nd: Solidarisches Preppen

Begonnen von Frauenpower, 16:39:15 Fr. 20.Juni 2025

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Frauenpower

"preppen" wurde bisher als rechts wahrgenommen. Preppen heißt, sich und die engsten Vertrauten auf eine zu erwartende Krise, Kollaps und oder Katastrophe vorzubereiten. Vor anderen die existentiell Nötiges brauchen werden will man sich preppend (vorbereitend) abschotten.

Angesichts der Klimabewegung, die sich mehr auf Kollaps statt Klimawandel zu fokussieren zu beginnen scheint, wird im nd die Frage gestellt, ob solidarisches preppen möglich ist. Ob linkes preppen möglich ist.

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1191723.klimabewegung-solidarisches-preppen-zusammenbruch-und-zusammenhalt.htm
ZitatWas solidarisches Preppen genau bedeutet, ist dabei durchaus noch offen. Je nach Kollapsszenarien und spezifischer Krisenanfälligkeit müssten sich die Taktiken des Preppens schließlich lokal und regional unterscheiden. Zentraler Dreh- und Angelpunkt des solidarischen Preppens ist in jedem Fall der Aufbau von vertrauensvollen Beziehungen und Netzwerken, des Wissens voneinander und der Sorge umeinander, die dann im Kollaps aktiviert werden können. Die Vergesellschaftungsdebatten zielen in eine andere, sehr viel weitergehende Richtung: Hier sollen Infrastrukturen der Massengesellschaft, vom Wohnen über Wasser, Nahrung, Sorge und Gesundheit demokratisiert und solidarisch organisiert werden, wobei sich durchaus an die alten, bereits erkämpften, Solidarinstitutionen anschließen lässt. Der Begriff Preppen verliert hier dann aber wohl seinen Sinn, da dieser stark an Individuen oder Kleingruppen orientiert ist

Onkel Tom

Ein Preppertum könnte im linken Spekrum in Kleingrüppchien funktionieren, sofern man sich darin einig
wird, das Preppertum nichts mit politischer Besinnung am Hut hat, sondern nur zum Überleben bedacht ist.
Da muss wohl erst erlernt werden, das politische Besinnung und Preppertum zwei völlig verschiedene Schuhe
sind.

Ich habe mein Keller auch voll mit Baumaterialien, die man in einer ernsthaften Kriese verbauen könnte,
glaube jedoch nicht, das "Livestylelinke" bereit wären, mit anzufassen, das es als "rechtes" Gehabe
vorverurteilt würde..

Um diesen Irrtum aus dem Hirn raus zu bekommen, ist eine Safari in die Vergangenheit von Nöten,
wie Hausbesetzer_innen sich gegen Bullenstaat und Räumung verteidigten etc.
Lass Dich nicht verhartzen !

Wanderratte

Ich kannte den Begriff "Preppertum" noch nicht. Und käme normalerweise überhaupt nicht auf den Gedanken, daß das etwas mit politisch rechts zu tun haben könnte. Eine ernsthafte Krise macht ja nunmal nicht vor der politischen Gesinnung halt.

Das mit den Baumaterialien im Keller finde ich sehr gut.

Auch ohne den Begriff "Preppertum" zu kennen, mache ich mir ja auch Gedanken, was ich in einer ernsthaften Krise tun könnte. Und vor allem mache ich mir Gedanken, wie ich den Garten diesbezüglich planen könnte. Einige Ideen habe ich ja schon.

Ich finde das Thema jedenfalls sehr interessant.

Doch wo besteht der Zusammenhang zwischen Preppertum und Häuser besetzen?

Kuddel

Wenn du zum Thema Preppen recherchierst, kommst du in andersartige Gefilde. Es kommt wohl aus den USA und ist eine Kultur von tendenziell rechten Spinnern, die sich auf Katastrophen aller Art bis hin zum Atomkrieg vorbereiten. Die gibts inzwischen auch hier. Dazu haben sie teilweise private Bunker, jede Menge haltbarer Lebensmittel und Waffen zur "Selbstverteidigung", mit denen sie sich gegen ihre Nachbarn verteidigen wollen, die womöglich auch etwas zu Essen haben möchten. Das ist ein Business und eine eigene Szene oder Kultur geworden. Ausstattung aus dem Versandhandel, militaristisch und unangenehm.

Der selbsternannte linksradikale Klimakativist ‪Tadzio Mueller, der seinen Lebensunterhalt aus Vorträgen über Klimawandel und den Kampf dagegen bestreitet, hat das "solidarische Preppen" zu seinem aktuellen Thema gemacht. Ich bin kein Fan von ihm.

Ja, kann man machen. Wenn ein Ausnahmezustand da ist, Überschwemmung, Sturm, Waldbrand und Leute plötzlich ohne alles dastehen, ist es gut ihnen zu helfen, wenn man auf eine solche Hilfe durch Prepperuntensilien vorbereitet ist, umso besser.

So neu ist das alles nicht. Bei der Flutkastastrophe am Ahrtal‬ sind auch Leute von fff zum Helfen vor Ort gewesen. Plötzlich sind es keine nervigen Klimakleber mehr, sondern engagierte Menschen, die hilfsbereit sind. Das vergessen die Menschen nicht mehr. Es sind auch Leute von der FAU im Einsatz gewesen.

https://perspektive-online.net/2021/08/anarchist-im-flutgebiet-wenn-die-menschen-da-unten-eins-verstehen-dann-solidaritaet/

Es ist nichts neues, daß man die Sympathie von Menschen eher durch praktische Hilfe, als durch politische Vorträge gewinnt.

Ich glaube, Onkel Tom meinte mit seinem Hausbesetzerbeispiel, daß sie es kennen auf sich allein gestellt zu sein und sie mit ihren Kenntnissen mit der Verteidigung vor einer Räumung auch Leuten vor einer Zwangräumung helfen können, wenn sie im Mietrückstand sind. Man sollte Leuten in Not und Bedrängnis einfach helfen ohne sie nach ihrer politischen Einstellung zu befragen.

Onkel Tom

Ja, das ist richtig, wenn man nach Preppertum gokkelt, das sich viel rechte Gesinnung aus den
USA und den Trittbrettfahrern hier in D und EU repräsentiert.

Diese Momentaufnahme bestätigt das Linke sich von dem Part "Überlebenskampf" gern distanzieren.
Schon alleine für seine Familie den Lebensmittelvorrat vor Plünderern auch verteidigen zu wollen,
wird dann wie "Ein Nazi, der von der Waffe Gebrauch machen würde." interpretiert/empfunden.
Dieser Haltung kann man kaum widerstehen, solange man mal ganz unvoreingenommen nicht weis, ob es
sich anbei um linke oder rechte Kanidat_innen für Prepperkram handelt.

Welcher Linker traut sich denn, was poisitives zum Thema "Preppertum" zu veröffentlichen, wenn er
befürchtet, dadurch als rechte Socke fehl verurteilt zu werden ?.
Links traut sich also niemand und so können sich rechte Socken in dieser Meinungsbubble "wunderbar"
austoben, somit auch ein Teil von Zusammengehörigkeitsfeeling (fakemäßig) suggerieren..  >:(

Eine Baustelle, die linke übersehen/ignorieren, weil rechte zuerst auf den Preppertrip kamen ?
Lol, so werden Begriffe noch zu "unbesiedelten" Schutzmarken. (finde ich salopp gesagt gaga.)

Naja, ich hoffe, das da gewisse Grundhaltung von Linke im Bezug "Preppertum" einer Sachbezogenen
statt Politbezogener Bewertung näher kommen. Villeicht geht das besser mit dem Begriff "Überlebenstechnik"?

Zitat von: Kuddel am 19:05:46 Mi. 02.Juli 2025Ich glaube, Onkel Tom meinte mit seinem Hausbesetzerbeispiel, daß sie es kennen auf sich allein gestellt zu sein und sie mit ihren Kenntnissen mit der Verteidigung vor einer Räumung auch Leuten vor einer Zwangräumung helfen können, wenn sie im Mietrückstand sind. Man sollte Leuten in Not und Bedrängnis einfach helfen ohne sie nach ihrer politischen Einstellung zu befragen.

Ja, so ähnlich habe ich das gemeint.. Das Thema Politbesinnung käme zum Schluss, wenn das Haus
besetzt und gegen Räumung fit gemacht ist..

