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Begonnen von Bibo, 09:12:28 Di. 08.April 2003

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Kuddel

Es ist schon ein wenig her, aber ich möchte doch noch von meinen Eindrücken vom Schülerprotest am 5.12. in Kiel berichten.

Es war nicht einfach eine weitere Demo.

Es war etwas Neues. Eine neue Bewegung.
Im Vorfeld unkten einige, da würde sich kaum jemand dran beteiligen, weil die Schuldirektoren massiven Druck auf die Schüler ausübten. Trotz allem erwarteten die Kieler Nachrichten 1000 Teilnehmer. Und am 5.12. erklärte die Polizei etwa 1000 Demonstranten gesehen zu haben. Es waren also eindeutig mehr.

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Es waren fast alles Schüler. Viele von ihnen richtig jung, richtig richtig jung. Die waren bei den guten Tagen von Fridays for Future noch nicht dabei. Es waren nur wenig Ältere, wie Omas gegen rechts dabei. Die "Friedensbewegung" wie bei den Ostermärschen ist stark überaltert, irgendwo im Rentenalter. Hier waren jedoch die Teenies unterwegs.

Die Stimmung war super. Die Reden gefielen mir. Kiel schien auf etwas frischen politischen Wind gewartet zu haben. Die Reaktionen waren sehr positiv.

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Irgendwo am Straßenrand stand eine komplette Kita, die Kinder winkten begeistert, die Betreuer:innen auch. Die Demo war auch laut. Meine Lieblingsparole lautete "Streik in der Schule, Uni und Betrieb, das ist unsere Antwort auf eure Politik!".

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Dann gings zum Gewerkschaftshaus. Es öffneten sich Fenster und neugierige Nasen glotzten aus ihren Büros. Einige waren vorbereitet und ließen ein Transparent herunter.

Es gab dann 2 Reden, die echt gut waren. Das ist erwähnenswert, weil es beim DGB keineswegs eine einheitliche Haltung gegen die Aufrüstung und Kriegstreiberei gibt. Einige der führenden Funktionäre freuen sich über Arbeitsplätze bei Rheinmetall.

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Die Beiträge kamen von der AG Frieden (oder so ähnlich) von Verdi und von der Jungen GEW. Besonders gut an den Reden fand ich, daß der Bogen geschlagen wurde von Aufrüstung und Kriegstreiberei und den sozialen Verhältnissen im Land. Es ging um den Druck auf die Arbeitsbedingungen, um zu große Schulklassen, um zu wenig Personal in den Kitas, um Kürzungen bei Bildung, Kultur und Sozialem, um Verarmung. Es gab praktische Beispiele.

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Die Schüler berichteten auch von kaputtgesparten Schulen und davon, daß dies nicht ihr letzter Schulstreik war. Ab da verschwand ich aus der Demo und kann vom restlichen Verlauf nicht mehr berichten. 

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