Militär und braunes Pack

Begonnen von Kuddel, 15:42:58 Sa. 28.September 2013

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Kuddel

Dieser aktuelle Stern Artikel macht mich ein wenig nervös...

ZitatZwei deutsche Ex-Soldaten mit Spaß am Töten

Eine Bande, wie aus einem Thriller: Kokainschmuggel, Waffentransporte und Auftragsmorde - weltweit waren die fünf Männer aktiv. Unter ihnen auch zwei deutsche Ex-Soldaten, denen töten "Spaß machte".


Selbst New Yorks Staatsanwalt Preet Bharara fühlte sich an einen Thriller erinnert: "Die schauderhaften Anschuldigungen in der Klageschrift lesen sich, als wären sie aus einem Roman von Tom Clancy", sagte Bharara. Gerade hatte er nach einer filmreichen Jagd über vier Kontinente Anklage gegen fünf Ex-Soldaten erhoben, die angeblich einen US-Drogenfahnder und dessen Informanten ermorden wollten. Zwei von ihnen sind Deutsche.

Kopf der Gruppe war ein Mann, der sich Zeitungsberichten zufolge "Rambo", 48, nennen ließ. Nach einer Karriere bei der US Army begann der Ex-Ausbilder der Anklageschrift zufolge 2004 eine zweite - als Auftragskiller. Für mehrere Morde soll er verantwortlich sein, zumeist hatte er Hilfe. Für den jüngsten Auftrag holte er sich die Unterstützung von gleich vier Kameraden: einem Amerikaner, 42, einem Polen, 40, und zwei Deutschen, 27 und 29. Ihr Training hatten alle in der Heimat erhalten - in den regulären Armeen ihrer Länder. Die beiden Deutschen und der Pole waren Scharfschützen und trugen den Angaben zufolge bis vor wenigen Jahren noch Uniform.

Gut bezahlte Bonusjobs

Die fünf arbeiteten laut Bharara als Leibwächter für Drogenbosse, doch jeder wollte "Bonusjobs". Das waren Morde, die extra bezahlt wurden. Für einen ganz speziellen - dem an einem US-Drogenfahnder und dessen Informanten im westafrikanischen Liberia - sollte es für alle drei 700.000 Dollar geben, plus noch einmal 100.000 für "Rambo".

Mit ihren beiden Helfern reisten sie nach Angaben von Bharara um die Welt, schmuggelten Kokain, besorgten Maschinenpistolen ("Mac, MP5, MP7, irgendetwas kleines") und kleinkalibrige Pistolen ("Schalldämpfer sind ein Muss!") und kundschafteten ihre Opfer aus. Thailand, Mauritius, Liberia, Bahamas, New York - die Schauplätze könnten auch aus dem nächsten Bond-Film sein. Die Gangster beschafften sogar spezielle Gesichtsmasken, um aus den beiden Amerikanern und dem Deutschen drei Afrikaner zu machen.

Spaß an der Arbeit

Jedoch: Der Auftraggeber war ein verdeckter Ermittler und die fünf waren unter ständiger Beobachtung. Am Mittwoch wurden sie festgenommen: "Rambo" in Thailand, der andere Amerikaner und der Deutsche in Liberia, die beiden Helfer aus Polen und Deutschland in Estland. In New York sollen die fünf demnächst wieder zusammentreffen - vor dem Haftrichter.

"Die Anklage gibt Auskunft über eine Szene gut ausgebildeter Scharfschützen, die sich als Söldner im Namen des Bösen anheuern lassen", sagte Bharara. "Drei der Angeklagten waren bereit, willens und geradezu begierig darauf, kaltes Geld für einen kaltblütigen Mord zu nehmen." Wie kaltblütig, steht in den Ermittlungsakten. Demnach sagte der deutsche Scharfschütze, der den Mord in Liberia ausführen sollte, bei einem Treffen: "Das macht Spaß. Also mir macht das Spaß. Ich liebe diese Arbeit."
http://www.stern.de/panorama/internationale-gangsterbande-zwei-deutsche-ex-soldaten-mit-spass-am-toeten-2061170.html

Das erinnert mich daran, daß es keine neue Erkenntnis ist, daß braune Umtriebe in der Bundeswehr eine Tradition haben. Es gibt diverse Querverindungen zwischen Armee, Neonazis, Sicherheitsfirmen, Organisierter Kriminalität und Geheimdiensten.

ZitatAnfang der 90er Jahre tobt zudem der jugoslawische Bürgerkrieg. Schon früh mobilisieren neonazistische Gruppierungen für Söldnereinsätze auf Seiten faschistischer kroatischer Milizen und später muslimischer Einheiten, die gegen die Zentralregierung in Belgrad und für eine Spaltung des Landes kämpfen. Mehr als 100 Deutsche folgen dem Ruf. Eugen Kammerer, selbst ein Ex-Söldner, berichtet sogar von »über tausend Ausländern, hauptsächlich Deutschen«, die in die Kämpfe verwickelt sind. »Alle haben faschistische Sprüche drauf. (...) Eins wollen sie alle: schießen und töten.« Erbeutete Waffen würden wieder nach Deutschland verschoben, geschmuggelt auch von Neonazis, so Kammerer. Bei ihrer Rückkehr gelten sie in der Szene nicht nur als Helden, sondern bringen auch internationale Kontakte und Know-how mit. Einer dieser Söldner ist Eckart Bräuniger. Der langjährige Berliner NPD-Funktionär mit guten Kontakten zu neonazistischen Skinheadnetzwerken wie Blood & Honour und den Hammerskins diente im Kroatienkrieg. Das dort erlangte Wissen wollte er offenbar im April 2004 bei Wehrsportübungen in einem Brandenburger Wald weitergeben.
http://www.pflaster-info-agentur.de/index.php?area=1&p=news&newsid=21439

ZitatSie stehen an den Türen von Diskotheken oder sorgen für die Sicherheit in Einkaufszentren – manchmal patrouillieren sie auch als Streifen durch Berliner Wohngebiete. Die Aufgabenbereiche von privaten Sicherheitsdiensten sind vielfältig und die Branche wächst. Uniformen und die mit ihnen verliehene Autorität ziehen dabei mitunter eine Klientel an, die in Security-Jobs eine Gelegenheit sieht, ihren Hang zur Gewalt auszuleben. Eine brisante Mischung: Hooligans, Rocker – und Neonazis.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/829431.mit-den-braunen-auf-patrouille.html

ZitatNPD-Mitglieder als Wachmänner im Keltenmuseum‎



Bei der Eröffnung des hessischen Kelten-Museums sind zwei mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen NPD als Wachmänner eingesetzt worden. Sie sollen die zentrale Statue des Keltenfürsten bewacht haben - im Auftrag des Landes.
http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/neonazis-npd-mitglieder-als-wachmaenner-im-keltenmuseum/4140938.html

Man beachte die SA-mäßigen Uniformen!

Kuddel

Waffendiebstähle aus Kasernen gehören traditionell zu den wichtigsten Bewaffnungsmöglichkeiten der Faschisten. In der Bundeswehr sind sie gut vernetzt.
Nun haben sie schlagartig massig neues Material für einen Bürgerkrieg:

ZitatMunitionsklau in Seedorf bleibt rätselhaft

Für die Bundeswehr ist der Fall eine Blamage: Anfang Februar stahlen Unbekannte Zehntausende Schuss Munition aus der Kaserne in Seedorf im Landkreis Rotenburg (Wümme). Rund 30.000 Patronen verschwanden unentdeckt, und bislang fehlt von der Munition und den Tätern jede Spur. Am Mittwoch hat sich in Berlin der Verteidigungsausschuss des Bundestags mit den aktuellen Ermittlungsergebnissen beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem 11. März gegen zwei Soldaten aus der Kaserne, ein Tatmotiv gibt es laut dem vorgelegten Bericht jedoch nicht.

Hatten die Täter Helfer in der Kaserne?


Nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen wurden bereits Durchsuchungen durchgeführt. Allerdings ohne Erfolg. Die Täter hätten Kenntnisse über den Tatort gehabt, vermuten die Ermittler. Die Frage ist nur: woher? Hatten die Täter etwa Helfer in der Kaserne? Dazu sagt der Bericht nichts. Die Ermittlungen förderten auch Mängel der Wache zutage. Deshalb wird gegen die zwei Soldaten wegen Wachverfehlung ermittelt. Wachvergehen und Tatzeitraum fallen allerdings nicht zusammen.

Sicherung der Kaserne war geplant

Der Bericht setzt sich auch kritisch mit der Sicherung der Kaserne auseinander. Der Munitionsdiebstahl hätte verhindert oder zumindest deutlich erschwert werden können - wenn die Munitionsbehälter vom Wachgebäude hätten eingesehen werden können oder eine Einbruchmeldeanlage installiert worden wäre. Eine Kommission hatte 2006 beide Maßnahmen empfohlen. Sie wurden allerdings nicht voll umgesetzt. Ganz einfach, weil Geld fehlte.
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Munitionsklau-in-Seedorf-bleibt-raetselhaft,kaserne323.html


Kuddel

ZitatRechtsrock auf der Stube, Hakenkreuze im Schnee, Übergriffe auf Asylbewerber: Die Bundeswehr zieht viele rechte Spinner an; auch gewalttätige Neonazis. Nur die wenigsten müssen die Truppe verlassen.
http://blogs.stern.de/der-investigativ-blog/wie-rechts-darf-ein-soldat-sein/

Kuddel

ZitatHakenkreuz auf der Feldjacke

Der Militärische Abschirmdienst prüft 275 rechtsextreme Verdachtsfälle in der Bundeswehr. Die Verdächtigen haben dennoch Zugang zu Waffen.


Vor etwa einem Jahr malt ein Bundeswehr-Soldat ein Hakenkreuz auf seine Feldjacke. Als die Sache bekannt wird, bekommt er Ärger – und eine strenge Verwarnung. Wenig später meldet sich das Finanzamt beim Verteidigungsministerium: Ein Zeitsoldat hat die Zahlung von Steuern verweigert, da er sich als ,,Reichsbürger" sehe – als Angehöriger jener Politsekte, die in jüngster Zeit mehrfach mit Waffen auf Polizisten geschossen hatte. Gegen den Soldaten läuft ein Disziplinarverfahren.

Gegen einen weiteren Kameraden wird seit November aus dem gleichen Grund intern ermittelt, vier weitere Soldaten fielen in den vergangenen anderthalb Jahren durch Hitlergruß, ,,Sieg Heil"-Rufe und andere sogenannte Propagandadelikte auf. Die Ermittlungen laufen, aber: Zugang zu Waffen haben sie bei der Bundeswehr weiterhin.

Das gelte auch für den Bundeswehrangehörigen, der das Foto eines Soldaten mit Maschinengewehr im Anschlag, die Mündung in Richtung des Betrachters, ins Internet stellte und darunter schrieb: ,,Das schnellste deutsche Asylverfahren, lehnt bis zu 1400 Anträge in der Minute ab." Gegen ihn ist das interne Disziplinarverfahren der Bundeswehr jedoch bereits eingestellt, ,,da Dienstvergehen nicht nachgewiesen werden konnten". So schreibt es das Bundesverteidigungsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, die der FR vorliegt.

