Stammtisch in Kiel

Begonnen von Aloysius, 21:04:10 Di. 27.Mai 2008

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admin

Ein Rückblick.
7 Leute. Wenn wir nicht den runden Tisch bekommen, wie es am letzten Donnerstag passiert ist, ziehen sich die Runde und die Gespräche auseinander. Dann laufen 3 Gespräche gleichzeitig. Schade.

Es war ein Stammtisch, an dem nicht unbedingt etwas abzuarbeiten, bzw. zu planen war. Es war auch wichtig sich auszukotzen. Vieles läuft nicht gut. Wohnen. Arbeit. Der Lauf der Welt. Oh weh.

Die angekündigten 1.Hand Anekdoten aus Lateinamerika und UK wurden dann UK und China-Stories. Auch nach China gibt es Kontakte.

Zu UK ging es um den ökonomischen und sozialen Niedergang. Eine Klassengesellschaft, in der es auch einen Klassenstolz und gegenseitige Hilfe gibt, aber die Verwirrung groß ist und der Rechtsruck auch bei den einfachen Menschen angekommen ist. Busfahren geht nur noch bargeldlos und selbst in der antifaschistischen Kneipe konnte man sein Bier nur mit Karte bezahlen.

In China ist die Digitalisierung noch weiter vorangeschritten. Da geht nix mehr ohne Smartphone. Auf dem Flohmarkt zahlt man per Handy. Selbst der Bettler nimmt die paar Yuan Gabe per Smartphone entgegen. Ein Chinesischer Mitstreiter, der in Deutschland lebt, ist zu Besuch in China, auch um sich da mit einigen Aktivsten zu treffen, um eine subversive Betriebsarbeit vorzubereiten. Er wurde vor gut einer Woche verhaftet. Damit ist er erstmal von der Bildfläche, ohne Kontakt zu einem Anwalt und ohne Möglichkeit die Famlie zu informieren. Zusätzliche Sorgen macht es, weil er wohl einige Genossen mit Klarnamen auf seinem Handy gespeichert hat.

Die Diskussion bewegte sich in Richtung Deutschland. Was wir denn machen, wenn der Kapitalismus keinen Rechtsstaat mehr braucht, wenn es auch hier autoritär wird? Die AfD wartet bereits in den Startlöchern. Wie ginge subversive Arbeit unter dem Radar? Kann man überhaupt noch abtauchen? Es wurde wirklich düster. Verbitterung und eine deprimierte Stimmung machte sich breit.

Einer berichtete noch vom Streik an seinem Arbeitsplatz, den Unikliniken. Verdi macht keine sonderlich gute Informationspolitik. Wie viele wo streikten, kann man nur ahnen, es sollen rund 300 gewesen sein. Es gibt noch viel Luft nach oben. Bei der Streikdemo waren wohl 800 Teilnehmer.

Es war auch die Linkspartei wieder Thema. Die Parteiführung empfand unsere Runde als absolut deprimierend. Man schielt in der Partei weiterhin auf Regierungsbeteiligung, statt konsequent Klasseninteressen zu vertreten. So wird es wieder in der Erbärmlichkeit der Sachzwänge enden.

Als sehr positiv kamen zwei neue Lokalpolitiker der Linken durch, insbesondere Tamara Mazzi aus Kiel-Mettenhof, die jetzt in den Bundestag einzieht.

admin

Tja, am Donnerstag (also morgen) ist wieder unser Stammtisch.
Es ist eine Menge los, sowohl in der Welt, alsauch in Kiel.

Schauen wir mal, wer am 5.3. ab 19°° in der Bambule aufschlägt.

admin

Ein weiterer Rückblick:

5 sind aufgeschlagen, 2 kamen später dazu, sie waren noch bei einer Diskussion über eine Olympiabewerbung Kiels.

Der große Schwerpunkt unserer Diskussion lag beim Irankrieg.

