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Wat Noch => Theoriebereich => Thema gestartet von: Kuddel am 22:31:14 Mi. 25.Juli 2018

Titel: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 22:31:14 Mi. 25.Juli 2018
Es gibt wohl einen Hang zu einem geschlossenen Weltbild.
Menschen suchen etwas, was ihnen einen inneren Halt gibt.
Manchmal funktionieren linke Weltbilder auch wie Religionen.

Würde man sich kritischer mit linken Projekten auseinandersetzen, wüde man es den Reaktionären nicht so leicht machen.
Das große Projekt "Kommunismus" wurde in der Sowjetunion und China und im gesamten Ostblock nicht umgesetzt. Es wurde die Arbeiterklasse entmachtet, eine Parteiclique übernahm die Macht.

Auch in Spanien lief es bei der anarchistischen Verwaltung nicht immer so toll, wie es in der anarchistischen Geschichtsschreibung geschildert wird.

...Von absurd dadaistischen Herrschaftsformen, wie in Nord Korea und von den Roten Khmer in Kambodscha, mal ganz abgesehen...

Wenn man die Scheiße nicht kritisch aufarbeitet, gibt man den Reaktionären Recht mit ihren propangandistischen Angirffen gegen die brutale Realität von Stalinismus und Maoismus. Vieles, was unter den Vorzeichern eines Weges in eine bessere Welt gemacht wurde, war nicht akzeptabel und hatte nichts mit den ursprünglichen Ideen einer besseren und solidarischen Welt zu tun.

Es ist auch jetzt notwendig, kritisch auf das zu blicken, was sich in Lateinanmerika abspielt. Nicaragua war ein Land der Hoffnung mit seiner sandinistischen Revolution.
! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=D1LhlVtbW_U#)
Venezuela unter Chaves fand man hierzlande toll. Das, was sich dort entwickelt hat, kann man aber heute keinesfalls gut finden. Ich vermisse eine linke Kritik an diesen Entwicklungen.

Ich denke mal, wenn wir die Entwicklungen in Kobane nicht kritisch untersuchen, werden wir auch bald mit einem großen Katzenjammer erwachen.

DKP und Junge Welt, versuchen den letzten Scheiß schönzulügen.
Deshalb habe ich diesen Thread eröffnet: Für eine (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit linken Projekten.
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 12:55:20 So. 29.Juli 2018
Zitat
„Für mich“, heißt es im Brief eines Freundes aus dem Jahr 1980, „erfüllt sich mit Nicaragua auch eine Utopie. Und es gibt mir die Hoffnung, dass sich irgendwann auch hier noch einmal etwas bewegt.“ Knapper war kaum zu formulieren, was mit dem revolutionären Nicaragua einmal verbunden wurde.
(...)
Nicaragua war bedroht. Und wir eilten zu Hilfe!

300 Solidaritätskomitees allein in der Bundesrepublik waren die Antwort auf den Sieg der Sandinisten und die drohende US-Invasion. Ihre Mitglieder kamen von überall her, aus den Gewerkschaften, den Schulen und Unis, den Kirchen, natürlich auch aus der Linken.
(...)
Doch sie war zu schön, diese Revolution, als dass sie hätte verraten werden dürfen, selbst wenn die reale Erfahrung vor Ort dem eigenen Idealbild nicht immer standhielt. Nicaragua brachte die längste und breiteste politische Solidaritätsbewegung (gut 15.000 Brigadisten reisten dorthin) in der Bundesrepublik hervor, und die meisten Aktiven von damals dürften auch heute noch von Nachrichten aus diesem Land berührt sein.
https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/subbotnik-im-sueden (https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/subbotnik-im-sueden)
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: counselor am 14:12:46 So. 29.Juli 2018
Zum Thema "Rote Khmer" kann ich das Buch "Das Kambodscha-Drama" von Alexander Goeb aus dem linken Laika-Verlag empfehlen:
https://shop.laika-verlag.de/shop/allgemein/das-kambodscha-drama
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 08:35:41 Mo. 30.Juli 2018
Es ist gut, richtig und wichtig, daß es die Revolution in Nicaragua gegeben hat.
Es war auch positiv, daß in Venezuela Hugo Chávez 1989 zum Präsidenten gewählt worden ist.  Seine erklärten Ziele waren der Kampf gegen Korruption, die Schaffung und Stärkung direkt-demokratischer Partizipationsmöglichkeiten im politischen System sowie die Gewährleistung und Verteidigung der nationalen und ökonomischen Unabhängigkeit.

Länder, die versuchen aus der kapitalistischen Logik auszuscheren, stehen unter starkem internationalen Druck. Insbesondere die USA sind interessiert daran, daß solche Projekte scheitern. Doch nicht alles, was zum Niedergang dieser hoffnungsvollen Ansätze geführt hat, ist mit internationalem Druck, Wirtschaftsboykotten und Einflußnahmen ausländischer Geheimdienste zu erklären. Vieles verlief an Anfang an nicht so positiv, wie die Solidaritäsgruppen berichtet haben und die Linken hierzulande nur zu gern glaubten.