Die Liste der Verfehlungen ist lang: 275 rechtsextremen Verdachtsfällen in der Bundeswehr geht der Militärische Abschirmdienst (MAD) derzeit nach, davon stammen 43 Fälle von 2016 und 53 Fälle aus diesem Jahr. Der älteste offene Fall stammt von 2011. In ihrer Ablehnung der Vorfälle sind sich die Bundestagsparteien zwar einig – die Konsequenzen unterscheiden sich jedoch. ,,Jeder einzelne Fall von Extremismus in der Bundeswehr ist abzustellen", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hennig Otte (CDU), der FR.

Es sei nicht ,,akzeptabel, wenn klar rechtsextrem aufgefallene Personen weiter Zugang zu Waffen haben". Ulla Jelpke von der Linksfraktion, die die Anfrage gestellt hatte, fordert eine Verschärfung des Disziplinarrechts, ,,um entschlossener gegen Neonazis in den eigenen Reihen vorzugehen". So lange die Bundeswehr ,,alle Vorkommnisse als Einzelfälle abtut", gelte: ,,Der Fisch stinkt vom Kopf", sagte Jelpke der FR.
http://www.fr.de/politik/bundeswehr-hakenkreuz-auf-der-feldjacke-a-1257551

Rudolf Rocker

ZitatDie Verdächtigen haben dennoch Zugang zu Waffen.
Und zu Sprengstoff?


ZitatDas Bundeskriminalamt verfügt nach eigenen Angaben über keine gesicherten Erkenntnisse zum beim Anschlag verwendeten Sprengstoff. "Es ist noch viel zu früh, solche Aussagen zu treffen, da die kriminaltechnischen Untersuchungen noch laufen", betonte eine Sprecherin.
Kurz zuvor hatte die "Welt" berichtet, dass dieser aus Beständen der Bundeswehr stammen könnte. Der militärische Zünder setze Fachkenntnisse voraus und habe sich nicht leicht beschaffen lassen, so Ermittler zu der Zeitung.
http://www.tagesschau.de/inland/bvb-ermittlungen-101.html

Bisher reine Spekulation.

Kuddel

ZitatErmittler des Bundeskriminalamtes haben einen Bundeswehrsoldaten festgenommen, der einen Anschlag geplant haben soll. Er hatte sich in eine Asylunterkunft eingeschleust. Der Mann aus Offenbach soll aus Fremdenhass gehandelt haben.
http://www.fr.de/politik/anschlagsplaene-bundeswehr-leutnant-unter-terrorverdacht-a-1267913

Kuddel

Zitat

Die Bundeswehr hatte offenbar bereits im Jahr 2014 ernstzunehmende Hinweise auf die rechtsextreme Haltung des festgenommenen Oberleutnants Franco A. Das berichtet der Spiegel und beruft sich dabei auf die Aussagen eines Kameraden von Franco A.

Das Verteidigungsministerium hatte bislang behauptet, bis zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt nichts von einer rechtsextremen Gesinnung von Franco A. gewusst zu haben. Auch bei zwei Sicherheitsüberprüfungen durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD), dem Truppen-Geheimdienst, sei während der rund achtjährigen Karriere des Soldaten nie etwas aufgefallen.

Ende vergangener Woche meldete sich ein Soldat aus eigenen Stücken bei seinen Vorgesetzten. Er erinnerte sich, dass im Jahr 2014 die Professoren im Offizierslehrgang an der französischen Militäruniversität Saint-Cyr die Masterarbeit von Franco A. als extremistisch und unvereinbar mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung eingestuft hatten.

In der Arbeit mit dem Titel "Politischer Wandel und Subversionsstrategie" wiederholt er nach Informationen des Spiegel stramm völkische und teilweise rechtsextreme Positionen, ohne sich von diesen zu distanzieren. Ein Professor urteilte, die Arbeit sei nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar.

Ein Bundeswehrwissenschaftler vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften hatte die Arbeit damals ebenfalls gelesen. Er schrieb, der Text enthalte eindeutig "völkisches Denken". Trotz der beiden klaren Urteile wurde der Verdacht fallen gelassen, da sich Franco A. gegenüber seinem deutschen Vorgesetzten an der Uni wortreich erklärte, sich von der Arbeit distanzierte und angab, das Papier unter Zeitdruck geschrieben zu haben.

Danach wurde der Vorfall offenbar fallen gelassen. Franco A. verfasste eine neue Arbeit und schaffte damit den Abschluss. Da der deutsche Vorgesetzte an der Universität seine Vorermittlungen, die Vorstufe eines echten Disziplinarverfahrens, einstellte, wurde der Vorfall nicht in der Personalakte vermerkt. Auch der zuständige MAD wurde deswegen nicht mit weiteren Recherchen betraut.

Dem Verteidigungsministerium droht nun der Vorwurf, die Öffentlichkeit und das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags (PKGr) nicht richtig unterrichtet zu haben. Um dem vorzubeugen, schickte Staatssekretär Gerd Hoofe nach Informationen des Spiegel am Samstagvormittag einen entsprechenden Hinweis an den Vorsitzenden des Gremiums und bat ihn, auch die anderen Mitglieder über den brisanten neuen Hinweis zu unterrichten.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte kurz vor Bekanntwerden dieser Vorfälle interne Untersuchungen angekündigt. "Wir klären rigoros auf, was geschehen ist, und ziehen wo nötig harte Konsequenzen", sagte sie am Samstag auf einer CDU-Veranstaltung. Der Generalinspekteur der Bundeswehr soll nun prüfen, ob der Fall womöglich innerhalb der Streitkräfte noch weitere Kreise gezogen hat. Auch sei, so von der Leyen, zwischen Innen- und Verteidigungsministerium eine gemeinsame Koordinierungsgruppe gebildet worden, "die jetzt intensiv den vielen Fragen und Verästelungen nachgeht". Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte Untersuchungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) an.

Der Oberleutnant war am Mittwoch unter dem Verdacht festgenommen worden, einen Anschlag geplant zu haben. Er hatte sich laut Staatsanwaltschaft offensichtlich monatelang unter falschem Namen als syrischer Flüchtling ausgegeben. Ihm war vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sogar sogenannter subsidiärer Schutz gewährt worden. Aufgeflogen war die Doppelidentität des Offiziers durch den Fund einer Pistole, die er auf dem Wiener Flughafen versteckt hatte. Daraus ergibt sich auch der Verdacht einer möglichen Anschlagsplanung.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-04/terrorverdaechtiger-soldat-bundeswehr-rechtsextreme-thesen-masterarbeit

Sofort fiel mir die Meldung aus dem Jahr 2012 ein:
ZitatNur durch die hartnäckige Ermittlungsarbeit des Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele kam am Dienstag heraus, dass der MAD, der vor allem radikale Tendenzen unter den Soldaten der Bundeswehr beobachtet, bereits 1995 eine umfangreiche Akte über das spätere NSU-Mitglied Uwe Mundlos angelegt hatte und auch mehrere Verfassungsschutzämter darüber informierte.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/neuer-nsu-aktenskandal-ueber-gespraech-von-mad-mit-mundlos-a-855265.html

Es spricht alles dafür, daß seinerzeit Mundlos ausgeguckt wurde, als jemand, der für spezielle Aufgaben zu verwenden ist. Er wurde nach und nach aufgebaut zu dem, wofür wir ihn heute kennen.

Daß einiges aus dem NSU Komplex an die Öffentlichkeit gekommen ist, hat zu keinerlei Konsequenzen in dem staatlichen Umgang mit Rechtsextremen geführt. Rechtsextreme werden vom Staat gebraucht, geführt, benutzt.

Das NSU Prinzip lebt weiter. Rechter Terror nicht nur unter den Augen des Staates, sondern auch mit dessen aktiver Unterstützung. Viel zu wenig Beachtung findet die "Gruppe Freital":

ZitatDie Gruppe Freital deckt sich in ihrer Mitgliederstruktur in weiten Teilen mit der ausländerfeindlichen Bürgerwehr FTL360, benannt nach dem Autokennzeichen von Freital und der Buslinie, auf der zwei der mutmaßlichen Täter, S. und W., als Fahrer eingesetzt waren. Sie war öffentlich als rechtsradikal erkennbar: Sie warb auf Facebook für Rechtsrock-Bands und sympathisierte mit dem Neonazi Horst Mahler. Auch die rechtsradikale Einstellung der Bürgerwehr-Anhänger war auf mehreren der persönlichen Facebookseiten leicht erkennbar. Dennoch sahen Polizei und Verfassungsschutz damals keinen Handlungsbedarf und wollten keine Gruppenstruktur erkennen.

Spätestens von Juli 2015 an bildeten die Angeklagten S., W. und F. mit weiteren Unterstützern die Terrorgruppe Freital. Nach Ansicht der Ermittler war die Gruppe auf längere Zeit angelegt und hatte zum Ziel, politisch Andersdenkende einzuschüchtern und Flüchtlinge so zu verängstigen, dass sie Deutschland wieder verlassen. Ihre rechtsextremistische Ideologie wollte sie gewaltsam durchsetzen, etwa durch Sprengstoffanschläge und durch das Töten von Menschen.

Timo S. ist als Rädelsführer der Gruppe angeklagt. Der 28-Jährige, geboren und aufgewachsen in Hamburg, war vor seinem Umzug nach Dresden in der militanten Neonazi-Szene Norddeutschlands unterwegs.

Patrick F. ist als zweiter Rädelsführer angeklagt. Der 26-Jährige ist gelernter Lagerist und arbeitete zuletzt nebenberuflich auch als Pizzabote. Er gilt mit S. und dem weiteren Angeschuldigten W. als Gründer der Gruppe Freital und soll ihr Planer und Vordenker sein. F. soll mit Sprengkörpern und Schwarzpulver experimentiert haben, um deren Wirkung zu steigern. Gegen F. wurde vor Jahren schon einmal wegen Mitgliedschaft in der Hooligan-Gruppierung Faust des Ostens ermittelt.

Der 30-Jährige ist gelernter Abwassertechniker und arbeitete wie S. bis zuletzt als Busfahrer. Wie S. soll er seine Fahrten dazu genutzt haben, um Ausländer zu überwachen. Wie S. trat er auch bei den Krawallen im sächsischen Heidenau in Erscheinung. In der Gruppe Freital gilt er als der Beobachter der linken Szene, er soll potenzielle Anschlagsziele ermittelt haben.

Die Gruppenmitglieder trafen sich regelmäßig bei Bockwurst und Bier an einer Aral-Tankstelle im Freitaler Ortsteil Deuben, wo mehrere von ihnen wohnten und die meisten der Taten verübt wurden. Die Gruppenmitglieder gingen nach Ansicht der Ermittler organisiert und arbeitsteilig vor und ordneten ihre persönlichen Ansichten dem Gruppenwillen unter.

Nach den Verhaftungen von S., F. und W. hatte die Dresdner Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2016 Anklage vor dem Amtsgericht erhoben – wegen des Einsatzes der Sprengkörper, Sachbeschädigung und Körperverletzung. Eine terroristische Gruppenstruktur wollten Polizei und Justiz nicht erkennen.



