Ausbildung abbrechen?

Begonnen von horrorexitmytoday, 19:44:58 Di. 13.September 2022

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horrorexitmytoday

Hallo zusammen,

mir geht es im Moment ziemlich dreckig, habe gerade eine Ausbildung begonnen (Öffentl. Dienst) und fühle mich überhaupt nicht wohl. Hab total danebengegriffen und möchte am liebsten abbrechen. Bin total verkrampft und gehemmt, auch weil ich 40 + bin und die anderen natürlich viel jünger.
 
Ich glaube auch nicht, dass ich den Lernstoff mit den vielen Gesetzen bewältigen kann, obwohl ich studiert habe, was aber schon länger zurückliegt. Mir graut vor jedem Tag, egal ob in der Berufsschule oder in der Verwaltung, habe es wahlweise mit Langeweile oder mit Druck zu tun, der mir eine wahnsinnige Angst macht. 

Mein Umfeld hat nicht das Verständnis für meine Sorgen, das ich bräuchte, weil ich ständig mit meinem Alter konfrontiert werde ("du wirst bald..., was willst du dann machen?" oder "du kannst doch nicht immer wegrennen, wenn es Probleme gibt"). Traue mich auch nicht, mich an das Ausbildungsteam des JC zu wenden, weil die mich natürlich als Langzeitarbeitslose loswerden wollen, mein AV hat mich an den Bereich weitergegeben.

Meine neue Zuständige meinte, ich solle "positiv denken", weil ich neue Menschen kennen lerne. Ich kann darüber nur lachen (diese ganze Mentalität geht mir ohnehin auf den Keks). Es ist ein Unterschied, ob man Problemen auch etwas Positives abgewinnen kann, oder ob man alles Negative klein redet oder verdrängt.

In jedem Fall, bevor ich ganz abschweife: Wollte lieber Industriekauffrau oder Veranstaltungskauffrau werden, weil ich denke, dass man hier mehr Kreativität und Eigenständigkeit einbringen kann, statt der Kaffeepausen-Mentalität zu frönen. In ... (Rheinland) war aber der einzige Ausbildungsplatz, bei dem ich eine Zusage bekommen habe. Ich sehe mich da überhaupt nicht, obwohl ich sehr freundlich zu den Bürgern bin und viel Humor mitbringe.

Hab nur zugesagt, weil ich  meinem AV gegenüber "einen Erfolg vorweisen" wollte. Ich wünschte, ich hätte ihm den Ausbildungsplatz verschwiegen und weitergesucht (hätte ohne Probleme geklappt...). Leider bin ich nicht schweigsam genug.

Was würdet ihr mir raten? Durchhalten? Nebenbei woanders bewerben? Abbrechen, auch wenn es ggf. Sanktionen gibt? Vielen Dank schon mal für eure Antworten!

Onkel Tom

Durchhalten :

Wenn Du das, was Du erlernst später mit umsatteln kannst, was dir liegt,
lohnt sich das Durchalten. Ist die Berufsausbildung auf einen festen Rahmen
fixiert, in dem mensch nicht tätig werden will, sprich mit deinem Doc darüber,
wenn Du dich deswegen dreckig fühlst.

Weiter solltest Du dir dein Gehör auf das umstellen, was für deine Berufsausbildung
wichtig ist und nicht für Sprüche, die von den bereits "Gelehrten" u.s.w. kommen.
Konzentration wird schon genug durch den Lehrstoff gefordert. Den Müll, den deine
Kollegen von sich lassen, sollten auf Durchzug gebracht werden.
Das heißt in den einem Ohr rein und ungefiltert aus dem anderen Ohr wieder raus.

In der Tat ist eine Ausbildung mit 40+ eine anspruchsvolle Sache, weil das lernen
mit zunehmenden Alter immer schwieriger wird und ja, vor etwas weg zu laufen ist
eine schlechte Lösung. Einer Berufsausbildung muss AZUBI sich stellen, sonst hat es
eh kein Zweck, da bei Herausforderungen zu schnell das Hantuch geworfen wird.

Nur gesundheitliche Gründe (ärtzliches Attest) kann dich vor Sanktionen und dem
"unsozialem Verhalten" schützen.

Vergiss nicht, das es ja nur 3 Jahre sind und danach schon mehr Anspruch stellen
kannst wie Leute, die keine Berufsausbildung gemacht haben.
An dem Spruch "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" ist leider etwas drann also
durchhalten, solange die Gesundheit kein Strich durch die Kalkulation macht.
Nach Abbruch einer Berufsausbildung wird dich künftig weniger ein Ausbildungsbetrieb
als Azubi nehmen wollen, weil dein Durchhaltevermögen angezweifelt werden würde.

Was ist an Industriekauffrau oder Verwaltungskauffrau kreatives dran ?
Ich glaube, Du hast da etwas falsche Vorstellungen, was "stupid" anbelangt.
Für Kreativität sind handwerkliche Berufe vielversprechender.
Als Kauffrau hast Du es nur mit Papieren zu tun und was da drauf steht.


