Mieter organisieren, wie?

Begonnen von dejavu, 04:26:57 Fr. 02.Januar 2015

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dejavu

In dem Haus in dem ich wohne lässt der Vermieter alles vergammeln.

Das Treppenhaus sieht aus wie Schwein, bestimmt seit 30 Jahren nicht mehr Renoviert. Die Farbe blättert von Wänden Decken und Türen, die Treppenhausbeleuchtung funktioniert nach dem Zufallsprinzip.
Durch das Dach heult der Wind wie ein Rudel sibirischer Wölfe. Teilweise werden leerstehende Wohnungen nicht mehr vermietet.
Die niemals gereinigten Regenrinnen haben sich zu einer Brutstätte von Mücken aller Art entwickelt.

Beschwerden einzelner haben bislang anscheinend nicht viel gefruchtet, alle haben irgendwie die Schnauze voll.
Kennt ihr Beispiele erfolgreicher Aktionen bei denen Mieter gemeinsam und organisiert gegen derartige Zustände vorgegegangen sind?
Ich hab gerade vor, eine von vielen, möglichst allen Mietern unterschriebene Aufforderung an den Vermieter zu schicken.
Meint ihr das das Sinn macht? Was kann man noch tun?
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

Hochseefischer

Ist einer von Euch Mietern im Mieterverein? Falls ja, dann diesen Mieter den Mieterverein fragen lassen, was getan werden kann in dieser Sache. Vielleicht ordnet der Mieterverein diesem Euren Mitmieter ja einen Anwalt zu, und der schreibt Euren Vermieter in der Sache ja mal an.

Ein solcher Anwalt vertritt aber wahrscheinlich nur die Interessen desjenigen Mitmieters, der Mitglied im Mieterverein ist. Also nicht die Interessen aller Mieter in Eurem Haus.

Das kann aber nicht schaden. Gleichzeitig würde ich die Unterschriftenaktion aller Mieter gegen die Missstände im Haus vorantreiben. So kriegt dann der Vermieter a) Post vom Anwalt des einzelnen Mitmieters und b) die Unterschriftensammlung von allen Mietern.

Und der Mitmieter, der Mitglied im Mieterverein ist, der kann die anderen Mitmieter ja über rechtliche Infos informieren, die er vom Mieterverein bzw. von seinem Anwalt bekommt. Auch das könnte weiterhelfen.

Rudolf Rocker

Ich bin seid letztem Jahr Mitglied im Deutschen Mieterbund (DMB).
Eingetreten bin ich, weil der Verdacht bestand, das die Betriebskostenabrechnung nicht korrekt ist. Das war auch so, ich hab 100 Euro wiederbekommen! (Interessanterweise genau die Summe, die ich angeblich nachzahlen sollte.)
Damit hatte ich dann den Mitgliedsbeitrag wieder raus; der liegt nämlich bei 75€ im Jahr + eine einmalige Aufnahmegebühr von 20€.
Ist eine ganz schöne Stange Geld, aber ich denke, das es sich lohnt.
Als ich unseren Immobilienhai angeschrieben habe, haben die mich komplett ignoriert, aber als der DMB die angeschrieben hat sind die sofort eingeknickt.

Wir haben vor ein paar Jahren mal erfolgreiche Unterschriftenaktionen gemacht. Bei einer wollte uns der Vermieter die Nutzung des Dachbodens untersagen und dann gab es das noch eine, ich kann mich aber grade nicht daran erinnern worum es da ging!
Beides war jedefalls erfolgreich.

Das war aber zu einer Zeit, wo wir hier noch "sozialer Wohnungsbau" waren. Das ganze wurde nun aber an eine "Investmentfirma" verkauft und keiner weiß, wer eigentlich der Käufer ist!
Du wendest Dich mit Deinen Angelegenheiten also immer an eine Hausverwaltung. Diese Hausverwaltung wendet sich an ihre Hauptgeschäftstelle und diese dann an den Eigentümer (oder eben auch nicht).
Ich vermute mal, das das bei Dir so ähnlich ist dejavu!
Trotzdem: Unterschriftenaktion würde ich versuchen und gleichzeitig Mieterbund einschalten.