Den Gruppendynamischen Prozess, die nach der Sicherung des "Sweet Home" eintritt, klärt das dann
auf, in welche (politische) Richtung es geht. Oft ist es dann so, das Minderheiten das Haus
oder Feld des Mitwirken verlassen (werden).

Von daher wäre eine Vorab-Besinnungsbewertung überflüssig, beziehungsweise ein Doppelgemoppel,
was das wichtigste, das Besetzen und rüsten des Hauses ausbremsen würde.. Praxisbremsen haben dann
ein Plenum nach dem anderen und wenn man diesen dann ein Hammer und ne Hand voll Nägel reicht, glotzen
sie erst mal doof a la "Ist das wirklich schon so weit, das Baui statt Theorien-Labarababa angesagt
ist?"..  ???

Zitat aus deinen verlinktem Artikel:
ZitatZuerst einmal ein sehr mulmiges Gefühl. Alles zerstört, dreckig und überall THW, Bullen, Bundeswehr, Krankenwagen. Also wahrlich eine Stresssituation. Dann habe ich aber dann daran gedacht, wieso ich eigentlich da bin, nämlich um zu helfen.

Genau, darauf kommt es dann an.

Lass Dich nicht verhartzen !

Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 19:05:46 Mi. 02.Juli 2025Wenn du zum Thema Preppen recherchierst, kommst du in andersartige Gefilde. Es kommt wohl aus den USA und ist eine Kultur von tendenziell rechten Spinnern, die sich auf Katastrophen aller Art bis hin zum Atomkrieg vorbereiten. Die gibts inzwischen auch hier. Dazu haben sie teilweise private Bunker, jede Menge haltbarer Lebensmittel und Waffen zur "Selbstverteidigung", mit denen sie sich gegen ihre Nachbarn verteidigen wollen, die womöglich auch etwas zu Essen haben möchten. Das ist ein Business und eine eigene Szene oder Kultur geworden. Ausstattung aus dem Versandhandel, militaristisch und unangenehm.
Das ist schon sehr krass. Und ja, sehr unangenehm. Vor allem auch die Waffen.

Vielleicht sollte man es einfach anders nennen. Vielleicht so, wie Onkel Tom vorgeschlagen hat:

Zitat von: Onkel Tom am 13:18:49 Do. 03.Juli 2025[...] Villeicht geht das besser mit dem Begriff "Überlebenstechnik"?
Sich dazu Gedanken zu machen, wie man sein Überleben sichern kann, das ist ja nichts Neues. Das haben die Menschen doch schon immer gemacht. Die politisch Rechten waren bestimmt nicht die ersten, die sich damit auseinandergesetzt haben.

Zitat von: Onkel Tom am 13:18:49 Do. 03.Juli 2025Naja, ich hoffe, das da gewisse Grundhaltung von Linke im Bezug "Preppertum" einer Sachbezogenen
statt Politbezogener Bewertung näher kommen. [...].
Das hoffe ich auch und sehe es auch so, daß man das "Preppertum" unabhängig von der politischen Einstellung betrachten sollte. Ich habe zudem keine Idee, warum sich besonders die Rechten dafür interessieren. Meiner Meinung nach hat das alles doch überhaupt nichts mit Politik zu tun. Und ich finde, es sollte auch nicht zu einer Ideologie oder Weltanschauung werden. Maximal zu einem Hobby.

Beim "Preppen" denke ich vor allem an Selbstversorgung. Es gibt so viele Wildpflanzen und Wildfrüchte, die man essen kann. Man muß sich halt damit auskennen. Das ist was, was mich sehr interessiert. Oder auch im Garten: Obstbäume, Beerensträucher, Kürbisse usw. So versteckt im Brombeer Dschungel, das man sie nicht sofort von außen sehen kann. Ja, und wilde Brombeeren sowieso. Ich denke, die wenigsten Menschen wissen, daß man die jungen stachelfreien Blätter der Brombeere essen kann.

Obwohl das mit dem Versteck so eine Sache ist. Es kommt immer wieder vor, daß Menschen in den Garten hineinklettern. Keine Ahnung, was sie dort suchen oder erwarten. Vielleicht Neugierde, was sich darin verbirgt. Es haben aber auch schon Obdachlose dort übernachtet.

Solidarisch ist es ab dem Moment, wenn man sich so gut mit den Pflanzen auskennt, daß man auch anderen Menschen dabei helfen kann, die eßbaren Pflanzen und Früchte zu finden.

Ich bin aber generell sehr vorsichtig bezüglich des Fuchsbandwurms.

Zudem bin ich der Meinung, daß es sehr viel mehr städtische Gärten geben müßte. Das wäre doch so viel sinnvoller, als diese extrem vielen Einfamilienhaus Wohngebiete. Und ständig werden es mehr. Meiner Meinung nach muß damit endlich mal Schluß sein. Mich nervt das nämlich sehr, wenn wegen sowas immer wieder Wiesen, Felder und sogar schon vorhandene Gärten zerstört werden. Und dann könnte man auch neue Gärten oder Streuobstwiesen bereitstellen.

Ich hätte aber auch sehr gerne sowas wie einen kleinen "Schutzraum", in dem ich mich verstecken kann. Der muß dann aber so versteckt sein, daß mich niemand so schnell finden kann. Um ihn herum könnten wilde Brombeeren wachsen mit einem kaum sichtbaren Schlupfloch.

Sowas ähnliches wie ein  Erdkeller. Keine Ahnung, doch vielleicht funktioniert das anstelle von Beton und Ziegel auch mit Holz. Das hoffe ich zumindest. Der Transport ist halt einfacher ohne Auto und Holz ist wärmer. Der Keller muß jedoch so stabil sein, daß nicht alles wieder zusammenstürzt. Das Dach könnte ja ebenerdig sein, sollte eine Erdschicht darauf zu schwer sein. Und die Tür darf selbstverständlich nicht komplett geschlossen sein, wenn man drinnen ist. Man benötigt schließlich Sauerstoff. Und der Eingang besser nicht in Richtung Norden. Doch letztendlich ist es wohl sowieso erstmal nur eine Idee. Die möglicherweise schon daran scheitern könnte, daß es für mich kaum finanzierbar ist.

Naja, eine kleine alte Holzhütte, die so gut wie kein Dach mehr hat, habe ich ja schon. Und um sie herum wachsen Brombeeren. Dort findet mich bestimmt niemand. Sie sieht nämlich eher aus wie ein Komposter aus Holz.

Ich habe manchmal einfach ein paar "verrückte" Ideen und tüftel sehr gerne ein wenig herum. Dabei weiß ich noch nichtmal so genau, warum und wovor ich mich verstecken sollte. Allzu lange kann man sich dort nämlich sowieso nicht aufhalten. Doch vielleicht ein Schutz wenn Krieg ist. Wenn eher Wohngebiete angegriffen werden.

Zitat von: Kuddel am 19:05:46 Mi. 02.Juli 2025Der selbsternannte linksradikale Klimakativist ‪Tadzio Mueller, der seinen Lebensunterhalt aus Vorträgen über Klimawandel und den Kampf dagegen bestreitet, hat das "solidarische Preppen" zu seinem aktuellen Thema gemacht. Ich bin kein Fan von ihm.
Ich bin auch kein Fan von ihm. Und mir ist zudem nicht klar, warum der sich linksradikal nennt. Aber die Idee mit dem "solidarischen Preppen" stammt ja glücklicherweise nicht von ihm:

ZitatDie Idee stammt aus Schweden, wo Aktivistinnen und Aktivisten der Stockholmer Stadtteilgruppen die Initiative ,,Preppa Tillsammans" (auf Deutsch: zusammen preppen) gegründet haben. Der Gedanke hinter dem Konzept: Wenn schon die Katastrophe nicht mehr zu verhindern ist, dann solle man ihr zumindest gemeinsam und gut gewappnet begegnen – statt allein und unvorbereitet.

Den Aktivisten von Preppa Tillsammans geht es nach eigener Aussage darum, die Krisenvorsorge der Behörden auf lokaler und allgemeiner Ebene zu ergänzen. Sie plädieren dafür, direkt in den Quartieren vorzusorgen, in der eigenen Nachbarschaft, in den Stadtteilen und Dörfern. Allerdings: Nicht jeder für sich, sondern für alle. Vor allem für diejenigen, die selbst dazu nicht in der Lage sind.
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/solidarisch-preppen-krisenvorsorge-100.html .

