Neue Armut auf dem Campus

Begonnen von Kater, 18:07:19 Mo. 03.Oktober 2005

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Kater

ZitatSTUDENTEN AM TROPF

Neue Armut auf dem Campus

Von wegen feistes Studentenleben - das Einkommen vieler Studenten liegt weit unter der Armutsgrenze. Selbst wenn sie Bafög bekommen, reicht das kaum für den Lebensunterhalt. Die Siegener Studentin Inga Selck zum Beispiel ernährt sich hauptsächlich von Nudeln.
 
Studentenprotest (in Halle): Weit unter der Armutsgrenze
"Entschuldigung! Haben sie noch die Milch aus dem Sonderangebot da?" - "Nein! Leider nicht." Inga Selck bei ihrem Wochenendeinkauf. Die Studentin besucht in Siegen immer denselben Billig-Supermarkt. Gleich am Eingang steht ihr Hauptnahrungsmittel - Nudeln. "Also ich leb eigentlich fast nur von Nudeln. Denn Nudeln schmecken gut und sind billig. Und die kann man gut variieren."

Außer den Nudeln legt die Studentin zwei Tüten Milch in ihren Warenkorb. Dazu kommen eine Packung Toastbrot, zwei Flaschen Saft und ein paar Fertiggerichte. Der Speiseplan ist fast immer gleich. Für Fleisch oder frisches Gemüse fehlt einfach das Geld. "Ich bin halt Studentin und bekomme Bafög und dann noch ein bisschen Unterstützung von meinen Eltern", sagte Selck. Auch ihre Oma steckt ihr was zu, und Inga Selck jobbt nebenbei. Viel bleibt wegen der Miete und laufenden Kosten davon jedoch nicht übrig.

Inga Selck lebt im Monat von 650 Euro. Sie bekommt 250 Euro Bafög. Der Rest ist Kindergeld und ein kleiner Zuschuss der Eltern und Großeltern. Fast die Hälfte davon zahlt sie für Miete und Nebenkosten. Wenn sie ihre Fahrkarten und die Semestergebühr bezahlt hat, bleiben der jungen Frau noch 250 Euro zum Leben. Das sind rund acht Euro pro Tag, um genau zu sein.

Statistisch gesehen lebt die Studentin weit unter der Armutsgrenze. "Mein Vater ist arbeitslos seit anderthalb Jahren. Mit den Hartz-Reformen greift dann das Arbeitslosengeld II. Meine Mutter ist Rechtsanwaltssekretärin. Und als Rechtsanwaltssekretärin verdient man ja auch nicht so viel, dass man noch jemanden mit unterhalten könnte", erzählt Selck.

Zerplatzter Traum vom heilen Studentenleben

Inga Selck ist kein Einzelfall. Bundesweit bekommen immer mehr Studierende Bafög, weil ihre Eltern nicht genügend Geld haben. In Nordrhein-Westfalen ist in den vergangenen beiden Jahren die Zahl der Bafög-Empfänger um 4,5 Prozent auf über 100.000 gestiegen.

An der Universität Siegen ist die Situation besonders prekär. Studentenwerksleiter Detlef Rujanski berichtet, der Trend sei eindeutig: In Siegen habe das Studentenwerk in den letzen fünf Jahren einen Anstieg der Zahl der Bafög-Empfänger von zehn Prozent verzeichnet. "Die andere Seite der Medaille ist, dass die Elternhäuser auch nicht mehr finanziell in der Lage sind, die Leistung, die sie vielleicht noch vor 15 Jahren erbringen konnten, heute noch zu erbringen", erklärt Rujanski.

Der Grund für die steigende Gefördertenzahl liegt in der Bafög-Reform 2001. Seit vier Jahren ist es einfacher, die staatliche Finanzhilfe zu bekommen. Das Deutsche Studentenwerk in Berlin beobachtet, dass jetzt immer mehr finanzschwächere Studenten in die Hochschulen drängen. Den Studien-Zuschuss erhalten mittlerweile eine halbe Millionen Studenten bundesweit. Trotzdem muss fast jeder Dritte neben dem Studium arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Der Traum vom heilen Studentenleben sei deshalb schon lange zerplatzt, meint Achim Meier auf der Heide vom Deutschen Studentenwerk. "Ich denke, dass dieses Klischee bei weitem nicht mehr greift. Und es ist zu erwarten, dass durch die Einführung der neuen Studiengänge, also Bachelor und Master, die Studien noch viel straffer werden. Und dadurch das Studieren nicht einfacher wird."

