MFG5-Gelände

Begonnen von Kuddel, 18:49:42 So. 16.November 2025

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Kuddel

In Kiel gibt es seit Jahren Versuche von Basisarbeit gegen die Wohnungsbaupolitik der Stadt. Es gibt mehrere Gruppen und Initiativen, die Forderungen stellen, Öffentlichkeitsarbeit machen und Proteste organisieren. Die Stadt schert sich nur um Investoren und Spekulanten und rollt wohlbetuchten potentiellen Neubürgern den Roten Teppich aus. Es war eine gute Idee, ein verlassenes Stück Land an der Förde für den Wohnungsbau vorzusehen. Da ist der Druck von unten mal auf offene Ohren gestoßen.

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Eine Infotafel am MFG5 Gelände

Da steht es noch, schwarz auf weiß: man will ein mischgenutztes Quartier mit hoher Lebensqualität bauen. Genau das hat die Stadt in den letzten Jahren nicht gebacken gekriegt und nicht einmal einen symbolischen Baubeginn gestartet.

Da es jetzt die "Zeitenwände" gibt und Nebensächlichkeiten wie Wohnraum nicht mehr interessieren, sondern ein Krieg vorbereitet werden muß, ist die Bundeswehr wieder da und will das Gelände zurück. Und natürlich hat Rheinmetall da Ideen und Interessen.

Der Platz wurde besetzt und ein Baumhaus ist das gallische Widerstandsnest gegen die Römer, bzw. germanischen Krieger.

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Vorgestern Abend waren wir zu zweit zu einem solidarischen Besuch dort.
Vielleicht kriege ich einen kleinen Bericht hin. Die Besetzung ist wichtig und doppelt wichtig als antimilitaristischer Widerstand. Wir würden die Besetzer gern nach Kräften unterstützen.

Nikita

Sehr coole Aktion! Ebenso der Solidaritätsbesuch.
Könnte das sein, oder?

Besetzung auf dem MFG-5-Gelände in Kiel




Kiel. In der Nacht vom 27. auf den 28.10.2025 errichteten Aktivist*innen der Turboklimakampfgruppe (TKKG) auf dem MFG5-Gelände in Kiel-Holtenau auf Bäumen eine Plattform, die sie seit dem besetzt halten. Sie protestieren mit der Aktion gegen den drohenden Verkauf des Geländes durch die Stadt Kiel an die Bundeswehr. Sie setzen sich dafür ein, dass das Gelände als allen Menschen zugänglicher und vielfältiger Ort erhalten und entsprechend gestaltet wird.

Unter dem Aktionsnamen ,,Voßbrook für alle – MFG-5 bleibt zivil." haben die Aktivist*innen eine Baumgruppe nahe dem Ufer der Förde besetzt. Eine Mahnwache am Boden unterstützt die Besetzer*innen, möchte informieren und lädt dazu ein, sich mit dem Protest zu solidarisieren. Mit der Aktion möchten sie die zahlreichen, bereits bestehenden Initiativen, die sich gegen den Verkauf richten, unterstützen und zusätzlichen politischen Druck aufbauen. Auf Transparenten kritisieren sie auch die angekündigten Kürzungen im Sozialbereich, während gleichzeitig hohe Milliardenbeträge in die Aufrüstung fließen. Sie befürchten eine zunehmende Militarisierung der Gesellschaft mit negativen Folgen für die Demokratie.

,,Aus dem Rathaus heißt es, Kiel müsse Verantwortung übernehmen und seinen Teil zur Landesverteidigung leisten. Aus unserer Sicht soll die Stadt jedoch ein sicherer, lebenswerter Ort für alle sein und nicht dazu dienen, der Bundeswehr Raum und ansonsten perspektivlose Menschen als Rekrut*innen zu liefern. Die Kieler Haushaltssperre hat bereits dazu geführt, dass Projekte für benachteiligte Jugendliche, Geflüchtete, Frauen und behinderte Menschen gekürzt oder ganz gestrichen wurden. Der soziale Kahlschlag auf Bundesebene drängt die Ärmsten in der Gesellschaft in die Wohnungslosigkeit.", kritisiert Aktivistin Mira Schneider.