Was wir heute in Nicaragua und Venezuela erleben, ist ein echtes Desaster. Wir müssen uns intensiv damit auseinandersetzen, um es zu verstehen. Sonst werden wir ähnliches wieder und wieder erleben.

Die Negativnachrichten von dort sind keine Erfindung westlicher Propagandamedien.
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Troll am 09:53:02 So. 05.August 2018
Zu Venezuela ein passender Artikel:
Zitat
Der Ruin Venezuelas hat nichts mit einem "Sozialismus" oder einer "Revolution" zu tun

Die Analyse der bolivarischen Wirtschaftspolitik zeigt, wie weit entfernt diese von einer auf "Entwicklung" ausgerichteten oder gar sozialistischen Politik ist
...


Quelle: amerika21 (https://amerika21.de/analyse/207562/ruin-venezuelas)

Noch ein grundsätzlicher zum Thema:
Zitat
Lateinamerika ist von Rückschritt bedroht

Die progressiven Regierungen in Lateinamerika laufen Gefahr, dem Widerspruch zwischen einer linken Politik und einer rechten Ökonomie zu erliegen
...

Quelle: amerika21 (https://amerika21.de/analyse/206937/lateinamerika-armut-neoliberalismus)
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: counselor am 13:27:59 So. 05.August 2018
Diese ganzen progressiven Regierungen haben den Fehler gemacht, die Eigentumsverhältnisse nicht anzugehen.
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Troll am 09:24:17 Mo. 06.August 2018
Ja, und ich glaube das würde die kapitalistische Welt mehr in Aufruhr bringen und eine vielfaches an Gegenwind erzeugen als ein paar sterbliche Sozialisten.
Kapitalismus ist eine Mimose die hysterisch auf eventuell möglichen Machtverlust reagiert.
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 18:43:50 Mi. 15.August 2018
Zitat
„Stoppe sofort die Repression!“

 „Ich verlange, dass diese Repression sofort aufhört, unter der unsere Bevölkerung leidet. Schon seit mehreren Monaten kommt es im ganzen Land zu Massakern, Entführungen, Festnahmen und Folterungen.“ Das forderte der nicaraguanische Dichter, Theologe und Schriftsteller Ernesto Cardenal in einem offenen Brief an den Präsidenten Daniel Ortega. Ortega wird vorgeworfen, die gewaltsame Unterdrückung der Proteste gegen die Regierung angeordnet zu haben.

Der 93-jährige Cardenal sparte auch nicht mit Kritik an der Vizepräsidentin und Ehefrau Ortegas, Rosario Murillo. „Sowohl Rosario Murillo als auch Daniel Ortega führen sich auf, als gehöre ganz Nicaragua ihnen“, so der Dichter, der 2012 den Reina-Sofía-Preis gewonnen hat.

„Nicaragua braucht Frieden und nochmals Frieden“

Bereits am 21. Juli hatte der brasilianische Befreiungstheologe und Menschenrechtler Leonardo Boff ein Statement veröffentlicht: „Ich bin perplex angesichts der Tatsache, dass eine Regierung, die Nicaragua befreit hat, in der Lage ist, die Praktiken des ehemaligen Diktators nachzuahmen“, schrieb Boff. „Die Macht ist nicht dazu da, über dem Volk ausgeübt zu werden, sondern ihm mit Gerechtigkeit und Frieden zu dienen. Nicaragua braucht den Dialog, aber vor allem müssen die repressiven Kräfte aufhören zu töten. Das ist inakzeptabel. Nicaragua braucht Frieden und nochmals Frieden.“

Die Proteste haben Mitte April mit Demonstrationen gegen eine geplante Reform der Sozialversicherung begonnen. Seitdem fordert die Protestbewegung in Nicaragua den Rücktritt Ortegas, dem nach elf Jahren als Regierungschef Korruption und Machtmissbrauch vorgeworfen werden. Die Repression gegen die Protestierenden hat bereits mehr als 300 Tote gefordert.
https://www.npla.de/poonal/stoppe-sofort-die-repression/ (https://www.npla.de/poonal/stoppe-sofort-die-repression/)

Zitat
Ernesto Cardenal Martínez (* 20. Januar 1925 in Granada, Nicaragua) ist ein nicaraguanischer suspendierter katholischer Priester, sozialistischer Politiker und Dichter. Er ist einer der bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie und gilt neben Rubén Darío als einer der bedeutendsten Dichter Nicaraguas. Im Zuge der erfolgreichen Revolution in Nicaragua durch die Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) war er zwischen 1979 und 1987 Kulturminister von Nicaragua.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernesto_Cardenal (https://de.wikipedia.org/wiki/Ernesto_Cardenal)
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 13:19:54 Di. 21.August 2018
(https://img.nzz.ch/S=W1960/O=75/https://nzz-img.s3.amazonaws.com/2018/8/15/2d07fab9-ea3c-4653-af88-4017e471e635.jpeg)


Anläßlich des Jahrestages der Niederschlagung des Prager Frühlings:

Zitat
Der Prager Frühling ist die Bezeichnung für das Streben der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei (KPČ) unter Alexander Dubček im Frühjahr 1968, ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchzusetzen, sowie vor allem die Beeinflussung und Verstärkung dieser Reformbemühungen durch eine sich rasch entwickelnde kritische Öffentlichkeit.

