KUNO - EC-Karten-Betrug - Lastschriftverfahren ist zu unsicher

Begonnen von Wilddieb Stuelpner, 22:11:36 Di. 11.Januar 2005

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Wilddieb Stuelpner

MDR, Sendung Umschau": EC-Karten-Betrug - Lastschriftverfahren ist zu unsicher

Missbrauchszahlen im sogenannten Debit-Verkehr, also dem Lastschriftverfahren ohne PIN-Nummer explodieren. Auch Petra Borgmann aus Osnabrück hat das Vertrauen in das Zahlsystem mit Unterschrift verloren. Vor einem Jahr wurde ihre EC-Karte gestohlen. Noch heute hat sie Ärger, weil die Diebe gezielt die Schwächen des Lastschriftverfahrens ausgenutzt haben, und das obwohl Borgmann ihre Karte gleich nach dem Diebstahl sperren ließ.

Trotz der Sperrung häuften sich zunächst rätselhafte Abbuchungen auf ihrem Konto - mal von Penny in Leipzig, Marktkauf Oschatz oder von Autoteile Unger in Halle. Nach fünf Tagen hat es die Diebestour auf eine Summe von 2000 Euro. Die Diebe hatten dabei bloß ein Ziel - Geschäfte, in denen man per Lastschrift zahlt, also nur mit Karte und Unterschrift, die sie allerdings fälschten.

Lastschriftgeräte nicht an das Kartensperrsystem angeschlossen

Der Plan funktionierte, weil die Lastschriftgeräte nicht mit dem Kartensystem der Banken verbunden sind. Die Verkäufer können deshalb nicht feststellen, ob mit einer gestohlenen Karte eingekauft wird. Die Lastschriftgeräte schalten sich lediglich in das Netz der Kartenbetreiber, die dann schließlich das Konto von Petra Borgmann belasten. So kam es sogar noch während der Ermittlungen der Polizei, die Borgmann inzwischen eingeschaltet hatte, zu weiteren Abbuchungen. Die Geschädigte musste selbst nach jedem Einkauf zur Bank und per Widerspruch ihr Geld zurückholen. Das ist mühseliger Papierkram.

Dresdner E-Mail-System KUNO hilft

Würde Borgmann in Sachsen wohnen, hätte sie dieses Problem nicht. Denn dort gibt es KUNO ("Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr durch Nutzung nichtpolizeilicher O rganisationsstrukturen";) - ein simples E-Mail-System, in dem die Polizei bei der Anzeigenaufnahme alle Daten der EC-Karte einträgt. Die Funktionsweise ist einfach aber effizient. Der Bestohlene sperrt die Karte wie gewohnt bei seiner Bank – zusätzlich aber auch bei der Polizei. Dort greift KUNO ein: Per E-Mail gehen die Kartendaten an die Netzbetreiber der Lastschriftgeräte. Diese geben die Daten in eine Sperrdatei ein. Damit ist die Karte direkt am Lastschriftgerät gesperrt. Für den Dieb wird die EC-Karte so nutzlos.

KUNO senkt Arbeitsaufwand bei Polizei deutlich

Der Erfinder von KUNO ist Steffen Schmieder von der Polizei Dresden. Er spart seiner Abteilung eine Menge Arbeit. Für einen durchschnittlichen Lastschriftmissbrauch benötigen die Beamten normalerweise fünf bis sechs Arbeitstage. Kuno verhindert genau diesen Aufwand. Das merken auch andere Polizeistationen und übernehmen Kuno, Neben Sachsen die Bundesländer Sachsen- Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bremen und das Saarland. Außerdem gibt es Testprojekte in den Städten München, Hannover, Braunschweig, Bielefeld.

