Basisgewerkschaften

Begonnen von Kuddel, 18:58:15 Mo. 03.Februar 2020

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Kuddel

Es war phasenweise schon nervig, wie das Forum von Mitgliedern und Unterstützern der Basisgewerkschaften FAU und IWW heimgesucht wurde. Es schien die Lösung all unserer Probleme zu sein und die basisdemokratischen Gewerkschaftsmodelle wurden wie das Evangelium gepriesen. Irgendwann wurde es still um sie. Die optimistischen Postings ließen nach, bis sie ganz ausblieben. Noch nicht einmal das mitgliederstärkste Syndikat in Berlin hält es noch für nötig bei chefduzen seine Veranstaltungen zu veröffentlichen.

In dem Buch "Syndikalismus und neue Klassenpolitik" zieht Torsten Bewernitz nach 20 Jahren Aktivität in der FAU ein vernichtendes Resümee. Warum gibt es keinen Aufschrei der Empörung, keinen Widerspruch von den zuvor noch so Begeisterten? Wo sind sie? Haben sie aufgehört von einer besseren Gesellschaft zu träumen, haben sie aufgehört zu kämpfen? Sind sie heute in völlig anderen Kämpfen eingebunden? Ist das Interesse an den Ausgebeuteten und dem Arbeitsplatz als Ort der Auseinandersetzung verschwunden?

Wer will wie kämpfen? Die Basisgewerkschaften FAU und die in D noch kleinere IWW funktionierten als Durchlauferhitzer. Die Leute traten begeistert ein und die Organisationen konnte die Mitglieder nicht lange halten. Viele Tausend Leute sind da in wenigen Jahren durchmarschiert. Was denken sie heute? Was bedeuten ihre Erfahrungen und Enttäuschungen für sie? Was sollten die politschen Konsequenzen jenseits von Resignation oder "weiter so" sein?

Ferragus

Das Buch von Bewernitz wurde FAU-intern von wenigen Mitgliedern diskutiert und zu recht kritisiert, gegenwärtig scheint das Bedürfnis nach theoretischer Analyse aber nicht im Zentrum zu stehen. Man versucht halt die Gewerkschaftsarbeit, die Aufrechterhaltung und den Ausbau der Organisation und die anfallende Bürokratie zu bewältigen, teilweise sich erst anzueignen und hat damit genug zu tun - es fehlt an Leuten, die sich sich reinknien. Diese trockenen und notwendig etwas langweiligen Tätigkeiten haben auch schon einige aktive Mitglieder verheizt. Andererseits kann man auch sagen, das politische Tätigkeit für die meisten Leute ein Durchgangsphänomen ist, und sie sich mit Anfang 30 und dem Beginn der aktiven Familienplanung eher zurückziehen. Also es ist nicht so einfach - die Stagnation bzw. langwierige Entwicklung der FAU und die Passivität der arbeitenden Klasse beeinflussen sich wechselseitig. Erschwerend: die gebundene, verwaltete Form des heutigen Klassenkampfes, der sich überwiegend vor Gericht und im Verhandlungs-zimmer abzuspielen scheint.
Bewernitz Ungeduld kann ich verstehen, aber sein Rezept von einem linken Flügel in den DGB-Gewerkschaften hat wenig Anziehungskraft und seine Analyse der Misere reicht nicht aus.
Insofern gibt es eben keinen Grund für Optimismus.

Kuddel

Hallo Ferragus,
schön eine Reaktion aus dem FAU Umfeld zu kriegen. Es ist recht still um die FAU geworden. Im Lauf meines Arbeitslebens war ich aus symbolischen Gründen Mitglied in drei verschiedenen sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften, doch ich halte das Konzept der Basisgewerkschaften für das bessere. Ich habe versucht im Rahmen/in Zusammenarbeit von/mit sozialpartnerschaftlichen- und Basis-Gewerkschaften, Beratung zu bekommen oder Protest und Widerstand in der Arbeitswelt anzuschieben. Die Liste der Enttäuschungen ist lang, bei den Basisgewerkschaften noch länger als bei den DGB Gewerkschaften. Das liegt aber wohl daran, daß ich mich nach einer Weile bei den DGB Gewerkschaften weniger bemüht habe, weil ich gesehen hatte, wie wenig Interesse sie an klassenkämpferischen Aktivtäten haben. Umso schmerzlicher war die Erfahrung, daß es bei der sympathischeren Organisation in der Praxis hinten und vorn nicht klappt. Ich kann vielleicht später einige dieser Erfahrungen schildern.

Bei den Auszügen aus der Broschüre von Torsten Bewernitz, die ich zu lesen bekam, war ich von den Socken. Sein ernüchterter Blick auf die FAU entsprach meinen Erfahrungen. Ich habe mir die Broschüre dann bei der Buchhandlung meines Vertrauens bestellt, da wurde ich jedoch enttäuscht. Ich kann seine Schlüsse aus der Enttäuschung und aus der realen Schwäche der FAU nicht nachvollziehen. Den Vorschlag, "Workers Center" zu etablieren, finde ich gut. Aber da hört es schon auf. Auch wenn der bisherige Weg der FAU vielleicht gescheitert sein mag, halte ich das Konzept von Bassisgewerkschaften keineswegs für gescheitert. Das beweisen meiner Meinung nach die IP in Polen, die SUD Solidaires in Frankreich und SI Cobas in Norditalien.

Ich finde seinen Vorschlag zur "Professionalisierung" mit bezahlten Funktionären nicht gut. Ich halte durchaus eine Reformierung der FAU Strukturen für sinnvoll und da sollte man weniger dogmatisch und stattdessen lebensnäher sein. Ich denke schon, daß gewisse Aktivitäten honoriert und finanziell entschädigt werden sollten, denn sonst wäre es z.B. für alleinerziehen Mütter unmöglich auch noch Gewerkschaftsarbeit zu machen. Das ist sonst ein Privieg derjenigen, die ausreichend freie Zeit und eine gute ökonomische Absicherung haben. Ein Funktionärstum wäre keine Lösung, sondern eher der Versuch einen Fehler durch einen anderen zu ersetzen.

Torsten Bewernitz hat scheinbar die FAU ganz aufgegeben. Das halte ich für falsch. Ich denke schon, daß die eigenen Fehler und das Scheitern an vielen Fronten diskutiert werden müßten. Ich sehe durchaus das Potential für eine Erneuerung.

Seine Hoffnungen auf die DGB Gewerkschaften kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin auch hier für einen undogmatischen Umgang und halte es für wichtig, mit den Mitgliedern dieser Gewerkschaften nicht nur Kontakt zu halten, sondern auch zusammenzuarbeiten. Das gilt auch für einzelne Funktionäre, die in Ordnung sind. Man kann hier und da einiges ausrichten innerhalb der DGB Strukuren, doch dieser verkrustete Apparat ist nicht ernsthaft reformierbar, egal wie viele Leute sie aus der Antifa- und linksradikalen Szene als Jugendsekretäre und Organizer rekrutieren mögen. Das ist nur junge, moderne Tünche, weiter nichts.