Trotz allem ist die Siegener Studentin Inga Selck zufrieden. Sie meint, dass ihre Situation sicherlich nicht einfach sei. Aber immerhin bekomme sie wenigstens Bafög. Wäre das nicht der Fall, könnte sie überhaupt nicht studieren.

Eines macht der 21-Jährigen allerdings großen Sorgen - nämlich das Vorhaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung, bald allgemeine Studiengebühren einzuführen. Für Bafög-Empfänger wie Inga Selck bedeutet das: Ohne weitere Hilfsprogramme sind sie wahrscheinlich aufgeschmissen. "Wenn es keine Programme geben würde, müsste ich aufhören. Dann wüsste ich nicht, was ich machen würde."

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,375147,00.html

Kuddel

Wiesbaden: Die Zahl der Bafög-Empfänger ist nach der letzten Erhöhung der Unterstützung vor zwei Jahren deutlich gestiegen. 2009 erhielten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 873.000 Schüler und Studenten die staatliche Förderung. Das seien 51.000 oder sechs Prozent mehr als 2008 gewesen.

Kuddel

ZitatStudentische Hilfskräfte
Ausbeute der Ausbeutung

Studentische Hilfskräfte verdienen schlecht, dafür machen sie leichter an der Uni Karriere.


Sie sind oft überarbeitet, unterbezahlt und abhängig von ihrem Chef – schließlich vergibt der häufig auch die Abschlussnote.
http://www.zeit.de/campus/2011/02/studentische-hilfskraefte

Kuddel

ZitatAmerikas Studenten stehen vor dem kollektiven Bankrott

Schon jetzt stecken die US-Studenten tiefer in den roten Zahlen als alle Kreditkarteninhaber des Landes zusammen. Anbieter von Studienkrediten profitieren. Droht nach der Immobilien- nun die Bildungsblase zu platzen?
http://www.handelsblatt.com/politik/international/amerikas-studenten-stehen-vor-dem-kollektiven-bankrott/5991168.html

der große Zampano

Ich habe vor nicht allzu lange Zeit auch mein Studium beendet und kann ebenso ein "Liedchen vom Studentenleben" singen.

Da kostet das monatliche Zugticket locker mal 180 eu.

Die Frage warum man nicht am Ort der Uni wohnt beantwortet sich von selbst, wenn die 12 qm "Einzelzelle" mind. 160 eu kosten soll.
Als Reaktion auf das eigene erschreckte Gesicht kriegt man nur die Antwort: "Was wolln sie denn. Ist doch günstig."
Dann wären da noch Essen, Trinken, Internet etc. etc. etc.

Habe dann doch lieber zu Hause gewohnt und bin eben  früh um 5 aufgestanden, wenn es 9.15 Uhr losgehen sollte.

Dann Semestergebühren (keine Studiengebühren),  Semesterticket, Druckgebühren für Abschlussarbeit (bei mir fast 200 eu), Kopiergebühren (manchmal 15 - 20 eu pro Seminar und das mehrmals)  etc. etc. etc. etc.

Wenn es dann an die Prüfung etc.  bzw. an wichtige Arbeiten geht ,interessiert es keinen woher man die Bücher nimmt.

Aber die "Gemeinschaft" will ja "originelle Forscher", welche immer top aktuell und hochmotiviert das eigene Geld für die verbrennen, die eigentlich dafür zuständig sind.

Und was passiert wenn Studenten kein Geld haben ?
Dann müssen sie arbeiten gehen.
Was geschieht dann ?
Der Student schafft die Regelzeit nicht.
Und dann..
Dann geht es ans Bafoeg, zumindest zunächst im Grundstudium.


Wenn dann weitere Semester an die Regelstudienzeit angehängt werden, hat man sowieso ab der ersten Bewerbung verloren.

Dann hat man sich eben nicht um das eigene Kind, die nötige finanzielle Versorgung, das gründliche Studium etc. gekümmert, sondern war bestimmt ein "fa**es Schw**n". Nein, man muss es sogar sein.