Betrugsrate sinkt dank KUNO dramatisch

Der Erfolg kann sich sehen lassen. In Sachsen ist die Missbrauchsrate schon im ersten Halbjahr nach Einführung von Kuno um 84 Prozent gesunken, – das sind über 1500 Fälle weniger. In Magdeburg gab es einen Rückgang von 50 Prozent, ebenso in München, auch das Saarland meldet wie auch Mecklenburg-Vorpommern einen erheblichen Rückgang. Kuno senkt also die Missbrauchsraten – völlig unverständlich, warum das System noch nicht in allen Bundesländern installiert wurde.

Experten fordern Abschaffung des Lastschriftverfahrens

Es gibt aber auch KUNO-Gegner. Großer Widerstand kommt aus Nordrheinwestfalen. Dieter Schürmann vom Landeskriminalamt stellt das ganze Lastschriftverfahren in Frage und fordert ein sichereres System – ohne KUNO. "Das Lastschriftverfahren ist zu unsicher. Wenn Kuno eingesetzt wird, unterstützt man das Lastschriftverfahren, und das ist der falsche Weg." Schürmann will bundesweit das System mit der persönlichen Geheimzahl, auch PIN- oder "easy cash"-Verfahren genannt. Das wollen auch die Banken. Für Oliver Wolfrum vom Zentralen Kreditausschuss ist KUNO keine Lösung: "Wenn alle PIN benutzen würden, dann gäbe es überhaupt nicht diese Problem."

Das Lastschriftverfahren hat aber den entscheidenden Vorteil, dass es für Einzelhändler wesentlich billiger ist. Stefan Schneider vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels ist sich deshalb auch sicher, dass es die Lastschrift auch weiterhin geben wird: "Das Lastschriftverfahren ist schnell und kostengünstig und wird auch in den nächsten Jahren bleiben."

Kuno hätte auch Frau Borgmann viel Stress erspart, doch in Osnabrück will die Polizei das System bisher nicht. Knapp ein Jahr nach dem Diebstahl fordern Inkassounternehmen bei Borgmann immer noch das Geld ein, das eigentlich die Diebe ausgegeben haben. Das Opfer fühlt sich wie ein Verbrecher. So werden Opfer von EC-Kartenklau wohl noch weiter wie Täter behandelt - dringender Handlungsbedarf für die Innenministerien der Länder.

zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2005 | 15:46

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Unverständlich, daß Altbundesländer sich gegen KUNO sträuben. Ist offenbar für sie ein rotes Tuch, so wie das DDR-Bildungssystem, -Gesundheitswesen und den grünen Pfeil an Ampeln.

Man könnte durchaus KUNO einführen im Interesse der Verbraucher und gleichzeitig das unsichere Lastschriftverfahren durch das "easy-Cash-Verfahren"langfristig einführen. Aber wegen der Kostenbeteiligung des Handels 0,3% bei "easy-Cash" statt 0,1% beim unkontrolliertem PIN-losen Lastschriftverfahren gehen zu Lasten bestohlener Bürger noch viele Jahre ins Land. Mit KUNO gewinnt man wertvolle Zeit und kommt Tätern zeitiger auf die Spur. Den Banken ist's egal. Verluste holen sie durch Kontoführungsgebühren und anderen fantasievollen Postenbezeichnungen von allen Bankkunden wieder herein.

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ZDF, Sendung "WISO": Missbrauch von EC-Karten nimmt zu - Kunden können sich schützen

Hessischer Rundfunk: Sicherheitsrisiko EC - warum weder PIN noch Unterschrift schützen

Checkliste bei EC-Kartenmissbrauch

1. Wählen Sie "unverzüglich" die zentrale Sperrnummer für EC-Karten, Tel. 0180/5021021 für 0,12 Euro pro Minute (Sprachcomputer). Da die Nummer häufig besetzt ist, können Sie zu Geschäftszeiten auch die eigene Bank anrufen. Halten Sie die Kontonummer parat. Lassen Sie Ihr Konto für die Kartenverfügung sperren. Mehrere EC-Karten die auf das gleiche Konto laufen werden automatisch mitgesperrt. Notieren Sie Datum, Uhrzeit und Name des Gesprächspartner. Lassen Sie, wenn möglich einen Zeugen mithören.

