Arbeit und linke Politik

Begonnen von admin, 12:33:57 Di. 09.Oktober 2018

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dagobert

Zitat von: Hartzhetzer am 05:18:08 Do. 11.Mai 2023Ist es für einen Unternehmer in Deutschland nicht viel bequemer einen Betriebsrat zuzulassen und sich indirekt in diesen einzukaufen als dagegen anzukämpfen?
Ein Grund dürfte sein, dass bei existierendem Betriebsrat immer die "Gefahr" besteht, dass mal jemand dort rein gewählt wird, der sich nicht kaufen lässt. Je nach Unzufriedensheitsgrad in der Belegschaft auch mehrere. Und über diverse Klagerechte kann ein Betriebsrat auch etwas mehr als ein zahnloser Tiger sein.
Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch.
Karl May

Kuddel

Der Arbeitsplatz mag der Ort sein, an dem man mehr politisch bewegen kann als sonstwo.

Es ist aber nicht leicht, an einem Arbeitsplatz psychisch unbeschadet zu bestehen. Früher gab es weitaus mehr Nischen in Betrieben, an denen man überleben konnte, nachdem man z.B. durch einen Betriebsunfall nicht mehr voll belastbar ist. Überhaupt gab es Arbeitsplätze für Menschen, die einfach nicht mithalten konnten. Diese Arbeitspätze wurden wegrationalisiert. Die Betroffenen sind nun auf staatliche Unterstützung angewiesen und haben ihr soziales Umfeld verloren, oftmals auch ihr Selbstwertgefühl.

Arbeitsplätze sind immer weniger ein sozialer Ort, die Sicherheit dort bleiben zu können ist meist futsch. Beschäftigte werden ausgetauscht ja nach Auftragslage. Viele schleppen sich mit Depressionen oder Angst zur Arbeit. Das ist keine gute Grundlage, um zu kämpfen.

Linke leiden genauso unter diesen Bedingungen. Oftmals ist ein Posten als Vertrauensmann oder Betriebsrat ein Ausweg. In größeren Betrieben ist das mit Freistellung verbunden. Leute, die das mal erlebt haben, wollen oft nicht mehr zurück in die Produktion. Sie verkaufen ihre Großmutköter (oder ihre Kollegen), um so einen gewerkschaftlichen Posten behalten zu können. Es gibt auch andere, aber es ist nicht leicht, in einem System wie einem Betrieb aufrecht zu bleiben.

Es gibt auch betriebliche Aktivitäten jenseits dieser Strukturen. Betriebsgruppen undcover ohne Posten und Privilegien.

Von solchen Erfahrungen würde ich hier gern lesen...

Wanderratte

Erfahrungen habe ich leider keine. Doch ich habe mir einige Gedanken zu dem Thema gemacht. Ich finde, es ist ein sehr wichtiges Thema.

Sollte es tatsächlich so sein, dass eine Veränderung der Verhältnisse nur über die Betriebe möglich ist, dann sollte man genau dort beginnen. Egal wie scheiße arbeiten an sich ist.

Ich hatte ja schon so einige Jobs während meiner Zeit an der Uni. Einen sogar 14 Jahre lang (Teilzeit)! Echte Betriebsarbeit existierte nicht. Es gab die DGB-Gewerkschaft und einen Betriebsrat, der der Gewerkschaft nahe stand. Beide konnte man größtenteils vergessen.

Es kam mir immer so vor, dass die Herde der Gewerkschaft hinterherrennt. Erreicht hat man nicht viel. So, wie es mit DGB Gewerkschaften halt meist der Fall ist.

Auf die Idee, selbst etwas zu machen, kam ich damals leider nicht. Auf den Gedanken, es anders/besser zu machen, erst recht nicht. Echte unabhängige Betriebsarbeit kannte ich nicht.

Es gab sehr viel Unzufriedenheit im Betrieb. Es wurde viel geschimpft. Geändert hat das logischerweise nichts an der Situation.

Mittlerweile frage ich mich, was hätte ich getan, mit dem Wissen von jetzt. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, eine Betriebsgruppe zu gründen? Ich weiß es nicht. Ich hätte es aber zumindest versucht.

Vielleicht sollte man klein anfangen. Sich irgendwo treffen, sich darüber austauschen, welche Probleme man hat und dann gemeinsam überlegen, was man dagegen tun könnte.

Ich war immer froh, dass mir das Arbeiten weitestgehend erspart blieb. Jetzt erst denke ich, dass es auch eine Chance hätte sein können.

Das alles sind für mich komplett neue Aspekte. Für mich war arbeiten immer nur scheiße. So wenig wie irgendwie möglich! Wenn der Job länger ging, hieß es halt, das Beste daraus machen. Blödsinn machen mit Kollegen war schon irgendwie cool. Das möchte ich nicht missen. Ich denke noch immer sehr gerne daran zurück. Doch daran, dass man auch politisch was hätte tun können, hatte ich nie gedacht. Das Wissen von jetzt hatte ich damals leider noch nicht.

Erfahrungen mit unabhängigen Betriebsgruppen oder anderen Aktivitäten interessieren mich auch sehr. Interessant wäre auch die Frage, wie fängt man an. Okay, ich selbst arbeite zur Zeit nicht, treffe aber ab und an noch frühere Kollegen (zufällig). Vielleicht lässt sich ja doch noch irgendwas tun. Ich könnte zumindest von außen unterstützen.

Zitat von: Kuddel am 14:27:33 Mo. 02.Dezember 2024Es gab mal Linksradikale, die haben mit mehreren Leuten auf einer AKW Baustelle angeheuert. Sie wollten die Kollegen auf der Baustelle aufwiegeln, um den Bau des AKW von innen her anzugreifen. Dieser Versuch ist gescheitert. Sie haben aber darüber berichtet, was sie vorhatten, wie sie vorgegangen sind, und wie die anderen Arbeiter reagiert haben. Ich fand das sehr interessant und wünsche mir mehr solcher Erfahrungsberichte, auch wenn sie nicht erfolgreich waren.
Ich finde solche Erfahrungsberichte auch sehr interessant. Haben sie im Internet darüber berichtet? Wenn ja, bin ich sehr an dem Link interessiert.

Zitat von: Kuddel am 14:27:33 Mo. 02.Dezember 2024Ich kann hier schlau herumquatschen, aber meine Versuche eine radikale Betriebsarbeit zu machen, sind zu 90% gescheitert. Es gab aber auch ein paar tolle Erlebnisse.
Ein paar tolle Erlebnisse, das war es doch wert, finde ich.

Ich denke, dass es nicht einfach ist. Ein Bewusstsein für Mißstände zu schaffen reicht halt leider nicht aus. Die Menschen denken oftmals, dass man sowieso nichts ändern kann und/oder sie haben Angst, ihren Job zu verlieren. Das ist zumindest meine Erfahrung.