Es war recht beklemmend. Wenn wir nur fordern, den Krieg zu beenden, erscheint es, als hielten wir das Mulahregime für eine tolerierbare Regierung. Wir sind dabei hilflos. Die Medien hatten hierzulande niemals Interesse an den Menschen im Iran. Sie haben so getan, als bestanden die Massenproteste gegen das Regime nur aus Frauen, die gegen den Verschleierungszwang kämpften. Bürgerliches Wunschdenken. Die Mittelschicht interessiert sich nur für ihresgleichen und verachtet den Pöbel. Man weiß so wenig über das Land. Die Kämpfe der Belutschen und der Kurden, Rentnerproteste, Streikende Leiharbeiter der Ölindustrie, Trucker und Lehrerstreiks sind nur ein paar Schlaglichter auf eine Vielzahl sozialer Brandherde. Doch all diese Regionen, Branchen und Gruppen, die so kämpferisch waren, haben sich nicht miteinander vernetzt. Sie wissen oft nicht einmal, was die anderen machen. Das ist der Grund, warum die bisherigen Wellen von Kämpfen nie zu einer Revolution geführt haben und warum es auch jetzt zu keiner Revolution kommt.

Die schlechte Informationslage wurde beklagt. Auch über die Kurden im Iran. Lassen sie sich nun vor den Karren der USA spannen? Wenn sie das machen, sollten sie sich nicht beklagen, wenn sie wieder verraten und im Stich gelassen werden.

Die Schülerstreiks waren nun härterer Repression ausgesetzt. Die Demo in Kiel hatte wohl um die 1000 Teilnehmer (davor fast doppelt so viele), doch bundesweit gab es mehr Orte, die sich am Streik beteiligt haben, so daß die Gesamtzahl der Streikenden etwa gleich geblieben ist.

Von den Schülern heute ging es zurück zu Fridays for Future. Die Einschätzungen gingen weit auseinander. Jetzt ist die Bewegung am Boden, da war man sich noch einig. Ansonsten reichten die Blicke auf die Bewegung vom riesigen Potential, das die Schülerbewegung mal hatte, bis zu der Behauptung, es sei von Anbeginn eine bürgerliche Bewegung von Mittelstandskindern gewesen, die die grüne Übernahme durch Luisa Neubauer und den Ausschluß von Greta Thunberg mitgetragen haben. Es gab jedoch Zeiten, in denen lautete das Motto der Klimastreiks "System Change not Climate Change". Das brachte nicht nur hunderttausende auf die Straße, sondern die Debatte schwappte auch in die Betriebe. Verdi empfahl daraufhin sich am "Streik" zu beteiligen, indem man Urlaub für den Streiktag nimmt. Pfffft.

Zur Olympiabewerbung Kiels gab es keine Überraschungen. Alles was es so an Vorurteilen zu Olympiabewerbungen gibt, gab es auch in Kiel zu erleben. Die größte Ablehnung des Spektakels kommt vom Kieler Ostufer, u.a. Kiel-Gaarden, den proletarischen Stadtteilen der Landeshauptstadt.

Das ewigen Thema Wohnungsbau und Mieterkampf ging weiter. Insgesamt wurde festgestellt, daß man extremes Durchhaltevermögen braucht, mehr als linke Bewegungen zustandebekommen. In Berlin hätte man keinen Volksentscheid bingekommen, bei dem eine Mehrheit der Berliner 2021 für die Enteignung großer privater Immobilienkonzerne stimmte, wenn man nicht 10 Jahre lang mit Kleingruppen auf Kochtöpfe schlagend Woche für Woche durch die Straßen gezogen wäre und andere Kleinarbeit geleistet hätten. Dann gibt es noch das Problem bei der Stadtteilarbeit, wenn linke Aktivist:innen keinen Draht zu den verarmten Menschen (egal ob Kartoffeln oder Migranten) finden. Solange die kulturellen Unterschiede Unsicherheit im Umgang miteinander hervorbringen, wird es schwierig, wenn man gemeinsam kämpfen will.

Aber es ging nicht nur um das Thema allgemeiner Wohnungspolitik, sondern um ganz konkrete Konflikte. Zwei in unserer Runde haben ein Hühnchen mit ihrem Vermieter zu rupfen. Eigentlich ein klassischer Fall, wozu so ein Stammtisch ja gut sein soll. Und es fuktionierte gut, sich in diesem individuellem Kampf Unterstützung in Rat und Tat zu holen. 

admin

Wir haben natürlich viel mehr herumgequatscht, doch ein in meinem Bericht vergessenes Thema finde ich so ínteressant, daß ich es hier anfüge.