Der Voßbrook war bis 2012 Standort des Marinefliegergeschwaders 5. Seit seinem Abzug aus Kiel laufen die Planungen der Stadt, die das Gelände 2020 schließlich kaufte, um dort ein neues Stadtquartier mit umfangreichen Wohn- und Gewerbeflächen umzusetzen. Dabei setzte die Stadt auf die Beteiligung und die Einbindung der Bürger*innen und versprach viel: Raum für gemeinschaftliches Handeln, für Vielfalt und Naturverbundenheit. Derzeit befindet sich das Gelände in der sogenannten ,,Zwischennutzung". In den ehemaligen Kasernen wohnen geflüchtete Menschen, ein Skatepark und ein Jugendtreff sind entstanden. Auch haben hier der Wagenplatz ,,Schlagloch", der sich als alternativer Kultur-, Bildungs- und Wohnort versteht, und der FC Holtenau 07 eine neue Bleibe gefunden.

Aus einem Gespräch am Freitag zwischen Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und der Bundeswehr wurde nun bekannt, was konkret geplant ist: große Teile des Seebataillons sollen nach Holtenau verlegt werden. Ursprünglich als defensive Sicherungseinheit strukturiert, wird diese im Zuge der sogenannten Zeitenwende zu einer offensiven Einheit, u.a für den ,,maritimen Jagdkampf", vergrößert. Hierfür soll das Gelände für etwa eine Milliarde Euro erneut zum Stützpunkt ausgebaut werden. Hinzu kommt die Anschaffung zahlreicher neuer Waffensysteme, die mindestens im zweistelligen Millionenbereich liegen.

,,Die Stationierung von Offensivtruppen und die mitten in der Stadt befindliche Produktion schwerer Kriegswaffen, die immer weiter ausgebaut wird, gefährdet nicht nur die Zivilist*innen in Kiel. Krieg beginnt hier. Während sich Deutschland gegenüber denen abschottet, die vor der mörderischen Gewalt fliehen, töten und bedrohen Waffen aus Kiel Menschen weltweit. Sowohl die Türkei, als auch Israel begehen schwerste Menschenrechtsverletzungen bis hin zum Genozid – und dennoch liefert Deutschland weiter Waffen. Als Kieler*innen können wir nicht tatenlos zusehen und protestieren daher lautstark und entschieden dagegen.", meint Aktivist Mark Thelen.
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https://tkkg.noblogs.org/files/2025/10/image_2025-10-28_06-42-35.jpg

https://tkkg.noblogs.org/files/2025/10/vossi_anreise_gelaende.png

Instagram: mfg5.bleibt.zivil

Mastodon: https://todon.eu/@MFG5_bleibt_zivil

https://tkkg.noblogs.org/post/2025/10/28/pressemitteilung-besetzung-auf-dem-mfg-5-gelaende-in-kiel/

Fritz Linow

Zitat20.11.25
Ratssaal-Tribüne geräumt: Hausverbot für Kieler Bundestagsabgeordnete

Aufruhr im Kieler Rathaus: Stadtpräsidentin Bettina Aust (Grüne) hat am Donnerstagabend die Sitzung der Ratsversammlung unterbrechen und die Zuschauertribüne räumen lassen müssen. Außerdem wurden Hausverbote erteilt. Betroffen war auch eine Kieler Bundestagsabgeordnete.

Auf der Tribüne blieb es ruhig, doch als es während der Einwohnerfragestunde um den Verkauf des MFG-5-Geländes ging, entrollten die Gäste Transparente, manche fotografierten. Beides ist während der Ratsversammlung nicht erlaubt. Deshalb ermahnte Stadtpräsidentin Bettina Aust (Grüne) die Demonstranten, die sich jedoch wenig beeindruckt zeigten.

