Wiedervereinigung

Begonnen von Kuddel, 13:42:00 Sa. 03.Oktober 2020

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

Kuddel

Wat'n Scheiß!
Es war seinerzeit ein Propagandagebrülle von wegen "Unrechtsstaat" und daß nun "zusammenkommt, was zusammengehört". Und auch heute, ich kann diesen Dreck nicht hören, der nun etwas kritischer und etwas vernünftiger daherkommt. Es ist alles weiterhin Propaganda und entfernt von der Anexion, die niemals eine "friedliche Revolution" war.

Es ist nicht einfach, brauchbare kritische Analysen zu finden.

Rainer Mausfeld ist nicht übel:
ZitatDie Einheit - ein kapitalistisches Übernahmeprojekt

(...)
Für den Sieger war dies ein überwältigender Sieg, und da die Geschichte bekanntlich von den Siegern geschrieben wird, kann es keinen Zweifel geben, wer der Sieger des historischen Augenblicks ist. Es ist die kapitalistische Wirtschaftsordnung und mit ihr die Lebensformen und Annehmlichkeiten des Konsums, die sie ermöglicht.
(...)
Nach einem zunächst verheißungsvollen Aufbruch oppositioneller Gruppen in der DDR, die einen Demokratisierungsdruck aufzubauen suchten, der auch auf den Westen übergreifen sollte, wurde jedoch die friedliche Revolution, die keine war, regelrecht aufgekauft. Der Kapitalismus hat bekanntlich einen großen Magen. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt. Die historische Chance auf eine gesamtdeutsche Verfassung, die, wie es in Paragraph 146 des Grundgesetzes heißt, "von dem deutschen Volk in freier Entscheidung beschlossen worden ist", also die Chance einer wirklichen Demokratisierung in beiden Teilen, wurde in rigoroser Siegermentalität blockiert.
(...)
https://www.heise.de/tp/features/Die-Einheit-ein-kapitalistisches-Uebernahmeprojekt-4914128.html

Ich kann auch nur Daniela Dahn empfehlen:
ZitatFakt ist, dass der sogenannte Mauerfall eine tektonische Erschütterung des ganzen Globusses war. Weil damit nichtnur die Teilung eines Landes aufgehoben wurde, sonderndie der Welt in zwei sich mehr oder weniger feindlich gegenüberstehende Systeme. Die Mauer trennte längst nicht nur Deutschland. Hier verlief sie nur oberirdisch, sichtbar, in ihrer ganzen Hässlichkeit und Hilflosigkeit. Unterirdisch durchquerte sie die Kontinente, die Köpfe und Herzen. Aber die deutsche war auch nicht die einzige, die zeitweilig oder bis heute quer durch ein Land gegraben war, eine Sprache und Kultur zerriss und mit Munition gleicher geschichtlicher Herkunft bestückte Kanonen gegenseitig in Stellung brachte.
(...)
Die Einheit war eine feindliche Übernahme auf Wunsch der Übernommenen. Für die Sieger war das  schönste  an der friedlichen Revolution, dass sie nichts revolutionierte. Das Neue bestand darin, den alten Spielregeln beizutreten. Kaufen und sich kaufen lassen. Dieser Mechanismus funktioniert zuverlässig und gibt keinen Anlass zur Klage. Wer Geld in die Hand bekommt, kann sich nach freier Wahl Wünsche erfüllen, je mehr Geld, je schöner die Erfüllung. Dieses Versprechen ist eingehalten worden. Es hat den meisten Ostdeutschen bis dahin unerreichbaren, wenn auch oft überschaubaren Wohlstand und Bewegungsraum ermöglicht. Man lässt sie allerdings spüren, dass es ein subventionierter  Wohlstand ist, kein selbsterarbeiteter. Wie auch, wenn  95 Prozent  des volkseigenen Wirtschaftsvermögensin westliche Hände übergingen. Damit war über den Grad der Abhängigkeit der Neubundesbürger entschieden. Denn nur Eigentum gewährleistet persönliche Sicherheit und geistige Unabhängigkeit – das aus dem antiken Rom stammende Fundament westlicher Funktionslogik erwies sich als  immer noch stabil. Auf diese Steine konnten sie nicht bauen. Die  Einheit hatte lange gefälligst als  Erfolgsgeschichte zu gelten. Nicht nur in den Großmedien, wohl auch bei der Mehrheit der Menschen in Ost und West und Nord und Süd. Doch die angeblich «nachholende Modernisierung» galt der Kopie eines Systems, das  damals längst veraltetwar. Und heute von allen Seiten erodiert. Diejenigen, die sich in der historischen Situation nach Öffnung der Mauer einen fortschrittlichen Schub für das ganze Land erhofften, hatten von Anfang an eine kritischere Sicht. Denn es war abzusehen,  wohin  das  Veruneinheitlichen  führen würde:

