Chefduzenveranstaltung in Münster

Begonnen von admin, 17:34:27 Di. 02.August 2022

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admin



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Gestern fand die Cheduzenveranstaltung in der LEO:16 in Münster statt. Wie bei unseren Veranstaltungen in der Schweiz war auch diese Kneipe ein Kollektivbetrieb.


chefduzen-Merch und Infomaterial

Die Einladung kam von Berg Fidel Solidarisch und der Basisgewerkschaft FAU.


 
Berg Fidel ist ein Stadtteil in Münster und Berg Fidel Solidarisch ist die Stadtteilini.
https://bfsolidarisch.blackblogs.org/uber-uns/unsere-grundsatze/


Gestern in der Leo

Die Veranstaltung startete mit dem chefduzensong von Geigerzähler.

Es waren rund 20 Leute gekommen. Es waren jedoch hauptsächlich Aktive aus den Zusammenhängen der Stadtteilinitiative und der FAU. Ein lateinamerikanischer Genosse erhielt den Abend über eine Simultanübersetzung.


Ein Blick auf den aktuelle chefduzen-Fashionline

Es war lustig, daß eine anwesende Österreicherin Interna von chefduzen-Österreich und dessen klägliches Ende zu berichten wußte. Für mich auch neu. Die Veranstaltung dauerte etwa zweieinhalb Stunden, etwa zur Hälfte Vortrag und zur Hälfte eine lebhafte Diskussion. Es ging auch um die Distanz zwischen linken Gruppen, Arbeitern und anderen einfachen Menschen, die sich mit ihren Alltagsproblemen herumschlagen und nichts von Politik wissen wollen. chefduzen hat da auch kein Patentrezept und auch intern bleibt das Konfliktstoff.

Die Neugier war groß und einige unserer großen Erfolge machten etwas her. Zuerst wäre wohl die Auseinandersetzung um das Freenet Callcenter zu erwähnen, an dessen Ende eine zehnprozentige Lohnerhöhung stand. Die Kombination aus Sabotageaktionen und Wildem Streik von Leiharbeitern am Airport Hamburg beeindruckten. Ein Sick-out, die kollektive Krankmeldung von 80% der Beschäftigten eines deutschen Callcenters auf Mallorca blieb nicht unwerwähnt, ebensowenig wie die grenzüberschreitenden Aktionen bei Volkswagen wegen der Repression gegen chinesische Leiharbeiter, die nichts weiter einforderten, als die Einhaltung des chinesischen Arbeitsrechts durch den deutschen Konzern. VW befriedete den wieder entflammten Arbeitskonflikt durch eine Festanstellung von 900 Leiharbeitern zum doppelten Lohn, nun in der Stammbelegschaft.

All diese Kämpfe haben nicht "wir" geführt, sondern die Betroffenen selbst. Doch ohne chefduzen wäre es zu diesen Kämpfen nicht gekommen. Unsere Rolle war da sehr unterschiedlich.


chefduzen Propagandamaterial

Es ging nicht nur um Selbstbelobhudelung, sondern auch um Schwächen und Widersprüche. Ist Beratungsarbeit sinnvoll oder nur sozialarbeiterisch und befriedend? Warum bleiben Erwerbslose kaum organisierbar? Wieso hat chefduzen in den vegangenen zwei Jahrzehnten fast nur eine Community aus dem Bereich der prekären Arbeit (Schwerpunkte: Leiharbeit und Callcenter) und nur wenige aus regulären Arbeitsverhältnisse, insbesondere in den Großbetrieben? Eine gewerkschaftliche Vertretung ist dort zwar vorhanden, doch inhaltlich nicht gerade Gold. Da müßte es Diskussionsbedarf geben, doch wir kommen an diese Leute nicht ran.

Die Diskussion war spannend um machte Spaß. Nach der Zeit der Zoom-Meetings eine echte Wohltat! Ich muß sagen, es war genau das, was ich beim Internetbetrieb so vermisse. Man schießt da meist ins Blaue. Man weiß nicht, wen es erreicht und was diejenigen, die wir erreichen, darüber denken.

Das Treffen mit Menschen, ihnen ins Gesicht zu blicken, wenn man mit ihnen quatscht, ist etwas, was so einem Forum einfach fehlt.

Ein paar Besucher der Veranstaltung schlugen vor, die Diskussion im nächsten Jahr fortzusetzen.

cyberactivist

Wow! Das klingt super! Was für Diskussionen! Jetzt schäme ich mich noch mehr, nicht dagewesen zu sein.

Wo hast du das ganze Propagandamaterial her?
Nur Exhibitionisten haben nichts zu verbergen.

admin

Es war eine tolle Veranstaltung.


Unsere Gastgeber: Ein von Berg Fidel Solidarisch organisierter Mieterprotest

Es wäre natürlich gut gewesen, wenn du mit deinem Münster-Hintergrund dort noch mehr lokal Interessantes hättest beisteuern können. Ich habe immerhin etwas von den Auseinandersetzungen um das buw-Callcenter erzählt.

Hier der Aufruf an die chefduzen-Commity: Hättet ihr auch Bock auf eine Veranstaltung in eurer Region? Vielleicht ließe das sich arrangieren.

Und zum chefduzen-Propagandamaterial: chefduzen wollte ja nie ein reines Internetprojekt sein, sondern auch offline in der Welt der Ausbeutung aktiv werden. Die Flyer auf den Fotos sind hauptsächlich Kollegenzeitungen für den Bereich Leiharbeit (Leihkeule) und Callcenter (Quote). Die gibt es im Forum als PDF zum Herunterladen und Selbstausdrucken. So mancher hat eine kleine Auflage ausgedruckt und Exemplare auf Kantinentischen oder in Umkleideräumen ausgelegt. Dies sind übriggebliebene Exemplare von Verteilaktionen. Daß diese Kollegenzeitungen nicht wirkungslos sind, bekamen wir durch die Reaktionen der Gegenseite mit: Bei Jobmessen und vor Callcentern erteilte man uns Platzverweise, manchmal hetzte man uns die Bullen auf den Hals.

Die übriggebliebenen Exemplare gehen bei mir nicht ins Altpapier. Sie sind Zeitgeschichte, einige sind sogar noch aktuell und es ist gut, wenn Aktivisten sich durch diese Beispiele heute inspirieren lassen. Ich hatte sogar noch ein paar uralt Flugblätter dabei, die die Rote Hilfe 2007 für uns produziert hat bei der Abmahnung von Alpha Zeitarbeit München mit der Androhung von bis zu 250.000€ Zwangsgeld oder 6 Monaten Haft.


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