Insgesamt finde ich den Artikel sehr lesenswert.

Zudem wäre die Frage interessant, ob es eher ein deutsches Problem ist, daß politisch Linke zumeist nichts bzw. nur sehr wenig mit dem Preppertum zu tun haben wollen. Möglicherweise sieht man es in anderen Ländern ja ganz anders.

Zitat von: Kuddel am 19:05:46 Mi. 02.Juli 2025Es ist nichts neues, daß man die Sympathie von Menschen eher durch praktische Hilfe, als durch politische Vorträge gewinnt.
Den Artikel von "Perspektive Online" fand ich sehr beeindruckend und interessant.

Mit praktischer Hilfe können die Menschen nunmal erstmal sehr viel mehr anfangen.

Doch wer weiß, vielleicht kann man sie dann zu einem späteren Zeitpunkt somit auch eher für politische Vorträge gewinnen. Und sie werden möglicherweise sogar bereit sein, was Neues zu lernen.

Zitat von: Kuddel am 19:05:46 Mi. 02.Juli 2025[...] Man sollte Leuten in Not und Bedrängnis einfach helfen ohne sie nach ihrer politischen Einstellung zu befragen.
Ja, die politische Einstellung sollte in solch einer Situation einfach zweitrangig sein. Wenn man den Menschen hilft, dann werden sie später vielleicht auch den politisch Linken zuhören. Man wird schlichtweg ernster genommen.

Zitat von: Onkel Tom am 13:18:49 Do. 03.Juli 2025Welcher Linker traut sich denn, was poisitives zum Thema "Preppertum" zu veröffentlichen, wenn er
befürchtet, dadurch als rechte Socke fehl verurteilt zu werden ?.
Links traut sich also niemand und so können sich rechte Socken in dieser Meinungsbubble "wunderbar"
austoben, somit auch ein Teil von Zusammengehörigkeitsfeeling (fakemäßig) suggerieren..  >:(

Eine Baustelle, die linke übersehen/ignorieren, weil rechte zuerst auf den Preppertrip kamen ?
Lol, so werden Begriffe noch zu "unbesiedelten" Schutzmarken. (finde ich salopp gesagt gaga.)
Und das ist es ja, was ich nicht nachvollziehen kann. Jeder, auch wer politisch links ist, müßte doch daran interessiert sein, eine Krisensituation zu bewältigen.

Ich finde, man sollte keineswegs diesen Part den politisch Rechten überlassen. Denn die helfen einem bestimmt nicht, wenn man in einer Notlage ist.

Dann hilft nur, sich selbst drum kümmern.

krapotke

Preppen an sich ist erstmal nichts wirklich neues. Der volle Kohlen- und Kartoffelkeller, zusammen mit dem eingeweckten Gemüse und Obst meiner Großeltern war "preppen". Nur halt völlig uncool in Blümchenkittel und Latzhose. Klar waren beide durch Kriegs- und Fluchterfahrung geprägt,  andererseits waren diese Art der Lebensführung mit Vorratshaltung und Subsistenzlandwirtschaft in ländlichen Regionen durchaus üblich.

Ich selbst halte es auch für sinnvoll, sich mal zu überlegen, wie man ein paar Tage in seiner Butze rumkriegt, wenn z.B. Unwetter, Überschwemmungen oder Stromausfälle den Alltag unterbrechen.

Diese Thematik wird allerdings schnell aufgeladen mit romantischen Vorstellungen von Abenteuer und toxisch maskulinen Mad Max Phantasien. Damit lässt sich zum einen ein gutes Geschäft machen. Shops für Krisenvorsorge verkaufen teure Trekkingnahrung und Wildnisausrüstung, damit der geneigte Prepper sich im Notfall im Stadtpark ein Blockhaus bauen kann. Dazu gibts dann Armbrüste und Sixneedler für den Kampf gegen die marodierenden Räuberbanden. Es wird das Anlegen von Fluchtpunkten und verbuddelten Aurüstungscaches empfohlen. Dieser (erstmal nicht falsche) individualistische Ansatz der Krisenvorsorge kann evtl. noch als spleeniges Hobby durchgehen. Wobei ich die in der Szene weit verbreitete Verweigerung, sich mit realen Katastrophenereignissen und dem Umgang der betroffenen Menschen damit auseinanderzusetzen, schon befremdlich finde. Kein Geflüchteter hat einen INCH Rucksack dabei. Erdbebenopfer sitzen nicht mit dem Rambomesser zwischen den Zähnen auf ihrer Vorratstonne, sondern suchen in selbstorganisierten Gruppen im Schutt nach Überlebenden.

Durch die Aufladung mit pubertären Vorstellungen von Draufgängertum, Kampf, Sozialdarwinismus und einem ausgeprägten Freund-Feind Denken gewinnt die Thematik allerdings eine große Attraktivität für rechte Akteure. Diese militante Art des Preppens ist im öffentlichen Bewusstsein und den Medien sehr präsent und der gesamte Themenkomplex damit vorbelastet.

Trotzdem sollten sich auch Linke und gerade linke Strukturen mit Prepping auseinandersetzen und eigentlich tun sie es auch. Mal angenommen, es entstünden in deutschen Städten "Tahirplatz-Situationen". Wie organisiert man Kommunikation, Verpflegung, medizinische Versorgung und Unterbringung so vieler Menschen? Sogesehen sind dann z B. die lokale Küfa- und Demosannigruppe oder die Menschen, die Straßenfeste und Politcamps organisieren gute Startpunkte für die Vorbereitung auf Massenbewegungen oder Zeiten, in denen Menschen ihre Bedürfnisse an staatlichen Stellen vorbei organisieren müssen. Beispielsweise könnten Personen im Gesundheitswesen gedanklich durchspielen, welche Möglichkeiten es gäbe, Abtreibungen durchzuführen, wenn diese kriminalisiert werden.

,,Das habe ich getan" sagt mein Gedächtnis. "Das kann ich nicht getan haben" sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich gibt das Gedächtnis nach.        Friedrich Nietzsche

Kuddel

Danke, krapotke, für deine Gedanken über das Preppen. Es ist der vielleicht beste Text zum Thema, den ich kenne. Also nicht nur hier im Forum, sondern überhaupt.

In Deutschland sind wir geschlagen mit einer Staatsgläubigkeit einerseits und einem Glauben an das Individuum und an individuelle Lösungen für gesellschaftliche Probleme andererseits.

Wir haben das ja in der Coronazeit erleben dürfen. Auf der einen Seite gab es Querdenker, die die Gefahr der Seuche heruntergespielt, teilweise verleugnet haben, aber der anderen Seite Linke und Antifas, die sich den staatlichen Maßnahmen unkritisch unterworfen haben, selbst den Überwachungsmaßnahmen und das "stay the fuck at home!", dem Wegsperren der Bevölkerung, die nicht systemrelvant malocht.

In anderen Ländern hatte man es zu oft mit Chaos, Armut und Regierungs- und Systemwandeln zu tun, da hat man gelernt, Überlebensstrategien jenseits staatlicher Hilfen (die es schlichtweg nicht gab) zu entwickeln.

Bei dieser Prepperdebatte zur Zeit habe ich ein mulmiges Gefühl. Von links wird das "solidarische Preppen" federführend von Tadzio Müller propagiert. Der Typ ist mir zu nervig und zu wirr. Ansonsten ist im Prepperdunstkreis viel Sozialdarwinismus zu spüren.

Vor ein paar Tagen gab es bei mir in der Küche eine rege Diskussion über Leute, die andersartig draufkommen und plötzlich ein anderes Weltbild haben. Da geht es um Menschen, die vorher unpolitisch bis linksalternativ waren und jetzt in Richtung AfD driften. Bei vormals vernünftigen Menschen gibt es Pläne, ihr Überleben als Prepper zu sichern, wenn unser Land "von Migranten überrollt" wird. Im Ernst! Und dann gibt es diejenigen, die glauben, daß morgen Putin bei uns vor der Tür steht.

Es ist irre, Leute zweifeln nicht nicht suchend an einer Sache, sie schmeißen ihr bisheriges Weltbild über Bord, um ein komplett neues zu übernehmen ohne es kritisch zu hinterfragen. Ein Kritisches Denken zwischen den Weltbildern scheint nicht möglich. Man kann mit solchen Menschen oftmals nicht mehr reden.