10% sind aber immer noch besser als 0%. Wenn sehr viele Menschen was machen, dann erreicht man insgesamt auch dann noch sehr viel, wenn man nur zu 10% erfolgreich ist. Es ist halt leider oftmals sehr schwierig mit den Menschen.

Kuddel

Daß vieles so anders ist, als wir es uns wünschen, ist schon klar.
Die Frage bleibt, wie man es ändert. Dazu muß man seiner Phantasie freien Lauf lassen und neues ausprobieren.

Wie gesagt, die Gewerkschaften sind hierzulande solala, teilweise hilfreich, teilweise ein Hemmschuh. Die gewerkschaftliche Organisierung ist in Deutschland recht niedrig. Das heißt nicht, daß man nichts machen kann.

Eine engagierte Krankenschwester berichtete auf einer Veranstaltung davon, daß sie Verdi nutzt für die Kämpfe im Krankenhaus. Aber manchmal will Verdi nicht mitziehen, manchmal ist auch die Gewerkschaft zu schwach. Sie berichtete davon, daß sie als Krankenhausbewegung deshalb zur Streikunterstützung Leute jenseits der Gewerkschaftsszene moblisiert haben, die Nachbarschaft, den Stadtteil mitsamt Sportvereinen und Kneipen. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Dazu muß man sich aber auch intensiv um solche Kontakte kümmern.

Wanderratte

Streikunterstützung jenseits der Gewerkschaftsszene zu mobilisieren ist auf jeden Fall sehr sinnvoll. Um solche Kontakte muss man sich wohl rechtzeitig kümmern.

Ob das gut funktioniert, hängt möglicherweise aber auch von der jeweiligen Branche ab. Zu Krankenhäusern haben die meisten Menschen vielleicht eher einen persönlichen Bezug, als beispielsweise zur Rüstungsindustrie.

Ich finde jedoch, dass das aktuelle Streikrecht sehr eingeschränkt ist. Es existieren zu viele Vorgaben:

ZitatWas darf man während eines Streiks?

In diesem Kontext wird das sogenannte Richterrecht angewendet. Erlaubte und unzulässige Handlungen ergeben sich dabei aus bisherigen Gerichtsentscheidungen. Entsprechend dürfen Arbeitnehmer:innen ihre Arbeit nur dann niederlegen, wenn sie tariflich regelbare Ziele durch einen Streik durchsetzen möchten. Politische Streiks sind hingegen nicht gestattet.
Quelle: https://www.prosieben.de/serien/galileo/news/streik-warnstreik-definition-tarif-verhandlungen-gewerkschaft-330915 .

Sehr viele Dinge, die wichtig und notwendig wären, können leider mit Hilfe der Gewerkschaften nicht durchgesetzt werden. Da es einzig und allein um den Tarifvertrag gehen darf. Tarifverhandlungen halte ich zwar für notwendig, aber insgesamt ist mir das alles zu wenig.

Eine Alternative wären wilde Streiks.

Es muss aber unbedingt dafür gesorgt werden, dass dort, wo es um die (lebens)notwendige Versorgung von Menschen geht, diese weiterhin gesichert ist.

In bestimmten Branchen (Autoindustrie, Rüstungsindustrie, Bauprojekte usw.) sind wilde Streiks vermutlich einfacher durchzuführen. Ich finde die folgenden beiden Artikel, die sich auf das Jahr 2004 beziehen, sehr interessant:

ZitatDer wilde Streik bei Opel

Im Sommer 2004 sah es schlecht aus: Hartz IV drohte, betriebliche und tarifliche Konflikte endeten mit Lohnsenkung und Arbeitszeitverlängerung, der Vertrag in den Siemens-Handy-Werken öffnete die Bresche für einen breiten Unternehmer-Durchmarsch. Als nächster Großkonzern ging DaimlerChrysler in die Offensive, 500 Millionen Euro Kostensenkung wurden vorgegeben ... Mit ersten selbstständigen Aktionen der ArbeiterInnen schien sich eine Wende anzudeuten (Besetzung der B 10 durch Daimler-Arbeiter). Danach entstanden spontane Massendemos gegen Hartz IV, die mit zu den längsten sozialen Protesten in der Geschichte der BRD gehören – und noch immer nicht ganz zu Ende sind.

Dann Opel: Der Konflikt hier zeichnete sich schon seit Monaten ab, zwecks Kostensenkung in der vom Konkurrenten Daimler vorgegebenen Höhe soll(t)en allein in Deutschland 10 000 Stellen abgebaut werden – dagegen traten die ArbeiterInnen in Bochum am 14.Oktober in einen wilden Streik [...].
Quelle: https://www.wildcat-www.de/wildcat/73/w73_opel.htm .

Auch hier war eine Streikunterstützung von außen gegeben:

Zitat[...] Eine zusätzliche Unterstützung bot die Solidarität: Die Omas und Schulklassen, die vorbei kamen, die Leute, die Essen brachten; auch der Aufbau einer Solidaritätskasse war uns eine enorme moralische Stütze.« Obwohl die IGM am Wochenende zur Arbeitsaufnahme aufrief, ging die Frühschicht am Montag wieder geschlossen in Streik. So setzte sich der Streik noch von Schicht zu Schicht über die Dienstagsdemo bis zum Abstimmungsmittwoch fort.
Quelle: https://www.wildcat-www.de/wildcat/73/w73_opel.htm .

Der wilde Streik bei Opel in Bochum hat gezeigt, was ohne die Unterstützung von Gewerkschaften möglich ist. Wenn man es nämlich schafft, sich selbst zu organisieren.

Ich halte die beiden Artikel für sehr lesenswert. Sie zeigen sehr deutlich, dass und wie es funktionieren kann, aber auch, wo die Probleme liegen. Leider sind es oftmals die Gewerkschaften selbst, die den Arbeitern im Wege stehen:

ZitatAls am sechsten Streiktag endlich die anderen Werke stillstanden, kam die offizielle Gewerkschaftsantwort mit dem Internationalen Aktionstag. Bei der Kundgebung in Bochum wurden Pfaffen, Bürgermeisterin, Parteien- und GewerkschaftsvertreterInnen gegen die Streikenden aufgefahren. Alle RednerInnen traten mehr oder weniger offen für einen Streikabbruch ein. StreikaktivistInnen wurden von der Bühne fern gehalten und erhielten kein Rederecht. Endgültig durchsetzen konnte sich die IGM auf der Belegschaftsversammlung am folgenden Tag. Neben einem manipulierten Stimmzettel, setzte sie auf Ausweiskontrollen durch den Werkschutz, Security an der Bühne und fehlende Saalmikrofone.
Quelle: https://www.wildcat-www.de/wildcat/72/w72_opel.htm .

