Agententhriller "in echt"

Begonnen von Kuddel, 14:42:57 Di. 16.Februar 2010

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

Kuddel

ZitatAuch der Rechte Sektor spielte im Fall Babchenko mit

Boris German, der als Drahtzieher im Auftrag der russischen Geheimdienste inhaftiert wurde, will für die ukrainische Spionageabwehr gearbeitet haben und spricht von einer False-Flag-Aktion


Angeblich hat der ukrainische Geheimdienst SBU zusammen mit dem kremlkritischen russischen Journalisten Babchenko dessen heimtückische Ermordung inszeniert, um einen geplanten Anschlag auf ihn selbst zu verhindern. Damit sollte der Drahtzieher gefangen werden, der angeblich im Auftrag der russischen Geheimdienste den Killer bereits beauftragt hatte. Der sei aber umgedreht worden; am Tag nach dem Anschlag wurde der angebliche Drahtzieher namens "G" auf offener Straße unter laufender Kamera des SBU festgenommen.

Der ukrainischen Regierung, vor allem für Präsident Poroschenko, galt die Vortäuschung des Mords als großer Erfolg, der zeige, dass die Ukraine gelernt habe, sich gegen Russland zu wehren. Dass dabei auch das befreundete Ausland ebenso wie die ukrainische Öffentlichkeit getäuscht wurde und man nun allgemein vermutlich Informationen, die von der ukrainischen Regierung und vor allem vom SBU, aber auch von pro-ukrainischen Medien kommen, mit größerer Skepsis begegnen wird, liegt auf der Hand.

Das wird der politischen Führung auf die Füße fallen. Babchenko, dessen Ruf schweren Schaden erlitten hat, erklärte, er werde das Angebot annehmen, ukrainischer Staatsbürger zu werden. Ob der SBU bzw. die Regierung ihm andere Angebote für die Mitwirkung gemacht haben, ist noch nicht bekannt.

Der ukrainische Außenminister Pavlo Klimkin, der am stärksten mit dem Scherbenhaufen konfrontiert ist, hat sich schon mal abgesetzt und erklärt, er habe von dem Schauspiel nichts gewusst.

Der als Drahtzieher festgenommene Ukrainer Boris German wurde für zwei Monate in Präventivhaft genommen. Nach ersten Verhören habe er nicht genau gesagt, wer seine Auftraggeber sind. Das stört den Generalstaatsanwalt Yuriy Lutsenko wenig: "Jetzt wissen wir aus seinem Mund, dass der Befehl von russischen Geheimdiensten kam. Aber wir wissen nicht genau, wer den Befehl gegeben hat", sagte er am Donnerstagabend.

Man wisse auch nicht, welcher russische Geheimdienst den Auftrag gegeben habe, aber man werde alle beschlagnahmten Beweisstücke danach durchsuchen. Man könne auch ohne Aussage von German durch "investigative Maßnahmen" die Auftraggeber ermitteln. Das könne aber mindestens eine Woche dauern.

German hat nach seiner Darstellung für die Spionageabwehr gearbeitet

Allerdings soll der Beschuldigte vor Gericht am Donnerstag gesagt haben, er habe als ukrainischer Spionageabwehragent gehandelt. Mit der ukrainischen Spionageabwehr, eine Abteilung des SBU, habe er die Zusammenarbeit begonnen, nachdem er von einem "alten Bekannten", der in Moskau lebt und bei einer "Putin-Stiftung" arbeitet, um Unruhe in der Ukraine zu schaffen, angesprochen wurde.

Er habe dann mehr über den russischen Geldfluss, mit dem Politiker und Terrorgruppen finanziert würden, in die Ukraine herausbringen sollen. Ob der Bekannte, der Vyacheslav Pivovarkin oder Vyacheslav Pivovarnik heißen soll, der Auftraggeber für die Ermordung Babchenkos war, bleibt unklar.

Die Liste mit den 30 Personen, die in der Ukraine angeblich getötet werden sollten, sei von einer "russischen Quelle" gekommen und der Spionageabwehr übergeben worden: "Wir wussten, dass das eine False-Flag-Operation sein würde. Alles war bekannt. Aber um die Information von der russischen Quelle zu erhalten, mussten wir ihnen etwas zeigen, einen Beweis, dass wir den Job gemacht haben, um ihr Vertrauen zu gewinnen."

