Klassenkampf - politisches Bewußtsein - Krieg um die Köpfe

Begonnen von Hartzhetzer, 11:07:40 So. 23.März 2025

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Hartzhetzer

Ich trenne hier die Diskussion über den Kampf gegen die Mafia und die Diskussion über den Kampf um die Köpfe. Wie man neoliberales und faschistisches Denken aus den Köpfen kriegt, sollte nicht nur im Mafiaumfeld ein Thema sein.
admin


ZitatAber mein Hauptpunkt ist der, daß es uns nicht an genügend Waffen fehlt, sondern an Menschen mit einem Klassenbewußtsein und mit einem politischen Grundwissen. Ja, man möchte manchmal verzweifeln, wenn man mit Leuten redet. Aber sie sind nicht als Faschos auf die Welt gekommen. Wenn man versteht, was sie erstmal nach Rechts getrieben hat, kann man versuchen den Prozeß umzukehren.
Ich weiß nicht wie das gehen soll. Ich habe mich schon so oft mit Nachbarn, Bekannten und mit Menschen aus der eigenen Familie unterhalten, man kommt nicht weiter mit Gesprächen.

Ausländern tuen ihre Familien im Ausland in Deutschland mit Krankversichern daher haben die Krankenkassen kein Geld.
Du erklärst das es an den sinkenden Reallöhnen und den Pharmakonzernen liegt. Nein das ist nicht so, das liegt an den Ausländern, die Leute werden da teilweise richtig aggressiv.

Das ist ein Beispiel aus einem realen Gespräch von vielen. Allein schon die ganzen ekelhaften Rechten und neoliberalen Kommentare bei X, bei Fokus, MS News, in YouTube usw...
Früher habe ich sehr viel zurück kommentiert, aber stand mit meiner Sicht einfach alleine da. Ganz selten mal ein Like oder unterstützender Kommentar. Wahrscheinlich ist den meisten Linken das Internet außerhalb ihrer Bubbles als Diskussiondsplattform egal. Es wäre doch ein einfacher Weg diese Verwirrten zu erreichen und eventuell zu bekehren. Aber nein der Rechten und Neoliberalen Scheiße werden die öffentlichen Debattenräume im Internet überlassen.

Inzwischen tue ich bei X jeden User mit einer Rechten und/oder Neoliberalen Meinung nur noch blocken, ich habe kein Interessen mehr an einem Dialog der letztendlich eh nur mit Dislikes und von mehreren Menschen Niederkommentiert zu werden endet. Bei MS News und Focus habe ich aus dem gleichen Grund das Kommentieren aufgegeben und die Kommentarfunktion sowie das präsentiert bekommen von Artikel abgeschaltet.
Bei YouTube schreibe ich hin und wieder noch etwas zurück, allerdings habe ich die Antwortbenachrichtigung auf Kommentare abgeschaltet.

ZitatIch behaupte, daß diese Leute unsere zukünftigen Mitstreiter sind, auch wenn sie heute verwirrt, hirngewaschen und verzweifelt sein mögen und deshalb auf einem fragwürdigen Kurs sind. Man muß erstmal verstehen, was sie dazu gebracht hat, sich so gegen ihre eigenen Interessen zu wenden. Man muß ihnen die Chance geben, ihre Vorstellungen zu ändern.
Ich frage mich eh woher die Schnapsidee kommt das man Menschen die völlig Konträre Ansichten haben mit guten Argumenten und Logik von der Richtigkeit und/oder Falschheit einer Sache überzeugen kann.
Ich habe noch nie erlebt das ein Mensch der Kapitalismus und Nationalstaaten gut und richtig findet durch Argumente davon überzeugt werden kann das der Kram verlogener Bullshit ist. Es ist doch ein schleichender Prozess wenn Menschen ihre Meinungen und Standpunkte ändern und das geht dann in der Regel immer von den Menschen selber aus. Auslöser dafür sind meist persönliche Erfahrung, Schicksalsschläge oder schlichtweg die Zunahme von Lebenserfahrung, aber ein Flugblatt oder gute Kommunistische Agitation führen nicht dazu.

Denke es dir mal umgekehrt:
Du triffst einen alten Kumpel wieder der inzwischen Fascho und Mitglied von so einer Rocker Mafiatruppe ist. Du triffst dich mit ihm auf ein paar Bier und diskutierst friedlich mit ihm über Politik. Wie hoch ist die Wahrscheinlich das du am nächsten Tag Mitglied der Rockertruppe wirst, Kapitalismus cool findest und jagt auf Linke und Migranten machst weil dich die Argumente deines alten Kumpels überzeugt haben?

Gleich Null?

Wieso soll das dann umgekehrt funktionieren?
Weil wir die guten sind und die richtigere Meinung haben?
Die anderen werden es wohl genau umgekehrt sehen.

ZitatEs wird immer Idioten geben, die den Kapitalismus mit der Waffe verteidigen.
Besonders die Idioten die von diesem System profitieren und die der Meinung sind in einer Gesellschaft wo Menschen nicht mehr für das Scheiße sein belohnt werden keine tolle Möglichkeiten der Selbstverwirklichung mehr zu haben.

ZitatBildung und Vorträge sind sinnvoll, aber das Bewußtsein in der Klasse ändert sich in praktischen Auseinandersetzungen und Kämpfen am meisten. Und sorry, von denen hast du wenig Ahnung.
Da gebe ich dir Recht das ich davon wenig Ahnung habe, würde ich in Bremen leben dann wäre ich bei dieser Stadtteilgewerkschaft Solidarisch in Gröpelingen mit dabei. Ich lese das immer mit Interesse und finde deren Ansatz gut und zielführend.
Aber Beispielsweise diese DGB Gewerkschaften bewirken ja das Gegenteil von Klassenbewusstsein, sie erzeugenden bei den Gewerkschaftsmitgliedern eher eine emotionale Solidargemeinschaft mit den Unternehmern. Die Arbeiter sollen sich in erster Line darüber sorgen was den Vorständen und Unternehmen nützt, da ja ein Reicher Kapitalist mit erfolgreicher Firma auch ihr Vorteil ist. Im Schnitt genau der gleiche Blödsinn den Nationalisten immer Staatsbezogen von sich geben.
Das ist genauso als wenn ich einem Drogenabhängigen erzähle das er nichts gegen seine Abhängigkeit tun muss sondern lediglich dafür sorgen muss das es seinem Dealer gut geht da dann die Drogen Preiswerter und weniger gestreckt sind.