Ein Prozent hyperreiche Haushalte verfügen über ein Drittel des volkswirtschaftlichen Gesamtvermögens. Die Quit-tung für soziale Kälte und politisches Versagen ist die AfD. Heute lebt das  Prekariat landesweit, von der  Bildung der öffentlichen Meinung ist es ausgeschlossen. Auch deshalb konnte die Einheit lange als Erfolgsgeschichte verkauft werden. Inzwischen ist das Bild gekippt.

https://www.rowohlt.de/download/file2/row_upload/4686779/LP_978-3-499-00104-8.pdf

Sie hat nun gemeinsam mit Rainer Mausfeld ein Buch herausgebracht:
ZitatDaniela Dahn untersucht, wie in atemberaubend kurzer Zeit die öffentliche Meinung mit großem Tamtam in eine Richtung gewendet wurde, die den Interessen des Westens entsprach. Mit ihrer stringenten Zusammenschau reichen Materials aus den Medien wird das offizielle Narrativ über die Wende erschüttert. Rainer Mausfelds Analyse zeigt die Realität hinter der Rhetorik in einer kapitalistischen Demokratie.
https://www.danieladahn.de/


Kuddel

Das Lower Class Magazine twitterte

Moin zum Tag der Deutschen Einheit, dem symbolischen Vollzug der Annexion der DDR und dem Beginn des von der Treuhand administrierten mafiösen Ausverkaufs einer ganzen Volkswirtschaft, dem Tag der Verarmung von Millionen Arbeiter:innen und Erwerbslosen aus Ostdeutschland.

counselor

ZitatERKÄMPFTE WIEDERVEREINIGUNG - 32 Jahre deutsche Einheit - Grund zum Feiern, aber auch zum Protest

Heute jährt sich zum 32. Mal der Tag der Tag der erkämpften Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990. Die Bundesregierung feiert ihn in Erfurt mit einem dreitägigen Festakt. Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas werden erwartet.

Quelle: https://www.rf-news.de/2022/kw40/32-jahre-deutsche-einheit-grund-zum-feiern-aber-auch-zum-protest
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Sorry, das halte ich für Unsinn.

counselor

Zitat von: Kuddel am 15:35:39 Mo. 03.Oktober 2022Sorry, das halte ich für Unsinn.

Was hältst Du für Unsinn? Dass es damals eine mutige Volksbewegung gegen das Honecker-Regime gab?
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Das war schon gut, daß es die Proteste gab. Ich hatte Hoffnungen und war, sobald es möglich war, immer wieder in Rostock, schon als die DDR noch existierte, aber ein Grenzübertritt mit einfacher Paßkontolle und ohne Visum funktionierte. Und auch danach. Ich habe Interviews geführt und Veranstaltungen organisiert. Unterm Strich war es deprimierend.

Die Vertreter der "Opposition" waren eine Bande von Vollidioten, die sich mit den neuen Kontakten und Möglichkeiten dann irgendwelche guten Jobs und Posten gekrallt haben oder sich selbständig gemacht haben. Die politischen Diskussionen mit ihnen, waren blöd und trist. Ich hatte gute Kontakte zu dem besetzen Haus ("Tante Trude" hieß ihr Cafe/Veranstaltungsraum, frei nach Onkel Otto in der hamburger Hafenstraße), aber das ging irre schnell den Bach runter. Die kriegten nix bald mehr gebacken und dann war es normal, daß Leute mit Naziabzeichen da abhingen. Irgendwann wurde ohne Gegenwehr geräumt.

Die einzigen, die was taugten, waren Leute aus der kirchlichen Opposition. Die Bevölkerung zeigte sich, angesichts der neuen Verhältnisse, von denen sie überrollt wurde, weitgehend schicksalsergeben.

Als ich Flugblätter vor der Werft verteilte, zeigten eigentlich nur die Securityleute Interese an ihnen (Sie wurden geschickt und wollten gleich mehrere Exemplare). Die meisten Arbeiter gingen geduckt an uns vorbei, ohne ein Flugblatt zu nehmen.

Fuck, das ware keine Revolution!
Ich kann nur raten, was im Hintergrund abgelaufen ist. Die DDR Führung ist ja nicht wegestreikt und -demonstriert worden. Das war Pillepalle und kein Grund, sich zurückzuziehen. Ich denke, das ist eher ein Deal von Gorbatschow im Hintergrund gewesen. So hat es jedenfalls Honecker vermutet, der sich verraten und verkauft fühlte. Das ist von meiner Seite aber reine Kaffeesatzleserei.

counselor

ZitatFuck, das ware keine Revolution!

