Ärzte im Streik?

Begonnen von lu.gal, 10:10:52 Mi. 18.Januar 2006

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

lu.gal

Natürlich sind die Forderungen der deutschen Klinik- und niedergelassenen Ärzte auf den ersten Blick nachvollziehbar, denn wer möchte schon für wenig Geld viel arbeiten?

Die Antwort hierauf ist aber nicht auf diesen speziellen Berufsstand begrenzt, denn die aktuelle Realität für die überwiegenden Arbeitnehmer sieht ähnlich aus. Tatsache ist, daß man im Allgemeinen seit Mitte der 80er Jahre immer mehr arbeiten muß, im Gegenzug aber unter dem Strich weniger verdient.

Die Situation der deutschen Ärzte entspricht also der Lage, wie sie für alle Berufsschichten zutrifft.

Nun stelle man sich z.B. mal vor, die Angestellten der Industrie würden heute geringere Arbeitszeiten und dafür höhere Löhne verlangen. Jederman würde sie für völlig unrealistisch und verrückt halten. Aber genau dies sind die Forderungen der Ärzteschaft.

Was genau ist denn ein Arzt? Er ist ein Dienstleister am Menschen, genau wie jeder Schneider oder Bäcker. Er erbringt eine Leistung am Kunden, wofür er entlohnt wird. Nicht mehr und nicht weniger. Darüber hinaus gibt es gute und schlechte Schneider und Bäcker, genau wie es fähige und inkompetente Ärzte gibt. Das bringt die Natur der Sache einfach mit sich. Was passiert aber mit schlechten Bäckern? Ganz einfach: die Kundschaft bleibt aus, weil niemand seine schlechten Backwaren haben möchte.

Und genauso geht es zur Zeit den Ärzten. Ich als Pharmareferent kann aus meiner Erfahrung sagen, daß es gerechtfertigt wäre, etwa einem Drittel der Ärzteschaft sofort die Zulassung zu entziehen, denn sie richten mehr Schaden an, als sie ihren Patienten Nutzen bringen. Diese "Mediziner" sind nicht mehr fähig, die Krankheiten ihrer Patienten aktiv zu therapieren, sondern nur noch in der Lage, diese passiv zu "verwalten", indem sie nach "Schema F" vorgehen:

Der Patient klagt über die Beschwerden A und B, also verschreibe ich ihm das Medikament C, so wie es im Handbuch steht.

Ein richtiger Arzt muß aber in der Lage sein, den Patienten als Ganzes zu erfassen; mit all seinen Aspekten, die nicht nur den Körper, sondern auch seine Psyche beinhalten. Ein wirklich guter Arzt erkennt das Problem bereits, bevor der Patient auch nur ein Wort gesagt hat. Allein die äußere Gestalt, seine Körperhaltung, der Gesichtsausdruck, sein Verhalten geben einem fähigen Mediziner genug Anhaltspunkte über das Befinden seines Gegenüber.

Was also ist die logische Konsequenz aus all dem? Haben schlechte Ärzte das Recht auf Nachsicht? Natürlich nicht!

Genau wie schlechte Schneider und Bäcker verdienen sie es, Pleite zu machen, denn die Ärzte haben keine speziellen Rechte auf Nachsicht; sie stehen auch gewiß bestimmt nicht unter Naturschutz.

Natürlich hat Recht, wer sagt, daß Bäcker und Ärzte in ihrer Verantwortung den Menschen gegenüber nicht zu vergleichen sind. Aber ein Bäcker hat auch nie den Eid des Hypokrates leisten müssen, in dem er schwört, all sein Wissen und Können in den Dienst des Menschen zu stellen. Und genau die Mediziner, die heute am lautesten nach Einkommensverbesserungen schreien, sind diejenigen, die diesen Beruf nur deshalb ergriffen haben, um sich möglichst viel bereichern zu können, und wenig oder gar nicht das Wohl ihrer Patienten im Auge haben, wofür sie alle eigentlich verpflichtet sind.

Ärzte im Streik? Laßt sie uns mit Peitschen zurück in ihre Praxen treiben, auf daß sie endlich lernen, künftig demütig und selbstlos ihren Patienten zu dienen!

}:-]
Auferstanden aus Ruinen...jetzt mit noch mehr FrogPower!

ManOfConstantSorrow

Klar, es gibt in jeder Berufsgruppe Unfähige und Arschlöcher...

Und erst Recht: Die Strukturen und Hierarchien des Gesundheitswesens müssen grundsätzlich in Frage gestellt werden. Die Medizin, der Umgang mit Krankheit und Patient, all das darf nicht bleiben wie es ist.

