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Handel & Dienstleistung => Transport & Verkehr => Luftfahrt => Thema gestartet von: Kuddel am 11:14:34 Do. 27.Mai 2010

Titel: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 11:14:34 Do. 27.Mai 2010
Zitat
Das Gepäck bleibt am Boden

Sie verladen 14 Tonnen Gepäck per Hand in einer Schicht - ohne Tarifverträge. Dafür legte das Bodenpersonal der Berliner Flughäfen nun einen Warnstreik ein.
http://www.sueddeutsche.de/reise/warnstreik-in-berlin-das-gepaeck-bleibt-am-boden-1.950533 (http://www.sueddeutsche.de/reise/warnstreik-in-berlin-das-gepaeck-bleibt-am-boden-1.950533)
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 20:06:09 Di. 12.August 2014
Die liebsten Streiks sind mir noch immer die wilden.

Wenn man die eigene Kraft erkennt und nicht auf die Gewerkschaften wartet, die kein wirklichen Interesse an Arbeitsniederlegungen kennen...

Zitat
Wilder Streik legt Flughafen Rom Fiumicino lahm

Der Flughafen "Leonardo da Vinci" in Fiumicino bei Rom steht vor dem Kollaps
   
Ein Streik des Personals der für den Gepäcktransport zuständigen Handlinggesellschaft sorgt für Probleme in Fiumicino. Über 100 Flüge ohne Koffer der Passagiere abgeflogen.

Rom/Abu Dhabi. Ein wilder Streik des Personals der für den Gepäcktransport auf dem römischen Flughafen Fiumicino zuständigen Handlinggesellschaft sorgt zum dritten Tag in Folge für chaotische Zustände auf Italiens größtem Airport. Über 100 Flüge starteten am Dienstag ohne das Gepäck der Passagiere
.

Riesige Mengen von Koffern türmten sich auf dem Flughafen. Stundenlang mussten Reisende auf ihre Koffer warten. In mehreren Fällen ging das Gepäck verloren. Dabei kam es zu heftigen Protesten. Passagiere sprachen von skandalösen Verhältnissen. Der Konsumentenschutzverband Codacons überprüft eine Sammelklage wegen des Schadens für die Passagiere. "Viele Reisende sind an ihren Urlaubszielen angekommen und haben nichts bei sich, weil ihre Koffer nicht angenommen sind", betonte Codacons-Präsident Carlo Rienzi.

Der römische Polizeichef drohte mit einer zwangsmäßigen Arbeitseinberufung, sollte der wilde Streik nicht zu Ende gehen. Daraufhin signalisierten die Arbeitnehmer Bereitschaft, wieder den Dienst aufzunehmen. Die Flughafengesellschaft "Aeroporti di Roma" musste 200 Personen einsetzen, um die Lage zu normalisieren.

Streik gegen Kürzungen

Die Mitarbeiter der Gesellschaft protestieren gegen Personalkürzungen, die im Rahmen des Einstiegs der arabischen Airline Etihad bei der krisengeschüttelten Alitalia geplant sind. 1.590 Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren. Etihad soll mit Investitionen in Höhe von 560 Mio. Euro einen 49-prozentigen Anteil an Alitalia übernehmen.

www.youtube.com/watch?v=5gbyA_g_O9k (http://www.youtube.com/watch?v=5gbyA_g_O9k)

"Von uns hängt die Sicherheit der Flugzeuge und der Passagiere ab. Wir begreifen nicht, warum gerade unsere Gesellschaft von den Kürzungen so schwer belastet wird", betonte ein Gewerkschaftssprecher. Der italienische Verkehrsminister Maurizio Lupi bezeichnete den Streik am Höhepunkt der Tourismus-Saison als unannehmbar. 140.000 Passagiere pro Tag meldet in dieser August-Woche der römische Flughafen.
http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa/3850452/Wilder-Streik-legt-Flughafen-Rom-Fiumicino-lahm-Video?from=rss (http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa/3850452/Wilder-Streik-legt-Flughafen-Rom-Fiumicino-lahm-Video?from=rss)
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17:08:12 So. 18.Januar 2015
Zitat
Streik sorgt für Schlangen und Verspätungen am Flughafen Stuttgart

Streik am Flughafen Stuttgart: Das Wach- und Sicherheitspersonal hat die Arbeit niedergelegt. Grund ist ein Tarifstreit. Die nächste Verhandlungsrunde steht bald an.


Wegen eines Warnstreiks des Wach- und Sicherheitspersonals am Flughafen konnten Reisende in Stuttgart am Freitag zum Teil nur mit Verspätungen abheben. Wie eine Sprecherin des Airports sagte, starteten einzelne Maschinen mit bis zu 30 Minuten Verspätung. Hintergrund ist ein Tarifstreit der Branche, in dem die Gewerkschaft Verdi für die rund 19.000 Beschäftigten in Baden-Württemberg eine bessere Bezahlung erreichen will.

Der Warnstreik führte teils zu langen Schlangen an den Kontrollen. Wegen des Ausstands waren die Sicherheitschecks lediglich an einem von drei Terminals möglich. Flüge wurden aber nicht gestrichen.

Am Flughafen Stuttgart waren am Freitag den Angaben zufolge insgesamt 239 Flüge geplant, mehr als 10.000 Passagiere bekamen den Ausstand zu spüren. Der Airport verteilte Getränke an die Wartenden. Die Mitarbeiter des Wach- und Sicherheitsdiensts hatten angekündigt, von 3 Uhr bis 22 Uhr ihre Arbeit ruhen lassen. Verdi rechnete im Laufe des Tages mit mehr als 300 Teilnehmern am Warnstreik.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft kritisierten den Warnstreik als unverhältnismäßig. "Verdi instrumentalisiert die Sicherheitskontrollen an Flughäfen für ihre überhöhten Forderungen", erklärte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch.

In dieses Horn stieß auch Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer. Die Lohnforderung sei weder wirtschaftlich angemessen noch der Tätigkeit entsprechend, erklärte er. "Zu streiken ohne jede Vorankündigung und das über einen kompletten Flugtag, ist ebenfalls außer Verhältnis und für die Fluggäste nicht zumutbar."

Die Verhandlungen in dem Tarifstreit waren im Dezember ohne Ergebnis abgebrochen worden. Ziel der Gewerkschaft ist es, den Stundenlohn der untersten Lohngruppe von 9,20 Euro auf zehn Euro anzuheben.

Die Arbeitgeberseite habe Lohnsteigerungen ab Januar um 2,7 Prozent und um weitere 2,6 Prozent von 2016 an geboten. Dieses Angebot sei aber nicht akzeptabel, da die Beschäftigten in der Sicherheitsbranche damit weiter im Niedriglohnbereich blieben, hieß es bei Verdi. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 20. Januar angesetzt.
http://www.airliners.de/warnstreik-flughafen-stuttgart-verzoegerungen/34653 (http://www.airliners.de/warnstreik-flughafen-stuttgart-verzoegerungen/34653)
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 19:45:18 Do. 25.Oktober 2018
Höhö:
Zitat
Streik legt Gepäckabfertigung am Brüsseler Flughafen lahm
dpa 25.10.2018, 19:20 Uhr

Ein spontaner Streik hat am Flughafen Brüssel am Nachmittag die Gepäckabfertigung lahmgelegt. „Im Moment wird kein einziges Gepäckstück verladen oder ausgeladen“, sagte ein Flughafensprecher der Nachrichtenagentur Belga. „Einige Passagiere mussten schon ohne ihre Koffer abfliegen.“ Es sei aber zu früh, die Auswirkungen abzuschätzen. Die Protestaktion beim Dienstleister Aviapartner begann laut Belga gegen 17.30 Uhr. Die Gründe sind noch unklar.
https://www.rhein-zeitung.de/startseite_artikel,-streik-legt-gepaeckabfertigung-am-bruesseler-flughafen-lahm-_arid,1888469.html (https://www.rhein-zeitung.de/startseite_artikel,-streik-legt-gepaeckabfertigung-am-bruesseler-flughafen-lahm-_arid,1888469.html)

Zitat
Aer Lingus and Ryanair flights cancelled between Dublin Airport and Brussels after sudden strike by baggage handlers
Workers from handling company Aviapartner downed tools 'spontaneously' (...)
https://www.irishmirror.ie/news/irish-news/aer-lingus-ryanair-flights-cancelled-13481139 (https://www.irishmirror.ie/news/irish-news/aer-lingus-ryanair-flights-cancelled-13481139)
Zitat
Our deepest apologies for the inconvience. This is due to the fact that the strike was very spontaneous. More information will follow on our website and social media. *Mathias
https://twitter.com/BrusselsAirport/status/1055542543767781376 (https://twitter.com/BrusselsAirport/status/1055542543767781376)
Zitat
Brussels Airport: Wildcat strike at handling agent Aviapartner
This afternoon, staff of handling agent Aviapartner decided to stop working. The employees say they are unhappy with the “current understaffing“.
“A spontaneous action by the employees“, a union member told Belgian Vrtnws, “it’s unclear how long the action will last.”
The strike has an immediate impact on all arriving and departing traffic as it’s not possible to load/unload the aircraft. Passengers are forced to leave/arrive without their luggage.
Brussels Airlines, Brussels Airport’s biggest customer, is not affected by the actions as their flights are handled by Swissport.
At Brussels Airport, Aviapartner handles Aer Lingus, Air Baltic, Air Europa, BMI, Etihad, Easyjet, British Airways, Ryanair and SAS.
https://www.aviation24.be/ground-handling/aviapartner/brussels-airport-wildcat-strike-at-handling-agent-aviapartner/ (https://www.aviation24.be/ground-handling/aviapartner/brussels-airport-wildcat-strike-at-handling-agent-aviapartner/)
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 13:45:22 Fr. 26.Oktober 2018
Der Streik am Flughafen Brüssel kam unerwartet, es geht um mehr Personal, bis morgen geht der Streik erstmal weiter, das Management packt mit an. Schönes Chaos, einfach herrlich:
http://www.brusselstimes.com/belgium/employment/12939/baggage-handlers-strike-at-zaventem-flights-cancelled (http://www.brusselstimes.com/belgium/employment/12939/baggage-handlers-strike-at-zaventem-flights-cancelled)

Zitat
27.10.18
Brussels Airport: Warum streiken die Beschäftigten des Gepäckabfertigers Aviapartner?

Seit Donnerstag sorgt ein Streik für Chaos am Brüsseler Flughafen in Zaventem. Viele Fluggäste können deshalb nicht in die Herbstferien fliegen. Viele Reisenden bringen wenig Verständnis für den Streik der Mitarbeiter der Gepäckabfertigungsgesellschaft Aviapartner auf. Aber warum streiken sie eigentlich? Drei Mitarbeiter von Aviapartner erzählen ihre Geschichte anonym an VRT NWS.

Zu Beginn unserer Schicht wissen wir oft nicht, ob und wann eine Mahlzeitpause eingeplant ist“, so der erste streikende Aviapartner-Beschäftigte.

„Außerdem müssen wir regelmäßig länger als die im Dienstplan vorgesehenen 8 Stunden arbeiten. Auf lange Sicht ist das nicht tragbar. Wenn du gut ausgeruht bist, ist das alles machbar. Aber die Überstunden hier sind einfach strukturell. Das ist körperlich und emotional auf Dauer einfach nicht auszuhalten.“
„Manche Kollegen warten schon seit neun Monaten auf eine Regenjacke“

„Pro Flugzeug sind es in der Regel 189 Passagieren mit jeweils 15 Kilo Gepäck, das ent- oder beladen werden muss. Manchmal sind wir nur zu dritt oder zu viert, den ganzen Tag auf den Knien. Und so haben wir 5, 6, 7 Flüge pro Tag. Täglich bewegen wir mehrere Tonnen“, erklärt ein anderer Betroffener.

