minderheit, die diese Voraussetzungen mitbringt. Ich sehe das hier ähnlich.

Ich sehe gute, kritische und auch linke Berichte in unseren Mainstreammedien, doch sehe ich die Medienwelt eindeutig als rechts-unterwandert oder orientiert.

Das ist nicht nur ein Bauchgefühl. Das läßt sich belegen. Man sollte es mit seriösen und wissenschaftlichen Methoden tun, so wie Fabian Goldmann es in Bezug auf die Gaza-Berichterstattung tut.

Ich kann es hier einfach nur mal so stehenlassen, weil es ein Vollzeitjob ist, die Medien methodisch zu analysieren. Ich hätte sogar Spaß daran, doch fehlt es mir an der Zeit. Ich lege Wert darauf auch Zeit für praktische politische und aktivistische Arbeit zu haben.


Wanderratte

Es ist ein sehr interessantes Thema.

Ich weiß noch, damals in den 80er Jahren, als ein Kumpel von mir freier Mitarbeiter einer Tageszeitung war, da war das noch was Besonderes. Und niemand an unserer Schule verdiente so viel Geld wie er. Was jedoch vor allem daran lag, daß er neben dem Schreiben auch noch sehr gerne und oft fotografierte.

Ich hätte niemals gedacht, daß die Qualität der Medien irgendwann mal so den Bach runtergeht. Mittlerweile ist es nichts Besonderes mehr, im Medienbereich zu arbeiten. So zumindest mein Eindruck. Und diesen Rechtsruck, wie zur Zeit, den kannten wir damals auch noch nicht.

Zitat von: Kuddel am 11:14:06 Fr. 15.Mai 2026Heute gelten rechte Medien mit jeder Menge Fakemeldungen als "Alternativmedien". Wann ist diese Kaperung des Begriffs passiert? Hat das niemand bemerkt?
Ich kann es nicht genau sagen, könnte mir aber vorstellen, daß dies während der "Coronazeit" geschah, während die Linken weitestgehend mit der "Coronapolitik" der Regierung konform gingen. Letztendlich waren dann die Rechten gewissermaßen eine Alternative zum Mainstream. Ich hatte mich damals auch sehr verloren gefühlt.

Zitat von: Kuddel am 11:14:06 Fr. 15.Mai 2026Die 70er Jahre mögen zwar ein wenig interessanter Musik und etwas beknackter Mode (Schlaghosen, Hemden mit großem Kragen) hervorgebracht haben, aber die Zeit war für junge Leute, die nicht auf Familie und Eigenheim aus waren, der Horror. Die Biederkeit und die Langeweile der Erwachsenenwelt waren Resultate ihrer Prägung aus NS-Zeiten, worüber sie nicht reden wollten. Aus diesem Grau-in-Grau und der allgegenwärtigen Spießigkeit boten Jungendsubkulturen und eine Alternativkultur einen Ausweg, zumindest einen Freiraum, der half, psychisch nicht vor die Hunde zu gehen.
Ich selbst habe von dieser Zeit nicht allzu viel mitbekommen. Ich war noch zu jung.

Was ich jedoch von anderen, die älter waren, gehört habe, war, daß die 70er Jahre eine ganz besondere Zeit waren. Klar, es ging anbei nicht um den Mainstream. Und auch nicht darum, an die Gesellschaft angepasst zu sein. Sondern definitiv um eine Sub- und Alternativkultur. Womit man den Mainstream weitestgehend ausblenden konnte. Ich war neidisch.

Ich wünschte mir früher immer, ich wäre älter, wenn mir andere von dieser Zeit erzählten. Und auch jetzt denke ich noch immer,  daß ich was verpasst habe.

Zitat von: Kuddel am 11:14:06 Fr. 15.Mai 2026Als jemand, dem Sub- und Gegenkultur half mit dem Leben klarzukommen, setzt mir das Verschwinden der Gegenkultur zu. Alles wurde ins System integriert. Selbst revolutionäre Töne sind heute Teil des Systems und der Popkultur.