Mich hat insbesondere dein letzter Absatz beeindruckt. Da ist es dir gelungen, Überlebensfragen wie Kommunikation, Verpflegung, medizinische Versorgung und Unterbringung in menschlichen Zusammenhängen zu thematisieren, womit du dieses "ich! ich! ich!" der Prepper (und der neoliberalen Gesellschaft) hinter dir läßt.

Danke!

Kuddel

Ich mache mir Sorgen, wie die Klimabewegung verblödet und zerfällt.

Die Leitfiguren spielen eine schlimme Rolle. Ich habe nichts gegen die Person Luisa Neubauer, doch in meinen Augen hat sie eine wichtige Rolle in der Entpolitisierung der Fridays for Future Bewegung gespielt.

Und Tadzio Müller ist ein Leithammel in der sonstigen Klimabewegung, wie Ende Gelände (ein eigentlich tolles Projekt). Er lebt davon, schwätzend von Veranstaltung zu Veranstaltung zu ziehen und hat ein Spendenkonto eingerichtet, damit er weiter davon leben kann, ohne arbeiten zu müssen.

Er tritt kämpferisch auf, er klingt wie ein klassischer Autonomer. Laut Wikipedia hat er  Globale Politische Ökonomie an der University of Sussex studiert, doch er ist politisch strunzdumm.

Er richtet seine Wut nicht auf die Machtverhältnisse, auf Industrie und Militär als Zerstörer der Lebensgrundlagen , er meint, den Klimawandel machen "wir alle" und überhaupt kommt seine Politik aus dem Bauch heraus und er bekämpft lieber die "Arschlochgesellschaft", zu der vielleicht jeder gehört, den man nicht mag.

Jetzt bewirbt er das Kollapskamp, das bereits ausgebucht ist. https://kollapscamp.de/programm/ Dort wird es dann richtig emotional. "Ohne emotionale Arbeit keine Akzeptanz, ohne Akzeptanz keine realistische Zukunftsvorstellung." ",,Crisis Emergency Response Technician"-Kurs", "kollektive Trauerarbeit", "Verbindung zum eigenen Körper", "Angebote für gewaltlose Konfliktbearbeitung", "Weltbilder und Gefühlsstrukturen", "Risikokompetenz".

Das ist doch der totale Horror.

Wer will sich so etwas antun?

Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 10:46:48 Di. 12.August 2025Und Tadzio Müller ist ein Leithammel in der sonstigen Klimabewegung, wie Ende Gelände (ein eigentlich tolles Projekt). Er lebt davon, schwätzend von Veranstaltung zu Veranstaltung zu ziehen und hat ein Spendenkonto eingerichtet, damit er weiter davon leben kann, ohne arbeiten zu müssen.
Das ist schon sehr krass. Und die Leute spenden auch noch? Soll er doch zum Jobcenter gehen, wie jeder andere auch, der keinen Job hat.

Ich könnte es ja auch mal mit einem Spendenkonto versuchen (Ironie).

Zitat von: Kuddel am 10:46:48 Di. 12.August 2025Das ist doch der totale Horror.

Wer will sich so etwas antun?
Oh je, also, ich zumindest nicht. Wenn der ganze Mist wenigstens Niveau hätte.  :o 

Kuddel

Ich bin überzeugt davon, daß der Klimawandel rasant fortschreitet, daß bereits Kippunkte überschritten sind und wir nicht irgendwann mit den Folgen konfrontiert sind, sondern es bereits jetzt losgeht und schneller vorangeht, als uns lieb sein kann. Ich sehe relativ schwarz, was die Zukunft angeht. Und es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, sich auf das Leben und die sich wandelnden Bedingungen vorzubereiten und einzustellen.

Es ist wenig verwunderlich, wenn die Faschos auf einen bewaffneten Egotrip setzen, bei dem man den Nachbarn als potentiellen Feind sieht.

Es sollte selbstverständlich sein, daß Linke nicht auf Egoismus, sondern auf gegenseitige Hilfe und Solidarität setzen.

Das war's eigentlich schon. Was dieses ganze weitere Gequatsche über "Solidarisches Preppen" soll, verstehe ich nicht recht.

Ich sehe hier nur ein unnötiges Zerbröseln der Klimabewegung, die sich weiter entpolitisiert.

Ich ärgere mich über die Rolle von Tadzio Müller, der eine führende Rolle einnimmt, weil er Ausstrahlung hat und als alter Kämpfer der Klimabewegung gilt:
ZitatTadzio Müller (Jahrgang 1976) ist Politikwissenschaftler und Klimagerechtigkeitsaktivist »der ersten Stunde« (taz). 2009 war er federführend in der Mobilisierung zum Cop15-Klimagipfel in Kopenhagen; ab 2011 Deutschlands erster Referent für Klimagerechtigkeit (Rosa-Luxemburg-Stiftung); sowie Mitbegründer und später Pressesprecher der Anti-Kohle-Kampagne »Ende Gelände«. Auf seinem Blog friedlichesabotage.net treibt er Strategiedebatten in der Klimabewegung voran.
(Mandelbaum Verlag)

Sorry, aber Tadzio Müller ist politisch völlig verpeilt. Seine gesellschaftliche Analyse reicht von "Verdrängungsgesellschaft", über "Arschlochisierung" bis "Arschlochgesellschaft". Alles griffige Begriffe und jeder kann sie einsetzen wie er/sie will und es paßt immer. Arschlöcher sind immer die anderen.


Es ist schon irre, wie der Klimawandel nicht darauf analysiert wird, welche Ursachen er hat, welche wirtschaftlichen und politischen Kräfte eine Rolle spielen und wie man die Ursachen des Klimawandels am wirkungsvollsten entgegentritt.

Nur psychologieriendes Gequatsche.

Vieles ist albern und liest sich wie Realsatire, einiges ist reaktionär.

Es lacht aber niemand, es sind schon lange alle 600 Tickets für das anstehende Kollapscamp verkauft. Diverse Medien berichten.

Ein Armutszeugnis für die Restklimabewegung. Verabschiedet sie sich mit diesem Kollapskamp?

ZitatTiefe Anpassung ist ein innerer und kollektiver Prozess des Öffnens für die Möglichkeit eines umfassenden gesellschaftlichen Zusammenbruchs infolge der Klimakrise. Wir beginnen gemeinsam eine Reise, deren Phasen sich zyklisch wiederholen und deren Prozess per se keinen finalen Abschluss vorsieht....

Die Radikale Therapie (RT) ist ein selbstorganisiertes Therapieverfahren ohne professionelle Therapeut*in, welches in sich regelmäßig treffenden und verbindlichen Gruppen mit ca. 10-14 Menschen praktiziert wird. Wir werden euch die Strukturen, Abläufe und Inhalte von RT-Sitzungen vorstellen und auch einiges davon miteinander ausprobieren. Bitte kümmere dich im Vorfeld um deine Grundbedürfnisse, z.B. iss vorher etwas. Bei RT ist Raum für deine Themen, Wünsche und Gefühle, deine Ängste und Unsicherheiten. Und dafür, deine psychischen Themen und die dahinter liegenden strukturellen Machtverhältnisse zu betrachten und zu bearbeiten. Du lernst dort deinen Körper zu spüren und in Körperkontakt gehen, wenn du das möchtest.....

Kollaps Café. Klima kollabiert, Faschos triumphieren. Wie kannst du das an dich ran lassen und trotzdem immer wieder aufstehen? Das Kollaps Café bietet einen begleiteten, gemeinsamen Safe Space für Trauer, Wut, Ohnmacht, den Abschied von alten Zukunftsvorstellungen....

Wie können wir mit dem Schmerz der Welt in Beziehung treten, statt vor ihm zu fliehen? Was bedeutet es, Verantwortung zu tragen - ohne zu retten? Und wie können weiße Menschen in rassistischen Strukturen echte, verkörperte Verantwortung übernehmen - nicht als kurzfristige Reaktion, sondern als langfristige Beziehungspraxis?
Der Workshop richtet sich an weiße Menschen, die bereit sind, sich nicht nur kognitiv, sondern somatisch auf das Unlösbare einzulassen - um inmitten kollektiver Umbrüche wach, fühlend und verbunden zu bleiben....