ZitatDas fehlende Klassenbewußtsein ist auch ein Resultat linker Politik. Linke haben selbst wenig Vorstellung davon, wie Klassenkampf heutzutage aussieht oder aussehen könnte. Es gibt möglicherweise theoretische Vorstellungen, doch im Alltag sind Prolls eher nervig, sexistisch und nicht links.
Schlimmer noch die offizielle Linke trägt die Rechten Entscheidungen der offiziellen Politik mit und hat sich vom Klassenkampf verabschiedet. Um nicht ganz farblos im bürgerlichen Mitte Einheitsbrei unterzugehen macht man die ganze Zeit auf Kapitalismuskonformen Klimaschutz und Feminismus bei veganen Essen und tut so als ob die Welt allein dadurch ein besserer Ort wird. Klar wenn mein Chef oder Vermieter eine vegane Frau oder LGBTQI+ Person ist, dann ist die hohe Miete und der Arbeitsstress bei Niedriglohn gleich etwas ganz anderes da der Ausbeuter ja allein dadurch ein besser Mensch ist wie so ein oller Fleisch essender weißer Cis Mann.

Versucht man das zu kritisieren, egal wie Vernünftig und besonnen man dabei vorgeht gibt es entweder Cancel Culture oder lahme Dialoge die zu nichts führen.
Was mich zum Kern des Themas zurück bringt. Schon in der Diskussion mit @Frauenpower zum Thema "Ja der Linken zu Kriegskrediten" sieht man ja das Menschen durch sinnvolle Argumente ihre Meinung nicht ändern. In dem Fall hat man es sogar mit einem Menschen zu tun der zumindest in einigen Grundlegenden Ansichten den eigenen Standpunkten gleicht.
Woher also die Idee das man jemanden der politisch in einer ganz anderen Ecke steht mit guten Argumenten davon überzeugen kann der dunklen Seite der Macht auf dem Leim gegangen zu sein?

Zitat@Hartzhetzer, genau an diesem Punkt, also dem Bewußtsein der Menschen, habe wir eine entgegengesetzte Haltung. Du behauptest, daß die Bevölkerung, bzw. die Arbeiterklasse Ausbeutung, Unterdrückung und Faschismus geradezu wollen und sie die Treiber für den Rechtsruck sind.
Ja das sehe ich so und ich sehe in den meisten Menschen keine Verbündeten sondern Gegner. Ich habe oft den Dialog gesucht und immer wieder erlebt wie sie ihr bescheuertes tägliches Arbeiten müssen als was gutes und richtiges empfinden. So gut und richtig das sie ständig nach der Staatsmacht schreien die Mitmenschen die das nicht genau wie sie sehr gerne machen unbedingt dazu zwingen soll. Wie sie Reichtum und Reiche als gerechtes Resultat von Fleiß, Disziplin, Risiko- und Leistungsbereitschaft sehen. Das sie Privateigentum gut finden und der Meinung sind das es halt jemanden braucht der das sagen hat und den anderen sagt wo es lang geht. Ihr perverser Stolz dem sie aus ihrem Untertanen Dasein ziehen: "Uns ging es damals auch schlecht und wir haben den Mund gehalten." Das man doch mal Erwachsen werden soll und seine kindische Weltsicht ablegen soll. Das es schon immer so war und der Mensch nun mal so ist und deswegen was anderes nicht möglich ist. Ein bissel härte hat noch niemanden geschadet. Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz, wer es mit 40 immer noch ist, keinen Verstand. Oder was man auch oft hört, man solle halt mal ein bisschen Dankbar sein, den anderen gehe es ja noch viel schlechter. Dankbarkeit und Bescheidenheit sei der Weg zum eigenen Wohlbefinden.

ZitatDu bist aber nicht nur ahnungslos, wie das gehen könnte, du suhlst dich in der Hoffnungslosigkeit und bist oft kontraproduktiv.
Doch ich habe Ideen wie das gehen könnte. Die einfachen Menschen müssen alle für mindestens einen Monat zu Hause bleiben und keinen Finger mehr krumm machen. Was denkst du wie schnell die Herrschenden hoffnungslos überfordert wären? Die hätten noch nicht einmal jemanden auf der Straße den sie mit Tränengas und Gummigeschossen beschießen könnten. Ich sehe es eher so das Demonstrationen eine veraltete Protestform sind die die Herrschenden einfach nur ignorieren brauchen. Das war beispielsweise bei den Hartz IV Protesten so, das hat man einfach ignoriert und nicht groß Thematisiert und irgendwann haben die Teilnehmer schon von selber begriffen das es sinnlose Zeitverschwendung ist.
Sollte eine Demo wirklich mal zu lästig und hartnäckig sein kesselt man sie mit Hochgerüsteten Polizeieinheiten ein und schießt die Demonstranten anschließend zusammen.
Anstatt nur erfolglos rumzulaufen und ins Mikro zu jammern könnte man ja Alternativ vor Behörden mal ein paar Strom und Internetverteilungen lahmlegen um mal etwas Druck aufzubauen.
So gesehen hat die letzte Generation sogar noch den effektivsten Protest gehabt, aber ihre Ziele waren halt ein Zahnloser Witz.

Ich suhle mich nicht in der Hoffnungslosigkeit, sondern ich habe keine Hoffnung mehr weil genau das realistisch ist. Der ganze Kram hier wird einfach so weitergehen. Seit 2006 bin ich in diesem Forum, jedes Jahr wird alles beschissener und es wird immer wieder darüber diskutiert und geklagt. Es wird der große Widerstand herbeigeredet, es wird auf Wahlen gehofft, es wurde damals auf die Verfassungsbeschwerde gegen Hartz IV gehofft. Und es ist nur eins passiert, es ist noch beschissener geworden.
Ich bin inzwischen fast 50, mein Körper hat nicht mehr so viel Elan wie mit 20 und irgendwann wird der Punkt kommen wo ich meine schlechte EU Rente nicht mehr mit billig Arbeit aufbessern kann oder schlimmer noch der Staat diese schlechte Rente einfach abschafft.
Und dann wird man im Internet lesen: "Richtig so wer nicht arbeitet soll auch nicht essen, wird Zeit das diese Faulen Schweine mal Verantwortung für ihr Leben übernehmen." Und das wird nicht die Bild schreiben, sondern deren Leser. Aus den Linksliberalen Lager wird dann kommen: "Das geht halt nicht anders denn wir müssen unsere Freiheit und Werte gegen Putin verteidigen und da muss jeder seinen Teil dazu beitragen."