Die Stimmung in der Bevölkerung war überwiegend „Zustimmung zum Sozialismus, allerdings nur zu einem reformierten, demokratischen (nicht 'Abschaffung des Sozialismus'). Bei einer Umfrage im Juli 1968 sprachen sich 89 % der tschechoslowakischen Bevölkerung für eine Beibehaltung des Sozialismus aus. “Das grundlegende Ziel war also, einen neuen Sozialismus zu denken, „ohne selbsternannte Führer […], ohne graue Arbeitsstätten und ohne gefühlslose Bürokratie“. Im Gegenzug sollte der „Mensch Wert über allen Werten sein“.

Die Freiheit von Presse, Wissenschaft, Information und Reisen waren wichtige Schritte auf dem Weg zum angestrebten kulturellen Pluralismus. Noch im Februar 1968 hatte Dubček die Pressezensur aufgehoben. In den Medien des Landes fand daraufhin eine „wahre Informationsexplosion“ statt. Dementsprechend wurde das Aktionsprogramm in der Öffentlichkeit wenig begeistert, sondern vielmehr als selbstverständlich aufgenommen, die Meinungsführerschaft hatte inzwischen von der Partei zum Volk gewechselt.

Der Stern berichtete in seiner Ausgabe Nr. 36 vom 8. September 1968, über die Aktivitäten des „Sendebataillons 701“ für Psychologische Kampfführung der Bundeswehr, welches während des Prager Frühlings mit Geheimsendern wie „Freies Radio Tschechoslowakei“ „Freies Radio Nordböhmen“ und „Radio Nummer sieben“ auf den Frequenzen ausgeschalteter ČSSR-Stationen sendete. Dabei wurden u. a. Falschmeldungen durchgegeben, z. B. das Dubček ermordet sei oder ein Kinderkrankenhaus in Prag zusammengeschossen wäre. Der Stern dementierte diesen Bericht später, aber es wurden auf Grund des Artikels gegen die Zeitschrift Vorwürfe des Landesverrats erhoben.

In der Nacht zum 21. August 1968 marschierten etwa eine halbe Million Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens in die Tschechoslowakei ein und besetzten innerhalb von wenigen Stunden alle strategisch wichtigen Positionen des Landes. Es war die größte Militäroperation in Europa seit 1945

Beim Einmarsch starben 98 Tschechen und Slowaken sowie etwa 50 Soldaten der Invasionstruppen.

Am 23. August, zwei Tage nach Beginn der Intervention, wurde Präsident Ludvík Svoboda offiziell zu Verhandlungen nach Moskau gerufen, an denen auf seine Forderung hin – zunächst nur inoffiziell – auch die in Haft gehaltenen Regierungsmitglieder um Dubček teilnahmen.

Das drei Tage später verabschiedete Moskauer Protokoll enthielt eine Aufhebung fast aller Reformprojekte. Mit diesem Ergebnis einer faktischen Kapitulation im Gepäck kehrte Dubček, der vorerst noch in seinen Ämtern belassen wurde, nach Prag zurück, wo er zunächst noch einmal begeistert empfangen wurde. Bald darauf wurde der Bevölkerung der ČSSR klar, dass der „Prager Frühling“ vorbei war.

Als Folge der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Truppen der Staaten des Warschauer Paktes verließen zehntausende Menschen, in erster Linie Facharbeiter und Intellektuelle, das Land. Allein nach Österreich flüchteten rund 96.000 Menschen, weitere 66.000 Urlauber kehrten nicht aus Österreich in die Tschechoslowakei zurück. Im Zuge der von Husák initiierten Säuberungen innerhalb der Kommunistischen Partei wurde knapp einer halben Million Parteimitgliedern das Parteibuch entzogen.

Am 16. Januar 1969 verbrannte sich der Student Jan Palach aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings auf dem Wenzelsplatz. Einen Monat später verbrannte sich dort auch Jan Zajíc.
gekürzt aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Fr%C3%BChling (https://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Fr%C3%BChling)

! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=rcxdlDlkQ4g#)

Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 11:59:58 Di. 28.August 2018
Nicaragua

Zitat
...außerdem möchte  ich auf was anderes hinweisen: daß sich bestimmte teile der linken, so DKP, UZ, auch personen der linkspartei und jetzt auch die Nachdenkseiten auf die seite von ortega schlagen. die genossin sissi karnehm-wolf aus göttingen bat mich, einen bericht zu nicaragua, in dem auch auf die weiterverbreitung eines artikels aus der UZ bei nachdenkseiten bezug genommen wird, an diese weiterzuleiten. (bisher habe ich noch keine antwort von nachdenkseiten).