Trotz der vorhandenen Probleme war der wilde Streik auf jeden Fall ein Erfolg. Und er hatte gezeigt, dass es funktionieren kann.

dagobert

Zitat von: Wanderratte am 14:10:10 Do. 05.Dezember 2024
ZitatPolitische Streiks sind hingegen nicht gestattet.
Zitat von: dagobert am 14:24:07 Mi. 29.November 2023
Zitat von: ManOfConstantSorrow am 12:44:16 Mi. 29.November 2023Das ist ein "politischer Streik", nach deutschem Recht "illegal".
Das deutsche Streikrecht darf nicht als unveränderbar hingenommen werden.
Da wird sich nur was ändern, wenn es große Streiks gibt.
So große, dass Repressionsversuche allein deshalb ins Leere laufen.

Auf ein "Geschenk" der Bundesregierung in Form einer gesetzlichen Regelung sollte keiner hoffen.
Und die Hoffnungen auf das Bundesarbeitsgericht sollte man mit Blick auf das "Nicht-Equal-Pay-Urteil" auch nicht allzu hoch hängen.

Wer das Recht auf politische Streiks haben will, muss es sich nehmen.
Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch.
Karl May

counselor

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

Zum Thema "Wilder Streik", der kommt häufiger vor als man denkt. Es sind oftmals unorganisierte Beschäftigte, die spontan auf ein Unrecht reagieren und ihnen ist es nichtmal bewußt, daß es ein "Wilder Streik" ist. Es kann Küchenpersonal sein oder Reiningungskräfte, Bauarbeiter oder sonstwas. Wenn es einen schweren Unfall gegeben hat und die Firma reagiert nicht vernünftig, oder wenn ein Kollege, eine Kollegin ohne Grund von einem Vorgesetzten fertiggemacht wird oder es eine ungerechtfertigte Kündigung gab, legen alle die Arbeit nieder, bis das Problem geklärt ist. Das kann innerhalb einer halben Stunde erledigt sein.

Das passiert recht häufig, man findet es nicht in den Medien und es fehlt im öffentlichen Bewußtsein.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Wanderratte

Das ist echt cool. Davon hatte ich noch nie gehört. Das geht aber auch nur dann, wenn ein sehr guter Zusammenhalt in der Belegschaft besteht.

Ich stelle mir gerade so einen wilden Streik in einem Ein-Euro-Job vor.  :)

@Counselor, vielen Dank für den sehr interessanten Buchtipp!

counselor

Zitatwenn ein Kollege, eine Kollegin ohne Grund von einem Vorgesetzten fertiggemacht wird

Ein Kollege aus der Küche unseres Betriebs wurde vor ein paar Tagen ungerechtfertigt von den Küchenchefs zur Sau gemacht. Er hat sich beschwert und wollte kündigen. Die Führung hat darauf recht intelligent reagiert, den Streit in einer Aussprache vermittelt und dem Kollegen eine Weiterbeschäftigung in einem anderen Bereich des Betriebs angeboten. Darauf ist der Kollege eingegangen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Onkel Tom

Zitat von: ManOfConstantSorrow am 16:43:49 Do. 05.Dezember 2024Das passiert recht häufig, man findet es nicht in den Medien und es fehlt im öffentlichen Bewußtsein.
Ist das denn ein Wunder, da sonst die "öffentliche" Ordnung gefärdet werden könnte ?
Druck in der Arbeiterklasse ist ja reichlich vorhanden, sonst würde es die kleinen
wilden Streiks wohl kaum geben.

Zitat von: Wanderratte am 04:30:01 Fr. 06.Dezember 2024Ich stelle mir gerade so einen wilden Streik in einem Ein-Euro-Job vor.  :)
Hatte ich mir auch mal vorgestellt, jedoch konnte ich anbei nur Bummelstreik
und Sabotage an wichtigen Maschienen umsetzen, das eine Tischlerei 14 Tage
wegen Nachbestellung von Sicherungen aus Italien außer Produktionsgefecht
gesetzt wurde. Ohne Abrichtbank geht nichts im Möbelbau  8)

Hauptproblem war das Denunzianzentum von ca.10% bei den EE-Jobbern, da nicht
offen streiken zu können. Diese verkackten Verräter/Kollegenschweine gibt es
wohl überall.  >:(
Lass Dich nicht verhartzen !

Wanderratte

Zitat von: Onkel Tom am 10:01:52 Fr. 06.Dezember 2024
Zitat von: Wanderratte am 04:30:01 Fr. 06.Dezember 2024Ich stelle mir gerade so einen wilden Streik in einem Ein-Euro-Job vor.  :)
Hatte ich mir auch mal vorgestellt, jedoch konnte ich anbei nur Bummelstreik
und Sabotage an wichtigen Maschienen umsetzen, das eine Tischlerei 14 Tage
wegen Nachbestellung von Sicherungen aus Italien außer Produktionsgefecht
gesetzt wurde. Ohne Abrichtbank geht nichts im Möbelbau  8)
Keine Ahnung, aber das klingt für mich jetzt nicht unbedingt nach Zusätzlichkeit.

Bummelstreik und Sabotage sind zumindest besser als nichts. Dennoch sehr schade, dass das mit dem wilden Streik nicht funktioniert hat.

Wobei ein Bummelstreik im Ein-Euro-Job sowieso die Normalität sein sollte. Bei der miesen Bezahlung!

Weiß jemand, ob es das schon gab, wilde Streiks im Ein-Euro-Job? Im Internet konnte ich diesbezüglich leider nichts finden.

Zitat von: Onkel Tom am 10:01:52 Fr. 06.Dezember 2024Hauptproblem war das Denunzianzentum von ca.10% bei den EE-Jobbern, da nicht
offen streiken zu können. Diese verkackten Verräter/Kollegenschweine gibt es
wohl überall.  >:(
Das ist richtig scheiße. Gerade bei diesen Ein-Euro-Jobs, wo Ausbeutung so offensichtlich ist. Ich verstehe diese Menschen nicht. So ein Ein-Euro-Job ist doch sowieso vollkommen fürn Arsch.

Hätte man die Verräter/Kollegenschweine nicht einfach ignorieren können?

Zum Thema "Wilder Streik" finde ich die folgenden Artikel recht interessant:

Zitat06. Dezember 2023

Mythos wilder Streik + Illegalität. Neue Debatte zum Grundrecht auf Streik am Bsp. Gorillas
Quelle: https://www.labournet.de/politik/gw/kampf/kampf-all/onlinevortrag-am-30-juli-2021-mythos-wilder-streik-illegalitaet-zum-grundrecht-auf-streik/ .