ZitatIch bleibe dabei: Wir sollten nicht die BILD Leser angreifen, sondern diejenigen, die die BILD herausgeben.
Und wann treffen wir uns wo um die Bild Zeitung anzugreifen?
Ich finde es erstaunlich das die Bildzeitung so ein großer Arbeitgeber ist, schließlich haben 20% aus der Bild Redaktion Afd und 28% der Bild Mitarbeiter CDU gewählt.

ZitatHartzhetzer, du kannst das Problem ja mit der Knarre lösen.
Ich weiß nicht ob ich das kann, ich habe noch jemanden über den Haufen geschossen. Fakt ist aber die andere Seite/ unser Gegner kann es auf jeden Fall und wird auch kein Problem damit haben es je nach Bedarf zu tun.
Die Nazis vollzogen auf ihre Weise, was die Sozialdemokratie sich immer erträumt hatte: eine »ordentliche Revolution«, in der alles ganz anders wird, damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Zitat Schwarzbuch Kapitalismus Seite 278

admin

Hier kann die Debatte weitergehen, wie man sich mit Rechten und rechtem Denken auseinandersetzen kann oder sollte.

Ring frei!

counselor

Es ist nicht einfach, falsches Bewusstsein zu ändern. Anderen nur zu widersprechen und sie mit linken Ansichten zu konfrontieren ändert oft nichts. Man sollte vielleicht versuchen, Denkprozesse in Gang zu bringen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Tiefrot

ZitatMan sollte vielleicht versuchen, Denkprozesse in Gang zu bringen.

Hab das hier und da versucht. Aussichtslos.
Die Leute interessierts einfach nicht, die hängen in ihren Denkmustern fest.
Bloß nicht anders zu denken versuchen, könnte ja eine Lösung sein...  ::) 
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet die asozialen Medien ab !

Kuddel

@Hartzhetzer, ich find deinen Text sehr gut. Da will ich gern drauf eingehen, wahrscheinlich tröpfchenweise.

counselor

ZitatDie Leute interessierts einfach nicht, die hängen in ihren Denkmustern fest.

Dass die Leute einfach ihre Meinung ändern, nur weil man sie mit linken Ansichten traktiert, ist eine Illusion.  Vielleicht sollte man fragen "Wie bist Du zu Deiner Überzeugung gekommen?" oder "Welche Belege sprechen für Deine Überzeugung?" und dann weiter debattieren und eigene Erfahrungen in die Diskussion einbringen, die die eigene (linke) Sichtweise stützen.

Ich bin auch der Überzeugung, dass sich YouTube, X usw nicht zum Diskutieren eignen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Tiefrot

Hm - na ja, ich rede von Diskussionen offline. Du hast außerdem mein Vorgehen
ganz gut zusammen gefasst. Der Punkt ist vielmehr, das die Leute ihr Leben lang
nichts als den üblichen Scheiß gehört haben und meinen, das wäre richtig so.

Die Meisten haben ja auch gesehen, wie der Osten den Bach runter ist.
Ich fasse es mal so zusammen:

Was der Bauer nicht kennt, das frißt der nicht.

Zwischenzeitlich halte ich mich weitgehend aus solchen Diskussionen raus.
Wenn es ein paar Feinheiten zu klären gibt, nehm ich noch die Zähne auseinander.
Sonst aber höre ich lieber zu.
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
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Kuddel

Zitat von: counselor am 17:37:35 So. 23.März 2025Ich bin auch der Überzeugung, dass sich YouTube, X usw nicht zum Diskutieren eignen.

Das war auch der 1.Punkt, der mir eingefallen ist.

Das Internet ist die schlimmste aller Welten.

Die Kommentarspalten bei Youtube und X sind ein Alptraum, man blickt da auf menschliche Widerwärtigkeit, auf Dummheit und Menschenverachtung. Widerspricht man diesen kaputten Menschen, fühlen sie sich sogar bestätigt. Auf dem Feld ist kein Blumentopf zu gewinnen. Man kann da nichts positives bewirken. Allein der Blick auf diesen Müll ist nicht gut für's Wohlbefinden.

Kuddel

@Hartzhetzer, das mit der Bewußtseinsbildung ist kompliziert und ist nicht automatisch mit einer ausgeklügelten Herangehensweise und besonders cleveren Argumenten durchzusetzen.

Es geht oftmals gar nicht darum, ob etwas richtig oder falsch ist. Mit dem eigenen Weltbild versuchen Menschen mit der Welt klar zu kommen oder sich etwas besser zu fühlen. Wenn politische Systeme zusammenbrechen, gibt es einen Run auf Religionen, oftmals in einer primitiven, leicht auswendig zu lernenden Form. Egal ob evangelikal oder salafistisch, Hauptsache simpel und voller Verheißungen.

Es ist auch wichtig, ob hinter einer Idee auch eine reale Macht oder zumindest gewisse Druckmittel stehen. Eine Idee ohne Gebrauchswert hat wenig Attraktivität.

Als die Sowjetunion und dann die DDR zerfielen, gab es massenhaft Linke (im Westen), die ihre linken Vorstellungen komplett an den Nagel gehängt haben.

Inzwischen bekomme ich verschärft zu hören, daß Menschen sich eine "neue RAF" herwünschen. Sie haben oftmals recht fragwürdige Weltbilder. Sie sind es satt, den Machtverhältnissen und ihren Erniedrigungen ausgeliefert zu sein, sie wünschen sich Kräfte her, die denjenigen Angst machen, die sie erniedrigt haben. Da ist es egal, ob es eine neue NSDAP oder eine neue RAF ist.


ich zäume mal das Pferd von hinten auf, gehe auf deinen letzten Kommentar zuerst ein.


Zitat von: Hartzhetzer am 11:07:40 So. 23.März 2025
ZitatHartzhetzer, du kannst das Problem ja mit der Knarre lösen.
Ich weiß nicht ob ich das kann, ich habe noch jemanden über den Haufen geschossen. Fakt ist aber die andere Seite/ unser Gegner kann es auf jeden Fall und wird auch kein Problem damit haben es je nach Bedarf zu tun.

Tja, die Knarre und der Bewaffnete Kampf. Wir sind im wirklichen Leben und nicht im Film.

