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Randbereiche - Wenig diskutiert! => Andere Randbereiche => Bloß weg hier! => Thema gestartet von: huanghelou am 22:02:30 Do. 19.April 2012

Titel: Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: huanghelou am 22:02:30 Do. 19.April 2012
Es gibt zwar einen ähnlichen Beitrag, jedoch sind die meisten  Einträge schon etwas älter, und ich wollte keine Threadleiche ausgraben.

Denjenigen unter euch die sich mit dem Gedanken auszuwandern beschäftigen kann ich nur empfehlen, macht es.

Zu mir: Ich habe das erste Mal im Ausland von 2002 – 2005 gelebt, und zwar in Thailand. Damals war es sehr einfach für mich, ich bin halber Thai und ich hatte damals noch sehr viel Kontakt mit der Familie mütterlicherseits. 2005 habe ich mich entschieden nach Deutschland zurückzukehren. Ich war keinen Monat hier, da hatte ich es bereut. Von 2005 bis 2011 habe ich gebraucht um wieder soweit zu kommen um auszuwandern. Mal war das nötige Kleingeld nicht vorhanden, mal hatte ich eine Beziehung, und meine Partnerin wollte nicht aus Deutschland weg.

Sicher es ist nicht für jeden etwas. Nur wenn man schon mit dem Gedanken spielt, dann sollte man auch den nächsten Schritt tun. Wohlüberlegt wohlgemerkt. Es bedarf normal einer großen Planung so etwas durchzuziehen. Bürokratie gibt es überall, auch wenn meist nicht so schlimm wie in Deutschland. Ich hatte einen sehr gut bezahlten Job in Deutschland, und für viele wäre das sicher ein Traum gewesen. Relativ finanzielle Sicherheit, schönes Dach über dem Kopf. Auf der anderen Seite fast jeden Tag mind. 10 Stunden arbeiten, meistens auch am Wochenende.

Irgendetwas hat Klick gemacht, und ich sagte mir dass ich das nicht bis zum Lebensende machen will. Ich bin seit 2011 in China, verdiene bedeutend weniger, für hiesige Verhältnisse aber sehr gut. Ich arbeite normal 4 Stunden am Tag, lebe stressfrei und am Wochenende schaue ich mir regelmäßig das Land an.

Ich bin jemand der ausgewandert ist weil mir der Arbeitsmarkt in Deutschland nicht mehr gefiel, die  Arbeitskultur sowie das miteinander. Für mich persönlich war es der richtige Schritt.

Wenn man Deutschland aus Heimatverbundenheit nicht verlassen will, kann ich das durchaus verstehen, nicht jeder ist dafür geschaffen. Nur wer kann, sollte es zumindest einmal ausprobieren, es könnte einem gefallen.

Falls jemand Fragen oder Anregungen braucht stehe ich gern zur Verfügung.
Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: BGS am 22:31:15 Fr. 20.April 2012
Auswandern, weil man seine Würde behalten und wie ein Mensch leben möchte?

Jederzeit wieder-wenn das Land mich nicht braucht, brauche ich das Land nicht.

Natürlich soll jede(r machen was sich am besten anfühlt. Hatte in D. früher auch teilweise Arbeitstage > 10 Std. und dazu noch 2 Stunden Autofahrt zur "Arbeit"- das viele Geld ging trotzdem meistens drauf, als eine Art "Ausgleich", der keiner war.

Auch ich habe eine "sichere" Arbeitsstelle hinter mir gelasen, aus der Einsicht, dass ich so nicht bis zum Lebensende leben möchte, auf keinen Fall. Das Risiko einer solchen Entscheidung muss man zu tragen bereit sein.

Vieles ist passiert seitdem, vgl. bei Interesse in meinem Thread http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.0 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.0) DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!

Bin seit bald zwei Jahren in Nordskandinavien und kann mich inzwischen in der Landessprache halbwegs verständigen.

Arbeite mitunter als einfacher Arbeiter. wenn jemand zusätzliches gebraucht wird. Es ist ein qualitativ hochwertiges Leben, da genug freie Zeit, um meinen Interessen .Laufen, Meditieren, Skifahren, Chefduzen etc. - angemessen nachgehen zu können und viel neues zu lernen. Täglich.

Materiell betrachtet bin halbwegs "arm", doch ich benötige nicht besonders viele materielle Güter, wodurch es auch noch reicht, das aus D. mitgebrachte Auto zu unterhalten.