Zu den kleinen wilden Streiks finde ich im Internet leider überhaupt nichts.

Onkel Tom

Zitat von: Wanderratte am 03:08:03 Sa. 07.Dezember 2024Keine Ahnung, aber das klingt für mich jetzt nicht unbedingt nach Zusätzlichkeit.
Das ist richtig, aber erzähle sowas mal den Mafiosis der Elo-Industrie..

Zitat von: Wanderratte am 03:08:03 Sa. 07.Dezember 2024Das ist richtig scheiße. Gerade bei diesen Ein-Euro-Jobs, wo Ausbeutung so offensichtlich ist. Ich verstehe diese Menschen nicht.

Ich verstehe diese Kollegenschweine schon. Sie erhoffen sich durch Verrätertum
beim Chef / Vorgesetzen Vorteile gegenüber ihrer Kollegen zu bekommen..
Tjo, der Chef liebt den Verrat aber nicht den Verräter.. So ist es..

Warum sollte das bein EEJ auch anders sein, wie auf dem normalen Arbeitsmarkt?
Anhand meiner Erfahrungen gehe ich fest davon aus, das überall in der Arbeitswelt
jeder Zehnte bereit ist zu petzen / verraten.
In normalen Streiks ist das auch der Fall, wird jedoch von den gewerkschaftlichen
Organisatoren gern verschwiegen.

Solche Leute versaubeuteln jede Art von Arbeitskampf und möge sie gern bei
Nacht begegnen und..




Lass Dich nicht verhartzen !

Wanderratte

Zitat von: Onkel Tom am 12:26:41 Sa. 07.Dezember 2024
Zitat von: Wanderratte am 03:08:03 Sa. 07.Dezember 2024Keine Ahnung, aber das klingt für mich jetzt nicht unbedingt nach Zusätzlichkeit.
Das ist richtig, aber erzähle sowas mal den Mafiosis der Elo-Industrie..
So ein Mist, ich dachte, es wäre einfacher, sowas nachzuweisen.

Und ein öffentliches Interesse sehe ich hier auch nicht.

Irgendwie müsste man die Mafiosis der Elo-Industrie in ihre Schranken weisen. Dass Ein-Euro-Jobber nicht streiken dürfen und auch sonst kaum Rechte besitzen, ist aus den ihrer Sicht ja auch ganz clever gemacht.

Es ist schon krass, dass in einem so schlimmen Ausbeutungsverhältnis kein Streikrecht besteht. Selbst wenn alle anderen im Betrieb streiken.

Zitat von: Onkel Tom am 12:26:41 Sa. 07.Dezember 2024
Zitat von: Wanderratte am 03:08:03 Sa. 07.Dezember 2024Das ist richtig scheiße. Gerade bei diesen Ein-Euro-Jobs, wo Ausbeutung so offensichtlich ist. Ich verstehe diese Menschen nicht.

Ich verstehe diese Kollegenschweine schon. Sie erhoffen sich durch Verrätertum
beim Chef / Vorgesetzen Vorteile gegenüber ihrer Kollegen zu bekommen..
Tjo, der Chef liebt den Verrat aber nicht den Verräter.. So ist es..
Genau, so ist es. Das verstehen diese Kollegenschweine nur leider nicht.

Dass man bei diesen Ein-Euro-Jobs, die zudem noch zeitlich befristet sind, so viele Vorteile gegenüber den Kollegen bekommen kann, halte ich jedoch für fraglich. Naja, vielleicht eine positive Beurteilung nach § 61 SGB II! Oder meinen diese Denunzianten etwa, sie könnten im Anschluss an den Ein-Euro-Job dort einen regulären Job bekommen? Klappt meistens doch sowieso nicht!

Zitat von: Onkel Tom am 12:26:41 Sa. 07.Dezember 2024Warum sollte das bein EEJ auch anders sein, wie auf dem normalen Arbeitsmarkt?
Anhand meiner Erfahrungen gehe ich fest davon aus, das überall in der Arbeitswelt
jeder Zehnte bereit ist zu petzen / verraten.
Jeder Zehnte, das sind sehr viele Kollegenschweine. Diese Menschen werden dann vermutlich auch jede unabhängige Betriebsarbeit bekämpfen, was alles noch viel schwieriger macht. Leider erkennt man nicht immer sofort, wer zu den Denunzianten gehört.

counselor

ZitatEs ist schon krass, dass in einem so schlimmen Ausbeutungsverhältnis kein Streikrecht besteht.

Ein EEJ ist leider kein normales Arbeitsverhältnis (https://www.dgb.de/aktuelles/news/fragen-und-antworten-zu-1-euro-jobs/). Statt Streik bleibt also nur die Krankmeldung.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

Auch in einem "nichtnormalen Arbeitsverhältnis" kann man die Arbeit niederlegen.
Vieles mag vom deutschen Streikrecht nicht gedeckt sein, das muß einen aber nicht abhalten. Die Wild Streikenden Trucker in Gräfenhausen waren pro forma "Selbständige" und hätten nicht streiken dürfen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Onkel Tom

Zitat von: Wanderratte am 02:18:09 So. 08.Dezember 2024Und ein öffentliches Interesse sehe ich hier auch nicht.
Du und ich nicht aber genau das ist für die Erwerbslosnindustriellen das
Schlupfloch, womit sie doch Gewinne reißen können. Das beste Beichspiel findet
sich in den sogenannten Sozialkaufhäusern. Die perfeckteste Art und Weise, das
Gebot der Zusätzlichkeit zu umschiffen.

Zitat von: Wanderratte am 02:18:09 So. 08.Dezember 2024irgendwie müsste man die Mafiosis der Elo-Industrie in ihre Schranken weisen.
Ja, d,accort aber zu solchen Maßnahmen braucht man jedoch "Eingeschleuste".
Das Problem in der Bekämpfung von Ganoventum in der Elo-Industrie liegt also
an der Beteiligung von Erwerbslosen selbst..