Denn "die Anderen" schaffen es doch auch.
Das denen der "Zucker (Money) in den A**** geblasen wird" und deren Maßstab sinnfrei ist, ist doch egal.
Ach was, das ist doch die Elite und nicht der "kleine Arbeitersohn" der um jeden Cent kämpfend seine Zukunft bzw. seine Bildung zu erweitern sucht.  

Ich muss aber auch mal die Studenten vor so manchen Klischees in Schutz nehmen.
Ich beziehe meine Schilderungen zunächst nicht auf Bachelor und Master, denn da kenn ich mich nicht aus.

Das Ideal einer selbst bestimmten Bildung, welche zwar Grundbildung (Pflichtwissen bzw. zu erfüllende Prüfungsvorleistungen) voraussetzt, dann aber die eigenen Leidenschaften und Bildungsneigungen fördert erscheint mir als das beste.
Da kann es schonmal passieren, dass der Student bei Veranstaltungen fehlt.
Ja, es gab/gibt die Spaßstudenten aber die sind meiner Meinung nach in der Unterzahl.

In meinem Studiengang war ohne Zwischenprüfung spätestens nach 8 Semestern Schluss mit lustig.
Dann wäre exmatrikuliert worden.
Es gab ebenso eine Regelung für Hauptstudenten.

Und eben durch diesen Umstand hat man dann gearbeitet wie ein Irrer.
Speziell, wenn man z.B für 2 oder 3 Fächer (ja nachdem ob Hauptfach oder Hauptfach + 2 Nebenfächer)
auf einmal machen darf.
Dann sind 2 schriftliche und 6 mündliche Themen (Abschlussprüfung 2 Hauptfächer) aufzubereiten.

Da bleibt nicht viel Zeit zum faulenzen und bleibt nichts mehr vom Geld.

Danach wird man dann abgespeist (im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften) mit den berühmten 50 % "Ewigbefristungen"
und mit der plötzlich überall präsenten Forderung. "Warum hast du keinen Dr. ? Bist du zu doof?"

Ich sage wohl eher.
Wer soll das bezahlen ??



Kuddel

ZitatDas Elend im studentischen Hilfskräftemilieu

Die prekären Beschäftigungsbedingungen in den deutschen Universitäten ziehen sich durch bis hin zu den studentischen Hilfskräften

Häufig ist zu hören, dass die Arbeit im wissenschaftlichen Betrieb nicht mit einem normalen Job zu vergleichen ist. Sicherlich gibt es an der Universität, zumindest im wissenschaftlichen Bereich, keine Stechuhren, dafür aber sind die Stellen zumeist befristet1 und werden nur als halbe oder dreiviertel Stellen bezahlt, was nur selten dem tatsächlichen Arbeitsaufwand entspricht.


Die prekären Beschäftigungsbedingungen ziehen sich durch alle Ebenen des Hochschulbetriebs (mit Ausnahme der Professuren) und beginnen bereits im Bereich der studentischen Hilfskräfte. Damit sind jene Studierenden bezeichnet, welche neben ihrem Studium an der Hochschule beschäftigt sind und überwiegend wissenschaftliche Hilfstätigkeiten erfüllen.2 Hier werden die angehenden WissenschaftlerInnen bereits an die Bedingungen in ihrem späteren Arbeitsbereich gewöhnt. Darüber hinaus werden diese, immer befristeten, Hilfskraftstellen oftmals nicht als reguläre Arbeitsverhältnisse betrachtet, sondern als Qualifizierungsmöglichkeit und somit als Privileg, wofür nur eine geringe Aufwandsentschädigung aus dem Sachmitteltopf zu zahlen ist. Folglich sollen auch die normalen gesetzlichen Arbeitsrechte nicht gelten. Diese Fehleinschätzung ist an den Lehrstühlen und Personalbüros ebenso wie unter den studentischen Hilfskräften weit verbreitet. Insgesamt gesehen scheint der Aushilfsjob an einer Supermarktkasse somit lukrativer und sicherer, sofern das eigene Studium durch Lohnarbeit finanziert werden muss. Die soziale Bildungsselektion setzt sich hier nahtlos fort.