Ferragus

Hallo Kuddel,
was Bewernitz angeht: die Workers-center-Strategie hatte ich schon wieder vergessen und ich glaube, er ist noch in der FAU Mannheim, schreibt auch weiterhin für den Express.
Zur Reform der FAU: in Berlin steht sie im Fokus (auch Bezahlung wurde diskutiert, dafür ist Berlin quantitativ aber noch zu klein) und in zwei bis vier größeren Städten im Osten der Republik wird sie sich bald aufdrängen. Es gibt große regionale Unterschiede in der FAU und in einigen Städten kann man noch nicht zur gewerkschaftlichen Arbeit übergehen, muss man erst einmal den Polit-Gruppe-Charakter hinter sich lassen. Diese Reformen stoßen aber auf Schwierigkeiten (welchen Prinzipien soll man folgen?, ich plädiere da für Zweckgebundenheit d.h. Orientierung an den Bedingungen der Kämpfe, größtmögliche Übersichtlichkeit und Durchsichtigkeit, geringe Anstrengung für die Aktiven - es gibt aber eine andere Fraktion, die pedantisch alles mit Satzungen und Richtlinien abdecken will, Stichwort Kontrolle-Fetisch), weil eben nur ein kleiner Kern aktiv die Gestaltung der Strukturen beeinflusst, die Mitglieder einzeln in kleinen betrieben ohne Betriebsgruppen sind(wie die Atomisierung überwinden?), die allein-erziehende Mutter ist sicherlich kaum dabei. Viele Mitglieder bringen auch ihre Vorstellungen von einer Dienstleistungsgewerkschaft mit, bei der man nichts machen muss - ein weiteres Hindernis.
Die demokratische Praxis der Basisgewerkschaften ist der Tat um einiges besser als die starren Apparate, wenn man aber die alten syndikalistischen Vorbilder überflügeln möchte, muss noch einiges mehr dazu kommen als von der Bais gesteuerte Gewerkschaftstätigkeiten, nämlich der Angriff auf die Klassengesellschaft bzw wenigstens ihre Vorbereitung (das war ja ein wichtiger Impuls in Frankreich, keine Arbeitsteilung zwischen Partei und Gewerkschaft). Ein weiteres und damit zusammenhängendes Problem: Viele sehen die  FAU als ein Projekt von Anarchisten, obwohl der Syndikalismus in Deutschland zuerst mit der SPD verknüpft war. Die anarchistischen und syndikalistischen Theorien, die definitiv innerhalb der FAU im Umlauf sind, sind nicht sehr produktiv, haben enge Grenzen und drohen ein Hemmschuh zu werden.
Grüße Ferragus

Kuddel

Zitat von: Ferragus am 13:31:40 Mi. 22.April 2020
Die anarchistischen und syndikalistischen Theorien, die definitiv innerhalb der FAU im Umlauf sind, sind nicht sehr produktiv, haben enge Grenzen und drohen ein Hemmschuh zu werden.

Die polnische Basisgewerkschaft IP (Inicjatywa Pracownicza) begann auf Basis dieser Theorien, doch in ihrer gewerkschaftlichen Praxis verließen die diesen dogmatischen Weg und bezeichnen heute ihre Arbeit als "von Anarchosysndikalistischen Ideen inspiriert".

Ich bin beeindruckt von dem Engagement der FAU im Arbeitskampf am Bornheimer Spargelhof Ritter. Es ist also bei der FAU noch nicht Hopfen und Malz verloren.

Kuddel

ZitatBasisgewerkschaften rufen zu Streik- und Aktionstagen auf

Die Ver­ei­ni­gung der Basis­ge­werk­schaf­ten (USB) hat für den 20., 21. und den heu­ti­gen 22. Mai zu natio­na­len Akti­ons- und Streik­ta­gen auf­ge­ru­fen. Am 20. Mai jähr­te sich der Beschluss des Geset­zes zum Schutz der Arbei­ten­den zum 50. Mal. Am 21. Mai rief USB zu einem lan­des­wei­ten Streik der Ern­te­hel­fer und Land­ar­bei­ter auf, am 22. Mai zu einem Streik im Ver­sor­gungs­sek­tor für den Schutz der Gesund­heit am Arbeits­platz.


Ita­li­en. Am 20. Mai 1970 wur­de in das Gesetz zum Schutz der Arbei­ten­den (sta­tu­to dei lavora­ti) beschlos­sen. Die Ver­ei­ni­gung des Basis­ge­werk­schaf­ten (USB) in Ita­li­en erklär­te, dass Jubi­lä­en wie die­se immer ein Zeug­nis ver­gan­ge­ner Kon­flik­te sind. Das sta­tu­to dei lavora­ti ist eine Moment­auf­nah­me des dama­li­gen Kräf­te­ver­hält­nis­ses im Klas­sen­kampf. USB warnt vor den Debat­ten um ein neu­es sta­tu­to dei lavora­ti im Rah­men eines neu­en Sozi­al­pak­tes, viel­mehr müss­te das bestehen­de als Aus­gangs­punkt für wei­te­re Kämp­fe für die Rech­te, Ein­kom­men, Sicher­heit und Garan­ti­en der arbei­ten­den Men­schen genutzt wer­den.

Die Ver­ei­ni­gung der Basis­ge­werk­schaf­ten rief für den 20. Mai unter der Losung ,,Lasst uns die Rech­te neu bele­ben" zur ita­li­en­wei­ten Mobi­li­sie­rung auf, um den Blick­win­kel auf den soge­nann­ten neu­en Sozi­al­pakt zu ver­än­dern. Zu zei­gen, dass die­ser im Inter­es­se der EU und des ita­lie­ni­schen Arbeit­ge­ber­ver­ban­des (Con­fin­dus­tria) eine ver­stärk­te Aus­beu­tung, eine Sen­kung der Schutz­maß­nah­men, einen schar­fen Wett­be­werb und sozia­le Aus­gren­zung bedeu­tet. Ver­hin­dern lässt sich das nur durch eine Ver­än­de­rung des Kräf­te­ver­hält­nis­ses im Klas­sen­kampf in Ita­li­en, so die USB.