Da sind wir einer Meinung. Es war tatsächlich eher eine Annexion der DDR.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Ja, da gibt es keinen Grund zu feiern.

Das Konzept von Grenzen halte ich für überholt und sie sollten überall auf der Welt verschwinden, doch das Gegenteil ist der Fall.
Es werden neue Grenzanlagen gebaut mit jeder Menge High-Tech Schnickschnack. Das Mittelmeer ist ein riesiger Friedhof geworden, es werden Außenstellen zum Abfangen von Migranten errichtet hinter Stacheldraht, mit Zwangsarbeit, Vergewaltigung, Folter und Mord.

Diejenigen, die für Frontex, Pushbacks, Abschiebungen und Stacheldraht verantwortlich sind, halten salbungsvolle Reden und feiern den 3. Oktober.

counselor

Die Annexion würde ich auch nicht feiern wollen.

Es ist aber ein überragend wichtiges historisches Ereignis und ein Fakt, dass wir seither eine gesamtdeutsche Arbeiterklasse haben. Das heißt auch, dass die Erfahrungen der Menschen mit den unterschiedlichen Herrschaftssystemen in Ost und West zusammenkommen. Wir sollten in Bezug auf die ostdeutsche Bevölkerung auch zur Kenntnis nehmen, dass sie sowohl in DDR wie auch im vereinigten Deutschland positive und negative Erfahrungen gemacht hat.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

counselor

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

counselor

1989 gingen die staatskapitalistischen Länder des Ostblocks über in den Privatkapitalismus. Der Staatskapitalismus wurde von den Massen nicht verteidigt, weil die innere Organisation der Betriebe nicht demokratisch war und die Arbeiter nichts zu melden hatten. Der Mehrwert, den die Arbeiterklasse in der DDR und in den anderen Ostblockstaaten produzierte, wurde vom Ministerrat angeeignet und auf die Gesellschaft verteilt, was diese Bürokraten zu einer neuen Bourgeoisie machte. Auf diese Form des Staatskapitalismus hatten die Massen im Ostblock keine Lust mehr; eine Demokratisierung ihrer Betriebe hatten sie leider nicht auf dem Schirm und so blieb nur noch die Rückentwicklung zum Privatkapitalismus westlicher Prägung.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

counselor

Von Fabian Lehr

ZitatHeute feiern wir die Wiedereinführung von Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Prostitution und Religionsunterricht in Ostdeutschland. Wir feiern die Rückgabe der Wälder und Schlösser an rechtsradikale durchgeknallte Junker, die Vernichtung der gesamten marxistischen Tradition der Gesellschaftswissenschaften in Deutschland und die Expansion von BILD und RTL und ProSieben. Wir feiern, dass ostdeutsche arme Schweine jetzt zwar keinen Anspruch auf einen vernünftigen Job und eine billige Wohnung mehr hatten, aber nun immerhin dafür, als Bundeswehrsoldaten in Afghanistan für die Imperialinteressen ihrer westdeutschen Herren zu töten und zu sterben. Wir feiern, dass endlich nicht mehr jährlich eine Handvoll Deutsche an der innerdeutschen Grenze sterben, sondern nur noch ein paar zehntausend dunkelhäutige Ausländer an unseren gemeinsamen europäischen Grenzen. Wir feiern den Triumph der Freiheit, zwischen erbärmlichem Dahinvegetieren für Mindestlohn an der Supermarktkasse oder im Callcenter wählen zu dürfen, zwischen Pepsi, Coke und River Cola, zwischen Obdachlosigkeit und Hartz4 und alle vier Jahre zwischen genau derselben Scheiße mit CDU-Logo oder SPD-Logo. Wir feiern, dass dank unserer vereinten volksgemeinschaftlichen Anstrengungen wieder deutsche Panzer für die Freiheit im Osten rollen dürfen. Wir feiern Merz und Lindner und Höcke und Habeck und Strack-Zimmermann. Wir feiern gemeinsames Gürtelengerschnallen für den Sieg und die Freiheit, monatlich 50% unseres Einkommens abdrücken zu dürfen für ein Loch zum Existieren. Wir feiern dich, Groß-BRD, und dass dein Licht von der Saar bis an die Oder strahlen darf.

Quelle: https://www.facebook.com/1660329755/posts/pfbid02hq1nCR24VCJ3enJfpnsE2sB2oA8KKEXpzxdjgqTp2rQBMP1HXb9zysajpPBgyhR7l/
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

counselor

ZitatWIEDERVEREINIGUNG - Den "exzellenten" Kapitalismus "verbessern" oder neuen Anlauf zum Sozialismus wagen?

33 Jahre nach der Wiedervereinigung wird heute wieder der ,,Tag der deutschen Einheit" gefeiert. Die offiziellen Feierlichkeiten finden dieses Mal in Hamburg statt - mit einem Festakt in der Elbphilharmonie, einem Gottesdienst im "Michel" und einem Bürgerfest in der Innenstadt.