Ich habe öfter schon auf die Fresse gekriegt, bin auch von Faschos zusammengeschlagen worden und sie haben mir ins Gesicht getreten. Ich wünschte, ich könnte selbst und zuerst zuschlagen. Ich war mal in einer solchen Situation. Ich hatte mal die Möglichkeit, in einer Konfrontation zwischen Faschos und Antifa stand ich einem Fascho gegenüber und hatte ein Stromkabel in Schlagstockdicke und -Länge in der Hand. Ich hatte den "Gummiknüppel" zu Schlag erhoben und ihn angebrüllt er solle sich verpissen. Er stand ne Weile da, bis er weglief. Ich ärgere mich noch immer, daß ich ihm keine übergebraten habe. Ich kann es einfach nicht. Ich kann nicht zuschlagen. Ich finde, man sollte es können.

Eine Schußwaffe ist nochmal eine andere Nummer. Es gibt Situationen, in denen die Anwendung gerechtfertigt sein mag. Ich mag diese Brutalität nicht und finde, Leute machen es sich oftmals zu leicht damit.

Ich habe im Ausland Leute kennengelernt, die in Bürgerkriegen oder bewaffeten Auseinandersetzungen von der Waffe Gebrauch gemacht haben. Ich habe auch 2 Leute hier kennengelernt, die sich am bewaffneten Kampf beteiligt und dafür sehr lange im Knast gesessen haben. Sie haben niemanden verpfiffen und sich nie von ihrem politischen Weg distanziert, sagen aber, heute herrscht hier keine Situation, die den bewaffneten Kampf rechtfertigt.

Ich kenne auch zwei Leute, die in den 80ern in der Hausbesetzerszene und Umfeld mit Waffen hantiert und damit angegeben haben. Beide waren unangenehme Menschen. Der eine wurde Versicherungsmakler und brachte den Spruch, "Früher haben wir Häuser besetzt, heute kaufen wir sie." Wat'n Spinner. Heute ist er Therapeut oder Heiler, irgendsowas, jedenfalls voll angepaßt an das herrschende System. Der andere wurde mal wegen einer Lappalie von den Bullen hops genommen. Da fing er an zu plappern, hat mehr erzählt, als die Bullen ihn gefragt haben, er hörte gar nicht mehr auf und hat viele Leute belastet. Er ist jetzt in einem Zeugenschutzprogram. Ein Megaarsch!

Also man benutzt nicht nur mal ne Waffe, man hat den Rest des Lebens damit zu tun, auch wenn man seinen Lebensweg geändert haben mag.

Ich bin durchaus für die härtere Gangart in der Auseinandersetzung mit den Verhältnissen, ich möchte aber vermeiden, daß Blut fließt.

counselor

ZitatInzwischen bekomme ich verschärft zu hören, daß Menschen sich eine "neue RAF" herwünschen.

Das kann ich bestätigen. Ich habe das auch schon im Kollegenkreis zu hören bekommen.

Meine Gedanken dazu:

Viele Leute wollen Veränderungen. Sie wollen, dass Stellverter diese Veränderungen für sie herbeiführen. Sie begreifen nicht, dass sie selbst für Veränderungen aktiv werden müssen, damit eine Gegenmacht entsteht. Wenn man solchen Leuten sagt, dass sie zB zur Nürnberger Montagsdemo kommen sollen, dann winken sie oft mit Argumenten wie "so wenige Leute" ab und begreifen nicht, dass es ihre Zurückhaltung ist, die der Hemmschuh für den Aufbau einer Gegenmacht ist.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Hartzhetzer

ZitatViele Leute wollen Veränderungen.
Ja Veränderungen wollen die auf jeden Fall, die Frage ist nur was für welche?
Die meisten Menschen wollen keine Veränderung der Gesellschaft in Richtung Abschaffung der Kapitalistischen Wirtschaft oder Einführung von Basisdemokratischer Rätedemokratie.
Sondern sie wollen eine Änderung der Gesellschaft die die Arbeits- und Lebensbedingungen des BRD Kapitalismus von 1970 für sie wiederherstellen soll.

Die meisten Menschen wollen gerne in einer Gesellschaft leben wo es keine Kriminalität gibt, wo sie nicht Angst haben müssen betrogen, geschlagen und bestohlen zu werden und wo jeder Mensch Nett und Anständig seinen Teil zum erhalt der Gesellschaft beiträgt. Sie halten aber eine Gesellschaft wo die Mitglieder das aufgrund der Verbundenheit mit der Gesellschaft und der daraus resultierenden Loyalität freiwillig machen für nicht vereinbar mit der Menschen Natur.
Darum wollen sie eine Zentralle Macht die alle Menschen dazu zwingt nicht kriminell zu sein, nett und anständig zu sein und ihren Teil zum Erhalt der Gesellschaft beizutragen.
Wobei sie immer den geistigen Move machen sich zu denken: "Für mich bedeutet das keinen Zwang da ich das ja mein ganzes Leben über schon so mache, es sind ja die anderen Menschen die Quer treiben und die mal eine starke Hand benötigen."

Sieht man ja auch bei der Rechtfertigung der aktuellen Aufrüstung:
"Wenn wir erst mal stark genug bewaffnet sind dann können wir darüber wachen das sich jeder Staat an das Völkerrecht hält. Da dann jeder Staat Angst vor unserer Armee hätte würden sich die anderen Staaten dadurch an das Völkerrecht halten. Das wiederum würde für den Weltfrieden sorgen."

ZitatSie wollen, dass Stellverter diese Veränderungen für sie herbeiführen.
Wenn wunderts, das bekommt man ja auch von Kind an so beigebracht. Die ganze Gesellschaft mit ihrer Stock im Arsch Arbeitsteilung ist voller Scheuklappen tragender Fachidioten. Gesetzlich ist außerdem geregelt das du als einfacher Menschen für alles einen Fachmann nehmen sollst und die meisten Dinge auch nicht machen und Entscheiden darfst weil es dafür Spezialisten gibt.
Umgekehrt gibt es natürlich auch viele Dinge die absichtlich so verkompliziert werden das man ohne Fachleute gar nicht weiter kommt.