Aus die­sem Grund rief die Ver­ei­ni­gung der Basis­ge­werk­schaf­ten für den gest­ri­gen 21. Mai zum ita­li­en­wei­ten Streik der Tage­löh­ner auf. Die USB Land­wirt­schaft berich­tet ita­li­en­weit davon, dass ver­las­se­ne Fel­der zu sehen waren, eben­so wie Soli­da­ri­tät von Bau­ern, die ihre Trak­to­ren abstell­ten, und Ver­brau­cher, die die Lkw anhiel­ten und den Streik unter­stütz­ten. Die USB erklär­te die Ableh­nung des soge­nann­ten ,,Decre­to Rilan­cio", da es sich nicht um Men­schen küm­mert, son­dern sie ledig­lich als Werk­zeug zur Ret­tung der Ern­te betrach­tet. Sie macht die Land­ar­bei­te­rin­nen und Land­ar­bei­ter in der Gesell­schaft unsicht­bar und mar­gi­na­li­siert, wie das auch mit Logis­tik­ar­bei­te­rin­nen und ‑arbei­tern, Pfle­gen­den und vie­len ande­ren gesche­hen ist. Men­schen, die ille­gal auf den Fel­dern arbei­ten, ver­wei­gert die Regie­rung eine Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung und Arbeits­er­laub­nis, statt­des­sen gibt es nur stark befris­te­te und mit stren­gen Auf­la­gen ver­bun­de­ne Arbeits­er­laub­nis­se. Dies ist die Fort­set­zung der sal­vi­ni­schen Sicher­heits­de­kre­te, die noch immer in Kraft sind und unsicht­ba­re Fabri­ken, in denen ille­ga­le ohne Rech­te und Schutz arbei­ten, geschaf­fen, kri­ti­siert die USB.

Für den heu­ti­gen 22. Mai ruft die Ver­ei­ni­gung der Basis­ge­werk­schaf­ten zu einem zwei­stün­di­gen Hygie­nest­reik auf. Anlass ist das Vor­ge­hen der ita­lie­ni­schen Garan­tie­kom­mis­si­on, die zwi­schen Arbeit und Kapi­tal ver­mit­teln soll, gegen Arbei­ter, die die Arbeit ver­wei­ger­ten auf Grund feh­len­der Schutz­aus­rüs­tung und sani­tä­rer Ein­rich­tun­gen. Para­do­xer­wei­se kam die Garan­tie­kom­mis­si­on im Vor­feld des heu­ti­gen Streiks nicht umhin, ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren gegen die Arbeit­ge­ber­ver­bän­de ein­zu­lei­ten, da die­se nicht zu einem Schlich­tungs­ge­spräch beim Arbeits­mi­nis­te­ri­um erschie­nen mit der Begrün­dung, dass sie die USB nicht als Gesprächs­part­ner aner­ken­nen wür­den. Die Kom­mis­si­on ergriff aller­dings erst Maß­nah­men gegen die Arbeit­ge­ber­ver­bän­de, nach­dem USB eine Beschwer­de bei der Regie­rung, dem Prä­si­den­ten des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses und des Senats ein­ge­reicht hat­te. Die USB ruft heu­te in jedem Fall zu einem zwei­stün­di­gen Streik am Ende jeder Schicht gegen die Schi­ka­nen und die Ver­nach­läs­si­gung der Gesund­heit der Beschäf­tig­ten auf, aber vor allem gegen die Natio­na­le Garan­tie­kom­mis­si­on, die die Unter­neh­men immer ver­tei­digt hat, nie gegen sie vor­ge­gan­gen ist, aber immer bereit war, die Gewerk­schaft und die Beschäf­tig­ten zu bestra­fen.
https://www.redglobe.de/europa/italien/76278-italien-basisgewerkschaften-rufen-zu-streik-und-aktionstagen-auf

Kuddel

Neben der vorbildlichen Unterstützung der rumänischen ErntearbeiterInnen eines Spargelhofs in Bornheim (bei Bonn), ist die FAU auch im Bereich der Leiharbeit umtriebig:

ZitatDas Arbeitsgericht Kaiserslautern hat heute entschieden, den Fall eines ehemaligen Leiharbeiters, der gegen seine schlechtere Bezahlung geklagt hatte, dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorzulegen. Der Leiharbeiter, ein Mitglied der Freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU) Kaiserslautern, hatte für seine Tätigkeiten in der Entsorgung 4€ in der Stunde weniger bezahlt bekommen als fest angestellte Kollegen, und nach einigen Monaten Klage dagegen eingelegt.(...)Der Fall aus Kaiserslautern ist der erste, bei dem eine Vorlage an den EuGH erreicht wurde.
https://pfalzsaar.fau.org/2020/05/26/wichtiger-etappensieg-bei-leiharbeitsklage/

ZitatDer EuGH muss jetzt entscheiden, ob die deutsche Rechtslage, die die systematische Unterbezahlung von Leiharbeitern ermöglicht, Bestand haben kann. "Das heutige Ergebnis vor dem Arbeitsgericht ist ein wichtiger Schritt," freut sich David Jung, Pressesprecher der FAU Kaiserslautern. "Wir sind der Ansicht, dass innerhalb eines Betriebes der Grundsatz 'Gleiche Arbeit - Gleicher Lohn' gelten muss. Wir hoffen, dass der EuGH unserer Argumentation folgt und der Ausbeutung durch Leiharbeit in Deutschland einen Riegel vorschiebt."
Zufrieden äußerte sich im Anschlus auch Thomas Backes, der Anwalt des Klägers: "Das ist ein wichtiger Etappensieg. Der EuGH wird jetzt entscheiden, ob das deutsche System der Ausbeutung der Leiharbeiter weiter aufrecht erhalten bleibt oder ob das auf europäischer Ebene nicht mehr haltbar ist."
https://www.wochenblatt-reporter.de/kaiserslautern/c-lokales/arbeitsgericht-legt-fall-dem-eugh-vor_a200149

ZitatDer Kläger gehört überdies zu einer kleinen Gewerkschaft, die das bestehende Wirtschaftssystem nicht als Sozialpartner mittragen will. (...) Manchmal gibt´s auch im politischen Leben Grund zur Freude.
Kommentar von Prof. Dr. Wolfgang Däubler vom 26. Mai 2020

Hut ab! Die FAU könnte sich tatsächlich zu einer kleinen, aber ernstzunehmenden Gewerkschaft entwickeln.

Ferragus

Eine erfreuliche Entwicklung: Auch in Leipzig gibts jetzt ein Gewerkschaftslokal der FAU, welches als Anlaufpunkt für Basisarbeit dienen kann und in die Nachbarschaft hineinwirkt.

https://leipzig.fau.org/fau-leipzig-eroeffnet-erfolgreich-neues-lokal-in-der-breiten-strasse/

Kuddel

Die Verschissenheit der Zustande ist allgegenwärtig.
Corona- und Klimakrise sind das Resultat kapitalistischen wirtschaftens. Die Soziale Spaltung gewinnt an Dynamik. Die Verarmung ist nicht nur relativ, sondern real und jenseits jeglicher Schmerzgrenzen. Es gibt die Verarmungstendenzen innerhalb dieser Gesellschaft, aber auch weltweit unter den Staaten.

Die Reichen werden immer reicher.
Das ist keine Welt, die "immer komplexer" wird, so daß man sie nicht mehr versteht. Es ist so simpel und offensichtlich, daß jeder Idiot sehen kann, wo das zentrale Problem liegt.