Zitat
liebe genossen von den nachdenkseiten.

auf euren abdruck des UZ-artikels in den nachdenkseiten bekomme ich von sissi karnehm-wolf folgende mail,  die ich euch zusende. mit der bitte, sie zu veröffentlichen. falls man sich die maxime von rosa luxemburg  "zu sagen was ist, ist die revolutionärste tat" zu eigen macht, gehört dazu, auch andere meinungen als  die aus der UZ  zu veröffentlichen.

wenn eure leserin S.R. schreibt: Viele interessante aktuelle Fakten aus erster Hand zur derzeitigen Situation in Nicaragua, die man in den deutschsprachigen Mainstreammedien so umfassend und wahrheitsgetreu, in den richtigen Zusammenhängen dargestellt, nicht findet
so gehören in diese kategorie auch die berichte von prof. dr. manfred liebel und matthias schindler (gründer des hamburger nicaragua-vereins), die lange in nicaragua waren und jetzt ständigen kontakt dorthin haben.
 
ihr findet diese berichte hier: https://gewerkschaftslinke.hamburg/2018/07/25/nicaragua-und-die-linke-unterdrueckung-kritik-sozialismus-und-demokratie/ (https://gewerkschaftslinke.hamburg/2018/07/25/nicaragua-und-die-linke-unterdrueckung-kritik-sozialismus-und-demokratie/)
(matthias schindler stellt euch seinen bericht für die nachdenkseiten gern zur verfügung!)


und hier das interview mit manfred liebel:
https://www.ila-web.de/ausgaben/417/zwischen-politischem-aufbruch-und-angst (https://www.ila-web.de/ausgaben/417/zwischen-politischem-aufbruch-und-angst)

gruß von dieter wegner, jour fixe gewerkschaftslinke hamburg
Dieter Wegner, Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 08:53:16 Do. 30.August 2018
Zitat
»Ich hoffe, die Welt hört uns«

Vier Monate nach der Rebellion gegen die Regierung Ortega in Nicaragua herrscht die Normalität der Repression

...
Das jüngste Aufbegehren gegen die Regierung entzündete sich im April an einer allzu zögerlichen Reaktion auf einen Großbrand im Biosphärenreservat Indio Maíz. Es folgte eine per Dekret verordnete Reform des Sozialsystems. Die Rentenbeiträge sollten steigen, die ohnehin kargen Pensionen gekürzt werden. Friedliche Demonstrationen, vornehmlich angeführt von Studenten und Rentnern, wurden von Anhängern der sandinistischen Jugendorganisation (JS) und der Polizei blutig niedergeschlagen. Wachsende Proteste mündeten rasch in einer Massenbewegung, die den Rücktritt des autokratisch regierenden Ehepaars fordert. Bereits Anfang Juni hatten Regierungsgegner 70 Prozent der Haupttransportwege des Landes mit Straßensperren lahmgelegt. In Masaya, wo die Konfrontationen mitunter am heftigsten ausfielen, erklärten dessen Bewohner ihre Stadt zum »Freien Territorium«.
...
Drei Monate lang bot Masaya den unablässigen Angriffen seitens der Polizei und regimetreuen paramilitärischen Gruppen die Stirn. Erst als die Regierung im Rahmen einer landesweiten »Säuberungsoperation« jeglichen Ausdruck des Protests von der Straße zu verbannen suchte, wurde die Stadt durch eine über 1500 Mann starke Offensive zurückerobert. Er habe vom Präsidentenehepaar den Befehl erhalten, so Ramón Avellán, Generalkommissar der örtlichen Polizei, die Stadt »zu säubern, koste es, was es wolle«. Am 23. August wurde der als Symbol der Repression geltende Avellán zum Vizechef der Polizei befördert.
...
Seit August hat die offiziöse Repression neue Formen angenommen. Die zunehmende Bedrohung durch den Staatsapparat und die Kriminalisierung oppositioneller Sektoren bestimmen die aktuelle Phase der Krise. Diese Umstände haben mitunter zur vorübergehenden Schließung des Sitzes der nicaraguanischen Vereinigung für Menschenrechte (ANPDH) und zur Flucht ihres Leiters, Álvaro Leiva, nach Costa Rica geführt.
...
Weiterhin finden, der »Normalität« zum Trotz, Märsche statt - zumeist beschattet von Polizei und Paramilitärs. Willkürliche Verhaftungen von Demonstrierenden gehören in Folge dessen zur Tagesordnung. Die Protestzüge fordern die Befreiung der politischen Gefangenen und eine Wiederaufnahme des Mitte Mai initiierten Friedensdialoges. »Ich hoffe, die Welt hört uns«...
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1098751.proteste-in-nicaragua-ich-hoffe-die-welt-hoert-uns.html (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1098751.proteste-in-nicaragua-ich-hoffe-die-welt-hoert-uns.html)
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 20:56:31 Do. 30.August 2018
Jörg Weidemann spricht Klartext

Internationalistisches Bündnis statt reformistische Sammlungsbewegung
Seit einigen Wochen kursiert die sogenannte linke Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und anderen durch die Medien.

Wenn sich – wie behauptet – dort bereits Zehntausende im Interne eingetragen haben, zeigt das den Wunsch vieler Menschen, der Rechtsentwicklung der Regierung und der bürgerlichen Parteien, der AfD, Pegida und anderen ultrareaktionären und faschistoiden Kräften etwas entgegenzusetzen.