Vielleicht gründe ich in ferner Zukunft noch ein international tätiges Unternehmen, das ethischen Grundsätzen folgen wird. Durch gute Kenntnis von inzwischen vier Sprachen und kaufmännische Berufserfahrung wird dies funktionieren... .

Auch ich höre den hiesigen Menschen genau zu und bereise das ganze Land.

Für mich persönlich war Auswandern die richtige Entscheidung. Natürlich ist es mitunter auch nicht einfach und will gut überlegt sein, aber "leever düad, as slaaf" (Lieber tot, als ein Sklave).
 
MfG

BGS

P.S.: Seit 17:30 sind unerwartet ca. 10 cm Schnee gefallen
Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: Nick N. am 01:49:44 So. 22.April 2012
Wenn man fragen darf: Was arbeitest Du denn in den 4 Std. am Tag in China?
Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: Kuddel am 17:20:30 Mo. 23.April 2012
Wenn man fragen darf: Was arbeitest Du denn in den 4 Std. am Tag in China?

Das ist auch meine Frage.
Chinesische Arbeiter malochen oftmals 60 Stunden die Woche.
Ausländische Firmen haben dort viele Ingenieure aus den Heimatländern der Unternehmen, aber die müssen auch ordentlich Stunden kloppen, jedoch für gutes Geld.

Einige arbeiten als Englisch- oder Deutschdozenten and Unis, besser ist es meist als Privatlehrer. So kommt man mit wenigen Stunden Arbeit pro Woche über die Runden.

Und wie steht's mit dem Aufenthaltstatus? Wg. der Visabestimmungen müssen die in China lebenden Ausländer einmal im Jahr über die Landesgrenze. Es ist wohl kaum möglich normal eingebürgert zu werden, deshalb wählt man meist den Weg in China einzuheiraten.
Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: huanghelou am 03:27:03 Di. 24.April 2012
Wenn man fragen darf: Was arbeitest Du denn in den 4 Std. am Tag in China?

Wie Kuddel schon richtig vermutet hat, bin ich Deutsch- und Englischlehrer. Die 4 Stunden sind effektive Arbeitszeit, d.h. die Vorbereitung nicht hinzugerechne komme ich auf 16 Stunden die Woche, da ich 3 Tage Wochenende habe. Für den Englischunterricht muss ich alle 2 Wochen eine neue Unterrichtsstunde vorbereiten, und leider nach dem Buch gehen. D.h. Thema ist vorgegeben, aber ich kann selber entscheiden wie ich den Unterricht gestalte. Beim Deutschunterricht habe ich komplett freie Hand. Wenn es gerade mal um Grammatik geht, dann dauert es schon mal länger eine Stunde vorzubereiten, aber mehr als 2 Stunden sollte man nicht benötigen (habe in Deutsch Doppelstunden).

Aufenthaltsstatus hier ist natürlich nicht so einfach wie in EU-Ländern, oder einigen anderen Ländern. Um hier arbeiten zu können sollte man einen Uni-Abschluß haben. Habe in Peking allerdings genug kennengelernt die sich nach der Ankunft einen Abschluß gekauft haben. Im Grunde genommen will die Behörde nur einen Fetzen Papier haben. Ich kenne einige die alle paar Monate nach Hongkong düsen, aber die sind nicht legal in China als Arbeiter. Ich habe China seit 1 Jahr nicht verlassen, und man muss es auch nicht. Hier kann alles über Agenturen geregelt werden. Legale und illegale Sachen. Alle 3 Monate nen Trip nach HK bezahlen? Da kann man schöneres mit dem Geld machen und z.b. in die Dörfer fahren statt in diesen Moloch.

Normale Einbürgerung? Ich habe mich damit nicht auseinandergesetzt, aber ich glaube das ist nicht ohne weiteres möglich.

Mein Vertrag läuft nun bald aus, und ich bin stark am überlegen ob ich nicht meine Zelte abbreche und woanders aufbaue. China ist schön, nur schon nach 1 Jahr kann ich sagen, das es nichts für die Ewigkeit ist.

Ich genieße es richtig wieder "Freiheit" zu haben, das ich realtiv frei in meinen Entscheidungen sein kann.

Skandinavien klingt auch sehr interessant. Ich habe bevor ich nach China bin, vieles im Internet gelesen, unter anderem einen Blog über einen Deutschen der sich um Schlittenhunde in Norwegen kümmert.  Sehr interessant, tolle Bilder.