Just B U

Hallo alle,

ich kann. aus eigener Erfahrung, jedem Mieter - der keine pivate Rechtschutzversicherung hat - raten in den Mieterverein einzutreten, das ist wirklich Gold wert!

Ich habe seit Jahren immer wieder Probleme mit den Vermietern meiner Wohnung und bin SO froh, das es den MV gibt...die haben mir schon oft sehr wirksam geholfen.   ;D

Leider haben die Vermieter meiner Wohnung ( arrogante Familie, 2. Generation) ) eine Art "Gutsherren-Manier" oder Feudalherrschafts-Allüren, und werden hochgradig fies und unsachlich, wenn ein Mieter nicht alles unkritisch hinnimmt bzw. neben seinen Pflichten auch seine Rechte kennt (z. B. auf Mietminderung bei Beinnträchtigung der Wohnqualität) und müssen dazu noch immer das "letzte Wort" haben, und sei es noch so unsachlich, unverschämt und/oder rechtlich falsch...

Ich war bis jetzt in allen Angelegenheiten zu ca. 98 % im  Recht bzw. habe Recht gehabt/bekommen. Nur das akzeptieren sie leider nicht.
Bzw. ist wohl für sie unerträglich...

Solch ekelhafte und widerliche Menschen traf ich bis jetzt nur im "job"center.   kotz

Ich denke Ihr habt per se schon mal das Recht auf eine Mietminderung falls der Vermieter nach einer Aufforderung diese Schäden und Beeinträchtigungen bis zu einer best. Frist (üblicherweise 2 bis 4 Wochen)  nicht behoben hat.

Das sind allerdings "nur"  meine Erfahrungswerte.

Erkundigt Euch bei Fachleuten (Anwalt, Mieterverein) , dann seid Ihr auf der sicheren Seite.
Die Dummheit der Einen ist die Macht der Anderen.
Je dümmer u. desinteressierter die Einen desto mächtiger die Anderen.

Hätte man den christlichen Klerus mit der gleichen Vehemenz verteidigt, wie Teile der Linken das heute mit dem islamischen tun, hätte die Aufklärung nie stattgefunden.
Seyran

dr.gscheidle

Sehr geehrte/r/s Herr/Frau/Fräulein dejavu,

wenn das alles so schlimm ist, warum legen Sie nicht selbst Hand an? Ihr Vermieter hat sicherlich nichts dagegen, wenn Sie sich selbst um die Renovierung des Treppenhauses oder die Reinigung der Regenrinne kümmern! Und wenn es doch so schlimm ist, warum ziehen Sie dann nicht aus? Es gibt genügend freien Wohnraum, z.B. auch bald wieder im Haus meiner Eltern, wenn ich meine unredlichen Mieter endlich herausgeekelt habe, was dank meines schönen Schildes "Hurenhaus", das ich über dem Eingang habe anbringen können, bald der Fall sein wird!

Immer diese fürchterlich anspruchsvollen deutschen Mieter! Immer jammern, aber selbst nichts tun wollen und irgendwelche dubiosen "Rechte" einklagen, welche von geschmierten Sozen-Richtern dann auch noch durchgewinkt werden! Stellen Sie sich vor: Als ich meine derzeitigen Mietern kündigen wollte, da sie nachweislich dieser widerwärtigen, unhygienischen und extrem unredlichen sogenannten "Sechs"-Sache da nachgegangen sind (was ich nachweisen konnte, da ich bei meiner letzten Hausbegehung, die ich in Abwesenheit der Mieter heimlich mit dem Nachschlüssel durchgeführt habe, eine Packung diabolischer sogenannter "Kondome" gefunden habe; mir ist zwar die Funktionsweise dieser Dinger nicht klar, aber ich weiß genau, dass man sie zu dieser fürchterlichen "Sechs"-Sache benötigt), und das im Haus meiner immer keuschen Eltern, hat irgendein Sozen-Richter ihnen doch tatsächlich Recht gegeben! Und als ich danach hilfsweise zu einer Verzehnfachung der Miete griff, hat ein anderer Sozen-Richter das ebenfalls untersagt!