Der Wandel des politischen Zeitgeists im Bereich der Kultur. Nach den Amokläufen von Wolfram Weimer bei der Berlinale und bei Buchläden gegen kritische Stimmen sollte uns klar sein, daß es mit der Freiheit der Kunst und der Meinungsfreiheit hier nicht so weit her ist.

Spätestens seit den Gazaprotesten hagelt es Gummiknüppel, Raumverbote und Antisemitismusvorwürfe.

Eine Folge ist der Vorauseilende Gehorsam bei der Vergabe von Räumen für Kultur und Debatten. Hier schiebt man Panik, die Förderungsgelder zu verlieren. Selbstzensur ist an vielen ehemals offenen Institutionen inzwischen an der Tagesordnung.

Es wurde in unserer Runde vorgeschlagen, daß die Kunst- und Kulturszene diese Situation diskutieren muß. Man muß bereit sein, auf Förderung zu verzichten. Man muß Orte als Kultur- und Debattenräume verteidigen ohne auf öffentliche Gelder zu schielen. Je schlimmer die politischen Verhältnisse, desto notwendiger werden solche Orte.

Doch die Menschen aus der Kunst- und Kulturszene mögen sich oft für "links" halten, sind aber sehr individualistisch eingestellt und arbeiten meist unter prekären Bedingungen. Diese Diskussion dürfte in dieser Szene sehr schwer sein, kollektive Aktionen der Einzelkämpfer sieht man in Frankreich oft, hierzulande selten. Auf öffentliche Gelder zu verzichten und sein Leben stattdessen mit Lohnarbeit zu verdingen, mag sich kaum jemand vorstellen...

admin

Oh jemineh, heute ist ja schon Donnerstag! Also Stammtischtag!

Also Leute, heute am 2.4. ab 19°° sehen wir uns im hinteren Raum der Bambule.

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Ein Rückblick gefällig?

Erstmal hat jeder seine Last auf unserem Stammtisch ausgebreitet. Gesundheit, Wohnsituation, Rente. Von der eigenen Gesundheit über Fehlbehandlungen ging es zu unserem Gesundheitssystem und wie es von den neoliberalen Konzepten zur Zentralisierung und Gewinnmaximierung zugrunde gerichtet wird. Dann ging es zum Vergleich mit dem weltweit herausragenden Gesundheitswesen Kubas, das mit begrenzte zugriff auf Technologie, Medikamenten und Finanzen ein weitaus besseres Ergebnis erzielen als reiche Staaten, deren Gesundheitssystem ein vielfaches teurer ist. Man kümmert sich um die Menschen und die Ärzte suchen den Kontakt zu ihren Patienten, bevor sie krank geworden sind. Krankheiten können vermieden werden, wenn man z.B. die Ernährung und den Lebensstil ändert.

Ausgerechnet von einem Land wie die USA, das sein eigenes Gesundheitswesen völlig ruiniert hat, wird Kuba mit einer Blockade in eine humanitäre Katastrophe getrieben. Die geplante Kuba-Soliveranstaltung könnte mit unserem nächsten Stammtisch kollidieren. Dann müssen wir den Stammtischtermin verschieben.

Wir diskutierten die Zusammenarbeit mit andern Gruppen im Stadtteil und in der Stadt.

Wir verglichen die Arbeit von Stadtteilgruppen in verschieden Städten, die sich sehr unterscheidet. Es gibt diverse Unterschiede, die Teilnahme, Einbeziehung oder Führung der Aktivitäten durch Migranten. Nach außen bleiben interne Machtstrukturen unsichtbar. Reine Basisdemokratie kann nur vor sich hinplätschern oder im Ungefähren oder Reaktionären enden, wie einige Beispiele zeigen. Es ist schon gut, wenn es politisch erfahrene Menschen gibt, die Vorschläge machen, um etwas voranzutreiben oder um vor Fehlern zu warnen.

Doch daraus können sich geheime Führungsstrukturen entwickeln, die über die Köpfe der einfachen Mitglieder hinweg entscheiden. Es hatten Stadtteilinis ihre Erfahrungen mit einer leninistischen Führung, als ihnen die Anhängerschaft davon lief und ihre Aufrufe zu Demos und Aktionen nur noch einen Bruchteil an Teilnehmern mobilisierten.