Und noch ein ehemaliger Priester und Mitglied des Rechten Sektors

Die Sache wird noch verworrener. Nach German hätten Spionageabwehragenten den Killjob an den Kriegsveteranen Alexey Tsymbalyuk gegeben, weil der ein Priester sei, niemand töten und direkt dem SBU alles erzählen würde.

Staatsanwalt Ruslan Kravchenko erklärte, dass Germans Darstellung seiner Arbeit für die Spionageabwehr, die eine Abteilung des SBU ist, den Beweisen, die es für den Fall gibt, widerspricht. Danach sei nämlich das Motiv des Beschuldigten klar gegeben. Man werde aber die Behauptungen überprüfen.

Alexey Tsymbalyuk oder Oleksii Tsymbaliuk nennt sich auch "Vater Aristarkh". Er war 2006 Priester in der Ukrainischen Orthodoxen Kirche geworden. Dann soll er mit der Kirche unzufrieden gewesen sein und lebte einige Zeit als Mönch, um schließlich Aktivist des Rechten Sektors zu werden, der mit den Rechtsextremen an die Front in der Ostukraine zum Kämpfen gezogen war.

Das macht die Angelegenheit noch verworrener, denn da kommen womöglich dann noch Machenschaften der Rechtsextremen dazu, die möglicherweise auch hinter den Maidan-Morden steckten.

Warum allerdings der Priesterveteran niemanden töten würde, wie German sagte, ist schleierhaft, wenn er im Donbass gekämpft hat. Glaubwürdiger klingt da schon seine eigene Darstellung, dass er dem SBU den Mordanschlag berichtet und daraufhin an der Inszenierung teilgenommen habe. Er schrieb, dass erstmalig in diesem Fall der SBU aktiv gegen die Aktionen russischer Geheimdienste geworden sei:

"Es ist großartig, dass es im SBU talentierte Angestellte gibt, denen man ganz sicher über einen Auftragsmord berichten kann ... Das sind Leute, die große Mühen auf sich nehmen, um das Leben in der Ukraine sicherer zu machen. Ich schreibe dies, ohne meine wahre Identität zu kaschieren, da es nach der Veröffentlichung der Aufnahmen, die mich bei der Vorauszahlung für den Mord an einer Person ohne Veränderung der Stimme zeigen, keinen Sinn macht."

Er werde aber in nächster Zeit nichts mehr sagen, da er eine Schweigevereinbarung unterschrieben habe. Wenn die Geldübergabe gefilmt wurde, hätte man den Drahtzieher auch ohne inszenierten Mord festnehmen könne. (Florian Rötzer)
https://www.heise.de/tp/features/Auch-der-Rechte-Sektor-spielte-im-Fall-Babchenko-mit-4063299.html

Kuddel

Die Zusammenfassung von Wikipedia:
ZitatAm 2. Oktober 2018 suchte Khashoggi das saudi-arabische Konsulat in Istanbul auf,  weil er Dokumente für seine Heirat abholen wollte. Seitdem galt er als vermisst.  Medien berichteten am 7. Oktober 2018, die türkische Polizei gehe davon aus, dass Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat ermordet oder entführt  worden sei.  Später erklärte Ibrahim Kalin, Berater des türkischen Staatspräsidenten Erdoğan, die türkische Regierung gehe davon aus, dass Khashoggi sich nicht mehr in dem Konsulat befinde. Straßenkameras hätten aufgezeichnet, wie Autos mit verdunkelten Scheiben die 200 Meter entfernte Residenz des Konsulats verließen.  Aus Saudi-Arabien seien 15 Männer eingeflogen worden, um seine Entführung oder Ermordung auszuführen.  Die regierungsnahe türkische Tageszeitung Sabah veröffentlichte eine Liste mit Namen und Fotos von 15 Saudis.   Laut einem Bericht der New York Times stammen einige der mutmaßlichen Täter aus dem direkten Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Unter ihnen befand sich auch Salah Muhammed al-Tubaigy, ein forensischer Pathologe, der einen Teil seiner Ausbildung in Glasgow und in Australien absolviert hatte. In einem früheren Interview hatte Tubaigy ein von ihm selbst entworfenes forensisches Minilabor präsentiert, mit dem man in sieben Minuten die Todesursache mittels Obduktion feststellen könne.