In wechselnden Besetzungen griffen die Angeklagten, so die Ermittler, unter anderem zwei Asylbewerberunterkünfte und ein linkes Wohnprojekt an. Sie nutzten dazu in Deutschland illegale Sprengkörper, die sie in Tschechien kauften. Teilweise bestreiten die Angeschuldigten eine Beteiligung.

Am 27. Juli 2015 sprengten die mutmaßlichen Täter den Golf des Freitaler Linken-Abgeordneten Michael Richter, der sich für Flüchtlinge engagiert. Das Fahrzeug erlitt Totalschaden, weitere Wagen wurden beschädigt.

In der Nacht vom 19. auf den 20. September 2015 sollen die Angeklagten am Küchenfenster einer Asylbewerberunterkunft auf der Bahnhofstraße Freital zwei Sprengkörper gezündet haben, darunter einen in Deutschland verbotenen mit Namen Cobra 12. Mauerwerk, Glas- und Kunststoffsplitter flogen umher. Verletzt wurde nur deshalb niemand, weil die acht Bewohner in anderen Räumen schliefen.

Am 20. September 2015 sollen die mutmaßlichen Täter die Schaufensterscheibe des Partei- und Abgeordnetenbüros der Linkspartei in Freital gesprengt haben, weil sich die Linke für Asylbewerber stark macht.

Am 18. Oktober 2015 soll die Gruppe gemeinsam mit zugereisten Unterstützern das linke Wohnprojekt Mangelwirtschaft auf der Overbeckstraße 26 in Dresden angegriffen haben. Sie schleuderten Steine und Böller ins Haus und sprengten eine Flasche mit Buttersäure, um das Haus unbewohnbar zu machen. Ein weiterer Sprengsatz dieser Art zündete aber nicht.

Am 31. Oktober 2015 soll die Gruppe an Fenstern im Erdgeschoss der Asylbewerberwohnung Wilsdruffer Straße 127 zeitgleich drei in Deutschland illegale Sprengkörper Cobra 12 gezündet haben. Die Explosion löste Teile der Fenster aus dem Mauerwerk, Glassplitter flogen umher und verletzten einen der Bewohner im Gesicht. Die drei anderen retteten sich in den Flur, nachdem einer die abbrennende Lunte bemerkt hatte.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-03/gruppe-freital-rechtsterror-gestaendnis-gericht-justin-sch-angeklagter#info-gruppe-freital-taten-5-tab

ZitatDer Abgeordnete Enrico Stange (Die Linke) stellte im Juli 2015 eine Kleine Anfrage (Drs. -Nr: 6/1818) zum ,,Thema: Bürgerwehr Freital". Innenminister Markus Ulbig antwortete, dass das Operative Abwehrzentrum in einem Verfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung (§ 224 StGB) gegen mehrere Beschuldigte, die zum Teil der ,,Bürgerwehr Freital" zuzurechnen seien, ermittle. Weiter teilte er mit: ,,Eine ,Bürgerwehr FTL / 360' ist kein Beobachtungsobjekt des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) Sachsen. Dem LfV Sachsen liegen keine Erkenntnisse über tatsächliche Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen einer ,Bürgerwehr FTL / 360' vor." Im November 2016 räumte die Staatsregierung ein, dass der sächsische Verfassungsschutz Kontakt zu mindestens einem Mitglied der Gruppe hatte.

Ein Zeuge hatte als Person aus dem Umfeld der Gruppe umfänglich über den mutmaßlich ersten Anschlag der Gruppe im September 2015 ausgesagt. Er habe Namen der Mitglieder der ,,Gruppe Freital" und die benutzten Chats preisgegeben. Er habe zudem erklärt, bei einem der Anschläge dabei gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft Sachsen sicherte dem Informanten laut Spiegel Vertraulichkeit zu. In seinem Vernehmungsprotokoll wurde vermerkt, dass der Informant sich mit einer Dienstmarke ausgewiesen habe.

Seit Januar 2017 ist bekannt, dass dagegen 3 Beamte des Dienstgeheimnisverrats verdächtigt werden, und die Ermittlungen dazu sehr zögerlich anliefen.
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerwehr_Freital

Kuddel

Ach! Welch Überrauschung! Die Bundeswehr ist in faschistoider Haufen. Tsss, tsss.
Der Thread hier ging immerhin schon 2013 online. Da hätten Medien und "Fachleute" einfach mal bei CD nachschauen können.

Ich schätze mal, das wird ebenso einschneidende Veränderungen nach sich ziehen, wie die Feststellung, daß der Verfassungsschutz eine faschistische Organisation ist, die sich an rassistischen Terroranschlägen beteiligt hat.

shitux

Echt " witzig" wie sich über die BW aufgeregt wird.

Nur mal nach schauen welche Leute beim Neuaufbau der Wehrmacht nach dem 2.Weltkrieg beteiligt war:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiederbewaffnung
ZitatDie Vorgesetzten praktisch aller Führungsebenen der neuen Bundeswehr waren aus ehemaligen Offizieren und Unteroffizieren der Wehrmacht,[2][3] darunter notgedrungen auch vormals überzeugten Anhängern des NS-Regimes, rekrutiert worden. Im Jahre 1959 waren von 14.900 Bundeswehroffizieren 12.360 bereits in der Reichswehr oder Wehrmacht zu Offizieren ernannt worden, 300 Offiziere entstammten der Waffen-SS.[4][5]

Bis in die Jüngste Vergangenheit waren einige Kasernen noch mit Namen aus dem 3. Reich bezeichnet. Selbst der Namenswechsel von Wehrmacht zu Bundeswehr ist nur halb durch geführt worden.

Eigentlich müssten sämtliche Schlagzeilen doch eher so aussehen:
"Die  Wehrmachtnachfolgeorganisation  hat Sympathien für Nazi´s" und nicht " Nazi´s sympathisieren mit der BW"





kuddel:
ZitatViel zu wenig Beachtung findet die "Gruppe Freital":
Mit Grauen denke ich dabei auch an die unwillige Justiz in Sachen " Sturm 34" in Mittweida.

ZitatRechtsextreme werden vom Staat gebraucht, geführt, benutzt.
Man könnte resigniert die Schulter zucken, da " nur weitere RECHTSstaatliche Organisationen" aber das hieße die selben Fehler von der Oma & Opa Generation zu wiederholen.  kotz
Kadavergehorsam begünstigt Verbrechen u. Verbrecher

counselor

Mir hat dieser Tage ein ehemaliger langjähriger Zeitsoldat geschrieben, dass es in jeder Einheit der BW, in denen er gedient hat, braune Umtriebe vorhanden waren. Das würde von den Kompaniechefs geduldet.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Rudolf Rocker

Die "Traditionspflege" und der positive Bezug auf die Wehrmacht (bei gleichzeitiger Ausblendung all ihrer Verbrechen) ist kein neues Phänomen bei der BW!

Kuddel


shitux

Kadavergehorsam begünstigt Verbrechen u. Verbrecher

shitux

http://www.stuttmann-karikaturen.de/karikaturen/2017/tarnflecken_b.jpg
Eine sehr treffende Karikatur!

Ich bin mir auch sicher, dass man so viel wusste, dass man lieber nicht weiter nach gefragt hat, um nicht noch mehr wissen zu müssen.

Kadavergehorsam begünstigt Verbrechen u. Verbrecher

counselor

Die sollten mal über die autoritäre Gesinnung bei der Bundeswehr reden!
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Die Situation ist wohl weitaus ernster, als wir ahnen.

ZitatDie Offiziere und die Neue Rechte

Extrem rechte Positionen sind in der Truppe kein Problem der niederen Dienstränge allein. Auch aus den höheren Rängen der Truppe sind immer wieder Sympathiebekundungen für neurechte Positionen zu hören.


Wenn es um die Frage geht, wie weit extrem rechte Positionen in der Bundeswehr verbreitet sind, stehen meist Soldaten mit niederen Dienstgraden im Mittelpunkt. Dabei gerät oft aus dem Blick, dass aus den höheren Rängen der Truppen immer wieder Sympathiebekundungen für neurechte oder geschichtsrevisionistische Positionen zu hören waren.

Zum Beispiel vom früheren Brigadegeneral Reinhard Günzel: Im Jahr 2003 löste der damalige CDU-Abgeordnete Martin Hohmann durch eine vielfach als antisemitisch kritisierte Rede zum Tag der Deutschen Einheit im Bundestag einen Skandal aus. Ein paar Wochen später erhielt Hohmann einen Brief von Günzel, Chef der Eliteeinheit KSK. Dieser dankte ihm darin für seinen ,,Mut zur Wahrheit" und schrieb unter anderem, Hohmann habe mit seinen Gedanken ,,der Mehrheit unseres Volkes eindeutig aus der Seele" gesprochen.

Einzelfall? Bis heute fallen immer wieder aktive und pensionierte Offiziere mit nationalkonservativen und geschichtsrevisionistischen Äußerungen und Veröffentlichungen auf. Nicht selten wird dabei auch eine Traditionslinie zur Wehrmacht beschworen. Ex-KSK-Chef Günzel etwa schrieb 2006 als Mitautor des Buches ,,Geheime Krieger", dass sich die Elitekämpfer des Kommandos Spezialkräfte vor allem in der Tradition der Wehrmachts-Sondereinheit ,,Brandenburger" sehen würden: ,,Das Selbstverständnis der deutschen Kommandotruppen hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht geändert."

Diese Gruppe publiziere in konservativen bis rechtsextremen Medien. ,,Hier verneinen sie die Singularität der Shoah und fordern ein ungebrochenes Traditionsverständnis zur Wehrmacht", sagte Berger.

Bereits 2007 habe überdies eine Studie gezeigt, dass unter den 2300 Studierenden der Bundeswehr-Universitäten fast jeder Siebte der sogenannten Neuen Rechten nahestand, die mit ihrem akademisch-intellektuellen Auftreten bewusst auch auf das elitäre Selbstverständnis von Berufssoldaten und Offizieren zielt. Die Publizistin Alice Brauner-Orthen verweist darauf, dass der Elitebegriff der Neuen Rechten, der das Militär einschließt, eng mit jenem der Burschenschaften zusammenhänge.

Die Annäherung der Neuen Rechten an die Bundeswehr wird dadurch erleichtert, dass viele hochrangige Ex-Offiziere sich deren politische Positionen zu eigen gemacht haben und sie öffentlichkeitswirksam vertreten.

Auch einer der wichtigsten aktuellen Protagonisten der Neuen Rechten ist Bundeswehroffizier
: Götz Kubitschek, Gründer der im Jahr 2000 entstandenen neurechten Denkfabrik Institut für Staatspolitik (IfS) im sachsen-anhaltischen Schnellroda. Kubitschek führte 1998 als Leutnant der Reserve einen Einsatzzug des Bataillons für Operative Informationen in Sarajevo. 2001 wurde er zunächst aus der Bundeswehr entlassen, nachdem seine Redaktionstätigkeit für die rechte Zeitung ,,Junge Freiheit" (JF) bekanntgeworden war. Nach einem von der JF initiierten ,,Appell an die Bundeswehr", den viele Offiziere und Reserve-Offiziere unterzeichnet hatten, wurde die Entlassung wieder aufgehoben. 2005 trug sein IfS den Aufruf ,,Gegen das Vergessen" mit, der sich gegen die Interpretation des 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung wandte. Unterzeichnet hatten auch zwölf pensionierte Bundeswehrgeneräle. Kubitschek ist zudem Chefredakteur des Theoriemagazins ,,Sezession", in dem maßgebliche neurechte Ideologen publizieren.