Zur allegemeinen politischen Verwirrung gibt es eine politische Umetikettierung politischer Begriffe durch die Antideutschen. Sie nennen sich nun "Antiautoritäre Linke", während sie ihre Gegner als "autoritär" beschimpfen.

Zu später Stunde setzte sich noch eine grüne Lokalpolitikerin an unseren Tisch. Sie glänzt durch ihre langjährige Beratungsarbeit für Migranten. Sie ließ uns wissen, daß in der Iltisstraße (die direkt an der Bambule vorbei geht) 71 Sprachen gesprochen werden. Sie wußte auch viel von der migrantischen Zusammensetzung verschiedener Stadtteile. Auch Migranten sind nicht frei von Vorurteilen und Rassismus. So zogen einige extra in andere Stadtteile. Andererseits ändert sich vieles, wenn auch noch so verhaßte Nationalitäten in der Kita oder Schulklasse ihrer Kinder vorhanden sind und die Kids miteinander spielen und prima miteinander klarkommen, legen sich die Vorurteile man hat dann immer wenige Probleme miteinander. Dann mischen sich die Stadtteile in ihren Bevölkerungsstrukturen neu. Wenn es um Bulgaren geht, geht es oft eher um Roma und Sinti, die ebenso aus Rumänien, Tschechien oder der Ukraine kommen können. Sie werden durch Verfolgung und Ausgrenzung in ihren Heimatländern vertrieben und sind hier auch weitgehend ausgegrenzt. Die Wohnangebote für sie liegen teilweise in den Händen der Hells Angels. Arbeit gibt es als Tagelöhner auf dem Arbeiterstrich.

Soweit ein paar Schlaglichter auf die Gespräche unserer letzten Kneipenrunde.

admin

Gestern hatten wir die Kuba Veranstaltung, bei der wir Mitveranstalter waren.
Ich will hier keine Rückschau auf den Kubaabend geben. Wir waren im Vorfeld unsicher, ob das ein "chefduzen-Thema" sei. Ja, doch, auf jeden Fall. Es war ein gutes Beispiel für "Bildung von unten".

Wir hatten mit Dr. Edgar Göll (Sozialwissenschaftler, Vorsitzender Kuba e.V.), jemanden, der kürzlich auf Kuba war und sich seit 30 Jahren mit dem Thema beschäftigt und weiß, wovon er redet.

Wir mußten feststellen, wie gefiltert unser "Wissen" über Kuba aus den Medien ist.

Und heute Abend (7.5.) treffen wir uns wieder ab 19°° in der Bambule zum lockeren Austausch beim Stammtisch.

admin

Der letzte Stammtisch:

Wir sind zunehmend von dem selbst betroffen, was wir seit langem anprangern. Gesundheitsversorgung, Rente, alles wird immer schlechter und wirkt sich schmerzhaft auf das eigene Leben aus. Da nützt keine gegenseitige Beratung, da gibt es keine individuellen Auswege.

Wir blickten auch zurück. Auf die Kuba Veranstaltung. Auf die Errungenschaften der kubanischen Gesundheitsversorgung, auf die Entwicklung von 5 verschiedenen Coronaimpfstoffen, jenseits der mRNA-Wirkstoffe, speziell ausgerichtet auf verschiedene Vorerkrankungen und hochwirksam. Sie durften bei uns nicht auf den Markt kommen. Die knallharten Lebensbedingungen auf der Insel, bei der die Menschen mit 3, teilweise nur 2 Stunden Strom am Tag wegen Trumps Blockade klarkommen müssen, kann sich unsereins kaum vorstellen. Die Menschen fühlen sich größtenteils weiterhin mit dem dort entwickelten Sozialismus verbunden. Der US-Ökonom Jeffrey Sachs erklärte, ,,Die Auswirkungen der Blockade sind sehr ernst. Das kubanische Pro-Kopf-Einkommen liegt wahrscheinlich bei einem Drittel oder einem Viertel dessen, was es ohne die Blockade betragen würde."