Am 11. Oktober 2018 erklärten türkische Behördenvertreter, dass sie im Besitz von Ton- und Videoaufnahmen seien, die belegten, dass Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde. Auf den Tonaufnahmen sei zu hören, wie Khashoggi ,,verhört, gefoltert und dann getötet" wurde. Der Journalist sei bei lebendigem Leib zerstückelt worden.  Wie die türkischen Behörden an Video- und Tonaufnahmen aus einer ausländischen konsularischen Vertretung gelangt waren, blieb zunächst unklar. Die der türkischen Regierung nahestehende Zeitung Sabah berichtete, dass Khashoggi im Konsulat eine Apple Watch getragen hatte, die entsprechende Daten aufgezeichnet hatte, die dann eventuell über das iPhone seiner draußen wartenden Verlobten in die Cloud gelangt seien. Dies wurde von anderen Medien aus verschiedenen Gründen für sehr unwahrscheinlich gehalten. Es sei für eine Verbindung zum iPhone eine Bluetooth-Verbindung notwendig, die über diese Entfernung technisch praktisch unmöglich sei. Die Mobilfunknetze der Türkei seien für Apple-Watch-Versionen, die eine direkte Funknetzverbindung herstellen können, inkompatibel.

Am 12. Oktober 2018 traf eine Delegation aus Saudi-Arabien in der Türkei ein, um den Fall zu untersuchen.  Neben dem Konsulat stand auch der Wohnsitz des saudischen Konsuls im Fokus von Ermittlungen der türkischen Polizei.

Am 20. Oktober 2018, um 1 Uhr Ortszeit, ,,mitten in der Nacht zwischen den beiden Wochenendtagen in Saudi-Arabien", berichteten saudische Staatsmedien, dass Khashoggi im Istanbuler Konsulat getötet wurde.  Zeitgleich wurde die Verhaftung von 18 verdächtigen Personen sowie die Entlassung des stellvertretenden Geheimdienstchefs und weiterer Personen aus dem Umfeld des Kronprinzen bekannt gegeben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jamal_Khashoggi

Also wenn John le Carré so etwas geschrieben hätte, hätten die Kritiker es verrissen als völlig übertriebenen Humbug.
Die Wirklichkeit ist abgedrehter als die Phantasie der Thrillerautoren.

Troll

Das taugt doch nicht mal zum Agententhriller, "König" senkt den Daumen und wir sehen jetzt das Ergebnis davon. Bei unseren Demokratien Europas weiß ich nicht ob bei so etwas nicht eher der Neid aufschreit. Ist wie Richtung Putin, ich glaube man neidet die rigorose Durchsetzungskraft Putins, auch Orban oder Erdogans, eigentlich nichts dagegen, sie sollten es nur hübscher (zeitgemäßer, demokratischer) verpacken.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

Zitat970 unbesetzte Stellen beim BND, mehr als 1000 freie Jobs beim Bundesamt für Verfassungsschutz: Die Nachrichtendienste klagen über Personalmangel. Externe Headhunter sollen helfen.
http://www.spiegel.de/karriere/bundesnachrichtendienste-suchen-tausende-mitarbeiter-a-1242543.html#ref=recom-outbrain

Kuddel

ZitatDer Untergang der ,,Estonia" war das schwerste Schiffsunglück in Europa seit Ende des Krieges. Aber schon die Bezeichnungen sind schwierig. Wer von einem ,,Unglück" spricht, setzt voraus, dass es ein verhängnisvolles Ereignis war, Pech sozusagen. Wer von einer ,,Katastrophe" spricht, der betont die gewaltige Dimension des Leids: 852 Menschen starben beim Untergang der ,,Estonia". Und wer von einem ,,Verbrechen" spricht, der beantwortet all die offenen Fragen mit ganz eigenen Theorien. Theorien, die von Bomben, Geheimdiensten, Waffenschmuggel handeln – und die, so verwegen sie wirken, noch immer blühen, weil das Wrack nie gehoben wurde. Und weil niemand in seine Nähe darf.

Als die schwedische Regierung dann die ,,Estonia" in eine Betonhülle einschließen will, vorgeblich um die Totenruhe sicherzustellen, protestiert sie dagegen mit anderen Angehörigen in Stockholm. Schweden lässt den Plan fallen – und erwirkt stattdessen ein internationales Abkommen, wonach sich niemand dem Wrack der ,,Estonia" nähern darf. Warum nur, fragt sich Elisabet Nilsson, wenn doch stimme, was der Abschlussbericht von Estland, Finnland und Schweden 1996 konstatiert: Dass das Bugvisier im Sturm wegen zu großer Belastung abgerissen sei. Für Elisabet Nilsson gibt es nur eine Antwort: ,,Sie haben etwas zu verbergen."