Zitat von: Wanderratte am 02:18:09 So. 08.Dezember 2024Naja, vielleicht eine positive Beurteilung nach § 61 SGB II! Oder meinen diese Denunzianten etwa, sie könnten im Anschluss an den Ein-Euro-Job dort einen regulären Job bekommen? Klappt meistens doch sowieso nicht!
Das ist der Punkt, wo die meiste Verarsche statt findet..
Da werden z.B. die Flauseln a la "Wenn Sie sich hier gut beteiligen, könnte
daraus ein fester Job werden" ins Ohr gesetzt und schon sorgen falsche
Hoffnungen dafür, den Anleiterarsch die Füße zu küssen..  :Q

Zitat von: Wanderratte am 02:18:09 So. 08.Dezember 2024Jeder Zehnte, das sind sehr viele Kollegenschweine. Diese Menschen werden dann vermutlich auch jede unabhängige Betriebsarbeit bekämpfen, was alles noch viel schwieriger macht. Leider erkennt man nicht immer sofort, wer zu den Denunzianten gehört.
Das ist ein sehr wunder Punkt, was den Gewerkschaften, insbesondere bei Streikvorhaben
bestens bekannt ist, jedoch in der Öffentlichkeitsarbeit tot geschwiegen wird.
Dieses Verschweigen halte ich für einen großen Fehler, da es dadurch keinen
Druck erzeugt "die Klappe zu halten", wenn Vorgesetzte mit beschnüffelnden
Fragen kommen.
Redseligkeiten sind anbei ein Fluch und wundert mich nicht, wenn Ertappte
nach Feierabend auf dem Heimweg gelünscht werden..

Zitat von: counselor am 08:26:28 So. 08.Dezember 2024Statt Streik bleibt also nur die Krankmeldung.
Das ist jedoch sehr Einfallslos und deswegen gaunern Elo-Industrielle
unbehelligt weiter..

Ich habe in den letzten 20 Jahren nur ca. 5 Leute gefunden, die bereit
waren, als Informannten eine Maßnahme zu protokollieren etc..
Konzepte, alles da aber eins fehlt.. Der mutige Erwerbslose, der den
Insasse macht und dem Außenkonzept vertraulich informiert..

Hatte ja mal vor, meinen zweiten 1EuroJob-Kurzkrimi zu schreiben, hat
mich jedoch immer wieder abgeschreckt, da ich die Hoffnungen auf
Informannten nicht aufgegeben habe und bei der "Operation Bratfisch"
Dinge zu Tage kamen, die besser nicht in die Öffentlichkeit gehören,
da MTs sich auf solche Gefahren besser einrichten könnten..

Bei solchen Projekten stehen auch mal locker ein paar Millionen Euronen
auf dem Spiel und wer lässt sich als Erwerbslosenindustrieller gern
mal um 1..14 Millionen Euronen durch die Lappen gehen ?..

Und der DGB wurde auch informiert, haben sich anbei in Hamburg jedoch
sehr konträr dazu verhalten.. (Hamburger SPD-Filz)
Im Anti-H4-K(r)ampf sollte man besser DGB und Co nicht ins Boot nehmen,
da sie da auch wie "Kollegenschwein" reagieren.
Die Gewerkschaftsbeiträge von Anleiterschaften sind dem näher kuss kuss.  >:(

Edit:

Zitat von: ManOfConstantSorrow am 15:20:09 So. 08.Dezember 2024Auch in einem "nichtnormalen Arbeitsverhältnis" kann man die Arbeit niederlegen.

Yupp,  :)  nur weil der EE-Jobber keine Arbeitnehmerrechte gewährt werden,
heißt das noch lange nicht, das man sich so derbe ausbeuten lassen muss.

Glückselig den zwei Leidensgenossen im Ein-Euro-Job, die sich zusammen
schließen und gegen MT schnüffeln. Und ja es kann sogar funzen, weil
MTs, die kein Dreck am stecken haben, sind äußerst selten.
Lass Dich nicht verhartzen !

Wanderratte

Zitat von: counselor am 08:26:28 So. 08.Dezember 2024Ein EEJ ist leider kein normales Arbeitsverhältnis (https://www.dgb.de/aktuelles/news/fragen-und-antworten-zu-1-euro-jobs/). Statt Streik bleibt also nur die Krankmeldung.
Das ist ja genau das Problem, dass der EEJ kein normales Arbeitsverhältnis und somit ein besonders schlimmes Ausbeutungsverhältnis ist. Bei einem normalen Arbeitsverhältnis sind zumindest minimale Arbeitnehmerrechte gesichert.

Die DGB Webseite ist ja so ganz interessant, mir fehlt da aber die grundsätzliche Kritik an den Ein-Euro-Jobs. Mir fehlt dabei der Wille zum Kampf. Doch ehrlichgesagt erwarte ich vom DGB aber auch nichts anderes.

Wenn ich irgendwo arbeite, ist es für mich letztendlich nicht von Relevanz, ob der Job zusätzlich oder was auch immer ist. Arbeit ist halt immer noch Arbei, egal, wie sich das Ausbeutungsverhältnis nennt.

Mit einer Krankschreibung löst man leider nicht dauerhaft das Problem. Abgesehen davon, dass diese Möglichkeit meist sowieso nur vorrübergehend existiert, werden auf diese Weise Ausbeutungsverhältnisse leider nicht abgeschafft.

Zitat von: ManOfConstantSorrow am 15:20:09 So. 08.Dezember 2024Auch in einem "nichtnormalen Arbeitsverhältnis" kann man die Arbeit niederlegen.
Vieles mag vom deutschen Streikrecht nicht gedeckt sein, das muß einen aber nicht abhalten. Die Wild Streikenden Trucker in Gräfenhausen waren pro forma "Selbständige" und hätten nicht streiken dürfen.
Ja, das sehe ich auch so. Mit einem wilden Streik kann man sowieso viel mehr und anderes erreichen.

Allerdings sehe ich ein großes Problem bei den Denunzianten. Was macht man in so einer Situation? Und was ist, wenn außer mir niemand bereit wäre, wild zu streiken? Ich denke, die Hemmschwelle ist bei einem wilden Streik immer noch höher. Es ist halt generell ziemlich doof, wenn sogenannte Kollegen nicht kapieren, dass ein Ein-Euro-Job einfach nur scheiße und sinnlos ist.

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024
Zitat von: Wanderratte am 02:18:09 So. 08.Dezember 2024Und ein öffentliches Interesse sehe ich hier auch nicht.
Du und ich nicht aber genau das ist für die Erwerbslosnindustriellen das
Schlupfloch, womit sie doch Gewinne reißen können. Das beste Beichspiel findet
sich in den sogenannten Sozialkaufhäusern. Die perfeckteste Art und Weise, das
Gebot der Zusätzlichkeit zu umschiffen.
Das ist richtig krass. Die Erwerbslosenindustriellen nutzen aber auch jedes Schlupfloch aus. Und dann erzählen die noch, sie wollen den Erwerbslosen helfen. Helfen wollen die doch nur sich selbst. Mir haben zwei Maßnahmen gereicht, um das zu kapieren.  >:(

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024
Zitat von: Wanderratte am 02:18:09 So. 08.Dezember 2024irgendwie müsste man die Mafiosis der Elo-Industrie in ihre Schranken weisen.
Ja, d,accort aber zu solchen Maßnahmen braucht man jedoch "Eingeschleuste".
Das Problem in der Bekämpfung von Ganoventum in der Elo-Industrie liegt also
an der Beteiligung von Erwerbslosen selbst..
Sollte ich jemals sowas machen müssen, werde ich alles notwendige tun, diesen Scheiß zu bekämpfen. Aber freiwillig, ich weiß nicht so recht.