Quelle: https://www.rf-news.de/2023/kw40/tag-der-deutschen-einheit-welche-einheit-ist-gemeint

https://youtu.be/JJjRvBjoXO4
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

Treffend formuliert von Fabian Lehr.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Tiefrot

Ist nicht grade neu, aber nach wie vor aktuell

Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet die asozialen Medien ab !

counselor

Kommentar der DKP Sachsen zur Wiedervereinigung

ZitatSeit 34 Jahren widervereinigt
(Text vom 3. Otober 2024 von Rainer Hesse)

Ja, der Begriff liegt auf wider- und nicht wiedervereinigt. Das alljährliche Kasperletheater. Tag der deutschen Einheit.

Sie werden wieder einige Quotenossis zu Wort kommen lassen, von der friedlichen Revolution schwafeln und daher reden, dass zusammen wachse, was zusammen gehöre.

Nicht zu vernachlässigen die übliche Hetze in Endlosschleife inklusive deren Belehrungen über unser Leben. Das alles, das brauchen wir nicht, müssen wir nicht haben, nein Danke. Der typische Westdeutsche mit erhobenem Zeigefinger eben. Es ist einfach nur noch widerlich, ekelerregend und empörend.

Nach dem 3. Oktober 1990 wurden die Schleusen geöffnet und man hat uns mit Westpersonal überflutet. Das betraf alles und jeden Lebensbereich. Im Staats- und Justizapparat gab's obendrein noch Buschzulage. Ja, die nannten das tatsächlich so. Über uns fiel eine Horde wild gewordener Räuber her. Von jetzt auf gleich galten hier gefühlte dreihundertsiebzigtausend Westgesetze. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Von den vorhandenen etwa acht Millionen Arbeitsplätzen in der DDR verschwanden mal innerhalb einiger Monate an die vier Millionen. Ein Großteil der Menschen hat nie wieder einen Arbeitsplatz gefunden. Üblicherweise waren beide Eheleute berufstätig. Man stelle sich nun mal vor, beide verlieren ihre Arbeit und Einkommen und dann werden anstatt der vereinbarten 1,5 % Kreditzinsen nun mit einem Schlag 12 % fürs Eigenheim fällig. Die erste große Enteignungswelle rollte an. Die ,,Modrow-Regierung" versuchte Eigentum der DDR-Bürger zu schützen. Keine Chance, man erkläre dieses Gesetz einfach für null und nichtig. Und unter dem Vorwand des ,,Unredlichen Erwerbs" dann die nächste große Enteignungswelle.

Hier sagt man, ,,die Deutsche Einheit ist erst dann vollendet wenn der letzte DDR-Bürger aus dem Grundbuch entfernt wurde". Der Prozeß ist noch nicht abgeschlossen. Der Autor weiß von was er spricht. Sie machen nicht einmal vor Behinderten und deren Familien halt. Ich meine Familien die ein Leben lang Schwerstbehinderte pflegten (etwa so wie aus der Reportage von RT über ,,vergessene Kinder" aus Lugansk aber in der Familie). Man spricht von etwa um die vierhundertfünfzigtausend Menschen, die mit Gewalt aus ihrem Zuhause gejagt worden.

Ich erinnere mich an eine Boddenrundfahrt vom Prerower Hafen. Der Kapitän heute noch immer empört, ,,dort hinten war ein Kinderferienlager vom VEB Fischereikombinat Rostock, jetzt gehört es einem reichen Hamburger".

Der Jurist Dr. Heinz Günther rechnet in der Zeitschrift "RotFuchs" vor, den Menschen in der DDR haben sie in etwa drei Billionen DM ihres Volksvermögens geraubt. Hinzu das gestohlene Privateigentum. Wälder und Seen, ehemalige Naherholungsgebiete, waren nun plötzlich Privateigentum irgendwelcher Wessis, wie das Kinderferienlager im Darßer Bodden.

Webmaschinen, unsere Webmaschinen, haben sie für einhundert bis zweihundert Mark das Stück aufgekauft und für mindestens Fünftausend an Indien, Bangladesch oder Pakistan verscherbelt. Unsere Fischfangflotte, die Handelsmarine, das Kreuzschiff Völkerfreundschaft, Interflug, Schwermaschinen- und Landwirtschaftsmaschinenbau. TEXTIMA komplett abgewickelt, die Kalibergwerke, Planeta (Weltspitze) und unsere Patente der Hochschulen und Institute. Über Nacht waren unsere Wissenschaftler gezwungen sich auf ihre angestammten Arbeitsplätze zu bewerben. Eine Kommission aus Wessis, die fachlich oftmals nicht in der Lage waren ihnen das Wasser zu reichen, diese Herren dann befanden über Weiterbeschäftigung oder Entlassung. ,,..im Moment haben wir leider keine adäquate Stellung, Ihnen noch alles Gute auf ihren weiteren Lebensweg" waren dann die Standardformulierungen. Nach vierunddreißig Jahren, ist es mir leid das alles zu wiederholen. Nur, vergessen wir das nicht. Niemals.