Aber steht  das  überhaupt auf der Agenda von Sahra Wagenknecht und Co.? Erklärtermaßen geht es ihnen um eine linke Mehrheit im Bundestag mit Kräften aus der SPD und den Grünen.

Also eine Neuauflage rot-grüner Regierungspolitik. Die hatten wir doch schon mal ... 1998, als Gerhard Schröder (SPD) und Joschka Fischer (Grüne) an die Regierung kamen. Mit dabei war anfangs auch Oskar Lafontaine als Finanzminister. Er weiß also genau, was er da plant.

Es war nicht zufällig diese rot-grüne Regierung, die in Jugoslawien den ersten Angriffskrieg mit deutscher Beteiligung nach dem II. Weltkrieg vom Zaun brach. Die Regierung, die die Agenda 2010 an den Start brachte. Bisherige Landesregierungen mit Beteiligung der Linkspartei lassen auch nicht gerade hoffen, dass sie einen anderen Kurs fährt, wenn sie einmal in der Regierung ist.

,,Es braucht eine starke Kraft gegen die Rechtsentwicklung der Regierung und ihre Faschisierung des Staatsapparats, aber das will Sahra Wagenknecht mit ihrer Sammlungsbewegung gar nicht sein.
 Jörg Weidemann, Mitglied des Zentralkomitees der MLPD

Es braucht eine starke Kraft gegen die Rechtsentwicklung der Regierung und ihre Faschisierung des Staatsapparats, aber das will Sahra Wagenknecht mit ihrer Sammlungsbewegung gar nicht sein. In weiser Voraussicht gründete die MLPD mit anderen bereits 2016 das Internationalistische Bündnis gegen den Rechtsruck der Regierung: „Ohne Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse kann in der heutigen Zeit kein einziges grundlegendes Problem gelöst werden," heißt es in den Gründungsdokumenten des Internationalistischen Bündnisses.

Auch darum geht es Wagenknecht und Co. eben nicht. Sie wollen alte reformistische Illusionen von der „Erneuerung des Sozialstaats und eine friedliche Außenpolitik1“ wieder aufwärmen. Selbstverständlich auf kapitalistischer Grundlage. Wagenknecht garniert das mit nationalistischen Positionen in der Flüchtlingspolitik, um auch AfD-Wähler zu gewinnen – statt sie zu überzeugen und ihnen zu helfen, mit rechter Demagogie fertigzuwerden.

Die MLPD und das Internationalistische Bündnis arbeiten im Kampf gegen die gefährliche Rechtsentwicklung auf der Grundlage des Kampfes mit anderen gerne und gleichberechtigt zusammen – auch mit Leuten aus der Sammlungsbewegung, den Grünen,  von Linkspartei oder der SPD. Aber für eine Neuauflage der längst gescheiterten kapitalistischen Lebenslügen sind wir nicht zu haben.



Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw35/internationalistisches-buendnis-statt-reformistische-sammlungsbewegung (https://www.rf-news.de/2018/kw35/internationalistisches-buendnis-statt-reformistische-sammlungsbewegung)
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 17:27:38 Fr. 31.August 2018
LINKE SAMMLUNGSBEWEGUNG #AUFSTEHEN“
Zurück zum "vermeintlich besseren" Kapitalismus?

Am 4. September will Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, das Projekt „#Aufstehen“ der Öffentlichkeit präsentieren.

Zitat

"Linke Sammlungsbewegung"? - Revolutionäre Kräfte werden nicht angesprochen!
Bei der von Sahra Wagenknecht als „linke Sammlungsbewegung“ bezeichnete Bewegung wird allerdings ein ganz anderes Fass aufgemacht. Dabei ist schon der Begriff „links“ irreführend, wenn revolutionäre Kräfte gar nicht angesprochen und die Bewegung insbesondere Mitglieder aus der SPD, den Grünen und der Linkspartei ansprechen soll. Im Mittelpunkt steht das Schüren neuer parlamentarischer Hoffnungen....

Zitat

Alter Wein in neuen Schläuchen
Die reformistischen Illusionen sind alter Wein in neuen Schläuchen: „Die Sammlungsbewegung soll all diejenigen zusammenführen, die sich eine Erneuerung des Sozialstaats, ein Zurück zur "Entspannungspolitik" Willy Brandts und ein verantwortungsvolles, naturverträgliches Wirtschaften wünschen.“¹ Willy Brandt betrieb keine "Entspannungspolitik" sondern die wirtschaftliche Durchdringung mit dem bürokratischen Kapitalismus. Er steht auch für Berufsverbote gegen fortschrittliche, revolutionäre und marxistisch-leninistische Lehrkräfte im Massenumfang.


Zitat

Ablenkung von der einzig notwendigen Konsequenz
Die „neue Idee“ von Sahra Wagenknecht zielt so vor allem darauf ab, von der einzig notwendigen Konsequenz abzulenken. Dass sich die Menschen im Kampf gegen Monopole und Staat zusammenschließen und den Kampf für den Sozialismus aufnehmen.