Offenbar sind wir längst im diabolischen Sozialismus angekommen, in dem ein armer, geplagter Vermieter nicht nur nicht mehr über sein Eigentum verfügen kann und die letzten Menschen (z.B. Sechs-Praktizierer, Krachmusikhörer oder sogar Tätowierte!) bei sich wohnen lassen muss, sondern sich von diesen garstigen Gestalten auch noch vorschreiben lassen soll, wann er an der Mietsache etwas zu reparieren hat - so eine Unverschämtheit!

Dr. Diethelm Gscheidle
(löblicher und toleranter Vermieter, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
Ich bin ein löblicher Mensch - daher sind meine Beiträge redlich und anglizismenfrei.

Hochseefischer

 Jetzt wiederum denke ich mir wieder, dass unser Doktor ein ausgebuffter Satiriker ist.

Just B U

Ein Satiriker der offensichtlich Langeweile hat und dringend Aufmerksamkeit braucht?

;D
Die Dummheit der Einen ist die Macht der Anderen.
Je dümmer u. desinteressierter die Einen desto mächtiger die Anderen.

Hätte man den christlichen Klerus mit der gleichen Vehemenz verteidigt, wie Teile der Linken das heute mit dem islamischen tun, hätte die Aufklärung nie stattgefunden.
Seyran

ethos07

Wer in Berlin lebt, dem empfehle ich eher die MieterGemeinschaft als den Mieterverein - erstere ist zwar auch nicht unumstritten in der 'Szene' aber insgesamt doch eher noch in der linken Bewegung beheimatet.  www.bmgev de

Sie hilft auch bei der Organsiation von Hausversammlungen  und ist mit rechtskundigen Leuts dann  mit dabei.

Übrigens gut zu wissen:
Das Jobcenter übernimmt die Mitgliedsbeiträge bzw. die Kosten für eine Mietrechtsschutzversicherung! - also eintreten und Antrag auf Kostenerstattung stellen! 
Zumindest in Berlin ist das so - aber falls anderswo nicht, könnte man das dort ev. mit Hinweis auf Berlin (Gleichbehandlungsgebot) einklagen -

Und zur Sicherheit, vorher nochmals im JC nachfragen, ob's noch stimmt; ich hab diese  Info nämlich schon vor etwas längerer Zeit aufgeschnappt.. :-))

MichaC

ZitatDas Jobcenter übernimmt die Mitgliedsbeiträge bzw. die Kosten für eine Mietrechtsschutzversicherung! - ...
Zumindest in Berlin ist das so

Sehr gute Nachricht, ist mir neu!
@ethos07 - Kannst du eine Quelle benennen? Vor ca. 3 Jahren habe ich mich schon mal um diese Frage gekümmert, aber leider die umgekehrte Antwort erhalten (Nicht in Berlin, aber in anderen Bundesländern).

Die anderen Tips kann ich bestätigen: Mietrechtsschutzversicherung wie beschrieben besorgen (es lohnt sich!), wenn möglich/vorhanden lokale Mieterinitiative aufsuchen. Mit denen kann man auch offen und ehrlich reden.
In nahezu jeder größeren Stadt gibt es diese, in Berlin z.B. in der Innenstadt nahezu in jedem Stadtbezirk (außer Mitte, da gibts nur noch glückliche Eigentumsbesitzer). Aber selbst in Außenbezirken haben sich hier schon welche gegründet.
Und sonst - selber eine gründen, andere Betroffene gibt es überall.