Nicht mitgerechnet unsere alleinigen Reparationszahlungen an die UdSSR, die Schäden die uns der Westen bis zur Grenzschließung zufügte. Die Schäden durch westliche Sanktionen und Embargomaßnahmen nicht zu ignorieren. Jeder DDR-Bürger hat für ,,Ganzdeutschland" 16 124 DM Reparationen gezahlt.  Ebenso unvergessen die beispiellose Hetzjagd gegen DDR-Bürger einfach nur dafür, weil sie sich für ihre Heimat engagierten. Der Begriff ,,Systemnähe" ging in die Geschichte ein. Ja, sie machten nicht einmal vor unseren Repräsentanten und Funktionären halt. Sogar Bus- und Straßenbahnfahrer wurden durchgegauckt und später nochmal durchgebirthelt. Strafrenten, Berufsverbote für abertausende DDR-Bürger, ungleiche Löhne. Bruch des Einigungsvertrages. Nicht ein einziger Ministerpräsident eines Ostdeutschen Bundeslandes hat je auf die Erfüllung der Vereinbarungen gemäß des Einigungsvertrages gedrängt. Übrigens, schon gleich am ersten Tag des Inkrafttretens des sogenannten Einigungsvertrages wurde der schon gebrochen. BRD-Behörden akzeptierten vertragswidrig keine DDR-Reisedokumente bei der Ausreise.   

Das Alles hat mit einer ,,Vereinigung" nichts, aber auch nicht das Geringste zu tun. Es wuchs und wächst nicht zusammen was zusammen gehört. Nein es wurde mit Gewalt zusammengefügt was schon lange nicht mehr zusammengehörte.  Zu groß waren die Unterschiede in der Sozialisierung der Menschen. Für eine überwältigende Mehrheit der Menschen hier waren die Sowjetmenschen unsere Befreier vom Faschismus. Werte wie Freundschaft, Solidarität, Respekt und menschliche Nähe verband uns mit den Völkern der Sowjetunion. Völkerverständigung und Völkerfreundschaft mit allen Nationen war uns Herzenssache. Egon Krenz stellt bei seiner Gastlesung am 17. November 2016 in St. Petersburg fest, diese Werte sind nicht veraltet. Kriege sind kein Naturgesetz sie sind hundert Prozent menschengenmacht. Sie müssen aus dem Leben der Menschen verbannt werden. Das wieder deutsches Militär jugoslawische Städte, Dörfer, Brücken, Krankenhäuser und Betriebe bombardiert, tausende zivile Opfer mit zu verantworten hat ist eine Tatsache und Ergebnis der Einnahme Ostdeutschlands. Heute sind wieder Waffen und Technik mit dem Tatzenkreuz auf russischem Boden unterwegs. Das schüren von Hass gegen andere Völker und deren Verächtlichungmachung, insbesondere gegen Rußland ist alte und neue deutsche Politik.

Egon Krenz, ,,... die Sowjetunion hat nie ein Gleichheitszeichen zwischen dem deutschen Volk und dem deutschen Faschismus gesetzt. Die Sowjetarmee hat das Hakenkreuz zerschlagen, nicht aber die deutsche Nation. Das ist eine Tatsache, die nicht hoch genug bewertet werden kann..."  Einige Tage nach der Gründung der DDR erhielten Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl ein Telegramm aus Moskau (Zitat): ,, Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Existenz eines friedliebenden demokratischen Deutschlands neben dem Bestehen der friedliebenden Sowjetunion die Möglichkeit neuer Kriege in Europa ausschließt" (Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 7, Seite 335/336, Dietz Verlag Berlin 1966).

Seien wir ehrlich, die im Westen ändern sich nicht, warum sollten sie auch. Sie haben uns ausgeraubt und sind dabei doch nicht schlecht gefahren. Außer Sprechblasen haben die nichts zu bieten.

Sind wir mutig genug festzustellen, die Ehe ist gescheitert. Die sich hieraus ergebende Konsequenz, das zu überlegen beliebt jedem selbst...

Bildunterschrift: ,,Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt." Helmut Kohl erstmals im Fernsehen am 1. Juli 1990.