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024Das ist der Punkt, wo die meiste Verarsche statt findet..
Da werden z.B. die Flauseln a la "Wenn Sie sich hier gut beteiligen, könnte
daraus ein fester Job werden" ins Ohr gesetzt und schon sorgen falsche
Hoffnungen dafür, den Anleiterarsch die Füße zu küssen..
Tja, die Betonung liegt hier wohl auf "könnte".  >:(

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024Das ist ein sehr wunder Punkt, was den Gewerkschaften, insbesondere bei Streikvorhaben
bestens bekannt ist, jedoch in der Öffentlichkeitsarbeit tot geschwiegen wird.
Dieses Verschweigen halte ich für einen großen Fehler, da es dadurch keinen
Druck erzeugt "die Klappe zu halten", wenn Vorgesetzte mit beschnüffelnden
Fragen kommen.
Ich halte dieses Verschweigen auch für einen großen Fehler. Doch woran könnte es liegen, dass dazu in der Öffentlichkeitsarbeit geschwiegen wird?

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024Ich habe in den letzten 20 Jahren nur ca. 5 Leute gefunden, die bereit
waren, als Informannten eine Maßnahme zu protokollieren etc..
Konzepte, alles da aber eins fehlt.. Der mutige Erwerbslose, der den
Insasse macht und dem Außenkonzept vertraulich informiert..
Ich bin da sehr zwiegespalten. Einerseits möchte ich so einen Ein-Euro-Job unbedingt vermeiden. Andererseits interessiert es mich aber schon, dazu beizutragen, dass der ganze Mist der Elo-Industrie auffliegt und die sich dann selbst arbeitslos melden dürfen.

Doch warum Mut? Ich meine, wenn man so einen Ein-Euro-Job sowieso schon macht, dann ist alles Weitere doch nur noch eine Bereicherung und Genugtuung für einen selbst.

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024Bei solchen Projekten stehen auch mal locker ein paar Millionen Euronen
auf dem Spiel und wer lässt sich als Erwerbslosenindustrieller gern
mal um 1..14 Millionen Euronen durch die Lappen gehen ?..
Krass, das sind sehr viele Euronen. Da lohnt sich der Aufwand ja richtig, Missstände aufzudecken.

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024Im Anti-H4-K(r)ampf sollte man besser DGB und Co nicht ins Boot nehmen,
da sie da auch wie "Kollegenschwein" reagieren.
Die Gewerkschaftsbeiträge von Anleiterschaften sind dem näher kuss kuss.  >:(
Tja, diese DGB Gewerkschaften können schon sehr kontraproduktiv sein. Deswegen erreicht man mit denen auch meist nur sehr wenig.

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024Yupp,  :)  nur weil der EE-Jobber keine Arbeitnehmerrechte gewährt werden,
heißt das noch lange nicht, das man sich so derbe ausbeuten lassen muss.
Ich finde, ein Bummelstreik geht immer. Auch wenn man allein ist. Man kann halt nicht schneller. Man ist halt zu langsam für den regulären Arbeitsmarkt. Das muss doch jeder verstehen.  ;D  ;D  ;D

Zitat von: Onkel Tom am 15:33:28 So. 08.Dezember 2024Glückselig den zwei Leidensgenossen im Ein-Euro-Job, die sich zusammen
schließen und gegen MT schnüffeln. Und ja es kann sogar funzen, weil
MTs, die kein Dreck am stecken haben, sind äußerst selten.
Diesen zweiten Leidensgenossen muss man aber zuerst finden. Ich weiß nicht, ob das so einfach ist. So, wie sich die Menschen oftmals verhalten.

Fritz Linow

Zitat7.1.25
»Kompromisse gibt es am Ende eines Kampfes, nicht am Anfang«

Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise – und die Beschäftigten zahlen den Preis. Wolfgang Schaumberg, Mitbegründer der Gruppe oppositioneller Gewerkschafter bei Opel in Bochum, spricht darüber, wie klassenkämpferische Betriebspolitik gelingen kann.
(...)
https://jacobin.de/artikel/arbeitskampf-vw-opel-autoindustrie-gewerkschaft-streik-ig-metall-krise

Kuddel

Bei der Linkspartei macht man sich wohl auch Gedanken und merkt, daß man im Bereich der Betriebsarbeit kaum einen Plan und ebensowenig Praxis hat...

ZitatDer lange Marsch durch die Betriebe

Will die Linke eine Klassenpartei werden, muss sie sich in der Arbeitswelt verankern. Doch es mangelt an konkreten Konzepten. Ein Vorschlag, wie linke Betriebsarbeit aussehen könnte.


Die Linke hat sich vorgenommen, organisierende Klassenpartei zu werden. »Wir möchten Konzepte entwickeln, wie unsere Genoss*innen an ihrem Arbeitsplatz die Gewerkschaftsbewegung stärken können«, heißt es im Leitantrag des letzten Bundesparteitags. Dafür muss sie in den Betrieben Fuß fassen. Doch wie soll das gehen?

Wenn man sich mit gewerkschaftlicher Arbeit in sozialistischen Organisationen befasst, fällt einem zuallererst auf, wie wenig es dazu zu lesen gibt. Man findet Bücher wie Keine halben Sachen von der amerikanischen Gewerkschafterin Jane McAlevey, die einem die Grundlagen davon beibringt, wie man seine Kolleginnen und Kollegen organisiert – oder zumindest, was man darüber durchs Bücherlesen lernen kann. Und auch Texte dazu, wie sozialistische Organisationen sich grundsätzlich zu den Gewerkschaften verhalten sollten, gibt es viele. Aber wie der Marxismushistoriker Hal Draper schon 1970 feststellte, findet sich so gut wie keine Literatur dazu, wie eine systematische Arbeit in den Betrieben für organisierte Sozialistinnen und Sozialisten aussehen könnte.

Warum zu so einem zentralen Bestandteil sozialistischer Politik bisher wenig Worte verloren wurden, ist kein allzu großes Rätsel. Zur Blütezeit der alten Arbeiterbewegung konnte man leicht davon ausgehen, dass die zunehmende Organisierung der arbeitenden Klasse einfach eine Konsequenz der Entwicklung des Kapitalismus war, die man nicht forcieren musste. Sozialistische Parteien hatten ihre Basis in den Nachbarschaften und an den Arbeitsplätzen der Menschen. Klassenpolitik war keine Frage, denn die arbeitende Klasse war längst organisiert.

