Die Kleinbürger: Zurück zu den Eltern - Wie uncool...

Begonnen von Carsten König, 21:39:38 Sa. 15.Oktober 2005

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Carsten König

In gewiss kreativer Abwandlung einer vergangenen Werbung mag man so formulieren die Heimkehr der Grünen in die bürgerliche Spießerwelt:

Aufbruch in neue Welten

ZitatDie Grünen haben auf ihrem Parteitag in Oldenburg offiziell auf der Oppositionsbank Platz genommen. Um dort so schnell wie möglich wieder wegzukommen, haben sie sich für neue Koalitionen geöffnet. Die Basis murrte gegen die Vorstellung von Schwarz-Grün - aber nur leise.

ZitatZuvor hatte Parteichef Reinhard Bütikofer den Vorschlag in einer Rede präzisiert. "Wir brauchen einen Neustart für die Option Grün", sagte er und führte aus: "Wir wollen die Grünen öffnen, aber nicht für andere Parteien, sondern für die Menschen." Mit den Schwerpunktthemen "Weg vom Öl", Umweltpolitik, Kinderpolitik und der Erneuerung des Sozialstaats, so Bütikofer, müssten die Grünen nun versuchen, in neue Milieus hinein zu wirken. Es sei "interessant" für die Grünen zu beobachten, wie sich "alle anderen Parteien" nun entwickeln. Rot-Grün sei nach wie vor eine Option, aber "nicht mehr überhöht zum Projekt". Unter dem Strich sagen die Grünen im 25. Jahr ihres Bestehens damit: Ja, schwarz-grüne Koalitionen und "Schwampeln" unter Einschluss der FDP sind kein Tabu mehr für uns.

Warum jetzt dieser Gesinnungswandel? Was für ein Gesinnungswandel? Man war immer bürgerlich.
Jetzt aber warten die Erbschaften, da kann man nicht mehr als Strassenkämpfer zum Notar gehen.

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,380039,00.html

Grüne: Abgewirtschaftet nach 7 Jahren Regierung.

Klassenkampf

Eigentlich sind die Grünen nun indirekt bei ihren Wurzeln angelangt: Einst entstanden aus der außerparlamentarischen Opposition der Großen Koalition Kiesingers, heute innerparlamentarische Opposition einer Merkelschen Neuauflage.
Zwar nimmt man dieses "back to the roots" angeblich ernst, denn "Opposition sei kein Mist", sondern gerade in Zeiten Großer Koalition sei ein starkes Gegengewicht von entscheidender Bedeutung. Doch die Gedanken der Grünenführung schweben eigentlich in ganz anderen Höhen, träumt einer neuen Regierungsbeteiligung entgegen.

Starke Opposition: Das Verhältnis 448 zu 166 - wohlwollend, denn klammert man die Liberalen aus, so steht es 448 zu 105 (oder zynisch, obgleich der Zielrichtung der neoliberalen Fraktionen: 509 zu 105) - wird dabei übergangen und man gaukelt der Wählerschaft eine starke Opposition vor, die zudem noch in eine andere politische Richtung abzielt.
Eine geistige Annäherung an die Union, allerdings, wäre keine Überraschung, utopisch keinesfalls. Zu sehr wandelten sich die Grünen in den letzten Jahren vom ideologischen Politverband, hin zu einer neoliberal geprägten Ökopartei - das Klientel dieser "Partei der Besserverdiener" half bei dieser Wandlung.

Macht korrumpiert, heißt es - die vermeintliche Wandlung der Grünen zeugt davon. Praktisch und programmatisch hat man diese Wandlung schon vor Jahren vollzogen, ideologisch hielt man der Wählerschaft aber noch die Wurzeln des Entstehens entgegen. Nun aber fühlt sie diese Partei, gestärkt durch sieben Jahre Regierungsarbeit, auch dazu bereit, in aller Öffentlichkeit einen Schnitt zu vollziehen und die Wurzeln zu beschneiden, um einen erneuten Weg zur "politischen Verantwortung" antreten zu können.
Treffend formuliert: "Zurück zu den Eltern..."

Wie weit sich die Grünen und die SPD schon von der eigentlichen Ausgangsbasis entfernt haben, bezeugt ihr absolutes "Nein" zu der Linkspartei - keine Koalitionsgespräche, da "Sozialnostalgie" nicht angebracht wäre.
Um aber die eigene, pseudosoziale Hartz- und Gesundheitspolitik als bei der Bevölkerung anerkannt zu bewerten, zitieren die grünen und roten Führungsriegen gerne eine angeblich linke Übermacht im Volke. Die Wahl hat ergeben, daß SPD, Grüne und Linkspartei ein breites Sprektrum von Wählern ansprechen - hier ist die Linkspartei gerne als ideologischer Mehrheitsbeschaffer gesehen, um - so paradox es erscheinen mag - die eigenen neoliberale Politik als vom Volke abgesegnet zu bewerten.

Die Grundbasis der Grünen wird wegbrechen, Ströbeles werden Mangelware, der Neoliberalismus darf sich dann in aller Öffentlichkeit zu den Grünen bekennen. Ruhigen Gewissens dürfen die Grünen der ersten Stunde weichen und ausscheiden, eine neue Wählerschaft ist entstanden, gepaart mit denen, welche die Grünen als einzigen Ausweg in Sachen Umweltschutz erkennen wollen.
Was wird bleiben? - Claudia Roth, will sagen: Ton, Steine, Scherben...
,,Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... Streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben."
--- Karl Marx, "Das Elend der Philosophie" ---

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