Zu den Autoren gehört auch Brigadegeneral a. D. Erich Vad. Das CDU-Mitglied referierte zudem in Kubitscheks IfS und schrieb unter anderem auch für die JF. In einem seiner Texte kritisierte er, dass in der damaligen Wehrmachts-Ausstellung ,,nicht hinreichend erkennbar (sei), dass vieles, was damals – insbesondere im Partisanenkrieg und bei Repressalien sowie Geiselerschießungen – geschah, vom damaligen Kriegsrecht gedeckt war". Bis zu seiner Außerdienststellung im Mai 2013 galt der heute 60-jährige Vad als der einflussreichste General in der Bundesrepublik – als Chef der Gruppe 22 in der Außen- und Sicherheitspolitischen Abteilung des Kanzleramtes war er der oberste Militärberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
http://www.fr.de/politik/bundeswehr-die-offiziere-und-die-neue-rechte-a-1276970

Man sollte sich die Situation einmal klarmachen: In der Bundeswehr leben die Werte der Wehrmacht weiter. Die reaktionären Kräfte sind gut organisiert und deren Netzwerke sind mit den politischen Eliten verbunden. Diese faschistischen Strukturen sind bewaffnet und sie träumen von der Machtübernahme.

Fritz Linow

Falls die noch nicht erwähnt wurden:

Franz Uhle-Wettler, Generalleutnant a. D.:
,,Als Autor militärhistorischer Bücher, zum Teil unter dem Pseudonym Ulrich Werner, und als Referent verbreitete er geschichtsrevisionistische Thesen. Dabei engagierte er sich für die Verteidigung des SS-Hauptsturmführers Erich Priebke, der 1994 in einem argentinischen Kurort aufgespürt wurde. Er veröffentlichte in rechtskonservativen Zeitschriften wie Junge Freiheit, Die Aula, Europa Vorn, Criticón und Ostpreußenblatt, aber auch im Spiegel."
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Uhle-Wettler

Reinhard Uhle-Wettler, Brigadegeneral a. D.:
1996 schrieb er in Nr. 44 der Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, gegen Deutschland werde ein ,,unerbittlicher Krieg aus dem Dunkel mit allen Formen von Täuschung, Hinterlist, Bestechung, Verrat, Verführung und psychologischer Kriegführung sowie von Gewalt jedweder Art bis hin zu Mord und heißem Krieg" geführt. Die NSDAP habe ,,für Volk und Nation und gegen Versailles" gekämpft. In der Gegenwart ginge es darum, ,,die inländischen Kollaborateure und Opportunisten abzulösen und den ausländischen Erpressern und Unterdrückern mit Klugheit und kühlem Kopf entgegenzutreten." Zum Holocaust meint er: ,,Wir haben zwar bis heute – anders als für die Vertreibung und die Kriegsgefangenen – noch keine amtliche Dokumentation über den Massenmord an den Juden. Keiner unserer Regierungen würde das wohl – ohne international organisierte Abstrafung – erlaubt werden. Aber warum ist es nicht möglich, eine internationale, neutrale Kommission einzusetzen, die die so genannte Offenkundigkeit des fürchterlichen Geschehens dokumentarisch belegt?"
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Uhle-Wettler

shitux

Hört ihr auch die Tendenz die sich langsam aber sicher einschleicht?
" Wir müssen die BW besser machen. "

So ein Satz erinnert mich an den Verfassungsschutz als das Thema NSU aufflog.
" Wir dürfen die Verfassungsschutzämter nicht auflösen sondern besser machen." Konsequenz war und ist, eine massive Aufstockung des Personals. Ehrhebliche Ausweitung der Möglichkeiten.

Mir schwant ähnliches bei der BW. " Seht wie toll es jetzt ist. Halten wir die gute Nachkriegstradition der BW hoch. Alles ist ab jetzt gut." So oder ähnlich.
Wenn alles gut ist kann man ja weiter töten- weltweit. Nur eben mit ein " paar" weniger Nazi´s. Wird evtl. sogar noch mehr " salonfähiger" für die Bevölkerung gemacht.

Sry- das Hauptproblem Weltweite Kriege führen ist absolut nicht vom Tisch.



Kadavergehorsam begünstigt Verbrechen u. Verbrecher

counselor

Auch ist das Hauptproblem der Bundeswehr nicht weg: Die autoritäre Gesinnung innerhalb der Armee.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

shitux

Genau- nichts ist oder wird irgendwie anders oder besser.
Klar sind Nazi´s nicht läppisch. Aber was ist das denn für eine Meldung, dass " ein Modellflugzeug gefunden wurde, welches einen Typ aus dem 3. Reich darstellt"?

Völlig irre.

Wahrscheinlich wird diese Nazilupen-Rethorik jetzt genutzt, um still und heimlich Waffen aller Art im großen Stil zu besorgen. Schaut ja z.Z. niemand so genau hinne.  kotz
Kadavergehorsam begünstigt Verbrechen u. Verbrecher

Kuddel

Zitat von: shitux am 07:11:55 Do. 18.Mai 2017
Sry- das Hauptproblem Weltweite Kriege führen ist absolut nicht vom Tisch.

Leider ist es nicht das einzige Hauptproblem.

Es gibt in der Bundeswehr ein weit verzweigtes rechtsradikales Netzwerk. Es handelt sich nicht um einen winzigen terroristischen Zusammenschluß, das Netz durchdringt die gesamte Truppe. Hier wird der gewaltsame Umsturz geplant.

Es war etwas anderes beim NSU. Es handelte sich um bewaffneten Terror gegen Migranten, um das gesellschaftliche Klima nach rechts schwenken zu lassen. Das hat gut geklappt und war relativ gut kontrollierbar. Um die kleine Terrorgruppe befand sich ein vielfaches an Geheimdienstleuten, die beraten haben und dafür sorgten, daß es in die richtige Richtung lief. Bei der Bundeswehr ist es etwas anderes. Hier könnte das, wovon wir nur einen winzigen Ausschnitt erfahren haben, aus dem Ruder laufen. Ein bewaffneter Putsch ist durchaus denkbar.

ZitatSeit dem Skandal um den den terrorverdächtigen Oberleutnant Franco A. laufen Ermittlungen zu verschwundenen Kriegswaffen der Bundeswehr. Laut einem Bericht gab es mehr Diebstähle als bisher angenommen.
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundeswehr-offenbar-mehr-waffen-verschwunden-als-bislang-angenommen/19831698.html

Der Skandal ist also um ein vielfaches heftiger, als die mediale Aufgeregtheit, die wir für einen Moment erleben. Ich sehe einen heftigen Machtkampf innerhalb der herrschenden Klasse. Die einen wollen den Kapitalismus retten durch die Einführung eines neuen faschistischen Systems, die anderen halten die Beibehaltung der parlamentarischen Demokratie für die bessere Option.

Auch wenn ich kein Fan der bürgerlichen Demokratie bin, ist der Faschismus keine Alternative oder "egal" unter dem Motto "Pest oder Cholera". Wir dürfen solche Entwicklungen nicht achselzuckend hinnehmen. Ich habe kein Problem mit einem Schulterschluß mit bürgerlichen Kräften in Medien, Politik und Justiz, wenn es denn hilft, gegen die rechten Netzwerke vorzugehen.

In den 70er Jahren sind viele Linke in die Bundeswehr gegangen, u.a. um den Gebrach der Waffe zu erlernen. Der MAD sah eine Bedrohung in der Entwickliung. Einige traten in der BW auch offen als Linke auf. Solch eine Gegenbewegung innerhalb der Truppe haben wir zur Zeit nicht.




Rudolf Rocker

ZitatEinige traten in der BW auch offen als Linke auf. Solch eine Gegenbewegung innerhalb der Truppe haben wir zur Zeit nicht.
Da spielt natürlich auch die Umwandlung von einer Wehrpflicht- Armee zu einer Freiwilligen- Armee eine große Rolle.
Eine Freiwilligen- oder Berufsarmee zieht erstmal ein "gewisses Klientel" an Menschen an. Der gesamte autoritäre Aufbau dieses Vereins zieht eben grade Leute an, die auf sowas stehen.

Kuddel

Zitat von: Rudolf Rocker am 13:21:08 So. 21.Mai 2017
... zieht erstmal ein "gewisses Klientel" an Menschen an. Der gesamte autoritäre Aufbau dieses Vereins zieht eben grade Leute an, die auf sowas stehen.

Absolut!
Es scheint, weder wir, noch die Demokratiebefürworter innerhalb des Systems, haben eine Antwort darauf.

counselor

Genau Rudi!  Deswegen hatte ich oben auf die autoritäre Gesinnung in der Truppe hingewiesen. Ein idealer Nährboden für den  Faschismus!
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Hopsala!
ZitatGesagt hatte der Offizier bei einem Lehrgang angeblich: "Ich habe es so satt, dass 200.000 Soldaten unter Generalverdacht gestellt werden, wegen zwei Verrückten. Die Ministerin ist bei mir unten durch, das muss man ansprechen oder putschen."
https://www.heise.de/tp/features/Von-der-Leyen-schickt-Militaergeheimdienst-gegen-wuetenden-Bundeswehroffizier-3722844.html

Kuddel

Zitat"Ein dämlicher Macho-Kult"

Ehemaliger Gefreiter des Logistik-Bataillons 104 in Pfreimd, 24 Jahre:


Irgendwann habe ich die ganzen Nazi-Sprüche nicht mehr ausgehalten und den Dienst quittiert. In sechs Monaten Wehrdienst ist mir klar geworden, dass ich wieder zurück an die Uni gehen möchte, anstatt mich um eine Offizierslaufbahn zu bemühen. Denn es stimmt, was die Leute sagen: Seit dem Wegfall der Wehrpflicht ist die Truppe zu einem Sammelbecken für Chauvinisten und Rechtsradikale geworden. Da wollte ich nicht dazugehören.
http://www.zeit.de/2017/22/bundeswehr-soldaten-wehrmacht-rassismus-rechtsextremismus

Kuddel


Kuddel

ZitatBundeswehr
Soldat hortete Tausende Schuss Munition auf der Stube

Die Bundeswehr ermittelt erneut wegen Waffendiebstahl, dieses Mal in Hannover. Nach SPIEGEL-Informationen hatte dort ein Soldat Tausende Schuss Munition in seinem Spind gelagert.


An der Schule fanden Vorgesetzte am vergangenen Dienstag insgesamt 2321 Patronen Gefechtsmunition für Handwaffen, 630 Patronen Übungsmunition und fünf Übungsgranaten im Spind des Soldaten.

Der Soldat war nur aufgefallen, weil er einer Kameradin angeboten hatte, mit der gestohlenen Munition zu schießen.

In den vergangenen Jahren waren bei der Truppe immer wieder scharfe Waffen abhandengekommen. Laut einer internen Aufstellung des Wehrressorts fehlten nach Schießübungen der Truppe im Jahr 2015 drei G36-Sturmgewehre, zwei G3- Gewehre und eine P8-Pistole. Im Jahr darauf wurden zwei G36, eine P8 und drei Signalpistolen als verschwunden gemeldet.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-soldat-hortete-tausende-schuss-munition-auf-der-stube-a-1156421.html

ManOfConstantSorrow

Hier etwas über die Braune Tradition der Bundeswehr (der Fisch stinkt vom Kopf her!).