Wer gegen die Rechtsentwicklung der Regierung und gegen AfD und Co etwas machen will, dem ist geraten, nicht zum x-ten Mal auf eine angebliche soziale und friedliche Wandlungsfähigkeit des Kapitalismus zu setzen, sondern selbst politisch aktiv zu werden, die Bewegung des Internationalistischen Bündnisses zu unterstützen und die wissenschaftlich geführte Kapitalismuskritik mit den Schlussfolgerungen daraus für den Kampf für den Sozialimus/Kommunismus der MLPD zu stärken.

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw35/zurueck-zum-kapitalismus (https://www.rf-news.de/2018/kw35/zurueck-zum-kapitalismus)
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: counselor am 20:01:31 Fr. 31.August 2018
Ich würde "Aufstehen" jetzt nicht pauschal verdammen, sondern erst mal abwarten, was die Bewegung in der Praxis so macht.
Titel: Re:Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Rudolf Rocker am 09:46:58 Sa. 01.September 2018
Zitat
Aufstehen für Pegida
Die neue »Sammlungsbewegung« von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine ist kein Gegenentwurf zu AfD und Pegida, sondern deren Ausweitung in linke Milieus.

https://jungle.world/artikel/2018/33/aufstehen-fuer-pegida
Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 11:30:05 Di. 02.Februar 2021
Wir müssen uns mit vielen Dingen, die als links gelten, kritisch auseinandersetzen.

China, die Sowjetunion, die DDR und erst recht Nordkorea haben einen derart schlechten Ruf (zum Teil zurecht) in der Bevölkerung, daß sie mit linken Ideen und praktischen Kämpfen nichts zu tun haben will. Die Leute glauben, linke Politik läuft sowieso auf autoritäre, repressive Verhältnisse mit einer Mangelversorgung hinaus.

Wir müssen uns ansehen, was da warum falsch gelaufen ist. Wir müssen klarstellen, wie wir eine Wiederholung verhindern wollen. Unsere Vorstellungen und Kämpfe gehen nicht in Richtung einer Wiederholung des "real existierenden Sozialismus" des "Ostblocks".

Die Befreiungsbewegungen der 60er und 70er Jahre Lateinamerikas wurde von riesigen Hoffnungen der Linken hierzulande begleitet. Daß die "befreiten" Ländern dann nicht zu den hoffnungsvollen Inseln einer neuen Gesellschaft wurden, der man im Rest der Welt nachstrebt, führte zu einer Resignation vieler Linker.

Das sind alles Beispiele für die Notwendigkeit eines kritischen Rückblicks auf linke Großprojekte.

Es ist aber auch eine radikale Kritik an der heutigen linken Praxis notwendig.

Selten war Antifapolitik so wichtig wie heute.

Die Antifa ist stark unterwandert von den Antideutschen. Deren wirrer bis reaktionärer Scheiß wird dort gern nachgeplappert.

Die Antifa verhält sich oft wie eine Jugendsubkultur, die ihre Kräfte mit dem faschistischen Gegner messen will, sich aber um die gesellschaftlichen Verhältnisse und Kräfte herzlich wenig kümmert.
Die Autonome Antifa macht Ottonormalverbraucher Angst. Eine Antifa ist erst dann wirklich brauchbar, wenn die einfachen Leute erkennen, daß die Antifa sie beschützt vor dem militanten Arm des Kapitals. So lange sich die Antifa nicht für die Bevölkerung, bzw. die Klasse interssiert, und deren Bedürfnisse und Ängste nicht kennt, wird sie den rechten Tendenzen weiterhin wenig entgegensetzen können.

Ich halte das Interview mit Michael Wengraf "die unheilvolle Allianz zwischen Links- und Neoliberalismus" für einen interessanten Beitrag über die Verwirrung der heutigen Linken. https://www.heise.de/tp/features/Corona-beweist-Auch-Populisten-koennten-Grund-und-Freiheitsrechte-nicht-besser-abbauen-5036628.html
Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Nikita am 19:05:45 Do. 16.September 2021
Hier geht mal wieder ein linkes Projekt kaputt, das ich gern gelesen habe. Die linke Szene bleibt in der ewigen Selbstzersetzung.
Zu "Analyse & Kritik", Graswurzelrevolution und der FAU Hamburg frage mich:
What's left?

https://zuendlumpen.noblogs.org/

Zuendlumpen:  Rest in Peace

Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 12:27:42 Fr. 17.September 2021
Ich werde nicht recht schlau aus dem Posting.

Ich bin gelegentlich über die Seite "Zündlumpen" gestolpert und fand sie gut und wichtig. Jetzt ist wohl Schluß. Die Gründe dafür erkenne ich weder aus diesem Posting, noch aus ihrer eigenen Homepage.

"What's left" ist ein Wortspiel. Was ist links? Was ist geblieben?
Was will uns das sagen?

"Analyse & Kritik" (AK), Graswurzelrevolution und FAU Hamburg sind auch in der Krise? Vor der Auflösung?

Falls ja, was sind die Ursachen?

"Ewige Selbstzerstörung der Linken"?? Das Ganze in der Rubrik "Kritik an linken Projekten".
Ist eine interne politische Selbstkritik der Grund der "Selbstzerstörung"?