2. Gehen Sie zur Polizei und erstatten Sie Anzeige gegen Unbekannt.

3. Informieren Sie Ihr Kreditinstitut, am besten direkt Ihre Geschäftsstelle vom Verlust oder Diebstahl der Karte.
  • Kommt es zum Schadensfall, zwischen dem Bemerken des Verlusts und der Kartensperrung, dann

    - legen Sie Ihrer Bank bei der Schadensmeldung glaubhaft dar, dass Sie kein Verschulden trifft und Sie Ihre Sorgfalts- und Mitwirkungspflicht nicht verletzt haben.
    - lehnen Sie eine Haftung ab, wenn Sie nicht "grob fahrlässig" gehandelt haben.
    - berufen Sie sich auf die Beweiserleichterung, wie sie grundsätzlich auch beim Kfz-Diebstahl gilt, wenn Beweise verlangt werden. Da der Geschädigte in der Regel keine Zeugen oder sonstige Beweismittel für die Entwendung oder den Verlust beibringen kann, genügt es deshalb den Sachverhalt glaubhaft darzulegen.

    4. Kontrollieren Sie Ihre Kontoauszüge so oft wie möglich, denn auch nach der Sperrung können durch das EC-Lastschriftverfahren unberechtigte Kontoverfügungen vorgenommen werden. Wenn Sie einen Schaden bemerken, muss Ihnen Ihre Bank das Geld zurückerstatten.

    5. Melden Sie alle Kontounregelmäßigkeiten sofort Ihrer Bank.

    6. Wurde Ihnen nach dem Kartenklau der Schaden nicht oder nicht in voller Höhe erstattet, legen Sie Widerspruch ein. Wenden Sie sich notfalls direkt an die Versicherung des Kreditinstituts, zum Beispiel bei den Sparkassen an den DSGV-Haftungsfonds in Berlin. Helfen können auch die zuständigen Ombudsmänner oder die Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Dort werden zurzeit viele Musterprozesse zum EC-Kartenklau durchführt.

    7. Lehnt die Bank eine Haftung weiterhin ab, behalten Sie sich Ihre Ansprüche vor, bis die Gerichte möglicherweise zu Ihren Gunsten geurteilt haben.

    Kontakte:

    Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen e.V.
    Mintropstr. 27
    40215 Düsseldorf
    Internet: www.vz-nrw.de

    Ombudsmänner:
    Bundesverband deutscher Banken
    Kundenbeschwerdestelle
    Postfach 04 03 07
    10062 Berlin

    Verband deutscher Hypothekenbanken
    Kundenbeschwerdestelle
    Postfach 12 06 40
    53048 Bonn

    DSGV
    Deutschen Sparkassen- und Giroverband
    Behrenstr. 31
    10117 Berlin
    Internet: www.dsgv.de

    Alle Karten-Sperrnummern auf einen Blick

    EC-Karte

    Zentrale Sperrnummer 01805 / 021 021 oder 069 / 74 09 87
    - weltweit: 0049 / 1805 / 021 021

    Master-Card 069 / 79 33 19 10
    - USA, Kanada: 001/800/3077309,
    restliche Welt: 001/3142756690

    VISA-Card 0800/8149100
    - weltweit: 001/410/5813836

    American Express 069 / 97 97 10 00
    - weltweit: 049 / 69 99 71 00 0

    Diners Club 05921 / 86 12 34

    Ab diesem Jahr soll es für sämtliche Kartennutzungen und für alle Banken nur noch eine zentrale Sperradresse. Leider habe ich die genaue Quelle nicht mehr parat. Es war jedenfalls auf eine der letzten WISO-Monats-CDs.