Anstrengend wird es werden - aber es lohnt sich!

dagobert

Zitat von: MichaC am 13:23:56 Fr. 30.Januar 2015
ZitatDas Jobcenter übernimmt die Mitgliedsbeiträge bzw. die Kosten für eine Mietrechtsschutzversicherung! - ...
Zumindest in Berlin ist das so

Sehr gute Nachricht, ist mir neu!
@ethos07 - Kannst du eine Quelle benennen? Vor ca. 3 Jahren habe ich mich schon mal um diese Frage gekümmert, aber leider die umgekehrte Antwort erhalten (Nicht in Berlin, aber in anderen Bundesländern).
Das ist regional unterschiedlich, einige JC übernehmen die Beiträge zum Mieterverein, andere nicht.
"Ich glaube, daß man nichts vom Krieg mehr wüßte,
wenn wer ihn will, ihn auch am meisten spürt."
Udo Jürgens (Ich glaube, 1968)

Rudolf Rocker

ZitatDas ist regional unterschiedlich, einige JC übernehmen die Beiträge zum Mieterverein, andere nicht.
Gibt es dafür eine Rechtsgrundlage? ::)


*Edit (alte Hexe!)*

Das habe ich dazu gefunden:


http://archiv.linksfraktion-nrw.de/fileadmin/lv/dokumente/Kommunalinfos/memo.mitgliedbeitraege.mieterverein.pdf

https://www.elo-forum.org/archiv-news-diskussionen-tagespresse/56901-jobcenter-hannover-zahlt-beitraege-mieterbund.html

Kuddel


Kuddel

ZitatDiese Wohnung ist besetzt



Zwei Familien sind in leerstehende Wohnungen eingezogen. Ohne Mietvertrag. Hausfriedensbruch ist eine Straftat, betont die Stuttgarter Stadtverwaltung. Sympathisanten betrachten die Besetzung als längst überfällige Protestform gegen Gentrifizierung und Mietwucher. Ein Besuch vor Ort.


Rosevita ist entwurzelt worden. "Wie ein Häufchen Asche" hat sie sich gefühlt, nach zwei Jahren vergeblicher Wohnungssuche. Sie zündet sich eine Zigarette an und erzählt. Von dem Gefühl, auf Besichtigungsterminen mit vierzig anderen in einem kleinen Zimmer zusammengedrängt zu stehen, wenn "man so vielen anmerkt, wie verzweifelt sie suchen". Davon, wie sich Mieter entblößen und erniedrigen müssen, um ihre Chancen auf dem Markt zu verbessern. Schufa, Einkommensnachweis, und eine intime Selbstauskunft, die freiwillig genannt wird, und ohne die man es gleich vergessen kann, sofern sie vom Vermieter in spe verlangt wird.



Schlimmer noch sei es aber, berichtet Rosevita und seufzt tief, Tag für Tag Anfragen rauszuschicken und überhaupt keine Antwort zu bekommen. Das sei leider die Regel: "Viele hören 'Mutter mit Kind', und das genügt dann schon: Du bist raus!" Jetzt befindet sie sich in einer Situation, die sie noch vor wenigen Monaten für unmöglich gehalten hätte: Vergangenen Samstag sind sie und ihr neunjähriger Sohn zu Hausbesetzern geworden.
weiter:
https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/370/diese-wohnung-ist-besetzt-5066.html

Kuddel

ZitatWohnungsnot in den Städten
»Besetzungen sind ein legitimes Mittel des Widerstandes«

Es werden wieder Häuser in Deutschland besetzt - jedoch nicht von klassischen Linksradikalen. Für den Autor Armin Kuhn sind die Besetzungen heute vor allem ein »Akt der Notwehr« gegen Wohnungsnot und spekulativen Leerstand.


Ein Revival ist vielleicht ein bisschen zu viel gesagt, aber erstaunlich ist es schon. Was besonders interessant ist: Die Besetzungen der letzten Monate haben sich nicht in der typischen Szene bewegt. Lange Zeit war ein linksradikaler Freiraum-Gedanken prägend, das ist nun anders. Das lässt hoffen, dass Hausbesetzungen wieder ein Mittel für städtische Kämpfe werden.