Oft erscheint Dankbarkeit hat einen schlechten Ruf, oft wirkst sie verstaubt oder sie wird einem abgenötigt. Johanna Macy beschreibt Dankbarkeit als starke Gegenkraft gegen eine kapitalistische Logik von höher, schneller, die oft dazu führt, dass wir uns selbst abwerten. Dankbarkeit für das Leben überhaupt gibt auch Kraft, sich überhaupt unserem Schmerz um die Welt zu öffnen. In dem Workshop erkunden wir Dankbarkeit als revolutionären Akt durch Impuls und Reflexion, Meditation und Austausch in kleinen Runden....

Als Psychologin und Gestalttherapeutin ist es mir ein Anliegen, dass wir der ,,Natur" wirklich begegnen, dass wir zulassen, dass das Land mit seinen vielen unterschiedlichen Akteuren mit uns in Kontakt geht, dass wir zuhören. Uns selbst und allem dem wir begegnen.
Das braucht Achtsam- und Langsamkeit, Wahrnehmungs- und Kontaktschulung...erst wenn wir alles was wir meinen zu wissen loslassen, können wir uns für den Moment öffnen, für das was alles wahrnehmbar ist und tief zuhören ohne was zu wollen, ohne dass sich unser (kleines) Ego dauernd nach vorne schiebt. Es gibt so viel zu lernen von allem Nicht-menschlichen!....

In dem Workshop möchten wir mit euch gemeinsam schauen, welches Potenzial Post-Spiritualität und kollektive Ritualräume für emanzipatorische Bewegungen und unsere Gemeinschaften haben können. Wir berichten etwas von unserer Arbeit und möchten dann gemeinsam mit euch schauen, wie solche Räume aussehen könnten und was es dafür braucht....

In diesem 90-minütigen Rave-Ritual schaffen wir gemeinsam einen Raum, in dem es keine Worte zwischen uns braucht. Wir tanzen durch das Unaussprechliche, wir schütteln uns frei, wir atmen, wir schwitzen.
Zum Beat der Musik lassen wir Emotionen wie Wellen durch unsere Körper fließen und bewegen, was im Alltag zu oft steckenbleibt....

Das habe ich mir nicht ausgedacht. Das steht wirklich so im Programm.

Das liest sich wie Satire. Das ist alles aber derart doof, daß man sich fragt, warum so viele dahin wollen. Ist die Klimabewegung wirklich so Panne?



Kuddel

Was sind das nur für Zeiten!?!
Linke Bewegungen und Strömungen spalten und zerstreiten sich zusehens, die Linke ist ein Trümmerhaufen und schrumpft und schrumpft.

Die Antideutschen sind zwar ein winziger Haufen, doch sie haben großen Einfluß in der Antifa und selbst in der Antikriegsbewegung, insbesondere beim Israel-Palästina-Konflikt. Aber auch sonst nimmt die Verwirrung zu, Zeitenwende und Staatsräson haben sich längst in den Hirnwindungen festgesetzt und ehemals Friedensbewegte reden jetzt von Lumpenpazifisten und können nicht genung Waffen in Kriegsgebiete schicken.

Und scheinbar zerlegt sich jetzt noch die Umwelt- und Klimabewegung.

Die Fridays for Future Bewegung Deutschland hat Greta Thunberg ausgeschlossen und ist nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Die Letzte Generation ist nun die Neue Generation und ich schätze, wir werden nie wieder von ihr hören, jedenfalls nichts nennenswertes.

Ende Gelände war in meinen Augen wohl die stabilste Klimabewegung. Man ließ sich nie auf die Konsumdebatte ein und man kam nicht auf die Idee, den Feierabendverkehr zu blockieren. Man verteidigte Dörfer und griff die Fossile Industrie und ihre Verkehrswege an. Respekt.

Doch nun sehe ich auch da Auflösungserscheinungen.

endegelaende1.jpg 

endegelaende.jpg

Es ist nur eine Lokalgruppe. Wuppertal.

In Wuppertal gibt es eine recht umtriebige Gruppe von Klimagewerkschaftern.

https://www.labournet.de/?p=115147

Mit denen hätte man sich ja austauschen, inspirieren lassen oder zusammenarbeiten können.

Insgesamt verstehe ich den Hype um das "Solidarische Preppen" und das "Kollapscamp" nicht. Ich sehe darin keinen Ansatz einer Perspektive. Man kann ein paar praktisch sinnvolle Vorschläge übernehmen, doch daraus entsteht keine Bewegung, die sich gegen die Ursachen des Klimawandels wendet und erst recht nicht gegen das zerstörerische Wirtschaftssystem.

Es bleibt mir ein Rätsel, warum man ausgerechnet einem Wirrkopf wie Tadzio Müller so viel Aufmerksamkeit schenkt. Er ist nicht nur ein Schwätzer mit übergroßem Ego, er verbreitet auch Einschätzungen und Vorschläge, die schlichtweg falsch und politisch kontraproduktiv sind. 

Kuddel

Es nervt mich.
Ich ärgere mich über einen Typen, der sich selbst überschätzt, sich für einen Durchblicker hält, aber einen ziemlichen Müll redet.

Solche Leute gibt es viele.
Darüber sollte man stehen.

Das Problem sehe ich aber da, daß ihm viele zuhören und folgen.
Es sind nicht irgendwelche Leute, sondern politisch engagierte Menschen. Leute aus der Klimabewegung.

Der Tadzio mag ja Ausstrahlung und eine mitreißende Art haben, aber für den Rattenfänger mit Magie halte ich ihn auch wieder nicht. Aber doch kriegt er es hin und macht eine große Welle. Die Medien berichten über das anstehende Spektakel und sie reden über sein Buch.

Und selbst die linken Medien bleiben meist erstaunlich freundlich, diesem oftmals wirren und hohlen Kram gegenüber. Sein Buch:

Tadzio1.jpg

Sein Verlag beschreibt ihn als einen Menschen, der scheinbar DIE Koryphäe in Sachen Klimakampf ist:

Tadzio Müller (Jahrgang 1976) ist Politikwissenschaftler und Klimagerechtigkeitsaktivist »der ersten Stunde« (taz). 2009 war er federführend in der Mobilisierung zum Cop15-Klimagipfel in Kopenhagen; ab 2011 Deutschlands erster Referent für Klimagerechtigkeit (Rosa-Luxemburg-Stiftung); sowie Mitbegründer und später Pressesprecher der Anti-Kohle-Kampagne »Ende Gelände«.

Und so klingt die Beschreibung des Inhalts vom Verlag:

"Wie ich lernte, die Zukunft wieder zu lieben

Inmitten von Klimakatastophe, Rechtsruck und Hoffnungslosigkeit erzählt der bekannte Klimaaktivist Tadzio Müller in fünf Kapiteln die Geschichte (s)eines Weges von einer Klimadepression, durch die Akzeptanz der Unausweichlichkeit des Klimakollapses: Zurück zur Bewegung und der dort wiedergefundenen Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft, trotz Kollaps und Faschisierung!

In der Klimakatastrophe, die nicht zu mehr Rationalität führt, sondern zu mehr Verdrängung (I) müssen Klimaschutz und Klimabewegung scheitern, egal, ob großer Klimastreik oder friedliche Sabotage (II), konfrontiert mit ihrem Scheitern verroht die gesellschaftliche Mitte immer mehr, wird zur schamfreien Arschlochgesellschaft (III). In dieser Situation gibt es für die Klimabewegung nur den Weg zur Erneuerung als solidarische Kollapsbewegung (IV). Dafür bedarf es der Trauerarbeit, ohne die wir unbequeme Fakten nicht anerkennen können. Im letzten Kapitel will Tadzio Müller nicht nur intellektuelle Arbeit anstoßen, sondern qua emotionaler Aufladung Resonanzen erzeugen."

Ein Typ aus der Politszene, der den Szenesprech beherrscht, aber auch Formulierungen einer zeitgemäßen Werbeagentur hinbekommt.

In den Social Media zeigen sich einige Leute genervt, daß er oft in einem Deutsch-Englisch Kauderwelsch postet oder gleich komplett auf Englisch. Er beleidigte die Leser, sie seien wohl zu blöd deepl zu benutzen und er sei schließlich "Kommunikationsprofi".

Das ist er wohl. Heiße Luft, mit der er sich bewirbt. "Wie ich lernte die Zukunft zu lieben", ein typischer Werbeagenturteaser. "intellektuelle Arbeit anstoßen", nö, eher nicht. "...sondern qua emotionaler Aufladung Resonanzen erzeugen...", wow, richtig bescheuerte Selbstvermarktung eines Eso-Kurs-Anbieters.