„Uns reicht es. Uns wird keine anständige Ausrüstung zur Verfügung gestellt. Es gibt Kollegen, die schon seit neun Monate auf eine Regenjacke warten. Das kann man sich doch nicht vorstellen.“

„Nach Feierabend sitze ich nur noch in meinem Sofa, schalte den Fernseher ein und schlafe praktisch sofort ein, so geschafft bin ich. Morgens kann ich wegen der Rückenschmerzen kaum meine Strümpfe anziehen.“
„Zeitdruck ist unmenschlich“

„Wir werfen mit Gepäck, weil wir so unter Zeitdruck stehen, nicht weil wir Unmenschen sind“, bezeugt ein dritter Arbeitnehmer von Aviapartner am Brüsseler Flughafen. „Am Flughafen verstoßen wir nicht gegen die Regeln, weil wir das wollen, sondern weil wir unter riesigem Druck stehen. Die Arbeitsbelastung ist enorm.“

„Es herrscht ein riesiges Unbehagen unter den Kollegen auf dem Rollfeld. Aber auch den Kollegen am Check-in reicht es. Und die Situation bessert sich einfach nicht.“
https://www.vrt.be/vrtnws/de/2018/10/27/brussels-airport-warum-streiken-die-beschaeftigten-des-gepaecka/ (https://www.vrt.be/vrtnws/de/2018/10/27/brussels-airport-warum-streiken-die-beschaeftigten-des-gepaecka/)

Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 22:06:32 Sa. 27.Oktober 2018
Der spontane Streik am Brüsseler Flughafen der Gepäckabfertiger seit Donnerstag geht wohl auch noch morgen weiter. Eine einfache Forderung wie zum Beispiel Regenkleidung kann und darf einfach nicht erfüllt werden. Die Gepäckabfertigung macht Aviapartner, an der ein Hedgefonds mehrheitlich beteiligt ist:
https://de.wikipedia.org/wiki/Aviapartner

Auch an anderen belgischen Flughäfen wird mit Streik gedroht. Aviapartner ist auch in Düsseldorf und Hannover unterwegs.
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 16:27:20 So. 28.Oktober 2018
Auch prekäre Beschäftigte haben Macht.
Ein Wilder Streik legt den Normalbetrieb lahm.
Auch heute. (4. Tag)
Zitat
Streik am Flughafen Brüssel geht weiter

Ein kurzfristiger Streik am wichtigsten Flughafen Belgiens durchkreuzt die Pläne vieler Reisender - und das zum Ferienbeginn. Nach einem schnellen Ende des Konflikt sieht es nicht aus.


Zum Start der Schulferien sind am Brüsseler Flughafen wegen eines Streiks der Gepäckarbeiter mehrere hundert Verbindungen ausgefallen. Von Freitag bis Sonntag waren rund 400 Flüge von dem Ausstand der Arbeiter des Dienstleister Aviapartner betroffen. Ein Ende des Streiks war am Sonntagnachmittag zunächst nicht absehbar, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Gewerkschaftern zufolge richtet sich der Streik unter anderem gegen hohe Belastung am Arbeitsplatz. Konkret geht es etwa um unklare Pausen-Regeln.

Das Aviapartner-Management und die Gewerkschaften verhandelten das ganze Wochenende über zunächst ergebnislos. Eigentlich hatte der Streik am Sonntag um 6 Uhr enden sollen, wurde dann aber fortgesetzt. Allein am Sonntag sollten einer Flughafensprecherin zufolge rund 150 von 550 Verbindungen ausfallen.

„Der Streik bei Aviapartner und der bei Ryanair ergeben einen tödlichen Cocktail“  ;D , sagte ein Reisender. In den vergangenen Wochen war es bei der irischen Billig-Airline Ryanair mehrfach zum Streik von Flugbegleitern und Piloten in mehreren europäischen Ländern gekommen. Das Personal wollte höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen.

Der Aviapartner-Ausstand hatte am Donnerstagabend spontan begonnen. Zu Beginn der Ferienwoche zu Allerheiligen in Belgien trifft er auch viele Urlauber. Am Samstag wurden 70.000 Passagiere, am Sonntag 74.000 am Flughafen erwartet. Reisende sollten sich rechtzeitig mit ihrer Airline in Verbindung setzen und möglichst nur mit Handgepäck fliegen, empfahl der Flughafen.
https://www.aachener-nachrichten.de/nrw-region/streik-am-flughafen-bruessel-geht-weiter_aid-34142143 (https://www.aachener-nachrichten.de/nrw-region/streik-am-flughafen-bruessel-geht-weiter_aid-34142143)

Möge das Schule machen!
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 15:23:32 Mo. 29.Oktober 2018
Aktuelles, mit Google-Übersetzung zusammengestückelt:
Zitat
Management schickt Gerichtsvollzieher an Aviapartner: "Streikende verhindern, dass Arbeitslose anfangen“

Der Streik beim Gepäckabfertiger Aviapartner erreicht einen neuen Tiefpunkt. Die Geschäftsführung schickt einen Gerichtsvollzieher an die Gewerkschaften. Streikende würden verhindern, dass Mitarbeiter durch die Sabotage von loswagons für den Asphalt beginnen.
Die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und Aviapartner stecken seit Tagen fest und die Atmosphäre wird nicht besser. Die Geschäftsleitung des Gepäckträgers hat nun einen Gerichtsvollzieher auf die Straße geschickt, weil Streikende Mitarbeiter davon abhalten, ihren Job zu machen. Das berichtet De Tijd.
Nach Angaben des Managements haben die Militanten Aviapartner-Karren mit Autos und sogar gestohlenen Schlüsseln und Batterien von den Karren blockiert.
Arbeitnehmer, die bereit sind zu arbeiten, haben das Recht, Gepäck aus bereits am Flughafen Brüssel gelandeten Flugzeugen auszuladen, obwohl das Unternehmen eingestellt wird. Also wurde ein Gerichtsvollzieher ausgesandt, um die notwendigen Beobachtungen zu machen. Mehr kann er / sie nicht tun.

"Ist nicht richtig"

Die Gewerkschaften widersprechen den Vorwürfen. "Das ist nicht wahr. Es ist nicht so, dass Arbeitssuchende verhindert werden. Es gibt nicht einmal Streikposten ", sagt Hans Elsen von ACV gegen De Tijd. "Die Leute kommen nicht zur Arbeit, weil sie es einfach nicht wollen wegen des Vertrauensbruchs mit dem Management. Es hilft dem Management wirklich nicht, diese Art von Gerüchten zu verbreiten.„
https://www.gva.be/cnt/dmf20181029_03890764/directie-stuurt-deurwaarder-op-aviapartner-af-stakers-beletten-werkwilligen-aan-de-slag-te-gaan (https://www.gva.be/cnt/dmf20181029_03890764/directie-stuurt-deurwaarder-op-aviapartner-af-stakers-beletten-werkwilligen-aan-de-slag-te-gaan)
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 18:48:51 Mo. 29.Oktober 2018
Interessant!

Abgesprochene und massive Sabotage gehörte auch zu den Waffen prekärer Flughafenbeschäftiger auf dem Airport Hamburg vor einigen Jahren.

Arbeiter kämpfen anders, wenn sie sich nicht am Gängelband der Gewerkschaften befinden.
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 19:58:25 Mo. 29.Oktober 2018
Ein offener Brief einer Gewerkschaft, ebenfalls aus der Googleübersetzungszauberwelt.
Auf Labournet gibt es auch noch was: http://www.labournet.de/internationales/belgien/arbeitskaempfe-belgien/der-streik-der-gepaeckabfertigung-am-flughafen-bruessel-der-am-25-oktober-2018-begann-geht-weiter/ (http://www.labournet.de/internationales/belgien/arbeitskaempfe-belgien/der-streik-der-gepaeckabfertigung-am-flughafen-bruessel-der-am-25-oktober-2018-begann-geht-weiter/)

Bis Mittwoch geht der Streik erstmal weiter.
Zitat
Gewerkschaft schreibt offenen Brief an die Opfer des Streiks Aviapartner: "Du darfst und musst sogar wütend sein, aber auf die wahren Täter“

Der Vorsitzende des belgischen Transportverbandes BTB-ABVV hat einen offenen Brief an die tausenden von Passagieren, die von dem Streik betroffen sind, an den Gepäckabfertiger Aviapartner geschrieben. Er zeigt Verständnis für die wütenden Reaktionen der Opfer, hofft aber, dass sich dieser Ärger auf die "echten Verantwortlichen" konzentrieren wird: auf das Management von Aviapartner, dem Betreiber des Flughafens und den Fluggesellschaften.

"Als Gewerkschaft bekommen wir viele wütende Nachrichten von Reisenden, die ihren Flug wegen des Streiks des Gepäckabwicklers Aviapartner abgesagt haben. Du bist wütend. Über deinen Urlaub, der ins Wasser fällt, über die Verlagerung deines Geschäfts, über die Stunden, die du am Flughafen verloren hast, ... Zu Recht! "BTB-ABVV-Vorsitzender Frank Moreels beginnt seinen Brief. "Du darfst und musst sogar wütend sein. Als Gewerkschaft verstehen wir deine Frustration, deinen Unmut, deine Wut ... Wir hoffen nur, dass du sauer auf die wahren Schuldigen dieses Streiks bist. „

"Wie glaubwürdig ist dieser Mann?"

Die erste verantwortliche Person, mit der Moreels auf den anklagenden Finger verweist, ist das Management von Aviapartner. Er hätte den Streik leicht verhindern können, klingt es. „Seit Monaten die Gewerkschaften stellen die vielen Probleme Aviapartner zu lösen: zu wenig Personal, zu viel Überstunden, zu viele Leiharbeiter, unsichere Geräte, übermäßige Arbeitsbelastung, unsichere Arbeitsbedingungen ... die Liste der Hindernisse hat inzwischen 40! Die Gewerkschaften haben seit Monaten um Konsultationen gebeten. Auch mit einem externen Mediator hat das Management den berechtigten Fragen der Mitarbeiter nicht gerecht werden können. "

Der Gewerkschafter ist besonders auf CEO Laurent Levaux konzentriert, der behauptet, dass Aviapartner nicht die Mittel hat, die Anforderungen der Mitarbeiter zu erfüllen. "Dass Aviapartner einen Verlust macht, ist richtig, aber Mr. Mit einem Kapital von 39 Millionen Euro gehört Levaux zu den reichsten Belgiern. Wie glaubwürdig ist dieser Mann? „

"Vom Geldhunger getrieben"

Aber auch der Manager des Flughafens geht nicht frei, Morels setzt seine Geschichte fort. "BAC zahlte seinen Aktionären mehr als 837 Millionen Euro Gewinn für den Zeitraum 2007-2015. Jahr für Jahr macht der Flughafen einen Gewinn, und die Handler machen einen Verlust ", können Sie lesen. "Darüber hinaus räumt BAC, getrieben vom Geldhunger, die Parkplätze für das Personal auf, was bedeutet, dass sie weit weg von ihrem Arbeitsplatz parken müssen. Konsequenz, früh aufstehen, um pünktlich zu sein. "

"Quetschen wie Zitronen"

Schließlich finden die Fluggesellschaften bei Stuntpreisen die nötige Schuld an ihrem "Wettrennen nach unten", so Moreels. "Inzwischen kennt jeder die Rogue-Praktiken von Ryanair, aber auch die" etablierten "Fluggesellschaften werden in dieser höllischen Abwärtsspirale mitgerissen. Wer glaubt, dass man mit einem Ticketpreis von 25 Euro eine Airline in der Luft halten kann, ohne eigene Mitarbeiter und Dienstleister wie Aviapartner wie Zitronen zu quetschen?

Das Personal "knackt"

Nach Angaben des Gewerkschafters "knacken" die Mitarbeiter von Aviapartner aufgrund der Arbeitsbedingungen. "Körperlich und geistig. Sie haben nicht aufgehört, dich als Reisenden zu schikanieren, sondern weil sie verzweifelt sind. „
Moreels gibt einige erschütternde Beispiele für diese Arbeitsbedingungen: "Wussten Sie, dass ein Gepäckträger 30 Tonnen pro Lieferwagen in das und aus dem Flugzeug lädt? Bei Wind und Wetter, gebeugt und auf den Knien! Unter einem enormen Zeitdruck. Wussten Sie, dass sie manchmal ein Jahr auf Sicherheitskleidung warten müssen? Wussten Sie, dass sie mit veralteten und unsicheren Materialien arbeiten müssen? Wussten Sie, dass sie ein Flugzeug mit 3 Personen laden und entladen müssen, während 5 benötigt werden? Wussten Sie, dass die Vorarbeiter die "Ladeunterlagen" nicht mehr unterzeichnen, weil sie die Sicherheit nicht mehr garantieren können? "
https://m.nieuwsblad.be/cnt/dmf20181029_03890845 (https://m.nieuwsblad.be/cnt/dmf20181029_03890845)
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 20:43:52 Mo. 29.Oktober 2018
Bis Mittwoch geht der Streik erstmal weiter.

Wahnsinn!

Es passiert gerade das Unmögliche!
Es gibt den berühmten Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringt. Die "Unorganisierbaren", die Prekär Beschäftigten, organisieren sich selbst und schlagen zurück.

Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 13:22:57 Di. 30.Oktober 2018
Brüssel heute:

(https://abload.de/img/aviapartner1y2iz6.png) (https://abload.de/image.php?img=aviapartner1y2iz6.png)
(https://abload.de/img/aviapartner2lofve.png) (https://abload.de/image.php?img=aviapartner2lofve.png)
(https://abload.de/img/aviapartner3ayizp.png) (https://abload.de/image.php?img=aviapartner3ayizp.png)
(https://abload.de/img/aviapartner443dt8.png) (https://abload.de/image.php?img=aviapartner443dt8.png)
(https://abload.de/img/aviapartner5jsdkb.png) (https://abload.de/image.php?img=aviapartner5jsdkb.png)
(https://abload.de/img/aviapartner631clu.png) (https://abload.de/image.php?img=aviapartner631clu.png)
Titel: Re:Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 09:18:42 Sa. 03.November 2018
Zitat
Der Streik hatte Donnerstag vergangener Woche begonnen und den Flugverkehr stark beeinträchtigt. Rund 800 Flugausfälle waren insgesamt zu beklagen. Mehr als 1.500 Koffer sind auf dem Flughafengelände und konnten von den Passagieren nicht zurückgefordert werden, weil ja die Gepäckmitarbeiter streikten. Insgesamt waren mehr als 150.000 Passagiere betroffen.
Quelle: https://www.sn.at/wirtschaft/welt/streik-am-bruesseler-flughafen-beendet-59698759 (https://www.sn.at/wirtschaft/welt/streik-am-bruesseler-flughafen-beendet-59698759)

Zitat
Streik am Flughafen Brüssel ist beendet

Mehrere Tage lang hatten Gepäckarbeiter des Dienstleisters Aviapartner am Airport in Brüssel gegen schlechte Arbeitsbedingungen gestreikt. Nun gibt es eine Einigung.


Die beiden Seiten hätten sich unter anderem auf Bonuszahlungen und die Entfristung oder Verlängerung von Arbeitsverträgen verständigt, heißt es in belgischen Medienberichten. Die Gewerkschaften zeigten sich zufrieden mit der Vereinbarung.
https://biztravel.fvw.de/news/tarifeinigung-streik-am-flughafen-bruessel-ist-beendet/393/193492/4070 (https://biztravel.fvw.de/news/tarifeinigung-streik-am-flughafen-bruessel-ist-beendet/393/193492/4070)
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 10:39:25 Do. 10.Januar 2019
Dieser Streik ist etwas besonderes.

Zitat
Stuttgart, Düsseldorf, Köln/Bonn
Streik der Flughafensicherheit gestartet - Zehntausende Reisende betroffen

An drei deutschen Flughäfen streikt am Donnerstag das Sicherheitspersonal, Hunderte Flüge sind gestrichen.

....
Rund 110.000 Passagiere könnten betroffen sein - so viele Menschen sitzen normalerweise in den Maschinen, die donnerstags an den drei Flughäfen starten und landen.

Normalerweise gibt es an diesem Wochentag rund 1040 Flugbewegungen an den drei Airports zusammen. Auf der Homepage des Flughafens Köln/Bonnheißt es, heute seien von 199 geplanten Starts und Landungen 130 gestrichen. Bereits am Mittwochabend war bekanntgeworden, dass in Düsseldorf rund 350 von 570 Starts oder Landungen abgesagt wurden und in Stuttgart 125 von ursprünglich geplanten 270. Diese Zahlen könnten im Tagesverlauf noch steigen.
...
Auch an anderen Flughäfen waren Auswirkungen des Streiks zu erwarten. Unter anderem rechneten die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld mit Ausfällen und Verspätungen.
...
Bereits kurz nach Mitternacht habe der Warnstreik am Flughafen Köln/Bonnzu Problemen an den Kontrolltoren geführt, durch die Lastwagen Fracht auf das Flughafengelände bringen, sagte der Ver.di-Sprecher. Es habe Rückstaus bis zur Autobahn gegeben.

Im Gegensatz zu anderen Standorten gibt es in Köln/Bonn kein Nachtflugverbot. Nachts ist der rheinische Airport besonders als Drehkreuz für die Frachtflieger von DHL, UPS und Fedex wichtig. Auch sie betrifft der Warnstreik - ihre Piloten und Ladungen müssen ebenfalls durch die Sicherheitschecks.
...
Ver.di fordert für die Kontrolleure von Passagieren, Fracht, Waren und Flughafenbeschäftigten eine bundesweit einheitliche Bezahlung von 20 Euro pro Stunde. Das wäre ein Plus im teilweise hohen zweistelligen Prozentbereich - derzeit ist die Bezahlung je nach Region und Tätigkeit unterschiedlich...
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/stuttgart-duesseldorf-koeln-bonn-streik-der-flughafen-sicherheit-gestartet-a-1247292.html

Es ist ein klassischer Dumpinglohnsektor.

Der Personal ist großteils migrantisch. Man hat das Personal die ganze Zeit hin und her verschoben, damit der Einzelne stets andere Arbeitskollegen hat, damit die Leute sich bloß nicht zu gut kennenlernen oder wohlmöglich anfreunden. Es könnte wohlmöglich Zusammenhalt, Solidarität und Widerstand entstehen. Man hat es aber derart auf die Spitze getrieben, daß darunter die Aufgaben litten. Die Leute hatten kaum noch eine Ahnung wo sie gerade waren, was sie eigentlich machen sollten und warum. Es wurde ihnen auch zunehmend scheißegal. Das wurde zu so einem massiven Problem, daß die Sicherheit von Flughäfen mehrfach nicht mehr aufrecht zu erhalten war, und der Flugbetrieb eingestellt werden mußte.

Unter diesen Voraussetzungen hatte die Flugwirtschaft erkannt, daß der Druck auf die Beschäftigten so überzogen war, daß die Arbeitsleistung nicht mehr akzeptabel war. Man entschied sich selbst, die Bedingungen spürbar zu verbessern.

Unter diesen Voraussetzungen entschied sich Verdi zu einer ungewöhnlich hohen Lohnforderung. Es ist schon klar, daß Verdi vorher einknickt. Es ist aber interessant zu beobachten, wie sich die Auseinandersetzung an den Flughäfen entwickelt, wie sie von anderen Flughafenbeschäftigten und in anderen Branchen diskutiert wird. Die gute Streikbeiteiligung ist schonmal erwähnenswert in einem Sektor, der schwer organisierbar ist.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 18:41:21 Mo. 14.Januar 2019
Ein Streik von prekären Arbeiter*innen (zu einem großen Teil migrantisch), der es in sich hat:

Zitat
Streiks an 8 Airports:
Hunderttausende Fluggäste betroffen!
http://www.reisereporter.de/artikel/6882-hunderte-flugausfaelle-drohen-streiks-an-acht-deutschen-flughaefen

Zitat
Streik-Ekzess! 220.000 Passagiere bleiben wohl am Boden
https://www.tonight.de/news/aktuelles/reisende-muessen-umdenken-streikekzess-220-000-passagiere-bleiben-am-boden.1000712

Zitat
Schon wieder Streiks:
Reisende brauchen starke Nerven
https://www.augsburger-allgemeine.de/video/Schon-wieder-Streiks-Reisende-brauchen-starke-Nerven-id53177406.html

Zitat
Streik am Airport:
In Hamburg fällt jeder zweite Flug aus
https://www.abendblatt.de/hamburg/article216203209/Flughafen-Streik.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 15:49:51 Mi. 16.Januar 2019
Zitat
Darum legen wir den Airport lahm

... in den vergangenen acht Jahren habe der Arbeitsdruck stark zugenommen. „Als ich angefangen habe, gab es täglich 11,5 Millionen Passagiere am Flughafen. Wir haben pro Stunde 100 Leute abgefertigt. Jetzt sind es doppelt so viele. Doch unsere Konzentration muss die gleiche sein.“

Ihre Mitstreiterin Eleni Mitrou ergänzt: „Wir erleben so viele Leistungsüberprüfungen wie kein anderer Beruf.“ Jeden Tag gebe es offene und verdeckte Sicherheitstests. Alle drei Jahre müssten die Mitarbeiter eine Eignungsprüfung über sich ergehen lassen, bei der nicht nur der Body-Maß-Index, sondern auch die psychische Stabilität überprüft würden. „Wir können tagtäglich unseren Job verlieren. Dieses Risiko muss entsprechend vergütet werden“
https://www.mopo.de/hamburg/flughafen-streik-darum-legen-wir-den-airport-lahm-31881936

Ein absurdes Argument:
Zitat
«Das Beharren auf absurden Forderungen von 20 Euro für alle ist zudem ein Schlag ins Gesicht jeder ausgebildeten Krankenschwester und jedes Rettungssanitäters und zeigt die Maßlosigkeit der Gewerkschaft», so Friebertshäuser.
https://www.aerotelegraph.com/streik-laehmt-deutschlands-flugverkehr

Die Forderungen der Airport Security sind eine Inspiration für Krankenschwestern und Rettungssanitäter!

Das Verständnis für den Streik, ja die Sympathie für die Streikenden ist enorm:
Zitat
Auch die Passagiere blieben gelassen. „Ich habe Verständnis für die Streikenden“, sagt Anna-Sophie Seppelt. „So ein Flughafen verdient ja viel Geld. Das muss auch an die Mitarbeiter weitergegeben werden.“ Ähnlich äußern sich auch andere Reisende.
https://www.mopo.de/hamburg/flughafen-streik-darum-legen-wir-den-airport-lahm-31881936

Die Medien versuchen trotzdem zu hetzen:
Zitat
Airport-Streiks: Auf einem schmalen Grat
Mit den umfangreichen Warnstreiks des Sicherheitspersonals an den Flughäfen hat die Gewerkschaft Verdi den Bogen jedoch überspannt.
https://www.idowa.de/inhalt.berlin-airport-streiks-auf-einem-schmalen-grat.2f34bd0c-6c76-4dd9-870f-9fe554750f94.html

Zitat
Kritik an Verdi wächst
Der für morgen angekündigte Warnstreik des Sicherheitspersonals an acht deutschen Flughäfen ist gesetzeswidrig – so sehen es zumindest die Arbeitgeberverbände. Denn Verdi treffe mit den Streiks nicht mehr nur einzelne Betriebe, sondern die gesamte Volkswirtschaft.

Die Arbeitgeberverbände fordern deshalb ein Eingreifen des Gesetzgebers.
https://www.deutschlandfunk.de/vor-den-flughafen-warnstreiks-kritik-an-verdi-waechst.769.de.html?dram:article_id=438290

Zitat
Streik-Chaos an Flughäfen:
Großfamilie auf dem Weg zur Beerdigung getrennt
https://www.rtl.de/cms/streik-chaos-an-flughaefen-grossfamilie-auf-dem-weg-zur-beerdigung-getrennt-4278493.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 16:11:55 Do. 24.Januar 2019
Es gab eine umwerfende Streikbereitschaft, doch dieses Mittel wurde kaum mehr als symbolisch eingesetzt. Ich ahnte, daß Verdi ein tristes Ergebnis aushandeln würde. Es kam schlimmer.

Mir sind einige Details des Verhandlungsergebnis nicht bekannt, andere nicht klar.
Plötzlich stehen wieder Prozente im Raum, wo es ursprünglich um eine eindeutige Festgeldforderung ging. Das soll zu einer allmählichen Angleichung der Ost- an die Westlöhne führen. Es scheint aber eine bleibende Differenzierung der Löhne der Beschäftigten, je nachdem, ob die das Handgepäck der Passigieren kontrollieren, die Luftfracht oder das Flughafengelände. Ich habe auch etwas von einem Entgegenkommen der Gewerkschaft in punkto flexiblerer Arbeiteinsätze gehört.
Es ist sowieso ja nicht die volle Höhe der Lohnforderungen erzielt worden, sondern nur ein Drittel des reduzierten Betrags. Man hat den Abschluß schließlich auf 3 Jahre (!) aufgeteilt. Das bedeutet auch:

Man hat einem dreijährigen Streikverbot zugestimmt.

Unfaßbar!

Bezeichnend ist, daß scheinbar alle Medien den O-Ton der Arbeitgebereinschätzungen wiedergeben.
Ich würde mich freuen, wenn jemand mit einer größeren Detailkenntnis des Abschlusses, sich hier äußern könnte.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 20:03:27 Do. 24.Januar 2019
Hier die Mitteilung der DGB-Gewerkschaft:
https://www.verdi.de/themen/nachrichten/++co++f8210bf0-1fcb-11e9-afad-525400940f89

Und hier ein Lob auf die DGB-Gewerkschaft in der genossenschaftlich geführten Tageszeitung taz:
http://taz.de/Kommentar-Mehr-Lohn-auf-Flughaefen/!5565467/

Ansonsten: drei Jahre macht man nicht. Das macht man einfach nicht. Stimmt schon.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 20:27:19 Do. 24.Januar 2019
...ein Lob auf die DGB-Gewerkschaft in der ... Tageszeitung taz...