Die einzig denkbare Antwort ist der Klassenkampf, die Notwehr der einfachen Menschen gegen die Reichen und Mächtigen, der Kampf von unten gegen oben.

Kämpfe können sich entwickeln als Unruhen und Auftstände, aber auch in massenhaften Arbeitsniederlegungen. Letzteres träfe den Kapitalismus ins Mark.

Darum würden die Gewerkschaften sich kümmern, meint man meist. Die Realität ist jedoch, daß die sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften auf diese Auseinandersetzung nicht vorbereitet sind, sie haben auch keinerlei Interesse an massenhaften Arbeitsniederlegungen. Sie wollen die Wirtschaft gegen die Internationale Konukurrenz schützen. Sie haben sich zu Handlangern der Wirtschaft gemacht und vertreten nicht die Interessen ihrer Mitglieder.

Für mich ist die Idee der Basisgewerkschaften eine logische Konsequenz daraus. Deshalb frage ich mich, wieso sie hierzulande so wenig funktionieren. Es geht nicht allein um die Mitgliederzahlen. Die FAU ist klein, die IWW winzig. Man hat nicht nur organisatorisch wenig Potential, auch die Strahlkraft auf die Ausgebeuteten jenseits der linken Subkultur ist minimal. Das gibt man inzwischen zu und es wird diskutiert.

Es gibt auch den kritischen Blick auf die linke Szene:
ZitatDiese Verfasstheit der radikalen Linken verwundert um so weniger, wenn wir bedenken, dass die Träger_innen dieser Bewegungen in den letzten Jahrzehnten immer stärker von Menschen mit hohem kulturellen, ökonomischen und/oder sozialen Kapital geprägt wurden, sich also immer stärker von den ärmsten Teilen der Bevölkerung entfremdet und damit selbst einerseits Privilegien zu verlieren haben und andererseits weniger Leidensdruck für die Schaffung materialistischer Strukturen ausgesetzt sind.

Revolutionäre Prozesse wurden in der bisherigen Geschichte jedoch von stark benachteiligten und eben nicht von relativ behüteten Gesellschaftsteilen angestoßen.
https://direkteaktion.org/anarchismus-ohne-anarchist_innen/

Trotz allem zieht man sich in dem zitierten Artikel auf dogmatische Vorstellungen zurück und fragt
ZitatAnarchismus ohne Anarchist_innen?

als fürchte man den Verlust des politischen Strohhalms, an dem man sich festhält.
Erst einmal muß man einen Klassenkampf mit basisdemokratischen Strukturen aufbauen und vorantreiben. Dazu müssen die Unterschichten, die Ausgebeuteten organisiert und in Kämpfe geführt werden und diese einfachen Leute sind nicht unbedingst "links" oder "politisch bewußt". Erst wenn diese Menschen zusammen sind und gemeinsam handeln und kämpfen, kann man mit ihnen politisch diskutieren. Es ist idiotisch, diese Leute mit dem Politigequatsche bereits im Vorfeld abzuschrecken.

Ferragus

was deine Frage angeht, warum die politischen Gewerkschaften sich so zaghaft entwickeln. ein Bündel aus Ursachen wirkt zusammen - Passivität, Entpolitisierung und Bequemlichkeit der Ausgebeuteten sind nur einige davon, besonders lästig ist der Teufelskreis und das faule Argument: Ihr (FAU und andere) seit noch so klein, aber wenn ihr größer wärt, würde wir euch beitreten und unterstützen.Ohne eine Zuwachs in den Mitgliederzahlen ist aber nur eine sehr beschränkte Form von gewerkschaftlichem Kampf möglich und zudem ist es dann schwer sich anderen Ausgebeuteten bemerkbar zu machen . 
Es gibt leider einen Mangel an armen Leuten in diesem Land, die für eine Organisation und das politische Ziel von einer Welt ohne Ausbeutung eintreten wollen, auch wenn noch keine große Majorität hinter ihr steht und sie notwendig den Eindruck einer kleinen Sekte macht. Von den Linken Wirrköpfen und Spießern, die sich dort eben auch herumtreiben, darf man sich nicht beirren lassen.

Kuddel

Ein Text aus der Direkten Aktion:

ZitatSelten werden die Mitgliederzahlen der deutschen Gewerkschaft so interessant sein wie dieses Jahr. Der DGB veröffentlicht diese auf seiner Internetpräsenz am Anfang des Jahres.[1] Für einige Einzelgewerkschaften, welche in 2020 keine große Tarifrunde hatten, könnte es doch herbe Mitgliederrückgänge bedeuten. Schon in den letzten Jahren hatten die Gewerkschaften im verarbeitenden Gewerbe mit Verlusten zu kämpfen.

Die FAU hingegen kann weiterhin einen jährlichen Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich verbuchen. Insbesondere in den Hochburgen wie Berlin, Hannover, Dresden, Jena, Leipzig und Duisburg vervielfachte sich der Mitgliederbestand im letzten Jahrzehnt.

Auch wenn das Corona-Jahr die Aktiven vor eine besondere Herausforderung stellte, kamen es zu kleinen und einigen großen Aktionen. So musste der jährliche Kongress komplett digital organisiert werden. Auch die meisten Gruppen haben größtenteils per Telefon und mit Hilfe von verschiedenen Online-Tools ihren Organisationsalltag bewältigt.
Arbeitskampf in der Pandemie

Ausgebeutet wird auch in der Pandemie. Insbesondere in Schlachthöfen und auf Spargelfeldern herrschen nach wie vor feudale Bedingungen für migrantische Beschäftigte. Doch Widerstand lässt sich auch unter solchen Zuständen organisieren. Mitte Mai 2020 traten etwa 200 Erntearbeiter*innen des Spargel- & Erdbeerhofs Ritter in Bornheim bei Bonn in den Streik. Der von einer Anwaltskanzlei verwaltete insolvente Betrieb entschied sich, die meist rumänischen Beschäftigten auf die Straße zu setzen, wobei noch Löhne ausstanden. Die FAU Bonn konnte dennoch Paroli bieten. Dadurch konnte verhindert werden, dass die Arbeiter*innen selbst unter Druck gerieten Aufhebungsverträge zu unterzeichnen. In der Güteverhandlung wurde auf die Benachteiligung i.S.d. Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) verwiesen. Der Spargelhof Ritter hatte in einem auf YouTube veröffentlichten Interview ein Entgelt von 10,- EUR netto angeboten. Dieses Entgelt sei auch mit aus Deutschland stammenden Arbeitnehmern entsprechend vereinbart worden. Hingegen seien die rumänischen Erntehelfer geringer entlohnt worden. Der Fall könnte mit einer außergerichtlichen Einigung enden, wodurch die Beschäftigten demnächst noch an einen Teil ihrer Löhne kämen.[2] Der Fall wurde bereits in einer Arte-Dokumentation behandelt als beispielhafte Ausbeutung von migrantischen Arbeiter*innen.[3] Ebenso besprochen wurde der Arbeitskampf im Ökonomie-Podcast ,,Wohlstand für Alle" von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt und zitieren dabei FAU-Sprecher Erik Hagedorn.[4]