Von dieser Welt ist heute nicht viel übrig. Die große Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung ist weder gewerkschaftlich noch politisch organisiert. Wo es sie noch gibt, haben die Parteien der alten Linken ihre oppositionelle Haltung gegenüber dem Kapital aufgegeben und sind zu Verwalterinnen des Status quo geworden. Linke gibt es immer noch. Aber sie stehen größtenteils am Rande von Politik und Gesellschaft. Selbst da, wo es hin und wieder zu erstaunlichen Wahlerfolgen kommt, gehen sie nicht mehr mit derselben tiefen Organisation einher. Aber es gab auch Versuche, wieder Wurzeln in der Klasse zu schlagen.

An einigen Orten waren diese Versuche durchaus von Erfolg gekrönt. Es gibt bis heute Betriebe, in denen kommunistische Parteien, die in der nationalen Politik ihrer jeweiligen Länder kaum noch eine Rolle spielen, eine merkbare Präsenz aufrechterhalten. Und selbst einige der studentischen Vorstöße in die Produktion aus der 68er-Bewegung heraus, wie zum Beispiel bei Opel in Bochum, prägten eine Zeit lang Arbeitskämpfe an bestimmten Standorten. Aber diese lokalen Erfolge geschahen im Kontext eines offenbar unaufhaltsamen Niedergangs der Arbeiterbewegung und der organisierten Linken in den entwickelten kapitalistischen Ländern. In Deutschland ist die Gewerkschaftsdichte allein seit dem Jahr 2000 von etwa 25 Prozent auf 16 Prozent gesunken.
https://jacobin.de/artikel/betriebsarbeit-die-linke-linkspartei-gewerkschaften


counselor

Revolutionäre Betriebsarbeit & Rote Gewerkschaftskonferenz - Mit Rote Infos

Seit Jahren heißt es unter Linken und Kommunisten, man müsse "raus aus der Szene und rein in die Klasse". Mehr Orientierung auf Klassenkampf und eine Verankerung in der Arbeiterklasse bräuchte es. Wenn es allerdings um kommunistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit geht, dann herrscht in der radikalen Linken oft eine große Leerstelle, obwohl der Betrieb doch eigentlich der zentrale Ort ist, um die Arbeiterklasse für den Klassenkampf zu organisieren. Die "Rote Betriebs- und Gewerkschaftskonferenz" am 25.10. in Waiblingen möchte das ändern. Wir haben mit den zwei Veranstaltern und kommunistischen Gewerkschaftern Vincent (Rote Infos) und Sergey (Rotes Gewerkschaftstreffen) über die Ziele und das Programm der Konferenz geredet. Wir haben auch über die Bedeutung kommunistischer Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit gesprochen, ihre Herausforderungen, aber auch ihre Chancen. Wir wünschen euch viel Spaß!

Wenn ihr euch für die Konferenz anmelden wollt, dann meldet euch bei rote.infos auf Instagram oder schreibt eine Email an kontakt@rotes-gewerkschaftstreffen.de

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Hmmmja, schon interessant, daß die Debatte um Betriebsarbeit als revolutionäre Arbeit ein größeres Thema ist und zu einer "Roten Betriebs- und Gewerkschaftskonferenz" führen soll.

Da werden auch einige interessante Dinge gesagt. Es ist eine Entscheidung, die das Leben verändert. Es wurde erzählt, wie einer sich überlegt hat, ob er Politik und Geschichte studieren soll oder lieber eine Ausbildung anfangen. Es ist ja nicht nur die Ausbildung, die nicht unbedingt geil ist. Danach folgt eine Arbeit im Betrieb und man muß sich mit der Vorstellung anfreunden, daß die Arbeit im Betrieb den eigenen Alltag grundlegend verändert.

Man muß sich aber auch überlegen, wie das Leben in den Bereichen aussähe, in denen Linke oftmals arbeiten. Jobs im universitären Bereich. Freiberuflichkeit und an der kurzen Leine irgendwelcher Stifungen. Irgendwas-mit-Medien, in ner IT Klitsche oder Start-ups, im pädagogischen und sozialarbeiterischen Bereich. All das mag vielleicht Kollegen mit einem ähnlichen Lebensgefühl versprechen, jedoch kaum ein entspanntes Leben. Die Jobs heutzutage bieten kaum Sicherheit, Arbeitszeiten drunter und drüber, je nach Auftragslage und in der Kita oder im Pflegeheim ist man nach 2 Jahren mit einem Burn-out durch.

In den 80er Jahren gab es eine relativ gute Soziale Absicherung. Das erlaubte den Lebensstil der "Jobbers". Man arbeitete eine Zeit und verbrachte dann wieder eine arbeitsfreie Zeit mit Kohle vom Arbeits- oder Sozialamt. Die waren damals nicht so repressiv und nervig, wie heute das Jobcenter.

Ich gehöre zu den Leuten, die mit dem Anspruch, revolutionäre Arbeit im Betrieb zu machen, eine Ausbildung gemacht haben. Und dann gings in die Industrie. Das war kein Spaß. Ich hatte das Gefühl, der Betrieb frißt mich auf. Wir waren vielleicht ein Dutzend Leute hier in der Stadt mit diesem Anspruch. Wir haben nicht viel miteinander geredet. Die Herangehensweisen waren zu unterschiedlich. Besonders die Haltung den Gewerkschaften gegenüber. So waren wir auf Distanz zueinander. Es gab auch noch die Leute, die eine Generation vor uns in den 70ern in die Betriebe gegangen sind, um Revolution zu machen. Irgendwie fanden wir alle doof und haben kaum darüber miteinander geredet.

Ich bereue es im Nachinein, daß wir über politische Ziele diskutiert haben, aber nicht darüber, wie man den Arbeitstag möglichst gut rumkriegt. Mein politischer Anspruch hat es mir eher schwer gemacht. Einige Jahre später hat es mir ein ungarischer Leiharbeiter beigebracht, wie man klarkommt, sich hier und da drückt, ohne sich bei den Vorgesetzten unbeliebt zu machen. Das sind Grundlagen, die sollte man gleich zu Beginn lernen. Dann kann man es auch mit subversiver Arbeit versuchen.

Ich kann nur sagen, daß diejenigen, die auf die Gewerkschaften gesetzt haben, nicht weiter kamen und irgendwann aufgegeben haben. Die haben den Betrieb verlassen, einer wurde Unternehmer, der andere Professor.

Wir sind auch zu weiten Teilen gescheitert, haben jedoch einige aufregende Sachen gemacht. Und es gab ein paar Erfolge. Diese Erfahrungen, das schwierige Vorankommen, das Scheitern, das hätte man alles irgendwie publik machen sollen. Es hat damals aber niemanden interessiert.