852 Tote, viele Theorien

Der Untergang der ,,Estonia" am 28. September 1994 war das schwerste Schiffsunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte. 852 Menschen starben, als die Fähre auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm in schwerer See unterging. Die Ursache des Untergangs ist ein abgerissenes Bugvisier. Durch die Öffnung spülten die hohen Wellen binnen kurzer Zeit große Mengen Wasser auf das Autodeck.

Die Expertenkommission Schwedens, Estlands und Finnlands macht in ihrem Abschlussbericht Konstruktionsfehler sowie Fehlverhalten der Schiffsführung für den Untergang verantwortlich. Demnach läge ein großer Teil der Verantwortung bei der Meyer Werft in Papenburg, bei der das Schiff 1980 vom Stapel gelaufen war. Die Werft setzte eine eigene Kommission ein – die wiederum Explosionen an Bord als Ursache für das Abreißen des Bugvisiers ansieht. Tatsächlich berichteten Überlebende von einem explosionsartigen Knall vor dem Untergang. Nur: Warum sollte jemand die ,,Estonia" mit gut 1000 Menschen an Bord versenken wollen? 2004 berichtete ein schwedischer Zollbeamter von regelmäßigen Militärtransporten auf der ,,Estonia". Geheimdienste könnten ein Interesse daran gehabt haben, diese zu verhindern.

Die Angehörigen der Opfer fordern eine neue Untersuchung. ,,Wir haben keine endgültige Antwort auf die Frage nach der Ursache des Untergangs der ,Estonia", erklärt Lennart Berglund von der Stiftung der Estonia-Opfer und ihrer Angehörigen. ,,Der einzige Weg ist eine Untersuchung des Wracks." Seine Stiftung will mit einer Klage in Tallinn eine neuerliche Untersuchung erzwingen.
https://www.fr.de/panorama/estonia-wrack-schweigen-12834763.html

Kuddel

Zitat1994: Der Untergang
Zeitgeschichte. Die sinkende Ostseefähre ,,Estonia" reißt 852 Menschen in den Tod. Die Ursache der Katastrophe ist bis heute ungeklärt. Wird ein Militärgeheimnis vertuscht?

(...)
So besteht 25 Jahre nach dem Estonia-Untergang weiterhin akuter Aufklärungsbedarf. Sollten Behörden und Politiker geglaubt haben, es bleibe auf dem Meeresgrund begraben, was mit der Estonia hinabsank, kann dem nur entgegnet werden: Weit gefehlt! Die Kinder der Opfer stellen unbequeme Fragen, und das lauter denn je.
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/1994-der-untergang

Kuddel

Stranger than fiction:

ZitatOffiziell gilt der Club de Berne als Zusammenschluss der europäischen Geheimdienste. Neue Dokumente zeigen, dass auch US-Dienste mitmischen und dass die Geheimdienstgilde mittlerweile eine eigene operative Plattform samt personenbezogener Datenbank führt – ohne demokratische Kontrolle.
https://www.cilip.de/2020/05/08/geheimdienstgilde-ausser-kontrolle-der-club-de-berne/#more-17541

ManOfConstantSorrow

ZitatDer Vorläufer des BND, die Organisation Gehlen, arbeitete in den frühen Jahren der DDR mit großem Erfolg. Doch nach dem Aufstand des 17. Juni und dem Stasi-Schlag gegen die bundesdeutschen Agenten lieferte die Organisation kaum noch relevante Informationen – dafür erhielt sie den Antikommunismus in der BRD am Leben.
https://www.deutschlandfunk.de/geschichte-des-bnd-die-spionage-der-organisation-gehlen-in.1148.de.html?dram:article_id=470299
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

Ein neues spannendes Kapitel:

ZitatDie Generalbundesanwaltschaft schaltet sich in den Krimi um Jan Marsalek ein. Der Ex-Wirecard-Vorstand hat laut SZ als Verbindungsmann für Österreichs Geheimdienst gearbeitet.
https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/zahlungsdienstleister-ex-wirecard-manager-marsalek-soll-v-mann-des-oesterreichischen-geheimdienstes-gewesen-sein/26573792.html