Das Programm dieses Collapscamps ist voll mit massenhaft Psychokram und entsprechender Sprache. Findet das niemand komisch? Oder abschreckend?

Die 600 Tickets waren schon lange ausverkauft.

Setzt sich die Klimabewegung aus Leuten zusammen, die so etwas attraktiv finden?

Der ak schrieb am 18.8.: "Die 2008 entstandene und 2019 ihren Höhepunkt erklimmende Klimabewegung existiert nicht mehr."

Findet an diesem Wochenende die Beerdigung der Bewegung statt?

Fritz Linow

Das Programm hat etwas von hippiesker Eselei. Es lohnt nicht die Aufregung darüber.

Eine ganz brauchbare Einschätzung:

Zitat21.8.25
Etwas Besseres als den Untergang

Statt sich in Katastrophenstimmung zur Preppergemeinschaft zusammenzurotten, muss eine linke Klimabewegung die Produktion übernehmen
(...)
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1193470.klimabewegung-etwas-besseres-als-den-untergang.html

Kuddel

Natürlich kann man dies jetzt beginnende Prepperwochenende als politisch völlig irrelevant abtun.

Für mich ist es nicht das Problem, daß das Konzept unbrauchbar ist, um dem Klimawandel aktiv entgegenzutreten. Ich finde es haarsträubend, daß die da propagierte Antwort auf den Klimawandel so offensichtlich voller Widersprüche und Dummheiten ist, daß ich davon ausgegangen bin, daß die Klimabewegung sich lachend von diesem Quatsch abwendet und Tadzio allein auf der Wiese stehen läßt.

Ende Gelände war für mich der stabilste Teil der Klimabewegung. Diese Bewegung hat nicht in einem kurzen Statement erklärt, warum man einem solchen Konzept nicht folgen wird. Scheinbar ist die Bewegung selbst planlos und man folgt allem, was einen Neustart verspricht.

Tadzio mag Geschichte, Politikwissenschaften und Politische Ökonomie in Heidelberg, Boston und Essex studiert haben, doch politisch ist er ein Idiot.

Das behaupte ich nicht einfach, sondern das kann man in seinen Social Media postings nachlesen. Ich lasse ihn deshalb selbst zu Wort kommen. Die fett dargestellten Sätze sind von Tadzio im O-Ton. Ich kommentiere es:

Tadzio pro-Krieg:
"Nie wieder Krieg!" und "keine Waffen für niemand!" zu rufen, ist dann auch nur noch eine Position, die sich von der Realität der Welt verabschiedet...

Denn in einer Welt, in der Russland eine expansive faschistische Macht ist, wäre es richtig, in Deutschland Waffen zu bauen - denn NOCH ist D nicht faschistisch - um die Waffen dann auf den faschistischen Feind (der dann ja AUCH außen stehen würde) zu richten. Und da linke Verdrängung auch nicht besser ist, als alle andere, wollen sich auch viele Linke einfach nicht mit den Komplexitäten der Welt von 2025 auseinandersetzen: genau, wie sie vor 15 Jahren noch die Klimafrage verdrängten, verdrängen sie jetzt die Kriegsfrage.

Die Position der meisten (zumindest der vulgären) "Antikriegslinken" ist im Grunde kindlicher Verdrängungsquatsch: "MAMA, ich mag keine Kriege, die sollen weggehen. Mach, dass die Kriege weggehen. Wäääääh!"


Tadzio staatstragend und pro-kapitalistisch:
Viele meiner Genoss*innen reden sich ein, es sei 1914, & Arbeiter*innen in D hätten "nichts zu verlieren, außer ihren Ketten". Queers in D wissen: wir *haben* etwas zu verlieren, z.B. unsere historischen Erfolge, und die sind nunmal u.a. im dt. Staatsapparat eingeschrieben.

...linke Diktaturrelativierung, eine strategisch ziemlich dümmliche Ignoranz ggü der Realität, das im bürgerlich-demokratischen Kapitalismus zu leben in den meisten Fällen sehr, sehr viel angenehmer ist, als in iwie diktatorischen Systemen.


Statt Klassenfrage (wer profitiert von der umweltzerstörenden Produktionsweise?) individuelle Konsumkritik:
eine linke Kritik der linken Kritik der Konsumkritik muss davon ausgehen, dass Linke ungern über Konsumkritik sprechen, weil der Massenkonsum (...) UNSEREN *deal with the devil* darstellt, unsere Kooptierung in den Kapitalismus.

...agieren die reichen Länder des Nordens wie nationale Beutegemeinschaften - von links bis rechts, von oben bis unten.

...imperiale Lebensweise & Externalisierung. Linke Verdrängung = Verdrängung.


Tadzio gegen die Landbevölkerung:
warum hassen Rechte die Städte so sehr? Das begann schon im Mittelalter: weil Stadtluft frei macht(e). Die Stadt ist Befreiung. Die Rechten wollen Bevormungung, die ewige Diktatur der miefigen Arschlochgesellschaft.

Tadzio: Stadtluft macht frei!
Die Faschos wollen uns unsere Städte wegnehmen. Der aus ländlichen Gebieten heraus gewählte Trump droht, Städte dauerhaft zu besetzen. Wie reagieren wir?

wir werden die Städte verteidigen müssen.


Tadzio gegen Arbeiter
Deutsche Linke sagen gern, dass die Reichen die Welt kaputt machen. Sie sagen aber nur ungern, was dazu gehört: dass die meisten Arbeiter*innen im Deutschland im globalen Maßstab selbst Reiche sind.

Weil die Arbeiter*innenklassen des Nordens durch neue Konsummöglichkeiten ins System integriert/kooptiert werden. Wer also Konsum nicht versteht, wird nie die Realität verstehen.


Kurz mein Senf dazu: Tadzio mangelt es nicht an Selbstbewußtsein. Er hält sich für einen Durchblicker, während die Linken "nie die Realität verstehen".

Man braucht nicht die bisweilen sperrigen Werke von Marx studiert haben, um zu wissen, daß wir in einer Klassengesellschaft leben, in der die Herrschende Klasse mit ihrer wirtschaftlichen Macht eine politische Macht ausübt. Wenn man die politischen Entscheidungen und damit die wirtschaftliche Macht in Frage stellen und angreifen will, muß man sich mit den Reichen und Besitzern der Produktionsmittel herumschlagen.

Tadzio will nichts von einem Kampf Unten gegen Oben wissen. Er versucht nicht, eine Solidarität der einfachen Menschen, der Ausgebeuteten und Entrechteten (die US Occupy Bewegung sagte, "wir sind die 99%") aufzubauen. Er sieht nur eine "Arschlochgesellschaft" und vertieft die Gräben zwischen Identitäten, zwischen linker Szene und Malochern, zwischen Städtern und Landbevölkerung, etc..

Er scheint zu glauben, Stammarbeiter würden hierzulande "zu viel" verdienen und damit zu den "Reichen" gehören. Deshalb müsse man gegen sie kämpfen.

Erstaunlich ist auch sein Glaube, "wir" (Linken) würden die Städte besitzen und müßten sie deshalb "verteidigen". Doch die Linke hat null Macht über die Städte, sie hat keinen Einfluß darauf, wie hoch die Mieten, die Lebensmittelpreise oder die Löhne sind. Es gibt Stadtteile, denen hat die Linke einen subkulturellen Stempel aufgedrückt. Mehr ist da nicht.

Wenn man die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern will, muß einem klar sein, daß man gegen viele Widrigkeiten ankämpfen muß.

"Die herrschenden Gedanken sind weiter nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse."
(Karl Marx und Friedrich Engels, aus Die Deutsche Ideologie")

Wir haben es mit verwirrten und verblödeten Menschen zu tun, Ergebnisse der herrschenden Kultur, des Bildungssystems und der Medien.

Jede Veränderung und jede Revolution ging von einer Minderheit aus. Es geht darum, diese Minderheiten zu stärken und zu verbinden. Es gibt Landeier und auch Landwirte, die sind antifaschistisch und auch links. Es gibt Automobilarbeiter, die sind gegen die Automobilproduktion.

Dort gilt es anzusetzen und nicht darum, die Linke zu einem therapeutischen Kuschelwochenende einzuladen.

counselor

Scheint ja ein ziemlicher Idiot zu sein, dieser Tadzio Müller.