Zum Taz Kommentator Pascal Beucker
Zitat
In den 1980er Jahren engagierte Beucker sich bei den Jungdemokraten sowie bei den Grünen.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 09:07:07 Fr. 25.Januar 2019
Ein Hauptproblem sehe ich in der kollektiven bewußten Fehlinterpretation des Verhandlungsergebnisses. Nebelkerzen gemeinsam von "Arbeitgeber", Gewerkschaft und Presse.

Es können in Deutschland einmal im Jahr Tarifauseinandersetzungen geführt werden. Für so eine Auseinandersetzung ist man in den Arbeitskampf getreten. Überall wird nun verkündet, daß man das Verhandlungsziel nahezu erreicht hätte. Das ist eine glatte Lüge. Es wurde weniger als ein Drittel dessen erreicht!

Die Öffentlichkeit wird bewußt belogen. Wenn Unternehmer und Gewerkschaften gemeinsam diese Fehlinterpretation verbreiten, zeigt es nur, wo die Gewerkschaften stehen.

Die Journalisten sind offenbar strunzdoof. Haben keine Ahnung, wobei es in einem Arbeitskampf geht. Sie kennen eh nichts anderes als den Cut-n-Paste Journalismus aus eintrudelnden Pressetexten der Wirtschaft.

Und noch ein Wort zu Verdi: Die Gewerkschaft bewies ein weiteres Mal, daß Streiks für sie "das letzte Mittel" in einer Tarifauseinandersetzung sind. Ich halte die tagtägliche Ausbeutung für das Letzte. Das tagtäglich widerstandslos hinzunehmen halte ich für inakzeptabel.

Streiks, selbst die eher symbolischen Warnstreiks, sind eine wichtige Möglichkeit für Arbeiter das gemeinsame Kämpfen zu erlernen und ihre Macht zu erkennen. Genau das scheint Verdi nicht zu wollen. Verdi machte einen Abschluß, der über 3 Jahre dies verhindert.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: counselor am 17:51:47 Mo. 04.Februar 2019
Zitat
Stahl / Flughafen Hamburg - Warnstreiks zeigen große Entschlossenheit der Beschäftigten

Um 3 Uhr morgens begannen heute die Kolleginnen und Kollegen des Bodenpersonals am Hamburger Flughafen einen ganztägigen Warnstreik. Eine ganze Reihe von Flügen fiel dadurch aus.

Quelle: https://www.rf-news.de/2019/kw06/warnstreiks-bei-stahl-und-am-flughafen-hamburg-zeigt-grosse-entschlossenheit-der-beschaeftigten
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 18:24:58 Mo. 04.Februar 2019
Und Verdi wird die "große Entschlossenheit der Beschäftigten" gegen die Wand fahren mit einem vorzeitigen und halbgaren Abschluß. Wetten?
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: BGS am 19:24:11 Mo. 04.Februar 2019
Einmal am Boden, immer am Boden - "Verdi" sei Dank.

MfG

BGS
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 21:04:41 Di. 05.Februar 2019
Zitat
5.2.19
Flughafen-Lotsen treten in den Streik

Weil Mitarbeiter der französischen Flugsicherung unerwartet in den Streik getreten sind, werden am Flughafen in Basel derzeit zahlreiche Flüge annulliert.
(...)
Wie eine Sprecherin des Euro-Airports gegenüber dem «Blick» bestätigt, seien bei der Schichtübergabe um 20 Uhr diverse Mitarbeiter der Flugsicherung nicht erschienen. Sie seien in einen unerwarteten Streik getreten.
https://www.20min.ch/schweiz/basel/story/Flughafen-Mitarbeiter-in-Streik-getreten-26274607
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 20:21:43 Mo. 18.Februar 2019
Ein Hauptproblem sehe ich in der kollektiven bewußten Fehlinterpretation des Verhandlungsergebnisses. Nebelkerzen gemeinsam von "Arbeitgeber", Gewerkschaft und Presse.

Es können in Deutschland einmal im Jahr Tarifauseinandersetzungen geführt werden. Für so eine Auseinandersetzung ist man in den Arbeitskampf getreten. Überall wird nun verkündet, daß man das Verhandlungsziel nahezu erreicht hätte. Das ist eine glatte Lüge. Es wurde weniger als ein Drittel dessen erreicht!

Die Öffentlichkeit wird bewußt belogen. Wenn Unternehmer und Gewerkschaften gemeinsam diese Fehlinterpretation verbreiten, zeigt es nur, wo die Gewerkschaften stehen.
(...)
Streiks, selbst die eher symbolischen Warnstreiks, sind eine wichtige Möglichkeit für Arbeiter das gemeinsame Kämpfen zu erlernen und ihre Macht zu erkennen. Genau das scheint Verdi nicht zu wollen. Verdi machte einen Abschluß, der über 3 Jahre dies verhindert.

Einmal am Boden, immer am Boden - "Verdi" sei Dank.

MfG

BGS

Wer hätte das gedacht!?!

Dieses erbärmliche Verhandlungsergebnis ist Verdi um die Ohren geflogen, trotz der Jubelberichte der Medien. Die Securityleute wollen sich nicht länger verarschen lassen!


Zitat
Flughafenkontrolleure
Tarifvertrag abgelehnt


Der Tarifkonflikt um die 23 000 Kontrolleure an deutschen Flughäfen beginnt möglicherweise wieder von vorne. Die Gewerkschaft Verdi teilte am Montagabend mit, die Mitglieder hätten den im Januar ausgehandelten Tarifvertrag mit einer Mehrheit von 55 Prozent abgelehnt. Er sah Gehaltserhöhungen bis zu 9,77 Prozent jährlich vor. Der Stundenlohn sollte damit auf bundesweit einheitlich 19,01 Euro im übernächsten Jahr steigen. Verdi-Vorstandsmitglied Ute Kittel teilte am Montag nicht mit, weshalb die Beschäftigten das Verhandlungsergebnis ablehnten. Sie wolle zunächst mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) darüber sprechen und sodann die "strittigen Punkte nachverhandeln". Den Tarifvertrag hatte die Gewerkschaft im Januar unter anderem mit einem fast 24-stündigen Streik an acht Flughäfen durchgesetzt.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/flughafenkontrolleure-tarifvertrag-abgelehnt-1.4335220

Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 11:55:51 Mo. 15.Juli 2019
Zitat
15.7.19
Stansted: Easyjet-Bodenpersonal vor Streik
Insgesamt 17 Tage Arbeitsniederlegungen geplant.
(...)
http://www.austrianaviation.net/detail/stansted-easyjet-bodenpersonal-vor-streik/
Titel: Cateringpersonal im Wilden Streik
Beitrag von: Kuddel am 10:43:43 Mi. 17.Juli 2019
Zitat
Rhein-Main-Airport
Selbständiger Streik bei LSG Sky Chefs wird ausgeweitet

Der Streik bei LSG Sky Chefs gegen den geplanten Verkauf des Unternehmens und gegen die Vernichtung von Arbeitsplätzen läuft weiter.


Neben den Inlandsflügen betrifft der Ausfall des Caterings bzw. ein verringertes Catering aufgrund des selbständigen Streiks bei LSG Sky Chef jetzt auch die internationalen Flüge. Lufthansa wird empfindlich getroffen, da die internationalen Flüge das profitabelste Geschäft sind. Diese Flüge wollte Lufthansa vor den Streikfolgen bewahren.

In beiden LSG-Werken wird selbständig gestreikt

In Frankfurt am Main wird nun in beiden LSG-Werken gestreikt. Jetzt sind auch Auslandsflüge betroffen - zum Beispiel die japanische Fluggesellschaft JAL. JAL wirbt mit der hohen Qualität ihrer Gerichte. Sie musste aber nun ihre Interkontinental-Flüge infolge des Streiks ohne das entsprechende Catering antreten. Das setzt die Lufthansa unter Druck. Neben den Transportbeschäftigten sind auch Arbeitskräfte der kalten und warmen Küche in den Streik einbezogen. Auch in München und in Düsseldorf beteiligen sich Beschäftige am Streik.

Eine Schwierigkeit liegt in der Konkurrenz zweier Gewerkschaften in der LSG, die beide stark im Betriebsrat vertreten sind. Es handelt sich dabei um die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die "Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr e.V." - AGIL. Letztere vertritt neben dem Bodenpersonal eben auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei LSG. Die kämpferischen Kräfte ringen darum, die Einheit im Kampf herzustellen, alle Kolleginnen und Kollegen für den Streik zu gewinnen. Die Zusammenarbeit im selbständigen Streik muss eine neue Stufe erreichen.

Bisher gelingt der Einsatz von Steikbrechern nicht

Lufthansa versucht über andere Betriebe Streikbrecher einzusetzen. So über das Dienstleistungsmonopol WISAG und auch über den Flughafenbetreiber Fraport. Das gelingt ihnen bisher nicht, da auch Betriebsräte dieser Unternehmen ihre Zustimmung für Streikbrecherarbeiten verweigern. Bei WISAG gab es im Juni ebenfalls einen Streik bei der Bodenabfertigung am Frankfurter Flughafen, was zu Flugausfällen führte. Die LSG setzt jetzt für den Transport des Caterings in die Flugzeuge leitendes Personal ein, das es aber nicht nach Plan schafft.

Lufthansa erhöht den Druck, und Schichtleiter in Frankfurt drohen: „Das ist ein illegaler Streik“. Sie betreiben Spaltung. Sie tun alles, um herauszubekommen, wer hinter dem Streik steht und wollen die „Organisatoren“ herauspicken: „Wer hat das alles organisiert?“ Sie gehen die Kollegen an: „Haltet euch an die Gewerkschaft, … ver.di hat nicht zum Streik aufgerufen“.

Was fällt diesen Leuten ein, wenn Arbeiterinnen und Arbeiter für berechtigte Forderungen kämpfen, diese zu bedrohen und einzuschüchtern?

Solidarität


Die Vorgänge machen deutlich: Die Arbeiterklasse braucht in Deutschland ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht. Diese Forderung muss jetzt auf die Tagesordnung, weil aktuell in etlichen Konzernen Kämpfe um Arbeits- und Ausbildungsplätze bevorstehen. Die Lufthansa-Geschäftsleitung weiß sehr gut, dass eine Gewerkschaft während eines laufenden Tarifvertrags überhaupt nicht zum Streik aufrufen darf.

Die Belegschaft der LSG Berlin hat an die Streikenden im Werk I und II in Frankfurt Solidaritätsadressen geschickt und sichert Unterstützung zu. Damit stärken sie das Selbstbewusstsein, den Streik mutig weiterzuführen.
https://www.rf-news.de/2019/kw29/selbstaendiger-streik-bei-lsg-sky-chefs-wird-ausgeweitet
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 17:02:13 Di. 20.August 2019
Zitat
Kosovo 20.08.2019

Die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste am Flughafen von Pristina, Kosovo, sind morgen, Mittwoch, den 21. August 2019, zu einem Streik aufgerufen. Aufgrund dieses Streiks kann es im Zeitraum zwischen 8-14 Uhr (Local Time) zu Verspätungen und vereinzelten Streichungen von Eurowings Flügen von und nach Pristina kommen. Eurowings bedauert etwaige Unannehmlichkeiten für die Fluggäste und bemüht sich, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.
https://www.eurowings.com/de/informieren/aktuelles-hilfe/aktuelle-meldungen.html#message_1
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 13:06:03 So. 01.Dezember 2019
Es ist erfreulich, daß es inzwischen immer häufiger unter den prekär Beschäftigten unruhig wird.
Auch die Niedriglohnarbeiterinnen können Flughäfen lahmlegen.

Zitat
Lufthansa: Am Montag drohen Flugausfälle

(https://bilder.t-online.de/b/86/91/26/06/id_86912606/610/tid_da/mitarbeiter-der-lufthansa-catering-firma-lsg-sky-chefs-verdi-plant-am-montag-einen-24-stuendigen-streik-.jpg)

Die Gewerkschaft Verdi hat für diesen Montag zu Streiks bei der Catering-Tochter der Lufthansa, LSG Sky Chefs, aufgerufen. Die Beschäftigten würden an den Flughäfen Frankfurt/Main, München, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und Berlin ab 00.00 Uhr für 24 Stunden in den Ausstand treten, teilte Verdi mit. Grund seien unzureichende Angebote der Lufthansa zur Einkommenssicherung der Beschäftigten.

Vor allem Langstreckenflüge betroffen


Verdi äußerte die Erwartung, dass der Streik vor allem bei Langstreckenflügen von den Airports Frankfurt und München zu Ausfällen und Verspätungen führen werde. Die Gewerkschaft bat die Fluggäste dafür um Verständnis.

Hintergrund des Konflikts ist der bevorstehende Verkauf von LSG Sky Chefs an das Unternehmen Gate Gourmet. Die betroffenen Beschäftigten der bisherigen Lufthansa-Tochter befürchten deswegen Gehaltskürzungen.