Kuddel

Der Krimi bleibt unterhaltsam:
ZitatIm Schattenreich von Wirecard ist der Teufel los. In einer Villa in München beschlagnahmte die Polizei nun Kunstwerke und Möbel.
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/wirecard-skandal-polizei-raeumt-villa-von-jan-marsalek-17029430.html

Kuddel

ZitatSpionage-Affäre
NSA hört über Dänemark mit

Der amerikanische Geheimdienst NSA hat mit Hilfe des skandinavischen Staates offenbar eine ganze Reihe europäischer Spitzenpolitiker belauscht, darunter gezielt Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück.
https://www.sueddeutsche.de/politik/nsa-usa-merke-steinbrueck-snowden-1.5308219?reduced=true

Kuddel

Die Geschichte um die Geheimloge P2 kommt rüber, wie eine "Verschwörungserzählung". Sie ist nur wahr und belegbar und es sind bisher nur Bruchteile der Story bekannt.

ZitatVor 40 Jahren flog in Italien die mysteriöse Geheimloge P2 auf – der Skandal wurde bis heute nicht richtig aufgearbeitet

Durch Zufall deckten Mailänder Steuerfahnder 1981 die grösste Verschwörung in der Geschichte Italiens auf. Beteiligt waren Minister, Generäle und Richter. Sie planten erst einen Coup, begnügten sich dann aber damit, die Demokratie zu untergraben.
https://www.nzz.ch/international/geheimloge-p2-italiens-groesster-skandal-ist-nicht-aufgearbeitet-ld.1627297?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Entscheidende Zeilen:
ZitatDas Phänomen der P2 muss im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg gesehen werden. Italien gehörte zu den Mitbegründern der Nato und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und war für die Westmächte wegen seiner Nähe zum Eisernen Vorhang ein essenzieller Verbündeter.

Kuddel

ZitatGeheimdienste
Der Spion der Spione

Mehr als 300 Personen soll der frühere österreichische Verfassungsschützer O. ausgespäht haben. Darunter etliche Agenten - Protagonisten teils spektakulärer Spionagefälle. Einige durchleuchtete er offenbar im Auftrag von Ex-Wirecard-Chef Jan Marsalek.
https://www.sueddeutsche.de/politik/oesterreich-spionage-wirecard-geheimdienste-1.5592760?reduced=true

Leider verschwindet der Rest des Thrillers hinter der Paywall.

Nikita

Zitat von: Kuddel am 08:27:05 Sa. 28.Mai 2022
ZitatGeheimdienste
Der Spion der Spione

Mehr als 300 Personen soll der frühere österreichische Verfassungsschützer O. ausgespäht haben. Darunter etliche Agenten - Protagonisten teils spektakulärer Spionagefälle. Einige durchleuchtete er offenbar im Auftrag von Ex-Wirecard-Chef Jan Marsalek.
https://www.sueddeutsche.de/politik/oesterreich-spionage-wirecard-geheimdienste-1.5592760?reduced=true

Leider verschwindet der Rest des Thrillers hinter der Paywall.

Fullquote im Spoiler:

[spoiler]
Der Spion der Spione

Mehr als 300 Personen soll der frühere österreichische Verfassungsschützer O. ausgespäht  haben, darunter viele Agenten. Einige durchleuchtete er offenbar im Auftrag von Ex-Wirecard-Chef Jan Marsalek

München –  Aigisthos  ist  in  der  griechischen  Tragödie der  Inbegriff des  grausamen  und  feigen  Verführers. Der uneheli- che Sohn der Pelopeia wurde als Kind aus- gesetzt, vonSchafhirten gefunden und von einer  Ziege gesäugt. Später macht er sich an Agamemnons Frau ran, nachdem der in den Krieg mit Troja gezogen war– und töte- te ihn nach  seiner Rückkehr hinterrücks. Griechische Tragödie eben.
Aigistos,  allerdings  ohne   ,,h",  nannte sich auch  ein Agent des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbe- kämpfung (BVT) in Österreich. Aigistos ohne h taugt zwar nicht zum tragischen Hel- den, aber  das heimtückische Element der gleichnamigen Mythengestalt könnte man auch  ihm unterstellen – zumindest tut es die Wiener Staatsanwaltschaft.