Warum kapiert er nicht, dass es die kapitalistische Produktionsweise mit ihrer Ausrichtung auf den Profit ist, die zu der heftigen Zerstörung der natürlichen Umwelt führt. Diese Erkenntnis hatten bereits Friedrich Engels und Karl Marx. Diese Produktionsweise verursacht die Klimakatastrophe, das massive Artensterben und zahlreiche andere Bedrohungen unserer planetarischen Umwelt.

Was ist an der Erkenntnis so furchtbar, dass wir den Kapitalismus überwinden müssen?

Wir müssen eben verstehen, dass der unsachgemäße Gebrauch der Natur Zerstörung und Verwüstung hervorruft und zu unserem Untergang führen kann.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Fritz Linow

Hatte mir schon selber seine geistigen Ergüsse angeschaut, ist eher dünn. Hinter diesem Kollapscamp steht ja nicht nur dieser Müller, sondern auch andere Pappnasen, z.B.:

"Arbeiter:innen sind nicht per se Verbündete, sondern zumindest in imperialistischen, industriellen Ländern des globalen Nordens Teil des Problems und nicht Teil des ,,revolutionären Potentials". Wenn Arbeiter:innen für mehr vom kapitalistischen Kuchen für sich selbst kämpfen und für den Fortbestand fossiler Industriezweige, statt für deren Transformation, sind das keine Kämpfe, die seitens linker Strukturen und Bewegungen unterstützt werden sollten."
https://steady.page/en/disrupt/posts/75b1388b-bf25-46fb-a875-faa385c580fa

Die analytische Schöpfungshöhe ist da auch eher niedrig.

Wenn ich das aber richtig beobachtet habe, bilden sich immer neue Gruppen und Bewegungen, die dann wieder zerfallen und irgendwo wieder etwas neues bilden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dann auch Esocamps mit den dazugehörigen Gurus entstehen. Wobei nicht alle Programmpunkte schwachsinnig sind.

Wenn nun 600 Leute dabei sind und keine Distanzierung von anderen Klimaaktivisten erkennbar ist, wirkt das erstmal planlos, kann aber auch bedeuten, dass viele Aktivisten mittlerweile in anderen Strukturen arbeiten, um fossile Industriezweige zusammen mit den Beschäftigten zu transformieren.

Kuddel

Ich denke nicht, daß ich unnötigerweise mich an einer verwirrten Einzelperson aus dem Linken Millieu abarbeite, die nicht so wichtig ist. Tadzio Müller ist ein politischer Leithammel und hat einen spürbaren Einfluß auf die Klimabewegung.

Es gibt durchaus eine brauchbare linke Kritik an dem Konzept "Solidarisches Preppen". Bereits im letzten Jahr schrieb der ak:
ZitatNo future, aber gut gerüstet

Die Idee der Vorbereitung hat in der Linken immer eine Rolle gespielt – nun wird das Prepping für die Katastrophe entdeckt


...Dass der Ansatz erstmal nach innen gerichtet ist, räumt Tadzio Müller ein, aber gegen die Verdrängungsleistungen der »Arschlochgesellschaft« sei derzeit kein Kraut gewachsen. Durch »solidarische Kollapspolitik« könne neue Handlungsfähigkeit entstehen.

Wenn Lenin das wüsste


Es ist nicht die erste Wende nach innen in der Geschichte der Linken. Der Rückblick zeigt: Anklang fanden solche Ansätze vor allem in Phasen von Zukunftspessimismus und Enttäuschung.

Es gab Zeiten, da preppten Linke eher für die Revolution oder die Arbeit in der Illegalität.
(...)

Raus aus der Fabrik, rein in die Szene


Vieles am neuen Prepping-Diskurs erinnert an einen anderen Wendepunkt vor 50 Jahren. In der Gegenkultur, die sich im Anschluss an die Bewegungen von 1968 in den Gesellschaften des kapitalistischen Westens herausbildete, entstand eine ausgedehnte Alternativszene, die von Landkommunen über Buchläden und Bäckereien bis zu Taxikollektiven reichte.

Auch diese Aktivitäten verarbeiteten eine Erfahrung des Scheiterns: Die Revolution, auf die viele nach 1968 gehofft hatten, war ausgeblieben, die Agitation in den Fabriken trug nicht die erhofften Früchte. Die ML-Gruppen, die Lenins Idee der Kampfpartei reenacten wollten, stürzten in die Krise, viele lösten sich auf. Zugleich trat die ökologische Frage verstärkt ins Bewusstsein: Die Ahnung, dass das kapitalistische Immer-Mehr seine Grenzen hat, breitete sich im Lauf der 1970er, gepaart mit Angst vor dem Atomkrieg, aus.
(...)

Diese Alternativszene differenzierte sich schnell aus: Je erfolgreicher sie wurden, desto mehr Alternativbetriebe warfen ihren gegenkulturellen Anspruch über Bord und verwandelten sich in kleine oder mittlere Unternehmen. Statt den Sozialismus näher zu bringen, trugen sie dazu bei, Managementmethoden zu modernisieren, ein neues bürgerliches Klassenbewusstsein zu formen (und deren Partei: die Grünen), teilweise prägten sie ganze Wirtschaftszweige, wie im Silicon Valley.
(...)
Und heute? Dass Prepping einen neuen kapitalistischen Modernisierungsschub einleitet, steht wohl nicht zu befürchten, das Einigeln in der Defensive könnte schon eher zur Gefahr werden. Dass die fortschreitende Erderwärmung neue Strategien erfordert, ist kaum von der Hand zu weisen. Netzwerke aufzubauen, die solidarisches Handeln in kommenden Katastrophen ermöglichen – das ist erstmal eine gute Idee.

Das Problem ist, dass die Vorschläge den Bezug auf Klassenkämpfe aufgegeben haben(...).

Dabei war eine interessantere Diskussion der letzten Jahre die Frage, wie die Klimakrise als Klassenfrage begriffen werden kann. »Man muss die Überlegungen, wie man aus der Klimakatastrophe rauskommt, vom Kopf auf die Füße stellen und sie von der Produktion her denken«, sagt die labournet.tv-Filmemacherin Johanna Schellhagen – weil Menschen bei Kämpfen am Arbeitsplatz erleben können, dass sie mächtig sind. Um die Ohnmacht zu überwinden, so Schellhagen in ihrem Film »Der laute Frühling«, könnten Klimaaktive zum Beispiel »strategisch arbeiten« gehen (in für die gesellschaftliche Versorgung wichtigen Bereichen), dort Kenntnisse erwerben und sich politisch organisieren. (...)
https://www.akweb.de/ausgaben/710/no-future-aber-gut-geruestet-prepping-krise-katastrophe-revolution/


Johanna Schellhagen (Labournet TV) hat sich vor wenigen Tagen im Neuen Deutschland zu Wort gemeldet:

Zitat(...) Obwohl sie also marginal und politisch unbedeutend ist, soll diese Linke – und hier wird es wirklich problematisch – es trotzdem schaffen können, sich solidarisch auf die Katastrophe vorzubereiten. Wenn solidarisch aber bedeutet, dass alle versorgt werden, auch Arme und Kranke sowie Menschen, die keine Kontakte zur »solidarischen« Prepperszene haben, dann ist das kaum möglich aus einer Position gesellschaftlicher Marginalität heraus. Preppen kann aus einer solchen Position heraus nicht solidarisch sein. (...)

Anstatt also der Illusion anzuhängen, wir könnten uns im Kleinen auf die Katastrophe vorbereiten und uns irgendwie lokal oder regional absichern, sollten wir uns die materiellen Abhängigkeiten des gesellschaftlichen Zusammenhangs klarmachen und daraus unsere Schlüsse ziehen: Was müsste passieren, damit alle versorgt sind? Sich das nicht einmal mehr vorzustellen und nur noch ein Stückchen vom Kuchen zu wollen, statt die ganze Bäckerei zu übernehmen, bedeutet, den Herrschenden das Feld kampflos zu überlassen.

Wie übernimmt man also die ganze Bäckerei? Lars Hirsekorn, Gewerkschafter und VW-Betriebsrat aus Braunschweig, hat kürzlich in einem Interview ein Beispiel dafür gegeben, was ein erster Schritt sein könnte. In einem nahe gelegenen Krankenhaus wurde gestreikt, aber es war nicht möglich, eine Streikdelegation aus dem Krankenhaus zur Betriebsversammlung bei VW einzuladen. Dass die Autoarbeiter*innen den Streik unterstützen, der in ihrem ureigenen Interesse ist, wäre aber ein wichtiger erster Schritt(...).