Ebenfalls Ärger gab es beim Getränkelieferanten Durstexpress in Leipzig. Die Schichten sollten um 50 Prozent gekürzt werden, wodurch Beschäftigten in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht wären. Willkürliche Arbeitszeitpolitik ist in der Logistik keine Seltenheit. So schließen Unternehmen Arbeitsverträge auf Basis von Teilzeit ab. Bei Wohlgefallen kann dann die Arbeitszeit erhöht werden. Nach einem Bericht des MDR-Magazin Exakt gab es ferner bei Durstexpress (Teil des Oetker-Konzerns) Unregelmäßigkeiten bei der Auszahlungen von Löhnen.[5] Der zuständige Aktivist der FAU Leipzig äußert sich auf Presseanfragen dazu: ,,Das Modell Frustexpress darf nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer weiter Schule machen".[6] Die lokale Gruppe der FAU plant dazu eine Kampagne. Nebenher kämpft die Gewerkschaft in Leipzig für ausstehende Löhne in der Gastronomie, welche ihren Mitgliedern vorenthalten werden.

Unterstützend wirkte die FAU über die neugegründete Dachorganisation der Internationalen Konföderation der Arbeiter*innen (IKA). Es ging um die im März entlassenen Arbeiter*innen der Dragon Sweater Fabrik in Dhaka (Bangladesch). Ausstehende Löhne und Abfindungen wurden ihnen nicht gezahlt. Nicht zum ersten Mal wurde hier die befreundete Gewerkschaft GWTUC (Garment Workers' Trade Union Center) aktiv. Nach monatelangen Protesten und internationalen Solidaritätsaktionen zahlten die Eigentümer von zwei großen Bekleidungsfabriken endlich ausstehende Entgelte und Abfindungen.

In der Vergangenheit kam die FAU bei ihren Auseinandersetzungen ab und an in Kontakt mit dem DGB-Apparat wie etwa im Fall Kino Babylon. Dies war in den letzten Auseinandersetzungen nicht mehr zu spüren. Das Feld der Konflikte in der Arbeitswelt ist auch in Deutschland so bereit, dass sich die Einheitsgewerkschaften und der Anarchosyndikalismus nicht zwangsläufig in die Quere kommen müssen.
https://direkteaktion.org/kein-zeichen-von-stillstand/

Ich bin gespannt, ob es gelingt, sich von einer linken (Szene-) Organisation zu einer relevanten Kraft in der Klassenauseinandersetzung zu entwickeln.

Kuddel

ZitatVom 22.-24.5.21 fand online der 45. Bundeskongress der FAU statt. Delegierte aus den derzeit 31 Syndikaten der Gewerkschaft haben dabei Weichen für den weiteren Ausbau gelegt, nachdem in der Pandemie die Zahl der Mitglieder erneut um mehr als 20% gewachsen ist.
(Twitter)

Aha, jetzt steigen also wieder die Mitgliederzahlen. Mal sehen, ob die Mitglieder auch länger bleiben. Ich mußte oft beobachten, daß die FAU ein Durchlauferhitzer war und interne Streitereien und Frust dazu führten, daß die Mitglieder nicht lange in der Gewerkschaft blieben.

Ich habe auch den Eindruck, daß es bei der FAU auch mit der Praxis ein wenig voran geht. Man kümmert sich tatsächlich mehr um Betriebsarbeit.

Ich habe weiterhin die Kritik an der FAU, daß sie sich fast ausschließlich um prekäre Arbeit kümmert. Die Gewerkschaft hat in Großbetrieben nicht nur keinen Fuß in der Tür, sie versucht es nicht einmal. Dort hat weiterhin die IGM das Monopol mit ihrer beschissenen Sozialpartnerschaft. Der einzige Versuch von links, in den Großbetrieben Fuß zu fassen, kommt meines Wissens nach von der MLPD.

Ich würde gern Meinungen dazu aus dem Inneren der FAU (und der Wobblies) hören.

Kuddel

Zitat»Wir haben keine Hauptamtlichen«
Basisgewerkschaft FAU hielt jüngst 45. Bundeskongress ab. Debatte um weiteren Strukturaufbau stand im Mittelpunkt.
https://www.jungewelt.de/artikel/403490.syndikalismus-wir-haben-keine-hauptamtlichen.html

Kuddel

Mir gefallen von den europäischen Basisgewerkschaften die IP ("Arbeiterinitiative") in Polen und die SI Cobas in Italien am besten.

Zwei Videos aus Polen (zumindest reinklicken für einen Eindruck):

Polizei nimmt Gewerkschafter der "Arbeiterinitiative" auf dem Weg zum Frauenstreik fest


https://youtu.be/M4IAJ6Qstso

Am 30. Oktober nahm die Polizei Gewerkschafter der "Arbeiterinitiative" auf der Autobahn A2 auf dem Weg zur Demonstration für den Zugang zu legaler und kostenloser Abtreibung in Warschau fest.


Fünf Polizeiautos und ein Dutzend Polizeibeamte waren an der Verhaftung von fünf Gewerkschaftern beteiligt (darunter zwei Vertreter des Nationalen Ausschusses der Gewerkschaft und drei Mitglieder des gewerkschaftsübergreifenden Ausschusses in Poznań). Die uniformierten Dienste setzten neben den Verkehrs- und Präventionseinheiten auch einen Hubschrauber ein, um die Gewerkschaftsautos auf der Autobahn aufzuspüren.

Insgesamt wurde das Fahrzeug an diesem Tag 3 Mal angehalten. Bei der ersten Kontrolle schrieb die Polizei alle Personen auf, die sich darin befanden, und bei der zweiten Kontrolle durchsuchten sie den Kofferraum und kontrollierten die Transparente (auf denen stand: Sozialer Frauenkongress!). Bei der dritten Kontrolle zerrte die Polizei die Mitglieder des Nationalen Komitees und des Überbetrieblichen Komitees Poznań ohne Angabe von Gründen gewaltsam aus dem Auto und fesselte sie in der Mitte der Ringstraße in Handschellen. Eine Frau wurde sofort auf den Asphalt geschleudert. Sie wurden alle auf die Polizeistation in Pruszków gebracht.

Die Polizisten sprachen untereinander von einer "Präventivhaft", aber keine der festgenommenen Personen wurde befragt, gegen niemanden wurde Anklage erhoben, nach einer gründlichen Durchsuchung des Autos wurden keine illegalen oder gefährlichen Gegenstände gefunden, und keine der Personen erhielt ein Festnahmeprotokoll. Unsere Kollegen wurden ca. 3 Stunden lang auf der Polizeiwache festgehalten. Alle Personen wurden mit einem Atemalkoholtest getestet und der Fahrer wurde zusätzlich mit einem Narkotest getestet. Sie waren alle nüchtern.