Selbst beim Protestieren und Kritisieren fällt man als einfacher Mensch heutzutage negativ auf wenn man sich auf seine eigenen Interessen und Empfindungen beruft. Kritik ist nur berechtigt wenn als deren Grundlage von Fachleuten Empirisch erstellte Statistiken mit Quellenangabe vorgelegt werden können.
Ich hatte zum Beispiel mal den Frevel begangen in einem Kommentarbereich zu schreiben:
"Hier wird jedes Jahr alles teurer und beschissener."
Daraufhin schrieb der Nick: "Ökofred": "Wo nimmst den du das her? Beweis das mal, wo sind den deine Quellen."
Oder ein anderes Beispiel ist dieser Kacksatz den bestimmt auch schon mal jeder in den Medien gehört hat:
"Die Menschen fühlen sich Arm und abgehängt."
Da ist auch schon der Gedanke dahinter das es sich da um individuelle Macken handelt die wissenschaftlich überhaupt nicht belegt sind." Arm ist man also dann wenn man durch die wissenschaftliche Arbeit eines Experten beweisen kann das man Arm ist und nicht wenn man Aufgrund der individuellen Lebenserfahrung der Meinung ist es zu sein."
Wenn die Experten die den Bürgergeld Regelsatz berechnen der Meinung sind das man mit Bürgergeld nicht Arm ist und das Existenzminimum gewährt ist, dann ist das so egal ob diejenigen die davon Leben etwas anderes sagen.

Auf der anderen Seite sind Experten und Stellvertreter natürlich auch etwas bequemes.
Wenn etwas schief geht und Scheiße ist trifft einem selbst keine Schuld. Man kann immer mit dem Finger auf die Stellvertreter, Experten und Entscheider zeigen. Wenn es ganz hart auf hart kommt kann man immer sagen: "Das ist eine Anweisung die ich umsetzen muss(te), es ist doch nicht persönlich gemeint."

ZitatIch bin durchaus für die härtere Gangart in der Auseinandersetzung mit den Verhältnissen, ich möchte aber vermeiden, daß Blut fließt.

Da bin ich mit dir einer Meinung, leider wird das nicht unsere Entscheidung sein, sondern die Entscheidung derjenigen die über die Gewaltmittel verfügen und die Macht haben diese einzusetzen.
Als populäres Beispiel:

ZitatBenno Paul Johann Ohnesorg (* 15. Oktober 1940 in Hannover; † 2. Juni 1967 in West-Berlin) war ein vielseitig kulturell und politisch interessierter Student, Pazifist und Mitglied einer evangelischen Studentengemeinde. Er war Teilnehmer an der Demonstration am 2. Juni 1967 in West-Berlin gegen den Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi. Dabei tötete der West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras den 26-Jährigen mit einem Pistolenschuss aus kurzer Distanz in den Hinterkopf.

Ohnesorgs gewaltsamer Tod machte ihn in ganz Deutschland bekannt und trug wesentlich dazu bei, dass sich die westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre bundesweit ausbreitete und radikalisierte. Sein Todestag gilt als Einschnitt der westdeutschen Nachkriegsgeschichte mit weitreichenden gesellschaftspolitischen Folgen.

Kurras wurde durch die von ihm behauptete Notwehr-Situation und weitere Falschaussagen seiner Polizeikollegen in zwei Gerichtsverfahren freigesprochen. Nachdem 2009 seine Tätigkeit als Geheimer Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit bekannt geworden war, wurde nochmals gegen ihn ermittelt. Erwiesen ist seit 2011, dass er auf Ohnesorg ohne Auftrag, unbedrängt und wahrscheinlich gezielt geschossen hatte. Eine neue Anklage blieb wegen der als unzureichend eingestuften Beweislage aus.

Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Ohnesorg

Wir leben in einer Welt wo es nur idealistisch zur Rechtfertigung des staatlichen Gewaltmonopols auf dem Papier darum geht was die einfachen Menschen wollen es aber real keine Rolle spielt. Das ist ja genau der Grund für die Unzufriedenheit in dieser Gesellschaft, das Anspruch und Wirklichkeit nicht zu vereinbaren sind.
Die Nazis vollzogen auf ihre Weise, was die Sozialdemokratie sich immer erträumt hatte: eine »ordentliche Revolution«, in der alles ganz anders wird, damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Zitat Schwarzbuch Kapitalismus Seite 278

counselor

ZitatDie meisten Menschen wollen keine Veränderung der Gesellschaft in Richtung Abschaffung der Kapitalistischen Wirtschaft oder Einführung von Basisdemokratischer Rätedemokratie.
Sondern sie wollen eine Änderung der Gesellschaft die die Arbeits- und Lebensbedingungen des BRD Kapitalismus von 1970 für sie wiederherstellen soll.

Vom Zurück zum Kapitalismus der 1970er habe ich noch nichts gehört in persönlichen Diskussionen. Eine Kollegin sagte mir einmal, dass sie nur das einfache Leben der DDR zurück haben will. Ein anderer Kollege ist offen für den Sozialismus. Wieder andere wollen eine Verbesserung ihrer persönlichen Situation.  Die Leute haben oft viel Stress, weil sie Beruf und Pflege von Angehörigen unter einen Hut bringen müssen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Hartzhetzer

ZitatWieder andere wollen eine Verbesserung ihrer persönlichen Situation.
Diese Verbesserung ist der Kapitalismus von 1970 mit einem Tollen Sozialstaat, guten Löhnen, vollen Supermärkten, wenig Arbeitslosigkeit, Eigenheim, tollen Urlauben, schönem Auto usw...
Natürlich sagen die nicht BRD Kapitalismus von 1970, sondern reden etwas von der Stärkung und Verbesserung der Sozialen Marktwirtschaft. Wer davon redet dem schwebt dieses Leben von damals vor.
Viele Menschen denken ja ernsthaft das es nicht mehr so wie damals ist weil wir falsch regiert wurden.
Die Nazis vollzogen auf ihre Weise, was die Sozialdemokratie sich immer erträumt hatte: eine »ordentliche Revolution«, in der alles ganz anders wird, damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Zitat Schwarzbuch Kapitalismus Seite 278

counselor

Da ist aber auch was dran. Der Sozialstaat war ja bis zur Einführung von H4 im Jahr 2004 auch besser. Und die Löhne wurden durch die Einführung von H4 auch massiv gedrückt. Die Gesellschaft war bis 2004 erträglich. Seither ist sie es nicht mehr.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Tiefrot

ZitatDer Sozialstaat war ja bis zur Einführung von H4 im Jahr 2004 auch besser.
Das sehe ich nicht ganz so. Dir ist keiner auf die Nerven gegangen, stimmt.
Aber was Geldnot betrifft, war die Situation auch nicht viel besser.