Da sind auch Linksradikale dabei, aber zusammen mit Leuten, die vorher nicht unbedingt verdächtig für dieses Thema waren. In Stuttgart haben Familien mit Kindern das Haus besetzt und sind sogar in die Wohnungen eingezogen. Getragen wird die Besetzung von einem breiten Bündnis, das von Initiativen über Verbände bis hin zur örtlichen LINKEN reicht. In Göttingen entstand die Besetzung im Unterstützerkreis der Geflüchtetenbewegung. Im letzten Jahr gab es in Bochum eine Besetzung, die von einem Nachbarschaftsnetzwerk getragen wurde.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1088558.wohnungsnot-in-den-staedten-besetzungen-sind-ein-legitimes-mittel-des-widerstandes.html

Fritz Linow

Zitat20.5.18
Frühling der Besetzungen hat begonnen

Aktivisten besetzen Haus in Berlin-Neukölln / Ziel ist eine »radikale Intervention« gegen Verdrängung und Wohnungsnot
(...)
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1088677.protest-gegen-wohnungsnot-fruehling-der-besetzungen-hat-begonnen.html

https://besetzen.noblogs.org/

Kuddel

ZitatZwei der besetzten Häuser geräumt – Aktivisten werfen Polizei Gewalt vor

Am Pfingstsonntag wurden mehrere leer stehende Häuser in verschiedenen Berliner Bezirken besetzt. Die Polizei räumte in der Nacht zu Montag zwei der Häuser. Die Aktivisten werfen den Einsatzkräfte vor, Personen verletzt zu haben.
https://www.welt.de/vermischtes/article176536691/Berlin-Acht-Haeuser-besetzt-Aktivisten-werfen-Polizei-Gewalt-vor.html

Die Polizei, der bewaffnete Arm der Spekulantenmafia.

Kuddel

ZitatDemonstration für mehr bezahlbare Wohnungen



Gegen rasant steigende Mieten und fehlenden sozialen Wohnungsbau in Hamburg haben am Sonnabend Tausende in der Innenstadt demonstriert. Während die Polizei von rund 3000 Teilnehmern sprach, nannten die Organisatoren die Zahl von 8000 Demonstranten.
https://www.tageblatt.de/lokales/hamburg/hamburg-artikel_artikel,-Demonstration-fuer-mehr-bezahlbare-Wohnungen-_arid,1371347.html

Klaus-Peter

Weil die 3 Punkte weiter oben im Thread, etwas kurz sind, eine ausführlichere Anleitung wie man sich mit seinen Nachbar_innen wehren kann.

Von einem Flyer der Berliner Mietergemeinschaft zitiert:
10-Punkte-Sofortprogramm bei Gentrifizierung

Die Mieten in Berlin steigen weiter. Trotz der Mietpreisbremse. Trotz der Zweckentfremdungsverbotsverordnung. Neben dem Neubauwahnsinn wächst der Verwertungsdruck auf die Mieter_innen massivst:
Die letzten unsanierten Häuser werden saniert, letzte ungedämmte Häuser werden gedämmt und die letzten Mieter_innen aus diesen Häusern verdrängt.

Was können wir dagegen machen? Druck!

Viele Mieter_innen sind schockiert, wenn sie eines Tages die "böse" Post im Briefkasten finden. Hier ist ein in der Praxis erprobtes Zehn-Punkte-Sofort-Programm:

1. Rechtsschutzversicherung: z.B. Mietergemeinschaft e. V. bzw. Mieterverein beitreten.

2. Nachbar_innen: Sprecht eure Nachbar_innen an. Haben sie auch eine Modernisierungsankündigung oder eine andere "böse" Post erhalten?

3. hausversammlung: Eine/n auf das Mietrecht spezialisierte/n Anwältin/Anwalt einladen und sich über die juristischen Möglichkeiten informieren.

4. Gemeinschaft: E-Mail-Verteiler, SMS-Kette oder Taubenpost einrichten. Jour fix ausmachen. Aufgaben verteilen. Auf Maulwürfe achten!

5. Solidarität: Nachbar_innen bei den Wohnungsbesichtigungen durch Makler, Eigentümer und Handwerker als Zeug_innen unterstützen. Als Publikum bei den Gerichtsverhandlungen der Nachbar_innen anwesend sein.