Wir waren uns einig, daß die Maidemo größer war, als in den Jahren zuvor und so öde es auf der Gewerkshaftsbühne zuging, so aufgeweckt und kämpferisch waren die Teilnehmer. Wir konnten uns aber nicht auf eine Erklärung einigen, warum so wenig migrantische Organisationen oder migrantische Teilnehmer gab. Die Repression gegen Kurden kann es auch nicht gewesen sein, denn die Kurden kennen es nicht anders. Dafür werden die Grauen Wölfe weiter geduldet. Man möchte die gute Zusammenarbeit mit Erdogan gegen Zuwanderung nicht stören.

Wir haben überlegt, einen Flyer zu basteln, nicht nur um den chefduzen-Stammtisch zu bewerben, sondern um die Grundgedanken einer sozialen Selbstverteidigung und dem Arbeitsplatz als Kampffeld, zu verbreiten.

Wir wollen es weiter mit offline Aktivitäten versuchen, Aufklärung, Bildung von unten, Diskussionen auf Veranstaltungen. Renten, Medienmanipulation, Umwelt & Klassenkampf sind angedachte Themen.

Unsere Treffen helfen auch, sich nicht so allein und hilflos zu fühlen und nicht durchzudrehen.

admin

Der nächste Stammtisch naht.

Am 4.6. könnte es unser erster Stammtisch in diesem Jahr unter freien Himmel im Biergarten werden, wenn es nicht schüttet. Also: ab 19°°Bambule in Kiel-Gaarden.

Wir wollen den Kollegen vom Sozialdienstestammtisch einen Besuch abstatten und haben bereits einen Raum gebucht für die Veranstaltung mit dem Film "Jeder Acker, jede Fabrik" und der Filmemacherin.

Werden wir auch sonst praktischer? Flyerverteilen vorm Betrieb? Eine weitere Fahrt nach Fehmarn, ein Besuch auf Deutschlands verdrängtester Großbaustelle für eine Verkehrspolitik, für die es keinen Bedarf gibt?

Es muß mal wieder was passieren!


admin

Nochmal ein kurzer Blick zurück auf unseren Stammtisch.
Wie ich schon zum letzten Mal anmerkte, das persönliche sich Auskotzen nimmt einen größeren Raum ein. Das was wir seit langem anprangern und bekämpfen, erreicht uns in unserem Alltag und betrifft uns selbst. Kündigung des Jobs, Kündigung der Wohnung.

Auch die Geschichten aus dem Arbeitsalltag klingen wie aus Sozialreportagen, wie damals von Wallraff beschrieben, sind aber Normalität in Krankenhaus und Altenpflege. Personalknappheit und Materialmangel von Bettlaken bis Papiertüchern.

Die Kieler Lokalpolitik bleibt gruselig. Daß die SPD abgewählt wurde, wundert niemanden. Daß der neue türkischstämmige Oberbürgermeister aber ein Ex-Verfassungsschutzmann mit Dreck am Stecken ist, wie es scheint, also bereits zum Amtsantritt ein Disziplinarverfahren und mit persönlichen oder beruflichen Kontakten zu türkischen Faschisten (Grauen Wölfen), aber dazu darf er als Exgeheimdienstler nix sagen. Na klar. Nach den Erfahrungen mit dem Verfassungsschutz im Umfeld des NSU kommt diese Nachricht nicht gut.

Das erfreulichste war der Blick zu unserem Schwesterstammtisch, einen Abend zuvor, der Stammtisch "Sozial- und Erziehungsdienst am Limit". Den Zusammehang gibt es bereits einige Jahre, sie nutzen gewerkschaftliche Strukturen, diskutieren und handeln aber auch unabhängig. Ihre Erfahrungen sind spannend. Eine Französin in der Runde bringt ein wenig Schwung in die zu zurückhaltenden Deutschen und so wenig kämpferischen deutschen Gewerkschaften. Warum nicht mal einen Wilden Streik versuchen? Sie praktizieren vieles von dem, was wir im Forum diskutieren. Es wäre großartig, wenn sie von ihren Erfahrungen hier bei chefduzen berichten würden. Es ist eine hauptsächlich weibliche Runde und eine andere Generation. Sie haben ihre Probleme mit einem Oldschool Internetforum, Insta ist eher ihre Welt. Sie wollten es aber nochmal versuchen, hier zu posten...

admin

Der Stammtisch wird dieses Mal im Biergarten der Bambule stattfinden, es sei denn, wir haben einen Wolkenbruch.