Ein Beispiel: Aus einer halbwegs gut bezahlten Tätigkeit in die Arbeitslosenhilfe abgerutscht.
Die hat grade mal so für die Miete gereicht, und nur dafür! Das SozAmt äußerte noch beim Antrag,
ich hätte noch 10 DM zu viel. Also so weiter klarkommen. Mit Wohngeld ähnliche Sachlage.

Damals war auch nicht alles Gold was glänzt.
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet die asozialen Medien ab !

Hartzhetzer

ZitatDa ist aber auch was dran. Der Sozialstaat war ja bis zur Einführung von H4 im Jahr 2004 auch besser. Und die Löhne wurden durch die Einführung von H4 auch massiv gedrückt.
Natürlich ist da was dran, da stimme ich dir zu.

Worin ich aber nicht zustimme ist der Standpunkt das Hartz IV und der damit verbundene Niedriglohnsektor durch falsches regiert werden entstanden ist und man ja künftig einfach nur wieder richtig regieren müsse um das Problem zu lösen.

Denn es ist kein falsches regiert werden gewesen.
Der Kapitalismus ist seid ungefähr 1980 immer mehr dabei an seinen eigenen Widersprüchen zu krepieren, daher startete ja auch in dieser Zeit der Klassenkampf von Oben in Form der neoliberalen Revolution.
Die Tatsache das es dem Kapitalismus unter anderem durch das Wettrüsten im kalten Krieg gelungen war den Staatskapitalismus der Ostblockstaaten 1990 in die Pleite zu treiben hat dem Kapitalismus, vor allem dem Westdeutschen noch einmal eine 10 Jährige Sonderkonjunktur verschafft.
Diese war in den Nuller Jahren vorbei und darum wurde Hartz IV und der Niedriglohnsektor eingeführt. Man hat gehofft dadurch international wieder so Wettbewerbsfähig zu werden das der Deutsche Kapitalismus für die nächsten Jahrzehnte gerettet ist.
Tatsächlich ist der Niedriglohnsektor gekoppelt mit der Euroeinführung auf kosten der EU Peripheriestaaten ein Erfolgsmodel des Deutschen Kapitalismus gewesen. Dieses bricht aber seit der Wirtschaftskrise von 2008 immer mehr zusammen, da es in diesen Staaten immer weniger zu hohlen gibt.
Jetzt noch die ganzen Folgekrisen und Weltordnungskriege dazu genommen und wir befinden uns in einer Gegenwart in der selbst das Leben nach der Hartz IV Einführung im Jahr 2010 als was wünschenswerteres erscheint wie die Realität und in der einen der BRD Kapitalismus von 1970 fast wie ein Paradies vorkommt.

Das wichtigste ist es das Kind beim Namen zu nennen.
Der Kapitalismus ist am untergehen und da jeder kapitalistische Nationalstaat versucht mit allen ihn zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen anzukämpfen werden solange bis der Kram komplett am Ende ist Nationalismus, Kriege und Soziale Einschnitte immer mehr zunehmen.
Ein kapitalistischer Staat kann nur dann etwas nach unten verteilen wenn nach Abzug der Gewinne der Kapitalistenklasse und Herrschenden Klasse überhaupt noch etwas zum verteilen da ist.

Genau gegen diesen Gedanken wehren sich die meisten Menschen, das wollen die ums verrecken nicht akzeptieren.
Stattdessen greifen sie lieber zu reformistisch Linksliberalen, neoliberalen und rechten Blödsinns Erklärungen.
Allein schon weil es emotional Befriedigender ist wie die Realität.
Es lässt sich leichter kapieren, macht weniger Angst und ist verdammt bequem in der Problemlösung, denn man braucht ja nur das was man die ganze Zeit schon gemacht hat künftig noch intensiver zu machen.
Hauptsache nichts neues was ganz anders ist, da soll dann im schlimmsten Fall doch lieber der Planet vor die Hunde gehen.

Der BRD Kapitalismus von 1970 wird höchsten nach einem mit nur konventionellen Waffen geführten 3. Weltkrieg wiederkommen und zwar wie das BRD Wirtschaftswunder als Nachkriegsbedingte Sonderkonjunktur.
Die Nazis vollzogen auf ihre Weise, was die Sozialdemokratie sich immer erträumt hatte: eine »ordentliche Revolution«, in der alles ganz anders wird, damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Zitat Schwarzbuch Kapitalismus Seite 278

counselor

@Hartzhetzer,

wir sind uns einig darin, dass es nicht "falsch regiert werden" ist, was die Ursache für die Misere ist. Es sind die Gesetzmäßigkeiten (zu nennen wäre hier der tendenzielle Fall der Profitrate, https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gesetz_des_tendenziellen_Falls_der_Profitrate) und Widersprüche des Kapitalismus, die da wirken. Deswegen bin ich ja auch für die Überwindung dieses Systems.

Bei dem ganzen Glauben der Mehrheit an den Kapitalismus spielt auch die Desinformation durch die Massenmedien eine gewisse Rolle. Marxistische Positionen werden da regelrecht draußen gehalten.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Ganz persönlich hatte ich mir innerhalb des Systems das Leben erträglich eingerichtet. Ich hatte stets nur eine begrenzte Zeit Lohnharbeit (oftmals als recht gut bezahlter Facharbeiter) gemacht, um dann wieder selbstgewählt "arbeitslos" zu sein. Damit hatte ich ein Leben ohne Armut und mit viel Zeit zur freien Verfügung, für politische Aktivitäten, Reisen und die schönen Dinge des Lebens. Das ist durch Schröders Agenda 2010 beendet worden. Leiharbeit, Jobcenterstreß, Bürokratie und ökonomische Probleme. Das war für mich ein radikaler Einschnitt.

counselor

Mir hat die neoliberale Politik (Austerität) die Aussicht auf ein erträgliches Leben zerstört. Zusätzlich kommt bei mir eine psychische Erkrankung dazu, die durch die harten Bedingungen auf dem ersten Arbeitsmarkt begünstigt wird. Das führt bei mir zu prekären Verhältnissen, insbesondere, dass der Lohn nicht zum Überleben reicht.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Onkel Tom

Zitat von: counselor am 17:37:35 So. 23.März 2025Vielleicht sollte man fragen "Wie bist Du zu Deiner Überzeugung gekommen?" oder "Welche Belege sprechen für Deine Überzeugung?" und dann weiter debattieren und eigene Erfahrungen in die Diskussion einbringen, die die eigene (linke) Sichtweise stützen.