  • geishapunk

    Das ist doch ein alter Hut der immer wieder mal aufgewärmt wird weil es zuviele dieser Magazine aber zu wenige neue Themen gibt.

    Wilddieb Stuelpner

    KUNO ist neu und wird von westdeutschen Landeskriminalämtern zu Lasten der Verbraucher mißachtet. Werde mal beklaut und gehe dann zu einer westdeutschen Polizeidienststelle wie bei der Osnabrücker Kundin geschehen.

    Beim PIN-losen Lastschriftverfahren geht das Klauen munter weiter, da die Polizei die Anzeige nur zu den Akten abheftet. Die Bank nimmt zwar die Widersprüche und die Aufträge zur Rücklastbuchung vom Geschädigten entgegen. Aber der Ärger mit denFirmen, wo die Diebe mit gefälschter Unterschrift unterschrieben bleibt. Es hagelt Mahnung und Vollstreckungsbescheide, obwohl die Sperrung der Karte erfolgte. Man unterstellt regelmäßgt dem Geschädigten er hätte den Diebstahl begangen, weil er angeblich noch die PIN preisgab.

    Der Bank lastet man dieses unsichere Verfahren nicht an und bezieht sie für ein schlechtes Produkt nicht in die Haftung ein.

    Die Ursache: Weil beim Einkauf mit EC-Karte keine Onlineverbindung zum Netz des Kartenbetreibers aufgebaut wird und die Sperrung abgeprüft wird.

    KUNO klemmt sich dazwischen und sperrt sofort die Karte im Netz des Kartenbetreibers. Der Ärger mit Mahnungen und Vollstreckungen entfällt gänzlich, da der Verkauf nicht zustandekommt.

    geishapunk

    KUNO ist nicht neu, von diesem System habe ich schon vor Jahren gehört /gelesen/im TV gesehen!

    Achja, Du brauchst übrigens nicht immer gleich eine Erklärung dazu zu liefern wie etwas funktioniert, vor allem dann nicht wenn Du es ein Posting zuvor erklärt hast. Sowas wirkt immer ein wenig Oberlehrerhaft...  ;) ... oder so als würdest Du Textbausteine verwenden.

    In der Kürze liegt die Würze!  :D

    jawbreaker

    da bewahrheitet sich mal wieder der alte spruch:

    nur bares ist wahres  :D

    geishapunk

    ZitatOriginal von jawbreaker
    da bewahrheitet sich mal wieder der alte spruch:

    nur bares ist wahres  :D

    Das auf jeden Fall!!!

    Bargeld und Waffen lügen nicht!

    Regulator

    ZitatBargeld und Waffen lügen nicht!

    ...und das eine kann das andere ersetzen...
    traurig aber wahr...
    Gruß

    Regulator

    ________________________

    Datenschutz ist Täterschutz!

    aian19

    Kann mir denken, warum das keiner im Westen haben will (von oben jedenfalls...) - weil´s denen egal ist, WER konsumiert, Hauptsache es wird konsumiert. Und wenn dann der Eigentümer der EC-Karte hinter seinem Geld wieder herrennen darf, wird ja auch Arbeit geschaffen, so haben die Bkaner wieder was zu tun....

    Wer weiß, vielleicht werden demnächst Alarmanlagen bei Privatleuten verboten, damit die Einbrecher es etwas leichter haben, und alle profitieren davon, außer dem Betroffenen natürlich (auf eine Art):
    - Die Einbrecher bringen die "gewonnen" Beute wieder auf den Wirtschaftmarkt,
    - Der Betroffene muss sich die Sachen neu kaufen (KONSUM),
    - Und wenn die Einbrecher eingebuchtet werden, können sie für den Staat Tüten kleben usw.... und da ja die ersten Privat-Knasts gebaut werden, wer weiß ! Vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis wir die ersten Call-Center im Knast haben, wo die Knackis die Calls machen....gibt´s schließlich schon in Amiland....
    "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

    "Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

    Mene mene tekel upharsin

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