Foto: Rainer Hesse

Quelle: https://www.facebook.com/share/dVjHRgpCDkU43CWh/
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

ZitatMit einem ökumenischen Gottesdienst in Saarbrücken beginnen zur Stunde die zentralen Feierlichkeiten zu 35 Jahren Deutscher Einheit

Gegen Mittag folgt ein Festakt, an dem die gesamte deutsche Staatsspitze teilnimmt, darunter Bundespräsident Steinmeier, Bundeskanzler Merz, Bundestagspräsidentin Klöckner, Bundesratsvorsitzende Rehlinger, Bundesverfassungsgerichtspräsident Harbath und Vertreter der Bundesländer. Als Ehrengast wird Frankreichs Staatschef Macron eine Rede halten. Altbundeskanzlerin Merkel kritisierte dessen Einladung. Sie schätze Macron zwar, sagte sie dem ZDF. Angesichts des 35. Jahrestags hätte man aber auch jemanden aus Osteuropa oder Ostdeutschland als Gastredner nehmen können.
Bereits seit gestern gibt es ein Bürgerfest. Bis morgen werden dazu Hunderttausende Besucher erwartet. – Die Deutsche Wiedervereinigung wurde am 3. Oktober 1990 besiegelt. Nach der friedlichen Revolution in der DDR im Herbst 1989 wurden die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Teil der Bundesrepublik Deutschland.
https://www.deutschlandfunk.de/festakt-mit-merz-und-macron-in-saarbruecken-100.html

Endlich ist dieses verlogene Spektakel vorbei.

"Friedliche Revolution"? Daß ich nicht lache!
Die Menschen, die damals auf die Straße gegangen sind, wollten keine Wiedervereinigung. Sie wollen nicht verarscht werden und demonstrierten gegen Wahlfälschung und Zensur. Sie wollten Reisefreiheit.

Auf welche Art und Weise die Einmischung in die Proteste stattfand, ist mir nicht klar und sie ist wohl auch wenig untersucht worden. Es wurden die Demos gekapert. In einer Reportage hieß es, die Berichterstattung im Westfernsehen zeigte, wie die Demonstranten nicht mehr "wir sind das Volk" riefen, sondern "wir sind ein Volk", doch der Ton war nicht lippensynchron.

Jedenfalls ist das Klima bei den Montagsdemos gekippt, reaktionäre Stimmen wurden lauter und viele der ursprünglichen Demonstranten blieben zuhaus.

Der Begriff der "friedlichen Revolution" ist einfach nur Verarschung. Die Bevölkerung, auch die demonstrierende Minderheit, hat nicht die Macht übernommen.

Es fand eine Machtübernahme von einem Regime durch ein anderes statt. Die Bevölkerung, auch der kritische und aktive Teil der Bevölkerung, hatte bei diesem Regimechange wenig zu melden.

Daß es sich um einen gewalttätigen Akt der Machtübernahme handelte, ist bis heute kaum thematisiert worden. Ja, inzwischen redet man über die Baseballschlägerjahre. Das wird irgendwie als ein Ostfaschoproblem behandelt. Ja, es gab bereits zu DDR Zeiten Faschos im Osten. Sie wurden benötigt und hatten eine Rolle in dem Prozeß der "Wende". Sie wurden nicht bekämpft und sie konnten teilweise den Bullen auf der Nase herumtanzen. Gerade in Rostock Lichtenhagen war es offensichtlich, daß man von staatlicher Seite kein Interesse daran hatte, die Pogrome zu verhindern oder zu stoppen. Zusätzlich kam Unterstützung von Westfaschos, die besser organisiert und kampferfahrender waren.

Die Netflix Doku "Rohwedder – Einigkeit und Mord und Freiheit" ist sehenswert. Es geht nicht um eine reißerische True Crime Story, sondern es wird Raum gegeben, alternative Erklärungen für den Mord durchzuspielen. Die Beschreibung des sozialen und politischen Umfelds dieser Zeit, ist sehr gelungen.

Daß bei der Erstürmung der Stasi Zentrale die CIA dabei war, Akten herausholte und in die USA brachte, scheint auch vergessen zu sein. Es war ein gewaltiger logistischer Akt, wobei mich interessieren würde, welche Strukturen dafür genutzt werden konnten.

Die direkte Zusammenarbeit und Unterstützung von rechtem Terror und Geheimdiensten ist im Zusammenhang mit dem NSU nachgewiesen worden. Es ist durchaus denkbar, daß es nicht nur in diesem Fall eine Zusammenarbeit gab.