ZitatLängerer Hals erwünscht
Der erste Generalinspekteur der Bundeswehr ist zu Unrecht dem Strick entkommen. Seinen 120. Geburtstag feiert Adolf Heusinger heute in der Hölle



Lagebesprechung im Führerhauptquartier, Rastenburg (Ostpreußen) im Oktober 1941: Adolf Hitler, der Chef des OKW, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, der Chef des Generalstabes des Heeres, Generaloberst Franz Halder, der Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, und Generalstabsoffizier General Adolf Heusinger, später erster Generalinspekteur der Bundeswehr, v. l. n. r.
Foto: jW-Archiv


Ich war noch immer ein kleiner Nazi in einem unterfränkischen Dorf, als ich 1946 im Alter von elf Jahren begann, das Progymnasium in Hammelburg zu besuchen. Ich schwärmte für den »Führer« und seine Wehrmacht, und vom verlorenen Krieg erfuhr ich im Lateinunterricht bei der etwas zögerlichen Übersetzung des »Dulce et decorum pro patria mori« (Süß und ehrenvoll ist's fürs Vaterland zu sterben). Aber immer wenn ich mit meinen kindischen Nazitiraden im Deutschunterricht anfing, begann ich mich zu schämen unter dem skeptischen Lächeln und den geduldigen Nachfragen des Studienrats Halbig. Den Rest besorgte das komfortable Amerikahaus mit seinen Büchern und Zeitschriften, in dem ich oft stundenlang auf die Rückfahrt nach Euerdorf wartete. So verlor ich den Hitler in mir und warf seine Bakelitsoldaten – zu jedem Christfest hatte ich einen Karton von dem Zeug bekommen – in den Müll. Ich ahnte nicht, dass einer schon dabei war, sie aus dem Dreck zu holen.

Das ist über siebzig Jahre her. Am Montag vergangener Woche kam die hauptsächlich mit ihrer Verteidigung beschäftigte Ministerin Ursula von der Leyen nach Hammelburg zur General-Heusinger-Kaserne in der Rommelstraße. Ich war nie dort im Lager Hammelburg oder Bonnland, wie es damals hieß. Flüchtlinge wurden auf dem ehemaligen Übungsgelände der Hitler-Wehrmacht samt Kriegsgefangenenlager untergebracht. Von der Leyen hatte, nachdem eine Terrorzelle in der Bundeswehr entdeckt worden war, zielsicher die Botschaft verkündet, dass die Wehrmacht nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sein dürfe. Michael Wolffsohn, bis 2012 eher rechts stehender Dozent an der Universität der Bundeswehr in München, pflichtete ihr bei und ermahnte die Soldaten, jetzt nicht »beleidigte Leberwurst« zu spielen. Wo rechtsextremistische Einzelfälle sich häuften, seien es eben »keine Einzelfälle mehr«. In Berlin sprachen beide noch am 20. Juli gemeinsam auf der Rekrutenvereidigung samt Feierlichem Gelöbnis und dem kuriosen quasireligiösen Zapfenstreich. Aber vier Tage später in Hammelburg hatte Wolffsohns Zuspruch, dass der Wehrmachtsgeneral Adolf Heusinger nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sei, bei der Ministerin ein Haltungsproblem ausgelöst.

Wolffsohn monierte: Bei der Vergangenheit des Generals und verschiedenen seiner Entscheidungen auf hoher Wehrmachtsebene melde er entschiedene Zweifel an. Die Ministerin schien zuzustimmen. Die Mainpost vor dem Besuch in Hammelburg am 18.5.: »Noch ist unklar, wie weit Ursula von der Leyen mit ihrer Kampagne gegen Wehrmachtsnostalgie geht.« Die Mainpost nach der Visite: »Die umstrittene Benennung einer Kaserne für übende Truppen in Hammelburg nach Adolf Heusinger verteidigte von der Leyen. Der erste General und spätere Generalinspekteur habe entscheidend dazu beigetragen, die Bundeswehr in der Demokratie zu verankern. Von seiner Vergangenheit in der Wehrmacht habe sich Heusinger ausreichend distanziert, so die Ministerin.« Ausreichend. Das ist die neue Bodenhaltung von Ministerin und Bundeswehr.

Nichts gelernt vor Verdun

Heute hat der am 4. August 1897 in Holzminden geborene Adolf Heusinger seinen 120. Geburtstag. Noch immer künden Straßennamen von dem Mann, der ein halbes Jahrhundert lang erschreckend erfolgreich vier deutschen Regimen gedient hat. Als Siebzehnjähriger mit Notabitur griff Klein-Adolf für seinen Kaiser freiwillig zur Waffe, zwei Verwundungen vor Verdun und in Flandern brachten ihn nicht zur Vernunft: Nach seiner Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft machte er unter Ebert und Hindenburg unverdrossen in der Reichswehr weiter. Als Hitler an die Macht geholt wurde, war Heusinger eigentlich schon drei Jahre illegal, denn er diente seit 1930 als Generalstabsoffizier in der Operationsabteilung des Truppenamtes. Truppenamt – das war die Tarnbezeichnung für den durch den Versailler Vertrag noch immer mit gutem Grund verbotenen deutschen Generalstab.

Ab dem 15. Oktober 1940 war er Chef der Operationsabteilung des Generalstabes im Oberkommando des Heeres (OKH), die mit der strategischen und operativen Führung der Heeresverbände befasst war. Heusinger war maßgeblich auch an der Vorbereitung des für den Sommer 1942 geplanten »Fall Blau« beteiligt. Zuvor hatten er und der Chef des Generalstabs, Franz Halder, sich bei Adolf Hitler im Konflikt über die Richtung dieses »Zweiten Feldzuges in Russland« nicht durchsetzen können. Beide hätten einem Stoß in Richtung Moskau anstatt Stalingrad und Kaukasus den Vorzug gegeben. Immerhin Halder und Heusinger waren sich mit Hitler einig, dass der Krieg in Russland als »Vernichtungskampf« geführt werden sollte.

Im Jahr 1963, als Ludwig Erhard Bundeskanzler wurde, der 1944 ebenso innig mit dem ehemaligen SS-Einsatzguppenführer Otto Ohlendorf bereits an der Nachkriegswirtschaftsordnung »mit einem aktiven und wagemutigen Unternehmertum« arbeitete wie Heusinger mit Hitler am Endsieg, 1963 also bekam Adolf Heusinger das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik mit Stern und Schulterband. Es war sehr taktvoll, dass es sich hier um einen hohen Orden handelte, der an der Schulter zu tragen war. Und nicht am Hals. Scherzeshalber hatte Heusinger einmal geäußert, um die vielen Halsorden zu tragen, die er sich im Laufe seines kriegerischen Lebens erwarb, sei sein Hals nicht lang genug – jener des Erhard-Partners Ohlendorf wurde ausreichend lang, als der wegen seiner Kriegsverbrechen (90.000 Exekutionen) 1951 gehenkt wurde. Im Unterschied zu Ohlendorf hatte Heusinger seine Morde an Zivilisten als Chef der Bandenbekämpfung am Schreibtisch und nicht direkt an oder hinter der Front begangen.

Gründungsvater der Bundeswehr


Mit eigener Hand haben aber weder Ohlendorf noch Heusinger Zivilisten oder Partisanen umgebracht, sie erteilten nur die Befehle. Von dem Militärhistoriker Georg Meyer gibt es eine dicke von der Bundeswehr finanzierte Biographie Heusingers unter dem Titel »Dienst eines deutschen Soldaten 1915–1964«, die 2001 erschien. Johannes Hürter, Abteilungsleiter für die NS-Zeit im Münchener Institut für Zeitgeschichte (IfZ) kritisierte in der FAZ vom 29.12.2001, Meyer wolle »die Prädestination seines Helden zum weisen Gründungsvater der Bundeswehr bereits für die Zeit vor 1945 zeigen«. Hürter lässt keinen Zweifel: »Dass Heusinger als operativer Kopf des Generalstabs mitverantwortlich war für die katastrophale Fehlplanung eines Blitzfeldzugs im Osten, wird fast völlig unterschlagen (...) Seit August 1942 koordinierte Heusinger die brutale ›Bandenbekämpfung‹ und erwies sich auch dabei als militärischer Funktionär, der die ›Kriegsnotwendigkeiten‹ über Sentiments stellte. Sein Vorschlag einer ›rücksichtslosen Evakuierung eines Streifens von 50 Kilometern auf beiden Seiten‹ der Nachschublinien wurde zwar nicht verwirklicht, steht aber gegen die Behauptung Meyers, Heusinger habe die Bevölkerung im Operationsgebiet ›verständnisvoll‹ behandeln wollen. Für die ›innere Distanzierung‹ Heusingers von Hitler, der seinen Sachverstand sehr schätzte, fehlen die eindeutigen Belege. Die steigende Sorge um den Kriegsverlauf darf nicht mit grundsätzlicher Opposition verwechselt werden. Auch wenn Heusinger von den Vorbereitungen der Verschwörer gewusst haben mag, kann er nicht zum Widerstand des 20. Juli gezählt werden.«

Beim Attentat stand Heusinger unmittelbar neben Hitler und wurde verletzt. Im Lazarett verhaftete ihn die Gestapo. Was er über die Verschwörer ausgesagt hat, ist unbekannt. Er verfasste für Hitler eine Denkschrift. Inhalt ebenso unbekannt. Jedenfalls wurde er bald wieder aus der Haft entlassen. Und Hitler empfing ihn im September 1944 zu einer Abschiedsaudienz, das Gespräch ist nur in Heusingers romanhaftem Erinnerungsbuch »Befehl im Widerstreit« von 1950 wiedergegeben:

»Hitler, gebeugt und müde, gibt Heusinger die Hand und sieht ihn lange an: Es tut mir leid, dass auch Sie in die Untersuchung verwickelt waren. Aber ich konnte da nicht eingreifen.

Generalleutnant Heusinger: Es war eine schwere Zeit für mich ...


Hitler: Ich habe Ihre Denkschrift aus der Haftzeit studiert. Ich danke Ihnen dafür. Es ist die einzige zusammenhängende Kritik, die ich über meine Maßnahmen während des Krieges zu lesen bekommen habe.«

Nein, hier darf man nichts verwechseln – der wahre Wortlaut des Gesprächs zwischen dem Führer und seinem obersten Bandenbekämpfungschef ist nicht protokolliert. Aber 1945 verwirklichte Hitler noch die Idee eines »Volkssturms« von Kindern und Greisen, den ihm Heusinger schon 1943 vergebens vorgeschlagen hatte.

Die Nachkriegszeit fand Heusinger, wenn sie ihn suchte, in der Historical Division wieder. Dort lagen für die USA bewährte Nazigenerale auf Halde, um auf ihre Wiederverwendungsfähigkeit geprüft zu werden. Inzwischen vertrieben sie sich dort ihre Zeit mit geschichtlichen Abhandlungen über ihr Wirken im Zweiten Weltkrieg.