Das mangelnde Wissen der studentischen Hilfskräfte um die eigenen Rechte sowie das falsche Verständnis der Arbeit als Privileg erschweren eine gewerkschaftliche Organisierung. Zugleich kann der/die Vorgesetzte gegebenenfalls auch die eigenen Prüfungen abnehmen und die bereits institutionalisierten Interessenvertretungen fühlen sich selten zuständig: Personalräte sind teilweise per Gesetz von der Vertretung der studentischen Hilfskräfte ausgeschlossen und in Bildungsprotesten und den Gremien der studentischen Interessenvertretungen spielen Arbeitsverhältnisse in der Regel bestenfalls eine untergeordnete Rolle.

Trotz dieser schwierigen Ausgangsbedingungen tut sich etwas im Bereich der studentischen Hilfskräfte und an mehreren deutschen Hochschulstandorten haben sich Initiativen gegründet, welche sich des Themas annehmen. Als Orientierung dient dabei Berlin, wo 1979 ein Tarifvertrag für studentische Beschäftigte durch einen über ein Semester dauernden TutorInnenstreik durchgesetzt werden konnte. Dieser Tarifvertrag wirkt bis heute nach und führt dazu, dass sowohl die Bezahlung wie auch Rahmenbedingungen für studentische Hilfskräfte in Berlin weit über denen der anderen Bundesländer liegen.3

In Thüringen ist das örtliche FAU-Syndikat aktiv in die Auseinandersetzungen am soziologischen Institut der Universität Jena involviert.4 Ausgangspunkt war eine absolut unzureichende Berechnung von Arbeitsstunden für Tutorien, wobei sich schnell weitere studentische Hilfskräfte aus dem Institut den Protesten anschlossen. Mittels eines offensiven Auftreten in den Institutsgremien und die öffentliche Verweigerung einer unbezahlte Klausuraufsicht seitens der TutorInnen konnte relativ zügig ein selbst ausgearbeitetes Infoblatt durchgesetzt werden, welches künftige Hilfskräfte über ihre grundlegenden gesetzlich verankerten Rechte aufklärt. Inzwischen wurden darüber hinaus die Tutorienstunden der tatsächlich zu leistenden Arbeitszeit annähernd angepasst und auch das Urlaubnehmen seitens der studentischen Hilfskräfte bürgert sich ein. Die nächsten Aufgaben der Initiative betreffen die bisher fehlenden Tätigkeitsbeschreibung der Stellen und die Befristungen.

Allerdings stoßen die Möglichkeiten der Verbesserung der Arbeitsbedingungen an einem einzelnen Institut schnell an ihre Grenzen und es bleibt zu bezweifeln, dass sich das Institut auf Konflikte mit der Universitätsverwaltung und dem Land einlässt – trotz aller Sympathiebekundungen für die Forderungen. Gerade im Bereich der Lohnhöhe kann die Perspektive nur der Berliner Weg sein, also die Erzwingung eines eigenständigen Tarifvertrages. Dabei ist kein Verlass auf die klassischen Gewerkschaften, welche die seit Jahren erhobene Forderung der Aufnahme der studentischen Hilfskräfte in den Tarifvertrag der Länder regelmäßig als eine der ersten Forderungen in den Verhandlungen fallen lassen. Eher scheint eine Koalition mit dem wissenschaftlichen Mittelbau an den Hochschulen erstrebenswert, da sie unter den gleichen prekären Beschäftigungsbedingungen leiden. Zugleich führt die zunehmende Unterfinanzierung der Universitäten dazu, dass immer mehr Aufgaben des Mittelbaus auf die billigeren studentischen Hilfskräfte ausgelagert werden. Beide Gruppen haben also gleiche oder sich ergänzende Interessen und ebenso lässt sich dadurch eine Kontinuität der Kämpfe herstellen, da aus studentischen Hilfskräften nicht selten Beschäftigte des Mittelbaus werden.

Thomas Möller

Anmerkungen

[1] ↑ Im Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) ist festgelegt, dass wissenschaftliche Beschäftigte an den Hochschulen sechs Jahre grundlos befristet beschäftigt sein können, da angenommen wird, dass zeitgleich eine Qualifizierung (Promotion, Habilitation) erfolgt. Ursprünglich war das Gesetz dazu gedacht, Befristungen an den Hochschulen zu begrenzen, hatte aber die gegenteiligen Effekt, so dass heute über 90% des wissenschaftlichen Mittelbaus an den Hochschulen befristet beschäftigt ist. Bei studentischen Hilfskräften greift das Gesetz sofern bereits ein Bachelorstudium abgeschlossen wurde und die Arbeitszeit über 43 Stunden pro Monat beträgt.

