Junge Chefs machen das Land kaputt

Begonnen von MutterBohlen, 11:45:34 Do. 16.Januar 2003

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MutterBohlen

Ja, ich war auch dabei - damals als jeder einen Job kriegen konnte, der mit Tastatur und Maus umgehen konnte. Das Internet sollte alles revolutionieren - sogar den Umgang in den Firmen. Nicht mehr der böse Seniorchef mit Vorzimmerdame und dicker Zigarre sollte die Flure und Büros terrorisieren. Flache Hierarchien, Jeder-duzt-Jeden und man kann ja über alles sprechen waren die neuen Zauberwörter.

Die Realität war praktisch noch schlimmer als der böse alte Chef. Verlogener. Dem alten Zigarrenraucher hätte man eh nie gesagt, was er nicht hören will. Die jungen 30+ Chefs mit frischen BWL-Diplom konnten in den ersten paar Wochen eine Atmosphäre vermitteln, in der sie alle Vorschläge aufnehmen - nach kurzer Zeit schon merkte man aber, daß die viel zu sehr von sich überzeugt sind, als daß sie irgendein anderes Wissen akzeptieren könnten.

So wachte man morgens auf mit Kopfschmerzen und fragte sich woher diese kamen. Bis man irgendwann feststellte, daß dies die Schmerzen sind, die vom gegen-die-Wand laufen kommen. Zuerst rannte man wieder und wieder dagegen, bis man sie schließlich endlich sah.

Über Monate versuchte ich meine Chefs dazu zu bringen, ein einseitiges Papier zu lesen, daß die Todgeburt von einem Projekt, an dem ich mitarbeitete in eine lukrative Geschäftsidee verwandelt hätte. Genervt habe ich, freundlich darauf hingewiesen, wieder und wieder - "Keine Zeit, muß schon so viel anderes lesen..." BlaBla. Schließlich hab ich gekündigt.

Laut Internetseite macht meine Ex-Firma heute genau das, was ich damals in meinem einseitigen Papier vorschlug. Danke für die Lektion in Arbeit.

Didi

Fuck all Cefs, egal wie alt!   hehe!!!

Tja, "MutterBohlen" (?!!), das Problem kommt mir irgendwie bekannt vor, daß man mit guten Vorschlägen nicht durchkommt. Bei mir war es eher so, daß meine direkten Chefs meine Vorschläge eigentlich ziemlich plausibel fanden, aber deren Vorgesetzte in der Konzernzentrale gerade damit voll beschäftigt waren, Kapital in großem Umfang mit einer bekloppten Marketingaktion nach der anderen zu vernichten und wohl deswegen keine Zeit zum Zuhören hatten. Die besagte Firma rühmt sich übrigens, "flache Hierarchien" zu haben und das Entscheidungsprozesse schnell und transparent sind. Naja.

Funk Inc.

So große Firmen entfernen sich immer weiter vom Kunden - sie sind viel zu sehr mit sich selbst und ihren eigenen Strukturen befaßt. Der Fakt, daß im Prinzip niemandem die Firma gehört und so niemand hinter dem ganze steht, macht Konzerne zu Lebenfernen Skeletten.

André

Moin Funk Inc.!

In den Zeiten des New Economy Booms mag es vielleicht soetwas gegeben haben, was ein Gefühl  von eine-Firma-die-niemanden-gehört hinterläßt. Auch daß der New Economy bereich voller Spacken ist (gerade auf höheren Ebenen) ist nichts neues. Aber daß niemand hinter dem ganzen steht ist Unsinn. Dahinter steckt immer das Prinzip der kapitalistischen Profitmaximierung mit allen Konsequenzen. Wenn Leute in Führungspositionen nicht in diesem Sinne funktionieren werden sie gekickt (oder wegbefördert) oder die Firma geht im Konkurenzkampf unter.

Ich ALS JUNGER DIPLOM-MATHEMATIKER habe bei meinem früheren Arbeitgeber eine ähnliche Situation erlebt. Meine Aufgabe war, Konzepte für eine Software zu entwickeln, die die kostengünstigste Möglichkeit ausrechnet, Briefe bundesweit von einem Versender zu einem Empfänger zu transportieren und auf dieser Grundlage das optimale Briefporto (Preis je Brief) bestimmt.  

Anfangs schien das Betriebsklima auch okay zu sein. Man hatte den Anschein, dass die jungen Chefs sehr sehr tolerant seien, bis man hintenrum in einem Mitarbeitergespräch erfährt, daß ein Arbeitsschritt zu viel Zeit in Anspruch nahm.

Auch hier versuchte ich vergeblich, einfache, aber ziemlich genaue mathematische Methoden einem damals 28-jährigen Ökonomen und einer 33-jährigen Volkswirtin (meiner Vorgesetzten) schmackhaft zu machen und beschrieb diese Methoden in einem Word-Dokument von maximal eineinhalb Seiten an einem Beispiel.

Doch meine Vorgesetzte war ebenfalls von sich selbst überzeugt und stimmte meinen Methoden nicht zu.

Nun, da sie die abgelehnten Methoden nicht haben wollte, verschlechterte sich die Auftragslage meines Arbeitgebers, und das Betriebsklima verschlechterte sich mit der Zeit. Ich habe dann ebenfalls gekündigt.  

Fazit : Das Problem mit den Chefs gibt es nicht nur zwischen Jung und alt, sondern auch zwischen jung und jung.

Ich als arbeitsloser Mathematiker stimme diesem Kommentar vollkommen zu, da ich die Erfahrung gemacht habe, daß Chefs nicht auf gute Qualität, sondern auf den schnellen Gewinn Wert legen.

Gast aus Berlin

ZitatOriginal von Anonymous

sondern auf den schnellen Gewinn Wert legen.
Logisch - Urlaub und Sonnen in der Karibik ist doch wichtiger und muss doch auch finanziert werden *bg* :lol:  :lol:  :lol:

Gast aus Berlin

barney5

Auch die alten Chefs sind nicht immer die fähigsten. Ich finde es auch lachhaft, wenn Geschäftsführer, die sich schon weit jenseits des Rentenalters befinden, immer jüngere Mitarbeiter wollen.

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