Wahres Herrentum

Chef war der Generaloberst Franz Halder, dem Heusinger schon unter Hitler unterstellt war. Der wollte lieber Geschichte machen als Geschichte schreiben. Und so desertierte er aus der Historical Division nach Pullach zu einem anderen alten Bekannten, dem Spionagegeneral Reinhard Gehlen, ehemals Chef von Fremde Heere Ost. Aber nicht, um ebenfalls Spionage zu treiben, sondern um etwas neu aufzubauen. Halder, der vielleicht die Zusammenhänge nicht ganz begriff, zeigte sich ein wenig pikiert. Heusinger verbinde »hervorragendes militärisches Können mit einer Anpassungsfähigkeit«, die »wahrem Herrentum fremd ist«. Und gerade das habe ihn »besonders geeignet« gemacht, an die Spitze der neuen Bundeswehr zu treten, schreibt der Biograph Georg Meyer. Aber soweit sind wir noch nicht, auch wenn das der Zweck von Heusingers Abgang nach Pullach war. Dort gab es jedenfalls einen, der Heusinger »wahres Herrentum« bestätigte.

James Critchfield, der zwanzig Jahre jüngere CIA-Aufpasser der im Pullacher Untergrund operierenden Organisation Gehlen war dem erfahrenen Nazigeneral auch intellektuell unterlegen. Aber manches fiel ihm doch auf. Plötzlich gab es beachtliche Verstärkung im Pullacher Untergrund. Critchfield hielt Gehlen vor, »meine Gruppe habe die Ankunft vieler uns unbekannter Deutscher beobachtet und dabei festgestellt, dass es sich zumeist um ehemalige Offiziere handelte, von denen viele über keinerlei nachrichtendienstliche Erfahrungen verfügten«. Nachlesen lässt sich das in den 2005 unter dem Titel »Auftrag Pullach« erschienenen Erinnerungen des US-Verbindungsoffiziers.

Einige Tage nach der Ankunft lud »Dr. Horn«, wie sich Heusinger jetzt stets vorstellte, von dessen wahrer Identität Critchfield aber inzwischen erfahren hatte, den US-Amerikaner »zweifellos auf Betreiben Gehlens, nach dem Abendessen zu einem Glas Wein ein«. Und dabei erfuhr der die Wahrheit, dass Heusingers Anwesenheit in Pullach einem »ganz anderen Zweck« diente.


Allzeit bereit. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am 24. Juli zu Besuch in der General-Heusinger-Kaserne in Hammelburg

Wegen der unverblümten Benennung dieses Zweckes machte sich der Mann von der CIA bald Sorgen. »Eines Tages fragte ich Heusinger, warum er nicht einen eindeutigeren und weniger schwerfälligen Begriff verwendete als den der ›Remilitarisierung‹«. Critchfield besorgt: »Der Begriff war lang und in gewisser Weise missverständlich und war zudem in Nachkriegsdeutschland negativ belastet.« Warum er denn nicht den Begriff »Wiederbewaffnung« benutze? Hitlers General, noch lange nicht außer Diensten, beschied seinen jungen CIA-Aufpasser: Es seien »gerade die Amerikaner gewesen, die Deutschland und der deutschen Sprache den Begriff Demilitarisierung aufgezwungen hatten«. Heusinger, nun von Kopf bis Sohle ganz der wahre Herr: »Die Umkehr dieses Vorgangs ist logischerweise die Remilitarisierung«.

Aus Heusinger brach der ganze Frust über den verlorenen Krieg heraus: Die deutsche Öffentlichkeit – vor allem die ehemaligen Wehrmachtsangehörigen – sei »einem konsequenten Programm der Demilitarisierung ausgesetzt« gewesen. Angefangen von den »rigorosen Bedingungen der Verfügung 1067 der Vereinten Stabchefs« der USA, die im April 1945 vorsah, dass in dem Krieg, den Hitler den USA erklärt hatte, die Richtlinie gilt: »Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke der Befreiung, sondern als besiegter Feindstaat.«

Und dann auch noch die Bestimmungen von Jalta, Potsdam und des Alliierten Kontrollrats und der Militärregierung. Demilitarisierung, wohin man blickte. Obendrein gab es noch die Kriegsverbrecherprozesse (an denen Heusinger freilich nur als Zeuge und keineswegs als Angeklagter teilnehmen durfte). Nein, so Heusinger zu Critchfield: »Die Remilitarisierung bedurfte eines Wandels in der öffentlichen Meinung.«

An diesem Wandel übte sich genau zur gleichen Zeit der Wehrmachtsleutnant Rudolf Augstein mit einer Beschwörung des toten Volksaufklärungsministers Joseph Goebbels. Ebenfalls unter einem Decknamen, aber ohne Dr., fragt also Augstein alias »Jens Daniel« am 2. Oktober 1948 in seiner ersten Spiegel-Kolumne: »Soll man die Deutschen bewaffnen?«

Er fand einen besonderen Dreh: »Manche Fragen liegen so gefährlich in der Luft, dass niemand sie zu stellen wagt. So tief steckt die Welt noch im Ressentiment, dass lediglich schweizerische Außenseiter den Versuchsballon haben steigen lassen, ob man den Deutschen, dem Volk Hitlers, Waffen in die Hand geben dürfe zur Verteidigung einer Lebensform, die schon Hitler auszulöschen trachtete. Soll man die Deutschen bewaffnen?«
Lügendoktor hat recht behalten

Seine Antwort stützte sich schließlich auf den toten Propagandaminister: »Es ist maßlos traurig, dass der wohlmeinende Pazifismus Nürnberger Prägung schon drei Jahre nach Kriegsende in einer Sackgasse festsitzt. Es ist traurig, aber nicht überraschend. Der kleine Lügendoktor hat mit seiner bösesten Prophezeiung recht behalten. Aber wer den Kopf ressentimental in den Sand steckt, den überrollen die Panzer.« Den überrollen die Panzer. Das wusste der wohlunterrichtete Spiegel-Chef. Woher?

James Critchfield schrieb über Gehlen: »Er war derjenige, der Fremde Heere Ost als eine Trumpfkarte ansah, die es auszuspielen galt, um eine goldene Brücke nach Westen in ein antibolschewistisches Bündnis zu bauen, mit dem Westeuropa verteidigt werden konnte.« Gehlen habe von Anfang an »eine ganze Anzahl junger erfahrener Generalstabsoffiziere um sich geschart, die nur zeitlich begrenzt mit dem einen Ziel in die Organisation Gehlen eintraten, erneut die militärische Laufbahn zu beschreiten«.

Über Heusinger: »Die ›Organisation Gehlen‹ war für Heusinger die ideale Ausgangsbasis und ein geschütztes und politisches Umfeld gewesen, in dem er die Grundlagen für die Wiederbewaffnung vorbereiten konnte.«

Streng geheim: »Alle in der Organisation Gehlen angestellten Wehrmachtsoffiziere waren während ihrer Tätigkeit in Pullach mit einer eigenen Legende ausgestattet und den dazugehörigen Papieren versehen worden.«

Eine Scheinidentität: »Die offiziellen Unterlagen der Bundeswehr sagen zum Beispiel über General Adolf Heusinger aus, dass er sich in den Jahren 1948 bis 1951 als Schriftsteller betätigte, seine Stellung innerhalb der ›Organisation Gehlen‹ wird nicht erwähnt.« Diese Untergrundtätigkeit zur Remilitarisierung Westdeutschlands unterschlägt die Webseite der Bundeswehr in ihren biographischen Angaben zu Heusinger bis heute.

Und da haben wir das magische Dreieck für die Zeit nach der »Katastrophe« von 1945: Generaloberst Halder, der nunmehrige Geschichtsschreiber: Er beweist, dass die Wehrmacht nur durch Hilters Pfusch am Endsieg gehindert wurde. Generalleutnant Heusinger, der im Untergrund die Wehrmacht als neue Bundeswehr wiederaufbaute. Und Generalmajor Gehlen, der den dazugehörigen Kalten Krieg erst so richtig ermöglichte.

Sorgfältig hatte der Chef von Fremde Heere Ost von allen Aussagen, die er aus gefangenen Sowjetsoldaten für jedes Bedürfnis herausfoltern ließ, Kopien angefertigt und versteckt. Er lief im Mai 1945 mit seinen Leuten zu den US-Amerikanern über und erzählte ihnen, dass 175 frische sowjetische Divisionen bereitstünden, um – zunächst – bis zum Atlantik vorzustoßen. Die US-Militärs, die wenig Erkenntnisse über die Sowjets hatten, schluckten das – einige begierig. Die Organisation Gehlen und der Kalte Krieg waren geboren. Im Schutz der von der CIA geführten Organisation Gehlen machte sich Heusinger ans Werk, ein Jahr bevor es überhaupt eine Bundesrepublik Deutschland gab.

Desgleichen Augstein. Gleich nach seiner Kolumne vom Lügendoktor, der doch recht behalten hat, machte sich Augstein auf den Weg zu den auf freiem Fuß befindlichen Nazigeneralen, um zu erkunden, was man tun könne. An einem Novemberabend im Jahr 1948 fiel er unangemeldet in Adenauers Haus ein und meldete: Alle von ihm konsultierten deutschen Militärs seien übereinstimmend der Meinung, dass 30 deutsche Divisionen nötig seien. »Das ist auch meine Schätzung«, antwortete Konrad Adenauer, der damals noch nicht Bundeskanzler, sondern als Präsident des Parlamentarischen Rates oberster Volksvertreter war. »Die neue deutsche Armee wurde nicht gegründet, um den Bonner Staat zu schützen, sondern der neue Staat wurde gegründet, um eine Armee gegen die Sowjets ins Feld zu stellen ...« Das schrieb Augstein 1961 in dem Sammelband »Bilanz der Bundesrepublik«.

Ursula von der Leyen, die Ministerin zu ihrer Verteidigung, die gerade noch Fisimatenten machen wollte, wird nach ihrer Hammelburg-Visite von voriger Woche in ihrem wohlverstandenen Interesse Adolf Heusinger weiterhin als den legitimen Vater der Deutschen Bundeswehr anerkennen müssen.

Entscheidendes aber blieb Heusinger versagt. Er fuhr – wohlverdient – am 30. November 1982 zur Hölle. Den Ausbruch der Armee der Einheit durfte er nicht mehr miterleben. Auch nicht ihren ersten großen Sieg in dem von Adolf Hitler eröffneten und von Gerhard Schröder und Joseph Fischer weitergeführten Krieg zur Zerschlagung Jugoslawiens. Das wäre seinen brechenden Augen eine große Freude gewesen. Denn war es nicht so, dass die Notwendigkeit, Jugoslawien zu bestrafen, den von Heusinger ebenfalls ausgearbeiteten Feldzug um entscheidende Wochen hinauszögerte? Wochen, in denen General Winter sich dann auf die Seite Stalins schlug – Moskau in Sichtweite der deutschen Truppen blieb unerreichbar.
https://www.jungewelt.de/artikel/315736.l%C3%A4ngerer-hals-erw%C3%BCnscht.html

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

ZitatAus braunem Geist erschaffen

Die Bundeswehr wurde von Generälen Hitlers von Anfang an als Aggressionsarmee aufgebaut. Es ging und geht um die Verwirklichung der Expansionsziele des deutschen Imperialismus

Von Gerhard Feldbauer


»Ein Unrechtsregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begründen«, heißt es im gültigen Traditionserlass der Bundeswehr von 1982, der die Bezüge auf Hitlers Armee zurückweist. Das von der Wehrmacht verwendete »Schwarze Kreuz« gilt leicht verändert dennoch weiterhin als Hoheitszeichen der Bundeswehr ...