Nach ihrer Freilassung schlossen sich die Gefangenen dem Protest in Warschau an.
Wir werden eine offizielle Beschwerde gegen die Handlungen dieser Beamten einreichen, und wir werden auch eine Entschädigung für die ungerechtfertigte Inhaftierung verlangen.

Frauenstreik!
Schluss mit der Straflosigkeit der Polizei!
Keine Repressionen mehr für gewerkschaftliche Aktivitäten!




Kein Wasser ohne Vertrag! Protest der Arbeiter der Wasserwerke von Bydgoszcz


https://youtu.be/XRm7YE2KPAk

Das im Wasserwerk Bydgoszcz tätige Komitee der Arbeiterinitiative kämpft für einen neuen Tarifvertrag. Am 16. Oktober 2019 fand eine gemeinsam von der Arbeiterinitiative und der Solidarność organisierte Protestmahnwache vor dem Hauptsitz der Städtischen Wasserwerke und Abwasseranlagen in Bydgoszcz statt.



Ich bin beeindruckt, daß es dieser Basisgewerkschaft gelungen ist, nicht nur eine linke Organisatuion zu sein, sondern von normalen ArbeiterInnen als Kampforganisation anerkannt und genutzt wird. Das "heraus aus den Szeneghetto" hat eindeutig geklappt.



Kuddel

Die Aktivitäten der FAU finde ich zur Zeit vielversprechend.

ZitatVerhandlungen im Konflikt mit der Zimmerei Steiger & Riesterer GmbH ohne Einigung / Spontane Kundgebung vor dem Betrieb in Staufen

Die Verhandlungen mit dem Geschäftsführer der Zimmerei Steiger & Riesterer über die noch ausstehende Vergütung eines FAU Mitgliedes wurden ergebnislos beendet. Als Reaktion führten einige Aktive der Basisgewerkschaft FAU eine spontane Kundgebung vor dem Betrieb in Staufen durch. Die FAU Freiburg kündigt weitere Aktionen an.


https://freiburg.fau.org/2021/06/16/verhandlungen-im-konflikt-mit-der-zimmerei-steiger-riesterer-gmbh-ohne-einigung-spontane-kundgebung-vor-dem-betrieb-in-staufen/

Vielleicht entwickelt sich gerade aus einer guten Idee eine handlungsfähige Gewerkschaft.

Kuddel

In Polen hatte die Polizei Gewerkschafter*innen der »IP« durch Festnahmen an der Teilnahme am #strajkkobiet [Prozeß gegen Zofia Nierodzinska in Poznan. Sie steht vor Gericht, weil sie während der Massenprotest gegen das Abtreibungsverbot 3 Eier gegen eine Kirche geworfen hat. Keine Öffentlichkeit zugelassen/Presse wird nicht reingelassen.] gehindert.



Ein Gericht hat das für rechtswidrig erklärt. Das Disziplinarverfahren gegen die Polizisten wurde dennoch eingestellt.

Kuddel


Fritz Linow

Ganz lustiger Bericht über die FAU, Lieferdienste, prekäre Scheiße, hilflose DGB-Gewerkschaften, groteske CDUler und hoffentlich nicht nur linken Modetrend ab Minute 16:

https://www.mdr.de/tv/programm/sendung937242.html

Kuddel

Schöner Beitrag.
Ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, daß die FAU sich zu einer brauchbaren Gewerkschaft entwickelt.

Ferragus

Abwarten und die nicht die bedeutenden regionalen Unterschiede vergessen! Ich sehe sie immer noch in einem Übergangsstadium zwischen politischer Gruppe und Gewerkschaft. Außerdem muss man sie doch auch an ihrem eigenen Anspruch messen: eine organisatorische Vereinigung von politischen Kampf um gesellschaftliche Fernziele und gewerkschaftlichem Tageskampf um bessere Arbeitsbedingungen zu sein. Diese erst herzustellende Einheit ist ne harte Nuss. Ein bisschen Arbeitskampf, entsprechende Beratung und verbindliche Organisierung ist mittlerweile möglich, aber auch nicht alles.

ManOfConstantSorrow

Wenn Basisgewerkschaften sich zu einer ernstzunehmenden Kraft entwickeln:

ZitatItalien: Basisgewerkschaften rufen zu eintägigem Generalstreik am 11. Oktober auf

In Italien rufen die Basisgewerkschaften für den 11. Oktober zu einem eintägigen Generalstreik im ganzen Land auf. Grund dafür sind Sozialabbau, Arbeitslosigkeit und die Politik der Draghi-Regierung und der EU.


Eine Reihe italienischer Basisgewerkschaften, darunter die ,,Confederazione Unitaria di Base" (CUB) und die ,,Confederazione COBAS", haben für den 11. Oktober zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. Dieser richtet sich ,,gegen die Politik der Draghi-Regierung und der Europäischen Union". Deren politisches Programm machen die Basisgewerkschaften für ein ,,gigantisches soziales Gemetzel" an der Arbeiter:innenklasse – unter anderem in Form von hunderttausenden Entlassungen – verantwortlich.

,,Diese Offensive von Regierungen und Bossen geht einher mit einer unerträglichen Eskalation der Repression gegen Streiks und soziale Kämpfe, die in den letzten Wochen immer wieder zu Gewalt und Angriffen gegen Arbeitnehmer und Gewerkschaftsaktivisten geführt hat", heißt es weiter in einer am 12. August unterzeichneten Mitteilung. Tragischer Höhepunkt dieser Offensive war der Tod des Arbeiters Adil Beakhdim von der Gewerkschaft ,,SI COBAS", der bei einem Streik der LIDL-Logistik von einem Streikbrecher getötet worden war.

Den etablierten Gewerkschaftsverbänden CGIL, CISL und UIL werfen die Basisgewerkschaften in einem Aufruf Komplizenschaft bei der Durchsetzung der Entlassungen vor.