Nur sollte man der Ärzteschaft nicht in dem Moment in den Rücken fallen, wenn sie mal was vernünftiges macht und gegen die Lohndrückerei kämpft. Auch hier kann kritisiert werden, daß die Ärzte meist nur für sich selbst kämpfen. Ein positiveres Beispiel kommt aus Groß Britannien, wo Pflegepersonal und Ärzte gemeinsam gegen die Kürzungen im Gesundheitswesen kämpfen, was nicht nur ihnen und ihren Arbeitsbedingungen zugute kommt, sondern auch den Patienten.

Ansonsten will und kann ich Dir nicht widersprechen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Regenwurm

Die Weißkittel auf den Barrikaden
50000 Praxen dicht, 25000 Mediziner auf der Straße

BERLIN/HAMBURG Mit der größten Weißkittel-Demo in der Geschichte der Bundesrepublik haben gestern bundesweit rund 25000 Kassenärzte gegen nach ihrer Meinung zu niedrige Honorare und immer mehr ausufernden Papierkrieg, der sie im Durchschnitt einen ganzen Wochentag kostet, protestiert. Bundesweit blieb etwa die Hälfte von insgesamt 100000 Praxen geschlossen.

Und das ist erst der Anfang", drohte Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, und forderte ein Ende der "staatlichen Geiz-ist-Geil-Mentalität. Wir wollen nicht länger auf dem Rücken unserer Patienten staatliche Rationierung durchführen müssen!"

Quelle:
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.

ManOfConstantSorrow

Ärzte-Streik während der EM: Ab 16. Juni Praxen für drei Tage zu
Empfehlung des Aktionskomitees der Niedergelassenen Ärzte: "Uns bleibt keine andere Wahl" - Kein Ergebnis bei Gespräch Sozialpartner-Ärztekammer - Kdolsky "fassungslos"


Wien - Obwohl das Gesundheitspaket noch nicht einmal durch den Ministerrat gegangen ist, haben die Ärzte am Mittwoch bereits Streiks beschlossen. Alle Praxen sollen österreichweit von 16. bis 18. Juni geschlossen bleiben, verkündete das "Aktionskomitee" der Ärztekammer Mittwochnachmittag. Wird dann weiter nicht auf die Forderungen der Mediziner eingegangen, sollen die Streiks zeitlich sogar noch ausgedehnt werden. Die Regierung zeigte sich indessen wenig beeindruckt von den Drohungen der Ärzte.

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) erinnerte daran, dass die geplanten Maßnahmen nun einmal in Begutachtung seien und da jeder eingeladen sei, noch bessere Alternativen anzubieten. Er halte nichts davon Kampfmaßnahmen anzudrohen, solange die Diskussionsphase laufe.

"Fassungslos" ist Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky: "Dieser angebliche Ärztestreik entbehrt jeder Grundlage. Ich halte ihn für skandalös und - das sage ich ausdrücklich - eine Frechheit gegenüber dem Patienten", so Kdolsky in der Tageszeitung "Österreich".

Alternativvorschläge gewünscht

Auch Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) hielt Linie. Seiner Ansicht nach sind bisher keine entsprechenden Alternativvorschläge gekommen. Die geplanten Maßnahmen von Aut-idem bis Patientenquittung verteidigte er. In Richtung der Kritiker aus allen möglichen Bereichen hielt der VP-Chef fest, dass es in dieser Frage von niemandem im Land eine Verweigerungshaltung geben dürfe.

Sozialminister Erwin Buchinger (SPÖ) verteidigte bei seinem Besuch mit Präsident Heinz Fischer in der Türkei das Paket ausdrücklich. Veränderungen seien nur innerhalb der festgelegten Eckpunkte möglich. Einen kleinen Spalt machte auch Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V) auf. Sie schloss Änderungen in der Begutachtung nicht gänzlich aus. Die Kritik an ihr nahm sie gelassen. Sie habe ohnehin gewusst, mit dem Angehen dieses "großen wichtigen Schrittes" nicht als "Liebling der Nation in die Annalen der Geschichte" einzugehen. Bezüglich der angedrohten Kampfmaßnahmen der Ärzte hoffte sie, dass es zu keinen wilden Streiks komme, denn das hätte disziplinäre Folgen.