Auch ein bekannter Politiker wurde offenbar ausgespäht. Und der  Sohn eines Konsuls
Der Mann, der bei einigen seiner Messenger-Chats den Namen ,,Aigistos Aigistios"benutzte, heißt bürgerlich Egisto O. und stammt ursprünglich aus Kärnten. Er fing als einfacher Polizist an und schaffte es bis zum Verbindungsbeamten des österreichischen Verfassungsschutzes in Italien und der Türkei. Doch 2017 geriet er ins Visier der eigenen Behörde. Der US-Geheimdienst CIA glaubt, dass Egisto O. für die Russen arbeitete und vertrauliche Dokumente weitergegeben habe – und informierte die BVT-Spitze. Das war der Anfang vom Ende seiner Karriere. Die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt seither wegen des Verdachts des ,,Verrats von Staatsgeheimnissen" gegen O.

Doch ein Unheil  kommt selten alleine, weshalb sich O. – der alle Vorwürfe abstrei- tet – auch wegen ,,Missbrauchs der Amts- gewalt"   verantworten  muss.   Zumindest seit 2015 soll er sich aus den Datenbanken österreichischer Behörden Informationen beschafft und diese verkauft haben. O. da- gegen  sagt,  er  habe  nie  unberechtigt ir- gendwas abgefragt, alles sei eine große In- trige gegen ihn. Nach Ansichtder Ermittler aber soll der ehemalige Nachrichtendienst- ler auch ausländische Kollegen um die Be- schaffung von Inhalten aus Interpol- und Europol-Datenbanken gebeten haben. De- nen,  so sagt  die Staatsanwaltschaft, habe er vorgegaukelt, er sei als Agent noch  im Dienst.

Hunderte Daten  soll Egisto O. so in den vergangenen Jahren angefragt haben. Die Fahnder haben eine Liste darüber erstellt, welche Namen  sie auf seinem Handy,  sei- nem  Rechner und  in seinen Notizen  fan-
den. Personen, zu denen er offenbar recher- chiert hat. Es sind 309.
Nach Recherchen von Süddeutscher Zei- tung und WDR findet sich auf der Liste et- wa der frühere deutsche Geheimdienstko- ordinator der Regierung Kohl aus den 90er- Jahren, Bernd Schmidtbauer. Er sagte  der SZ, er wisse  nicht,  wie und  warum er auf diese Liste gelangt sei. Ebenfalls vertreten: der  Detektiv und  Initiator des  Ibiza-Vi- deos, Julian Hessenthaler, das SZ und Spie- gel zugespielt worden war.  Auch ein  be- kannter FPÖ-Politiker wurde offenbar aus- gespäht, dazu ein hochrangiger österreichi- scherSoldat, derSohn des russischen Kon- suls  in München, ein  milliardenschwerer russischer Geschäftsmann sowie ein frühe- rer  kasachischer  Politiker, gegen  den  in mehreren Ländern ermittelt wurde und der nun im französischen Exil lebt. Außer- dem fütterte O. im April 2017 die BVT-Da- tenbanken mit  dem  Namen  einer  jungen Russin,  die  der  britische Inlandsgeheim- dienst MI5 für eine Spionin hielt.

Warum sich O. gerade für diese  Personen interessierte, ist den Fahndern bis heu- te ein Rätsel. Immerhin einen von O.s Auf- traggebern haben die  Ermittler identifi- ziert: Jan Marsalek, flüchtiger ehemaliger Wirecard-Vorstand, verdächtigt des Be- trugs  in Milliardenhöhe – und  mutmaß- lich in Russland mit Hilfe der dortigen Ge- heimdienste untergetaucht.
Ein früherer BVT-Direktor, der nach sei- nem Ausscheiden aus dem österreichi- schen Geheimdienst 2018 für Marsalek ge- arbeitet hatte, erzählte den Ermittlern im Januar 2021, er habe gut zwei Dutzend Ab- fragen bei O. in Auftrag  gegeben. Zumeist zu Geschäftspartnern oder  Konkurrenten des  insolventen Aschheimer Zahlungs- dienstleisters. Aber auch zehn Namen,  die Marsalek ihm mit auf den Weg gegeben ha- be. Der Ex-Wirecard-Vorstand habe  wis- sen wollen, ob diese oder jene Personen für einen  Geheimdienst arbeiteten. Unter den Abgefragten befinden sich mehrere Perso- nen  mit  Verbindung zu russischen Nachrichtendiensten – die Namen hat O. offenbar  fast  ausschließlich nach  seinem Aus- scheiden aus dem BVT recherchiert.