Hausverbot für Kieler Bundestagsabgeordnete Tamara Mazzi

Die forderten weiter ,,Hände weg von MFG 5″ auf ihren Transparenten und machten Fotos. Daraufhin unterbrach Aust, die im Ratssaal das Hausrecht hat, die Sitzung und ließ die Tribüne von der Polizei räumen. Vier Polizisten waren im Einsatz, sie trafen auf geringen Widerstand – auf den Zuschauerrängen wurde aber über die Räumung mit den Beamten diskutiert.

Im Anschluss wurde den Demonstranten im Namen von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) zudem ein Hausverbot erteilt. Die Polizei geleitete sie nach draußen. Das betraf auch die Kieler Bundestagsabgeordnete Tamara Mazzi (Die Linke), die sich in der Gruppe befand. Mazzi war bis zum Frühjahr noch Kieler Ratsfrau, wurde aber bei der Bundestagswahl im Februar ins Berliner Parlament gewählt.

Mazzi verließ das Rathaus gelassen und gut gelaunt. ,,Wir als Linke unterstützen das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum", sagte sie. Aufmerksamkeit hat die Aktion zumindest gebracht. Zudem hat eine Vertreterin des Bündnisses nach eigenen Angaben 3000 Unterschriften an Bettina Aust übergeben, die sich gegen den Verkauf des MFG-5-Geländes an die Bundeswehr richten.
https://www.kn-online.de/lokales/kiel/demo-im-kieler-ratssaal-bundestagsabgeordnete-erhaelt-hausverbot-HR2TGJWWABGRJJQOFVQ6MFNP5Q.html

Kuddel

@Nikita, danke für deinen Zuspruch und für den ergänzenden Beitrag.

Ich will deshalb nochmal weitermachen mit meinem Bericht.
Diese Besetzung mag unspektakulär wirken, doch sie ist es nicht.
Von der Kieler Innenstadt aus gesehen, ist das MFG5 Gelände schon weit ab vom Schuß. Man muß erstmal über die Holtenauer Hochbrücke über den Nord-Ostsee Kanal, um an das Gelände zu kommen. Die Bundeswehr hat das Gebiet schon vor längerer Zeit verlassen und die da noch stehenden Gebäude haben den morbiden Charme von Lost Places. Wir kamen erst am Abend an und es dämmerte bereits. Das Gelände direkt an der Förde ist schon eine Sahneschnitte und ich bin sicher, Wohlbetuchte würden da gerne wohnen. Denen gönne ich nicht die schönsten Ecken, denn die Stadt sollte eine Stadt für alle sein und nicht für die Bonzen. Bundeswehr und Rheinmetall? Noch schlimmer!

Wir hatten vergessen, den Besetzern was zu futtern oder zumindest was zu knabbern mitzubringen. Wir wurden trotzdem mit offenen Armen empfangen. Sie sind so wacker, sie führen einen Kampf im Interesse vieler. Als wir da waren, wurde gerade ein Balkon für das Baumhaus gezimmert. Meine Versuche Fotos zu machen, waren eine Katastrophe. Ein Bild war dunkler und unschärfer als das Andere.

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Ganz oben ist die Piratenfahne, die Flagge der weltweiten Gen-Z Rebellion. Auf dem Foto nicht recht zu erkennen, aber da ist sie.

Und es ist ein guter Moment etwas mehr über die TKKG Gruppe zu erzählen, die hinter dieser Aktion steckt. Ich halte sie für eine der besten Umweltgruppen in Deutschland, besser als die mit den bekannten Namen.

Ich lobe sie nicht allein dafür, daß sie so wacker sind und auch bei geringer Beiteiligung oder Scheißwetter ihre Aktionen durchziehen. Aber einige ihrer Aktivitäten haben eine alle Erwartungen sprengede Beteiligung erzielt. Sie setzen gern auf die Direkte Aktion als Aktionsform und setzen ihre Körper ein, um den sogenannten Lauf der Dinge aufzuhalten. Leute von TKKG haben schon den chefduzen-Stammtisch besucht. Wir kennen und schätzen einander.