Ich habe zahlreiche linke und selbstverwaltete kulturelle Projekte den Bach runtergehen sehen. Immer kam die Zersetzung von innen und nicht von einem äußeren Feind. Bei den mir bekannten Fällen waren es nie interne Debatten über die Ausrichtung und Zielsetzung des Projekts, die zu der Auflösung geführt haben, sondern das Fehlen dieser Debatten.

Manchmal vermischen sich persönliche und politische Gründe. Zum Knall kommt es dann, wenn diese Gründe nicht benannt und diskutiert werden. Oftmals sind es persönliche Enttäuschungen über unerfüllte Hoffnungen. Es sollte kein Problem sein, ein Projekt zu verlassen, wenn man den Glauben an die Sache verloren hat. Das wird im Allgemeinen nicht offen angesprochen, sondern es werden irgendwelche Dinge vorgeschoben, um die es nicht geht. Unehrlichkeit, Unterstellungen und Ausweichen werden kaum eine Lösung bringen, sondern eher zu einer Auflösung führen.

Man sollte politische Differenzen ebenso offen diskutieren, wie man zwischenmenschlichliche Probleme ernst nehmen muß. Daß dies nicht versucht wird, ist in meinen Augen oft der Grund für die Auflösung von Gruppen und Projekten.
Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 21:03:45 Mo. 27.September 2021
Huhu Nikita,
meine Frage war ernst gemeint. Weißt du mehr über die Konflikte bei Zündlumpen, AK und FAU Hamburg?
Bei Zundlumpen habe ich immerhin verstanden, daß die wohl am Ende sind. Warum? Keine Ahnung.
Beim AK und der Fau Hamburg hatte ich noch nichtmal einen Schimmer, daß es da überhaupt Konflikte gibt.
Oder habe ich dich falsch verstanden?
Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Nikita am 21:17:47 Mo. 27.September 2021
Zitat
"Analyse & Kritik" (AK), Graswurzelrevolution und FAU Hamburg sind auch in der Krise? Vor der Auflösung?
Nein.

Zuendlumpen gibt sie u.a. als Gründe an, weshalb sie ihr Magazin und die Website einstellen. Siehe hier:
https://zuendlumpen.noblogs.org/post/2021/09/15/das-wars/

"ist während der letzten anderthalb Jahre eine regelrechte Hetzkampagne gegen unsere Zeitung ins Rollen geraten."

"Erst waren es die Zentralorgane des linksidentitären Konformismus wie die konkret und die Analyse & Kritik, die uns – wenig plausibel – unterstellten, sozialdarwinistische Positionen zu vertreten. Dem schloss sich das „anarcho“konformistische Traditionsblatt schlechthin, die Graswurzelrevolution an und setzte den Zündlumpen und „den Insurrektionalismus“ mit Neonazis gleich (bzw. befand ihn für phänomenologisch ähnlich, wie Lou Marin später betonen würde) und schließlich folgten die etwas weniger in Konformismus geübten, dank ihrer Wissenschaftsgläubigkeit orientierungslos gewordenen, anarchistischen Schwurbelbekämpfer*innen der FAU Hamburg und anderer irrelevanter Gruppen; und irgendwelche plattformistischen Stümper versuchten sich relativ erfolglos am öffentlichkeitswirksamen Verbrennen des Zündlumpens. Vor allem letzteres hat uns zu Denken gegeben: Wenn dieses Blatt nicht einmal seinem Namen gerecht wird, wozu taugt es dann überhaupt?

Unterdessen fängt eine „Linke Szene“ an, zu raunen und zu spekulieren: Nicht einmal das Maul halten können diese Leute noch. Erst flüstert der Arthur der Anna etwas zu, dann die Anna dem Christoph. Der Christoph versucht sich sogar als Hobbybulle und versucht aus den Handschriften irgendwelcher Münchner Graffiti schlau zu werden. Mutmaßungen über die Urheber*innenschaft des allseits verhassten Blattes machen die Runde und wer es wagt zuzugeben, dass sie eigentlich doch ganz spannend findet, was da so geschrieben steht, die muss sich immer häufiger anhören, was der Freund vom Arthur bei Twitter von Anna gelesen hat, die zwar selbst nicht den Artikel gelesen, aber doch immerhin von einer Freundin erzählt bekommen hat, was deren Freund sagt, dass darin stünde. Nein, wirklich, das ist kein Witz. Das ist das Niveau, auf dem der Zündlumpen unter Linken mehr oder weniger erfolgreich diffamiert wird. Kein Wunder, dass man mit solchen Jasagern schon vor einiger Zeit gebrochen hat. Gefährlich sind die Spekulationen in diesen Kreisen jedoch nichtsdestotrotz. Nicht weil diese Leute irgendeine Ahnung hätten, sondern vielmehr, weil der Repression auch die wildeste Spekulation zum Vorwand gereichen kann, wenn sie ihr gerade gelegen kommt."

Gesamter Text im
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Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 21:07:20 So. 03.Oktober 2021
Diesen Text kannte ich. Hat mich nicht schlauer gemacht. Habe nur Bahnhof verstanden.