Forderungen der Gewerkschaft


"Wir fordern die Lufthansa auf, das Einkommen der rund 7.000 Beschäftigten der LSG tarifvertraglich abzusichern, bevor sie den Verkaufsvertrag mit Gate Gourmet unterzeichnet", erklärte Verdi-Verhandlungsführerin Katharina Wesenick. Die Lufthansa habe es in der Hand, eine Ausweitung des Arbeitskampfes abzuwenden.

"Der Lufthansa-Vorstand hat sein Vertrauen verspielt", kritisierte Wesenick weiter. Bis heute sei das Versprechen des Vorstands, für die betroffenen Beschäftigten soziale Verantwortung zu übernehmen, nicht eingelöst worden. Für kommenden Mittwoch sind demnach neue Verhandlungen angesetzt.
https://www.t-online.de/leben/reisen/reisetipps/id_86912510/neuer-lufthansa-streik-am-montag-drohen-flugausfaelle.html

Vergleichbares gibt es in der Autoindustrie. Die Stammbelegschaften halten still, bei den Zulieferern (mit weitaus schlechteren Arbeitsbedingungen) knallt es am Laufenden Meter.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 17:09:46 Di. 17.November 2020
Zitat
Flughafen London Heathrow: Streik an drei Terminen im Dezember

Der Flughafen Heathrow in London wird im Dezember 2020 von einer Streikwelle getroffen. Das Bodenpersonal will nach einem Bericht des Luftfahrtmagazins Aero an drei Terminen die Arbeit niederlegen. Reisende müssen demnach bereits ab dem 1. Dezember mit Einschränkungen rechnen.


Beteiligen wollen sich an den Streiks Beschäftigte der Gepäckabfertigung, der Sicherheitsdienste sowie der Flughafen-Feuerwehr. Die verantwortliche Gewerkschaft Unite gab als Grund für die Protestaktion Pläne des Managements an, welches aus Kostengründen rund 4.000 Mitarbeiter entlassen und zu schlechteren Konditionen wiedereinstellen wolle. Da rund 85 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer den Streiks zugestimmt haben, ist eine entsprechend hohe Beteiligung zu erwarten.
https://flug.check24.de/news/flughafen-heathrow-streik-dezember-2020-67629
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 19:58:02 Fr. 29.Januar 2021
Kriminelle Verträge, Hungerstreik, SPD-Filz...Fraport heftig:

Zitat
Daniel Wollenberg berichtet über den Widerstand der Industriegewerkschaft Luftverkehr IGL gegen kriminelle Methoden des Dienstleisters WISAG am Frankfurter Flughafen.
https://www.youtube.com/watch?v=7McIBobgu-o
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 10:09:27 Fr. 26.Februar 2021
Zitat
25.2.21
WISAG-Arbeiter im Hungerstreik: „Wir werden nicht aufgeben“

Am gestrigen Mittwoch, den 24. Februar, sind zwei Dutzend WISAG-Arbeiter in den Hungerstreik getreten. Sie kämpfen gegen willkürliche Entlassungen, Lohnraub und Corona-Unsicherheit. Der WISAG-Konzern hat im Dezember 230 Beschäftigten gekündigt, darunter 31 Busfahrern, die seit Oktober keinen Lohn bekommen haben.
(...)
https://www.wsws.org/de/articles/2021/02/25/wisa-f25.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 11:52:46 Fr. 26.Februar 2021
(https://www.wsws.org/asset/a1ba40ba-b219-4eae-a4fc-23762af11d77?rendition=image1280)

Ein Hungerstreik ist eine Kampfform, die z.B. in der Türkei recht populär ist, von deutschen Gewerkschaften meist rigoros abgelehnt wird. Hier heißt es, die kleine Spartengewerkschaft IGL würde den Kampf unterstützen. Es scheint sich weitgehend um einen von den Kollegen selbst organisierten Kampf zu handeln. In Deutschland selten genug.

(https://www.wsws.org/asset/31d38418-b584-402d-a160-f7cf06f3d1df?rendition=image1280)

Danke Fritz, für diesen Beitrag.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 12:43:14 Fr. 26.Februar 2021
Der Hungerstreik soll wohl bis heute Abend gehen. Die IGL hat vor der Aktion gewarnt und verhält sich nun dazu neutral (ca. Minute 5:30):

https://www.youtube.com/watch?v=fnIWD0XXqEk

Alles muss man selber machen.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: admin am 15:08:13 Fr. 26.Februar 2021
Die Video wurde aber schnell abgeschaltet.  >:(
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 15:39:11 Fr. 26.Februar 2021
Souverän wäre, dann auch das hier von der Seite zu nehmen:

Zitat
Verzweifelte ehemalige WISAG Mitarbeiter drohen mit Hungerstreik

24.02.2021

Webcast zum Thema WISAG mit Yanki Pürsün, Landtagsabgeordneter von der FDP

https://youtu.be/fnIWD0XXqEk
https://igl.aero/index.php?id=37&tx_news_pi1%5Bnews%5D=159&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=e1a590cf58cff378d132add5dcfc7a70
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 16:38:35 Fr. 26.Februar 2021
Hat die IGL Aero kalte Füße gekriegt?
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 16:48:42 Fr. 26.Februar 2021
Es war wohl eher flapsig dahergesagt, dass sie sich neutral zum Hungerstreik verhalten. Im Rahmen der (vorstellbaren) Möglichkeiten hat die IGL ja schon die Beschäftigten unterstützt.

Wisag ist aber auch ein Drecksunternehmen. In einem anderen Bereich schwelt ebenso der Konflikt:
https://igbce.de/igbce/wisag-tarifverhandlung-182140
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 08:26:21 Sa. 27.Februar 2021
Beim DGB hat man vergessen, daß man auch selbst mal die Kampfform des Hungerstreiks genutzt hat.

(https://blogs.sub.uni-hamburg.de/hwd/wp-content/uploads/2016/05/HDW_Betriebsbesetzung.jpg)
Bei der Werftbesetzung von HDW 1983 organisierten Auszubildende der IGM Jugend einen Hungerstreik und lagen auf Liegen mit Schildern und Transparenten in der Fußgängerzone. Heute heißt es beim DGB stets, "Mit einem Hungerstreik schadet man sich selbst."
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 20:38:14 Sa. 27.Februar 2021
Der Hungerstreik wurde wohl bis Montag verlängert und heute gab es eine Demo vor dem Haus des Wisagchefs.

googleübersetzt:

Zitat
27.2.21
Der Widerstand der Wisag-Arbeiter geht weiter

Wisag-Arbeiter, die beschlossen, ihren dreitägigen Hungerstreik gegen die Entlassungen am Wochenende fortzusetzen, wurden gestern von Bir-Kar und PiA besucht. Arbeiter protestierten heute vor dem Haus des Wisag-Kapitalisten.
230 Wisag-Arbeiter, die zu Unrecht, rechtswidrig und nicht entschädigt wurden, wurden am Frankfurter Flughafen entlassen und befinden sich seit drei Tagen im Hungerstreik.

Bir-Profit- und International Working Women's Platform (PiA) - und LSG-Mitarbeiter besuchten die Arbeitnehmer gestern zum zweiten Mal. Die Arbeiter, die mit den neuen Bannern, die sie anstelle des Widerstands hingen, eine bessere Sichtbarkeit schufen, beschlossen, ihren Hungerstreik bis Montag zu verlängern.
"Lassen Sie die Kapitalisten die Rechnung für die Krise und die Pandemie bezahlen!" Unterzeichnete One-Profit statt Widerstand, "Wisag-Arbeiter sind nicht allein, es lebe die Klassensolidarität!" Zwei geschriebene Währungen wurden aufgehängt. Anlässlich des Besuchs wurden im Namen von Bir-Kar und PiA Reden an die Widerstandsarbeiter gehalten. In Gesprächen; Es wurde betont, dass die Kapitalisten der Arbeiterklasse die Rechnung der Krise und der Pandemie durch Praktiken wie Arbeitslosigkeit, flexibles Arbeiten, Kurzarbeit, Intensivierung der Ausbeutung und Nullverträge brachten. Am Beispiel von Wisag wurde festgestellt, dass die Haltung der Gewerkschaftsbürokratie als Kapitalmitarbeiter erneut registriert wurde, dass sie der Arbeiterklasse nicht zugute kommen würden und dass die Arbeiter diese Angriffe nur überwinden konnten, indem sie sich auf ihre eigene Macht stützten und sich von der Gewerkschaft aus organisierten Unterseite. Die Notwendigkeit, einzelne Widerstände gegen die Massaker an Arbeitern zu kombinieren, die mit Sicherheit allmählich zunehmen werden, und die Bedeutung der Klassensolidarität betonten die Bedeutung der Beteiligung der Familien der Arbeitnehmer am Widerstand.
Presseorganisationen wie SAT.1, RTL, DW, HR4 besuchten den Ort des Widerstands und machten Dreharbeiten und Interviews. Außerdem waren A Haber aus der türkischen Presse, der Generalkonsul von Frankfurt und Turgut Yüksel von der SPD unter den Besuchern. Insbesondere der Besuch des Konsuls und von A Haber bei den Arbeitern, die die Posaune der Anti-Arbeiter-AKP-MHP-Regierung waren, ist ein völliger Betrug. von Arbeitern in der Türkei "Code 29" als Palast Lakaien einfache Entlassung mit der Begründung, dass die volle Unterstützung in Deutschland sogenannte "arbeiterfreundlich" Sie abgeschnitten. In Wirklichkeit spielen sie hier die gleiche finstere Rolle. Arbeiter, die versuchen, die türkische Identität und das nationalistische Gefühl zu verbessern, diese Arbeiter, die Feinde kratzen, es schürt nur die nationalistischen Vorurteile, die eines der ernsthaften Hindernisse für die Vereinigung der Wanderarbeiter mit der indigenen Arbeiterklasse hier darstellen.

Die Arbeitnehmer äußerten, dass jede Art von Solidarität sie glücklich machte, aber sie kümmern sich hauptsächlich um die Solidarität der Arbeitnehmer von anderen Arbeitsplätzen. MLPD und TKP besuchten auch die Arbeiter und machten Solidarität.

Es gibt 300-400 ehemalige Arbeiter in Wisag, die noch arbeiten, außer denen, die entlassen wurden. Es wird angegeben, dass diese Arbeitnehmer ebenfalls in Gefahr sind, ausgewiesen zu werden. Arbeitsverträge entlassener Arbeitnehmer laufen am Ende des 3. Monats aus. In der Zwischenzeit fordern einige Widerstandsarbeiter, die zur Arbeit gehen, diejenigen auf, die noch nicht entlassen wurden, um den Widerstand zu unterstützen. Mit der Begründung, dass die meisten Arbeitnehmer aus Angst vor Arbeitslosigkeit zögerten, den Widerstand zu unterstützen, gaben die Arbeitnehmer an, ernsthafte Unruhen und Ängste am Arbeitsplatz zu beobachten.
Wisag-Mitarbeiter führten heute eine Demonstration vor dem Haus des Firmenchefs Michael Wisser durch, der in Niederrad bei Frankfurt lebt. Die Arbeiter, die sich in der Nähe des Hauses versammelt hatten, sagten: „Wir sind hier, wir erheben unsere Stimmen, weil unsere Arbeit gestohlen wird. Die Lohnausbeutung ignoriert die Zukunft. Nach einem Banner mit der Aufschrift "Ausbeutung ist kein Recht" marschierten sie mit Slogans und Pfeifen vor das Haus.

Nach dem Treffen vor Wissers Haus, das von der Polizei geschlossen wurde, wurden verschiedene Reden im Namen einzelner Arbeiter und der IGL-Gewerkschaft gehalten. In den Reden durch Protest gegen die unfaire und rechtswidrige Entlassung der Arbeiter; Es wurde festgestellt, dass es nicht hinnehmbar ist, dass die Arbeiter, die Wisag jahrelang großzogen und ihm hohe Gewinne einbrachten, auf die Straße geworfen wurden, indem sie ihre Arbeit aufgrund von Pandemie und Krise missachteten. Das Gerücht, der Chef habe ihm Schaden zugefügt, sei eine Lüge und seine 340 Unternehmen und Neuinvestitionen sind ein Beweis dafür.

Nach den Reden wurde Wisser zur "sozialen Verantwortung" eingeladen und ging hinaus und gab gegenüber den Arbeitern eine Erklärung ab. Wenn wiederholte Anrufe fehlschlugen, machten die Arbeiter einen Rundgang durch das Haus und forderten, dass sie zurückkommen würden, bis dahin sollte der Chef nach unten kommen. Die Arbeiter, die eine Tour durch die Nachbarschaft machten, begleitet von Slogans und gelegentlichen Aussagen, kamen wieder vor das Haus. Als die Arbeiter, die eine Weile warteten, keine Antwort auf ihre Anrufe erhalten konnten, hielten sie erneut eine Rede, in der sie ihre Probleme und ihre Forderung nach Rückkehr zur Arbeit zum Ausdruck brachten und zum Flughafen zurückkehrten, wo sie sich im Hungerstreik befanden.