6. Presse: Sich schriftlich oder persönlich an die Presse wenden. Lokale Presse, Tageszeitungen, Fernsehen, Radio, Blogs. Ergreift die Initiative! Sprecht die Medien an!

7. Blog: Werdet selber zur Presse! Informiert regelmäßig die Öffentlichkeit über den Stand der Dinge. Blogt sachlich, korrekt und nur darüber, was ihr 100% nachweisen könnt.

8. Politik: Vertreter der politischen Parteien aufsuchen, (am Besten unangekündigt in ihren Büros) und sie über den Sachverhalt informieren. Vorhandene politische Instrumente nutzen, z. B. Einwohnerfragestunde, Ausschüsse, BVV-Tagungen.

9. Vernetzung: Kontakt zu anderen Mietergemeinschaften und stadteilinitiativen suchen, aufbauen und pflegen.

10. Engagement: Wichtige Informationen und know-how mit anderen Betroffenen austauschen. Mit anderen Initiativen zusammenarbeiten. Kräfte bündeln! Einen Finger kann man brechen, aber eine Faust niemals!

Kuddel

Hier ein Beispiel aus der Bremer Praxis. Ein Flyer aus dem migrantisch geprägten Gröpelingen.
Das Faltblatt fand viel Zuspruch und war der Beginn vieler Gespräche auf der Straße.





Der nächste Schritt ist dann eine Mieterversammlung.



Kuddel


ManOfConstantSorrow

Zitat Wütende Mieter ziehen durch Berlin

Mehr als 35.000 Menschen haben in Berlin gegen hohe Mieten und Verdrängung demonstriert. In Kreuzberg wurde ein Laden besetzt.



...Über die Karl-Marx-Allee ging es Richtung Kreuzberg. Am Nachmittag erreichte der Zug die Arena Berlin an der Puschkinalllee in Treptow und endete friedlich bei Musik und Tanz. Dort trafen die Mieter auch auf ihr Feindbild: In der Arena fand zeitgleich eine Immobilienmesse statt, an der auch Investoren teilnahmen. Bis vor den Eingang der Messe durften die Demonstranten allerdings nicht ziehen. Die Eichenstraße und der Haupteingang mussten aus Brandschutzgründen frei bleiben, hieß es seitens der Polizei.
...
https://www.morgenpost.de/berlin/article216849573/Mietenwahnsinn-Demo-in-Berlin-35-000-Menschen-machen-ihrer-Wut-Luft.html

ZitatKurdische Frauenbewegung auf Mietenstopp-Demonstration

An der gestrigen Großdemonstration ,,Gemeinsam gegen Verdrängung" in Berlin beteiligte sich auch der kurdische Frauenrat Dest-Dan. Die Berliner Polizei ging gegen ein Transparent vom Berliner Widerstandskomitee mit der Aufschrift ,,Berxwedan Jiyan e" vor.



...
,,Als Kurden in allen Bereichen von Diskriminierung betroffen"

Der kurdische Frauenrat Dest-Dan kritisierte in seinem Redebeitrag den Rassismus auf dem Wohnungsmarkt, das Vorgehen des deutschen Staates gegen Kurd*innen und die Internierung von Flüchtlingen: ,,Unsere Wohnungen werden durchsucht, kurdische Verlage und Musikvereine werden verboten. Als Kurdinnen und Kurden sind wir in allen Bereichen von Rassismus, Kriminalisierung, Diskriminierung betroffen.

Flüchtlinge werden interniert und vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen

Viele Kurdinnen und Kurden sind vor dem faschistischen türkischen Regime oder sogar vor den IS-Banden hierher geflüchtet und werden danach hier nicht selten vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen. Viele leben seit Jahren in Flüchtlingslagern, unter schlechten und unwürdigen Bedingungen. Dabei bleibt es nicht, Frauen und Kinder sind dort in den Lagern oft sexualisierter Gewalt ausgesetzt."