Es ist eher die Regel, denn die Ausnahme, daß linke Projekte nur zeitlich begrenzt funktionieren. Ich finde es interessant herauszufinden, woran es liegt. Ein Bekannter hat mir gesagt, daß er nicht mehr mit Studenten politisch zusammenarbeitet. Es haben sich immer die gleichen Erfahrungen wiederholt: Erst kann ihnen alles nicht radikal genug sein. Nach 2-3 Jahren sind sie weg. In einer anderen Stadt. Dann steht ein prekärer Job oder eine Karriere an. Und wenn noch ein Kind kommt, ist sowieso alles vorbei. Die Radikalinskis von gestern sind für Aktivismus nicht mehr zu haben. Sie interessieren sich auch nicht mehr sonderlich für Politik.

War das bei Zundliumpen möglicherweise auch so? Ich werde aus dem verquarsten Text voller linker Codes und Insiderwortspielen nicht schlau. Es wird eine Parole der Roten Hilfe benutzt und verstehe sie so, daß Leute zuviel gequatscht haben über Dinge, über die man nicht quatscht. Auch wenn es nicht direkt den Bullen erzählt wurde, machte es indirekt die Runde und erreichte vielleicht Ohren, die es nicht hören sollten. Und das Hinweisen auf die FAU Hamburg? Was sollte das? Man sagt der hamburger FAU nach, sie sei von den Antideutschen unterwandert. Hatte der Zündlumpen des gleiche Problem?

Warum nur linker Insidersprech? Warum werden die Probleme nicht benannt??
Ich bin Anhänger einer Geschichtsschreibung von unten. Das sind auch die Geschichten des Widerstands. Und dazu gehören auch die Fehler und Niederlagen. Aus ihnen kann man mehr lernen, als an der Selbstbeweihräucherung der Aktivist:innen.
Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 11:27:43 Sa. 08.Januar 2022
Zitat
Rosa Luxemburg zur Russischen Revolution

Vor genau einhundert Jahren erschien Rosa Luxemburgs Kritik an den Bolschewiki. Der Parteikommunismus hat sie dafür an den Rand gedrängt.


(...) Auch die politischen Formen der Revolution gaben ihr bereits zu diesem frühen Zeitpunkt zu denken. Wegweisend an ihren Ausführungen ist, dass sie dabei »sozialistische Demokratie« und eine »revolutionäre Diktatur des Proletariats« nicht als Gegensätze behandelte sondern in eins setzte. In genau diesem Zusammenhang steht auch ihre berühmte Bemerkung über die »Freiheit des anders Denkenden«.

Luxemburg spricht hier gegen die Diktatur einer Partei und von der Freiheit auf der Grundlage der Revolution. Die Revolution bedarf der Freiheit um ihrer selbst willen. Diese kann nicht auf den Sanktnimmerleinstag verschoben werden, denn mit der Revolution beginnt die Freiheit, sie ist ihr Lebenselixier: »Sozialistische Demokratie beginnt aber nicht erst im gelobten Lande, wenn der Unterbau der sozialistischen Wirtschaft geschaffen ist, als fertiges Weihnachtsgeschenk für das brave Volk, das inzwischen treu die Handvoll sozialistischer Diktatoren unterstützt hat. Sozialistische Demokratie beginnt zugleich mit dem Abbau der Klassenherrschaft und dem Aufbau des Sozialismus. Sie beginnt mit dem Moment der Machteroberung durch die sozialistische Partei. Sie ist nichts anderes als die Diktatur des Proletariats.«

Dass die Revolution mit drakonischen Maßnahmen gegen das bürgerliche Eigentum einhergeht, zieht Luxemburg nicht in Zweifel. (...)
https://jacobin.de/artikel/rosa-luxemburg-zur-russischen-revolution-bolschewiki-lenin-russland-freiheit-des-andersdenkenden/
Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: dagobert am 12:50:45 Sa. 08.Januar 2022
Ergänzend zum Vorpost:
https://marx200.org/sites/default/files/zur_russischen_revolution.pdf
Titel: Re: Kritik an linken Projekten
Beitrag von: Kuddel am 15:14:34 Fr. 11.Februar 2022
Zitat
Abschied von Nicaragua

Am 21. Dezember 1983 betrete ich zum ersten Mal in meinem Leben nicaraguanischen Boden.
Obwohl ich seit dem Sturz des Diktators Somoza und der Machtübernahme der Sandinisten in
der Solidaritätsbewegung mit Nicaragua aktiv war, war dies der Tag, der mein Leben veränderte
und mich für mehrere Jahrzehnte mit einer revolutionären Befreiungsbewegung in der Dritten
Welt verband. Am 21. November 2021 verließ ich zum letzten Mal Nicaragua. Ich
verabschiedete mich von einem Land, dessen Befreiung und Entwicklung ich über vierzig Jahre
meines politischen Lebens gewidmet hatte. Ich ließ ein Land zurück, dessen Revolution von
einigen ihrer eigenen ehemaligen Führungskräfte verraten und unwiederbringlich zerstört
wurde.
https://infobuero-nicaragua.org/2022/02/abschied-von-nicaragua-ein-beitrag-von-matthias-schindler