Ich habe gerade eine Onlinequelle entdeckt, die ich für brauchbar und aufschlußreich halte:

https://zweiteroktober90.de/

counselor

Das mit der "friedlichen Revolution" ist auch in anderer Hinsicht eine Lüge. Die Eigentumsverhältnisse wurden von Staatseigentum an Produktionsmitteln durch die Treuhand zu Privateigentum an Produktionsmitteln geändert. Das weist strukturelle Parallelen zum Marx'schen Konzept der ursprünglichen Akkumulation auf. Das war schon sowas wie eine gewaltsame Einführung eines etablierten kapitalistischen Systems in ein Gebiet mit zentraler Planwirtschaft. Es handelte sich um einen abrupten Systemtransfer. Das Wirken der Treuhand führte zu regionaler Deindustrialisierung und persönlichem Abstieg für viele Ostdeutsche.

Ich selbst habe die 90er Jahre in Brandenburg gelebt und die Folgen der Wiedervereinigung selbst hautnah erlebt. Es war dramatisch.

Der Fehler von 1989/90 war, dass keine Arbeitermacht in den Betrieben erkämpft wurde. Dazu fehlte der DDR-Volksbewegung eine revolutionäre Führung.

Es gibt ein gutes Buch zur DDR-Volksbewegung: "Das Ende der DDR - Eine politische Autopsie" (https://www.mehring-verlag.de/library/bsa-das-ende-der-ddr/00.html)
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Heute ist Adenauers 150ster Geburtstag.

Wir werden jetzt mit "Adenauers Erbe steht auf dem Spiel" vollgedrunzt.
Ja, was ist denn sein Erbe? Man zeigt wenig Geschichtskenntnis.

Adenauer hatte die Chance einer Wiedervereinigung Deutschlands. Die Bedingung wäre militärische Neutralität. Adenauer zog die Westbindung vor und unterwarf Westdeutschland den imperialistischen USA und der Nato. Vietnam und Irak mag dem Einen oder Anderen noch im Gedachtnis sein, doch die Liste der US Kriege, der politischen Einmischungen und Putsche ist schier endlos.

Jetzt wird herumgeheult, Trump habe dieses schöne Bündnis in Gefahr gebracht.

dagobert

"Der beste Kaufmann ist der Krieg. Er macht aus Eisen Gold."
Friedrich von Schiller

,,Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."
Theodor W. Adorno

counselor

Warum so viele Ostdeutsche heute sagen: In der DDR war es besser

Viele Jahre nach dem Fall der Mauer passiert etwas Unerwartetes: Die Zahl der Menschen, die die DDR positiv sehen, wächst. In Ostberlin tauchen wieder Embleme der DDR auf, alte Marken wie Club Cola und Spreewaldgurken feiern ein Comeback, und in Gesprächen klingt immer öfter der Satz: Damals lebten wir nicht schlecht.

In diesem Film gehen wir der Frage nach, warum so viele Ostdeutsche sich heute an die DDR erinnern wie an eine sichere, überschaubare Welt. Wir erzählen von enttäuschten Rentnern, von der verlorenen Generation nach der Wende, vom Gefühl, im eigenen Land fremd zu werden, und von einer Ostidentität, die sich nie ganz in der Bundesrepublik zu Hause gefühlt hat.

Es geht nicht um Verklärung eines Systems, sondern um die Realität von Biografien, Brüchen und Hoffnungen. Schreib gern in die Kommentare, wie du diese Entwicklung erlebst und welche Erinnerungen du mit dem Leben im Osten verbindest.

,,Die Deutsche Chronik" erzählt lange dokumentarische Geschichten über Vergangenheit und Menschen, deren Schicksale das Leben geprägt haben. In jeder Episode stehen Erinnerungen, Ereignisse und Entwicklungen im Mittelpunkt, die uns helfen, Geschichte besser zu verstehen und in Erinnerung zu halten.

Haftungsausschluss: Dieses Video ist eine journalistische Aufarbeitung auf Basis frei zugänglicher Informationen. Es erhebt keinen Anspruch auf vollständige historische Genauigkeit und kann vereinfachte oder unvollständige Darstellungen enthalten. Ziel ist es, Geschichte verständlich, spannend und lebendig zu erzählen.

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

dagobert

Zitat[...]
,,Du musst ein Schwein sein in dieser Welt", sangen Die Prinzen 1995 und gaben damit das Lebensgefühl wieder, das damals in den neuen Ländern herrschte. Die Treuhand hatte das Land verscherbelt, 95 Prozent des DDR-Vermögens waren in westdeutsche oder ausländische Hände gewandert, mehr als drei Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Der Abschwung Ost war in vollem Gange. Dann kam Schröder und trat mit seiner Agenda 2010 noch einmal nach. Diese Kränkung hat sich eingebrannt.