Um den in jüngster Zeit wieder bekannt gewordenen Zuständen über die braune Vergangenheit ihrer Truppe zu entgegnen, behauptete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, der Widerstand der Offiziere um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 das Attentat gegen Hitler ausführte, sei das Fundament der Bundeswehr seit ihrer Gründung im Jahre 1955. Mit dieser infamen Lüge betätigt sich von der Leyen als Geschichtsfälscherin. Denn außer einer 1961 im baden-württembergischen Sigmaringen nach Stauffenberg benannten Kaserne, die 2014 aufgelöst wurde, spielte dieser in der Traditionspflege der Bundeswehr bisher kaum eine Rolle. Im Gegenteil berief sich noch 2010 ein vom Heeresamt der deutschen Streitkräfte herausgegebenes Handbuch mit »Hilfen für den Gefechtsdienst« fast ausschließlich auf Operationen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Angeführt wurde dort unter anderem SS-Obersturmbannführer Paul Karl Schmidt (Paul Carell), bis 1945 ­Pressechef im Auswärtigen Amt Joachim von Ribbentrops. Und auch das mittlerweile im »Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften« aufgegangene »Militärgeschichtliche Forschungsamt« der Bundeswehr bezog sich in einem »Wegweiser« für die deutschen Besatzungstruppen in Afghanistan positiv auf Hitler-Militärs. Über den glühenden Antisemiten und Afghanistan-Reisenden Oskar Ritter von Niedermayer hieß es dort, er repräsentiere die »guten deutsch-afghanischen Beziehungen« vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Geist und die Praxis der Armee, deren Aufstellung schon kurz nach der Entstehung der Bundesrepublik eingeleitet wurde, wurde von ihren Gründervätern bestimmt. Zu ihnen gehörte Hitler-General Hasso von Manteuffel, der im November 1949 Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Studie zur Aufstellung einer Armee aus kriegserfahrenen ehemaligen Wehrmachtssoldaten übergab. Im August 1950 übernahm der frühere General der Panzertruppen, Gerhard Graf von Schwerin, die zentrale Planung. Zwei Monate später beauftragte Adenauer seinen Parteifreund, Wehrmachtsoberstleutnant Theodor Blank, das nach ihm benannte Amt zur Leitung des Aufbaus einer neuen Wehrmacht zu bilden. Im Juni 1955 – sieben Monate vor den entsprechenden Maßnahmen in der DDR – wurde es zum Verteidigungsministerium. Im Bundestag gab Blank die geplante Stärke der Streitkräfte mit 370.000 Mann beim Heer, 70.000 bei der Luftwaffe, 24.000 bei der Marine und 40.000 Soldaten bei der Territorialarmee, der bis 1969 bestehenden, vierten Teilstreitkraft, bekannt. Es wurden weitere 44 ausgewählte ehemalige Wehrmachtsgeneräle eingestellt, vorwiegend Generalstabsoffiziere, kommandierende Generäle oder Divisionskommandeure, die bis 1945 zur jüngeren Wehrmachtselite gehört hatten. Adolf Heusinger und Hans Speidel wurden zu Generalleutnanten ernannt. Alle 104 zu dieser Zeit in der Bundeswehr aktiven Generäle und Admirale hatten unter Hitler gedient.

Militaristen und Nazis

Zu den Gründungsvätern der Bundeswehr zählten fanatische Militaristen wie Heinz Trettner, Johann Adolf Graf von Kielmansegg oder Karl-Adolf Zenker. Hermann Görings Jagdflieger in der Legion »Condor«, Johannes Trautloft, baute die Bundesluftwaffe mit auf. Er wurde kommandierender General der Luftwaffengruppe Süd und erhielt zum Spanienkreuz in Gold das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Er gründete die Traditionsgemeinschaft »Legion Condor«, deren Wirken, »der bundesdeutschen Jugend als Vorbild dienen« sollte. In seinen Memoiren »Als Jagdflieger in Spanien« ist von »uralten Jagdinstinkten«, die durchgebrochen seien, die Rede. Nach Tieffliegerangriffen auf Toledo beschrieb er, wie MG-Garben in den Feind einschlugen und Lastwagen sich überschlugen. »Wohl nichts vermag den Soldaten tiefer zu befriedigen als der Anblick einer kopflosen, panischen Flucht des Feindes.«

Zum Vergleich sei angeführt, dass in der Nationalen Volksarmee und vorher der Kasernierten Volkspolizei der DDR (denen man gerne vorwirft, sie wären ebenfalls mit einem hohen Anteil an Angehörigen der Wehrmacht aufgebaut worden), zwischen 1948 und 1958 neun Wehrmachtsgeneräle dienten. Von den über 18.000 Offizieren waren 1956 nur noch rund 540 zuvor bei der Wehrmacht gewesen. 1959 waren es noch 163. Bis 1964 reduzierte sich deren Zahl im aktiven Dienst auf 67. In der BRD kam dagegen noch 1979 jeder zweite der 215 aktiven Generäle und Admirale aus der Wehrmacht. Ganz zu schweigen vom entgegengesetzten Geist, der in beiden Armeen herrschte.

Wehrmachtsoffiziere gibt es in der Bundeswehr heute nicht mehr. Das Problem hat sich auf biologische Weise gelöst. Geblieben ist die unbewältigte braune Vergangenheit, von der Kasernennamen, Lieder und andere Traditionen sowie der an neue Generationen weitergegebene faschistische Ungeist, der sich immer wieder bemerkbar macht, zeugen. Das zeigte sich auch, als 1990 mit dem Anschluss der DDR 299 Namen insbesondere von Antifaschisten getilgt wurden, nach denen zuvor Kasernen benannt gewesen waren, darunter Rudolf Breitscheid, Wilhelm Leuschner, Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack. Und »natürlich« Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Zu ihnen gehörte auch der Name des Kommunisten Hans Beimler, der nach der Flucht aus dem KZ Dachau zur Verteidigung der Republik gegen die Franco-Faschisten und ihre deutschen Helfershelfer nach Spanien ging, wo er am 1. Dezember 1936 vor Madrid fiel.

Kriegsverbrecher

Mit ihrem alten Truppenabzeichen, dem Edelweiß dagegen wurde die 1. Gebirgsdivision in die Bundeswehr übernommen. Der frühere bayerische Ministerpräsident, Edmund Stoiber, der seinen Grundwehrdienst bei den Gebirgsjägern abgeleistet hatte, lobte »ihre Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart«. Zu diesen »Leistungen« gehören die im September 1943, nach dem Ausscheiden Italiens aus dem faschistischen Bündnis mit Hitlerdeutschland, auf der griechischen Insel Kefalonia an ihre Entwaffnung verweigernden italienischen Soldaten und Offizieren begangenen Kriegsverbrechen. Als die Division »Acqui« am 22. September kapitulierte, wurden der Divisionskommandeur und 189 Offiziere sowie über 5.000 Soldaten niedergemetzelt. Der Freiburger Militärhistoriker Gerhard Schreiber betonte in seinem Buch »Deutsche Kriegsverbrechen in Italien«, es habe sich um »eines der abscheulichsten Kriegsverbrechen in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges« gehandelt. Der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg stellte fest, die italienischen Truppen, die sich der Entwaffnung widersetzten, »erfüllten hinsichtlich ihres Status als Kriegführende alle Bedingungen der Haager Konvention«. Der kommandierende General des XXII. Gebirgsarmeekorps, Hubert Lanz, wurde 1948 in Nürnberg als Kriegsverbrecher zu zwölf Jahren verurteilt. Er büßte davon nur fünf ab.

Bei der 1. Gebirgsdivision der Bundeswehr reihte man Lanz ohne mit der Wimper zu zucken in die eigene Traditionslinie ein. Major Reinhold Klebe, unter dessen Kommando in Kefalonia 400 Gefangene ermordet wurden, brachte es als Oberstleutnant sogar bis zum Standortältesten von Mittenwald. In der Zeitschrift Die Gebirgstruppe rühmte er den Einsatz auf der griechischen Insel »als eine große Leistung deutscher Truppen im Gebirgskrieg«. Der erste Generalstabsoffizier der Edelweiß-Division Hitlers, Karl Wilhelm Thilo, wurde Drei-Sterne-General. Unter den unzähligen deutschen Verantwortlichen für Kriegsverbrechen, die straffrei ausgingen, befanden sich auch 300 Gebirgsjäger, gegen die 1972 die Ermittlungen eingestellt wurden. Der frühere Wehrmachtsoberst Albert Schnez, der zum Generalleutnant und Heeresinspekteur der Bundeswehr aufstieg, forderte noch im Dezember 1969 öffentlich, die »Kampfbataillone und -kompanien des letzten Krieges« als »Vorbild« der Bundeswehr anzuerkennen.

»Kriegsschule Vietnam«


Die große Stunde kam für die Bundesrepublik und ihre neue Wehrmacht mit dem Krieg der USA gegen Vietnam. Nach zwei verheerenden Niederlagen in von ihm angezettelten Weltkriegen wollte sich der deutsche Imperialismus als Hauptverbündeter der USA profilieren, seine Rolle in der NATO stärken, die Aufhebung noch vorhandener Rüstungsbeschränkungen durchsetzen sowie Mitspracherechte und Verfügungsgewalt über Atomwaffen erlangen. Im Rahmen der US-Strategie des »Rollback« des Sozialismus konnte die Bundesrepublik ihre eigenen revanchistischen Expansionsziele, die sich auf die DDR und andere »verlorene« Ostgebiete erstreckten, vertreten und, wie Die Welt am 23. Mai 1964 schrieb, dazu in Vietnam »lernen, wie heute Kriege geführt werden«. In der Zeitschrift Wehr und Wirtschaft, sprach man im August 1965 von der »Kriegsschule Vietnam«, dem »Probefall Vietnam«, der zu »waffentechnischen Überlegungen« anrege und Erfahrungen beispielsweise darüber vermittle, wie heute »taktischer Luftkrieg am besten« geführt werde. Die Welt empfahl am 11. August 1965, sich angesichts anhaltender Niederlagen der US-Armee »an die grobe Faustregel des Panzergenerals Guderian (zu) halten: nicht kleckern, klotzen!« Bundespräsident Heinrich Lübke, am Bau der faschistischen Konzentrationslager beteiligt, gratulierte US-Präsident Lyndon B. Johnson zu den ersten Terrorangriffen auf Hanoi am 29. Juni 1966 und wünschte, der Luftterror möge »von Erfolg gekrönt sein«. Wirtschaftswunder-Kanzler Ludwig Erhard ließ am 1. Juli 1966 »alle Maßnahmen der Amerikaner« gutheißen. Springers Westberliner B. Z. schrieb am 18. Juli, notwendig sei »ein kompromissloser Krieg, der auch vor Fabriken, Häfen, Bewässerungsanlagen und Staudämmen nicht mehr halt macht«. So wurde schon rund vier Jahrzehnte zuvor der Boden für kriegsverbrecherische Befehle bereitet, wie sie der 1961 geborene Bundeswehr-Oberst Georg Klein im September 2009 in Kundus zur Ermordung von mehr als 142 Menschen, vor allem Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, erteilte.