Die entlassenen Wisag-Arbeiter wollen ihren Widerstand mit anderen Aktionen und Aktivitäten fortsetzen, insbesondere mit einer Demonstration vor dem hessischen Parlament in der kommenden Zeit.

Während mehr als 50 Personen mit den One-Kar-Flaggen MLPD, TKP und LSG am Marsch teilnahmen
https://kizilbayrak48.net/ana-sayfa/haber/dunya/wisag-iscilerinin-direnisi-suruyor

Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 10:10:32 So. 28.Februar 2021
Gewerkschaften neigen dazu, sich mehr um ihren eigenen Einfluß zu sorgen, als um die Interessen der Kollegen. Ich muß jedenfalls an den Hungerstreik der Leiharbeiter 2009 erinnern gegen die Entlassungspolitik von VW. Die Hungerstreikenden fühlten sich von Betriebsrat und Gewerkschaft im Stich gelassen.

https://youtu.be/DNVRLMw1f3g

Zitat
Sie hatten sich im Rahmen einer gemeinsamen Qualifizierung organisiert. Am 19.3. haben 200 LeiharbeiterInnen die Sitzung des Betriebsrats besucht, da die IG Metall sich bisher so geäußert hatte, dass sie nichts für eine Verlängerung der Verträge tun könnte. Der Betriebsrat reagierte auf den unangemeldeten Besuch repressiv und ließ den Werkschutz auf die LeiharbeiterInnen los, um sie aus der Sitzung zu drängen.
https://de.labournet.tv/video/4335/hungerstreik-der-leiharbeiter-bei-vw

Zitat
Bisher galten ja Leiharbeiter als quasi unorganisierbar, doch dies scheint vorbei zu sein. Sie beginnen sich selbst zu organisieren. Im letzten Jahr waren es Leiharbeiter (bei VW) in Hannover, die begannen zu kämpfen. Als sie sich von der IG Metall im Stich gelassen fühlten, verbrannten sie öffentlich ihre Gewerkschaftsausweise und kämpften weiter. Sie machten einen Hungerstreik, protestierten, sammelten Unterschriften und zogen kollektiv vor's Arbeitsgericht. Ihr Kampf war erfolgreich.
http://de.indymedia.org/2010/06/284238.shtml

Zitat
Nach Hungerstreik: Leiharbeiter siegen vor Gericht

Die Hungerstreikenden hatten im Frühjahr tagelang vor dem Werkstor von VW Nutzfahrzeuge in Hannover gesessen und protestiert. Wegen des drastischen Nachfrageeinbruchs waren die ausgelaufenen Verträge von 213 Leiharbeitern zunächst nicht verlängert worden. Schließlich wurden 88 dieser Leiharbeiter im VW - Stammwerk Wolfsburg übernommen - darunter allerdings nicht diejenigen, die den Hungerstreik organisiert hatten.
https://www.kreisbote.de/wirtschaft/nach-hungerstreik-leiharbeiter-siegen-gericht-zr-442143.html

Zitat
Arbeitsvertrag nach Hungerstreik

Zehn VW-Leiharbeiter, die für ihre Weiterbeschäftigung in den Hungerstreik getreten waren, haben vor Gericht einen Sieg errungen. Die befristeten Arbeitsverträge von neun Klägern wurden verlängert, einer erreichte sogar einen unbefristeten Vertrag.

Das teilte das Arbeitsgericht Hannover am Mittwoch mit und bestätigte Medienberichte. Nach Auffassung der Richter hatte die Firma gezielt diejenigen Arbeiter nicht weiterbeschäftigt, die gegen das Auslaufen ihrer Verträge demonstriert hatten. Die Hungerstreikenden hatten im Frühjahr tagelang vor dem Werkstor von VW Nutzfahrzeuge in Hannover gesessen und protestiert.
https://www.dvz.de/rubriken/markt-unternehmen/detail/news/arbeitsvertrag-nach-hungerstreik.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 15:56:56 Mo. 01.März 2021
Ein englischsprachiger Bericht: https://www.wsws.org/en/articles/2021/02/27/wisa-f27.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 18:44:09 Mo. 01.März 2021
Der gleiche Bericht auf Deutsch: https://www.wsws.org/de/articles/2021/02/25/wisa-f25.html

[Ups, der Bericht wurde weiter oben bereits von Fritz verlinkt und ich hatte daraus zitiert.
Doppelt hält besser, sagt der Volksmund.

Ich hoffte, auf eine aktuellere Meldung gestoßen zu sein. Wichtig genug ist diese Geschichte ja.]

Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 22:35:21 Mo. 01.März 2021
https://www.youtube.com/watch?v=GS-A12dXQTQ
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 21:40:39 Di. 02.März 2021
Über den Hungerstreik am Frankfurter Flughafen gibt es Berichte von RTL, SAT1, BLÖD und mlpd und Sozialistische Einheitspartei, vielleicht noch einige andere. Der Streik geht ans Eingemachte sozialdemokratischer Filzharmonie.
Der Oberausbeuter von Wisag im Portrait:
Zitat
Claus Wisser

Mit einer Putzfirma hat Claus Wisser sein Studium finanziert, daraus entstand die WISAG Gruppe. Das Unternehmens beschäftigt insgesamt etwa 48.000 Menschen und ist ein großer Dienstleister am Frankfurter Flughafen (Bodenabfertigung, Flugzeugbe- und entladung, Facility Management, Gebäudetechnik, Gebäudereinigung, Prozesssteuerung bei Gebäuden, Sicherheit, Service, Empfang, Catering, Garten- und Landschaftspflege). [45]

GlobeGround Berlin ist eine Tochterfirma der WISAG Gruppe, die ehemaligen Eigentümer Lufthansa und die Länder Berlin und Brandenburg haben die GlobeGround Berlin an den WISAG-Konzern verkauft. Aufsichtsratschef ist Claus Wisser. [46] Die meisten der etwa 1.500 Beschäftigten der GlobeGround Berlin sind Geringverdiener, die Einkommen staffeln sich je nach Tätigkeit und Beschäftigungsdauer zwischen 1.449 Euro mtl./brutto (Einstiegsgehalt z.B. für einen Vorfeldarbeiter) bis zu 2.300 Euro mtl./brutto (Endgehalt nach 20 Jahren). [47] Nach ver.di-Angaben sind viele Mitarbeiter des Unternehmens Ground Service International, einer Tochtergesellschaft der Firma GlobeGround Berlin, zusätzlich zum Gehalt auf "Hartz IV"-Leistungen angewiesen. Mitarbeiter der GlobeGround Berlin wurden erst entlassen und dann in der Tochterfirma Ground Service International für ein "Hartz IV"-Aufstockergehalt wieder eingestellt, um an die ursprüngliche Firma, bei gleicher Tätigkeit, ausgeliehen zu werden.
https://wiki.piratenpartei.de/Lobbyismus_und_Flughafenausbau_Frankfurt#Claus_Wisser

Wisser spendete 2018 knapp 50.000 Euro an die SPD:
https://www.abgeordnetenwatch.de/sites/default/files/media/documents/2020-03/Spenderliste-SPD-2018.pdf

(kann noch endlos weitergeführt werden)

Wenn die Beschäftigten nun vor seiner Hütte erscheinen, dann kann der DGB-SPD-FR Pressesumpf nicht richtig damit um und schweigt lieber.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 09:24:47 Mi. 03.März 2021
Zitat
Busfahrer in London solidarisieren sich mit den WISAG-Flughafenarbeitern in Deutschland
https://www.wsws.org/de/articles/2021/03/02/lond-m02.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 14:42:35 Mi. 03.März 2021
Es gibt eine Fülle an türkischsprachigem Material zu dieser Auseinandersetzung.

Googleübersetzt:
Zitat
Der Widerstand der türkischen Arbeiter in Deutschland hält an

(https://d.arti49.com/news/784222.jpg)

Arbeitnehmer, die vor etwa fünf Monaten in Frankfurt entlassen und für den Übergang zu einem Subunternehmer verurteilt wurden, haben vor der WISAG-Firma Maßnahmen ergriffen.


(...) Von 230 Arbeitern, von denen die meisten Türken waren, marschierten diejenigen, die an dem Protest teilnahmen, mit Slogans wie "Wir wollen unseren Arbeitsplatz zurück, den Sie uns gestohlen haben", "Weiter Widerstand leisten", (...)"Nein zur Boss-Tyrannei". (...)
https://www.arti49.com/almanyada-turk-iscilerin-direnisi-suruyor-2350387h.htm

Zitat
(...) Die Arbeiter können nach ihrer Entlassung nicht die notwendige Unterstützung von ihrer Verdi-Gewerkschaft erhalten und bemühen sich, ihre Stimme mit verschiedenen Aktionen zu Gehör zu bringen, wobei die Medien und die im Landtag vertretenen Parteien uninteressiert bleiben.

WISAG-Mitarbeiter, die seit Monaten vor dem Frankfurter Flughafen protestieren, versuchen mit einem Hungerstreik am Flughafen auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie nach Gerichtsverfahren keine Ergebnisse aus ihren Aktionen in der Innenstadt erhalten.

Kurz vor den Landtagswahlen versprachen Vertreter von Oppositionsparteien, die sich vor dem Hungerstreik mit Arbeitern getroffen hatten, das Thema auf die parlamentarische Tagesordnung zu setzen. Mit diesen Entwicklungen in den Medien tauchen seit kurzem Nachrichten über die hungerstreikenden Arbeiter auf. (...)

Der Widerstand der WISAG-Beschäftigten hat es Arbeitnehmern, die für andere Unternehmen an verschiedenen Standorten am Frankfurter Flughafen arbeiten, ermöglicht, ähnliche Probleme laut auszusprechen.

Die Delegationen, bestehend aus Arbeitnehmern und Vertretern am Arbeitsplatz, die den Hungerstreik am Terminal 1 des Frankfurter Flughafens besuchten, erklärten, sie hätten ähnliche Probleme und seien solidarisch wie Flughafenarbeiter und betonten, dass sie sich zusammenschließen wollten.

In seiner Rede erinnerte der Opel-Arbeiter Metin Yıldız, der den Hungerstreik unterstützte, daran, dass die Behörden in dem Teil, in dem der Streik aufgrund der Pandemie stattfand, nicht mehr als 30 Besucher zugelassen hätten, und betonte, dass sie einen Job machten, der nicht sein sollte unterschätzt, da viele Leute in Gruppen zu Besuch kamen und sich auch die Medien bewegten.

"Es besteht keine Notwendigkeit für Pessimismus, was wir tun, ist nicht umsonst", sagte Yıldız und fügte hinzu, dass der Kampf unter Beteiligung anderer Arbeiter, die die gleichen Probleme haben, auf ein höheres Niveau gebracht werden sollte. Er kündigte auch an, dass sie eine Aktion planen, um ihre Rechte vor dem hessischen Parlament geltend zu machen, unter Beteiligung anderer Flughafenangestellter, die in den kommenden Tagen ähnliche Probleme hatten. (...)
https://sol.org.tr/haber/wisag-iscilerinin-aclik-grevine-destek-ziyareti-26939

Es ist beeindruckend, wie sich ein Arbeitskampf entwickeln kann, wenn er nicht unter der Kontrolle des DGB steht. Es spielen verschiedendste linke Gruppen als Unterstützer eine Rolle. Es scheinen auch migrantische Netzwerke und Strukturen, die wir nicht auf dem Zettel haben, eine große Bedeutung zu haben.