Auch die Medien haben sich revolutioniert, sie sind nicht wiederzuerkennen.

All das, was die taz erfunden und ermöglicht hat, findet man nun in den Mainstreammedien querbeet. Wortspiele und witzige Überschriften, subversive und künstlerische Fotos, Beschäftigung mit Randbereichen der Musikkultur, all das findet man in den bürgerlichen Blättern und bisweilen auch im Fernsehen.
Es könnte damit im Zusammenhang stehen, daß sehr viele derjenigen, die früher einer Sub- und Gegenkultur angehörten, sich mittlerweile an die Mainstream Gesellschaft angepasst und Karriere gemacht haben.

Sie identifizieren sich noch immer mit bestimmten Darstellungselementen und Musikstilen. Auch wenn es später weitestgehend nur noch um Karriere und Selbstverwirklichung ging.

Zitat von: Kuddel am 11:14:06 Fr. 15.Mai 2026Ich sehe gute, kritische und auch linke Berichte in unseren Mainstreammedien, doch sehe ich die Medienwelt eindeutig als rechts-unterwandert oder orientiert.

Das ist nicht nur ein Bauchgefühl. Das läßt sich belegen. Man sollte es mit seriösen und wissenschaftlichen Methoden tun, so wie Fabian Goldmann es in Bezug auf die Gaza-Berichterstattung tut.

Ich kann es hier einfach nur mal so stehenlassen, weil es ein Vollzeitjob ist, die Medien methodisch zu analysieren. Ich hätte sogar Spaß daran, doch fehlt es mir an der Zeit. Ich lege Wert darauf auch Zeit für praktische politische und aktivistische Arbeit zu haben.
Ich kann das mit dem Vollzeitjob bestätigen. Es ist sehr aufwendig und erinnert bisweilen an "Erbsenzählerei". Ich hatte ja im Studium immer wieder damit zu tun. Man muß anbei sehr genau und detailliert arbeiten. Und ja, ich hatte ansonsten tatsächlich kaum noch Zeit für andere Dinge. Dabei muß ich besonders an meine beiden Abschlußarbeiten (Bachelor und Master) denken. Alles war sehr zeitaufwendig, dennoch hat es mir sehr viel Spaß gemacht.

Kuddel

Diese Meldung halte ich für interessant:

ZitatDas Portal "Nius" um Julian Reichelt bleibt ein wirtschaftliches Verlustgeschäft zur politischen Stimmungsmache. Eine gerade veröffentlichte Bilanz gibt Einblick ins Minus und verrät die geringe Zahl treuer Abonnenten.
https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_101258246/julian-reichelt-nius-rutscht-tiefer-in-die-roten-zahlen.html

Seit Jahren vertrete ich die These, daß Medien zwar gern Kohle scheffeln, doch sie haben auch ein anderes Anliegen: Ihnen geht es um Enflußnahme auf das gesellschaftliche Klima und es geht ihnen um politische Macht.

Notfalls läßt man sich das etwas kosten.

ZitatIn der Bilanz wird auch das Minus seit Gründung im Herbst 2022 mitgeschleppt als Verlustvortrag: 3 Millionen im ersten Rumpfjahr, 13,8 Millionen im Jahr 2023. Macht für die drei Jahre zusammen ein Minus von bislang 33 Millionen Euro. Mit den Banken hat die Firma aber keine Probleme, sie ist bilanziell nicht überschuldet: Gotthardt hat etwa in Höhe des Verlustes die Kapitalrücklage aufgestockt – ein Mittel, um einen Betrieb am Laufen zu halten. Dafür wurden bis Ende 2024 37,4 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt.

Daran läßt sich ablesen, wie wichtig den Medien die Manipulation der Menschen und politische Macht ist.

Nikita

Was hat Nius mit den "Medien" an sich zu tun - mir fehlt der Zusammenhang?
Nius ist ein rechtsextremer Propagandakanal mit einem abgehalfterten, fallengelassenen Narzissten.
Ist ja nicht so, dass die Zeit und der Spiegel oder selbst Springer ihn finanzieren.

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