Vergangene und zukünftige Veranstaltungen, Sozialproteste, Unruhe in der Autoindustrie, MFG5 und antimilitarische Proteste in Kiel wären ein paar Themen...

Donnerstag, 2.7. ab 19°° in der Bambule in Kiel-Gaarden.

admin

Die Hitzewelle ist erstmal vorbei.
Im Biergarten war's verdammt frisch, wir saßen fast allein da.
Die Veranstaltung mit Fabian Goldmann, der sein Buch ,,Staats-Räson-Funk" vorstellte, hatte rund 40 Besucher. Es war wohl beeindruckend (ich war nicht da). Er hat die Berichterstattung der führenden deutschen Medien über den Krieg im Nahen Osten wissenschaftlich seziert. Der hatte viel zu erzählen und unter dem Strich schnitten die Medien nicht gut ab. Ausgewogenheit ist bei dieser Thematik nicht ihr Ding.

Es bleibt die Frage, wie diese Erkenntnisse eine breitere Verbreitung finden über die 40 Anwesenden hinaus.

Die Antideutschen haben sich derweil auf den Journalisten und Islamwissenschaftler eingeschossen. Sie sterben auch in Kiel nicht aus. Es scheint ein Hobby von ihnen zu sein, linke Politik zu behindern.

Zur Wohnraumpolitik in Kiel-Gaarden gab es die Feststellung, daß das Gentrifizierungsprojekt der Stadt krachend gescheitert ist, obwohl sich Künstler allzu gerne haben einspannen lassen. In Gaarden sind die sozialen Probleme so krass, daß etwas Aufhübschung und Kulturevents wenig an der Gesamtsituation ändert. Einige Vermieter arbeiten im Mafia-Style, sie sind bisweilen schwer kriminell. Armut, Drogen, Kriminalität und eine massive Rattenplage gehören zu dem Stadtteil.

In anderen Stadtteilen versucht man es auch mit Gentrifizierungsmaßnahmen. Es finden sich dafür stets Menschen von der Kunstuni, die sich um die Aufwertung (im Sinne der Vermieter und Spekulanten) bemühen. "Häßliche" Flaschen- und Kleidercontainer entfernen lassen, hier ein kleiner Flohmarkt, da ein Grillabend, am Ende gemeinsames Müllsammeln mit SPD Politikern.

Die Sozialproteste waren auch Thema in unserer Runde. Die zwiespältige Rolle der DGB Gewerkschaften blieb dabei nicht aus. Ein Ex-Betriebsrat brachte es schnell auf den Punkt. Sie sind eng verbandelt mit der SPD und deren Politik wagten sie nicht zu kritisieren. Dabei seien es Arbeiterverräter. "Einfach Arbeiterverräter." Das Problem bleibt, es fehlt an alternativen Strukturen, in den die Klasseninteressen diskutiert und Kämpfe organisiert werden.

Im September wollen wir eine Veranstaltung mit dem Film Jeder Acker, jede Fabrik machen. Müssen uns noch um Mitveranstalter und Finanzierung kümmern.

Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei war noch ein ausgiebiges Thema. Überfischung, Landgrabbing, Zerstörung der Boden, das Verschwinden kleiner Höfe. Geschichte, rechte Bauern, fortschrittliche Bauern. Es gibt das Bedürfnis aus unserer Runde mit kritischen Landwirten auf einer Veranstaltung zu diskutieren. Ein ambitioniertes Projekt. Dürfte noch etwas dauern...

Jenseits vom Stammtisch wollen wir uns dieser Tage zum gemeinsamen Grillen treffen.

Kuddel

Zitat von: admin am 23:15:34 Sa. 04.Juli 2026Zur Wohnraumpolitik in Kiel-Gaarden gab es die Feststellung, daß das Gentrifizierungsprojekt der Stadt krachend gescheitert ist

Tscha, auf Gaardens Straßen ist was los.

ZitatVerbaler Streit eskaliert zu einem Großeinsatz der Polizei in Kiel-Gaarden

Ein Streit zwischen drei Personen in der Elisabethstraße (Kiel-Gaarden) ist in einen Großeinsatz der Polizei gemündet. Laut Polizei hatten sich im Laufe der Auseinandersetzung letztlich rund 200 Menschen am Mittwochabend in Kiel-Gaarden versammelt.