[...]
Moralisch betrachtet, rechtfertigt dies natürlich nicht, rechtsextreme Parteien zu wählen, wie es in den neuen Bundesländern immer mehr in Mode kommt. Psychologisch betrachtet, ist dies jedoch eine plausible Bewältigungsstrategie. Radikalisierung ist immer ein Versuch, einen Gefühlsstau zu verstoffwechseln, der anders kein Ventil mehr findet. Dabei gehen den radikalen Lösungsversuchen meist viele gescheiterte moderate voraus. Auch die Ostdeutschen, die nun in Thüringen und Sachsen ,,plötzlich" aus dem politischen Mainstream ausscheren, haben über 30 Jahre versucht, sich mit ihren spezifischen Sorgen, Nöten und Gedanken mitzuteilen. Doch sobald ein Ossi den Mund aufmacht, ist der nächste Besserwessi nicht weit, um ihn zurechtzuweisen: Könnt ihr nicht endlich mal aufhören zu jammern?

Die Tendenz zur Abwehr ostdeutscher Perspektiven durch die westdeutsche Mehrheitsgesellschaft verwundert wenig. Strukturelle Benachteiligung anzuerkennen, bedeutet für die Nichtbetroffenen immer auch, den eigenen Anteil am Leid des anderen zu reflektieren, eigene Vorteilsnahme zu erkennen und Privilegien einzugestehen. Wer die Kränkung im Osten überwinden will, muss die Größe haben, Unrecht als solches anzuerkennen.

Dies würde etwa bedeuten, sich endlich ernsthaft über das innerdeutsche Wohlstandsgefälle und dessen Ursachen zu unterhalten. Bis heute besitzt ein westdeutscher Haushalt im Median etwa dreimal so viel Vermögen wie ein ostdeutscher. Das vererbte Vermögen in den alten Bundesländern ist sogar neunmal höher als in den neuen. Diese Unterschiede haben etwas mit der deutschen Teilung zu tun, mehr aber noch mit der deutschen Wiedervereinigung und der Misswirtschaft der Treuhand.

Im Osten geboren? Tja, Pech gehabt

Immer wieder gehen die Zahlen zur asymmetrischen Vermögenslage von Ost und West durch die Medien. Immer wieder werden sie mit großer Bestürzung kommentiert, bleiben politisch aber folgenlos. Wenn das Gewurstel der Treuhand dann von der politischen Agenda gefegt wird mit dem Fazit, es seien zwar Fehler gemacht worden, doch man habe es eben nicht besser gewusst, dann klingt das in ostdeutschen Ohren wie blanker Hohn.

Die letzten 34 Jahre haben gezeigt, dass sich die ökonomischen Unterschiede zwischen Ost und West nicht von selbst verwachsen. Natürlich können wir noch zehn, 20 Jahre warten, dass ein Wunder geschieht. Doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich die politische Lage eher verschärfen wird, wenn man die wirtschaftliche Teilung Deutschlands weiter aussitzt. Jede Weigerung, aus den Fehlern der Vergangenheit politische Konsequenzen zu ziehen, um zumindest für jüngere Ostdeutsche ökonomische Chancengerechtigkeit herzustellen, perpetuiert die alte Kränkung auch für zukünftige Generationen: Im Osten geboren? Tja, Pech gehabt.

Solange Ostdeutsche mit ihren spezifischen Sorgen an den politischen Katzentisch verwiesen werden, so lange müssen wir uns über Krawall an der Wahlurne nicht wundern. Wer diesen Krawall beenden will, muss an das Trauma ran, auch wenn es den Westen tief in seiner Komfortzone trifft. Denn die Kollateralschäden der Wiedervereinigung und ihre ökonomischen, politischen und psychologischen Folgen prägen bis heute das Lebensgefühl im Osten – und damit auch das politische Klima in ganz Deutschland. Dieses Erbe lässt sich leider nicht ausschlagen.
https://www.berliner-zeitung.de/article/ostdeutsche-erfahrungen-wie-die-treuhand-meinen-onkel-ruinierte-und-ich-seine-schulden-erbte-2252449
"Der beste Kaufmann ist der Krieg. Er macht aus Eisen Gold."
Friedrich von Schiller

,,Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."
Theodor W. Adorno

Kuddel

3. Oktober. In Bremen ist der organisierte Nationaltaumel verbunden mit dem größten Polizeiaufgebot aller Zeiten. Gullideckel wurden verschraubt und Scharfschützen bereitgestellt. Für ein Freikonzert von Fanta4 auf dem Domshofs gab es digitalisierte und personalisierte Tickets, die man nicht weitergeben kann. Ohne Ticket kommt man nicht entfernt in die Nähe des Domshofs. Ich weiß nicht, warum man sich über die Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Kontrolle der Bevölkerung und Crowdcontrol (Kontrolle von Menschenmengen) so aufregt.

Boah und nun werden wir nonstop überschüttet mit Geschwätz über die Vielfalt und Toleranz der deutschen Gesellschaft. Steinmeier ist da in seinem Element. Fehlt nur noch Gauck.

  • Chefduzen Spendenbutton