[2] ↑ Explizit ausgenommen sind hier diejenigen studentischen Beschäftigten, welche überwiegend technische und Verwaltungstätigkeiten übernehmen und nach TV-L bezahlt werden. In der Praxis ist die Trennung meist nicht so deutlich und viele eigentlich nach TV-L zu bezahlende Stellen werden durch billigere studentische Hilfskräfte besetzt.

[3] ↑ Der höchste Stundenlohn wird in Berlin mit 10,87 Euro gezahlt, der niedrigste in Thüringen mit durchschnittlich 7,58 Euro. An einzelnen Hochschulen werden aber durchaus Löhne unter 6 Euro für Studierende ohne Bachelorabschluss bezahlt.

[4] ↑ Siehe dazu: Scheiß Arbeit am linken Institut in: DA 216.
Zum Weiterlesen:

Lenge, Alexander / Schneickert, Christian / Priebe, Stefan (2012): Studentische MitarbeiterInnen: Zur Situation und Lage von studentischen Hilfskräften und studentischen Beschäftigten an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, GEW-Studie:
www.wissenschaft.gew.de/Binaries/Binary88494/Studentische_MitarbeiterInnen_online.pdf

Schneickert, Christian (2013): Studentische Hilfskräfte und MitarbeiterInnen, Konstanz / München: UVK, ISBN: 978-3867643306, S. 202, 22,99 Euro.
http://www.direkteaktion.org/219/das-elend-im-studentischen-hilfskraeftemilieu

NilsBerlin

Zitat von: der große Zampano am 22:31:08 Mo. 26.Dezember 2011
Ich habe vor nicht allzu lange Zeit auch mein Studium beendet und kann ebenso ein "Liedchen vom Studentenleben" singen.

Da kostet das monatliche Zugticket locker mal 180 eu.

Die Frage warum man nicht am Ort der Uni wohnt beantwortet sich von selbst, wenn die 12 qm "Einzelzelle" mind. 160 eu kosten soll.
Als Reaktion auf das eigene erschreckte Gesicht kriegt man nur die Antwort: "Was wolln sie denn. Ist doch günstig."
Dann wären da noch Essen, Trinken, Internet etc. etc. etc.

Habe dann doch lieber zu Hause gewohnt und bin eben  früh um 5 aufgestanden, wenn es 9.15 Uhr losgehen sollte.

Dann Semestergebühren (keine Studiengebühren),  Semesterticket, Druckgebühren für Abschlussarbeit (bei mir fast 200 eu), Kopiergebühren (manchmal 15 - 20 eu pro Seminar und das mehrmals)  etc. etc. etc. etc.

Wenn es dann an die Prüfung etc.  bzw. an wichtige Arbeiten geht ,interessiert es keinen woher man die Bücher nimmt.

Aber die "Gemeinschaft" will ja "originelle Forscher", welche immer top aktuell und hochmotiviert das eigene Geld für die verbrennen, die eigentlich dafür zuständig sind.

Und was passiert wenn Studenten kein Geld haben ?
Dann müssen sie arbeiten gehen.
Was geschieht dann ?
Der Student schafft die Regelzeit nicht.
Und dann..
Dann geht es ans Bafoeg, zumindest zunächst im Grundstudium.


Wenn dann weitere Semester an die Regelstudienzeit angehängt werden, hat man sowieso ab der ersten Bewerbung verloren.

Dann hat man sich eben nicht um das eigene Kind, die nötige finanzielle Versorgung, das gründliche Studium etc. gekümmert, sondern war bestimmt ein "fa**es Schw**n". Nein, man muss es sogar sein.

Denn "die Anderen" schaffen es doch auch.
Das denen der "Zucker (Money) in den A**** geblasen wird" und deren Maßstab sinnfrei ist, ist doch egal.
Ach was, das ist doch die Elite und nicht der "kleine Arbeitersohn" der um jeden Cent kämpfend seine Zukunft bzw. seine Bildung zu erweitern sucht.  