Ein anderes Beispiel: In Berlin haben Angestellte aus dem Gesundheitswesen einen Solidaritäts-Fonds für den Streik der Beschäftigten der Charité-Servicetochter CFM ins Leben gerufen. Die Kolleg*innen verdienen so wenig, dass das Streikgeld nicht ausreichte. Durch den Solifonds konnte den Kolleg*innen die Teilnahme am Streik ermöglicht werden. Gleichzeitig wurde ihnen vermittelt, dass sie nicht alleine sind im Kampf gegen die politischen Bedingungen der Dumpinglöhne. Alle Streiks brauchen solche oder ähnliche Unterstützung von außen, vor allem, wenn die Beschäftigten sich nicht mit Krümeln zufrieden geben wollen. Es ist ein weites Betätigungsfeld.

Wir machen uns als Linke überflüssig und überlassen das Feld den Faschist*innen, wenn wir die Idee aufgeben, normale Leute, die keinen Kontakt zur linken Szene haben, mitzunehmen. Wir müssen da sein, wo die Leute sind und eine gesellschaftliche Atmosphäre erzeugen, in der es klar ist, dass wir uns als Klasse gegen Ausbeutung, Aufrüstung, Sparpakete wehren können, praktisch, in den Kämpfen und auf Arbeit. In einer solchen Atmosphäre können wir anfangen, die nötigen Gespräche zu führen: darüber, wie wir gemeinsam als Belegschaften Verantwortung für die Produktion übernehmen und die Herrschaft des Kapitals abschütteln können. Wir müssen dieses Ziel vor Augen haben – sonst ist die Alternative, sich in der Barbarei einzurichten. Ich glaube, es gibt kein Drittes. (...)
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1193470.klimabewegung-etwas-besseres-als-den-untergang.html

Tadzio kommentierte den Beitrag folgendermaßen: Heute wieder ein schlechter Text über #Kollapscamp, #Kollapsbewegung und #SoliPreppen im ND Aktuell: die übliche spätarbeiteristische linke Revo-Romantik, die Linke in der Klimadebatte seit 2008 an den Start bringen. Immerhin reden alle übers Kollapscamp!

"Immerhin reden alle übers Kollapskamp!" Soso.

Die Schweizer WOZ kritisiert ein reaktionäres Menschenbild bei Tadzio Müller.

Zitat(...) Denn Müller schreibt im Interview jene «Arschlochisierung» fort, die er der Gesellschaft, insbesondere der Rechten, vorwirft. Der mit einer Pose der Illusionslosigkeit vorgetragene Kulturpessimismus («Die Zukunft wird dunkler»), mit der Müller auftritt, ist typisch für Prepper. Anstatt ein universales Projekt für eine bessere Welt zu entwickeln, präsentiert Müller eine apokalyptische Vision, gemäss der sich «faschistische Horden» im «reaktionären Brandenburg» formieren und «unser Berlin» übernehmen könnten. Die Rhetorik ähnelt stark Trumps Tiraden über die angebliche «Invasion» von «Flüchtlingshorden». Im Bild der Horde verschwimmen die Gesichter und Geschichten von als «anders» markierten Menschen zu einer unförmigen Masse, aus der jeder Anschein von Menschlichkeit verschwunden ist.

Unheimliche Verwandtschaft

Die «plündernde Horde» ist ein wiederkehrendes Motiv in den Szenarien von Preppern. Müllers Untergangsvision ist ebenso menschenverachtend, nur sind die Rollen anders besetzt: «faschistische Horde» statt migrantisierte Horde, «unser Berlin» statt «mein Eigenheim» oder «unser Volk», die heile Welt des «letzten queeren Clubs» statt der bürgerlichen weissen Kleinfamilie. In beiden Fällen schlägt in der Krise die Stunde des «last man standing», der nach dem grossen Untergang durch sein heroisches Handeln eine kleine heile Welt zu bewahren und die Seinen zu beschützen vermag – eine Männerfantasie. Wie im Preppen üblich verspricht sich Müller von künftigen Krisen eine Erlösung aus der empfundenen Machtlosigkeit. Der grosse Zusammenbruch soll den kleinen Mann aus seiner gefühlten Ohnmacht befreien und ihm die Macht verleihen, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Es ist kein Zufall, dass Preppen primär Männer fasziniert.

Die unheimliche Verwandtschaft zwischen dem, was Müller propagiert, und dem, was er beklagt, reicht noch weiter. Trump sei so erfolgreich, weil er ermögliche, die eigenen Wertvorstellungen statt das eigene Verhalten zu ändern. Das tut auch Müller. Globale Gerechtigkeit als Ziel einfach aufzugeben, nur weil die realpolitischen Mittel derzeit beschränkt sind, zeugt von nichts als Bequemlichkeit – und von Zynismus, wie er auf Nachfrage selber einräumt. (...)

Müllers Fantasie vom «letzten queeren Club» illustriert dies bestens. Doch es braucht weder Untergangsvisionen noch reale Krisen, um das Verständnis für solidarisches Handeln zu wecken oder zu fördern – im Gegenteil. Vielmehr zeigt das Interview eindrücklich, wie wenig sich apokalyptische Visionen als Ausgangspunkt für eine progressive Politik eignen und wie sehr sie Vorstellungen exklusiv-identitärer «Solidarität» befördern.
https://www.woz.ch/2451/replik-auf-tadzio-mueller/zieht-den-kopf-aus-dem-bunker/!QBH587ZJBF6D

counselor

Was Tadzio Müller und viele Linke nicht verstehen, ist, dass man Klassenbewusstsein auch unter Schichten der Arbeiterklasse aufbauen muss, die bürgerlichen Denkmustern anhängen. Diese Teile der Arbeiterklasse mögen die Klimakatastrophe leugnen, aber auch sie werden irgendwo in Widerspruch zur Politik der herrschenden Klasse kommen (Massenentlassungen etc.) und dort müssen die klassenkämpferischen Linken sie abholen und zum Widerstand bewegen. Das ist mühselig und manchmal frustrierend, aber daran führt kein Weg vorbei!
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Fritz Linow

Zitat31.8.25
Kollapscamp: Keine Weltuntergangsstimmung

Im brandenburgischen Kuhlmühle fand das bundesweit erste Camp statt, das sich dem solidarischen Preppen für den Kollaps widmete
(...)
Wenn man über das Kollapscamp spricht, kommt man an dem Namen Tadzio Müller nicht vorbei.
(...)
Müllers harte Rhetorik sorgt dennoch für Frust, gerade bei einigen Aktivist*innen von Ende Gelände. Peters versuchte im Vorfeld, die Wogen zu glätten. Doch auch während des Camps kam es zu hitzigen Diskussionen.
(...)
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1193687.klimakrise-kollapscamp-keine-weltuntergangsstimmung.html

... ansonsten keine größeren Erkenntnisse.

Kuddel

Es hat sich nun telepolis mit den Ideen von Tadzio Müller auseinandergesetzt.

ZitatKlimaschutz ist tot – bereiten wir uns lieber auf den Kollaps vor!
https://www.telepolis.de/features/Klimaschutz-ist-tot-bereiten-wir-uns-lieber-auf-den-Kollaps-vor-10635304.html

ZitatAktivist gibt auf: Ökobewegung machtlos gegen "braune Fluten"
https://www.telepolis.de/features/Aktivist-gibt-auf-Oekobewegung-machtlos-gegen-braune-Fluten-10635384.html

Es war eine gründliche Auseinandersetzung mit Tadzio Müllers Blick auf die Welt, wobei  Caspar Kuczynski viel Verständnis für einige seiner Ideen zeigte.

Der Letzte Absatz faßt Tadzios Weltbild so zusammen:

ZitatSo stimmt also Müller zusammen mit den französischen und anderen Kollapsologen darin überein, dass die Priorität nun also die Rettung "unserer", der eigenen Haut sein soll. Originell ist das nicht, denn es geht letztlich wieder nur darum, zuallererst "uns" in der verbliebenen Ersten Welt zu retten.

Tadzio verstand die Kritik nicht und postete:
ZitatOh Mann: jetzt kommt auf @heise.de *endlich* die 1. Rezension von #DasKleineRosaBuch außerhalb linker Webseiten, und dann peilt der das nicht...

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