Als Verteidigungsminister sprach sich der frühere SA-Mann Gerhard Schröder von der CDU laut Spiegel (4/1966) »für eine Entsendung deutscher Soldaten auf den fernöstlichen Kriegsschauplatz« aus. Der Hessische Rundfunk meldete danach am 22. Februar, die Bundesrepublik wolle zwei Divisionen nach Vietnam schicken. Wenn es nicht dazu kam, war das einzig und allein auf die zunehmende westdeutsche Solidaritätsbewegung und die Proteste auch auf internationaler Ebene gegen den verbrecherischen Krieg zurückzuführen.


... und auch die zahlreichen Skandale, die eine aktive Traditionspflege mit Bezug auf die Wehrmacht in Teilen der Bundeswehr belegen, sprechen eine andere ­Sprache – großer Zapfenstreich anlässlich der Verabschiedung von General Werner Freers am 27.6.2017 in Berlin

Verdeckt beteiligte sich die Bundesrepublik dennoch am Vietnamkrieg. Das US-Magazin Time berichtete am 23. Juli 1965 über »deutsche Piloten« in Vietnam. Drei Tage später bestätigte dies auch eine »Panorama«-Sendung der ARD, gestützt auf Äußerungen einer Mutter, deren Sohn als Fliegeroffizier vom Februar bis April 1965 in Vietnam eingesetzt war. Die Zahl der Angehörigen der Luftwaffe, die Angriffe in Vietnam flogen, wurde zu dieser Zeit auf 121 beziffert. Personal der Luftstreitkräfte hatte dazu nach Beginn des Luftkrieges gegen die Demokratische Republik Vietnam vom Herbst 1964 bis Februar 1965 eine Spezialausbildung in den USA absolviert. Die Pariser Tageszeitung Le Monde berichtete am 8. September 1965 über Werbung in Bundeswehr-Kasernen für den Kriegseinsatz in Vietnam. Einfachen Soldaten werde ein Monatssold von 2.000 DM geboten und schnelle Beförderung versprochen, hieß es. Die Deutsche Presse-Agentur meldete am 2. August 1966, dass eine »Anzahl deutscher Staatsbürger in den amerikanischen Einheiten in Südvietnam eingesetzt« sei. United Press International informierte am 12. Januar 1966, der Einsatz gehöre zu einem vom Kabinett Ludwig Erhards beschlossenen »breit angelegten Hilfsprogramm für Südvietnam«. Der in Bonn erscheinende Informationsdienst RF-World News bestätigte am 8. Februar 1966, dass sich zu diesem Zeitpunkt rund 2.500 westdeutsche Techniker in Südvietnam befanden, darunter zahlreiche Angehörige der Bundeswehr. Als der Generalinspekteur der Luftwaffe, Johannes Steinhoff, Ritterkreuzträger und Geschwader-Kommandeur Görings, im Februar 1967 die USA besuchte, sagte er einen weiteren verstärkten Einsatz westdeutscher Piloten in Vietnam zu. Danach schickte Bonn u. a. 40 Kampfhubschrauber samt Flugpersonal für den Kriegseinsatz in Fernost.

»Erschießt sie alle!«

Einem AP-Bericht mit Fotos vom 7. Februar 1967 war zu entnehmen, wie ein Rudolf Heinrich aus Westberlin als Captain der 1. US-Infanteriedivision an der Vernichtung von Dörfern und der Liquidierung und Vertreibung von Einwohnern bei Saigon teilnahm. In der Illustrierten Quick schilderte im März 1966 ein Dierk Piffko aus München die »Durchsuchung« eines Dorfes: »Wir stießen auf ein altes Ehepaar, einer von uns schoss auf sie, wohl aus Langeweile oder wie jemand, der auf Hasenjagd geht. Ich schrie: Macht keine Gefangenen, erschießt sie alle!«.

Eine Panorama-Sendung vom 28. Februar 1966 berichtete, das Personal des deutschen Lazarettschiffes »Helgoland« nehme mit amerikanischen Offizieren in Hubschraubern zum »Sonntagsvergnügen« an »Vietcong-Jagden« teil. Auch der chemische Krieg in Vietnam wurde von der Bundesrepublik unterstützt. In ihrer Juli-Ausgabe 1966 schrieb die Londoner Zeitschrift Eastern World über die Mitarbeit westdeutscher Chemiker und Bakteriologen, u. a. von den Farbwerken Hoechst AG, in einer Sondereinheit der US-Armee, die in Südvietnam ein mobiles Forschungsinstitut für bakteriologische und chemische Kriegführung betrieb, das am »lebenden Objekt« neue Kampfstoffe teste. Auch Eastern World erwähnte das Lazarettschiff »Helgoland«, auf dem, in den Bordlisten als Sanitätspersonal getarnt, eine Gruppe westdeutscher Chemiker und Bakteriologen, die in Wirklichkeit zu der amerikanischen Sondereinheit gehörten, tätig sei. Die Pariser France Nouvelle hatte am 6. Juli 1965 berichtet, dass die Bayer AG den USA mehrere Patente für die Herstellung chemischer Kampfstoffe verkauft und über ihre US-Filiale Chamagro Corporation in Kansas City auch direkt Giftstoffe lieferte, die das US-Chemical-Corps in Vietnam einsetze.

1990: Die Schranken fallen

Seit dem Ende der DDR geht von deutschem Boden wieder Krieg aus, was im nachhinein die friedenssichernde Rolle des sozialistischen deutschen Staates verdeutlicht. Bereits im September 1991 trafen sich auf einem »Fürstenfeldbrucker Symposium« führende Vertreter der Industrie- und Bankenwelt mit hochrangigen Generälen der Bonner Hardthöhe, um das neue Expansionsprogramm zu beraten. Es verkündete die Rückkehr zu weltweiter Aggressionspolitik als Wiederherstellung der »Normalität« Deutschlands und umschrieb die Teilnahme am Kampf um den Weltherrschaft als »Partner in Leadership« mit den USA. Unmissverständlich war von Militäreinsätzen der Bundeswehr »Out of Area« die Rede, von ihrer Umstrukturierung zur Herstellung der Einsatzfähigkeit entlang einer 4.000 Kilometer langen EU-Außengrenze, der Bildung eigener Eingreifkräfte, die bei der Durchsetzung des »Selbstbestimmungsrechts« von Minderheiten und »unterdrückten« Völkern helfen sowie sich der Sicherung von Rohstoffzufuhren, der Abwehr von Immigrationswellen und diversen ähnlichen Problemen zuwenden sollten. Dazu wurde ein neues Geschichtsbild gefordert. Der damalige Außenminister und frühere Bundesnachrichtendienst-Chef Klaus Kinkel formulierte, dass es um die Verwirklichung der alten deutschen Weltherrschaftspläne ging. »Im Inneren müssen wir wieder ein Volk werden, nach außen gilt es etwas zu vollbringen, woran wir zweimal zuvor gescheitert sind: Im Einklang mit unseren Nachbarn zu einer Rolle zu finden, die unseren Wünschen und unserem Potenzial entspricht«, zitierte ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 19. März 1993.

Den Worten folgten Taten. Mit der einseitigen völkerrechtlichen Anerkennung der Abspaltung Kroatiens und Sloweniens ging von der BRD die Initiative zur Zerschlagung Jugoslawiens aus. Die Weigerung von Präsident Slobodan Milosevic, das Abkommen von Rambouillet zu unterzeichnen, wurde zum Vorwand des Luftkrieges der NATO gegen Jugoslawien genommen. Am 6. April 1999, dem 55. Jahrestag der Bombardierung Belgrads durch Hitlers Luftwaffe, beteiligten sich deutsche »Tornados« mit dem Balkenkreuz an den Angriffen auf die jugoslawische Hauptstadt. In der Bergbaustadt Aleksinac wurden die Minenarbeiter und deren Familien angegriffen und ein ganzes Wohnviertel dem Erdboden gleichgemacht. Auch auf Novi Sad, Nis, Pristina und andere Städte ging ein Hagel von Bomben und Raketen nieder. Mit der Zerstückelung Jugoslawiens wurde nicht nur ein vom Westen bis dahin gepriesenes, weil »von Moskau unabhängiges« Sozialismusmodell zerschlagen, sondern auch ein Staat beseitigt, der für Neutralität stand und eine bedeutende Rolle unter den Nichtpaktgebundenen Staaten spielte sowie über großen Einfluss in der »Dritten Welt« verfügte.

Danach stellte die BRD für den völkerrechtswidrigen »Präventivkrieg« der USA gegen Irak ihr Territorium zur Verfügung. 25 US-Stützpunkte konnten logistisch für den Transport von 40.000 GI genutzt werden. Darunter Ramstein, der größte Umschlagplatz der U.S.-Air Force in Europa, die Rhein-Main-Airbase, die zweite US-Luftdrehscheibe, Spangdahlem in der Eifel. Die Luftwaffe stationierte im türkischen Incirlik AWACS-Maschinen (die derzeit wegen des Konflikts mit Recep Tayyip Erdogan nach Jordanien verlegt werden), lieferte der Türkei, einer Aufmarschbasis gegen den Irak, »Patriot«-Luftabwehrraketen, unterstützte die Besatzungstruppen mit ihren ABC-Spürpanzern »Fuchs« in Kuwait, gewährte mit der Bundesmarine Geleitschutz für US-Kriegstransporte und ließ die 62 Kasernen und Militäreinrichtungen der rund 70.000 US-Soldaten in der BRD durch 3.700 Bundeswehr-Angehörige bewachen.

Interventionsarmee

Und so ging und geht es weiter. Die Bundeswehr ist heute weltweit in zirka 30 Ländern an völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Kriegseinsätzen beteiligt, darunter in Kosovo (Kfor), in Bosnien und Herzegowina (Eufor), am Horn von Afrika (»Enduring Freedom«), in Äthiopien, Eritrea, Sudan, Somalia, Mali (wo gerade wieder zwei Bundeswehr-Soldaten ums Leben kamen). Deutsche Militärs stehen in Polen und Litauen an den Grenzen Russlands und in Georgien. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler brüstete sich zum 50. Jahrestag der Bundeswehr, dass die Truppe seit 1992 bei neun Einsätzen 150.000 Soldaten ins Ausland geschickt habe, die Hälfte davon nach Afghanistan. Mit diesen »Operationen« agiert die BRD als führende und treibende Kraft der EU mit dem Ziel, den Staatenbund mit 450 Millionen Menschen und fast einem Viertel der Weltwirtschaftskapazität in eine Militärallianz mit einer weltweit interventionsfähigen schnellen Einsatztruppe zu formieren, um den USA in absehbarer Zeit im Kampf um die Weltherrschaft Paroli zu bieten. Es ist eine Entwicklung, die die Gefahr eines Dritten Weltkrieges heraufbeschwört.
https://www.jungewelt.de/artikel/315667.aus-braunem-geist-erschaffen.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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