Lass Dich nicht verhartzen !

horrorexitmytoday

Okay soweit mal, welche handwerkliche Ausbildung würdest Du mir empfehlen? :)

Kuddel

Also jetzt mal ehrlich, du mußt schon selber wissen, was du willst.

Ich kenne Leute, die ihren Job gekündigt haben, weil sie sich zu wenig gefordert fühlten.

Ich habe Jobs geliebt, die wenig von mir verlangten, ich habe z.B. mit Jobs als Pförtner oder am Fließband keine Probleme gehabt. Meine Kräfte und Kreativität habe ich mir für Zeiten jenseits des Arbeitstag aufgehoben.

Das Arbeitsleben ist nicht toll, die meisten Menschen warten stets auf Wochenende, Urlaub und Rente. Das ist normal. Berufsausbildungen können auch eine Quälerei sein. Überbetriebliche Ausbildungen sind meist besser zu ertragen, doch die Abschlüsse werden von Arbeitgebern nicht als gleichwertig angesehen.

Bei der Jobwahl mußt du erstmal sehen, was für dich körperlich und seelisch nicht in Frage kommt. Sowas wie "Polsterer" ist schon interessant, man macht teilweise schöne Sachen und man findet da stets nen Job (oder kann in dem Bereich schwarz arbeiten). Es ist aber eine irre schwere und schlecht bezahlte Arbeit.

Ich befürchte, wenn du dir irgendwas gesucht hast, tauchst du wieder im Forum auf, um herumzujammern, daß es nicht das richtige ist.

Du solltest in der Arbeit nicht erhöffen, Glück und Erfüllung zu finden. Wenn eine Arbeit nicht zu hart ist, die Kohle stimmt und die Kollegen ok sind, kann sie aber ganz erträglich sein.

horrorexitmytoday

Erstmal vielen Dank für Deine Antwort, Kuddel.

Dass ich hier herumjammere - kann sein. Wenn ich auf hohem Niveau jammere - meinetwegen.

Ich bin nun mal keine, die sich an Wochenenden, Urlaub, Rente, usw. hochziehen will. Eine Arbeit sollte keine Haftstrafe sein, die man bis zur Rente abzusitzen hat, das ist nicht meine Verständnis davon und nur "erträglich" ist mir nicht genug. Ich will wenigstens zufrieden sein, es geht mir nicht darum, morgens aufzustehen und zu jubeln.

Es gibt mit Sicherheit Leute, die schwer arbeiten, nicht so gut verdienen und und trotzdem aufgehen in dem, was sie tun. Hauptsache, man ist stolz am Ende des Tages.

Dass ich nicht weiß, was ich will, kann ich so auch nicht unterschreiben, weil ich mit einer Ausbildung ganz konkrete Ziele verfolge.
Dazu brauche ich einen handwerklichen oder kaufmännischen Hintergrund. Ich weiß nur nicht, in welchem der beiden Bereiche ich mit 40+ eher Chancen habe, that`s all. Wenn ich halb so alt wäre, würde ich erst die eine, dann die andere Ausbildung machen, dann hätte ich auch mehr Lebenszeit.

Was ich hier im Forum merkwürdig finde, ist der Widerspruch zwischen Kampfparolen einerseits und andererseits Aussagen wie Deiner, dass das Arbeitsleben halt nicht schön sei. Da kann man nichts machen, das ist halt so, usw. Sehr kämpferisch wirkt das nicht.




Onkel Tom

Entscheide dich doch erstmal, was Du überhaupt machen willst.
Ohne dem läufst Du Gefahr etwas zu erlernen, was dir kein Spaß macht
oder der Zug von Ausbildungsmöglichkeiten fährt ohne dich ab.

Du hast Bock auf Kreativität ? Werde Floristin, weil abkacken
tun immer welche und Trauerkranz darf anbei nicht fehlen.
Lass Dich nicht verhartzen !

Draisine

Zitat von: horrorexitmytoday am 12:34:59 Fr. 16.September 2022Okay soweit mal, welche handwerkliche Ausbildung würdest Du mir empfehlen? :)
Ich empfehle Dir mal unbedingt einen Berufswahltest  -aus Österreich. Der hat mir mal ein super Ergebnis gebracht.Und viel neue Erkenntnis, die zudem sehr stimmig war.

Dabei musst Du halt nur den Anschein eines Österreichers beibehalten -bei der Eingabe. Sei halt kreativ. Aber bleibe bei Deinem realen Werdegang, bei den Vorabfragen dazu.Probier es halt aus.

https://www.berufskompass.at/berufskompass/#!/question_person

Ich wünsche Dir viel Erfolg und wertvolle  Erkenntnisse.



horrorexitmytoday

Das mit der Floristin ist österreichisch-morbid, aber gut  ;D
Vielen Dank, Tom!

Vielen Dank, Draisine, das sehr lieb von Dir!!!  :D


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