Sie sind irre mutig und sie lassen sich nicht von Repression abschrecken. Sie haben es öfter mit der Justiz zu tun. Es gab eine chefduzen-Solierklärung vor dem Gerichtsgebäude, einen anderen Prozeß beobachtete ich als Prozeßbesucher.

Was am beeindruckendsten ist, daß sie ihre Aktionen in einem größeren Zusammenhang sehen. Sie sehen den Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Kapitalinteressen. Sie stellen sich in ihren Aktionen auf die Seite der Ausgebeuten. Bei den Aktionen gegen die Kreuzfahrtschiffe, habe sie auch die Arbeitsbedingungen des Personals an Bord thematisiert und bei einer Aktion gegen eine Großschlachterei hatten sie auch ein mehrsprachiges Flugblatt für die migrantische Belegschaft dabei.

Wir sind auch gemeinsam von Kiel nach Hamburg gefahren, um bei der Eröffnung des Westfield Shopping Centers an der Hamburger Hafencity an den Tod von 5 albanischen Bauarbeitern zu erinnern.

Fritz Linow hat ja die Info aus den Kieler Nachrichten über die Protestaktion im kieler Rathaus gepostet. Ich füge hier nochmal das zugehörige Foto an:

Rathaus.jpg

Ich kann mich nur wiederholen: die sind super!
Stöbert ruhig mal ein wenig auf ihrer Website, da findet man eine Menge ihrer Aktivitäten und Gedanken.

https://tkkg.noblogs.org/page/2/

Kuddel

Es wurde hart im Hintergrund an der Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Nun hat es geklappt, das MFG5 Gelände und die Auseinandersetzungen darum, bundesweit bekannt zu machen.

In diesem Moment läuft im Deutschlandfunk eine Sendung über dieses Projkekt:

ZitatAgenda

Kaserne statt Wohnungsbau?
Mehr Platz für die Bundeswehr
Live aus der ehemaligen Technischen Marineschule in Kiel


Gäste:
Dr. Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister der Stadt Kiel
Dr. Sonja Kinzler, Leiterin des Stadt- und Schifffahrtmuseums Kiel
Christian Walter Meyer, Flottillenadmiral, Kommandeur der Einsatzflottille 1, Kiel
Andreas Friedrich Meyer, Sprecher Bündnis für bezahlbaren Wohnraum, Kiel
Tilmann Post, Kommunalpolitischer Korrespondent der Kieler Nachrichten
Am Mikrofon: Laura Kingston

Hörertel.: 00800 4464 4464
agenda@deutschlandfunk.de

Als Kiel 2020 das ehemalige Marinegelände MFG5 von der Bundeswehr kaufte, war die Welt noch eine friedlichere. Auf dem rund 130 Hektar großen Areal sollten über 2000 neue Wohnungen, Gewerbe- und Freizeitflächen entstehen. Doch die geopolitische Lage hat sich geändert und auch Deutschland rüstet auf. Das Verteidigungsministerium will das Gelände zurück. Kiel steht, wie andere Kommunen auch, im Konflikt zwischen Landesverteidigung und bezahlbarem Wohnraum. Was wiegt schwerer: Armee wieder fit machen oder bezahlbaren Wohnraum schaffen? Wie soll es mit dem Standort weitergehen? Wie könnte ein Kompromiss aussehen?
https://www.deutschlandfunk.de/agenda-104.html

Keine Ahnung, ob das noch nachgehört werden kann.

Der OB Ulf Kämpfer ist ein aalglatter Arsch. Er kann gut reden und verschanzt sich hinter Sachzwängen. Die Stadt Kiel hat es verpaßt, ihre Pläne, das MFG5 Gelände mit Wohnraum mit einem hohen Anteil an sozialen und günstigen Wohnungen zu bebauen, schlichtweg nicht umgesetzt, bzw. verpennt. Jetzt haben wir die "Zeitenwende", unter der demokratische Mehrheiten und Entscheidungen in den Hintergrund treten und der militärisch-industrielle Komplex Vorrang hat.

Kuddel



Kuddel


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