Genau davon rate ich ab, weil es dann in langen und unnützen Diskussionen bis hin zu
Politbesinnungsstreitereien ausartet, die jedes gut gemeinte Vorhaben wie Aktion zu
nichte machen würde. Es geht anbei an Intimitäten eigenen Denkens und das sich Leute
wie z.B. ich dagegen wehren, ist nicht verwunderlich.

Sich an andere Polit-Besinnungsmäßig an zu schließen, zieht auch immer Autoritätsdenke
nach sich, was einem "Folger" eher zu "Ich muss, da mein Gedankengut noch nicht reif genug
sei ?" führt statt "Schön, das meine kleinen Fähigkeiten auch gefragt sind, womit ich "eine
Sache" ergänzend zum Erfolg bringen kann.

Wir sollten untereinaner (auch hier) darauf achten, die Freiheit des Denken zu respektieren,
statt daran rum manipullieren zu wollen.  ;)

Ich habe gestern an einer Infoveranstaltung teil genommen und trotz Teilnahme diverser Gruppen
blieben Bemaßung zu politischen Einstellungen aus und ich empfand es wie, das alle daran kein
Bock hatten, sich an Grabenkämpfe auf zu reiben oder sich damit zu befassen..

Ich habe es genossen. Schönen Sonntag  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 11:36:25 So. 30.März 2025Ganz persönlich hatte ich mir innerhalb des Systems das Leben erträglich eingerichtet. Ich hatte stets nur eine begrenzte Zeit Lohnharbeit (oftmals als recht gut bezahlter Facharbeiter) gemacht, um dann wieder selbstgewählt "arbeitslos" zu sein. Damit hatte ich ein Leben ohne Armut und mit viel Zeit zur freien Verfügung, für politische Aktivitäten, Reisen und die schönen Dinge des Lebens. Das ist durch Schröders Agenda 2010 beendet worden. Leiharbeit, Jobcenterstreß, Bürokratie und ökonomische Probleme. Das war für mich ein radikaler Einschnitt.
Ohne Armut und mit viel Zeit zur freien Verfügung, so hat das bei mir auch sehr lange super gut funktioniert. Als Student bekam man nahezu immer einen Job, der zumeist auch noch gut bzw. sehr gut bezahlt war.

Mir war aber nicht klar, dass das auch dann noch möglich war, wenn man nicht studiert hat. Ich finde es richtig cool wie Du das gemacht hast.

Sehr viele ungelernte Jobs sind mittlerweile so richtig scheiße. Nur in Teilzeit zu arbeiten, das geht finanziell kaum noch. Das war früher anders. Es war immer sehr gut mit Teilzeitarbeit.

Ich hatte noch nie einen Vollzeitjob. Und ich weiß auch nicht so recht, wie ich das schaffen soll. Die Zeit reicht ja so schon nicht für alles, was ich machen möchte. Ich frage mich, wie machen das die Menschen.

Morgen werden es genau drei Jahre, dass ich kein Student mehr bin.

Hartzhetzer

ZitatIch hatte noch nie einen Vollzeitjob. Und ich weiß auch nicht so recht, wie ich das schaffen soll. Die Zeit reicht ja so schon nicht für alles, was ich machen möchte. Ich frage mich, wie machen das die Menschen.

Mir ist schon damals während meiner ersten Berufsausbildung die ich nach zwei Jahren abgebrochen habe klar geworden das man sich auch gleich den Strick nehmen kann wenn das der Rest des Lebens sein soll. Gerade im Winter Früh im dunkeln die Wohnung verlassen und wenn man Nachmittag zurück kommt ist es schon wieder dunkel. Und im Sommer beim schönsten Badewetter auf irgendeiner Baustelle in Staub und Dreck stehen.

Ich hatte dann im Anschluss noch eine zweite Ausbildung gemacht und Abgeschlossen. Nach Ende dieser Ausbildung wollte ich eine Weiterführende Ausbildung zum Altenpfleger machen, die ich aufgrund von Gesetzesänderungen nicht mehr machen konnte da Altenpfleger danach eine normale Betriebliche Erstausbildung war. Da bin ich dann Notgedrungen an eine Fachschule gegangen um Techniker für Hauswirtschaft und Ernährung zu werden. Wie sich rausstellte war es im Schnitt eine Ausbildung zum Küchenchef einer Großküche. Das ganze war mit Internatsunterbringung und ich habe mich dort nicht wohlgefühlt, bin mit den Menschen nicht klar gekommen und den Großküchenkram fand ich auch nur Ätzend. 10 Tabellen ausfüllen um darzulegen wie und warum man jetzt gerade die Suppe umrührt und wieso man ausgerechnet eine Kelle und keinen Bratenspieß dafür verwendet.

Also brach ich das auch ab und bin erst einmal als Patient in die Psychiatrie gegangen. Ich war damals am Ende und hatte kein Bock mehr weiter zu leben und weiter zu machen. Nach einer Langzeittherapie kam ich dann raus aus der Psychiatrie und landete gleich in der Sozialhilfe. Dort hatte ich freiwillig an einem Arbeitsprogram teilgenommen um über Umwege noch ein Pflegeheim zu finden wo ich eine Berufsausbildung zum Altenpfleger machen kann.

In dieser Zeit wurde Hartz IV eingeführt. Die Pflegeheime haben mich als Praktikant der Sozialamtsmaßnahme gerne beschäftig, für die Ausbildung haben sie dann aber doch lieber die jungen frisch von der Schule genommen anstatt jemanden der schon eine Ausbildung hat und auf die 30 zugeht.
Dann hatte ich noch ein Jahr kombiniert mit Hartz IV auf Minijobbasis als Pflegehelfer gearbeitet. Während dieser Zeit ging mir das Arbeitsamt voll auf den Sack, ständig irgendwelche Schikanen zum Beispiel wurde mein Hartz IV um 100€ gekürzt da meine Wohnung mit 60m2 zu groß war und mein neuer Regelsatz nur die angemessene Miete bezahlen sollte.
Eine Weiterbildung zum Altenpfleger wollten sie mir aber nicht finanzieren, da hieß es in Behördendeutsch nein, denn es sei nicht abzusehen das dafür in naher Zukunft eine Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt besteht.
Das war dann auch die Zeit als ich mir den Nick Harthetzer zulegte und hier im Forum anfing.