Besonders gut gefällt mir, daß man versucht auch andere Flughafenbeschäftigte mit einzubeziehen und die Unterstützung von Arbeitern anderer Betriebe sucht.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 20:21:01 Sa. 06.März 2021
Die FR hinkt völlig hinterher und staunt, daß es einen Arbeitskampf bei WISAG und einen Hungerstreik gibt:
https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-flughafen-corona-wisag-hungerstreik-kuendigung-protest-klage-mitarbeiter-zr-90230266.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 20:31:22 Sa. 06.März 2021
FR hat den Artikel von der fnp von gestern einfach übernommen. Diese einseitige Übernahme der Position von wisag ist ein journalistisches Trauerspiel.
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 19:58:06 Mo. 08.März 2021
Es gibt nun eine Aktualisierung des Artikels in der fnp, demnächst wohl auch fr:
Zitat
8.3.21
(...)
Einige der gekündigten Mitarbeitenden veranstalteten in der vergangenen Woche einen Hungerstreik im Terminal 1, Halle A des Frankfurter Flughafens, um gegen ihre Entlassung zu protestieren. Sie werfen der Firma Wisag vor, die Corona-Pandemie werde nur als Vorwand genutzt, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit alten Arbeitsverträgen „loszuwerden“ und sie durch „billigere Kräfte“ von Leiharbeitsfirmen zu ersetzen. Das berichtet ein Betroffener unserer Redaktion. Bis zur Entlassung am 17. Dezember 2020 hatte er bereits mehr als 20 Jahre für die Wisag gearbeitet.
(...)
Die Wisag betonte in einer Pressemitteilung, dass sie den betroffenen Angestellten im November 2020 einen Sozialplan angeboten habe, „um die Folgen der Kündigung im Rahmen des Möglichen abzumildern“. Dieser sei vom Betriebsrat der beiden Gesellschaften abgelehnt worden. Der Mann berichtet nun, die entlassenen Mitarbeiter hätten weder über den Betriebsrat, noch über die Gewerkschaft Ver.di je von diesem Sozialplan erfahren. Stattdessen sollen den Entlassenen nach jahrzehntelanger Arbeit lediglich Abfindungen zwischen 3500 und 4000 Euro angeboten worden sein. „Ein Witz“, sagt Gekündigte.
Der Mitarbeiter beklagt zudem, dass es keinerlei Gespräche zwischen der Wisag-Geschäftsführung und den entlassenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegeben habe. „Wir Mitarbeiter mussten diesen Weg zum Hungerstreik gehen, weil Firmeninhaber Claus Wisser sich nach sieben Demonstrationen nicht ein einziges Mal an uns gerichtet hat“, erklärt der ehemalige Mitarbeiter weiter. Die Industriegewerkschaft für Arbeitnehmer im Luftverkehr (IGL) habe sich nicht von dem Hungerstreik der einzelnen Wisag-Mitarbeiter distanziert, sie aber auch nicht zu diesem Schritt ermutigt.
(...)
https://www.fnp.de/frankfurt/frankfurt-flughafen-corona-jobs-entlassungen-wisag-hungerstreik-kuendigung-klage-mitarbeiter-kritik-news-zr-90230266.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 14:12:32 Do. 11.März 2021
Heute vor dem Hauptgebäude von wisag:

(https://abload.de/img/wisag7ykh2.png) (https://abload.de/image.php?img=wisag7ykh2.png)
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 14:55:45 Do. 11.März 2021
Wow! Dieses Durchhaltevermögen!
Das Zugehen auf Kollegen anderer Betriebe!
Einfach vorbildlich!

(https://pbs.twimg.com/media/EwJyGUrXEAECAol?format=jpg&name=small)
https://www.unsere-zeit.de/hungerstreik-bei-wisag-143198/


Britische und türkische Aktionskomitees für sichere Bildung unterstützen Kampf der WISAG-Arbeiter am Frankfurter Flughafen

Zitat
Diese Arbeiter widersetzen sich in ihrem Kampf gegen Entlassungen, Lohnraub und diskriminierende Arbeitsbedingungen, die unter dem Vorwand der Pandemie verhängt werden, den Gewerkschaften, welche die WISAG-Beschäftigten im Stich gelassen, von der breiteren deutschen Arbeiterklasse isoliert und einige von ihnen dazu getrieben haben, aus Protest gegen diese Behandlung in den Hungerstreik zu treten.

Die Ereignisse bei der WISAG bestätigen die Notwendigkeit für Arbeiter, von den Gewerkschaften unabhängige Aktionskomitees aufzubauen, um ihre Interessen zu verteidigen.

Wir verpflichten uns, den Kampf der WISAG-Arbeiter öffentlich bekannt zu machen. Wir fordern die Lehrer, Erzieher und alle Arbeiter auf, Grußbotschaften zur Unterstützung der Streikenden zu senden und für den Aufbau von Aktionskomitees in ihren eigenen Betrieben zu kämpfen. Dies ist Bestandteil des Kampfs zur Vereinigung der europäischen und internationalen Arbeiterklasse.
Educators Rank-and-File Safety Committee (UK)
Güvenli Eğitim İçin Taban Komitesi (Türkiye)

Weitere Solierklärungen aus UK: https://www.wsws.org/de/articles/2021/03/10/soli-m10.html

Die beharrlichen Aktivitäten der WISAG Arbeiter schaffen es nur selten in die bürgerlichen Medien:
https://www.da-imnetz.de/hessen/frankfurt-flughafen-corona-jobs-entlassungen-wisag-hungerstreik-kuendigung-klage-mitarbeiter-kritik-news-zr-90230266.html

 
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 21:28:56 Do. 11.März 2021
https://www.youtube.com/watch?v=D6F0MNWpKys
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 13:15:57 Mo. 15.März 2021
(https://abload.de/img/wisaguvkac.png) (https://abload.de/image.php?img=wisaguvkac.png)
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 21:37:19 Mo. 15.März 2021
Nach dem informativen Bericht "Stoffwindel oder Wegwerfwindel?" geht es bei ZDF-wiso vom 15.3.21 ab Minute 17 um den Arbeitskampf der verarschten Wisag-Beschäftigten:
https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/wiso-vom-15-maerz-2021-100.html

(für jungewelt, nd und labournet ist es wohl nicht fein genug.)
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 18:47:56 Di. 16.März 2021
Zitat
Neue Entlassungen bei WISAG am Frankfurter Flughafen

Seit drei Monaten kämpft eine Gruppe von Bodenarbeitern am Frankfurter Flughafen gegen ihre Entlassung durch den Dienstleister WISAG. Mit bisher acht Demonstrationen und Kundgebungen und einem acht Tage währenden Hungerstreik haben sich diese Arbeiter unter dem Motto, „Heute wir – morgen ihr!“ an ihre Kollegen gewandt und ihren Kampf in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Die Antwort des WISAG-Konzerns, der am Rhein-Main Airport Maschinen abfertigt, besteht in noch brutaleren Entlassungen: Anfang März wurden über 30 weitere langjährige Mitarbeiter, darunter Schwerbehinderte, auf Ende Juni 2021 gekündigt. Dies wurde am 11. März bekannt, als die Arbeiter sich zu einer weiteren Kundgebung vor der Zentrale des WISAG-Konzerns in der Frankfurter Bürostadt Niederrad versammelten.

(https://pbs.twimg.com/media/EwjGoltXMAE8CC4?format=jpg&name=small)
weiter:https://www.wsws.org/de/articles/2021/03/15/wisa-m15.html

(https://pbs.twimg.com/media/Ewmv9u3XAAIkhlT?format=jpg&name=small)
WISAG-Demo in Wiesbaden: Wo war die Landesregierung? Im Landtag nur Ausflüchte von Klose. Wann kommen die versprochenen Hilfen vom Bund?
https://twitter.com/stefan_naas_fdp/status/1371821042172272641?s=20
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 10:30:31 So. 28.März 2021
Der Kampf der WISAG-Arbeiter*innen geht weiter. "Die Flughafen-Bodenarbeiter, die am Dienstag vor der verdi-Zentrale in Frankfurt demonstrierten [...] klagten [...] lautstark die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an, die sie im Stich gelassen hat."

(https://pbs.twimg.com/card_img/1375328156274593792/iWeycCaz?format=jpg&name=small)

Zitat
Protest der WISAG-Arbeiter vor Verdi-Zentrale zeigt Bankrott der Gewerkschaften

Die Flughafen-Bodenarbeiter, die am Dienstag vor der Verdi-Zentrale in Frankfurt am Main demonstrierten, trugen einen schwarzen Totenkranz. Sie waren vor drei Monaten vom WISAG-Konzern willkürlich entlassen worden. Nun klagten sie lautstark die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an, die sie im Stich gelassen hat. „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze und unsere Rechte – aber wo war Verdi die ganze Zeit?“, rief Riza Kodak, ein Sprecher der Gruppe.

Der zuständige Verdi-Sekretär ließ sich entschuldigen. Nicht überraschend, hatte Verdi den WISAG-Arbeitern nichts zu sagen.

Der Totenkranz ist das passende Symbol für die Gewerkschaften insgesamt in der heutigen Zeit: Verdi, IG Metall und Co. sind als Interessenvertreter der Arbeiterklasse gestorben. Sie stehen mit beiden Beinen auf der Seite der Konzerne und verteidigen das kapitalistische Profitsystem. Sie werden von den Unternehmen fürstlich dafür bezahlt, dass sie in den Betrieben die Rolle einer Art Betriebspolizei übernehmen und die Opposition der Arbeiter gegen Lohnkürzungen und Entlassungen in die Sackgasse nutzloser Trillerpfeifenproteste lenken. Der Palast der IG Metall neben dem DGB-Haus am Frankfurter Mainufer steht sinnbildlich dafür.

Die WISAG-Arbeiter haben die üble Rolle Verdis am eigenen Leib erfahren und der Gewerkschaft deshalb zurecht den Rücken gekehrt. Doch es reicht nicht aus, mit der Organisation zu brechen und eine andere Gewerkschaft aufzubauen. Um ihre Arbeitsplätze und Löhne wirklich verteidigen zu können, müssen Arbeiter mit der ganzen gewerkschaftlichen Logik brechen. Die Gewerkschaften befürworten Massenentlassungen und Lohnkürzungen im Namen der Standortverteidigung und Gewinnsteigerung. Sie degradieren Arbeiter zu Bittstellern.

Das zeigt sich bei WISAG besonders deutlich. Einige Kollegen haben sich der IGL zugewandt, weil sie hoffen, dass die kleinere Gewerkschaft ihre Interessen eher vertritt als der Apparat von Verdi. Doch die Führung der IGL hat mehr als deutlich gemacht, dass sie nicht die Kumpanei Verdis mit den Unternehmen bekämpft, sondern die Stelle Verdis als gewerkschaftliche Kontrollinstanz übernehmen möchte. Sie wird von den Luftfahrtunternehmen bisher nur noch nicht akzeptiert.

Der stellvertretende Vorsitzende der IGL, Daniel Wollenberg, erklärte schon am 29. Januar in einer Videosendung, dass seine Gewerkschaft bereit wäre, empfindliche Angriffe auf die Arbeiter durchzusetzen, wenn WISAG sie denn als Verhandlungspartner akzeptieren würde.

„Wir sind keine Träumer. Wir sehen, was aktuell los ist: die Krise verschärft sich gerade nochmal und wir wissen alle nicht, wo die Reise hingeht“, erklärte er und fügte hinzu, dass die Kurzarbeit verlängert und die Entlassungen schließlich durch „befristete Teilzeitverträge“ ersetzt werden könnten. Dazu müsse WISAG mit dem IGL-Vorstand reden. „Wir wären bereit dazu“, so Wollenberg.

„Befristete Teilzeitverträge“ – das wäre eine noch üblere Lösung als die schäbigen befristeten Verträge, die WISAG einigen Arbeitern schon im Dezember als Ersatz für ihre bisherigen Arbeitsverträge angeboten hatte. Die Arbeiter hatten sie zurecht rundheraus abgelehnt.

Die IGL hat den Hungerstreik und die Proteste der WISAG-Arbeiter nie ernsthaft unterstützt. Sie richtete zwar vergebliche Bettelbriefe an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD), aber informierte nicht einmal die eigenen Mitglieder in andern Betrieben oder die WISAG-Arbeiter an anderen Standorten über den Arbeitskampf der Kollegen. Erst recht organisierte sie keine Solidaritätserklärungen oder -aktionen anderer Arbeiter. Stattdessen geht die Gewerkschaft aktiv gegen diejenigen vor, die einen wirklichen Kampf führen wollen.
(...)
https://www.wsws.org/de/articles/2021/03/26/wisa-m26.html
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 12:47:17 So. 25.April 2021
Der Protest der Wisag-Beschäftigten am Frankfurter Flughafen läuft übrigens nachwievor weiter:

https://www.youtube.com/watch?v=wma9bBmrXR0
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 13:44:46 Mi. 28.April 2021
Zitat
30.4.21 (?)
Wisag-Beschäftigte wehren sich gegen Lohndumping-System
Streik gegen Entlassung

Der Bodendienstleister Wisag ist am Rhein-Main-Airport in Frankfurt tätig. Das Unternehmen versucht in der Corona-Pandemie Entlassungen durchzusetzen. Die Beschäftigten wehren sich und machten unter anderem mit einem Hungerstreik deutlich, wie groß Wut und Verzweiflung über das Verhalten von Wisag bei ihnen sind. UZ sprach mit zwei von ihnen über ihren Kampf, darüber, wie Wisag mit den Beschäftigten umgeht, und über den Eigentümer des Unternehmens, Claus Wisser.

UZ: Ihr gehört zu insgesamt 260 Beschäftigten, die von Wisag entlassen wurden. Warum wurdet ihr entlassen?