Wohnungspolitik ist Ausdruck der Menschenfeindlichkeit des kapitalistischen Systems

Der Frauenrat kritisierte die permanenten Mietsteigerungen und die Zerstörung von ganzen Nachbarschaften durch die kapitalistische Gentrifizierungspolitik: ,,Insbesondere Frauen, Studierende und ältere Menschen werden aus ihren Nachbarschaften vertrieben und so immer mehr vereinzelt.
...
https://anfdeutsch.com/aktuelles/berlin-kurdische-frauenbewegung-auf-mietenstopp-demonstration-10620

ZitatRandale in Kreuzberg
Demonstranten gehen auf Polizisten los, neun Beamte verletzt


Am Rande der Demonstration unter dem Motto ,,Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn" drangen am Samstag drei Personen gewaltsam in ein leerstehendes Geschäft ein. Die Polizei griff ein, und in Folge eskalierte die Situation.

Dort hatten Zivilkräfte der Polizei gegen 15.15 Uhr festgestellt, dass sich drei Personen gewaltsam Zugang zu einem leerstehenden Ladengeschäft verschafft hatten. Alle drei wurden von den Beamten in Gewahrsam genommen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich jedoch bereits bis zu 200 Personen vor dem Ladengeschäft versammelt und es wurde über Lautsprecher dazu aufgerufen, die drei Personen in dem leerstehenden Gebäude zu unterstützen. Daraufhin versuchten die Personen vor dem Geschäft, laut Polizei in Teilen äußerst aggressiv, in das Geschäft einzudringen. Der frühere Gemüseladen hatte vor einigen Jahren als Symbol gegen steigende Preise und Verdrängung Schlagzeilen gemacht.

Polizisten verbarrikadieren sich, Lage eskaliert

Daraufhin verbarrikadierten die sechs in dem Gebäude befindlichen Zivilkräfte der Polizei in dem Laden, indem sie Möbel vor den Eingang stellten. Die Masse vor dem Laden ließ aber nicht ab und versuchte weiterhin, gewaltsam in das Geschäft zu gelangen.

Nur unter Anwendung körperlicher Gewalt und den Einsatzes von Reizstoff gelang es uniformierten Polizeibeamten letztlich, den Zugang des Geschäfts zu erreichen und ihn zu sichern, dabei wurden sie weiterhin bedrängt und angegriffen.
https://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/demonstranten-gehen-auf-polizisten-los-neun-beamte-verletzt

ZitatAuch in anderen deutschen Städten gingen am Sonnabend Menschen gegen steigende Wohnkosten auf die Straße. In Leipzig sprachen die Veranstalter von 2000 Demonstranten, in Dresden von 500. In München demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 300 Menschen - deutlich weniger, als von den Organisatoren erwartet. Aktionen gab es auch in Stuttgart, Freiburg, Heidelberg und Mannheim. In der Bankenstadt Frankfurt beteiligten sich 150 Demonstranten, in Hannover und Göttingen waren es jeweils 70 bis 80 Teilnehmer.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1116222.mieterprotest-es-braucht-ein-starkes-symbol.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Fritz Linow

ZitatIn Gröpelingen haben sich Mieter*innen von Vonovia organisiert, um gegen überhöhte Nebenkostenabrechnungen und steigende Mieten zu kämpfen. Mi, 10.4. treffen sie sich um 14 Uhr beim Nahkauf in (Seewenjestrasse 77) um Forderungen zu übergeben. Wenn ihr könnt, unterstützt sie doch.
https://twitter.com/fe_pix/status/1114967052027084800

Kuddel

ZitatProtest gegen hohe Mieten
Stuttgarter Polizei taucht ab

Die meisten Demonstranten haben sich friedlich verhalten. Das Schweigen der Polizei zum Einsatz von Pfefferspray ist irritierend, meint Redakteurin Nina Ayerle.




