Tarifflucht durch Tarifvertrag

Begonnen von bernie von zoom, 15:25:15 Mo. 15.September 2025

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bernie von zoom

Der Verhandlungsführer der DGB Tarifgemeinschaft Leiharbeit, Stefan Körzell, feiert den Tarifabschluss in der Leiharbeit. Damit gibt es weiter keinen gleichen Lohn ab dem ersten Tag, gelten bessere Tarifverträge in den Einsatzbetrieben für die Leiharbeiter nicht, wird die Tarifflucht fortgesetzt die Körzell wenige Tage zuvor beklagt hat.
Sinnvoll in der Leiharbeit wäre gleicher Lohn ab dem ersten Tag mit einem Tarifvertrag als Untergrenze.  Nach AÜG §8 (2) kann durch einen TV vom gleichen Lohn abgewichen werden. Es könnte aber auch eine Untergrenze sein. Müsste der Gesetzgeber festschreiben, könnte im TV stehen.

ZitatMehr Geld für Beschäftigte in der Leiharbeit

Die Beschäftigten in der Leiharbeit bekommen ab dem 1. Januar 2026 mehr Geld. Die DGB-Tarifgemeinschaft Leiharbeit erreichte gestern in der 2. Verhandlungsrunde mit dem Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP) eine Tarifeinigung für die rund 650.000 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in Deutschland. Die Entgelte steigen in 3 Stufen um insgesamt rund 9 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Zum 1. Januar 2026 gibt es 2,99 Prozent mehr Geld, ab 1. September 2026 eine weitere Erhöhung um 2,5 Prozent und schließlich ab 1. April 2027 dann ein Plus von 3,5 Prozent.

Stefan Körzell, DGB-Vorstandsmitglied und Verhandlungsführer für die DGB-Tarifgemeinschaft, sagte am Freitag in Frankfurt am Main:

"Es waren harte Verhandlungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Trotzdem sind uns mit diesem Ergebnis für die kommenden 2 Jahre deutliche Reallohnsteigerungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Branche gelungen. Damit steigen zugleich die Urlaubs- und Weihnachtsgelder, inklusive der Bonuszahlungen für Gewerkschaftsmitglieder."

https://www.dgb.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/mehr-geld-fuer-beschaeftigte-in-der-leiharbeit/


Analyse zeigt: Tarifflucht verursacht 123 Milliarden Euro Schaden

Datum 12. September 2025


Auf insgesamt rund 123 Milliarden Euro beziffert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den Schaden, der durch Tarifflucht und Lohndumping der Arbeitgeber hierzulande entsteht. Sozialversicherungen und Fiskus entgehen Milliarden Euro, ebenso wird die Kaufkraft in erheblichem Ausmaß geschmälert. Das belegen neue Berechnungen des DGB auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes.

Den Sozialversicherungen in Deutschland entgehen demnach jährlich rund 41 Milliarden Euro an Beiträgen. Bund, Länder und Kommunen nehmen aus demselben Grund circa 24 Milliarden Euro weniger Einkommensteuer ein. Die mangelnde Tarifbindung wirkt sich darüber hinaus unmittelbar auf die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung aus: Mit einer flächendeckenden Tarifbindung hätten die Beschäftigten insgesamt rund 58 Milliarden Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie.

Betrachtet über ganz Deutschland und über alle Branchen hinweg bedeutet das unter dem Strich, dass Beschäftigte, die keinen Tarifvertrag haben, jährlich 2.891 Euro netto weniger haben als Tarifbeschäftigte.

Stefan Körzell, DGB-Vorstandsmitglied:

"Tarifverträge sind nicht nur ein Instrument für faire Löhne, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Investition in Stabilität und soziale Sicherheit. Tarifflucht betrifft uns alle: Tarifverträge garantieren nicht nur höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und mehr Urlaub, sondern ermöglichen Beschäftigten auch, ihre Arbeitsbedingungen aktiv mitzugestalten.
https://www.dgb.de/aktuelles/news/analyse-zeigt-tarifflucht-verursacht-123-milliarden-euro-schaden

Kuddel

Von mir kommt nur noch ein Stoßseufzer zu dieser Meldung.

Diese Leihbuden sind die Pest und wir sollten sie komplett loswerden. Von mir aus kann man zuerst "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" fordern, obwohl es keine sonderlich gute Forderung ist. In anderen Ländern werden Leiharbeiter besser bezahlt als Stammarbeiter.

Wir kriegen nichts geschenkt und alles muß erkämpft werden. Leiharbeiter sind so gut wie gar nicht organisiert und führen einen sehr individuellen Kampf. Sie suchen sich eine neue Leihklitsche mit etwas besseren Konditionen und hoffen, daß sie irgendwann mal reinrutschen in die Stammbelegschaft.

Eigentlich sollten Gewerkschaften die Organisationen sein, in denen die Leiharbeiter gemeinsam etwas einfordern und durchsetzen. Doch was ist, wenn die Gewerkschaften gar kein Interesse daran haben, die Interessen der Leihsklaven durchzusetzen?

Sie sind nicht nur desinteressiert, sie stehen auf der anderen Seite. Wenn sie schlicht und ergreifend NICHTS gemacht hätten, wäre es automatisch zum Equal Pay (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) gekommen. Dadurch, daß sie einen Tarifabschluß unterzeichet haben, haben sie diesen Automatismus ausgehebelt und etwas schlechteres ausgehandelt als den gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Dafür feiern sie sich. In den Medien findet man keine kritischen Worte dazu.