Ich dachte mir damals wieso weiter versuchen ein normales Leben in dieser Gesellschaft zu führen wenn dich eh niemand haben will und es nur darum geht dich zu treten, zu schikanieren und zu verarschen um eine dämliche Geldzahl im Computer einzusparen. Da stand für mich fest das ich meine Psychische Erkrankung nutzen werde um eine Erwerbsunfähigkeitsrente zu bekommen, Hauptsache raus aus dem Hartz IV Hamsterrad.

Es war die Richtige Entscheidung, ich hatte mich danach zwar auch weiterhin bis heute mit Minijobs finanziell über Wasser gehalten da es ja in dem Laden hier keine Mindestrenten von denen man Leben kann gibt, aber zumindest bin ich das Arbeitsamt und seine menschenverachtende Menschenverwaltung los.

Über die ganze Jahre habe ich mich psychologisch (um mich besser verstehen zu können) und Politisch (um die Welt zu begreifen) weitergebildet.

Meine Erkenntnis:
In dieser Gesellschaft geht es nur darum eine Bühne für stärkere Alpha Menschen zu schaffen auf der sie legal schwächere Menschen fertigmachen und ausnutzen dürfen damit sich die Alphas auf diesem Wege selber ein Sorgenfreies Leben voller Annehmlichkeiten verschaffen können.
Diese Alphas gibt als Kleintyrannen in Form von Schulhofmobber, Mobbern in Betreiben, Faschos, Reaktionären Konservativen, Sachbearbeitern in Behörden und als Großtyrannen in Form von Reichen Leuten mit jeder Menge Privateigentum von dem das überleben einer Vielzahl von Menschen abhängig ist und Politikern in der Regierung.

Die meisten Menschen reden sich das schön. Da wird das tägliche Lebenszeitfressende Arbeiten in den Firmen der Alphas zum Dienst an der Gesellschaft umgedeutet. Die Zahlungen für die tägliche Reproduktion an die Firmen der Alphas zum einvernehmlichen Tauschhandel für den man sich ja freiwillig entscheidet.
Das regiert werden von den Alphas ist eine Dienstleistung an den eigenen Interessen die das eigene überleben sowie das überleben der Gesellschaft sichert.

Darüber hinaus gibt es auch Menschen die schon peilen das das Leben eine völlig sinnlose Dauerschleife vom immer wieder gleichen Dreck ist die sich den Laden hier aber trotzdem weiter antun damit es ihre Kinder wenigstens mal besser haben.

Dann wird es wahrscheinlich auch viele geben die einfach nur resigniert täglichen Dienst noch Vorschrift schieben.

Ich weiß zumindest für mich das ich bei zunehmenden gesundheitlichen Problemen die ab 50+ wohl auf mich zukommen werden keinen Arzt aufsuche. Ich werde eventuelle Kreislaufprobleme oder andere Dinge zu Hause aussitzen in der Hoffnung das es für mich mit spätestens 60 vorbei ist.
Die einzigen zwei Dinge auf die ich noch hoffe sind ein zeitiges und schnelles Ende und das dieser Wiedergeburtskram im Buddhismus nicht stimmt. Ich habe keinen Bock nochmal ein leben als Mensch zu führen, einmal reicht völlig aus.
Die Nazis vollzogen auf ihre Weise, was die Sozialdemokratie sich immer erträumt hatte: eine »ordentliche Revolution«, in der alles ganz anders wird, damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Zitat Schwarzbuch Kapitalismus Seite 278

BGS

Zitat,,Klassenkrieg!" und die Begleit-Propaganda gegen den Sozialstaat

... Der Klassenkrieg ist ein Verteilungskampf. Wer bekommt welchen Anteil an der Wertschöpfung im Land? Ein Kampf zwischen Lohnarbeit und Kapital. Die Zahlen von destatis zeigen sehr deutlich, dass Warren Buffett(*) recht hat: Das Kapital gewinnt.
... .

Die Agenda 2010 ist ein Meilenstein im Klassenkrieg und ein Meilenstein im Niedergang der SPD.

Wenn man von dem langfristigen Durchschnitt der Lohnquote von 71 Prozent ausgeht, hat in den 15 Jahren zwischen 2004 und 2018 eine zusätzliche Umverteilung von 877 Milliarden Euro stattgefunden (in jeweiligen Preisen). Preisbereinigt erreichte das Volumen mit 972 Milliarden Euro fast eine Billion. Für diese grandiose Umverteilungsleistung loben die Klassenkämpfer Gerhard Schröder noch heute. Viele von ihnen verlangen eine Neuauflage – eine Agenda 2030. Begründung dieses Mal: ,,Putin!". Der zwingt uns, kriegstüchtig zu werden. Da können wir uns soziale Überversorgung nicht mehr erlauben. Und Kanzler Merz kündigt folgerichtig ,,schmerzhafte Entscheidungen" im kommenden Herbst an.

An der folgenden Grafik ist sehr gut abzulesen, welche gewaltigen Verschiebungen im Verteilungskampf der letzten 33 Jahre stattgefunden haben. Einen zusätzlichen ,,Turbo" im Niedergang mussten die Rentnerinnen und Rentner erfahren ... .

Klassenkrieg und Propaganda gegen die Rentenversicherung
... .

Quelle: https://overton-magazin.de/top-story/klassenkrieg-und-die-begleit-propaganda-gegen-den-sozialstaat/

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

counselor

Ich glaube, die Linken müssen anders und grundsätzlich an die Lösung der Probleme herangehen.

Die Linken sollten die Leute befragen, wo ihre Probleme sind, sich dann mit den Leuten zusammensetzen und einen Schlachtplan zur Lösung der Probleme ausarbeiten und dann in die Tat umsetzen. Dabei können wir die Leute aufklären, was im Kapitalismus gelöst werden kann, und für welche Probleme wir ein anderes System wie z.B. den Sozialismus benötigen und wie die Lösung im Sozialismus aussehen würde. Wenn der Schlachtplan dann umgesetzt ist, kann man mit den Leuten zusammen auswerten, was gut gelaufen ist und was schlecht gelaufen ist und die Fehler aufarbeiten.

Wir müssen begreifen, dass es darauf ankommt, den kapitalistischen Unterbau der Gesellschaft im Kampf mit den Betroffenen zu ändern, dann ändert sich auch die Denkweise der Menschen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

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