Die Kundgebung ,,Mieten runter" am Schlossplatz und der sich anschließende Protestzug verlief weitgehend friedlich. Das bestätigte auch die Polizei. So weit, so gut. Bei dem anschließenden Protestzug durch die Stadt in Richtung Marienplatz haben Polizisten allerdings Pfefferspray gegen Demonstranten eingesetzt. Auslöser waren offenbar Aufkleber, die Demonstranten an eine Hauswand klebten.
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.protest-gegen-hohe-mieten-polizei-taucht-ab.c8fb0947-7c84-447f-8172-7a0cf69c4757.html

Kuddel

Diese Website ist das Resultat der gerade entstehenden Mieterbewegung in Kiel:

https://mieter-netzwerk.de/

Kuddel

ZitatOhne Räumungstitel, ohne Antrag des Eigentümers - aber mit massiver Gewalt: Die Laden-Räumung in Berlin am 6. April



Der ehemalige Gemüseladen Bizim Bakkal in der Wrangelstraße steht exemplarisch für die Vertreibung alteingessener  Gewerbetreibener, aber auch für einen über Monate wachsenden Protest und die Selbstorganisierung der Anwohner*innen gegen den Mietenwahnsinn.
...
http://www.labournet.de/?p=147443

Kuddel


Kuddel

Stuttgarter Aktionsbündnis ruft nach Räumung erneut zur Demonstration auf
Protest gegen Mietenwahnsinn




Mehrere tausend Wohnungen in der Stadt stehen leer, auch aus Gründen der Spekulation. Erhaltenswerte Wohnungen werden abgerissen und durch teure Neubauten ersetzt. Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt von Jahr zu Jahr. Gab es 1987 noch 33 500 Sozialwohnungen, waren es 2017 in Stuttgart nur noch 14 443.

Für Beschäftigte mit geringem und mittlerem Einkommen, insbesondere aber für Auszubildende, Studierende, Alleinerziehende, RentnerInnen und Erwerbslose wird das Wohnen in der Stadt unbezahlbar. Oft verschlingt die Miete über die Hälfte des Einkommens. Stuttgarter Mieterhaushalte mit einem Nettoeinkommen unter 1300 Euro geben fast 60 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aus.



Bei der Stuttgarter Kundgebung und Demonstration am Samstag, 6. April, ab 14 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz geht auch die Kabarettistin Christine Prayon auf die Bühne. Der Unmut der Demonstranten richtet sich gegen das Rathaus und Investoren wie Vonovia. Wohnen sei ein Grundrecht, das täglich mit Füßen getreten werde. In Deutschland gebe es fast 1 Million wohnungslose Menschen und täglich Zwangsräumungen. Die Spekulation mit Wohnraum steige ins Unermessliche, und Konzernen wie Vonovia werde der rote Teppich ausgerollt, anstatt sie zu enteignen.

http://www.beobachternews.de/2019/04/05/protest-gegen-mietenwahnsinn/

Kuddel

Weser Kurier berichtet über Mieter*innen Protest

,,Dreck, Lärm und Handwerker, die nicht erscheinen: Nachdem ihre Wohnungen an der Selsinger Straße monatelang saniert wurden, fordern Vonovia-Mieter nun eine angemessene Entschädigung für die Unannehmlichkeiten."

www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/stadtteile-bremen-west_artikel,-zuhause-auf-einer-grossbaustelle-_arid,1927017.html?fbclid=IwAR3DyYCxrw-7UGdTN90BtCq7MIKBfRX4cMHnBVKhCizikybyFZLntCpVoSw

ManOfConstantSorrow

Bewohner und Nachbarn können sich auch selbst organisieren:

ZitatLeipzig: Dubioser Immobilien-Deal sorgt für Anwohner-Proteste

Leipzig - Wilde Grundstücksspekulationen, maximale Verdichtung und immer mehr Flächenversiegelung - das ist die negative Seite von Leipzigs Wachstum. Ein geradezu irrwitziger Fall bringt Anwohner in Leutzsch aktuell auf die Palme. Dort wollen Immobilien-Goldgräber ein kleines Eigenheim durch eine Reihenhaus-Anlage ersetzen.
https://www.tag24.de/leipzig/lokales/leipzig-dubioser-immobilien-deal-sorgt-fuer-anwohner-proteste-2028043
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel


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