Marsalek ist  auch  der  Grund,  warum sich deutsche Behörden neuerdings für die Personenrecherchen des  Ernesto O. alias,,Aigistos  Aigistios"  interessieren. Wiener Beamte hatten bei Ermittlungen in O.s Un- terlagen einen Namen gefunden und ihren deutschen Kollegen übermittelt, der deren Puls in die Höhe schnellen ließ: Nummer
27 der Liste, ,,Anschlag  Andreas", geboren am ,,06.12.1959". Das ist nicht  sein richti- ger Name, wohl auch nicht sein echtes Ge- burtsdatum. Aber mit dem Tarnnamen An- dreas Anschlag verbinden deutsche Verfas- sungsschützer einen  der  spektakulärsten Spionagefälle der  letzten Jahre.  Anschlag war der Schläfer,  der aus Moskau kam.

Der Mann,  der  sich  Andreas Anschlag nannte, war ein ,,Illegaler". So werden Mos- kaus  Spitzel  genannt, die nicht  als Diplo- maten getarnt in Botschaften und Konsula- ten stationiert sind, sondern die ohne offizielleTarnung arbeiten – und damit auch keinen diplomatischen Schutz vor Strafverfol- gung genießen, falls sie auffliegen. Die Auf- gabe dieser Schläferagenten ist es, mensch- liche Quellen anzuwerben und wertvolle In- formationen aus Politik,  Wirtschaft, Mili- tär oder Forschung zu beschaffen.
Einsatzland von Andreas Anschlag  war Deutschland. Es herrschte noch der Kalte Krieg, als der Russe im Juni 1988 in die Bun- desrepublik einreiste. Zuvor hatte er kurze Zeit in Mexiko City gelebt, laut seiner Tarn- identität war er Österreicher. Vier Jahre zu- vor hatte der KGB über korrupte Standes- beamtein derSteiermark zwei österreichi- sche Pässe beschafft. Einer war ausgestellt auf Andreas Anschlag,  angeblich geboren
1959 in Argentinien, der andere auf Heid- run Freud, geboren 1965 in Peru. Das Paar heiratete im September 1990 im Salzkam- mergut in der Steiermark.

Einsatzland von Andreas Anschlag  war Deutschland. Es herrschte noch der Kalte Krieg, als der Russe im Juni 1988 in die Bun- desrepublik einreiste. Zuvor hatte er kurze Zeit in Mexiko City gelebt, laut seiner Tarn- identität war er Österreicher. Vier Jahre zu- vor hatte der KGB über korrupte Standes- beamtein derSteiermark zwei österreichi- sche Pässe beschafft. Einer war ausgestellt auf Andreas Anschlag,  angeblich geboren
1959 in Argentinien, der andere auf Heid- run Freud, geboren 1965 in Peru. Das Paar heiratete im September 1990 im Salzkam- mergut in der Steiermark.
Wie die Ermittler später konstruiert haben, waren  die Anschlags  sehr  umtriebig. Mindestens eine  Person warben sie  als Jan  Marsalek, ein  ehemaliger russischer Beamter mit zwei Namen und zwei Pässen, war angeblich immer nur in München, um seine kranke Mutter aus Russland für me- dizinische Behandlungen nach  Deutschland zu bringen.
Auch zu ,,Stani"  fragte Egisto  O. Daten ab. Um ,,eventuell bestehende internatio- nale  Fahndungsmaßnahmen auf den  Na- men Petlinsky in Verbindung mit dem neu- en Namen Boris Nikolayevich Grin abzuklären", wie die Wiener  Ermittler annehmen. Nicht  wenige  glauben, Petlinsky sei eine Art Führungsoffizier von Marsalek gewesen. Im Gespräch mit der SZ hatte er jede Verbindung zu Putins Diensten bestritten. Auffällig ist auch,  dass  Egisto O. offenbar sogar Jan Marsaleks Familie durchleuchte- te:  Vater,  Mutter, Geschwister, zu  denen der flüchtige Ex-Manager angeblich lange keinen Kontakt mehr hatte. Eine gewisse Paranoia scheint vielen Geheimdienstlern zu eigen zu sein. Denen,  die welche sind – und denen, die gerne welche wären.

[/spoiler]


  • Logo Stiftung Menschenwürde Chefduzen Spendenbutton