Ich muss aber auch mal die Studenten vor so manchen Klischees in Schutz nehmen.
Ich beziehe meine Schilderungen zunächst nicht auf Bachelor und Master, denn da kenn ich mich nicht aus.

Das Ideal einer selbst bestimmten Bildung, welche zwar Grundbildung (Pflichtwissen bzw. zu erfüllende Prüfungsvorleistungen) voraussetzt, dann aber die eigenen Leidenschaften und Bildungsneigungen fördert erscheint mir als das beste.
Da kann es schonmal passieren, dass der Student bei Veranstaltungen fehlt.
Ja, es gab/gibt die Spaßstudenten aber die sind meiner Meinung nach in der Unterzahl.

In meinem Studiengang war ohne Zwischenprüfung spätestens nach 8 Semestern Schluss mit lustig.
Dann wäre exmatrikuliert worden.
Es gab ebenso eine Regelung für Hauptstudenten.

Und eben durch diesen Umstand hat man dann gearbeitet wie ein Irrer.
Speziell, wenn man z.B für 2 oder 3 Fächer (ja nachdem ob Hauptfach oder Hauptfach + 2 Nebenfächer)
auf einmal machen darf.
Dann sind 2 schriftliche und 6 mündliche Themen (Abschlussprüfung 2 Hauptfächer) aufzubereiten.

Da bleibt nicht viel Zeit zum faulenzen und bleibt nichts mehr vom Geld.

Danach wird man dann abgespeist (im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften) mit den berühmten 50 % "Ewigbefristungen"
und mit der plötzlich überall präsenten Forderung. "Warum hast du keinen Dr. ? Bist du zu doof?"

Ich sage wohl eher.
Wer soll das bezahlen ??




Krankenversicherung und Haftpflicht hast du glaube ich noch vergessen..
Vor allem finde ich es schlimm, dass das Bafög nicht für Kinder gilt, deren Eltern überdurchschnittlich gut verdienen.
Es gibt sehr viele Familien in denen das Verhältnis untereinander angespannt ist.
Oftmals wollen Väter dann von ihren Söhnen, dass sie ein gescheites Handwerk erlernen und in die Fußstapfen des Vaters treten, ohne dass sie auf eventuell vergeudetes Potential eingehen.
Vielen bleibt dann keine andere Wahl als nebenher Arbeiten zu gehen, jedoch ist das leichter gesagt, als getan.
Um sich finanzieren zu können benötigt ein Student realistisch gute 800€ im Monat.
Das wären bei 8€/h - wenn man einen guten Job hat - 100 Stunden im Monat, das wären schon 20 Stunden mehr, als überhaupt zulässig für Studenten ist.

Das geht doch nicht!

Pappel-Max

Was man hier auch nicht außer acht lassen darf ist, wie unten zu sehen .....
und solange solche Wucherbuden funktionieren ist an der sonstigen Basis wohl kaum etwas zu ändern.



zum vergleich hier der aktuelle Mietspiegel:

http://www.wohnungsboerse.net/mietspiegel-Koeln/5333

Also ich habe solche Objekte in der Vergangenheit für einen m² Kaufpreis durchgezogen der unter der hälfte von diesem lag.
Wo logischerweise dann auch die Mieten der Studenten weit unter dieser lagen und alle glücklich sind Mieter und Vermieter.



.
Kluge Leute lernen auch von ihren Feinden.
Aristoteles (384-322 v.Chr.)
Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.
(Johann Wolfgang von Goethe, 1749 - 1832)

Kuddel

Fast ein Drittel der Studierenden lebt in Armut
Laut einer in Berlin veröffentlichten Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands sind 30 Prozent aller Studierenden in Deutschland davon betroffen. Bei den allein lebenden Studenten liegt der Anteil bei 80 Prozent. Das mittlere Einkommen armer Studierender liegt bei 802 Euro und damit rund 460 Euro unterhalb der Armutsschwelle.
Der Verband fordert deshalb eine stärkere Bafög-Anhebung als von der Ampel-Koalition geplant. Mit dem geplanten Plus von fünf Prozent werde keine strukturelle Verbesserung erreicht.

https://www.deutschlandfunk.de/fast-ein-drittel-der-studierenden-lebt-in-armut-106.html

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