Die Situation habe gegen 20.50 Uhr zunächst mit einer verbalen Attacke begonnen. Eine 43-Jährige geriet laut Polizei mit einem 40-jährigen Mann und dessen 19-jähriger Begleiterin aneinander.

Der verbale Streit in Kiel-Gaarden sei dann schnell in körperliche Gewalt und gegenseitige Beleidigungen umgeschlagen. Innerhalb kurzer Zeit hätten sich zwei Lager auf der Elisabethstraße gebildet. Immer mehr Schaulustige kamen nach Polizeiangaben hinzu und solidarisierten sich mit den Beteiligten. Nach KN-Informationen war der Streit zwischen zwei bulgarischen Gruppen entbrannt und spielte sich im Bereich des Alfons-Jonas-Platzes ab.

Die Polizei sei mit zahlreichen Streifenwagen aus dem gesamten Stadtgebiet angerückt, um eine weitere Eskalation des Streits und der Situation zu verhindern. Die Beamten brachten die Menschenmenge laut Polizei unter Kontrolle, nachdem sie den Einsatz von Zwangsmitteln angedroht hatten. Erst daraufhin soll sich die Ansammlung aufgelöst haben.
https://www.kn-online.de/lokales/kiel/streit-in-elisabethstrasse-grosseinsatz-der-polizei-in-kiel-gaarden-stoppt-massenauflauf-FOLLNFAJSFA6XLEGSPTCNF6X2Q.html

admin

Ich habe hier schon so manchen Rückblick auf unseren Stammtsch formuliert. Ich denke, diesmal schenk' ich es mir. Zum nächsten Stammtischtermin am 3.9. machen wir eine Film- Diskussionsveranstaltung mit dem Film "Jeder Acker - jede Fabrik!" mit den Filmemachern und in Kooperation mit der TurboKlimaKampfGruppe (TKKG) Kiel. Unseren Stammtisch in der Bambule ziehen wir deshalb einen Tag vor und treffen uns am selben Abend wie die Kollegen vom Sozial- und Erziehungsdienst am Limit Stammtisch.

Na klar, wir diskutieren Weltpolitik und lokales, es gibt Klatsch und Tratsch und wir organisieren dolle Sachen. Aber seit einigen Treffen ist mir auch klar geworden, wie hart auch der Alltag für jeden von uns geworden ist. Es sind handfeste Sachen wie eine Räumungsklage für eine Wohnung in der man seit mehreren Jahrzehnten lebt oder der Job in der Pflege unter völliger Personal Unterbesetzung. Es ist auch der Lauf der Welt, der zwischen Klimawandel und Kriegsvorbereitungen nicht spurlos an einem vorüber geht.

In unserer Runde kotzt man sich anfangs ausgiebig aus, bevor man überhaupt mit dem Diskutieren anfangen kann. Man freut sich richtiggehend auf das Treffen, weil man da erstmal wieder runterkommen kann von dem Wahnsinn des Alltags und der Weltpolitik. Da sind Leute, denen es ähnlich geht. Das ist wichtig.

Ich schreibe das, weil es viele gibt, die sowas nicht haben. Das Internet ist kein Ersatz. chefduzen sollte auch nie ein reines Internetprojekt sein. Es gab mal in einigen Städten chefduzen-Stammtische, die sich einige Jahre gehalten haben. Jetzt git es nur noch den in Kiel.

Ich möchte hiermit daran erinnern, daß es gut und wichtig ist, sich mit Leuten zu treffen und auszutauschen.

Das ist auch die Grundlage für gesellschaftliche Veränderungen.

Das Internet ist Schall und Rauch.

Nikita

Ich sehe es genauso und setze es auch deutlich vermehrt um. Wieder mehr persönlich treffen als Gruppe. Zur Not bei einzelnen Leuten anrufen, aber nicht nur chatten. über Probleme und gesellschaftliche Veränderungen persönlich reden. Die ansprechen, die betroffen sind. Den Digitalscheiß eher zum Treffen planen und um zu zeigen, dass man als Gruppe da ist. Ist anstrengend und aufwendig - lohnt sich aber. Man kann Menschen besser innerlich abholen und ihnen zeigen, dass es Gemeinschaft gibt. Es entwickeln sich andere Dynamiken und Beziehungen zueinander.

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