Habip Bektas: Heute wissen wir, dass das von langer Hand geplant war. Wisag hat die Firma, bei der wir gearbeitet haben, 2017/18 übernommen. Der Manteltarifvertrag wurde gekündigt, Weihnachts- und Urlaubsgeld sollte gestrichen werden – das haben wir verhindert. Dann sollten 10-Stunden-Schichten gefahren werden. Außerdem versucht Wisag immer wieder, ehemalig Beschäftigte zu deutlich schlechteren Konditionen wieder einzustellen. Auch wenn man dann übernommen ist, geht das so weiter.

Wisag wollte die Busfahrer outsourcen, also in ein anderes Tochterunternehmen überführen. Das haben die Kollegen abgelehnt, weil die Verträge schlechter gewesen wären. Daraufhin wurden sie entlassen. So wird bei Wisag mit den Arbeitern umgegangen. Das waren aber nur die ersten Kündigungen.

Insgesamt ist auffällig, dass vor allem die älteren Beschäftigten, die viel Erfahrung haben und deswegen auch mehr Geld bekommen, gekündigt wurden. Es geht Wisag nur ums Geld.

UZ: Aber ist die Auftragslage wegen der Pandemie nicht auch wirklich schlecht?

Ertugrul Kurnaz: Ja und nein. Der Luftverkehr ist natürlich heruntergefahren. Aber kurz nach unserer Übernahme hat Wisag die Preise um circa 30 Prozent erhöht, da sind große Airlines natürlich auch wieder abgesprungen.

Aktuell haben wir bei Fracht und Cargo einen Anstieg von etwa 30 bis 50 Prozent wegen der ganzen Corona-Hilfslieferungen, wie zum Beispiel Masken. Hier gibt es Arbeit. Da ist auch pro Maschine viel mehr zu tun, weil jeder Karton einzeln getragen werden muss statt mit Förderbändern, weil auch Passagierflugzeuge genutzt werden. „Cabin Load“ heißt das.

Wisag nutzt die Pandemie und packt die Gelegenheit beim Schopf. Jetzt ist der beste Augenblick, um die Leute loszuwerden, denen man eh kündigen wollte. Nach der Pandemie wird man dann mit Leiharbeit die Arbeit wieder hochfahren.

Man könnte ja auch jetzt Kurzarbeit für uns beantragen, das geht noch mindestens bis Ende des Jahres. Das macht Wisag aber nicht. Das ergibt nur Sinn, wenn man schon plant, Leute rauszuschmeißen. Aus ihrer Sicht sind wir zu teuer.

UZ: Wisag hat den Gewinn von 2018 von 63 Millionen Euro auf fast 70 Millionen 2019 steigern können. 2020 lief sicherlich schlechter, aber Unternehmenseigentümer Claus Wisser besitzt eine knappe Milliarde Euro Privatvermögen, die er aus Wisag rausgezogen hat. Er betätigt sich auch gern als Förderer für Kunst und Kultur, ist SPD-Mitglied. Auf der Wisag-Homepage werden Tarifverträge und Mindestlohn hochgehalten. Für einen Kapitalisten klingt das doch ganz ordentlich …

Ertugrul Kurnaz: Natürlich hätte Wisser uns unterstützen können. Hat er aber nicht – und wir sind keine Bettler.

Wisser hätte von Anfang anders vorgehen, hätte mal mit uns sprechen können. Vielleicht wäre dann auch in diesen schwierigen Zeiten eine Einigung erzielt worden. Stattdessen hat er „Sanierer“ geholt – diese Leute sind für mich Schlächter. Ob Tier oder Mensch, das ist für diese Leute egal. Für die sind nur Zahlen wichtig.

Habip Bektas: Wisag hat, wie gesagt, eine Art Lohndumping-System etabliert. Man müsste sowas verbieten. Dieses System ist aber mehr oder weniger legal. Das hat der Gesetzgeber so zugelassen und es wird von der Regierung geduldet.

Die Angst wird unter den Arbeitern geschürt – so bekommen Wisag und Herr Wisser immer mehr Macht. Es ist die Arbeiterklasse, die diese Reichtümer schafft. Die Millionen vom Herrn Wisser, die sind nicht vom Himmel gefallen, die sind ja irgendwo hergekommen.

UZ: Manche Kollegen sind in den Hungerstreik getreten. Was hat sie zu diesem Schritt bewogen?

Ertugrul Kurnaz: Wir haben vorher vieles versucht, bis die Kollegen sich dazu entschlossen haben. Einen Hungerstreik macht man nicht aus Spaß. Vorher haben wir Demos gemacht, mit Betriebsrat und Gewerkschaft gesprochen, die Geschäftsleitung angeschrieben.

Letztendlich wurden wir nicht gehört. Es gibt nach wie vor keine Reaktion von Wisag. Was hätten wir sonst noch machen sollen?

Wir wollen gehört werden, wir wollen Lösungen suchen.

Habip Bektas: Wir haben bis heute nicht einmal eine Erklärung des Geschäftsführers zu der ganzen Sache. Aber auch die Medien ignorieren uns überwiegend. Erst mit dem Hungerstreik haben wir etwas Aufmerksamkeit erreichen können. Insofern war der Hungerstreik auch ein Erfolg, aber es ist bitter, dass wir zu diesem Mittel greifen mussten.

UZ: Wie geht es jetzt für euch weiter? Wie kann man euch unterstützen?

Ertugrul Kurnaz: Was hier und heute mit uns passiert, das droht morgen auch anderen.
Überall sind es die gleichen Sorgen – Existenzangst, Arbeitslosigkeit, Armut. Das ist das, was uns allen blühen wird, wenn wir nicht reagieren.

Ob wir bei der Lufthansa oder am Flughafen arbeiten, ob wir Arbeiter bei Siemens, BMW oder Audi sind – die ganze Arbeiterklasse muss aufwachen. Ohne uns gibt es die Konzerne nicht. Aber wir sind nur gemeinsam stark.

„Teile und herrsche“ ist der Motor ihres Reichtums. Wir müssen zusammenkommen und miteinander handeln. Nur so können wir die Abwärtsspirale stoppen.

Habip Bektas: Jeder sollte sich zwei Stunden am Tag oder in der Woche nehmen, um andere Kollegen zu unterstützen. Wir sind viele, wir könnten selbst die Politik in Bewegung bringen. Wir haben Macht und die müssen wir auf die Straße bringen und das werden wir am 1. Mai auch tun.

Wir haben gerade erst wieder vor dem Arbeitsgericht Frankfurt demonstriert und wir demonstrieren jeden Donnerstag im Terminal 1 am Flughafen – da kann man uns gerne unterstützen.

Wir sind auf einem guten Weg, dass sich Kollegen anderer Firmen vom Flughafen zu uns stellen und mitmachen. Das ist wichtig.

Aber unser Motor wird gerade erst so richtig warm, wir fangen gerade erst an. Es geht nicht nur um uns bei Wisag, sondern es geht um Arbeiterrechte überall.
https://www.unsere-zeit.de/streik-gegen-entlassung-145392/
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 18:39:46 Fr. 07.Mai 2021
Das unter prekären Bedingungen arbeitende Bodenpersonal ist oft gut für selbstorganisierte Kämpfe:

(https://www.angryworkers.org/app/uploads/2021/05/unreliable-coworkers.jpg)

https://www.angryworkers.org/2021/05/05/the-struggle-against-fire-and-re-hire-a-balance-sheet-from-heathrow/

https://heathrowworkerspower.files.wordpress.com/2021/05/hwp5.pdf



Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 23:02:38 Mi. 12.Mai 2021
https://www.youtube.com/watch?v=wrwAM9meEf4
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 17:01:20 Sa. 15.Mai 2021
Arbeitskämpfe jenseits des DGB sind möglich. Es sind die spannendsten.

Zitat
Seit Monaten protestieren die Arbeiter:innen des  Dienstleistungsunternehmens „WISAG“ am Frankfurter Flughafen gegen Entlassungen und Outsourcing. Im Interview berichten Ertulug Kurnaz und Habip Bektas von den seit Monaten laufenden Protesten der Arbeiter:innen am Frankfurter Flughafen.

Nach einem Jahr Kurzarbeit hat die WISAG Ende 2020 zu Weihnachten 230 Bodenarbeiter:innen entlassen und durch Leiharbeiter:innen ersetzt. Zudem wurde 30 Busfahrer:innen, die sich der Versetzung in eine neue Tochter-GmbH verweigert hatten, sechs Monate lang der Lohn vorenthalten.

Zitat
Zu einer eurer Aktionsformen gehörte auch das Ablegen eines Trauerkranzes vor der ver.di-Zentrale in Frankfurt. (...)
Habip: Die ver.di-Spitze wurde von unserer Seite mehrmals eingeladen, sich an den Protesten zu beteiligen. Sie sind zu keiner Demo oder Kundgebung erschienen. Auch die Vorschläge, einen Dialog aufzubauen, wurde von ihrer Seite abgelehnt.
https://perspektive-online.net/2021/05/je-mehr-arbeiterinnen-sich-uns-anschliessen-desto-staerker-koennen-wir-insgesamt-werden/
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Fritz Linow am 00:50:56 Do. 01.Juli 2021
(https://abload.de/img/wisag33skgh.png) (https://abload.de/image.php?img=wisag33skgh.png)

(https://abload.de/img/wisag1dpkvq.png) (https://abload.de/image.php?img=wisag1dpkvq.png)

(https://abload.de/img/wisag27okzk.png) (https://abload.de/image.php?img=wisag27okzk.png)

Zitat
29.6.21
Klage von Wisag-Mitarbeitern vor Gericht

Die Arbeiter, die mit der heutigen Klage ihre Stimme im Gerichtssaal erhoben haben, beendeten die Aktion mit der Erklärung, dass sie ihren Kampf von nun an fortsetzen werden.

Wisag-Beschäftigte, die seit Monaten gegen die massenhafte Abschlachtung von Arbeitern und die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz kämpfen, haben am Dienstag, 29. Juni, diesmal vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt Klage erhoben.

Klagen der Arbeiter gegen die Wisag-Chefs wurden vor dem Arbeitsgericht verhandelt. In den heutigen Anhörungen wurden die Klagen von rund 20 Arbeitern verhandelt, die während ihrer Tätigkeit als Busfahrer entlassen wurden. Während des Prozesses versammelten sich andere Arbeiter draußen, um ihre Freunde zu unterstützen und gegen die Ungerechtigkeit und Gesetzlosigkeit zu protestieren.

Die Arbeiter, die mit Trommeln, Pfeifen und Parolen durch das Gerichtsgebäude marschieren wollten, wurden auf halbem Weg von der Drohung des Gerichtspräsidenten bedroht. Der Gerichtspräsident drohte mit der Drohung, den heutigen Prozess zu beenden, wenn die Arbeiter weiter protestieren und Lärm machen.

Die Arbeiter reagierten, indem sie erklärten, dass dies eine willkürliche Praxis sei, um das Recht auf Demonstrationen und Demonstrationen zu verhindern. Trotz der Drohung gingen die Arbeiter mit Demonstrationsreden und Parolen zur Eingangstür. In den hier gehaltenen Reden wurde angegeben, dass der Hauptgrund für die Entlassung der Chefs darin bestand, Arbeiter billiger zu beschäftigen und die Zulieferungen zwecks Gewinnsteigerung auszubauen, und es wurde noch einmal daran erinnert, dass ihre Forderung darin bestand, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren und arbeite weiter.

Die Arbeiter, die mit der heutigen Klage ihre Stimmen im Gerichtssaal erhoben haben, beendeten die Aktion mit der Erklärung, dass sie ihren Kampf von nun an fortsetzen werden. Wenn die Entscheidung des ersten Gerichts von den Arbeitnehmern nicht akzeptiert wird, wird der Fall an ein höheres Gericht weitergeleitet.

Mitarbeiter von Gate Gourmet und ASG, Bir-Kar und TKP unterstützten die Aktion ebenfalls.
https://kizilbayrak51.net/ana-sayfa/haber/dunya/wisag-iscilerinden-mahkeme-onunde-eylem
Titel: Re: Bodenpersonal
Beitrag von: Kuddel am 08:02:00 Do. 01.Juli 2021
Wow. Was für ein Durchhaltevermögen!
Davon sollten sich die DGB Gewerkschaften mal eine Scheibe von abschneiden.
Die gehen nur mal kurz zu Tarifauseinandersetzungen mit Fahnen und Trillerpfeifen vor's Tor, und dann wieder husch-husch, zurück an die Arbeit!
Neuerdings unterschreiben sie sogar Tarifverträge mit mehrjäriger Laufzeit, also einem mehrjährigen Streikverbot.
Welch Armutszeugnis.