Zu den Forderungen der Arbeiter:innen, die mit dem Generalstreik durchgesetzt werden sollen, zählen unter anderem:

  • Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohnausgleich
  • Lohnerhöhungen und Schutz vor Reallohnsenkungen durch Inflation
  • Ein garantiertes Einkommen für Arbeitslose und ein einheitliches Sozialversicherungssystem
  • Überwindung von Outsourcing und Lohndumping
  • Beendigung der weitreichenden Privatisierungen im öffentlichen Bereich in Italien und Wiederaufnahme staatlicher Investitionen, zum Beispiel im Bereich der Schulen
  • Aufhebung repressiver Gesetze, die das Streikrecht und die Arbeit der Basisgewerkschaften einschränken
  • Bessere Arbeitssicherheit und Schutz von Wanderarbeiter:innen
  • Gleicher Lohn für Frauen und komplette Gleichstellung der Geschlechter in Betrieb und Gesellschaft
  • Umweltschutz

Zudem rufen die Gewerkschaften zum Kampf gegen den G20-Gipfel in Rom Ende Oktober 2021 auf und sprechen sich für die internationale Solidarität der Arbeiter:innenklasse aus.
https://perspektive-online.net/2021/08/italien-basisgewerkschaften-rufen-zu-eintaegigem-generalstreik-am-11-oktober-auf/

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

In Bezug auf Basisgewerkschaften sollte man nicht nur nach Italien blicken, auch Polen bleibt spannend:

ZitatMedizinische Fachkräfte treten der OZZ Inicjatywa Pracownicza (Gewerkschaftliche Arbeiter:inneninitiative) bei



Die Gründungssitzung der gewerkschaftsübergreifenden Kommission der OZZ Inicjatywa Pracownicza Opiekunów Medycznych fand am 1. September dieses Jahres in Poznań statt. Die neue IP-Struktur vereint Personen, die in staatlichen und privaten Einrichtungen in der Pflege tätig sind.

Die Gründer erklären, dass die Organisation allen Personen offen steht, die über ein Diplom verfügen, das ihre berufliche Qualifikation im Beruf des medizinischen Pflegepersonals bestätigt, unabhängig davon, ob sie in sozialen Einrichtungen (DPS) oder im Gesundheitswesen (in Krankenhäusern, Hospizen, ZOLs, ZPUs) arbeiten.

"Unsere Organisation wurde gegründet, um medizinisches Pflegepersonal im Kampf für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, klare Beschäftigungsregeln für medizinisches Pflegepersonal sowie für die Förderung dieses Berufs zu vereinen."
(...)
https://ozzip.pl/informacje/ogolnopolskie/item/2814-opiekunowie-medyczni-dolaczaja-do-ozzip

Kuddel

SAC Schweden
ZitatSveriges Arbetares Centralorganisation (SAC) ist eine schwedische, syndikalistische Gewerkschaft mit anarcho-syndikalistischen Wurzeln. Sie wurde 1910 durch Arbeiter gebildet, die mit der Organisation und der Politik des schwedischen Gewerkschaftsbundes LO unzufrieden waren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sveriges_Arbetares_Centralorganisation

ZitatDIE BESCHÄFTIGTEN IM ZALANDO-LAGER FORDERN EINEN EIGENEN TARIFVERTRAG!

"Beschäftigte von Personaldienstleistern werden wie Sklaven behandelt" - "Wir dürfen uns nicht hinsetzen und die Beine ausruhen" - "Wenn wir Nein sagen, droht uns die Entlassung" - "Wenn wir uns verletzen, werden wir mit schwerer Arbeit bestraft". Im Lager des E-Commerce-Riesen Zalando haben mehr als hundert Beschäftigte eine eigene Gewerkschaft gegründet, um gegen die Arbeitsbedingungen zu protestieren. Am Samstag, den 3. Juli, meldeten sich fünfzehn Beschäftigte in der Zeitung Expressen zu Wort und bezeugten, was sie für moderne Sklaverei halten - oder "das neue schwedische Modell". Jetzt fordern sie ihren eigenen Tarifvertrag.

2017 eröffnete Zalando ein Lager in Brunna, im Norden Stockholms. Das Lager wird von der Ingram Micro Nordic Services AB betrieben, die auch Arbeiter beschäftigt, die hauptsächlich für die Kommissionierung und Verpackung zuständig sind.

Im Winter 2019 schlugen die Beschäftigten in der Zeitung Aftonbladet Alarm und berichteten über die schrecklichen Bedingungen am Arbeitsplatz. Kurz nach der Veröffentlichung des Artikels gründeten die Beschäftigten ihre eigene Gewerkschaft ZADS (auf Schwedisch: Zalandoarbetares driftsektion) innerhalb der Gewerkschaft SAC Syndikalisterna. Heute ist die ZADS die größte Gewerkschaft im Betrieb und hat die Mehrheit der Festangestellten als Mitglieder.
https://www.sac.se/Aktuellt/ZADS/In-English


ZitatDas streng überwachte riesige Lagerhaus in Upplands-Bro beschäftigt überwiegend Migranten (viele Füchtlinge) und hat Vereinbarungen mit zwei dem LO-Verband angeschlossenen Betriebsgewerkschaften ("Transport" und "Handel") unterzeichnet. Die beiden "Gewerkschaften" sind am Arbeitsplatz kaum präsent und unternehmen nichts, um die Vereinbarung durchzusetzen oder sich um Gesundheits- und Sicherheitsbelange zu kümmern. Da die meisten Festangestellten der SAC angehören, verteilen "Handels"-Vertreter Flugblätter, in denen sie die Beschäftigten auffordern, gehorsame Lohnsklaven zu sein: "Kein Streik, sagt "Handel"! ... Wenn du streikst, kannst du deinen Job verlieren und das Unternehmen kann dich verklagen".

Am 3. Juni veröffentlichte die schwedische Zeitung Expressen einen Untersuchungsbericht, in dem unsichere Arbeitsbedingungen, hohe Produktionsquoten und sexuelle Belästigung in dem vom Subunternehmer Ingram Micro betriebenen Lager in Upplands-Bro dokumentiert wurden.

Eine Arbeiterin sagte der Zeitung, sie habe es satt, wie eine Maschine behandelt zu werden, sie habe es satt zu sehen, wie Kollegen bei der Arbeit verletzt werden, und sie habe es satt, dass Arbeiter, die den Job brauchen, um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, wenige Tage, bevor sie fest angestellt werden sollen, entlassen werden. Zalando stützt sich auf vier Personalvermittlungsagenturen und Samhall (ein Unternehmen, das Arbeitnehmer mit Behinderungen ausbeutet), um einen ständigen Strom von Zeitarbeitern in das Lager zu bekommen.

Viele Arbeiter haben gegen diese Bedingungen rebelliert und ihre eigene Sektion (Zads) der schwedischen Kampfgewerkschaft SAC gegründet.

"Ich habe Bangladesch auf der Suche nach einem besseren Leben verlassen, bin aber in einem Unternehmen gelandet, das seine Mitarbeiter genauso behandelt wie dort", so Tushar Miaji gegenüber Expressen. Er arbeitet in der Verpackungsabteilung, wo er 92 Pakete pro Stunde verpacken muss. "Das ist eigentlich nicht möglich. Aber wir werden dazu gezwungen." Die Vorgesetzten haben ihm gedroht, ihn zu entlassen, weil er sich SAC angeschlossen hat, aber er ist entschlossen, die Bedingungen zu ändern.

Ingram Micro beharrt darauf, dass die Bedingungen gut sind und dass SAC eine "Markenschädigung" betreibt(...).