In dem Video geht es wieder von vorn los. Die großen Hoffnungen darauf, die DGB Gwerkschaften von der Basis her aufzumischen und in eine brauchbare klassenkämpferische Organisation umzukrempeln gibt es noch immer.

Ich bin der Meinung, daß man gewerkschaftliche Strukturen nutzen kann. Daß man die Gewerkschaften grundsätzlich umkrempeln kann, halte ich für Quatsch. Betriebsgruppen kann man auch außerhalb gewerkschaftlicher Strukturen gründen. Man kann auch eine unabhängige Betriebszeitung herausbringen.

Ich möchte an den Klassiker zur Organisationsdebatte von Berni Kelb erinnern:

Organisieren oder organisiert werden

https://www.labournet.de/wp-content/uploads/2013/09/kelb_neuvorwort.pdf


counselor

ZitatRote Gewerkschaftskonferenz in Ludwigsburg: ,,Ein erfreulicher Anfang"

Hohe Beteiligung an der ersten Betriebs- und Gewerkschaftskonferenz vom Roten Gewerkschaftstreffen in Ludwigsburg. Der Austausch über Erfahrungen in der Betriebsarbeit wurde dabei mit aktuellen politischen und ökonomischen Entwicklungen in Verbindung gebracht.

Quelle: https://perspektive-online.net/2025/10/rote-gewerkschaftskonferenz-in-ludwigsburg-ein-erfreulicher-anfang
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counselor

Hier beginnt die Zusammenlegung eines Strangs, der ursprünglich unter der Überschrift "KONZERNE PLANEN MASSIVE ARBEITSPLATZVERNICHTUNG Welchen Weg gehen die Arbeiter? " lief. -Admin-

ZitatBezüglich der deutschen Wirtschaft kann ich keine Krise erkennen.

Naja, die Industrieproduktion ist halt seit Jahren im Keller. Das ist schon eine Rezession, vor allem wenn man daran denkt, dass die Produktion noch weiter gedrosselt werden soll.
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Wanderratte

Okay, ich verstehe das. Doch warum ist dann noch immer so viel Geld für Rüstung und Krieg vorhanden? Irgendwas stimmt da nicht.

Und als Bürgergeld Empfänger gilt man als der Schmarotzer. Als der Arbeitsfaule. Jedoch kann man das Geld, was ich erhalte, nicht mehr für Rüstung und Krieg ausgeben. Was ich sehr gut finde.

Und wie Kuddel schon sagte:

Zitat von: Kuddel am 18:13:01 Sa. 25.Oktober 2025[...]
Es werden Milliarden versenkt. Die Waffen bringen nichts hervor außer Tod und Zerstörung. Es wäre mir lieber, würde man das Geld gleich verbrennen.

So sieht es doch aus. Was interessiert mich die Wirtschaft. Davon habe ich nichts.

counselor

ZitatWas interessiert mich die Wirtschaft. Davon habe ich nichts

Ich habe von der Wirtschaft auch nix, aber die Reichen haben was davon: Den Profit. Und weil deren Profite sinken, versuchen sie, aus der Rezession rauszukommen. Ihr Rezept dazu scheint zu sein, dass der Staat in Waffen und Infrastruktur investiert, und zwar auf Pump. Ähnlichkeiten mit der Phase vor dem zweiten Weltkrieg sind nicht zufällig.
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Kuddel

Natürlich hat die Wirtschaft andere Interessen als die einfachen Menschen.

Man sollte aber nicht so einfach sagen, was kratzt mich die Wirtschaft!?!
Diese Gesellschaft ist kapitalistisch organisiert. So lange wir keine eigenen Strukturen aufgebaut haben, mit denen man die Versorgung der Menschen organisiert, werden wir bei einem witschaftlichen Zusammenbruch hungern.

counselor

Zitatwitschaftlichen Zusammenbruch

Ich sehe keinen Zusammenbruch der Versorgungsstrukturen. Lediglich die Industrieproduktion geht zurück und die Arbeitslosigkeit steigt deswegen.
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Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 10:21:35 Do. 30.Oktober 2025Natürlich hat die Wirtschaft andere Interessen als die einfachen Menschen.

Man sollte aber nicht so einfach sagen, was kratzt mich die Wirtschaft!?!
Diese Gesellschaft ist kapitalistisch organisiert. So lange wir keine eigenen Strukturen aufgebaut haben, mit denen man die Versorgung der Menschen organisiert, werden wir bei einem witschaftlichen Zusammenbruch hungern.
Das heißt dann aber auch, daß man zuerst eigene Strukturen aufbauen muß, bevor man überhaupt daran denken kann, irgendwann den Kapitalismus abschaffen zu wollen.

Ich finde, es ist ein sehr schwieriges Thema.

So gesehen hätte dann ja mein Bruder, mit dem ich mich ständig streite (auch vorhin wieder) doch recht. Er meint nämlich, wäre der Kapitalismus weg, dann ginge überhaupt nichts mehr.

Und ja, generell sehe ich es so, daß man sich schon darüber Gedanken machen sollte, wie man eigene Strukturen aufbauen könnte.

Wenn man nicht klarkommt, macht es nämlich überhaupt keinen Sinn, aktuell den Kapitalismus abschaffen zu wollen. Keine Ahnung, das sind jetzt einfach nur ein paar Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe.

Kuddel

Nein, ich sehe auch keinen "Zusammenbruch" in näherer Zeit, doch den direkten Zusammenhang der wirtschaftlichen Entwicklungen auf unsere Lebenssituation. Ich bein kein Vertreter der Meinung, "wenn es meinem Chef/unserer Wirtschaft gut geht, geht es auch mir gut." Das ist schlichtweg nicht wahr.

Krisensituationen der Wirtschaft werden jedoch sofort auf die Schultern der Beschäftigten abgewälzt. Je weniger die Arbeiter auf Gegenwehr eingerichtet sind, desto schlimmer trifft es sie.

In dieser bürgerlichen Demokratie geht es wenig um den "Wählerwillen", die Interessen der Wirtschaftslobby gehen vor.

@counselor, du forderst eine Demokratisierung der Betriebe. Ich finde das ok, würde gern noch konkreter werden. Für mich geht es weniger um linke Betriebsräte. Ich würde mir mehr Betriebsgruppen wünschen. Einfache Kollegen. Ich kenne auch Betriebsgruppen, die sich auch mit Externen, also Leuten, die nicht im Betrieb arbeiten, gemeinsam treffen.

Betriebliche Debatten sollten über die jeweiligen Arbeitsbedingungen hinausgehen, über gesellschaftliche Fragen, über Kriegsvorbereitungen, über die Dinge die ein Betrieb produziert und die, die er produzieren könnte...

Ich halte es für wichtiger, sich mit der Wirtschaft anzulegen und nicht nur auf die Regierung und die Politiker zu starren.

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