P.S.: Privatlehrer meinst Du 1on1, also Nachhilfe oder? An Privatschulen wird meistens nicht so gut bezahlt. Nachhilfe bringt definitiv viel für wenig tun. Am Sonntag kommt immer der Sohn einer Lehrerin um 2 Stunden mit mir Englisch zu reden.... nur reden mehr soll ich nicht machen. Mittlerweile ist es so das wir zusammen "Deutsches Frühstück" haben und danach über dies und das schnacken oder auch mal PingPong etc. spielen gehen.

das sind 40,-€ im Monat für fast nichts tun.




Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: Mirkosch am 14:21:01 Di. 17.Juli 2012
Wenn ich das alles so lese, bekomme ich tatsächlich auch Lust was ganz Neues anzufangen. Irgendwas Irgendwo, eigentlich bin ich recht anspruchslos.... wer mich ja immer auf eine ganz spezielle Art fasziniert hat war Conny Reimann;) wie man einfach so mit "eigener Hände Arbeit" sich ein neues Leben aufziehen kann und dabei nie den Mut verlieren..eigentlich bin ich handwerklich auch nicht ganz unbegabt, vielleicht sollte ich meine restlichen sieben Sachen packen und eine Strandbar irgendwo in Brasilien oder so aufziehen... Nein, im Ernst, eure Posts animieren tatsächlich sich mal ernsthafte Gedanken zum Thema Auswandern zu machen. Viel zu verlieren hat man ja eigentlich nicht.. Werde ggf. nochmal mit verschiedenen Fragen auf euch zukommen, muss mir das mal durch den Kopf gehen lassen.

Mir reicht's langsam. Zum 2.Mal hast du Werbung gepostet. Meim nächsten Versuch bist du draußen!!!
admin
Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: carrol am 17:26:50 Fr. 31.August 2012
Ich denke wer nur vor seinen Problemen flieht, der findet nirgendwo ein besseres Leben!
Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: BGS am 03:40:58 Sa. 01.September 2012
Ich denke wer nur vor seinen Problemen flieht, der findet nirgendwo ein besseres Leben!

Es bedarf unendlich vielen Mutes, tatsächlich auszuwandern.

Rette sich, wer kann.

>MfG
BGS
Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: Sir Vival am 10:31:09 Sa. 01.September 2012
Naja,ein alter Kunpel und seine jetzige Frau lebten seit einigen Jahren in Kanahier/Kanada  ;D ;D
Super Arbeitsstelle, sehr guter Verdienst durch seine handwerkliche Ausbildung und jahrelange Erfahrung in D.
Eigenes Grundstück, Haus, Hund usw.
Dann der Hammer! Kreuz kaputt, keine Option auf Behandlung, bzw. Besserung in Kanada, keine Kohle mehr........nun zurück in D.
Die deutsche Staatsbürgerschaft hat er sich nicht nehmen lassen, deshalb ging das wohl relativ problemlos.

Hier bekam er sofort einen Termin, welcher in Kanada mehrer Monate in der Zukunft lag, die Behandlung ist am Laufen.

so far, so good.......was kommt, wird er früh genug mitbekommen.
Titel: Re:Auswandern als Option für ein zufriedeneres Leben?
Beitrag von: Troll am 16:14:21 Sa. 01.September 2012
Mein Vertrag läuft nun bald aus, und ich bin stark am überlegen ob ich nicht meine Zelte abbreche und woanders aufbaue. China ist schön, nur schon nach 1 Jahr kann ich sagen, das es nichts für die Ewigkeit ist.

Ich genieße es richtig wieder "Freiheit" zu haben, das ich realtiv frei in meinen Entscheidungen sein kann.

Ich denke wer nur vor seinen Problemen flieht, der findet nirgendwo ein besseres Leben!

Oh ja, der eine (@huanghelou ) findet seine begrenzte "Freiheit" in China, mit begrenzt meine ich "nicht für die Ewigkeit", wobei diese Erkenntnis innerhalb eines Jahres gereift ist, na das ist doch mal eine Überlegung Wert.

@carrol
Wer vor persönlichen Problemen flieht, da mag es teilweise zutreffen, wer allerdings vor staatlichen Repressalien "davonläuft" kann durchaus sein Glück in einem anderen Staat finden.