Die Deutsche Bahn

Begonnen von Kuddel, 11:58:05 Di. 23.September 2025

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Kuddel

Bahnwitze gehen immer.

Die Deutsche Bahn ist Schrott, völlig im Eimer.

Jeder dürfte da seine persönlichen Erlebnisse haben.

Es gibt nun einen Vorstandswechsel bei der Bahn. Ja, es ist jetzt eine Frau an der Spitze und sie versteht etwas vom Fach, sie hat mal eine Ausbildung zur "Triebfahrzeugführerin" gemacht. So ist es heute mit der Berichterstattung und der politischen Debatte. Es geht gern schwerpunktmäßtig um Einzelpersonen, um ihr Auftreten, bisweilen noch um ihr Privatleben. Alles nur Nebelkerzen.

Jetzt wird irgendein Scheiß geredet von einem "großen Strategiewechsel" und höherer Pünktlichkeit. Was für ein Müll! Wenn die Rahmenbedingungen (wie die Finanzierung) gleich bleiben, ist der Spielraum für Verbesserungen minimal.

Man muß die Bahnpolitik im Zusammenhang mit der Verkehrspolitik in Deutschland sehen. Sie ist von langer Hand geplant. Mit der Privatisierung der Deutschen Bundesbahn ging es im Wesentlichen um das bewußte Kaputtwirtschaften des Bahnverkehrs zu Gunsten der Straße, bzw. der Autoindustrie.

Diese Verkehrspolitik wurde von langer Hand geplant und hat weiterhin Bestand, egal welche Parteien gerade an der Regierung sind. Folgender Artikel stammt aus dem Jahr 1993:

ZitatDrahtzieher der Bahnreform

Die Deutsche Bank lenkt die Verkehrspolitik der Bundesrepublik


(...) 1989 konstituierte sich die ,,Regierungskommission Bahn" mit dem Auftrag, Vorschläge zur Neustrukturierung der Bundesbahn zu erarbeiten. Ihr Vorsitzender, Günther Saßmannshausen, kommt jedoch nicht etwa aus Politik oder Verwaltung, wie es bei einer Regirungskommission zu erwarten wäre. Er ist ein Mann der Privatwirtschaft und sitzt in Aufsichtsräten der Automobilindustrie (Volkswagen), der Mineralölwirtschaft (Deutsche Shell) sowie in anderen Großkonzernen und Verbandsgremien (BDI). Auch in den Beiräten der Dresdner Bank, des Versicherungsriesen Allianz und der Westdeutschen Landesbank Girozentrale steht ein Stuhl für ihn. In der Regierungskommission arbeitete er unter anderem mit Vertretern der Deutschen Bank zusammen.

So ist es nicht verwunderlich, daß die Vorschläge, die die Gruppe im Dezember 1991 vorlegte, weitgehend identisch sind mit denen, die ein parallel tätiges Gremium lieferte. Dabei handelte es sich um das ,,Verkehrsforum Bahn e.V.", eine Wirtschaftsvereinigung von rund 240 Unternehmen, die für einen arbeitsteiligen Einsatz von Auto, Bahn, Flugzeug und Schiff eintritt. Ehrenvorsitzender dieses Lobbyverbandes ist kein Geringerer als Hermann Josef Abs (...).
https://taz.de/Drahtzieher-der-Bahnreform/!1588986/

Ich empfehle den Namen Hermann Josef Abs mal zu googeln.

Aus einer wissenschaftlichen Studie von 2008:
ZitatSeit Anfang der 90er-Jahre bestand im parlamentarischen Raum weitgehend Einigkeit, dass der ehemals größte Arbeitgeber der Bundesrepublik von ,,den Fesseln des öffentlichen Dienst- und Haushaltsrechts" befreit und dorthin geführt werden müsse, wo die Marktmechanismen am wirkungs- und oftmals verhängnisvollsten greifen: auf das Börsenparkett. Stichhaltige Argumente gegen die Weichenstellungen in Richtung Kapitalmarkt fanden kaum Gehör. Der Rückzug aus der Fläche, die Ausdünnung der Fahrtakte, die Abschaffung des InterRegio, die undurchsichtige Tarifstruktur und der breit angelegte Verkauf von Bahnhöfen – all dies sind Negativaspekte der seit eineinhalb Jahrzehnten währenden Bahnreform, die zahlreiche Ähnlichkeiten mit der Privatisierung von British Rail aufweist.
https://www.researchgate.net/publication/321877761_Die_Privatisierung_der_Deutschen_Bahn_Uber_die_Implementierung_marktorientierter_Verkehrspolitik


counselor

ZitatNeue Chefin - Neues Bahn-Konzept?

Heute Vormittag befasste sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn mit dem Personaleinsatz an der Spitze des Konzerns. Er folgte dem Vorschlag von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und wählte die bislang für den Regionalverkehr zuständige Managerin Evelyn Palla als neue Bahn-Chefin.

Quelle: https://www.rf-news.de/2025/kw39/das-gestern-vorgelegte-bahn-konzept-zementiert-missstaende
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

Es wird viel über die neue Bahnchefin geredet. Eine Frau. Eine, die vom Fach ist.