Keine Wahl

Das, was das Aktionskomitee der Ärztekammer heute beschlossen hat, klingt freilich schon recht wild. Ab 16. Juni sollen mitten während der Fußball-Europameisterschaft in einer ersten Welle alle Ordinationen in ganz Österreich für drei Tage geschlossen werden. In weiteren Wellen sollen die Praxen für noch längere Zeit zu bleiben. Dass die Patienten zum Handkuss kommen, nimmt die Kammer in Kauf: "Uns bleibt keine andere Wahl", erklärte Vizepräsident Günther Wawrowsky, der gleichzeitig Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte ist. Diese werden übrigens mittlerweile auch von den Zahnärzten unterstützt. Zudem hätten auch die Spitalsärzte ihre prinzipielle Unterstützung für die Anliegen der niedergelassenen Ärzte bekundet, sagte Wawrowsky.

Reform im Ministerrat: 4. Juni als Termin bleibt

Voraussetzung für die Aufnahme der Kampfmaßnahmen ist nun noch ein Ja der Ärztekammer-Vollversammlung am 7. Juni, sofern das Gesundheitspaket in einer für die Ärzte nicht akzeptablen Form bis dahin durch den Ministerrat geht. Die Regierungsspitze bestätigt am Mittwoch, dass man beim 4. Juni als Termin bleibe, da sich ansonsten ein parlamentarischer Beschluss vor der Sommerpause nicht mehr ausgehe.

Vorerst haben die Verhandlungsaktivitäten jedenfalls keine Resultate gebracht. Bei einem Gespräch von Ärztekammer, ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Wirtschaftsbund-Generalsekretär Karlheinz Kopf (ÖVP) wurde kein greifbares Ergebnis erzielt. Der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner (S), der das Paket führend ausverhandelt hatte, geißelte die Streikdrohung der Ärzte: "Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist nicht durch die Reform gefährdet, sondern durch eine Politik der verbrannten Erde, die manche Zyniker mit wenig Verantwortungsbewusstsein betreiben." Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (V) forderte die Kritiker auf, zunächst einmal konstruktive Vorschläge zu präsentieren. (APA)

http://derstandard.at/?id=3345459
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

Ärzte-Streik
Jede dritte Praxis dicht

Wartezeiten bei Bereitschaftsdienst


Gesundheit! Der Wunsch ist diese Woche besonders wichtig, weil viele Ärzte ihre Praxen schließen: Protest gegen den Geldmangel in der ambulanten Krankenversorgung.

6500 niedergelassene Ärzte hat Berlin, die Initiatoren des Streiks gehen davon aus, dass ein Drittel davon seine Praxen dicht lässt. Wer krank wird, muss Geduld aufbringen: Der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) erhöht die Zahl der ständig rund 20 Ärzte, die durch die Stadt fahren, nicht. Steigen soll nur die Zahl der Mitarbeiter in der Zentrale (Telefon 31 00 31), damit man wenigstens am Telefon nicht ewig in der Warteschlange hängt.

Die übliche Wartezeit von höchstens zwei Stunden, bis der Arzt dann da ist, wird wahrscheinlich von heute an weit überschritten.

http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/print/berlin/223644.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

rf-news - 16.07.08: Die Hausärzte in Bayern haben nach Protestaktionen unter anderem zusammen mit 25.000 Patienten im Olympiastadion in München einen Teilerfolg erkämpft. Die monatelangen Protestaktionen richteten sich gegen die Übernahme des hausärztlichen Systems durch Kapitalgesellschaften, den Ausverkauf der Interessen der Patienten an diese Kapitalgesellschaften, gegen den Alleinvertretungsanspruch der (halbstaatlichen) Kassenärztlichen Vereinigungen bei Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen und gegen gegen das finanzielle Aushungern der hausärztlichen Praxen.

Die besonders unter Beschuss stehende CSU-Regierung muss nun Zugeständnisse machen, indem sie einen Vertretungsanspruch des kämpfenden Hausärzteverbandes einräumen muss, wozu noch ein Gesetz geändert werden soll. Dies ist allerdings auch auf dem Hintergrund zu sehen, dass die CSU in Bayern bei den Regionalwahlen dieses Jahr böse abgestraft wurde und nun befürchtet, bei den anstehenden Landtagswahlen eine noch größere Schlappe zu erleiden.

Gleichzeitig hat die Bundesregierung aufgrund des Drucks in ganz Deutschland eine Aufstockung des ärztlichen Gesamthonorars für 2009 um 2,5 Milliarden Euro beschlossen. Das gleichzeitige Versprechen der bayrischen Staatsregierung, das Eindringen der Kapitalgesellschaften in das ambulante Gesundheitssystem zu verhindern, ist wohl als übliches Wahlversprechen zu werten.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Similar topics (10)

  • Logo Stiftung Menschenwürde Chefduzen Spendenbutton