Von einer innergewerkschaftliche Debatte nehme ich nichts wahr.

Hans01

Die Diskussion hatten wir ja schon einmal. Tarifverträge wirken nach und es ist völlig offen, was dann mit equal pay ist. Ea müsste erst einmal jemand dagegen klagen und gewinnen.

Zudem wird in der Leiharbeit inzwischen besser gezahlt als in vielen Kundenbetrieben. In unserem Konzern verdienen unsere eigenen Leute inzwischen weniger. Und es ist dem Geschäftsführer einfach egal. Er weiß, es wehrt sich ja eh keiner.

Equal pay bei uns würde eine Lohnkürzung für Leiharbeiter bedeuten. Super, dann braucht unsere GF bald gar nichts mehr machen und kann alle auf Mindestlohn abschmelzen.

Leider sind die Leute nicht fähig, sich zu wehren. Anonym im netz sich aufregen bringt genauso wenig wie auf die Politik zu hoffen oder sogar afd zu wählen, die in Wahrheit pro Kapital ist.

bernie von zoom

Hallo Hans01,

in welcher Branche bist Du denn tätig?
Die meisten Leiharbeiter werden nach EG1 bezahlt, verdinen weniger als Stammis.
Wenige verdienen mehr, sind sehr teuer für den Einsatzbetrieb weil die Leihgauner kräftig mitverdienen.
Tragen zur Spaltung der Belegschaft bei, das ist offentlich einigen AG den Preis wert.

Hans01

Logistik. Unsere eigenen Lagerhelfer bekommen bereits jetzt 20 Cent weniger als EG1 in der Leiharbeit. Der Abstand wird mit neuem Tarifabschluss wohl auf etwa 1€ anwachsen, da wir niemals 9% mehr innerhalb zwei Jahre erhalten werden. Vielleicht mit Glück insgesamt 4%. Und das wird so weitergehen.

Ich glaube ihr redet fast immer über die Industrie, wo die IG Metall in den Einsatzbetrieben gute Tarife verhandelt hat und wo es erst bei 18€ die Stunde losgeht. Das ist aber halt eine Branche mit vielen Mitgliedern und die IG Metall hat entsprechende Macht.

In unserer Branche kriegen die Leute ihre Hintern nicht hoch.




bernie von zoom

Die Logistik ist ein Bereich ohne den nichts läuft mit mieser Bezahlung der dort tätigen Menschen. Etwas Abstand zum Mindstlohn muss ein Tarifvetrag haben. Der des TV Leiharbeit beträgt derzeit 1,71€ und sinkt zum 1.1.26 mit der Erhöhung des Mindestlohn auf 1,06€

Zitat,,Es gibt einen neuen Entgelttarifvertrag in der Leiharbeit, der weiter keinen gleichen Lohn ab dem ersten Tag vorsieht und die Tarifflucht aus besseren Tarifverträgen der Einsatzbetriebe fortsetzt – der Abstand zum Mindestlohn wird allerdings verglichen mit heutigem Stand geringer.
...
Etwas Abstand muss sein, sonst könnte der ganze Tarifvertrag kassiert werden. Diese Sorge haben die internen Verwaltungsmitarbeiter der Leihfirmen, die für verdi in der TK und VK der DGB Tarifgemeinschaft sitzen, geäussert.
Ein Detail das weitgehend unbekannt ist. Die verdi TK ist dominiert von internen Verwaltungsmitarbeitern der Leihfirmen, für die gilt der Tarifvertrag nicht, es gibt auch keinen für diese Gruppe. Um ihren eigenen Job zu sichern gibt es kein Interesse an gleichem Lohn ab dem ersten Tag, mit einem TV Leiharbeit als Untergrenze.
Durch die Erhöhung des Mindestlohns ist der Lohnabstand zu Stammbeschäftigten geringer geworden, damit auch die Mehrkosten Leiharbeiter gezielt zur Spaltung der Belegschaft einzusetzen, zur Ver- und Behinderung von BR Arbeit, gewerkschaftlicher Organisation.
,,Es waren harte Verhandlungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Trotzdem sind uns mit diesem Ergebnis für die kommenden 2 Jahre deutliche Reallohnsteigerungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Branche gelungen."  Sagt DGB Verhandlungsführer Stefan Körzell zum Ergebnis. Der beklagt an anderer Stelle die zunehmende Tarifflucht." Kommentar und Grafik vom 7.10.25 von Johannes Aevermann, dem erfolgreichen Kläger

https://www.labournet.de/?p=229804

Hans01

Die Grafik passt nicht ganz, es werden 15,87 und nicht 15,88.

Und warum sollte der Tarifvertrag kassiert werden? Wird leider nicht erklärt. Bei anderen Tarifverträgen ist längst entschieden worden, dass Tarifgruppen unter Mindestlohn liegen können. Der Arbeitgeber muss dann eine Mindestlohnzulage zahlen. Das ist die einzige Konsequenz.

Übrigens gibt es auch Bedenken hinsichtlich Erhöhung des Mindestlohns.
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/bas-mindestlohn-erhoehung-anfechtbar-arbeitgeber-100.html

bernie von zoom

Der eine Cent macht natürlich einen gravierenden Unterschied.
Es gab die Sorge das jemand klagen könnte wenn die Differenz zum Mindestlohn zu gering ist.
Wenn ein bestehender Tarifvertrag unter Mindestlohn ist muss die Differenz gezahlt werden. Kann mir nicht vorstellen dass ein Neuabschluss unter Mindestlohn möglich ist.

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