Vielleicht ist sie ja ganz ok und will ernsthaft die Situation bei der Bahn verbessern.  Alles an einer Person festzumachen ist Teil der heutigen Entpolitisierung. Gern noch mit Homestory von Politikern oder Managern, anekdotische Einblicke in den Alltag, persönliche Schwächen, Haustiere, whatever. Menschelndes Blabla.

Darum geht es jedoch nicht. Sie arbeitet in einem politischen und ökonomischen Umfeld, in dem sie den Karren nicht aus dem Dreck ziehen kann, selbst wenn sie wollte. Der Versuch, die Bahn an die Börse zu bringen, ist krachend gescheitert und hat die Bahn noch noch tiefer in die Scheiße fahren lassen. Die ganze Privatisierungspolitik war falsch und muß Rückgängig gemacht werden.

Es muß insgesamt die Verkehrspolitik radikal geändert werden. Man muß sich dafür entscheiden, sowohl den Güterverkehr, alsauch den Personenverkehr, in großem Maß von der Straße zu holen und auf die Schiene zu bringen. Dazu muß die technische Infrastruktur ausgebaut werden und es braucht zusätzliches Personal. Das kostet Geld, das lockergemacht werden muß. Daß das Geld vorhanden ist, zeigen die enormen Investitionen in die Aufrüstung.

Wenn man mit dem viel zu engen Buget die Bahn "reformieren" will, kommt nur so etwas heraus:

ZitatProtest gegen Stellenabbau bei Bahn-Tochter Systel in Frankfurt

Die Deutsche Bahn will bei ihrem Kürzungsprogramm auch an die IT-Dienstleistungstochter DB Systel ran. Rund 1.400 Vollzeitstellen sollen laut Betriebsrat wegfallen. Damit ist fast jeder fünfte von 6.700 Arbeitsplätzen in Gefahr. In Frankfurt gab es Protest.
https://www.hessenschau.de/wirtschaft/bahn-tochter-db-systel-will-1400-jobs-streichen---beschaeftigte-im-panikmodus-v1,bahn-systel-evg-protest-100.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

In der BRD waren Verkehrsminister stets totale Knallköppe. Den Namen des jetzigen Ministers hat man sich noch gar nicht gemerkt, aber der Unsinn geht weiter.

ZitatBundesverkehrsminister Schnieder hat den Zustand der Deutschen Bahn kritisiert. Dieser gehe in eine demokratiegefährdende Richtung, sagte der CDU-Politiker. Es sei es brandgefährlich, wenn immer mehr Menschen den Eindruck bekämen, dass der Staat nicht funktioniere.
https://www.deutschlandfunk.de/verkehrsminister-schnieder-warnt-vor-demokratiegefaehrdenden-zustaenden-bei-der-bahn-100.html


Was geht denn in eine "demokratiegefährdende Richtung"? Bei der Bahn geht es in die selbe Richtung, wie bei anderen Branchen. Die Privatisierung, die privaten Konkurrenzunternehmen, die Macht des Marktes, alles nagt an der Infrastruktur und dem Funktioneren des Systems Bahn.

ZitatTrotz zahlreicher Probleme bei der Deutschen Bahn ist die Nachfrage im Schienenverkehr weiter hoch. Doch Abschreibungen im Fernverkehr haben im vergangenen Jahr erneut zu einem hohen Milliardenverlust geführt. Unter dem Strich verzeichnete der bundeseigene Konzern ein Minus von 2,3 Milliarden Euro, wie die Bahn am Freitag mitteilte. Damit erhöhte sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahr um rund 500 Millionen Euro.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bahn-mehr-fahrgaeste-noch-groesserer-milliardenverlust-a-decdfebe-c3c9-464f-a1b6-69f6c6ea23e4

Die Bahn sollte ein wichtiges Thema sein nicht nur für Umweltschützer, sondern auch für soziale Bewegungen. Die Wiedereinführung des 9€ Tickets würde mehr Mobilitiät für arme Menschen bedeuten. Und es geht wieder um Eigentumsverhältnisse. Das Zerschlagen und Verramschen von Staatsbetrieben muß rückgängig gemacht werden.

Eine kleine Randbemerkung zur Bahnpolitik:

ZitatMit Abfindungen und Boni
Bahn-Vorstände kassieren mehr als 17 Millionen Euro
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bahn-Vorstaende-kassieren-mehr-als-17-Millionen-Euro-id30520647.html


Kuddel

Habe bei Bluesky gerade folgenden treffenden Kommentar gefunden:

Ich verstehe überhaupt nicht, woher diese wahnhafte Idee kommt, der Bahnverkehr müsse kostendeckend arbeiten oder gar Gewinn abwerfen! Autobahnen sind seit Ewigkeiten defizitär!

Nikita

Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb es in Deutschland keine funktionierende Bahn geben soll. So tief kann man nicht im Podex der Autoindustrie stecken, immer weiter die Bahn finanziell und strategisch zu sabotieren. Sehr bezeichnend auch, dass sich nur eine Lobby um den Güterverkehr regt.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bahn-gueterbahnverband-fordert-aufklaerung-nach-funkstoerung-a-20ecdfdf-4278-45fa-9f58-851e0a2018ad?sara_ref=re-so-app-sh

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