Die "Transport"-LO-Vertreterin Nina Broman Costa stimmt dem zu. "Wir arbeiten gut mit dem Unternehmen zusammen", sagte sie und verwies auf eine laufende Studie über ergonomische Stühle (eine Frage, die ursprünglich von SAC für schwangere Arbeitnehmerinnen aufgeworfen wurde). Die SAC stimmt zu, dass "Transport" und das Unternehmen gut miteinander auskommen. Aber solche freundschaftlichen Beziehungen haben wenig mit Gewerkschaftsarbeit zu tun und tragen nicht zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei.
https://syndicalist.us/2021/07/13/organizing-on-the-job-at-zalando/

Kuddel

Bericht aus der Schweiz über die deutsche FAU (am Ende auch über die schweizer FAU)

Zitat Basisgewerkschaft FAU
Selbstermächtigung statt Burgfrieden

Es wird wieder mehr gestreikt – und zwar gerade in Bereichen, die gewerkschaftlich als schwer zu organisieren gelten.
https://www.woz.ch/2142/basisgewerkschaft-fau/selbstermaechtigung-statt-burgfrieden

Klingt positiver, als ich die FAU sehe, doch ist in dieser Organisation in der letzten Zeit einiges in Bewegung.

Kuddel

Die IP in Polen gefällt mir und sie beeindruckt mit beachtlichen Fortschritten.
Bei uns haben die Basisgewerkschaften ihr Betätiigungsfeld hauptsächlich im Logistikbereich und in der Gastronomie.

In Polen gibt es bereits eine Basis in der Industrie (Volkswagen) und wie es scheint, nun auch bei Danfoss:



Der Streik im Danfoss-Werk Grodzisk Mazowiecki in Polen hat begonnen! Die Gewerkschaft »Arbeiterinitiative« (IP) hat für den 15.11. die 1. und 2. Schicht zudem zu einer Kundgebung aufgerufen.

BGS

ZitatArbetar Filmfestivalen // Nordic Labour Film Festival
Arbetar Filmfestivalen // Nordic Labour Film Festivall

    Program 2021

    SCHEMA 2021 // SCHEDULE 2021
    Filmprogram 2021 // Film program 2021
    Snackprogram 2021 // Talks Program 2021
    Aktiviteter & Workshops 2021 // Activities & Workshops 2021

Festival 2021

    Biljetter // Tickets
    Lokaler // Venues
    Vill du samarbeta? // Searching for collaboration?
    Lokal träff // Local meetup

Om oss // About us ...

12-14 November 2021

Tre dagar av FILMER och SAMTAL som får dig att GLÄDJAS, ILSKNA och ORGANISERA. //
Three days of FILM and TALKS that will make you LAUGH, feel ANGRY and ORGANISE.

Quelle: https://www.nlff.se/

You are welcome!

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

admin

Dort gab es wohl auch den Admin auf der Leinwand zu sehen.
Ich wurde interviewt für eine Doku, die verschiedene Projekte einer Basisorganisierung vorstellt und so konnte ich ein wenig über chefduzen reden. Der Film sollte auf dem Nordic Labour Film Festival gezeigt werden.

Kuddel

ZitatIWGB-Solidaritätstruppe begrüßt Mitstreiter im Kampf für prekär Beschäftigte und Stammbelegschaften.
   

  • Die IWGB ist bekannt für direkte Aktionen, basisdemokratische Gewerkschaftsführung und strategische Rechtsstreitigkeiten gegen Unternehmensriesen wie Uber und Deliveroo.
  • Solidarity Squad-Mitglieder werden die Arbeit der Gewerkschaft durch von Arbeitnehmern geführte Kampagnen und eine monatliche Spende unterstützen, um den Kampf für unsere Frontline zu finanzieren.
17. November: Heute startet die Independent Workers' Union of Great Britain (IWGB) ihren Solidarity Squad: ein Netzwerk von Verbündeten und Unterstützern ihres Anliegens, die Ausbeutung zu beenden und sich als führende Gewerkschaftsorganisation für prekäre und migrantische Arbeitskräfte einzusetzen.
Mitglieder der Solidarity Squad werden Teil dieser Bewegung, indem sie aktiv von Arbeitern geführte Kampagnen unterstützen und eine regelmäßige monatliche Spende von nur 3 Pfund leisten. Alle gesammelten Gelder fließen in die Interessenvertretung und Unterstützung von Arbeitern, die es am nötigsten brauchen, und geben den Ggwerkschaftlich Vertretern an der Basis die Instrumente und Unterstützung, um Gleichheit und Gerechtigkeit am Arbeitsplatz zu erreichen.

Die IWGB wurde 2012 von lateinamerikanischen Reinigungskräften in London gegründet. Heute vertritt die Gewerkschaft landesweit Tausende von überwiegend Schwarzen und Minderheiten angehörenden Arbeitern und Arbeitinnen, darunter Kuriere, Fahrradlehrerinnen und -lehrer, Beschäftigte von Wohltätigkeitsorganisationen, Yogalehrerinnen und -lehrer, Reinigungskräfte, Sicherheitsbedienstete, Beschäftigte in der Videospielbranche, Kindermädchen, Universitätsbeschäftigte, Pflegepersonal und private Mietwagenfahrer.
(...)
https://iwgb.org.uk/en/post/iwgb-solidarity-squad-welcomes-allies-to-the-fight-for-precarious-and-frontline-workers

Kuddel

In Stockholm hat sich in der Lokalföderation der SAC eine neue Bau-Sektion gegründet, die bereits über 200 Mitglieder hat.



https://direkteaktion.org/gewerkschaft-in-stockholm-gruendet-bausektion/


BGS

Gute Sache!

Zitat von: admin am 14:15:16 Mi. 17.November 2021
Dort gab es wohl auch den Admin auf der Leinwand zu sehen.
Ich wurde interviewt für eine Doku, die verschiedene Projekte einer Basisorganisierung vorstellt und so konnte ich ein wenig über chefduzen reden. Der Film sollte auf dem Nordic Labour Film Festival gezeigt werden.

War wohl in diesem Film:

TOMORROW

What if telling a story that gives hope by pointing out solutions was the best way to solve the ecological, economical and social crises that shake our world?Following the publication of a study forecasting the possible extinction of mankind by 2100, Cyril Dion and Mélanie Laurent travelled through 10 countries to understand the reasons of this upcoming catastrophe and, most of all, how to prevent it. During their journey, they met the pioneers who reinvent agriculture, energy, economy, democracy and education. By pulling together these positive, concrete and tested initiatives, they begin to see what could be the world of tomorrow.

Time/place: Saturday the 13th of November at 1 to 3 pm in Panora cimema 1.
Film info: Documentary | 118 min | Director: Cyril Dion & Mélanie Laurent | Country: France | Language: French | Subtitles: EnglishTOMORROW

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

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